Nr. 39/1 Internationale
Kuba bis zum Sturz Batistas
Jakob Moneta
FiDEL ( DOiT ABSOLUMENT ÉCHOUER N'iMPORTE QUEL (PRiX!
*Fidel-muß-unbedingt-weg-egal-was-es-kostet!"
Revolutionäre Kämpfe erschütterten Kuba nicht mit vom US-Imperialismus installierten Diktaturen erst gegen Ende der 50er Jahre. Der Befreiungskampf und über die Entstehungsgeschichte und den Kampf auf Kuba hat eine lange Tradition, in der auch die der Bewegung des 26. Juli. "Bewegung des 26.Juli" wurzelte. Es handelt sich um ein Referat, das Jacob Moneta Der folgende Artikel gibt einen Überblick über die im Rahmen der Reisevorbereitung einer gewerk- Entwicklung in Kuba seit der Unabhängigkeit von schaftlichen Reisegruppe hielt. Wir bringen ihn in einr Spanien, die verschiedenen Auseinandersetzungen stilistisch leicht überarbeiteten Fassung.
die Internationale
Kuba wurde 1492 von Kolumbusentdeckt, die Spanier nahmen die war auch durch die Proletarisierung weiter Teile der Bauernschaft auf Insel 1511 in Besitz und rotteten die indianischen Einwohner, die dem Land eine Schicht von Lohnarbeitern entstanden. unfreie Arbeit nicht ertragen konnten und wollten, fast vollständigaus. Die historische Verspätung der kubanischen Unabhängigkeit Afrikanische Sklaven wurden eingeführt. Erst im Jahre 1882 wurde bewirkte, daß ihr bürgerlich-liberaler Ideologe Jose Marti, auf den sich die Sklaverei aufgehoben. Heute sind etwa 70 % der Bevölkerung Fidel Castro später noch berufen sollte, manchmal eine antiimperiali- Weiße, 12,4 % Schwarze und der verbleibende Rest Mulatten. stische und zum Teil antikapitalistische Richtung einschlug. Aber nicht die Bourgeoisie, die gemeinsam mit dem alten Herrschaftsblock
Die Unabhängigkeit vom spanischen Kolonialismus der Großgrundbesitzer in Gegnerschaft zu den ausgebeuteten Klassen stand, vertrat diese antiimperialistische Ideologic, sondern nicht- Kuba war das letzte lateinamerikanische Land, das sich vom bürgerliche Gruppen, darunter auch die Mehrzahl der Studenten, die spanischen Kolonialismus befreite. Der Aufstand von 1868-1878, der nach Beendigung ihres Studiums keine Aussicht hatten, einen Platz in 80 000 spanische Soldaten das Leben kostete und Spanien den für der Wirtschaft des Landes zu finden. damalige Verhältnisse gewaltigen Betrag von S00 Millionen Dollar abforderte, verwüstete große Teile des Landes. Dieser Aufstand stand Die Entwicklung der kubanischen Arbeiterbewegung noch unter der Führung kreolischer Gruppen, deren ökonomisches Interesse es war ( wie in anderen lateinamerika- Die kubanische Arbeiterbewegung benischen Staaten auch), sich von dem engen und fand sich nach einer Reihe großer Streikbewenig Gewinn bringenden spanischen Markt wegungen in vollem Aufschwung und schuf zu lösen, in dem sie ihre Agrar- und Berbaupro- im Februar 1925 ihre erste große Zentralordukte exportierten. Sie waren aber durchaus ganisation der Gewerkschaften, die "Natiobereit, sich in eine neue Abhängigkeit zu bege- nale Arbeiterkonföderation ben und sich mit dem mächtiger werdenden Kubas"(CNOC), die unter anarchosyndikabritischen oder amerikanischen Imperialismus listischer Führungstand. Zum gleichen Zeitzu verbünden, deren Märkte ihnen verlocken- punkt erlangte Gerado Machado im Mai der erschienen. 1925 als "starker Mann" die Macht. Im
In den lateinamerikanischen Befreiungs- August desselben Jahres wurde die Komkriegen waren meist junge Generäle ihre milita- munistische Partei Kubas gebildet, die berischen Führer, die unter dem Einfluß der fran- sonders in der Arbeiterschaft der Tabakinzösischen Revolution unabhängige Republi- dustrie, des Straßenbaus und der Textilinduken schaffen wollten. Zum Beispiel Simon strie verankert war.
Bolivar, seit 1812 der bedeutendste Führer im Trotz des furchtbaren Terrorregimes Unabhängigkeitskampf südamerikanischer Machados brach eine Reihe von Streikbe. Kreolen gegen die spanische Herrschaft, Gene- wegungen aus, darunter zwei Generalstreiks ral Jose San Martin, der 1814 Oberbefehlshaber in den Jahren 1930 und 1933. Im August der argentinischen Gruppen im Befreiungs- 1933 wurde Machado von einer unaufhaltkampf gegen Spanien wurde oder General samen Massenbewegung gestürzt, die im Bernardi O'Higgins, der 1819 die Unabhängigkeit der Republik Chile Wesentlichen ein Bündnis zwischen Arbeiterschaft, Studentenbeweerklärte. Sie alle vertraten eine bürgerliche Ideologie und versuchten, gung und abtrünnigen Teilen der Armee war. nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten autonome Republiken zu Die kubanische KP, damals die stärkste Arbeiterpartei, nahm zwar errichten. Aber die wirtschaftlich herrschenden Gruppen wollten nur an der Bewegung teil, aber da sie - wie die gesamte Komintern zu gute Geschäftsbedingungen innerhalb eines neokolonialen Regimes dieser Zeit - eine ultralinke Linie vertrat, erklärte sie, daß weder die auszuhandeln. proletarische Revolution noch die Bildung von Sowjets möglich sei Insofern war die lateinamerikanische Revolution - der Befreiungs- und daß außerdem die KP den Kampf noch nicht als "Partei des kampf von Spanien - eine politische, aber keine soziale Revolution, Proletariats" führe, weshalb der Sturz der Diktatur unmöglich sei. genau deshalb wurde letzten Endes auch die politische Revolution Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. unterbrochen. An die Stelle alter traten neu Unterdrücker. Aber der Generalstreik folgte dieser Generallinie nicht, entwick- Der besondere kubanische Rahmen im Unabhängigkeitskampf elte sich zum Aufstand, und Machado wurde gestürzt. In Kuba, wo der Aufstand von 1895 in den Krieg Spaniens mit den USA mündete, der Spanien endgültig zum Verzicht auf Kuba zwang, Der erste Aufstieg von Batista das 1901/02 als Republik unter dem Schutz der USA unabhängig wurde, fand die verspätete Unabhängigkeitsrevolution in einem ganz Die Regierung, die nach dem Sturz Machados gebildet wurde, war anderen gesellschaftlichen Rahmen als in den übrigen lateinamerika- absolut nicht regierungsfähig, weil sie die unterschiedlichsten sozialen und politischen Kräfte "vereinigte"
Das nordamerikanische Kapital hatte Kuba bereits unter der spa- 1. Die Mitglieder des herrschenden Blocks, also die Großgrundbenischen Herrschaft durchdrungen. Innerhalb des wirtschaftlich herr- sitzer und Kapitalisten, die sich im letzten Augenblick noch gegen schenden Blocks in Kuba gab es bereits eine vom amerikanischen Machado gestellt hatten. Sie drängten auf die Herstellung des traditio- Kapital abhängige, mit ihm verbündete, einheimische Kompradoren- nellen Staates und die Fortsetzung des Abhängigkeitsverhältnisses bourgeoisie. In den Küstengebieten hatten sich kleine Städte mit mit den USA. kleinen aus- und inländischen Fabriken entwickelt und damit auch 2. Das revolutionäre Kleinbürgertum, das mit in der vordersten eine Arbeiterklasse, die an den Unabhängigkeitskämpfen teilnahm. Front des Kampfes gestanden hatte. Neben einem wenn auch nicht sehr zahlreichen Industrieproletariat 3. Die Armee bzw. Teile der Armee unter der Führung des Funkers 18 INPREKORR 245
die Internationale und Leutnants Fulgencio Batista, der sich unter den Mannschaften revolutionäre Kontinuität wieder aufzunehmen. dieser Partei schloß eine Basis geschaffen hatte. sich auch der 1926 geborene Sohn eines aus Spanien eingewanderten 4. Die Arbeiterklasse, die sich allerdings politisch im "revolutio- Großgrundbesitzers an, der schon in seiner Studentenzeit zu den när-demokratischen Block" aufgelöst hatte und sich mit der Erfüllung Rebellen gehörte: Fidel Castro. Für die geplanten Wahlen 1952 wurde ökonomischer Forderungen zufriedengab. er von den Orthodoxen für das Abgeordnetenhaus aufgestellt. Castro da sich die Kräfte in der Regierung gegenseitig blockierten, blieb konnte zum gegenwärtigen Zeitpunkt als radikal-demokratisch und antiimperialistisch eingestuft werden.
Der Führer der Orthodoxen, Eduardo Chibas, der von den korrup- Diktatur nicht nur stürzte, sondern dessen Parteigänger im Oktober ten Authentischen nicht grundlos der Korruption beschuldigt wurde, 1933 in der sogenannten "Schlacht um das Nationalhotel" niederge- tötete sich am 5.8.1951 auf dem Höhepunkt einer feurigen Rede mit metzelt hatte. Kaum war er aber an der Macht, ließ er nicht nur cinem Schuß, um mit seinem Leben den Beweis seiner moralischen demokratische Politiker ermorden, sondern begann auch mit einer Sauberkeit zu erbringen. Kurz danach führte Batista einen neuen Welle der Verfolgung von Kommunisten. Putsch durch, "Madrugazo" genannt, weil er im Morgengrauen stattfand. er wollte damit einem Wahlsieg der Orthodoxen zuvorkommen, Die kubanische KP stützt Batista die alle Aussichten auf einen Wahlsieg hatten, weil der Selbstmord ihres Führers zu einem aufrührenden nationalen Symbol geworden Als 1934 Dimitrov von der ultralinken Politik des Sozialfaschis- war.
mus zur Volksfrontpolitik umschwenkte und sich ein Bündnis zwi- Batista wurde nach seinem gelungenen Putsch zum "Mann Waschen den demokratischen, imperialistischen Mächten und der So- shingtons" in Havanna. Für die jungen Offiziere, die hinter ihm wjetunion gegen Hitler anbahnte, schwenkte auch die kubanische KP standen, hatte die Demokratie versagt und mußte deshalb einer Miliauf eine Unterstützung der Batista-Regierung ein, ja sogar zur Betei- tärregierung weichen. Aber schon bald sollte sich zeigen, daß im ligung an ihr. Nun hatte in der Tat im Jahr 1935 ein Generalstreik, dem Gegensatz. zur ersten Batista-Regierung, die immerhin mit dem Sturz Bauernrevolutionen vorausgegangen waren und in dem wieder die einer blutigen Militär-Diktatur begonnen hatte, die zweite Regierung keine breite Basis mehr im Volk hatte.
Der Angriff auf die Moncada-Kaserne allerdings nicht erreicht. Stattdessen führte der beharrliche Widerstand der Arbeiter zwischen 1940 und 1945 zu einer gewissen Demo- Am tag des Putsches hißten die Studenten auf der Universität mokratisierung des Regimes. Die Verfassung des Jahres 1940 war die schwarze Fahnen und verbrannten öffentlich die Verfassung von demokratischste, die Kuba bis dato jemals hatte. nur wurde sie, da sie 1940, um zu zeigen, daß diese für Batista Asche sei. Wie unter der niemals angewendet wurde, die "jungfräuliche Verfassung" genannt. Diktatur Machados entstanden jetzt geheime paramilitärische Organi- In ihrem Namen sollte später Fidel Castro zum bewaffneten Kampf sationen unter der Protektion Batistas. Nach dem Putsch erschien am 24.3.52 Fidel Castro, der damals Das Bündnis zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Rechtsanwalt war, als einsamer Don Quijote vor dem obersten Gericht Staaten im 2. Weltkrieg wurde von den lateinamerikanischen KPen von Havanna, um die Bestrafung Batistas wegen des Verstoßes gegen mit der vollständigen Einstellung ihrer Kämpfe gegen den amerikani- die Verfassung zu fordern. In seiner Anklageschrift hieß es unter schen Imperialismus bezahlt. Die KP Kubas, die daraufhin 1939 anderem: "Die Logik sagt mir: Wenn es Gerichte gibt, muß Batista legalisiert wurde, trat als erste lateinamerikanische KP mit zwei bestraft werden. Umgekehrt: Wenn er nicht bestraft wird, wenn er Ministern in die Regierung ein. Als Gegenleistung für diese Unterstüt- weiter Staatschef, Präsident, Premierminister, Senator, Zivil- und zung Batistas erhielt die KP,eine gewisse Kontrolle über die Gewerk- Militärchef, Herr der Exekutive und der Legislative, Herr über Leben schaftsbewegung. und Güter der Bürger bleibt, existieren diese Gerichte nicht mehr...
Wenn es so ist, mögen es die Herren Richter sagen, ihre Toga
Regierungswechsel und Batistas Rückkehr auszichen und ihr Amt niederlegen. Es wäre schlecht, die Wahrheit zu verschweigen und zu resignieren, von einer absurden, unlogischen 1944 aber kam Grau San Martin an die Regierung, der bei Wahlen Realität ohne Normen, ohne Sinn, ohne Ruhm und ohne Gerechtig- 55 % der Stimmen erhalten hatte, was als überwältigender Sieg der keit."
"demokratischen Kräfte" gegen die Diktatur angeschen wurde. Aber Fidel wollte so legal die demokratische Illegalität der Diktatur diese populistische Regierung war pro-imperialistisch und total kor- offenkundig machen. Wenn aber die Richter die Diktatur als legal rupt. Trotz einiger Reformen, die sie anfänglich durchführte und damit bestätigen, bestätigen sie damit ihre eigene Illegalität und so auch die gewisse Hoffnungen weckte, versagte sie völlig. Kuba wurde während Revolution als legal. Also war der Aufstand gegen gesetzwidrige dieser Zeit buchstäblich in ein Bordell für nordamerikanische Kunden Zustände gerechtfertigt.
verwandelt. Die "Authentischen", wie sich die Partei von Grau San Am 26. Juli 1956 griffen hundert junge Bewaffnete, darunter Fidel Martin nannte, (PRC) spaltete die Gewerkschaften, atomisierte die Castro, die Moncada_Kaserne an. Die Rebellen glaubten, das werde Arbeiterbewegung, und damit griff das Gangstertum im politischen das Signal zum Volksaufstand werden. neunzehn Leute von Batista Leben auch auf die gewerkschaftlichen "Claudillos" über (ebenso wie und 80 Revolutionäre kostete der Versuch, die Kaserne zu erobern, das auf die Studentenbewegung), die regelrechte Leibwachen hatten, sich Leben. In seiner berühmten Verteidigungsrede, die Fidel später vor untereinander angriffen und bekämpften. Gericht hielt, und deren Höhepunkt lautete "Die Geschichte wird mich 1947 bildete Eduardo Chibas ausgehend von ciner Fraktion freisprechen", legte er den Grund für die Aktion dar: Wir wollten nicht innerhalb der "Authentischen" eine neue Partei, die "Orthodoxe gegen die Soldaten des Regimes kämpfen, sondern uns durch den Partei", die sich vor allem den Kampf gegen die Korruption zum Ziel Überraschungseffekt der Kontrolle und der Waffen bemächtigen, das gesetzt hatte und die, wie ihr Name schon anzeigte, versuchte, die Volk aufrufen, danach die Militärs versammeln und sie auffordern, die
die Internationale verhaßte Flagge der Tyrannei sinken zu lassen und die Fahne der tische Partei, sondern eine revolutionäre Bewegung; ihre Reihen Freiheit zu hissen. Wir wollten die höchsten Interessen der Nation stehen allen Kubanern offen, die in Kuba aufrichtig die politische verteidigen und nicht die kleinlichen Interessen eines Grüppchens, Demokratie wiedererrichten und die soziale Gerechtigkeit herbeifühihre Waffen umdrehen und sie gegen die feinde des Volkes statt gegen ren wollen. Sie hat eine gleichberechtigte und geheime Führung, aus das Volk richten." neuen Männern mit unbeugsamem Willen, die nicht durch die Vergan- In der gleichen Rede gab genheit kompromittiert sind,...ihre Struktur ist funktional. In Fidel ein eindrucksvolles ihren Kampfgruppen, den Jugendkadern, in ihren geheimen Bild von dem Volk, das er Arbeiterzellen, in ihrer Frauenorganisation, in ihrer Wirtzum Aufstand aufrütteln schaftssektion und beim Verteilerapparat der Untergrundprowollte und von der Lage, in paganda über das ganze Land. Einreihen können sich Junge der es sich befand: "In unse- und Alte, Frauen und Männer, Arbeiter und Bauern, Studenten rem Kampf nennen wir Volk: und Akademiker." Das Ziel der Bewegung des 26. Juli war es, Die 600 000 arbeitslosen durch den bewaffneten Kampf den Massenaufstand zu provo- Kubaner (von damals etwa zieren.
6,4 Mio. Einwohnern), die ihr Als am 2. Dezember 1956 das kleine Motorboot "Grantägliches Brot ehrlich verdic- ma" völlig überladen mit 82 Menschen und einem Waffennen wollen, ohne auf der transport in der Nähe von Santiago de Cuba nach einer Suche nach einer Existenz abenteuerlichen Überfahrt landete, hätte niemand auch nur auswandern zu müssen, die in einen Dollar gewettet, daß es ihnen gelingen würde, den elenden Hütten hausenden Massenwiderstand zu provozieren und Batista zu stürzen. In 500 000 Landarbeiter, die den folgenden Kämpfen wurden in wenigen Tagen 70 der jährlich vier Monate arbeiten Granma-Besatzung aufgerieben und die übrige Zeit des Jahres oder gefangen genommen, nur 12 hungern und ihr Elend mit den haben überlebt. Sie standen einer Kindern teilen.... die 400 000 glänzend ausgerüsteten Armee, Industrie- und Hafenarbeiter, Flotte und Luftwaffe gegenüber, deren Rentenfonds unter- die 30 000 Mann stark war. Aber schlagen wurde, denen immer mehr Sozialleistungen sie waren nicht alleine. Denn entzogen werden, deren Wohnungen elende Behausun- überall im Land entstanden Grupgen sind....die 100 000 Landwirte, die leben und sterben, pen von Bewaffneten, und vor indem sie auf den Feldern arbeiten, die nicht ihnen allem gelang es in der bitterarmen gehören,...die voll Schmerz auf diese Felder blicken und Maestra-Provinz, die armen Bausterben, ohne sie zu besitzen,...die 30 000 Lehrer und ern und Landarbeiter für sich zu Professoren, die so pflichtbewußt und hingebungsvoll gewinnen. Dies gelang vor allem ihren Beruf ausüben und für das bessere Schicksal der dadurch, daß die Guerilleros sich künftigen Generationen so notwendig sind, die aber so vollkommen anders aufführten als schlecht behandelt und bezahlt werden; die 20 000 klei- die Soldateska Batistas. Sie benen Geschäftsleute - von den Schulden erdrückt, von der zahlten alles, was sie brauchten, Krise zugrundegerichtet und von einer Horde erpresseri- Vergewaltigung von Frauen wurscher und käuflicher Staatsbeamten bedrängt; die 10 000 de mit dem Tod bestraft. Sie erfreiberuflichen Ärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte, Tie- richteten dreißig Schulen in dierärzte, Schullehrer, Zahnärzte, Maler Bildhauer usw., die sem Gebiet, das noch nie eine die Hochschulen mit ihren Diplomen verließen und voll Hoffnung, die einzige Schule geschen hatte. Als sie die erste Krankenstation errichsich dann in einer Sackgasse mit lauter geschlossenen Türen wieder- teten, wurde dort auch die Landbevölkerung behandelt. Sie gaben vor fanden, wo niemand ihre Klagen und Bitten hörte. Dies sind die allem den Bauern ihr gestohlenes Land zurück und bestraften die Massen des Volkes, eines Volkes, das das Unglück kennt und deshalb Räuber. Überall, wo es möglich war, führten sie die Landreform durch mit einem grenzenlosen Mut zu kämpfen bereit ist." und konnten sich dabei sogar auf die Verfassung von 1940 stützen. Unter der Batista-Diktatur, die in ihrem letzten Stadium unglaub- Der Beginn des bewaffneten Kampfes lich grausam war, hatte sich die Studentenbewegung unter einem radikalen katholischen Führer, Jose Antonio Echeverria, eine neue Nach dem Angriff auf die Moncada-Kaserne gewann die Repres- Organisation geschaffen, die sowohl auf den Kampf der Massen auf sion Batistas, die Behandlung der Gefangenen, die Folterungen und der Straße als auch auf den bewaffneten Kampf setzte. Sie richtete z.B. Ermordungen kriminelle Dimensionen. Das verursachte die Empö- Sie richtete z.B. den Chef des militärischen Geheimdienstes, den rung und auch das Engagement vieler Kräfte, die vorher nicht aktiv berüchtigten Mörder- und Folter-Oberst Blanco Rio hin. Echeverria gegen die Diktatur vorgegangen waren. parallel zum revolutionären kam bei einer ähnlichen Aktion wie dem Sturm auf die Moncada- Widerstand entstand auch eine demokratische Opposition. Ange- Kaserne später ums Leben. sichts des allgemeinen Drucks sah Batista sich gezwungen, Fidel nach Sogar der herrschende Block begann sich zu spalten, und ein Teil Mexiko auszuweisen. Aus dem Gefängnis heraus war sein Name zum der kubanischen Unternehmer schwenkte um ins Anti-Batista-Lager. Symbol des Zusammenschlusses der gesamten Opposition geworden. Die Arbeiterklasse hatte auch wieder begonnen, der Diktatur die Im Exil in Mexiko begann Fidel, die Bewegung 26. Juli aufzubauen, Zähne zu zeigen. Ende 1955 fand im wichtigen Industriezweig der deren Organisation er folgendermaßen schilderte: "Sie ist keine poli- Zuckerindustrie ein Generalstreik statt, der in der Stadt La Villa sogar 20 INPREKORR 245
die Internationale die Form von Barrikadenkämpfen annahm. In der Masse der Arbeits- erster Linie die Rebellenarmee, sowie die ungeheure Popularität, die losen, die verelendet waren und nur wenige Monate im Jahr Arbeit Fidel genoß, weil er alle seine Versprechungen verwirklicht. Aber eine hatten, fand die revolutionäre Bewegung bald Helfer. Doch den feste organisatorische Basis in Form einer Partei wie der KP besaß er eigentlichen Wendepunkt brachte die Zersetzung der Armee. Diese dennoch nicht. die Kommunisten, die vorher Fidel als Abenteurer verlor die Hoffnung auf einen Sieg, nachdem sich der Kampf endlos angeprangert hatten, versuchten, sich nach dem Sieg der wichtigsten hinzog und die Moral der Rebellen sich trotz schwerer Rückschläge Funktionen zu bemächtigen und ex-Guerilleros ihrer Funktionen zu als ungebrochen erwies. Gewiß gab es auch Rückschläge wie den entheben, mit dem Hinweis auf ihre marxistisch-leninistische Bilgescheiterten Generalstreik vom 9.April 1958, der von den Arbeiter- dung. in diesen Auseinandersetzungen schaltete Castro die Stalinisten zellen des 26. Juli geplant war. Aber dann kam die Brutalität Batistas aus, was sich nochmals Mitte der 60cr Jahre, nachdem man in einer und seiner Henker unweigerlich Fidel und den Rebellen wieder zur einheitlichen Partei war, wiederholte. Hilfe. Als Frank Pais, einer der begabtesten Anhänger Fidels, der in Der Wirtschaftsboykott der USA war es, der Castro dazu gezwunder Provinz Oriente, wo Arbeitslosigkeit und Verelendung der Massen gen hat, sich immer näher an die Arbeiterstaaten anzulehnen, ebenso die erschreckendsten Formen annahm, ein Netz von Verbindungen wie der Widerstand der Wirtschaftskreise im Inneren ihn dazu zwang. aufgebaut hatte, ermordet wurde, brach ein von den Arbeitern selbst entweder vor diesem Boykott zu kapitulieren, oder aber die begonnene organisierter Streik aus. Die Massenbewegung, die als Antwort auf bürgerliche Revolution zu einer antikapitalistischen weiterzutreiben. den Mord folgte, behinderte eine erneute Stabilisierung des Regimes. Bin Blick nur auf die Entwicklung in Bolivien, wo 1952 die Am 1. Januar 1959 stürzte die Regierung Batista und er selbst floh ins "Nationalistische revolutionäre Bewegung MNR" unter Paz. Estan- Ausland. zorro ebenfalls mit radikalen Reformen und Nationalisierungen begonnen hatte, aber dann ständig vor dem einheimischen und dem US- Von der Koalitionsregierung zum Arbeiterstaat Kapital zurückwich, zeigt im Vergleich zu Kubasehr deutlich, was der Unterschied zwischen einer Revolution und einer halbherzigen Revo- Die nun gebildete Regierung, der Castro noch nicht angehörte, lution ist, und welches Stadium die Revolution erreichen muß, um setzte sich ausschließlich aus Gegnern Batistas zusammen, aber sie über Unterentwicklung und Fremdherrschaft siegen zu können. Trotzt verfolgte keine einheitlichen Ziele. Fidel selbst war zu diesem Zeit- aller Schwierigkeiten, die auch Kuba als industriell unterentwickeltes punkt kein Kommunist, er hatte wenig von Marx und Lenin gelesen Land zu überwinden hat, genügt es, den Springer-Auslandsdienst zu und war ein revolutionärer Pragmatiker. Über eine gewisse Art von zitieren, um zu zeigen, was sich dort durch das Weitertreiben der buchstabengetreuen Marxisten, die in der Praxis versagen, hatte er Erhebung bis zur sozialen Revolution verändert hat: "...Fidel Castro sich einmal mit folgenden Worten lustig gemacht: "...Wir gehören erzielte Erfolge, die bisher keinem anderen Land der westlichen keiner Sekte an, wir gehören keiner internationalen Freimaurerei an, Hemisphäre gelangen: Jeder Kubaner kann lesen und schreiben. Jeder keiner Kirche. Wir sind Ketzer, ja, sollen sie uns ruhig Ketzer nen- Kubaner arbeitet. Jeder Kubaner erhält ärztliche Unterstützung und nen... Wenn eine marxistisch-leninistische Partei existiert, die die Versorgung. Die schlimmste Armut wurde behoben... Es gibt keine gesamte Dialektik der Geschichte auswendig weiß und alles, was Slumbezirke mit Bretterbuden und streunenden Hunden und nackten Marx, Engels, Lenin geschrieben haben, und noch immer nichts tun, Kindern. Keine Krüppel in Lumpen sitzen auf den Straßen und sind dann anderer verpflichtet, zu warten und keine Revolution zu betteln." Gleichzeitig beschwert sich der SAD: "Die Atmosphäre machen?" Zum Abschluß des Kulturkongresses 1968 in Havanna gleicht dem Ostblock. Fidel Castro hat die langweiligste Leerlaufgesagte Fidel: "Der Marxismus muß sich entwickeln, um aus seiner sellschaft Lateinamerikas geschaffen...Havanna, die Zwei-Millionen- Verknöcherung herauszukommen; er muß objektiv und wissenschaft- Metropole, wirkt trister und trostloser als alle anderen Hauptstädte Lalich die neue Wirklichkeit interpretieren. Er muß eine revolutionäre teinamerikas."
Kraft sein und nicht eine pseudo-revolutionäre Kirche. So sind die Mit anderen Worten: Es fehlt die glänzende Fassade, hinter der Paradoxe der Geschichte! Wie können wir uns damit abfinden, daß man bittere Not und Armut verstecken kann! Teile des Klerus sich in revolutionäre Kräfte verwandeln, während die Doktoren des Marxismus zu kirchlichen Kräften werden?"
Fidels Ziel war es zunächst, die Verfassung von 1940 in Kraft zu setzen und eine Reihe radikaler sozialer Reformen durchzuführen, die jedoch nicht das Prinzip des Privateigentums in Frage stellen und über den Rahmen des Kapitalismus hinausgehen sollten.
Aber jede Reform, die er gestützt auf die Verfassung von 1940 wie z.B. die Agrarreform - durchsetzte, brachte ihn in unmittelbaren Konflikt mit den wirtschaftlich Herrschenden und Besitzenden.
So wurden im März 1959 nicht nur die Preise für Elektrizität gesenkt, sondern auch die Mieten um bis zu 50 % heruntergesetzt. Im
Dezember des gleichen Jahres wurde ein Gesetz erlassen, das es ermöglichte, Eigentum zu enteignen, das sich der Sozialverpflichtung entzog. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß die nationale Bourgeoisie trotz aller Konzessionen, die ihr eingeräumt wurden, weder bereit noch in der Lage war, durch Investitionen die Industrialisierung voranzutreiben, wurde etwa zwei Jahre nach dem Sturz. Batistas im Oktober 1960 die Banken sowie 383 Industric- und Handelsunternchmen, die vom internationalen Finanzkapital oder von großen kubanischen Kapitalgruppen kontrolliert wurden, enteignet.
Die Macht, auf die sich die Bewegung des 26. Juli stützte, war in
die