Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Revolution auf der arabischen Halbinsel

Inprekorr Nr. 5, 15. Juli 1971 · S. 20-23 · 1.845 Wörter

Arabische Welt und Golf Nahost und Palästina Trotzki und Geschichte USA und Kanada

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la von Dhofar(l), die man als Fortsetzung der südjemenitischen Revolution vom 14. Oktober 1963 betrachten kann; Süd Jemen ist revolutionärer Stützpunkt für alle Befreiungsbewegungen der arabischen Halbinsel und des persisch-arabischen Golfes und sogar für Ost-Afrika (Erythrea, Somalia). In einer permanenten dialektischen Verbindung stehen folgende drei Komponenten der revolutionären Bewegung Südarabiens:

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die antimonarchistische und antifeudalistische Revolution im Nord-Jemen, die antikoloniale und antifeualistische Revolution des 14. Oktober im Süd-Jemen, und seit der Unabhängigkeit der Kampf für die Verwirklichung der Aufgaben der demokratisch-nationalen Revolution und die sozialistische Umwälzung dea Landes; schließlich die marxistisch-leninistische Guerilla von Dhofar, die von der "Demokratischen Volksfront zur Befreiung des arabischen Golfes" ge führt wird. Der Triumpf des revolutionären linken Flügels der süd-jemenitischen "Nationalen Befreiungsfront" auf dem IV. Kongress im März 1968 in Djin djibar war eine wertvolle Ermutigung für die marxistisch-leninistische Strömung der Dhofar-Befreiungsfront, die sich auf dem II. Kongress im September 1968 in Hamrin durchsetzte; umgekehrt war die Umwandlung der Dhofar-Befreiungsfront in die "Volksfront zur Befreiung des besetzten arabischen Golfes" im Rahmen einer Änderung ihrer strategischen Linie und die ausgesprochene nung jeder nationalistisch-bürgerlichen Ideologie. objektiv Unterstüt: lir den linken Flügel der süd-jemenitischen Befreiungsfront, der in dieser Zeit bewaffneten Widerstand gegen die Regierung von Quatan al-Chaabi, dem Staatsoberhaupt seit der Unabhängigkeit, leistete.

Der massive Angriff Saudi-Arabiens gegen die Nordgrenze Süd-Jemens im Septe. her und Oktober 1970, an dem alle von der "Revolution des 14. Oktober" ausgeschalteten und nach Saudi-Arabien geflüchteten Kräfte des Süd-Jemens nahmen, sollte die Abtrennung des 6. und 5. Regierungsbezirks Süd-Jemens (Hadramaut) ermutigen und so die Guerilla von Dhofar von ihrer einigen Nachschubbasis trennen und schließlich das Regime von Aden stürzen. Dieser Angriff Saudi-Arabiens ist der fühlbare Ausdruck der gegenwärtig besonders explosiven Situation in Süd-Arabien, die gekennzeichnet ist durch die"Koexistenz" des konservativsten arabischen Regimes(Saudi-Arabiens) mit dem fortschrittlichsten(Süd-Jemen) und ihrer Klassengegensätze. Welche Art von "fried licher Koexistenz" kann es aber geben zwischen dem autokratischen Regime in Saudi-Arabien, das Arabien in eine große amerikanische Militärbasis verwandelt hat und niemals aufgehört hat, gegen die süd-jemenitische Revolution, seit den ersten Studnen ihrer Existenz, Komplotte zu schmieden und noch nicht einmal die Unabhängigkeit Adens anerkannt haty und der Republik Süd-Jemen, dem einzigen Staat der Welt -- außer der Volksrepublik China --, der die Guerilla von Dhofar materiell unterstützt, die im Rahmen einer offensiven Globalstrategie versucht, den bewaffneten Kampf auf alle Emirate des arabischen Golfes auszudehnen und den Imperialismus sogar im Herzen seines Öl-Imperiums zu treffen ? Man muß betonen, daß für die Revolutionäre Süd-Jemens und Dhofars der Widerspruch zwischen den revolutionären Bewegungen ihrer Völker und dem Regime Saudi-Arabiens, das für sie(1) Vielleicht noch mehr als Israel, ein "imperialistischer Stützpunkt" ist, keineswegs ein Nebenwiderspruch ist, sondern im Gegenteil ein Element des Hauptwiderspruchs, bei dem auf der einen Seite die Befreiungsbewegungen der arabischen Völker stehen und auf der anderen Seite der Weltimperialismus._ in der Hauptsache der angloamerikanische, Israel und die arabische Reaktion; letztere wird dürch die arabischen Monarchien repräsentiert (Jordanien, Marokko, Saudi-Arabien), durch die feudalen Stammesfürstentümer (Staatenbund der Emirate am Arabischen Golf) und durch die reaktionären Klassen (Großbourgeoisie, Großgrundbesitzer). Wie der historische Kongreß der Nationalen Befreiungsfront (Süd-Jemens) von Djindjibar richtig betont hat, kann dieser Widerspruch nur durch die Verschärfung des Klassenkampfes und der Ausweitung der Revolution auf die ganze arabische Halbinsel aufgehoben werden, was den Sturz des saidiarabischen Regimes einschließt: "Das Bestehen gegenrevolutionärer Kräfte, die unser Land umgeben, verbunden mit der Gewalttätigkeit der Gegenrevolution auf der arabischen Halbinsel, wo die Erdölquellen liegen, verbietet Süd-Jemen, ein revolutionäres demokratisches Eiland im imperialistischen reaktionären Meer zu sein. Allein die Bewaffnung der Arbeiter und armen Bauern kann die Sicherheit der Revolution garantieren und die Konterrevolution im Innern sowie an den Grenzen bezwingen. Daher wird unser Land eine wichtige Rolle haben bei der Verbreitung des revolutionären Funkens, ohne die feindseligen Reaktionen der imperialistisch-reaktionären Koalition zu fürchten, der ein bewaffnetes Volk gegenübersteht, das mit Taten und nicht mit Worten sein Land, seine Fabriken und seine revolutionäre Demokratie verteidigt."

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Die Entwicklung des Nord-Jemens zeigt im umgekehrten Fall genau die Untaug lichkeit der Theorie der"friedlichen Koexistenz", oder besser die Untauglichkeitder rvisionistischen konterrevolutionären Praxis, wovon heute dio sowjetische Politik zeugt: wenn schließlich ein modus vivendi zwischen der jemenitischen Republik und Saudi-Arabien zustande kommen konnte, so gescha dies nach der Ligidierung der fortschrittlichen Republikaner (besonders durc die Auflösung der Volkswiderstandsorganisationen) und den Eintritt der Königstreuen in die Regierung von Sanaa durch den Saudi-arabischen Druck; in anderen Worten, das ganze fortschrittliche Potential der "Revolution vor 26. September" wurde neutralisiert und die "Arabische Republik Jemen" wurde in einen Staat umgewandelt, der nur noch durch seinen Namen an eine Republik erinnert.

Daher stellt die Radikalisierung der revolutionären Bewegung Südarabiens zusammen mit dem Auftauchen und der Entwicklungdes palästinensischen Wider standes, sowie dem Entstehen neuer arabischer Avantgarde-Organisationen die Antwort der "neuen arabischen Linken" auf den Bankrott der radikalen oder "befreiten" arabischen Regime (Syrien, Ägypten, Algerien) bei der imperialistisch-zion stischen Aggression vom Juni 67 dar. Der revolutionäre Prozeß, der sich in diesem Teil der arabischen Nation abspielt, illustriert konkret und offen die strategische linie, die von der Linken der palästiner.sischen Befreiungsbewegung vertreten wird; diese linke wird hauptsächlich nas"!

qua, die palästinensische Partisanenorganisation, die mit dem linken Flügel Baath-Partei um Salah Jedid verbunden ist, der durch den Staatstreich von General Hafez de Assad, gegen den er Stellung genommen hatte, entmachtet wurde):

1. Der Kampf gegen Israel kann nur erfolgreich sein, wie es im Negativen Staaten 148 der 190 er Rigotzde, en er seinem desen nachen landauer ein langdauernder Volkskrieg aller arabischen Völker und nicht nur des palästinensischen Volkes (das Israel allein nicht besiegen kann) geführt wird, sonern ein Kroig ist, der gleichzeitik gegen den Weltzionismus und seine Verkörperung, den Staat Israel gerichtet ist, sowie gegen das weltwirte System des imperialismus und allseinen Formen in Arabien (militärisch, politisch, ökonomisch, kulturell und ideologisch), gegen die reaktionären arabischen Regime, die mit ihm organisch verbunden sind: Jordanien, Libanon, Saudi-Arabien; diese Staaten sind ebenso wie Israel feinde der palästinensischen Befreiungsbewegung; der Krieg richtet sich auch gegen die Ausbeuterklassen, die die Entwicklung der palästinensischen Revolution (Feudalherren und Komparadorenbourgeoisie) hemmen.

2. Dieser langandauernde Volkskrieg chinesischen oder vietnamesischen Typs, der allein die technologische Überlegenheit Israels zu überwinden vermag, und geführt wird von einer nationalen Befreiungsfront, deren Leitung, in den Händen von Marxisten-Leninisten liegt, macht das dialektische Verhältnis sichtbar, das zwischen der palästinensischen Revolution und der arabischen Revolution, den Revolution für nationale Befreiung mit sozialistischen und gesamtarabischen Perspektiven besteht; (das bedeutet die Errichtung eines vereinigten proletarischen Staates, der die ganze arabische Nation umfasst) dabei wird die Beschränkung des Konflikts auf Palästina zurückgewiesen, ebenso wie die Ablehnung des Klassenkampfes innerhalb der arabischen Gesellschaft und das Prinzip der "Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen Länder" (Al-Fathah-Position) 2).

3. Allgemeiner ausgedrückt kann die nationale demokratische Revolution ihre grundlegenden Aufgaben (Industrialisierung, Landreform zugunsten der armen Bauer) Resterinde, politien nand non et du halei ne nationenie in die Hande des Proletariats übergeht, das mit den armen Bauern und revolutionären Intellektuellen verbunden ist; die Niederlage vom Juni 1967 war nicht nur eine militärische Niederlage (Erklärung der Rechten), sondern auch eine politische Niederlage der Regime der nationalem Kleinbourgeoisie (z.B.

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Syrien), die Niederlage ihres ökonomischen und gesellschaftlichen Programms, sowie ihrer Ideólogie und ihrer Methoden.

Ist die Gaarilla von Dhofar unter der leitung der "Volksfront zur Befreiung des besetzten arabischen Golfs" nicht das erste Beispieleines gelungenen Tolkskrieges in einem arabischen Land, der von einer marxistisch leninistische Avantgarde geführt wird? Dieser Volkskrieg ist nicht nur gerichtet gegen die britische Besatzungsmacht, sondern auch gegen den amerikanischen Imperialismus, gegen Ölkapitalismas, lokale Reaktion , die saudi-arabische und iranische Autokratie, sowie dem faulenden Regime der Scheiks, Sultane und Emire (Föderation der Emirate am Arabischen Golf). Ist die Guerilla von Dhofar nicht zugleich die Revolution zur nationalen Befreiung, eine soziale und kulturelle Revolution ? Daher erklärt sich ohne Zweifel der skandalöse Boykott durch die Gesamtheit der arabischen Staaten (Südjemen ausgenommen), : einstre den palästinensischen Volk (4) dieses böse Beispiel, das ihm den einzuschlagenden Weg zeigen könnte, verbergen.

Ist die revolutionäre Erfahrung Süd-Jemens nicht das erste Beispiel in Arabien für einen nationalen Befreiungskampf, der sich nach der Unabhängigkeit ohne Stillstand oder Rückschritt fortsetzt zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft, wobei so die Falle des Neokolonialismas und der Konterrevolution vermieden wird; Und es zeigt sich, wie gültig und aktuell die These der "permanenten Revolution" in den kolonialen Ländern ist! (5) Die Fedayin können heute aufgrund der Massaker an ihrem Volk,+veranstaltet von der jordanischen Reaktion, die Richtigkeit der These sehen, die lange jemenitischen Revolutionären vertreten wurde, die von den 1967 geschlagenen Regimen als "Strörenfriede" betrachtet werden, die die Wiederverno nun dit den unvereindeten Bedeegen esonde der verhinne Reaktion ist genauso wie Israel und der amerikanische Imperialismus ein permanenter Hauptfeind der arabischen Befreiungsbewegung im allgemeinen der palästinensischen im besonderen; jeder mit der arabischen Reaktion geschlossene Kompromiß (Verträge woh Djiddah über die Beendigung des Bürgerkrieges in Nord-Jemen, palästinensischejordanische Abkommen)lann nur ihren Hoc mut und ihre Angriffslust vermehren. Da die friedliche Koexistenz mit der arabischen Reaktion , die diese ablehnt, nicht möglich ist, muß man offensiv werden, da es sich auf eine Frage auf Leben und -od handelt! Der Kampf deı Revolutionäre Dhofarsund Süd-Jemens ist nicht zutrennen von dem der palästinensischen Widerständler; weit davon entfernt, "die arabische Front zu spalten", wie es die wurmstichigen Theoretiker der Kapitulation und der Klassen_ versöhnung vom Schlage Hassanayn Haykals behaupten, helfen die Revolutionäre Süd-Jemens und Dhofars im Gegenteil dem palästinensischen Volk, den Schraubstock seiner Feinde zu sprengen, indem sie den Erdölimperialismus in Arabischen Golf schlagen. (J.P. Viennot. Paris, Mai 1971)

(1) Siehe INPREKORR Nr. 4 vom 15.6.71: "Nationaler Befreiungskampf am Arabischen Golf"

In Saudi-Arabien gibt es zahlreiche amerikanische Militärstützpunkte Während die arabischen Regierungen sich ständig in die "inneren Angelegenheiten des palästinensischen Widerstands einmischen! (3) Vergl. im Buch von Nayef Hawatmeh (Dem Führer der Demokratischen Volksfront für die Befreiung Palästinas) "Die Krise des palästinensischen Widerstandes" (Beirut, Dar al-Talia 1965) das erste Kapitel: "Die demokratisch-nationale Befreiungsbewegung in den rückständigen Ländern". (4) Im Gegensatz zur Presse der F.D.P.L.P. (al Sharara) und der F.P.L.P. (al Hadaf) hat die Presse von Al-Fatah nicht versucht, die Guerilla von Dhofar bekanntzumachen.

(5) "In Bezug auf die Länder mit einer verspäteten mit einer verspäteten bürgerlichen Entwicklung, insbesondere auf die kolonialen und halbkolonalen lander, bedeutet die Theorie der permanenten Revolution, daß die volle und wirkliche Lösung ihrer demokratischen Aufgaben und des Problems ihrer nationalen Befreiung nur denkbar ist mittels der Diktatur des Prolétariats..." (Trotzki, Die permanente Revolution. Ffm 1965, S. 150)