Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Schiebungen im Handel

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 4-5 · 664 Wörter

Indien und Südasien

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Korruption und Skandale sind jedoch nicht auf die ländlichen Gebiete beschränkt. Im März 1972 führte die Regierung eine Reihe von Maßnahmen zur Nationalisierung einiger Unter nehmungen durch ( ausgenommen waren ausländische Gesellschaften und Teeplantagen). Der Außenhandel wurde unter Regierungskontrolle gestellt, besonders unter die Kontrolle einer

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sogenanhten Handelgesellschaft von Bangla Desh( HGB). Die HGB wetteifert mit der Konstituierenden Versammlung in Sachen Korruption. Die HGB dient nach weitverbreiteter Meinung dazu, Akkumulationsgelüste von Regierungspersonal zu befrieden. Ihre Operationen in der Textilindustrie waren ein Beispiel dafür. Während des Unabhängigkeitskrieges waren die ostbenaglischen Fabriken stillgelegt worden. Von Pakistan, der normalen Rohstoffquelle, wurde keine Baumwolle mehr eingeführt. Das schuf einen akuten Mangel an Kleidungsstücken. Das ging soweit, daß einige Leute überhaupt nichts mehr anzuziehen hatten. Die Toten wurden in Bananenbaumblätter gehüllt beerdigt, so daß die Lebenden ihre Kleider weiter benutzen konnten. . Im letzten August wurde eine HGB-Delegation nach Indien geschickt. Sie wurde mit 50 Mio Takas ausgestattet, um Kleidungsstücke einzukaufen, die nach Bangla Desh geschickt und dort zu besonders ermäßigten Preisen in von der Regierung kontrollierten Läden verkauft werden sollten.

Von Seiten der bedürftigen Bevölkerung setzte ein Sturm auf diese Läden ein. Aber sie fand nur Sari-Gewänder von miserabler Qualität vor, und zum Preis von 14 Takas, einen ungeheuer hohen Preis. Dies führte zu einer weitverbreiteten Unzufriedenheit und eine antiindische Kampagne entwickelte sich unter der nicht unbegründeten Annahme, daß die Inder das Volk betrogen hätten. Daraufhin gingen die Inder auf eigene Faust vor und gaben eine Stellungnahme ab, in der es hieß, daß "die Bangla Desh-Delegation nur Kleider von allerschlechtester Qualität kaufen wollte" . Die Stellungnahme veröffentlichte auch die für die Saris bezahlten Preise. Die Sari-Gewänder,die in Bangla Desh für 14 Takas verkauft wurden, waren in Indien für 6, 12 Takas eingekauft worden. Einige Zeitungen in Bangla Desh ( der Skandal war so groß, daß sogar die regierungstreuen Blätter zugeben mußten, daß etwas stinkt im Staate Bangla Desh) behaupteten, daß die HGB-Delegation, abgesehen davon, daß sie die Profitmacherei arrangiert hatte, nur 30 der 50 Mio Takas, die ihr zur Verfügung gestellt worden waren, auch wirklich ausgegeben hat. Der Rest ist vermutlich in die eigene Tasche gewandert:

Auch die Leichtindustrie hat ihren Beitrag auf dem Gebiet der Schiebung und Korruption geleistet. Die meisten der 1972 von der Rahman-Regierung nationalisierten Betriebe befanden sich früher im Besitz von pakistanischen Kapitalisten. Sie wurden unter die Kontrolle von offiziellen Vertretern der Regierung gestellt, Mitgliedern der Awami Liga, die diese Kontrollfunktion mißbrauchten, um sich selbst zu bereichern. Die "Bangladesh Small Industries Corporation' war z. B. damit beauftragt, Baumwollgarn an Weber zu verteilen. Stattdessen wurde das Garn an Schieber verkauft, die es an andere Schieber weiterverkauften. Wenn das Garn schließlich zu den Webern gelangte, betrug der Preis ein vielfaches vom ursprünglichen.

Ähnliche Geschäfte werden mit den Import-Export- Lizenzen gemacht. Die Awami Liga hat diese Lizenzen an Spekulanten verkauft, die sie wiederum an andere Spekulanten weiterverkauften. In einigen Fällen werden die Lizenzen wieder und wieder verkauft, ohne jemals fuhr von Konsumartikeln. Diese Art von Schacher führt zu Knappheiten, die vermeidbar gewesen wären. Auf dem Gebiet der Medizin z. B. : in seinem Artikel berichtet Chanda, daß ein völlig zuverlässiger Gewährsmann" ihm erzählt habe, daß 60 % der für Arzneimittel ausgegebenen Lizenzen niemals benutzt worden seien - und das, obwohl die Presse dauernd davon daß Leute aus Mangel an Medikamenten sterben. Ein Rundgang durch die Apotheberichtet, ken Dacca's zeigt, so schreibt Chanda, daß sie meist leer sind.

Diejenigen, die Medikamente importiert haben, haben die Knappheit ausgenutzt, um auf an derem Weg einen kleinen Extraprofit zu machen. Eine bengalische Zeitschrift berichtete von folgendem Beispiel: "Ein Kranker hatte zwei Fläschchen mit Terramycin-Kapseln eingekauft, aber sein Gesundheitszustand zeigte keine Besserung. Der Arzt wurde mißtrauisch und untersuchte die Kapseln. Es stellte sich heraus, daß sie nur zermahlenes Getreide enthielten." Sogar der von der Regierung verteilte Reis besteht zu etwa 25 % aus Abfallstoffen. Der verbreitetste Zusatzstoff ist zu Staub gemahlener Stein.