Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Zu den Hintergründen der Krise in Indien

Inprekorr Nr. 39, 24. Juli 1975 · S. 9-12 · 1.219 Wörter

Indien und Südasien

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Land und 1,7 Millionen, die weniger als 0,4 ha be• arbeiten. Dies ergibt insgesamt 7, 1 Millionen Familien ohne ein Minimum an Boden. Nur 82 000 Großbauern besitzen mehr als 20 ha Land und sind somit in der Lage, einen Überschuß an Nahrungsmitteln zu pro duzieren. Die landlosen Bauernfamilien wurden zu passiven Verbraucher von Nahrungsmitteln, die in Wirklichkeit selbst nicht produzieren. Viele unter ihnen ziehen in die Städte. Die anderen werden durch öffentliche, vom Staat finanzierte Projekte vor dem Hunger "gerettet". Sie arbeiten mehrer Monate im Jahr und erhalten einen Tageslolın von einigen Rupien. Schmuggel, Korruption und bürgerliche Politiker.

In einem so armen Land wie Indien stimulierte die dreifache Kombination eines staatspakapitalistischen Sektors, eines Staatsbudgets, welches mehr als die Hälfte der industriellen Investitionen bestimmt, und einer starken bürgerlichen Klasse die Korruption in gewaltigem Ausmaß.

Deiner des Wireie Unternenne, eine hatet, et- von 41 Milliarden, im öffentlichen Sektor der Wirt- , schätzt, schaft ausgegebenen Rupien bis zu 40% auf Bestechungen und Unterschlagungen entfallen.

Unzählige Politiker waren in korrupte Praktiken verwickelt. Nicht eine Woche vergeht, ohne daß ein Milliarden Rupien allein an der Westküste des Landes. Der größte Teil der illegal ins Land gebrachten Güter besteht aus synthetischen Textilien; außerdem werden vor allem Ühren, elektronische Vorrichtungen, pharmazeutische Produkte und Automobilersatzteile eschmuggelt. Die meisten der illegal ausgeführten Produkte sind Lebensmittel ! Reis, dessen Preis vor

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der Regierung subventioniert wird, kann in Indien für 6 bis 7 Rupien das Kilo gekauft und dann in den Lăndern des Arabisch-Persischen Golfs wegen der dort in schwindeinde Honen steigenden Nanrungsmitte preise für 30 Rupien das Kilo verkauft werden. Viele der reichsten Schmuggler sind gleichzeitig die wichtigsten Finanziers der bürgerlichen Parteien, die Regierungspartei eingeschlossen. Daher die Straffreiheit, die sie genie Ben.

Differenzen innerhalb der Bourgeoisie.

Nach der Entkolonialisierung traten die wichtigsten kapitalistischen Gruppen Indiens für einen starken öffentlichen Sektor der Wirtschaft ein. Die Schwerindustrie begann nur langsam zu produzieren, keine Profite und konnte auf dem Weltmarkt nicht Schritt halten. Nach einiger Zeit jedoch begannen einige öffentliche Gesellschaften, Profite abzuwerfen. un gab einen Konkurrenzkampf zwischen öffentlichen stehenien investitionsmi tel Daher der Dr Vereinen Teils der Bourgeoisie zugunsten einer totalen oder teilweisen Reprivatisierung des öffentlichen Sektors (über die Einrichtung "gemeinsamer Untemehmen"). Die wichtigsten bürgerlichen Oppositionsparteien der "alte Kongreß", die Jan Sangh und die Swantantra - sind für die Reprivatisierung, Indira Gandhi ist mehr oder weniger dagegen.

Es handelt sich jedoch in Wirklichkeit um eine Uneinigkeit innerhalb der Bourgeoisie darüber, welche Politik den Interessen der herrschenden Klasse besser dient, und keineswegs um eine Gegenüberstellung einer "kapitalistischen" und einer nicht kapitalistischen" Linie. Die Birla-Gruppe, einer der mächtigsten kapıtalistischen Gruppen des Landes, unterstützt weiterhin Indira Gandhi. Nach dem Fehlschlag der Verstaatlichung des Getreidehandels änderte Gandhi ihren Kurs in der Wirtschaftspolitik und begünstigt seitdem den privaten Sektor.

Ursprünge der Agitation von Jaya Prakesh Die Massenunruhen wurden anfänglich von Studenten in den Staaten Bihar, Gujarat und Uttar Pradesh hervorgeruten. Sie protestierten gegen das ungerecnte Universitätssystem und die dort herrschende Korruption. Die Agitation war gegen sehr allgemeine Miß stände gerichtet: Preissteigerungen, Mangel an Lebensmitteln, Korruption, Unfähigkeit der Regierung en der Staaten, usw. Der Premierminister Uttar Pradeshs wurde zur Demission gezwungen und das Parlament des Staates Gujarat mußte zurücktreten.

Jaya Prakesh Narayan ist ein alter sozialdemokratischer Führer, ein traditioneller Pazifist, dessen Prestige aus der Zeit des Unabhängigkeitskamples stammt, und der sich in den letzten Jahren verstärkt gegen den Kommunismus ausgesprochen hat, Er weigerte sich, die Massenagitation, zu dessen Symbol und führendem Sprecher er geworden war, auf präzise wirtschaftliche und soziale Ziele zu lenken. Er stellte deshalb vage, eblichen Verwordnungen den dampf gehen Korner- volkstümliche Forderungen, tion" auf. Da er selbst weder eine eigene Partei noch einen eigenen Apparat hinter sich hat, konnte er von rechten und extrem-rechten Kräften, die sich in soliden organisatorischen Rahmen bewegen, leicht manipuliert werden. Seine Funktion bestand objektiv gesehen darin, die wachsende Wut der Jugend und der armen Massen in Bahnen zu lenken, die das Überleben der indischen Bourgeoisie nicht in Gefahr bringen. Narayan

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zwei politische Koalitionen.

Die Moskau-treue KP Indiens unterstützte die Regierung Indira Gandhis seit langem, selbst damals, als sie den Streik der Eisenbahner brach (Si che die englische und französische Ausgabe von INPRECOR, Nr. 4, 18 Juli 1974) und als sie den Lohnstopp erklärte. Sie unterstützte heute sogar die Repression und die Verhaftung der Führer der KPI (Marxistisch) und der Sozialistischen Partei.

Zwei links der KP stehende Arbeiterparteien, die KPI (Marxistisch) und die RSP (Revolutionär-Sozialistische Partei), die beide nichts aus dem jämmerlichen Fehlschlag der Politik der Koalitionsregierun- Banzen it der sozisistischent Parten, dem alten - dem "Alten Kongreß" (der von Mitgliedern des Kongresses gebildet wurde, die Indira Gandhi in den Jahren 1970-71 entließ), rechten und extrem-rechten Parteien wie der Swantantra und der Jan Sangh (Hindu-Rassis ten). Zu dieser Allianz hatte Jaya Prakesh Narayan aus tein elektorischen Gründen aufgeruten. Dieser BlOCK hofft, Indira Gandhi während der nächsten nationalen Wahlen zu entmachten. Und dies durch einfache Addition der Stimmen aller Oppositionsparteien. Diese Rechnung ging kürzlich bei den Parlamentswahlen des Staates Gujarat auf. Von derlei prinzipienlosen Operationen profitiert natürlich nur die Bourgeoisie. Die den Maßnahmen Gandhis direkt vorhergehenden Ereignisse. Die unmittelbaren Beweggründe für die Ausrufung des Notstands durch Indira Gandhi scheinen in ihrer Wahlniederlage im Staat Gujarat und in einem Gerichtsurtel zu liegen, das ihr Parlamentste, der tiefere rund hend wegen Wahlbetrugs annulierte. mag ein doppelter sein: einerseits die echte Furcht, bei den Parlamentswahlen, die im nächsten Frühjahr abge- halten werden sollen, eine Niederlage zu erleiden; andererseits das Aufkommen einer bedeutenden Ten denz, die einen Kompromiß mit Jaya Prakesh Narayan und eine Neubildung aller bürgerlichen politischen Kräfre ues Lanues sucuen. es ist nicht ausgeschlossen, dais ein Teil der Armee diesen Plänen positiv gegenübersteht. Die unmittelbaren Perspektiven.

Während sie die Repression verstärkt (die Zensur be trifft nun sogar Neuauflagen der Schritten des Vaters falls diese in der "gegen die Armut"

wieder aut und schlug eine neue Höchstgrenze für landwirtschaftlichen Besitz, sowie ein Verbot für Übernehmen von Vieh und Land gegen unbezahlte Schulden vor. Diese Versprechungen werden nun seit Jahrzehnten, erst von Nehru und dann von Indira Gandhi wiederholt. Sie lassen die Dorfarmen kalt, wenn sie nicht in Taten umgesetzt werden. Als bürgerliche Politikerin kann Indira Gandhi jedoch den reichen Bauern und der ländlichen Bourgeoisie nicht zu nahe treten, denn diese bilden die Basis und den Rahmen ihrer Partel. Die Aufrechterhaltung der repressiven Maßnahmen und die Tatsache, daß die Opposition langsam im Untergrund verschwindet, schatten eine Lage, einigtes, Pouzisten, die so breitem Umlang in de- Geralignis; Ponzisten, die in monstrierende Massen schießen; der plötzliche Ausbruch von Bauernrevolten) genügen kann, um gewaltige Massenmobilisierungen auszulösen.

Die Unfähigkeit der Linken erlaubte es der bürgerlichen Opposition, die Initiative zu ergreifen. Die herrschende Partei ist in enormen Mißkredit geraten. Die dre die Micelbbere Wee - indira Gandhi selati daten "Vereinigte Opposition" und die Armee, die den Schiedsrichter spielt - stellen allesamt bürgerliche Alternativen dar. Die objektiven Bedingungen eines der subjektiven Faktors ist jedoch so tief, dab das revolutionären Aufschwungs sind P. ndel Gefahr läuft, noch weiter nach rechts auszuschlagen, bevor es in der Lage ist, zurück nach links zu schwingen.

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Wilsons