Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Eine neue Etappe der Arbeiterkämpfe?

Inprekorr Nr. 32, 1. Mai 1975 · S. 27-29 · 1.476 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Indien und Südasien

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BALA TAMPOE

Der 31. Januar 1975 eröffnet eine neue wichtige werden zu lenken, sondem darüber hinaus auf andere, Phase in der Geschichte der Arbeiterbewegung indbesondere:

dieses Landes. Kurz vor Jahreswechsel kündigte die --Für die Beendigung des Ausnahmezustandes und regierungsfreundliche Gewerkschaftszentrale - be- Wiederherstellung demokratischer Rechte und bürgkannt alsVereinigtes Komitee der Gewerkschafts- erlicher Freiheiten, das Streikrecht einbeschlossen organisationen (Joint Comittee of Trade Union Or- --Für die Zurücknahme repressiver und reaktionärer ganisations = JCTUO) - einen Warnstreik ihrer Ge- Gesetze, wie dem "Public Security Act" (Gesetz werkschaften für den 31. Januar an. Dieser Streik zur Wahrung der Offentlichen Ordnung) und dem sollte die Aktivitäten um die "28 Forderungen" "Criminal Justice Comission Act" weiterführen, die sie seit dem Juli 1973 von Zeit --Bedingslose Freilassung aller politischer Gefangener zu Zeit veröffentlicht hatten. Aus diesen Forderungen --Für die Wiedereingliederung aller Arbeiter, dic wählten sie drei als "Sofortforderungen" aus: unter dem "Essential Services Order"(Notverordnung) -- Übemahme der Textilindustrie, der Gesell- entlassen worden sind und Wiederherstellung aller schaftsvermögen und der Banken Rechte, die den Arbeitern unter dem Deckmantel *- Sofortige Lohnerhöhung von Rs, 75 für alle Be- des Ausnahmezustandes weggenommen worden sind, schäftigten, die weniger als Rs. 800 verdienen --Zwang zur Lebensmittelproduktion auf den Plan- ** Zahlung von Rs. 2,50 pro Erhöhung des Lebenshaltungsindex um einen Punkt. --Für ausreichende Lebensmittelversorgung zu erträglichen Preisen --Für Wiederherstellung des Acht-Stundentages als gesetzliches Maximum

In einem Flugblatt vom 20. Januar vertrat die CMU (Ceylon Mercantile Union - Gewerkschaft, in der die ceylonesische Sektion der Vierten Internationale Die CMU rief auch andere Gewerkschaften, die nicht einen starken Einfluß hat) den Standpunkt, daß von dem JCTUO angehören auf, an dem Warnstreik vom dem JCTUO nicht erwartet werden kann, daß es 31, Januar unter denselben oder ähnlichen Parolen einen wirklichen Kampf um die "Forderungen" teilzunehmen. In dieser Weise setzte die CMU die führen wird solange es von den drei Parteien, die Frage eines Generalstreiks der organisierten Arbeiterdie Regierung repräsentieren kontrolliert wird. klasse für den 31. Januar auf die Tagesordnung: FU Diese drei Parteien sind: SLFP (Sri Lanka Freiheits- die Wiederherstellung der Freiheiten und für die Ver• partei), ISSP (Lanka Sama Samaja Partei - Partei teidigung des Lebensstadards der Massen, der Arfür eine gleiche Geselischaft) und KP (pro Moskau). beiterklasse eingeschlossen. Das JCTÚO, erklärte die CMU "ist im Wesentlichen ein Werkzeug der Regierung". itik der Regierung darin besteht "die kapitalistische Die CMU erklärte weiter, daß die grundlegende Po- Tag, In dieser Situation, am 29. Januar - gerade an dem an dem eine Generalversammlung der CMU ein- Herrschaft in diesem Land auf Kosten der Arbeiter- klasse und der Masse der Bevölkerung aufrechtzier- berufen wurde, die die Entscheidung des Vorstands der Gewerkschaft, an dem Warnstreik teilzunehmen drücken. " Aus diesem Grund entschied die CMU, halten und alle Formen der Massenaktion zu unter- bekräftigen sollte, verkündete die Führung des JCTUO, daß sie entschieden habe, den "Waram 31, Januar einen Warnstreik durchzuführen um die Aufmerksamkeit der Massen nicht nur auf die streik, der für den 31. Januar angekündigt war zu suspendieren" '. Sie gab eine Erklärung ab, in der drei Forderungen wie sie von dem JCTUO aufgestellt es heißt, daß sie am 28. Januar mit dem Premier-

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SRI LANKA minister und Mitgliedern des Kabinetts gesprochen den drei Soforte Seinen me die vergeregt zu hätten, die folgende sei:

(1) Die Frage der Nationalisierung wesentlicher Inschäftigt" und "schnelle Entscheidungen sctrin habe "dSchnelle Entscheinen dabeber" würden dem JCTUO umgehend mitgeteilt. (2) Für Beschäftigte in der Regierung, in Korporationen, lokalen Behörden und kooperativen Sektoren, die weniger als Rs. 800 im Monat verdienen wird eine zusätzliche Zahlung von Rs. 25. - zurestanden," Bezüglich der Frage der Wirkuns lieser Entscheidung für die Beschäftigten des privaten Sektors, die sich schon der Zahlung von einmaligen Gratifikationen erfreuen, sowie der Plantagenarbeiter" , wilrde die Regierung eine Konferenz des Arbeitgeberverbandes und der Gewerkschaften einberufen, auf der weiter diskutiert werden könne.

Als di e JCTUO-Führung versuchte auf einer Versammlung in der Saraswathie - Halle (Colombo) ihre eigenen Gewerkschaftsvertreter davon zu überzeugen, daß diese Stellungnahme der Regierung ausreichend sei, den Warnstreik abzusetzen, mußte sie starken Protest und mitunter sogar Spottgeheule einstecken.

Obwohl das JCTUO seinen Streik absetzte, zeigten die Arbeiter, die deren Gewerkschaft angeschlossen sind in vielen Fällen Solidarität mit dem Streik der CMU und vereinzelt traten sie sogar aus diesen Gewerkschalten aus und nahmen an dem Streik teil. in Untemehmen des Exporthandels kam es nach dem 31. Januar vor, daß Arbeiter mit der KP-Gewerkschaft brachen und zur CMU übergingen. In einem Unternehmen waren die Arbeiter 25 Jahre lang. ohne Unterbrechung Mitglieder dieser Gewerkschaft gewesen. Ähnliche Überläufe hat es bei der LSSP-Gewerkschaft gegeben, Durch diese Entwicklung wurde die Position der KP- und d r LSSP-Gewerkschaften, besonders unter den Handarbeitern ziemlich erschüttert.

Noch emster gestaltete sich die Lage für sie, als der Arbeitgeberverband es entschieden ablehnte, dem Gesuch der Regierung zu entsprechen, auch den Beschäftigten des privaten Sektors eine Zulage von Rs. 5. - zugewähren, da diese schon gemäß Tarifvertrag eine "Lebenshaltungskosten" - Vergütung bekommen. Um ihre Position in diesem Sekfor zu retten, appellierte daraufhin die JCTUO- Führur - verzweifelt an die Regierung, die zusätzliche Zahlung im privaten Sektor zu erzwingen. schäftigten des Staates und der kommunalen Verwalt- Daß sich die Regierung entschlossen hat, den Beung einen Lohnzuwachs von Rs. 25. - einzuräumen, ist offensichtlich darauf zurückzuführen, daß es in diesem Bereich keine "Lebenshaltungskosten" - Zahlungen gibt, die entsprechend dem Anstieg des Lebenshaltungsindex steigen, wie das der Fall bei den Unternehmen ist, die dem Arbeitgeberverband angeschlossen sind oder sonstwie dem privaten Sektor angehören.

Nach einigem Hin und Her hat die Regierung - mit offensichtlichem Widerwillen - eine neue Regelung bekanntgegeben, derzufolge eine 10%-ige Lohnzunahme für die Arbeiter des privaten Sektors bis zu einem Maximum von 25. -Rs. zugestanden wird, von dieser Regelung sind ausdrücklich die Beschäft- die durch den Tarifvertrag zwischen der CMU und dem Arbeitgeberverband betrotten sind. Es sind dies die CMU-Mitglieder, die durch den Tarifvertrag für die Nicht-Handarbeiter erfasst werden. Sie bekommen eine höhere "Lebenshaltungskosten" - Zahlung als die Handarbeiter in den Betrieben des Arbeitgeberverbandes. Der Grund dafür liegt darin, daß die CMU eine rechtliche Absicherung der Lebensstandard-Vergütung für die Betriebe des Arbeitgeberverbades schon 1966 unter der UNP-Regierung erkämpit hat.

Ja die überwältigende Masse der Arbeiter im privaten Bereich sehr niedrige Löhne bezieht, werden sie nach der neuen Regelung weit weniger als Rs. 25, - monatlichen Lohnzuwachses erhlaten. Auf den Plantagen zum Beispiel, wo das monatliche Durchschnittseinkommen 50. - bis 60. - Rs beträgt wird der Zuwachs 5. -Rs nicht überschreiten.

Dies ist ein Hohn auf die JCTUO-Forderung, die lautet: "Sofortige Zahlung von Rs. 75. - an alle Beschäftigten, die weniger als Rs. 800 verdienen. Genauso verhält es sich mit der Forderung nach ein Komitee zu schaffen, welches "einen realistischen Lebenshaltungsindex bestimmen" soll, Die oft beredete "Nationalisierungs" -Forderung bezüglich der Plantagen, der Banken und der Textilindustrie wird inzwischen von den "zuständigen Stellen" "überdacht".

Kurz gesagt: Wie nie zuvor in ihrer kurzen, aber schändlichen Geschichte sind die falschen Forderungen der JCTUO , sowie deren "Anwendung" entlarvt worden.

Die bewußten Arbeiter erkennen nun, daß die JCTUO- Führung nicht zugleich der Einheitsfront-Regierung und den Arbeitern ihrer Gewerkschaften dienen kann. Sie haben erkennt oder beginnen zu verstehen, daf keine "Forderungen" gestellt und keine "Warnstreiks" durch die JCTUO-Führer angekündigt werden können, ohne daß die politischen Führer der drei Regierungsparteien davon in Kenntnis gesetzt sind und dem zustimmen, Mit anderen Worten: Sie erkennen jetzt, daß die Politik des JCTUO gegenüber der Arbeiterklasse in nichts anderem besteht als darin, sie zu betrügen und sie passiv zu halten, indem sie ihre Erwartungen auf die wohlwollende Behandlung" ihrer "Forderungèn" durch die Regierung richtet, während die Regierung fortfährt, ihre repressive und reaktionäre Politik gegenüber der Arbeiterklasse weiterzuverfolgen. •Um diese Politik zu bekämpfen, hat die CMU richtig unterstrichen, daß es notwendig ist, "die Kräfte der Arbeiterklasse unter ihrem eigenen Banner zu mobilisieren, für wirksame Aktionen gegen die kapitalistsche Ausbeutung und gegen die Unterdrückung unter der augenblicklichen Regierung oder jeder anderen kapitalistischen Regierung, die diese ersetzen sollte. Der Warnstreik der CMU vom 31. Januar, der über 25 000 Arbeiter in über 250 Unternehmen des privaten und öffentlichen Sektors umfaßte, zeigt an, in welchem Umfang fortgeschrittene Teile der Arbeiterklasse heute bereit sind in Aktion zu treten. In Aktion zu treten , entlang der klassenkämpferischen Linie, die von der CMU seit mehreren Jahren hartnäckig verfolgt wird, ungeachtet der scheren Rückschläge, die die Arbeiterklasse als Folge der klassenversöhnlerischen Politik des JCTUO hinnehmen mußte. Es gibt daher genug Gründe zufrieden darüber zu sein. daß mehr und mehr Sektoren der organisierten Arbeiterklasse die Zusammenarbeit mit der CMU suchen oder aber direkt unter ihr Banner treten um im Jahre 1975 voran zu schreiten, um für die Ziele zu kämpfen, die die CMU den Massen mit dem Wamstreik vom 31. Januar gesetzt hat.

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