Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Wendung der französischen Linken

Inprekorr Nr. 28, November/Dezember 1973 · S. 62-63 · 864 Wörter

Frankreich

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

FRANZÖSISCHEN LINKEN "Wir fordern die Freilassung von Alain Krivine und die Linken würde dieser Satz nicht überraschen, Wenn ihn aber Jacques Duclos in seine Rede auf der Kundgebung im Cirque d' Hiver von Paris am 4. Juli sagt, dann verdeutlicht dies den Schritt, den die französische Linke und insbesondere die KPF getan hat.

VOM ALLEINVERTRETUNGSANSPRUCH...

nisationen der Extremen Linken auflöste, bezeugte die KPF ihr stillschweigendes Einverständnis, und sei es auch nur dadurch, daß sie schwieg. Auf der Demonstration vom 1. Mai 1971 riefen KPF und CGT "die Chaoten sind hinten" , womit sie die revolutionăre Demonstration, die sich am Schluß des Zuges befand, für die Repression kennzeichnen wollten. Als 1971 "Cause du Peuple aufgelöst wurde, sprachen sie perfide von den "Ultralinken im Dienste Marcellins". In den Spalten der "Humanité" wurde mehrmals ein Amalgam von "Le sund le hergestehit wurde die eure areal e- die heute Marcellin gebraucht, um gleichzeitig die Ligue Communiste und Ordre Nouveau zu verbieten.

1972 nehmen KPF und CGT nicht an der Protestdemonstration gegen die Ermordung des maoistischen Arbeiters Pierre Overnay teil, was nicht verhindern kann, das 100 000 durch Paris demonstrieren, ... ZUR SOLIDARITÄT

Schon einen Tag nach dem Verbot der Ligue Communiste veröffentlicht das Politbüro der KPF eine Erklärung. ie gegen diese Maßnahme protestiert, die "einen schwe ren razedenzfall für die Freiheiten und die demokrati schen Rechte in diesem Lande schafft".

der Politeschehen de er man eine solche Änderung gegenüber der Repression erk&kren, währen ich die KPF bisher immer geweigert hatte, anzuerkennen, daß die Schläge, die gegen die revolutionären Organisationen geführt werden, mittelfristig die gesamte Arbeiterbewegung treffen? Die erste Erklärung basiert auf ciner Veränderun Linken. Wenn die Kommunisti- des Kräfteverhaltnisses innerhalb der sche Par tel 1968 noch die dominierende Kraft innerhalb der Linken war, so ist sie 1973 über die wachsende Bedeutung der Sozialistischen Partei und der CFDT beunruhigt, Die letzteren nun haben aber oft, zum Teil aus taktischen Erwägungen heraus, eine gewisse Solidaritat mit den Revolutionären gezeigt, wann diese Opfer der Repression waren, Sie nahmen an der Demonstration anläßlich der Beisetzungsfeierlichkeiten von Pierre Over nay teil, Sie reagierten sofort nach den Ereignissen vom 21. Juni gegen die Maßnahmen, die gegen die Ligue Communiste ergriffen wurden (Verhaftung von Pleire Rousset, Durchsuchung des Lokals der LC) und sie protestierten sofort gegen die Auflöung der Ligue Communiste. Für die CFDT handelte es sich um einen "neuen Eskalationsschritt in der Beeinträchtigung der Preiheiten". Die Sozialistische Partei ihrerseits will "die Gesamtheit der Arbeiterorganisationen und der demokratischen Organisationen schne listmöglich empfangen". In einer solchen Situation nicht zu reagieien, hätte für die Kommunistische Partei bedeutet, daß sie sich innerhalb des Lagers der "Union de la Gauche" in der åls wesentlich angesehenen Frage der demokratischen Freiheiten bewußt isoliert hätte. Die zweite, grundlegendere Erklärung beruht auf einer rend dies doch seit zwei Jahren die einzige Perspektive war, die man den kommunistischen Militanten angeboten hatte. Im Gegenteil, die Wahlen haben eine Reperung an die Macht gebracht, die besonders starl hre Muskelkraft zur Schau stellt. Aber sobald de Waffenstillstand anlaßlich der Wahlen zuende ist, bricht in Frankreich die phantastische Jugendbewegung gegen das "Loi Debré" aus; wichtige Arbeiterstreiks beginnen (Renault, Citroen, Fos, LIP). Und die KPF kann von diesen Kämpfen nicht isolieren:

sie kann nicht mehr, wie nach dem Mai 1968, einen Verrat im Namen eines "Ýpothetischen Wahlsieges rechtfertigen.

muß daher akzeptieren, mit den Streikkomitees der Schüler, in denen die Revolutionäre aktiv sind, zu diskutieren. Sie muß den Kampf der angelernten Arbeiter bei Renault unterstützen, selbst wenn er den gewerkschaftlichen Rahmen überschreitet, Sie muß den Streik von LIP unterstützen, selbst wenn er nicht mit ihrer Kampfstrategie übereinstimmt, Kurz, die KPF muß Kampfformen anerkennen, die sie bisher bekämpfte und daraus ergibt sich, daß sie die Existenz von Avantgarde-Militanten akzeptieren muß.

is handelt sich daher um eine relativ geeinte Linke, die auf die Auflösung der Ligue reagiert: Pressekommuniqués. Flugblätter, Veranstaltung im Cirque d' Hiver, Und was Communiste: seit der Annahme des " Anti-Casseurs"-Gesetzes im Parlament wiesen sie immer wieder mit Nachdruck daraufhin, daß die gesamte Arbeiterbewegung von der Repression betroffen sein würde, selbst wenn die Revolutionäre als erste unter ihr zu leiden hätten. Und daß allein die Einheitsfront, ohne daß irgendjemand ausgeschlossen wird, die Staatsmacht zum Rückzug zwingen kann.

ES IST NÖTIG, NOCH WEITER ZU GEHEN

Auf der großen Protestveranstaltung, zu der das "Kol- Jektiv zur Verteidigung der Preihelten" für den 4. Juli aufgerufen hatte und an der alle Kräfte der franzüsischen Linken teilnahmen, wurde den Genossen der Ex-Ligue-Communiste das Wort verweigert, Der offizielle Vorwand: sie sind nicht Mitglied des Kollektivs! Der tatsächliche Grund: Die KPF war nicht bereit so weit zu gehen, direkt neben den "Gauchisten" auf de Tribüne einer Veranstaltung aufzutreten. Dies zeigt, daß die Solidarität der Linken, die ein sehr positiver und bisher noch nicht dagewesener Faktor ist, noch bedeutende Grenzen kennt, Aber wenn René Buhl, der im Namen der CGT spricht, erklärt, daß "diese Organisation -- die Ligue -- das Recht hat, zu existieren", 80 drucken, wir wir man a edlergen de la mi muß er damit zugeben, daß sie 8-

Seite 63

Versammlung der LIGUE COMMUNISTE