Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Gedungene Terrorbanden in den Städten

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 6 · 580 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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Wenn man sich daran erinnert, wieder Staat von Bangla Desh entstanden ist - mithilfe eines massiven Krieges, in dem 100 000 Bengali bewaffnet und in den Mukti Bahini organisiert waren - dann wird einem sofort klar, daß das Awami- Regime nicht allein kraft der Persönlichkeit Mujiburs überleben konnte. Die erste Maßnahme, die die Rahman-Verwaltung Anfang 1972 durchführte, war die Entwaffnung der Massen. Die zweite war die Schaffung einer regierungstreuen bewaffneten Streitmacht. Eine damit zusammenhängende Notwendigkeit war, die kleine aber militante Gewerkschaftsbewegung unter Kontrolle zu bringen. Bei der Erfüllung der beiden letzten Aufgaben war die Regierung bedeutend erfolgreicher als auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Wiederaufbaus. Bei der Erfüllung der ersten Aufgabe war der Erfolg nicht so eindeutig. Aber im Laufe des Prozesses der Demoralisierung der Bauernschaft und der Isolierung der Linken des Befreiungskampfes hat die Regierung diejenigen, die sich weigerten, ihre Waffen abzugeben, zu Straßenbanditen erklärt.

Als Rahman die Industrie von Bangla Desh nationalisierte, schaffte er auch die Tarifverträge ab. Zur Verwaltung der konfiszierten Betriebe wurden Ratsversammlungen eingesetzt. In diesen Räten sind die Arbeiter mit 40 % der Sitze vertreten. In einer offiziellen Regierungserklärung zu den Nationalisierungen wird behauptet, daß "die Regierung glaubt, daß genauso, wie es notwendig ist, eine wachsende Beteiligung der Arbeiter am Management der nationalisierten Industrie zu erreichen, auch auftretende Differenzen durch Beratungen innerhalb des Management-Büros gelöst werden müssen. Unter diesen Umständen werden Kollektivverträge für die in der nationalisierten oder von der Regierung kontrollierten Industrie beschäftigten Arbeiter nicht notwendig sein.

Die meisten Gewerkschaften von Bangla Desh denunzierten diese Maßnahme. Der nach Moskau hin orientierte Zentrale Gewerkschaftsverband von Bangla Desh bezeichnet die Politik der Verwaltung in dieser Frage als "konfus" . Aber die Jatiya Sramik League, der von der Awami Liga beherrschte Verband, unterstützt diese Maßnahme. Seitdem verfolgt die Regierung eine Politik der Begünstigung der JSL auf Kosten der anderen Gewerkschaftsverbände. Die JSL wurde mit einer gutbewaffneten Schlägerbande versehen ( die sogenannten Lal Bahini oder Roten Garden), die bei der Ausschaltung ihrer politischen Gegner mit Gewalt vorgehen. Die Hauptstütze der bewaffneten Kräfte der Awami Liga ist die Jatiya Rakkhi Bahini ( nationale Verteidigungskräfte). Bewaffnet mit indischen Gewehren und von indischen Offizieren ausgebildet, ist die JRB angeblich eine Truppe zur Aufrechterhaltung von "'Ruhe und Ordnung" ". In Wirklichkeit dient sie als allgegenwärtige paramilitärische Terrororganisation, die dort beginnt, wo die Lal Bahini aufhören.

Gewalttätige Angriffe auf regierungsfeindliche Aktivisten sind alltägliche Vorkommnisse. Chanda zitiert ein Beispiel, das er einem kleinen Artikel einer Ausgabe des "Bangla Desh Observer" entnommen hat: "Als die Demonstration, die von Mitgliedern der Chhatra League ( einer regierungsfeindlichen Studentenorganisation) organisiert worden war, durch Rajgani ( im Distrikt Comilla) zog, eröffneten Leute aus einem vorbeifahrenden Jeep das Feuer mit einem Maschinengewehr. Zehn Demonstranten wurden schwer verletzt.

Die in Dacca erscheinende englischsprachige Wochenzeitung "Holiday'" berichtet in ihrer Ausgabe vom 11. Februar von einem Vorfall, der sich am 4. Februar in der R. R. Jute-Fabrik in Barabkunda ( in der Nähe von Chittagong) ereignet hatte: "'Nach den vorliegenden Berichten" schreibt ein lokaler Berichterstatter, "umzingelten bewaffnete Mörderbanden das ganze Areal (der Fabrik), stellten an den Ausgängen Wachen auf und lancierten dann ihren Angriff auf die Arbeitergruppen. Sie legten an den Notunterkünften der Arbeiter Feuer und eröffneten dann aus ihren automatischen Waffen Feuer auf die unschuldigen Arbeiter. Als diese zu fliehen versuchten, um sich in Sicherheit zu bringen oder aus Angst, wurden sie von den regierungsfreundlichen Söldnern der Jatiya Sramik League niedergeschossen. " "Holiday' berichtete, daß 200 Arbeiter getötet wurden, 300 wurden vermißt.