Zur Zeit findet in Schweden der größte Waldarbeiterstreik seit 1942 statt. 15 000 Arbeiter streiken im Notden des Landes. Dies ist ein wichtiger Schritt vorwärts im schwedischen Klassenkampf.
Die holzverarbeitende Industrie ist eine der bedeutendsten Einnahmequellen der schwedischen Kapitalisten: 30% aller schwedischen Exporte sind Waren, die auf Holz basıeren (z. B. Papier). Während der letzten zwei Jahre erlebte dieser Sektor der Exportindustrie einen außergewöhnlichen Aufschwung. Die Profite waren so hoch wie nie zuvor. Dies steht im scharfen Gegensatz Zu den Verhältnissen, in denen die Baumfäller leben müssen, Deren Einkommen ist, verglichen mit den Lounen von Arbeiter aus anderen Industriezweigen, sogar zurückgegangen, Die Stundenlöhne bewegten sich zwischen 10 und 35 Kronen (zwischen ungefähr 5 DM und 20 DM). Diese Unterschiede haben ihren Ursprung in der variierenden Lohnskala. Akkordarbeit ist in Schweden weit verbreitet und die Löhne bei den Holzfällem sind deshalb stark vom Wetter abhängig. Dieses Lohnsystem stellt die Arbeiter unter starken Druck. Mit dem Resultat, daß die Unfallrate bei den Holzfällem die höchste ist innerhalb der gesamten schwedischen Industrie, All diese Bedingungen führten nun zum Streik der Waldarbeiter. Dieser Streik wurde bereits seit einigen Monaten vorbereitet. Die Arbeiter hielten viele Versammlungen ab und sie setzten sich im wesentlichen zwei Ziele: *-Druck auf die Gewerkschaftsführung ausüben, damit sie die Forderungen der Arbeiter autgreit; *-Mobilisierung aller Arbeiter der ganzen Gegend, Die Gewerkschaftsführung versuchte, die Einheit der Arbeiter zu spalten, indem sie einige der Forderungen aufgriff und den militanten Flügel der Bewegung zu isolieren versuchte. Diese Taktik war jedoch absolut ertolglos. Am 22. Februar trafen sich 1 500 Arbeiter, um den Streik vorzubereiten. Viele dieser Arbeiter mußten mehr als 500 km reisen, um an der Versammlung in dem kleinen Dorf Alvsbyn teilnehmen zu können. Dort wurde folgende Resolution angenommen:
"An die schwedischen Arbeiter:
Wir, die Waldarbeiter, stehen zur Zeit den schwersten Auseinandersetzungen mit unseren Arbeitgebem gegenüber. Wir sind entschlossen, bis zum Ende für unsere Forderungen zu kämpfen. Vor allem für einen monatlichen Ecklohn ohne Arbeitsplatzbewertung. Wir haben diese Forderung oft gestellt und alle Mittel, uns Gehor zu schaffen, ausgeschöpft -- mit Ausnahme des Streiks. Leider haben unsere Bemühungen nur einige kleine Erfolge gehabt. Wir befürchten nun, daß auch das Ergebnis der diesjährigen Lohnverhandlungen wieder eine Widestand der Unternehmed at brechen, bet den bleibt uns deshalb als einziger Ausweg nur noch der Streik. Wir streiken weder um des Streiks wegen, noch streiken wir aus Verzweiflung, und auch nicht, weil wi insere Unzufriedenheit demonstrieren wollen. Wir streiken, um zu siegen, und wir wissen, was wir tun. Unser Feind ist stark, Zusammen mit seinen Verbündeten ist er in der Lage, das gesamte schwedische kapitalistische System gegen uns zu mobilisieren. Unser
SCHWEDEN V311: 71 Feind kontrolliert große Teile der natürlichen Res- verkschaftsführung wurde zu Verhandlungen gezwunge sourcen unseres Landes, fast alle Fabriken, die Werf- aber gleichzeitig versucht sie, den Streik durch alle ten, die Aktiengesellschaften, die großen Banken und möglichen Manöver zu brechen. die multnationalen Konzerne. Außerdem kontrollieren sie in direkter oder indirekter Weise die Massen- Die sozialdemokratischen Zeitungen des Nordens verunglimplen die Arbeiter taglich, und sixten Backstrom, der führende Gewerkschaltsbürokrat, außerte Wir haben aber keine Angst vor diesem starken Feind, sich in unglaublicher Weise. Zum Beispiel antwortedenn wir besitzen eine Stärke, die niemand brechen te er auf die Forderung der Arbeiter, Streikfonds zur kann, wenn wir sie nur in der breitestmöglichen Weise Unterstützung der Streikenden zu bilden: "Dies ist das empörendste, was mir bis jetzt unterkam. Unsere
Aber des Lance an et aperen et am ale, Mitglieder sollten verstchen, daß Gewerkschaftsgeld so nicht benutzt werden kann !"
le schwedischen Arbeiter: führt mit euren Gewerkschaften und mit euren politischen Organisationen Solidari- Anfang April wichen die Arbeiter einen Schritt zutätsveranstaltungen durch! Unterstützt die Forderungen ruck, um dadurch zu vełsuchen, aus der Sackgasse, der Waldarbeiter nach einem festen Monatslohn! indic-sie sowohl gegenüber den Unterehmern als Kampfesgrüße vom Streikkomitee der Waldarbeiter. " auch gegenüber der Gewerkscharisburokrate geraten waren, wieder herauszukommen: sie ließen ihre For- Auf demselben Treffen wiederholten die Arbeiter ihre 1 ouo kronen intensie verhangten Jedoch ine Vor- Forderung nach einem Monatslohn von 4 000, -- Kronen, plus 25, -- Kronen Tagesprämie. bedingung für die Verhandlungen: die Untemehme sollten einem festen Monatslohn zustimmen. Die Hö- Angesichts dieser Einheit auf der Seite der Arbeiter, he sollte in Verhandlungen festgelegt werden. waren die Unternehmer und die Gewerkschaftsführung Um die unnachgiebige Haltung der Untemehmer zu nicht in der Lage, die Bewegung zu stoppen. Der breçhen, ist nun die Arbeitersolidarität am wichtig- Streik begann am 21. März mit der Arbeitsniederle- sten. Die Arbeiter selbst verstehen dies und ihr Appell gung von 4 000 Menschen, Innerhalb weniger Tage brachte wichtige Ertolge. Uberall im Land und in verstreikten überall im Norden Schwedens 15 000 Arbei- schiedenen Fabriken (z. B. bei Volvo und im Bergter. Die geographische Breite des Streiks schafft je- bau) entstanden Solidaritätskomitees, Man sammelte doch ein großes Problem. Da die Arbeiter über hunder- Geld für die Streikenden. Verschiedene lokale Gewerk te von Städten und Kleinen Dörfer verstreut sind, ist scha[tssektionen und Parteien untefstützten cbenfalls es für sie schwer, sich zu treffen. Einige Mitglieder die streikenden Arbeiter -- zur größten Unzufriedendes zentralen Streikkomitees müssen z. B. über 500 heit der Führungsspitze der Sozialdemokratie. Die Ar kı weit zu Versammlungen anreisen. Ein anderes beiter druckten 10 000 Exemplare eines "10-Kronen- Problem besteht darin, daß die Arbeiter einerseits bei Scheines" , die jetzt von den Waldarbeiter und von verschiedenen privaten Gesellschaften und andererseits den Aktivisten der Solidaritatsbewegung verkauft wer beim Staat beschäftigt sind, Dies macht die Verhand- den.
lungen mit den Unternehmem schwierig. Das Streikkomitee sieht deshalb den Streik auch als Druckmittel Ein Sieg der Waldarbeiter im Kampf um feste Monatsgegenüber der Gewerkschaftsführung an, damit diese lohne wäre ein Sieg der gesamten Arbeiterklasse. Er endlich die Verhandlungen mit den Untemehmern auf- würde die Arbeiter von dem gewaltigen Stress befreinimmt. Bis jetzt haben die Unternehmer Verhandlungen en, unter dem sie gegenwärtig zu arbeiten gezwunger abgelehnt, Ihre Position wird jedoch schwacher, Je sind, und er würde Arbeiter anderer Branchen ermutimehr die Holzreserven zusammenschrumpfen. Die Ge- gen, ihrem Beispiel zu folgen. NEUE INPREKORR-ADRESSE :
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