Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

IV. Lateinamerikanische Frauenkonferenz

Inprekorr Nr. 201, März 1988 · S. 30-31 · 719 Wörter

Frauen Kuba und Karibik Bolivien, Peru und Anden

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Frauenkonferenz wenn sie an Frauentreffen teilnehmen Die .Lateinamerikanische Frauen- wollten; die durch ihre persönliche Not zu konferenz fand 1981 in Bogota, Kolum- den Frauenorganisationen und durch die bien, statt. Seitdem haben sich diese Frauenorganisationen zum Feminismus Konferenzen wiederholt und sind zu gestoßen sind. Sie und die Frauen aus einem Spiegel der Entwicklung der Nicaragua und Kuba haben durch ihre Frauenbewegung und des Feminismus Teilnahme die feministische Bewegung in Lateinamerika und der Karibik ge- ausgeweitet und bereichert, sie allerdings worden. auch vor neue Prol eme gestellt. Die IV. Konferenz fand im Oktober 1987 Diskutiert wurde über alles: Frauen und in Mexiko statt. Seit der I.Konferenz hat Frieden. Lesben, Sexualität, Abtreibung sich die Zahl der Teilnehmerinnen kon- und Gewalt, Gesundheit, das Altern, das stant von 300 auf jetzt 1200 erhöht. Auch Familienrecht, Theologie und Feminisdie Ausweitung der Anzahl der vertrete- mus, Literatur und Feminismus, Gewerknen Länder ist ein Zeichen für die gestie- schaftsbewegung. politische Parteien, die gene Integrationskraft des Feminismus in Situation der Frauen in Nicaragua und Lateinamerika: zum erstenmal waren Kuba, die Repression in der Gesellschaft auch Frauen aus Nicaragua und Kuba prä- und den Krieg in Mittelamerika. Hauptsent. Andere Frauen kamen aus Kolum- sächlich die Debatte über die Gewalt zog bien. Peru, Venezuela, Ecuador, Argenti- sich jedoch wie ein roter Faden durch die nien. Brasilien. Uruguay. Bolivien, ( gesamte Konferenz, und zwar über die Chile, aus allen mittelamerikanischen Gewalt in ihrer doppelten Erscheinungs- Ländern, aus Puerto Rico und der Domi- form: als physische, moralische und psynikanischen Republik. chische Gewalt, die Männer gegen Frauen ausüben. die Gewalt in der Ehe, im Stadt- Sehr stark vertreten waren diesmal auch teil, die staatliche Gewalt gegen Frauen; Frauen aus den Gewerkschaften, Landar- Vergewaltigung und die Art, wie der Staat beiterfrauen und Frauen aus den Elends- und die Regierungen damit fertig zu wervierteln. Sehr häufig Frauen, die selber den versuchen, indem sie dies als cin indi- Familienoberhäupter geworden sind; die viduelles Problem der Frauen, nicht als von ihren Männern mißhandelt wurden. ein gesellschaftliches Problem behandeln. Gewalt aber auch in der Form der allgegenwärtigen staatlichen Repression, der Verletzung der Menschenrechte, des Verschwindens von Menschen. der Folter, Verhaftungen, Ermordungen; der Aktivitäten paramilitärischer Banden und schließlich der Intervention der USA vor allem in und gegen die Länder Mittelamerikas. Die Diskussion über die Rolle der Frauen im Kampf für die nationale Befreiung und über die frauenspezifischen Forderungen darin konnten am Beispiel Nicaraguas konkret diskutiet werden. Mit den Kubanerinnen gab es vor allem eine Diskussion über Prostitution, Abtreibung, Lesben und Homosexualität und die Art, wie die staatlichen Behörden mit diesen Fragen umgehen.

Es ging aber auch um feministische Theorie, Perspektiven und Strategien auf dem lateinamerikanischen Subkontinent. Die Berichterstatterin der Arbeitsgruppe „Politische Perspektiven des lateinamerikanischen Feminismus" brachte es folgendermaßen auf den Punkt: „Wir stehen zwischen den Forderungen der breiten Frauenbewegung und denen der feministischen Bewegung. Die Forderungen schließen sich nicht gegenseitig aus, stehen auch nicht im Widerspruch zueinander. Wir müssen verstehen, die taktischen und strategischen Forderungen miteinander zu kombinieren, wir müssen darüber nachdenken, warum wir eine Forderung aufstellen und wie. Es ist falsch, einen Gegensatz zu konstruieren zwischen den feministischen Frauen, die ihre Identität daraus ziehen, daß sie „Frauen sind", und den Frauen aus dem Volk. Wir glauben, daß es möglich ist, gemeinsame Aktionsfelder zu finden, und es bieten sich zwei an: die Abtreibung und das Thema Gewalt. " Eine Frau aus der peruanischen Delegation drückte es folgendermaßen aus: Es sicht so aus, als verfolgten wir unterschiedliche Wege, aber in Wirklichkeit haben wir viel gemeinsam. Die Formen, in denen sich der Feminismus in Lateinamerika manifestiert, sind sehr unterschiedlich, auch die Art, wie sich Bewußtsein herausbildet. Ihre soziale Kraft zicht die feministische Bewegung in Lateinamerika aus der Frauenbewegung im Volk. Es geht darum, einen autonomen, feministischen Pol zu schaffen, von dem aus verschiedene Perspektiven zum Ausdruck gebracht werden können." Durch die Integration der Frauen, die in der Volksbewegung in den Städten und auf dem Land und im Kampf für die nationale Befreiung ihres Landes aktiv sind, ist der lateinamerikanischen feministischen Bewegung ein großer Fortschritt gelungen. Dies schlug sich nieder in der Parole, die auf dem Abschlußplenum minutenlangen Beifall fand: ,Wir sind alle Feministinnen!"

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