Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Über die Massentätigkeit im revolutionären Denkens Trotzkis

· Inprekorr Nr. 230, Sondernummer, August/September 1990 · S. 8-16 · 8.501 Wörter

Trotzki und Geschichte IV. Internationale Benelux Stalinismus und Bürokratie

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Über die Massentätigkeit im revolutionären Denken Trotzkis* NORMAN GERAS

Konzept der politischen Beteiligung in einer Theorie riel dieses Textes ist die Einschätzung der Rolle, die das 3. des Verhältnisses zwischen der weiteren und der engeren Art der Beteiligung, d.h. zwischen Klasse und Partei.

•spielt, die unzweideutig auf die revolutionäre Transforma- Ich werde in meinem Aufsatz nicht versuchen, eine rigide tion der bestehenden Ordnung ausgerichtet ist. Obgleich ich Unterscheidung dieser drei Ebenen durchzuhalten, sie sollen mich vorrangig mit dem Denken Trotzkis befassen werde, so ist jedoch im Gedächtnis behalten werden. Weiter will ich ihren es doch nützlich, dieses im Zusammenhang mit zwei anderen Zusammenhang aufzeigen, indem ich die Entwicklung des revolutionären Denkern zu diskutieren, denen er in verschiede- Trotzkischen Denkens von seinem Eintritt in die politische ner Hinsicht intellektuell nahe steht, nämlich Lenin und Rosa Arena um die Jahrhundertwende bis zum Jahre 1940, als er von Luxemburg. Darüber hinaus gilt, daß sich die Schwerpunkte einem Mörder der GPU niedergeschlagen wurde, nachzeichnen von Trotzkis Denken innerhalb eines Rahmens von Annahmen werde.

und Voraussetzungen bewegen, der spezifisch marxistisch ist, Während der historischen Spaltung der SDAPR auf ihrem II. so daß ihre Betrachtung auch für den revolutionären Marxismus Parteitag von 1903 stand Trotzki auf der Seite der Menschewiki ganz allgemein von Bedeutung ist. Die folgende Passage mag gegen Lenin, eine Haltung, die er später als schweren politiuns als Ausgangspunkt dienen: schen Irrtum bedauern sollte. Seiner eigenen Einschätzung zufolge, die er kurz nach dem Parteitag abgab, erschien ihm die „Der unbestreitbarste Charakterzug der Revolution ist die direkte Spaltung wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Diese Sicht des Einmischung der Massen in die historischen Ereignisse. In gewöhnlichen Zeitläufen erhebt sich der Staat, der monarchistische wie der de- Ereignisses ist nicht verwunderlich, wenn wir uns daran erinmokratische, über die Nation; Geschichte vollziehen die Fachmänner nern, daß vor und selbst während des Parteitages alle der Iskra dieses Handwerks: Monarchen, Minister, Bürokraten, Parlamentarier, nahestehenden Parteimitglieder für eine zentralisierte Partei ein- Journalisten. Aber an jenen Wendepunkten, wo die alte Ordnung den getreten waren, deren Schaffung eine der grundlegenden Aufga- Massen unerträglich wird, durchbrechen diese die Barrieren, die sie vom politischen Schauplatz trennen, überrennen ihre traditionellen ben des Parteitages sein sollte. Auch bezog sich das Bündel der Vertreter und schaffen durch ihre Einmischung die Ausgangsposition von den Menschewiki gegen Lenin erhobenen Vorwürfe, abgefür ein neues Regime ... Die Geschichte der Revolution ist für uns vor sehen von solchen, die sein persönliches Verhalten betrafen, allem die Geschichte des gewaltsamen Einbruchs der Massen in das nicht so sehr auf das Prinzip des Zentralismus als solches, son- Gebiet der Bestimmung über ihre eigenen Geschicke.**' dern auf den „Ultrazentralismus" oder „rücksichtslosen Zen- Wir können hier zunächst einmal festhalten, daß Trotzki als tralismus*, um die Ausdrucksweise Rosa Luxemburgs bei ihrer Historiker einer Revolution, in der er selbst eine so bedeutende Intervention in die Debatte zu benutzen'. Trotzki selbst hatte Rolle spielte, die Revolution zunächst und vor allem als einen 1901 im sibirischen Exil einen Artikel geschrieben, in dem er Akt der politischen Tätigkeit der Massen charakterisiert, durch die Notwendigkeit einer zentralisierten Partei betonte, die fähig in der reten sein en toten etaten aus tionen zu koordinieren, und in dem er für ein Zentralkomitee sei, die Aktivitäten der lokalen sozialdemokratischen Organisaplädierte, das befugt sein sollte, abweichende Gruppen unter beginnen. Bedenkt man, daß das Problem der Revolution stets besonderen Umständen auszuschließen. Er war selbständig zu im Mittelpunkt des Trotzkischen Denkens gestanden hat, so ist dieser Position gekommen, bereits vor der Publikation von Was dies Beweis genug, daß auch das Konzept der politischen Betei- tun? [1902] und bevor er irgendetwas über die Iskra erfahren ligung einen zentralen Stellenwert für ihn haben muß. Trotzki hatte.* Die Linie, die ihn nun von Lenin trennte und die er mit beschränkte sich dabei nicht auf solch allgemeine Charakterisie- heftiger Polemik vertrat, bestand zumindest dem Prinzip nach rungen wie die oben wiedergegebene. Als der aktive Revolutio- weder in der Verwerfung der Notwendigkeit einer zentralisiernär, der er während der mehr als 40jährigen Periode seines poli- ten Partei noch in der Ablehnung der Auffassung, daß einer dertischen Lebens gewesen ist, und infolge seiner mehr aktiven als artigen Partei eine führende Rolle im Kampf um die Macht der beobachtenden Haltung gegenüber der Revolution, kommt er arbeitenden Klasse zukommen würde. Es muß auch betont werauch zu einer Bestimmung der genauen Umstände und Zielset- den, daß er keine offen spontaneistischen Vorstellungen vom zungen der politischen Beteiligung der Massen, wie sie seinem revolutionären Sturz des Kapitalismus hatte, denen zufolge die Verständnis entsprach. Diese komplexere Definition weist, grob Arbeiterklasse ohne politische Organisation und ohne politische gegliedert, drei unterschiedliche Ebenen auf, die dargestellt Führung durch eine elementare und undisziplinierte Erhebung werden durch Trotzkis Auffassung die Macht erlangen könnte.

1. von den Formen und Zwecken der Beteiligung der Massen Die entscheidende Frage war seiner Meinung nach, ob die der Arbeiter am politischen Kampf, zentralisierte Partei von oben aus und auf der schmalen Basis 2. der Formen und Zwecke der Beteiligung dieser Klasse in- einer kleinen, aber fest zusammenhängenden Gruppe marxistinerhalb der Partei und scher Intellektueller geschaffen werden sollte oder vielmehr von 8 INPREKORR 230

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unten aus und auf der Grundlage einer stets wachsenden Beteiligung der arbeitenden Klasse im Kampf gegen den Zarismus? Den ersten Weg zu beschreiten, was er Lenin vorwarf, hieß eine Partei aufbauen, die die Arbeiterklasse nur formell repräsentierte. Während Lenins Ausführungen in Was tun? dahin tendierten, den revolutionären Massenkampf von der Existenz ciner Avantgardepartei abhängig zu machen, neigte Trotzki immer mehr dazu, das Wachstum des ersteren und die Tätigkeit der letzteren als sich wechselseitig bedingende Erscheinungen zu betrachten. Die wachsende Beteiligung der Arbeiterklasse am politischen Kampf würde die reale Basis für eine zentralisierte Partei abgeben und dieser ein Gewicht und einen politischen Einfluß verleihen, die ihr gestatten würde, breitere Massen in ihre Reihen aufzunehmen. Diese Position beinhaltete auch die ausdrückliche Ablehnung jener These, welche später als das Kennzeichen des reinen Leninismus angesehen wurde, die jedoch Lenin von Kautsky aus dessen Kampf gegen den Ökonomismus übernommen hatte und meiner Ansicht nach keineswegs als repräsentativ für das Leninsche Denken in seiner Gesamtheit gelten kann: Es ist dies die These, daß das Proletariat, solange es sich selbst überlassen bleibt, unfähig sei, zu einem revolutionären sozialistischen Bewußtsein zu kommen, und daß ihm dies nur von außen durch bürgerliche Intellektuelle beigebracht werden könne.S Für den jungen Trotzki konnte weder der Grundsatz einer zentralisierten Partei noch ein marxistisches politisches Bewußtsein einseitig von außen in die Arbeiterklasse hineingetragen werden. Im Gegenteil, beides stellte er sich als Ergebnis einer Wechselwirkung zwischen der unabhängigen Masseninitiative auf der einen und der Bemühung der Partei um die Gewinnung der Massen für den Sozialismus auf der anderen Seite vor. Trotzki sah Lenins einseitige Auffassung des Verhältnisses zwischen Partei und Klasse als den Versuch an, die letztere durch die erstere zu „substituieren". Diese Thematisierung des Substitutionalismus drückte die Befürchtung aus, daß eine Entwicklung eintreten könne, in deren Verlauf „die Parteiorganisation die Partei selbst, das ZK die Parteiorganisation und schließlich ein Diktator das ZK ersetzt*?.

Indem Trotzki größeren Nachdruck auf die unabhängige Initiative der Arbeiterklasse legte, kam seine Kritik an Lenin der von Rosa Luxemburg sowohl in ihrem allgemeinen Ansatz als auch in vielen Einzelheiten äußerst nahe. Dennoch vertraute er nicht einfach auf die spontane Teilnahme der Massen am politischen Kampf als hinreichende Bedingung für den Sturz der alten Ordnung. Prinzipiell sprach er der Partei eine führende Rolle beim Sturm auf diese Ordnung zu. Man muß allerdings sehr bezweifeln, daß dieses Prinzip in den folgenden Jahren einen organischen Bestandteil von Trotzkis politischem Denken ausmachte. Wie sich aus seinen Schriften nach 1905 und aus seinem gesamten politischen Verhalten bis 1917 ablesen läßt, ist offensichtlich das Gegenteil der Fall.

Bereits ein Jahr nach der Spaltung von 1903 brach Trotzki seine organisatorische Verbindung mit dem Menschewismus und stand von da an außerhalb beider Fraktionen der Partei. Neben den persönlichen Feindseligkeiten waren bedeutende theoretische Differenzen für seine Haltung verantwortlich. Die entscheidendsten Meinungsverschiedenheiten bestanden in bezug auf Trotzkis Theorie der permanenten Revolution", die er zum ersten Mal unmittelbar nach der Revolution von 1905 systematisch formulierte. In diesem Stadium war der Grundgedanke jener Theorie, daß die russische Revolution das Proletariat an die Macht bringen und infolgedessen ein Prozeß ausgelöst werden würde, der über die Lösung rein bürgerlich-demokratischer Aufgaben hinausginge und die Durchführung von Maßnahmen mit sozialistischem Charakter auf die Tagesordnung setzen würde. Trotz seiner relativen Rückständigkeit würde Rußland als erstes Land die Abschaffung des Kapitalismus erleben und die Anfangsschritte zum Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft tun.° Ungeachtet aller Differenzen in der Frage des Charakters der russischen Revolution stimmten Bolschewiki und Menschewiki in einem fundamentalen Punkt überein, der sie von Trotzkis Auffassung trennte; nämlich darin, daß es sich nur um eine bürgerliche Revolution handeln könne. Dies zu leugnen, war nach Lenin „absurd". Trotzki seinerseits sah in diesem gemeinsamen Gegensatz zu seiner Position eine Art Einheit im Irrtum, und auf diesem Hintergrund begann er die Spaltung innerhalb der Partei als nicht länger durch Prinzipien begründet zu betrachten.

Wichtig für die Absicht der vorliegenden Arbeit ist die Vorstellung von der Dynamik der (permanenten) Revolution, die Trotzkis „versöhnlerischer" Haltung zugrundezuliegen schien. In späteren Jahren erklärte er diese Vorstellung mehrfach folgendermaßen: Mein Versöhnlertum entstammte einem gewissen sozial-revolutionären Fatalismus. Ich glaubte die Logik des Klassenkampfes werde beide Fraktionen zwingen, die gleiche revolutionäre Linie zu verfolgen. 1° Und gegen Ende seines Lebens schrieb er zu diesem Thema:

,Die Politik der Versöhnung nährte sich von der Hoffnung, daß der Verlauf der Ereignisse selbst die notwendige Taktik vorschreiben werde. Aber dieser fatalistische Optimismus bedeutet in der Praxis Verzicht nicht nur auf den fraktionellen Kampf, sondern auf die Idee der Partei selbst — wenn der ,Lauf der Ereignisse' imstande ist, den Massen unmittelbar die richtige Politik zu diktieren, wozu dann noch eine besondere Vereinigung der Vorhut des Proletariats, wozu dann noch die Ausarbeitung eines Programms, das Auswählen der Führer, die Erziehung im Geiste der Disziplin?'*"

Hält man sich an diese im nachhinein gegebene Auslegung der Position Trotzkis von 1905, so wird klar, daß sein Revolutionsbegriff in der Tat die unabhängige Rolle einer revolutionären Partei nicht enthält. Das Proletariat würde durch seine eigene innere Übereinstimmung und durch seine eigene unabhängige Tätigkeit erfolgreich seine Revolution ausführen. Sofern die Partei diesem Druck nachgab, konnte sie sich in die Bewegung des Proletariats einreihen, versuchte sie aber, ihm zu widerstehen, so würde sie beiseite gefegt werden. In keinem Fall wäre die Revolution vom Verhalten der Partei abhängig, von ihrer politischen Führung oder von ihren taktischen Positionen. Ein Blick in Trotzkis Schriften aus dieser Periode bestätigt, daß es sich hier tatsächlich um jenen Revolutionsbegriff handelt, der sich 1905 bei ihm herausgebildet hatte.

Es lassen sich zwei Überlegungen anstellen, die erklären mögen, wie Trotzki zu einer derartigen Konzeption kam. Die erste Überlegung beruht darauf, daß die Revolution von 1905 weit entfernt davon war, von den Bolşchewiki oder den Menschewiki angeführt zu werden; sie hatte vielmehr beide Gruppen überrascht. Der andere Erklärungsfaktor ist das Auftreten der Sowjets zu diesem Zeitpunkt, jener Organisationsformen, in denen Trotzki von Anfang an eine so wichtige Rolle gespielt

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hatte und die er als Organisationsformen ansah, die von den Arbeitern selbst im Zuge des revolutionären Prozesses geschaffen worden waren. Wenig später schrieb er darüber: Das waren keine genau vorbereiteten Verschwörerorganisationen, die in einem Moment der Erregung die Macht über die proletarische Masse ergriffen hatten. Nein, das waren Organe, die von der Masse selbst planmäßig zur Koordinierung ihres revolutionären Kampfes geschaffen wurden."12 Wie immer die Gültigkeit dieser Anschauung einzuschätzen ist, klar ist auf jeden Fall, daß in Trotzkis frühester Darlegung der Theorie der permanenten Revolution wenig Platz für eine Führungsrolle der Partei ist. So schrieb er anläßlich seiner Behandlung der Perspektive des Übergangs der russischen Revolution zu sozialistischen Maßnahmen: „An welchem Punkt das Proletariat in dieser Richtung aufgehalten wird, das hängt von dem Kräfteverhältnis und am allerwenigsten von den ursprünglichen Absichten der Partei des Proletariats ab. *13 Dasselbe Vertrauen in die Wirksamkeit unabhängiger politischer Massenaktionen drückt sich in einer Thematik aus, die nun in Trotzkis Denken Eingang findet und dort bis zu seinem Tode einen wichtigen Stellenwert behalten sollte. Dieser Gedankengang besagt, daß sozialistische Parteien in dem Maße, wie sich ihr eigenes Funktionärswesen schaffen, bürokratische Prozesse in Gang setzen und Traditionen entwickeln, einen konservativen Charakter annehmen und in einer Situation offener sozialer Krise cher als Hindernisse denn als Träger der revolutionären Transformation fungieren werden. Auch hier treffen sich Trotzkis Gedanken mit ähnlichen Überlegungen Rosa Luxemburgs. Einer der Punkte in ihrer Kritik der Leninschen Parteikonzeption war nämlich, daß die von ihm vorgesehene Avantgarde von Berufsrevolutionären die Bewegung eher behindern als ihren revolutionären Charakter garantieren würde. '4 In einer 1906 verfaßten Schrift, die direkt durch die russischen Ereignisse des Vorjahres inspiriert war, stellte sie den Massenstreik als den sichersten Weg zur Überwindung des wachsenden Konservatismus der europäischen sozialdemokratischen Parteien dar und zugleich als Prototyp der proletarischen Revolution selbst. ' Trotzki brachte eine ähnliche Vorstellung folgendermaßen zum Ausdruck:

.Die Aufgabe der sozialistischen Partei war und ist es, das Bewußtsein der Arbeiterklasse ... zu revolutionieren. .. Aber die Arbeit der Agitation und Organisation in den Reihen des Proletariats ist durch eine innere Unbeweglichkeit gekennzeichnet. Die europäischen sozialistischen Parteien, insbesondere die größte unter ihnen, die deutsche, haben einen eigenen Konservatismus entwickelt, der um so stärker ist, je größere Massen der Sozialismus ergreift, je höher der Organisationsgrad und die Disziplin dieser Massen sind. Infolgedessen kann die Sozialdemokratie ... in einem bestimmten Moment zum unmittelbaren Hindernis auf dem Weg der offenen Auseinandersetzung zwischen den Arbeitern und der bürgerlichen Reaktion werden ... Das ungeheure Gewicht der russischen Revolution zeigt sich darin, daß sie die Parteiroutine abtötet, den Konservatismus zerstört und die Frage der offenen Kraftprobe zwischen Proletariat und kapitalistischer Reaktion auf die Tagesordnung setzt.*16 Trotzki befaßte sich also, wenn auch in geringerem Maße als Rosa Luxemburg, mit der Möglichkeit, daß die europäischen Parteien; ungeachtet ihrer ideologischen Äußerungen, als revolutionäre Instrumente untauglich sein könnten. Dies mußte seine Neigung, der Partei jede bedeutsame Rolle abzusprechen und seine Zuversicht ausschließlich in andere Formen der Beteiligung der Arbeiterklasse am revolutionären Kampf zu setzen, nur noch verstärken. Er trat insbesondere für solche Formen ein, die über den Rahmen der bereits organisierten Teile der Arbeiterklasse hinaus breitere Massen erfassen würden, also die Formen der Sowjets und des Generalstreiks. ' Noch 1915 sah er es als notwendig an, .daß wir aufhören, uns bei unseren Berechnungen auf weniger stabile und vertrauenswürdige Elemente zu verlassen, wie es die Losungen und taktischen Schritte der Parteien sind, und uns statt dessen auf zuverlässigere historische Faktoren beziehen: auf die soziale Struktur einer Nation, auf das Kräfteverhältnis der Klassen, auf die Entwicklungstendenzen"."

Nach 1917 sind solche Formulierungen nirgends mehr in Trotzkis Schriften zu finden. Von nun an vertritt er eine Konzeption des revolutionären Prozesses, in der die „Losungen und taktischen Schritte einer Partei", um nicht zu sagen deren gesamtes Verhalten, eine außerordentliche Bedeutung annehmen.!9 Diese gewandelte Haltung gegenüber der Rolle der Partei ist nur auf dem Hintergrund der Tatsache von Trotzkis Anschluß an den Bolschewismus erklärlich. Sein formaler Parteibeitritt vollzog sich Ende Juli 1917, seine politische Solidarität mit den Bolschewiki war jedoch bereits kurz nach seiner Ankunft in Petrograd Anfang Mai sehr deutlich. Seine Entscheidung war vermutlich durch zwei Faktoren bestimmt. Zum einen war seit Lenins Rückkehr nach Rußland und seit der durch die „Aprilthesen" vollzogenen Kursänderung die politische Position der bolschewistischen Partei in allen wesentlichen Punkten mit Trotzkis eigener Perspektive der permanenten Revolution identisch. Zum anderen hatte sich Trotzkis Hypothese als falsch erwiesen, dal eine neue revolutionäre Krise zu einer Annäherung von Bolschewiki und Menschewiki führen würde, also jene Annahme, auf die sich seine Versuche, die beiden Fraktionen zu versöhnen, gegründet hatten. Das genaue Gegenteil war eingetreten. Mit den „Aprilthesen" verschwanden auf immer alle gemeinsamen Grundlagen, die zwischen den beiden Fraktionen bestanden hatten. Trotzki konnte nicht länger an dem Gedanken festhalten, daß der „Lauf der Ereignisse" oder der spontane Druck der Arbeiterklasse die beiden Fraktionen vereinen und sie auf den Weg der sozialistischen Revolution zwingen würde. Er gab es auf, die Revolution als ein vorherbestimmtes Ergebnis zu betrachten. Statt dessen hielt er sie von da an für eine Möglichkeit, deren Verwirklichung von einer richtigen politischen Führung, einer auf die Machteroberung ausgerichteten Strategie und von der Bereitschaft, im geeigneten Augenblick den entscheidenden Schlag auszuführen, abhing. Da ihm die Bolschewiki diese Eigenschaft zu besitzen schienen, trat Trotzki in die Partei ein. Parallel zu diesem Prozeß der Annäherung und des Beitritts zur bolschewistischen Partei taucht in Trotzkis Schriften eine veränderte, weitgehend leninistische Konzeption des Verhältnisses von Partei und Klasse auf, allerdings noch nicht in ausgeführter Form. Trotzki widmete sich erst in den Jahren 1923-40 der Ausarbeitung dieser Auffassung. In seinen Artikeln von 1917 kommen jedoch bereits unmißverständliche Anzeichen der wachsenden Überzeugung zum Ausdruck, daß der erfolgreiche Ausgang einer Revolution von der Führung durch eine revolutionäre Partei abhängig sei. 20 In der kurzen Periode von 1919 bis 1921 ging das Konzept der

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Führung jedoch in Bevormundung über, als Trotzki autoritäre Parteidemokratie", bei der alle Mitglieder, aktiv und bewußt an der Positionen vertrat?', die sich bis zu einer offenen Verletzung der Meinungsbildung der Partei teilnehmen können** 26 Prinzipien der sozialistischen Demokratie auswuchsen, die er Aber die Tatsache, daß er sich selbst für jene Maßnahmen bisher stets verteidigt hatte und die er binnen kurzer Zeit auch eingesetzt hatte, die den Prozeß auslösten, den er jetzt bewieder bis zum Ende seines Lebens verteidigen sollte. Es war kämpfte, hemmte ihn aufs schwerste bei seinem Kampf innerdies die Periode des Kriegskommunismus, des Bürgerkriegs und halb der Partei. So bemerkte er z.B. zur Frage des Fraktionsverder ausländischen Intervention. Angesichts des nahezu komplet- bots:

ten Zusammenbruchs der Sowjetwirtschaft, war es in erster Linie Trotzki, der für solche Lösungen wie die Militarisierung der Will man keine Fraktionen, darf man keine dauernden Gruppierungen dulden; will man keine dauernden Gruppierungen, darf man keine Arbeit, die Unterdrückung der Autonomie der Gewerkschaften zeitweisen Gruppierungen dulden; und schließlich, um die Partei vor und ihre Integration in den Verwaltungsapparat des Sowjetstaa- zeitweisen Gruppierungen zu bewahren, darf es in der Partei überhaupt tes eintrat. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es Trotzkis Rolle keine Meinungsverschiedenheiten geben, denn wo es zwei verschieals Organisator und Führer der Roten Armee war, die ihn zur dene Ansichten gibt, bilden die Menschen immer Gruppen. "" Befürwortung solcher Maßnahmen veranlaßte. Wie dem auch Die Schlußfolgerung aus dieser Argumentation kann nur sein, sei, jedenfalls brachte er in der Frage nach dem Verhältnis von daß die Demokratie allein dann wiederhergestellt werden kann, Partei und jenen, die sie angeblich vertreten sollte, Ansichten wenn das Fraktionsverbot aufgehoben und das bolschewistische zum Ausdruck, die „substitutionalistisch" waren, um seine ci- Machtmonopol gelockert wird. Trotzki selbst sollte diese Kongene Ausdrucksweise in einer früheren Periode zu gebrauchen. sequenz erst später ziehen. 2 Für den Augenblick beschränkte er Zwei Beispiele mögen dies belegen. Im Juli 1920 sagte Trotzki sich noch darauf, seine Überzeugung auszudrücken, daß ein vor dem II. Kongreß der Kommunistischen Internationale: vorsichtigerer Gebrauch des Verbots den Zweck der Sache er- Heute haben wir von der polnischen Regierung den Vorschlag be- füllen würde.2 Der von seinen Gegenspielern ausgehende kommen, Frieden zu schließen. Wer entscheidet diese Frage? Wir ha- Zwang, die Kontroverse auf dem Boden der leninistischen Orben den Rat der Volkskommissare, aber er muß ja auch einer gewissen thodoxie auszutragen, wobei die geringste Abweichung von al- Kontrolle unterstehen. Wessen Kontrolle? Der Arbeiterklasse als einer lem, was Lenin getan oder gesagt hatte, als hinreichender Beformlosen chaotischen Masse? Nein. Da haben wir die Zentrale der weis für Irrtum und Verfehlung gewertet wurde, mag zum Teil scheiden, ob man ihn beantworten soll. Und wenn wir Krieg führen, Partei zusammenberufen, um den Vorschlag zu erörtern und zu ent- erklären, daß Trotzki in diesem Stadium nicht dazu kam, seine neue Divisionen bilden, die besten Elemente dafür suchen müssen, Gedanken bis zu Ende zu führen. Aber auch seine eigenen Arguwohin wenden wir uns? An die Partei, an das Zentralkomitee...'22 mente aus jüngster Vergangenheit trugen nun dazu bei, daß man Und auf dem X. Parteitag im März 1921 stellte er die „Arbei- seine jetzigen Einwände gegen das autoritäre Parteiregime als teropposition" zur Rede, denn sie habe leeres Scheinargumente hinstellen konnte.

„das Recht der Arbeiter, Vertreter zu wählen, sozusagen über das An diesem Punkt unserer Ausführungen wird die bisher beder Partei gestellt, als ob diese Partei kein Recht hätte, ihre Diktatur zu nutzte Form der Darstellung von Trotzkis Denken aufgegebén. behaupten, selbst wenn diese Diktatur zeitweilig mit der vorübergehen- Die etwas schematische historische Schilderung war insofern den Stimmung der Arbeiterdemokratie zusammenstößt. "2) unerläßlich, als es bisher darum ging, eine Anzahl sich wandeln- Dies war derselbe Parteitag, auf dem das Verbot organisierter der Auffassungen mit den jeweils veränderten politischen Ver- Fraktionen innerhalb der Partei erlassen wurde, und Trotzki hältnissen in Zusammenhang zu bringen. Mir war ferner daran zeigte sich mit dieser Maßnahme einverstanden. Später, in den gelegen, den Weg nachzuzeichnen, den Trotzki hinter sich brindreißiger Jahren, erklärte er, daß das Fraktionsverbot und das gen mußte, bis er überhaupt zu einer festgefügten theoretischen Verbot der anderen sowjetischen Parteien als vorübergehende Position kam. Diese Vorgehensweise lasse ich nun zugunsten Maßnahmen gedacht waren, die man in der turbulenten Periode eines mehr begrifflichen Konzepts fallen, um die innere Logik des Bürgerkriegs und der Folgezeit habe ergreifen müssen, um von Trotzkis Ansichten nach 1923 herauszuarbeiten. Dabei bedas neue Regime zu schützen.2 In dem zitierten Abschnitt ziehe ich mich auf die Gesamtheit der Schriften, die er zwischen kommt jedoch klar zum Ausdruck, daß Trotzki damals die Be- jenem Jahr und seinem Tod verfaßt hat. Dies könnte zu einer schneidung der Sowjetdemokratie nicht nur als eine bedauerli- Überschätzung der inneren Festigkeit und Kohärenz seiner Anche Notwendigkeit ansah. Im Gegenteil, er machte aus der Not sichten während dieser Periode verleiten, aber für den Zweck eine Tugend? und trug damit sein Teil dazu bei, daß der Mangel der vorliegenden Arbeit scheint es mir gerechtfertigt zu sein. In an Demokratie zu jenem Prinzip erhoben wurde, das er unter diesem Zeitraum nahm Trotzki nämlich eine leninistische Posi- Stalin darstellte. Trotzki zog sich aus diesem Prozeß zurück, tion ein, eine Position allerdings, die einige Hauptthemen aus lange bevor er seine Vollendung erreicht hatte. Im Laufe des seinem früheren Denken mit einschloß. Hinsichtlich der Formen Jahres 1922 begann er Schritt für Schritt von den Positionen, die der politischen Beteiligung der Arbeiterklasse am Kampf für den er noch vor kurzem verfochten hatte, Abstand zu nehmen, und Sozialismus, blieben Trotzkis Grundannahmen von nun an prakim folgenden Jahr eröffnete er seinen Angriff gegen die interne tisch konstant. Und es sind eben diese Auffassungen, die ich Parteiherrschaft. Trotzki wies auf die Gefahr hin, daß der Appa- herausarbeiten möchte.

Es scheint mir zweckmäßig zu sein, von einer Darlegung je- »eine immer stärker werdende Tendenz aufweist, einige Tausend ner Annahmen auszugehen, die Trotzki veranlaßten, sich für Genossen, die die Führungskader bilden, der gesamten übrigen Masse solche Formen der politischen Beteiligung einzusetzen, die inder Partei gegenüberzustellen, die für sie nur ein Objekt ist, das man nerhalb des bestehenden politischen Systems nicht vorgesehen beeinflussen kann*. Trotzki plädiert für eine ,lebendige und aktive waren. Natürlich sind die Annahmen keineswegs allein für

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Trotzkis Marxismus charakteristisch. Auszugehen ist von der Tatsache, daß die demokratischen Institutionen der kapitalistischen Gesellschaft, dort wo sie vorhanden sind, eine echte und wirkungsvolle Beteiligung der arbeitenden Klasse am politischen Geschehen nicht gewährleisten. Diese Annahme kommt deutlich genug in Trotzkis Einschätzung zum Ausdruck, daß die bürgerliche Demokratie ... ein System der Institutionen und Maßnahmen (ist), mit deren Hilfe die Notwendigkeiten und Forderungen der Arbeitermassen, sobald sie nach oben durchdringen, neutralisiert, verstümmelt, unschädlich gemacht oder einfach annulliert werden": und ebenso in seiner Ansicht, daß lügt, wer behauptet, in England, Frankreich, den Vereinigten Staaten und anderen Demokratien (werde) das Privateigentum durch den Volkswillen aufrechterhalten ... Niemand hat das Volk danach gefragt. **30 Somit sind parlamentarische Institutionen kein taugliches Mittel zum Sturz des Kapitalismus, es kann keinen rein parlamentarischen Weg zum Sozialismus geben, und Trotzki macht sich hier jenen in Lenins Staat und Revolution breit ausgeführten Gedanken zu eigen, daß der Staat in der kapitalistischen Gesellschaft kein neutrales Instrument ist, das die Arbeiterklasse übernehmen und für ihre eigenen Zwecke einsetzen könne. Er muß vielmehr zerschlagen und von Grund auf ersetzt werden." Dies heißt allerdings nicht, daß für Trotzki die Existenz demokratischer Institutionen irrelevant wäre. Obgleich sie als Mittel der revolutionären Transformation ungenügend sind, so stellen sie doch einen unschätzbaren Vorteil für die Arbeiterklasse dar, der ihr gestattet, konkrete Errungenschaften innerhalb der Grenzen der bestehenden Gesellschaft abzusichern, sich legal zu organisieren und ihre politische Erziehungs- und Propagandatätigkeit zu entfalten.

Der Bezug auf Trotzkis Schriften über Deutschland in der Periode 1928-33 ist dafür Beweis genug. Hier rechnet er nämlich mit der Theorie" (sofern sie diese Bezeichnung überhaupt verdient) und den taktischen Manövern der Komintern während der sogenannten „dritten Periode" ab, die in ihren Grundzügen auf der Ansicht beruhten, daß es keinen objektiven Unterschied zwischen Faschismus und Sozialdemokratie gäbe. Letztere wurde demgemäß als Sozialfaschismus bezeichnet, und man weigerte sich, mit ihr im Kampf gegen Hitler zusammenzuarbeiten. Ferner glaubte man, daß Hitlers Machtergreifung keine substantiellen Änderungen nach sich ziehen würde, und falls sie sich überhaupt ereignen sollte, nichts weiter als eine kurze Episode sein werde. Demgegenüber wies Trotzki wiederholt und mit wachsendem Nachdruck darauf hin, daß diese Position auf das völlige Verkennen des spezifischen Charakters des Faschismus hinauslief, daß ein Sieg der Nazis in Deutschland die Vernichtung aller unabhängigen Arbeiterorganisationen (einschließlich der sozialdemokratischen) sowie die völlige Zerstörung der demokratischen Institutionen und politischen Freiheiten bedeuten würde, daß die einzige Hoffnung, dies zu verhindern, in einer Einheitsfront zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten lag. Sollte dies nicht gescliehen, so würden alle Aussichten auf Sozialismus ebenso wie die bestehenden demokratischen Institutionen auf lange Zeit verschwinden. 32 Wenn nun die demokratischen Institutionen einer kapitalistischen Gesellschaft für die Abschaffung dieses Gesellschaftssystems ungeeignet sind, so kann diese Aufgabe nt : mit revolutionären Mitteln gelöst werden, und ich möchte hier anhand eines weiteren Zitats in Erinnerung bringen, wie Trotzki die Revolution als einen Akt der politischen Tätigkeit der Massen charakterisierte, der über die in der kapitalistischen Gesellschaft bestehenden Möglichkeiten hinausgeht:

.Die Revolution zerstört die alte Staatsmaschinerie. Darin liegt ge rade ihr Wesen. Massen füllen die Arena. Sie entscheiden, handeln. machen Gesetze auf ihre eigene beispiellose Weise; sie sprechen Recht und geben Befehle heraus. Das Wesen der Revolution besteht darin, daß die Massen selbst zu ihren eigenen Exekutivorganen werden. "*" Mit den bisherigen Ausführungen über die Art und Weise der politischen Tätigkeit der Massen können wir an der von Parry! getroffenen Unterscheidung anknüpfen. Der Zweck der politischen Beteiligung der Massen ist, so zu erreichen, was sich anders nicht erreichen läßt, nämlich den Sturz der bestehenden Ordnung. Trotz der Bedeutung, die Trotzki nach 1917 der Rolle der Avantgardepartei zumißt (worauf ich später noch ausführlich eingehen werde), sind die Formen der politischen Beteiligung der Massen dieselben, die er in früheren Zeiten ins Auge gefaßt hatte, nämlich zum einen den Massen- oder Generalstreik, als ein Mittel, das die politischen und beruflichen Schranken innerhalb der Arbeiterklasse niederreißt, eine Gemeinschaftlichkeit entstehen läßt und ihr ein Selbstbewußtsein verleiht, und zum anderen die Sowjets als Institutionen, die am direktesten die Forderungen der Arbeiter zum Ausdruck bringen und im Keim die Organe des zukünftigen Arbeiterstaats darstellen." In ihrer Eigenschaft als wirkliche Agenturen der Revolution können diese Formen auch dazu dienen, mögliche Hindernisse auf dem revolutionären Weg, wie sie die Unbeweglichkeit der revolutionären Partei selbst darstellen kann, auszuräumen. Wir sind bereits auf das Problem gestoßen, daß in jeder gro- Ben sozialistischen Partei die Neigung zum Konservatismus besteht. Nach dem Ersten Weltkrieg, oder genauer nach dem 4. August 1914, betrachtete Trotzki seine Hypothese aus dem Jahre 1906 als bestätigt und behandelte die sozialdemokratischen Parteien angesichts ihres fortbestehenden Einflusses auf große Teile der Arbeiterklasse und wegen ihrer Weigerung, die Grenzen der Legalität zu überschreiten, als eine gewaltige Barriere auf dem Weg der sozialistischen Revolution in Europa.36 1933 kündigte er der Komintern seine Gefolgschaft, als die KPD seiner Analyse zufolge vor dem Nationalsozialismus kampflos kapituliert hatte, und kam zu der Ansicht, daß sie als revolutionäre Kraft ausgespielt habe. Dementsprechend liegt in Trotzkis Schriften aus jener Periode ein Schwerpunkt auf dem Problem der Erhaltung des revolutionären Charakters revolutionärer Parteien:

„Jede Partei, auch die revolutionärste, entwickelt unvermeidlich einen organisatorischen Konservativismus, sonst könnte sie nicht die notwendige Standfestigkeit aufweisen, die sie unbedingt braucht. **37 Was sie an Stabilität gewinnt, kann sie an Flexibilität wieder verlieren, und Flexibilität — die „Fähigkeit, sich rasch zu orientieren, taktische Schritte schnell zu ändern, abrupte Wendungen auszuführen" — ist für Trotzki eine der wenigen Traditionen, deren Pflege sich eine revolutionäre Partei unbeschadet leisten kann. Es besteht immer die Gefahr, daß die Partei, wenn sie in die politischen Verhältnisse einer normalen Periode verstrickt worden ist, beim Eintritt einer revolutionären Situation nicht fähig und nicht gewillt ist, ihren Kurs schnell genug zu ändern und die Arbeiterklasse zur Übernahme der Macht zu führen. 38 Garantien gegen diese Möglichkeit gibt es streng genommen

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nicht. Dies gilt in einem Maße, daß Trotzki zu der Ansicht kam. es handle sich um „ein fast allgültiges Gesetz . .. daß beim Uebergang von der revolutionären Vorbereitungsarbeit zum unmittelbaren Kampf um die Machtergreifung eine Parteikrisis ausbricht" 39 Es werde immer wesentliche Elemente in der Partei geben, die die Möglichkeit eines Fehlschlags beschwören und Vorsicht oder Aufschub empfehlen würden. Als Beispiel für die innere Krise der revolutionären Partei am Vorabend der Revolution führte Trotzki die Geschichte der bolschewistischen Partei selbst während des Jahres 1917 an: den Widerstand gegen Lenins Kurswechsel im April und die von Sinowjew und Kamenew angeführte Opposition gegen den Oktober-Aufstand. Und in seiner Geschichte der russischen Revolution vertrat er die Meinung, daß die Revolution nicht stattgefunden hätte, wenn Lenin 1917 nicht nach Rußland zurückgekehrt wäre. 40 Weil es selbst in der revolutionärsten Partei einen inneren Widerstand gegen jeden Versuch zur Machtübernahme geben wird, ist es eine der Aufgaben der Beteiligung von breiteren als den bereits in der Partei organisierten Massen am revolutionären Kampf, genau diesen Widerstand zu verringern oder womöglich zu überwinden. Das heißt nun nicht, daß sich Trotzki aus der Periode 1905-17 seine Neigung bewahrt hätte, der Partei eine vernachlässigenswerte Rolle zuzuschreiben. Wie noch zu zeigen ist, kann es ohne revolutionäre Partei keine Revolution geben, sondern nur mit einer solchen Partei. Es hängt aber ebensoviel davon ab, was die Partei vom revolutionären Proletariat an Mut, Initiative und Freiheit und bürokratischer Routine erhält, wie umgekehrt davon, was ihm die Partei an ideologischer und taktischer Führung geben kann. Und in einer revolutionären Situation ist es nach Trotzki gerade die Eigenschaft der Entschlossenheit, welche die Massen wahrscheinlich in einem höheren Maße besitzen als die Partei und in diese hineintragen. All dies scheint seiner oben genannten Behauptung zu widersprechen, daß der Kurs der bolschewistischen Partei 1917 und die Oktoberrevolution selbst von der Anwesenheit eines Mannes abhingen - von Lenin.

Man sollte jedoch daran erinnern, daß Trotzki Lenins revolutionärem Genius nach 1917 zwar eine uneingeschränkte Bewunderung entgegenbrachte*, die jedoch nicht von jener landläufigen Art war, die in erster Linie Lenins organisatorische Fähigkeiten und Neigungen hervorhob. Dafür läßt sich folgende typische Passage anführen:

„Lenins Stärke lag nicht so sehr in seiner Fähigkeit, einen Apparat aufzubauen (natürlich verstand er auch dieses) als vielmehr in seiner Fähigkeit, in allen kritischen Augenblicken die lebendige Energie der Massen zur Überwindung der Schranken und des konservativen Charakters jedes politischen Apparates einzusetzen. **42 Dieses Thema kehrt ständig wieder. Lenin baut nicht nur eine revolutionäre Partei auf, er denkt und fühlt auch mit den Massen, versteht es, ihre Stimmung zu ergründen, und wenn die Stimmung revolutionär ist, leitet er diesen Druck über auf die Partei selbst, um deren Unbeweglichkeit zu überwinden. Deshalb widerspricht seine Bedeutung als Individuum nicht dem Umstand, daß die außerhalb der Partei stehenden Massen eine wichtige Rolle bei der Brechung des Widerstands innerhalb der Partei spielen. Im Gegenteil, es handelt sich hier um ein Zusammenwirken: „Lenin übte nicht so sehr als Individuum Einfluß aus, sondern dadurch, daß er die Einflußnahme der Klasse auf die Partei verkörperte. *4)

Sagt man, daß für Trotzki die politische Massenbeteiligung am revolutionären Kampf insofern einen instrumentellen Charakter hat, als sie das einzig taugliche Mittel zur Überwindung des Kapitalismus ist, so hat man damit nur die eine Seite der Sache erfaßt. Die negative Aufgabe hat ihr positives Gegenstück, nämlich den Aufbau des Sozialismus, und ich möchte darauf hinweisen, daß damit bereits zum Ausdruck kommt, daß die vorgesehene politische Beteiligung keinen rein instrumentellen Charakter haben kann, sondern den instrumentellen Aspekt und den Aspekt der Entwicklung** auf eine besondere Weise miteinander verknüpft. Diese Auffassung gründet sich auf die fundamentale Annahme der sozialistischen Theorie, daß sich die menschlichen Fähigkeiten weder in den vorgegebenen Handlungen der Menschen erschöpfen noch in ihren gegenwärtigen Verhaltensweisen und Bedürfnissen, in ihrem Bildungsgrad oder dergleichen. Weit entfernt davon anzunchmen, daß die Menschen stets dieselben bleiben, geht sie vielmehr von der gegenteiligen Voraussetzung aus, daß die Menschen zu einer Entwicklung in der Lage sind und diese auch tatsächlich durchmachen. Es gehört zum Inhalt des Begriffs von Sozialismus, daß dieser sich auf eine andere Art von Menschen gründen wird, insbesondere auf Menschen, die die Fähigkeit und den Wunsch haben, höchst aktiv Anteil an Entscheidungen zu nehmen, die ihr Leben betreffen. Wenn man nun nicht unterstellen will, daß die angestrebte Veränderung in einem einzigen Anlauf vor sich gehen wird - was vollkommen lächerlich wäre —, so muß man zumindest angeben, auf welche Weise die zum Aufbau des Sozialismus vorgesehenen Mittel jene notwendigen und wünschenswerten Veränderungseffekte vorantreiben. Die gegenwärtige Aktivität muß den Inhalt der Zukunft bereits erkennen lassen.* Falls die gewählten Mittel tatsächlich einen revolutionären Chárakter haben, so muß die Revolution selbst als ein Prozeß der politischen Erziehung gesehen werden, in dem sich die Beteiligten die für die neue gesellschaftliche Ordnung unerläßlichen Fähigkeiten und Verhaltensweisen aneignen.

Rosa Luxemburg ist diejenige, die diese Perspektive in der adäquatesten Form zum Ausdruck bringt. In ihrer Absage an jegliche Bevormundung der Arbeiterklasse, ihrer Weigerung. den Sozialismus lediglich im Namen des Proletariats einzuführen, in ihrem tiefen Vertrauen auf seine unabhängige Initiative und in ihrer Hervorhebung der Nützlichkeit jener Fehler, die es beim Eintritt in die Arena der revolutionären Politik unvermeidlich machen würde, da diese Fehler ja gerade eine erzieherische Wirkung haben würden — in all dem kommt ein Bild des revolutionären Prozesses als eines Selbsterziehungsprozesses der Arbeiterklasse zum Ausdruck. Mehr noch, diese Erziehung läßt sich auf keinem anderen Weg erreichen: Solange der Kapitalismus fortbesteht, erlauben es die sozialen und ökonomischen Bedingungen nicht, und wenn sie solange vertagt würde, bis eine Transformation dieser Bedingungen stattgefunden hat, so wäre damit für Rosa Luxemburg die sozialistische Demokratie auf eine reine Vertrauenssache reduziert. „Der Sozialismus wird nicht gemacht und kann nicht gemacht werden durch Dekrete, auch nicht von einer noch so ausgezeichneten sozialistischen Regierung. Der Sozialismus muß durch die Massen, durch jeden Proletarier gemacht werden. *46 Das angeführte Zitat mag dazu dienen, den Gehalt eines Werkes zu vermitteln,

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demzufolge die Veränderung der Menschen nicht vor und nicht nach, sondern während der Revolution stattfindet, und zwar auf der Basis eines Höchstmaßes der Beteiligung der Massen am politischen Geschehen.

Dieselbe Thematik des sowohl instrumentellen als auch an Entwicklungsprozessen orientierten Charakters von revolutionärer Politik findet sich, wenngleich in weniger evidenter Form, in Trotzkis politischem Denken. Dies kommt am klarsten in einer Arbeit von 1938 zum Ausdruck, in der Trotzki die dem Marxismus unterstellte ethische Skrupellosigkeit hinsichtlich der zur Erreichung des sozialistischen Ziels angewandten Mittel zurückweist. Falls „der Zweck die Mittel heiligt", ein Prinzip, das Trotzki akzeptierte, dann müssen diese Mittel auch auf alle Fälle geeignet sein, den angestrebten Zweck zu erreichen. , Wer Weizen ernten will, muß auch welchen säen. " Andernfalls wird das Ziel verfälscht.

.Eben daraus ergibt sich, daß nicht alle Mittel erlaubt sind. Wenn wir sagen, das Ziel heiligt die Mittel, so ergibt sich für uns daraus die Schlußfolgerung, daß das große revolutionäre Ziel solche niedrigen Mittel und Wege verwirft, die einen Teil des Proletariats gegen andere aufhetzen, oder die Arbeiter ohne ihr eigenes Zutun glücklich machen wollen, oder das Selbstvertrauen der Massen und den Glauben an ihre Organisation senken und durch den Führerkult ersetzen. **47 Da das Ziel bereits in den Mitteln enthalten sein muß*s, kann die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter selbst sein, und sie müssen, gerade im Verlauf des Befreiungsprozesses, jene Eigenschaften entwickeln, die eine sozialistische Gesellschaft am Leben erhalten. Somit ist für Trotzki die Beteiligung der Massen an den von einer Revolution hervorgebrachten politischen Formen nicht nur eine Bekundung des weitverbreiteten Wunsches, aktivere Kontrolle über das politische und ökonomische Leben auszuüben, sondern sie fördert und festigt auch diese Bestrebungen. Revolution wird von ihm stets als ein Erziehungsprozeß gesehen, in dem dieselben Massenaktionen, die zur Zerstörung der bestehenden ökonomischen und politischen Strukturen erforderlich sind, auch dahingehend wirken, daß die Arbeiterklasse aus dem Griff der bürgerlichen Ideologie herausgelöst wird, daß sie sich ihrer Klasseninteressen bewußt wird, daß ihr Vertrauen in ihre eigene Organisations- und Entscheidungsfähigkeit gehoben wird und daß sie Erfahrungen aus all diesen Aktivitäten ziehen kann.49 In diesem Zusammenhang scheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen, wie nachdrücklich in Trotzkis Schriften Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit in der revolutionären Politik gefordert wird. Dies ist mehr als eine Verteidigung seiner eigenen Person gegen die von Moskau aus gegen ihn vorgebrachten Verleumdungen, es handelt sich vielmehr auch um ein lebenswichtiges politisches Prinzip. Alles, was von der Wahrheit abweicht, ist unvereinbar mit der Vorstellung von der revolutionären Transformation als einem Erziehungsprozeß und führt nur zu zynischer Manipulation. Die anschwellende Lawine der stalinistischen Verzerrungen und Verfälschungen trifft daher auf Trotzkis unermüdliche Kritik und offene Verachtung. So

Es ist nun noch zu betrachten, welche Rolle Trotzki der Partei in dieser späteren Periode seines Lebens zuschreibt. Von der höchsten Abstraktionsebene aus gesehen, stellt die Partei den subjektiven Faktor in der geschichtlichen Entwicklung dar." Die Anerkennung ihrer Wichtigkeit bedeutet gleichzeitig, sich nicht darauf zu verlassen, daß revolutionäre Situationen automatisch oder unvermeidlich erfolgreiche Revolutionen hervorbringen würden, eine Hoffnung, die, wie wir gesehen haben, in Trotzkis Denken von 1917 enthalten war. Wenn revolutionäre Situationen eintreten, hat die Partei zu versuchen, das Vertrauen der gesamten Klasse zu gewinnen, indem sie ihr eine politische Führung anbietet, und wenn sie der Ansicht ist, dies geleistet zu haben, so muß sie die Initiative ergreifen und jenen Schlag führen, der das bestehende System über den Haufen wirft. Falls die Partei nicht zur Stelle ist oder in der falschen Weise handelt, verpufft die revolutionäre Energie der Massen in sporadischen Aktionen, es wird zu einer Niederlage kommen. Die notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung dafür, daß die Partei in der Lage ist, in einer revolutionären Situation diese Funktion erfolgreich auszuüben, ist ein gewisses Maß an Vorbereitung in Zeiten der politischen Stabilität. Unter anderem bedeutet dies, daß versucht wird, jene Teile der Arbeiterklasse in der Partei zu sammeln, die sich ihrer Interessen als Klasse bereits bewußt sind, wobei die Partei im Prinzip die Klasse für sich, im Gegensatz zur Klasse an sich, darstellt. Es bedeutet ferner, daß versucht wird, die theoretischen Positionen, die gesammelten Erfahrungen und damit den revolutionären Charakter der Partei angesichts des Drucks der bürgerlichen Ideologie zu bewahren 4, und daß schließlich, um diese Ziele zu erreichen, eine politische und erzieherische Arbeit geleistet wird, welche die offenstehenden Institutionen und Kanäle voll ausnutzt usw. In dem Maße, wie der Partei dies gelingt, repräsentiert sie, unabhängig von ihrer jeweiligen Stärke, die objektiven Interessen der Arbeiterklasse, nämlich den Sozialismus, „die höchsten Aufgaben und Ziele der Menschheits. Dies ist wahrscheinlich zur Genüge bekannt und bedarf keiner weiteren Erklärung Hervorzuheben ist jedoch, daß es für Trotzki keine Garantien dafür gibt, daß die Partei auch wirklich das repräsentiert, was sie zu repräsentieren vorgibt. Dies ist vielmehr eine Hypothese, die sich in der Praxis bewahrheiten muß:

Die im Prinzip bestehende Identität der Interessen des Proletariats und der Aufgaben der Kommunistischen Partei bedeutet weder, daß sich das gesamte Proletariat schon heute seiner Interessen bewußt ist, noch daß die Partei sie unter allen Umständen richtig formuliert. Erwächst doch die Notwendigkeit der Partei selber gerade daraus, daß das Proletariat nicht mit zureichendem Verständnis seiner historischen Interessen auf die Welt kommt. Die Aufgabe der Partei besteht darin, in der Kampferfahrung zu lernen, dem Proletariat ihr Recht auf Führung zu beweisen."s6 Diese Aussage legt ein Schwergewicht sowohl auf die Tatsache, daß die Partei es nötig hat, von der Klasse zu lernen, und zwar durch unmittelbare Beteiligung an deren Kampf, als auch auf ihrer Rolle als Führerin und Erzieherin. Die Möglichkeit einer Bewußtseinsbildung, die der Aufgabe, den Kapitalismus zu stürzen, gewachsen ist, wird damit von der Wechselwirkung zwischen Partei und Klasse abhängig gemacht. Schließt Trotzki somit auf der einen Seite die Aussicht auf Revolution ohne die Existenz einer revolutionären Partei aus, so verneint er andererseits ebenso die Vorstellung, die Partei könne im Besitz einer vorgefertigten Wahrheit sein, die sie einseitig in die Arbeiterbewegung hineintrage und dadurch einen unbestreitbaren Führungsanspruch begründe. Diese Wechselwirkung zwischen der Partei und der Arbeiterklasse kommt auch in der folgenden polemischen Formulierung klar zum Ausdruck:

„Die Agitation ist nicht nur ein Mittel, den Massen diese oder jene

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Losungen mitzuteilen, die Massen zur Aktion aufzurufen usw. Die Agitation ist für die Partei auch ein Mittel, den Massen zu lauschen, ihre Stimmungen und Gedanken zu ergründen und je nach den Resultaten diesen oder jenen praktischen Entschluss zu fassen. Nur die Stalinisten machten die Agitation zu einem kreischenden Monolog: Für die Marxisten, Leninisten ist die Agitation stets ein Zwiegespräch mit der Masse. "*37 Eine Partei, die diesen Dialog einstellt, läuft Gefahr, zu degenerieren und als revolutionäre Kraft zu versiegen. Es wird dann nötig, eine neue Organisation aufzubauen. Trotzkis Gründung der IV. Internationale muß auf dem Hintergrund dieser Annahme gesehen werden.

Angesichts unserer Ausführungen ist es wahrscheinlich überflüssig hervorzuheben, daß jener Leninismus, als dessen Bewahrer und Fortführer Trotzki sich begriff, nicht der Leninismus von Was tun? ist. Am Vorabend seiner Ermordung wies Trotzki auf die Unhaltbarkeit einiger dort vertretener Positionen hin und zeigte auf, daß Lenin sich dessen selbst bewußt gewesen war.s • N. Geras, ,,Political Participation in the Revolutionary Thought of Leon Trotsky", in: G. Parry (Hg.), Participation in Politics, Manchester 1972. Hier eine leicht veränderte Wiedergabe der deutschen Erstveröffentlichung aus: kritik, Nr.14, 1977, S. 25-44.

Anmerkungen:

• L. Trotzki, Geschichte der russischen Revolution (1931/33), Frankfurt 1973. Bd.1. S. 7.

* L. Trotsky, Rapport de la délégation sibérienne (1903), Paris 1970, S. 60. › Vgl. R. Luxemburg, Organisationsfragen der russischen Sozialdemokratie (1904), in: Gesammelte Werke, Bd. 1/2, Berlin 1970, S. 422fT. * Trotsky, Rapport. a.a.O., S. 87/88; L.Trotzki, Mein Leben (1930). Frankfurt 1974, S.122/123; vgl. auch I. Deutscher, Trotzki, Bd.I, Stuttgart 1962, S. 54-56.

› W. I. Lenin, Was tun? (1902), in: Werke, Bd. 5, Berlin 1978, S. 385f. • Vgl. dazu Trotsky, Rapport. . .,a.a.O., S. 61/62, 64-66, 71, 78. ' L.Trotzki, Unsere politischen Aufgaben (1904), in: Schriften zur revolutionăren Organisation, Reinbek 1970, S. 73.

• Vgl. Luxemburg, a.a.O.

• L.Trotzki, Ergebnisse und Perspektiven (1906), Frankfurt 1967, S. 65. 10 L. Trotzki, Die permanente Revolution, Berlin 1930, S. 55. " L.Trotzki, Stalin. Eine Biographie, Köln 1952, S.173; siehe auch Mein Leben, a.a.O., S.198ff., sowie das Vorwort zur Ausgabe von 1919 von Ergebnisse und Perspektiven, in: Ergebnisse und Perspektiven, a.a.O., S.121ff. 12 Trotzki, Ergebnisse und Perspektiven, a.a.O., S. 61. " Ebd., S. 82.

1* Luxemburg, a.a.O., S. 432, 439, 444.

' R. Luxemburg, Massenstreik, Partei und Gewerkschaften (1906), in: Gesammelte Werke, Bd. 2, Berlin 1986, S. 91ff.

16 Trotzki, Ergebnisse und Perspektiven, a.a.O., S.119. 1 Deutscher, a.a. O., S.146ff.

1 L.Trotzki, „Der Kampf um die Macht" (1915), in: Ergebnisse und Perspektiven, a.a.O., S.131.

19 Nicolaus Krassó konstruiert denn so eine spezifische Einheit" im Trotzkischen Denken, um diesen Wechsel zu leugnen, obwohl er den hauptsächlichsten Wandel in seinem Denken ausmacht, den man in allen seinen Schriften nach 1917 deutlich feststellen kann. Krassós Artikel enthält darüber hinaus eine Reihe von Irrtümern und Ungenauigkeiten. Siehe N. Krassó, Trotzkis Marxismus" (1968), in: Sozialistisches Jahrbuch 2 (Hg. W. Dreßen), Berlin 1970, S.184 bis 213, Zitat auf S. 185. [Zur Auseinandersetzung mit Krassó siehe E. Mandel, Revolutionäre Strategien im 20. Jahrhundert, Wien 1978, S. 37-10S.] 20 Vgl. L.Trotsky, The Struggle for State Power 1917, Colombo 1966 S. 33/34, 43-45; L. Trotsky, After the July Days. What Next?, Colombo 1967, S. 31-33, 37, 41/42.

21 L. Trotzki, Terrorismus und Kommunismus, Hamburg 1920. " Der zweite Kongreß der Kommunistischen Internationale, Hamburg 1921, S. 94.

" Zitiert nach Deutscher, a.a.O., S. 476f.

2* L.Trotzki, Bolschewismus und Stalinismus" (1937), in: Kommunismus oder Stalinismus, o.O. 1947, S. 21; L.Trotzki, Verratene Revolution (1936), in: Schriften 1. Hamburg 1988, S. 791f.; The Case of Leon Trotsky, New York 1969, S. 424/425.

" Das war einer der Punkte in Luxemburgs sympathisierend-kritischer Einschätzung der russischen Revolution, die sie 1918 im Gefängnis verfaßte: Das Gefährliche beginnt dort, wo sie aus der Not die Tugend machen, ihre von diesen fatalen Bedingungen aufgezwungene Taktik nunmehr theoretisch in allen Stücken fixieren und dem internationalen [Proletariat] als das Muster der sozialistischen Taktik zur Nachahmung empfehlen wollen. . " R. Luxemburg. Zur russischen Revolution, in: Gesammelte Werke, Bd. 4, Berlin 1987, S. 364. » L. Trotzki, Der Neue Kurs (1924), Berlin 1972, S. 20, 29. " Ebd., S. 32.

" Trotzki, Verratene Revolution, a.a.O., S. 988; The Case of Leon Trotsky, a.a.O., S. 440.

» L.Trotzki, Der Neue Kurs, a.a.O., S. 31-44 * L. Trotzki, Wohin treibt England?, Berlin 1926, S. 54. " Vgl. dazu L.Trotzki, Wohin geht Frankreich?, Antwerpen 1936, S. 21; L. Trotsky, Marxism in Our Time (1939), New York 1970, S. 25; Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd. 3, S.79Sff. Siehe auch W. I. Lenin, Staat und Revolution, in: Werke, Bd. 25, Berlin 1981, S. 393ff. Als Diskussionsbeitrag über diese Gedanken in Verbindung mit Marx vgl. M. Evans, Karl Marx and the Concept of Political Participation", in: G. Parry (Hg.), Participation in Politics (Kapitel 6), Manchester 1972.

" L.Trotzki, Die Wendung der Komintern und die Lage in Deutschland (1930), in: Schriften über Deutschland, Frankfurt 1971, S. 76fr.; Soll der Faschismus wirklich siegen? (1931), ebd., S.14Sff.; Was nun? (1932), ebd., S. 180ff. Siehe auch Wohin geht Frankreich?, a.a.O, S. 55ff. » Dieses Zitat ist von uns aus dem Englischen übersetzt, da es nicht aufzufinden war. Geras zitiert die englische Ausgabe der Stalin-Biographie Trotzkis, S. 404. Dem Sinn nach ähnliche Stellen finden sich in der deutschen Ausgabe mehrfach in der Stalin-Biographie. . . [Anmerkung der kritik-Redaktion.] * Parry, a.a.O., Kapitel l.

» Über den Massenstreik siche L.Trotzki, Wohin geht Frankreich?, a.a.O., S. 48ff., 97; Wohin treibt England?, a.a.O., S.III-V1. Über die Sowjets siche L.Trotzki, Die internationale Revolution und die Kommunistische Internationale, Berlin 1929, S. 181-186; siche auch Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-28 (Hg. U. Wolter), Berlin 1975/76, Bd. VI.

36 L.Trotzki, Die Lehren des Oktobers (1924), in: 1917. Die Lehren der Revolution, Berlin 1925; Die internationale Revolution. . ., a.a.O., S. 98ff.; Wohin geht Frankreich?, a.a.O., S. 22, 34.

Trotzki, Die Lehren des Oktobers, a.a.O., S. 77.

3* Trotzki, Der Neue Kurs, a.a.O., S. 55-67; Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd.1, S. 95, 103; Die internationale Revolution. .., a.a.O., S. 77-83.

39 Trotzki, Die Lehren des Oktobers, a.a.O., S.15.

40 Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd.1, S. 280. * L. Trotzki, Über Lenin. Material für einen Biographen (1924), Frankfurt 1964.

42 Dieses Zitat ist direkt aus dem Englischen übersetzt, da es nicht in der deutschen Ausgabe der Stalin-Biographie Trotzkis aufzufinden war, in der englischen befindet es sich auf S. 142/143, dem Sinn nach eine entsprechende Passage findet sich in der deutschen Ausgabe, a.a.O., S. 303 [Anmerkung der kritik- Redaktion].

*) Zitat aus dem Englischen übersetzt. Stellen gleichen Inhalts bei Trotzki, Stalin, a.a.O., S. 303, und Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd.1. S. 277. . . [Anmerkung der kritik-Redaktion.] ** Parry, a.a.O., Kapitel 1.

* [In einer späteren Arbeit bemerkt der Autor dazu: In einer früheren Auseinandersetzung mit Trotzki und Luxemburg haben wir selbst die offensichtliche Tatsache, daß die Mittel die Ziele bewirken müssen, mit zweifelhaften und einseitigen Formulierungen verbunden, wie etwa: ,Die gegenwärtige Aktivität muß den Inhalt der Zukunft bereits erkennen lassen' oder , Das Ziel (muß) bereits in den Mitteln enthalten sein*, deren letzte Bedeutung nur idealistisch sein kann." N. Geras, Bürgerliche Macht und sozialistische Demokratie: über das Verhältnis von Zweck und Mittel", in: N. Geras, Rosa Luxemburg. Kämpferin für einen emanzipatorischen Sozialismus, Berlin 1979, S.137.] * R. Luxemburg, Unser Programm und die politische Situation (1918/19), in:

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Gesammelte Werke, Bd. 4, S. 502.

47 L.Trotzki, Ihre Moral und unsere (1938), Berlin 1967, S. 33. * [Vgl. Armerkung 45.] * Vgl. dazu Trotzki, Mein Leben, a.a.O., S. 270ff.; Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd. 1, S. 9Sff.; Wohin geht Frankreich?, a.a.O., S. 27. 30 L. Trotsky, The Stalin School of Falsification, New York 1937, S.174/175: Die internationale Revolution. . ., a.a.O., S. 31-44; Ihre Moral und unsere, a.a.O., S. 32ff.; The Case of Leon Trotsky, a.a. O., S. 440ff. si L.Trotsky, The First Five Years of the Communist International, Bd. 2, New York 1972, S. 308; Trotzki, Die internationale Revolution. . ., a.a.O., S. 77 bis 83.

32 Trotzki, Die Lehren des Oktobers, a.a.O., S. 51/52; Geschichte der russischen Revolution, a.a.O., Bd. 1, S.8/9, Bd. 3, S. 835f. 33 Trotzki, Was nun?, a.a.O., S. 202.

s4 Trotzki, „Bolschewismus und Stalinismus", a.a.O., S. 9; Stalin, a.a.O., S. 513.

" Trotzki, Ihre Moral und unsere, a.a.O., S. 29. 56 Trotzki, Was nun?, a.a.O., S. 204/205.

57 Trotzki, Wohin geht Frankreich?, a.a.O., S. 51. 38 Trotzki, Stalin, a.a.O., S. 89.