Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Japan

Der Kampf für ein Gleichgestellungsgesetz

· Inprekorr Nr. 193, Mai 1987 · S. 14-17 · 3.070 Wörter

Japan und Korea Frauen Gewerkschaften und Streiks

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Der Kampf für ein ke aus den geweihten Gefäßen kommt. Eine 1985 vom Arbeitsministerium durchgeführte Erhebung zeigt, daß nur Gleichstellungsgesetz von TAGAKI SUMIKO 28,9% der Arbeiter, davon 72,5% Männer und 27,5% Frauen, gewerkschaftlich organisiert sind. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist besonders schwach im tertiären Sektor, Handel und Dienstleistungen, zwei Bereichen also, wo besonders viele Frauen beschäftigt werden. Die Gewerkschaften sind auch in den Kleinunternehmen schwach vertreten.

Das bedeutet, daß die berühmte „ beson- Einer der bedeutendsten Kämpfe der japanischen Frauenbewegung der Arbeit. Dieser Kampf ric htete sich gegen den Gesetzentwurf dere Beziehung" zwischen den japanischen Arbeitern und den Unter nehmensleitungen taktisch auf dauerbeschattigte mannliche Arbeiter in den Großbetrieben zur Gleichbehandlung beim Zugang zur Arbeit, der am 1. April beschränkt ist. 74% der leitenden Mitglie- 1985 in Kraft trat und besagt, daß Unternehmer nicht mehr nur der japanischer Unternehmen sind chemamännliche Arbeiter anstellen dürfen. Faktisch stellte er jedoch eilige Gewerkschaftsfunktionäre. Vergiftet nen Angriff auf Errungenschaften der Arbeiterinnen dar. Parallel durch die verlockende Möglichkeit, die dazu entwickelte sich der Kampf für ein wirkliches Gesetz zur Barriere, die sie von derUnternehmensleitung trennt zu überspringen, sind die privilegierten Arbeiter zu „ Arbeitstieren" geworden, ein Ausdruck, der für Japan wie Die Autorin des nachfolgenden Artikels ist zugleich in der Frauengeschaften ist. Ohne wahrzunehmen, dais bewegung und in der Arbeiterbewegung aktiv und hat an den sie sich langsam an die Droge gewöhnen, Kämpfen für die Gleichstellung bei der Arbeit seit 1975 teilgenomgehen sie vollständig in ihrem Unternehmen auf und machen folglich die Frauen men. Wir entnehmen ihn der Zeitschrift Ampo, Mama arbeitet zu Hause für Stücklohn, aber wir schaffen es nicht über die Runden zu kommen. Nur Mut, Papa! Kämp fen wir für die Frühjahrsoffensive 1981"! („Frühjahrsoffensive" oder Shunto - so heißen die Arbeitskämpfe, die jedes Jahr im Frühling anläßlich der Erneuerung der Tarifverträge ablaufen). Diese Losung, die vom Generalrat der Gewerkschaften Sohyo, des größten Gewerkschaftsverbands Japans, ausgegeben wurde, löste bei denjenigen von uns, die in der Frauenbewegung aktiv sind, einen Schock aus. Da haben wir also eine fortschrittliche Gewerkschaft, die offen zu verstehen gibt, daß die Frauenarbeit nur eine zusätzliche Einkommensquelle darstellt. Dieser Slogan spiegelt drei Merkmale der Gewerkschaften wider, die deren Teilnahme am Kampf für die Befreiung der Frauen zweifelhaft machen:

Erstens erkennen die Gewerkschaften die Arbeit von Männern und Frauen nicht als gleichwertig an. Ferner handeln die Gewerkschaften hauptsächlich zum Wohl der regulären (dauerbeschäftigten) Vollzeitarbeiter. Im allgemeinen lassen sie die Gelegenheits— und Teilzeitarbeiter links liegen, während diejenigen, die als Heimarbeiter für Stücklohn schaffen, völlig außen vor stehen. Und schließlich haben die Gewerkschaften die Tendenz, um bessere Löhne für ihre Mitglieder zu kämpfen und vernachlässigen dabei die sozialen Probleme und die Rechte derjenigen, die keine Mitglieder sind. Deshalb ist auch der Sexismus für die meisten eine Frage, die sie nichts angeht.

Der relative Erfolg, mit dem Japan bei einer Arbeitslosenquote von nur 2% und einer rasch gebremsten Inflation über die Ölkrise der 70er Jahre hinweggekommen ist, hat die internationale Aufmerksamkeit auf die hier bestehenden Arbeitsverhältnisse gelenkt. Der Erfolg wurde auf die sogenannten „ drei heiligen Gefäße" zurückgeführt: die Beförderung nach dem (Dienst) alter, die Anstellung auf Lebenszeit und die Betriebsgewerkschaften. Mit Arbeitern, denen die Sicherheit einer lebenslangen Beschäftigung(1) und regel mä- Bige Lohnerhöhungen garantiert sind, kann eine Betriebsgewerkschaft harmonische Beziehungen zur Unternehmensleitung pflegen, indem sie zum Wohle aller die Kooperation an die Stelle der Konfrontation setzt.

Zumindest der Theorie nach ist das so. Sie vernachlässigt jedoch die Tatsache, daß nur eine privilegierte Elite unter den Arbeitern in den Genuß des Wohlgeschmacks des Sazu Opfern - sowohl bei der Arbeit als auch in ihrem Familienleben.

Die geschlechtsspezifische Arbeits teilung Während der Periode des schwachen ökonomischen Wachstums, die auf die Ölkrise folgte, verfolgte die Regierung eine Politik nach dem Motto „ Hin zu einer soliden familiären Basis". Sie setzte sich zum Ziel, das oben beschriebene System zu erhalten, indem sie die eingefleischte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern noch förderte. Mit dem Verfall der Arbeitsplatzsicherheit wurden befristete Arbeit und Teilzeitarbeit immer stärker ausgedehnt — vor allem für Frauen.

Die Frauen sind zum Sicherheitsventil der Wirtschaft geworden, weil sie das niedrige Einkommen ihrer Männer aufbessern und entsprechend den Bedürfnissen der Betriebsleitung entlassen werden können. Währenddessen sind ihre Kollegen zu „ Arbeitstieren" geworden, - unfähig, ihr Familienleben unter einem anderen Blickwinkel als dem zwischen Kochtopf und Badewanne zu sehen - in allen Bedürfnissen außerhalb des Betriebs vollständig von ihren Frauen abhängig. Diese Kombination von ökonomisch abhängigen Frauen und emotional abhängigen Männern paßt genau zu dem, was die

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Liberaldemokratische Partei (LDP, seit 1950 regierende Partei der Bourgeoisie) eine solide familiäre Basis nennt. Solch eine Basis braucht der japanische Kapitalismus, und die Gewerkschaften haben nicht das Bewußtsein, das in Frage zu stellen.

Als Antwort auf diese traurige Situation hat sich Mitte der 70er Jahre eine Frauenbewegung entwickelt, ermutigt durch den Start des UNO - Jahrzehnts der Frau 1975. Mit dem Bewußtsein von der Notwendigkeit, das System der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zu überwinden, um sowohl die Männer als auch die Frauen zu befreien, wandte sich die Bewegung der Arbeiterklasse zu. Die neuen Gruppen, die in den 70er Jahren entstanden, umfassten Frauen ohne Beschäftigung, Arbeiterinnen, die ihrer Gewerkschaft enttäuscht den Rücken kehrten und solche, die von ihr ausgegrenzt worden waren, weil sie allzu kämpferisch waren. Vergleicht man bei de Bewegungen, stellt man fest, daß der Kampf der Frauen von außen, der der Arbeiterbewegung von innen geführt wird. Die erste Bewegung strebt nach Betreiung aller, die zweite verfolgt begrenzte, sektiererische Interessen. erste stützt sich fast ausschließlich auf die Frauen, die zweite ist weitgehend eine Domäne der Männer. Die erste ist eine Minderheitsbewegung, in der sich jedoch enge menschliche Beziehungen entfalten, die zweite ist ein Mehrheitsbewegung, die aber beständig Konflikte unter den Männern erzeugt. Die Aufgabe der Frauen ist es , den Geist der Frauenbewegung in die Arbeiterbewegung zu tragen. Die Mindestvoraussetzung dafür, ein Individuum als ein vollwertiges menschlisches Wesen betrachten zu können, ist seine Fähigkeit, seinen Lebensunterhalt durch eigene Arbeit verdienen zu können. Deshalb hat die Frauenbewegung begonnen, dieses Problem anzupacken, indem sie eine Kampagne für Arbeitsbedingungen führt, die es verheirateten Frauen erlauben, wie ihre Ehemänner zu arbeiten. Im Rahmen dieser Kampagne wurde zum 1. Mai 1979 ein bis dahin ungewohntes Transparent von den Demonstranten getragen. Darauf stand: „Die Frauen am Herd sind Arbeitslose!" Die Reaktionen der männlichen Arbeiter reichten von stummer Sympathie bis zu deutlich ausgedrückter Antipathie, während ein großer Teil diesen Appell ganz einfach ignorierte.

bewegung oft deutlich gemacht, daf der Kampf schon beginnt, bevor eine Beschäftigung überhaupt angeboten wird Vor der Annahme des Gesetzes über die,, Gleichstellung auf der Arbeit " im Jahre 1985 bestand die einzige gesetzliche Bestimmung gegen die Diskriminierung bei der Arbeit in einem Gesetz, das bei gleicher Arbeit gleiche Löhne für die Frauen garantierte. Seit 1975 haben die Frauen gestützt auf dieses Gesetz - viele Prozesse gewonnen, und die Gerichte haben die schuldigen Unternehmen dazu verur teilt, den geschädigten Frauen viele Millionen Yen Lohn zurückzuzahlen. Darauf reagierten die Unternehmen einfach so, daß sie die Frauen mit anderen Aufgaben betrauten als die Männer. Wenn Männer und Frauen verschiedenen Beschäftigungen nachgehen, kann das Gesetz über Lohngleichheit ganz ungestraft ignoriert werden.

Leiharbeit

Das neue Gesetz hat jetzt eine Praxis gebilligt, die auf dem japanischen Arbeitsmarkt schon vorherrschte, nämlich die Verwendung von Zeitarbeitern, die von Agenturen angeheuert werden. Nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes ist die Trennung zwischen Arbeitgeber und Benutzer der Arbeitskraft zulässig.Dieses Gesetz wird mehrere Konsequenzen haben. Es wird namentlich zur Ausweitung ungeschützter Arbeitsverhältnisse führen, indem es der gewerkschaftlichen Organisierung zusätzliche Hindernisse in den Weg stellt. Dank des Anteils,den der Vermittler erhält, wird es leichter werden, den Status eines Dauerbechäftigten in den eines Zeitarbeiters umzuwandeln. Alles das stellt einen bedeutenden Wandel in der Struktur des Arbeitsmarkts und eine Bedrohung der Arbeiter dar, die schon in einer Position der Schwäche sind. Es heißt, daß „der Himmel keine Menschen schafft, die über oder unter den anderen Menschen stehen",doch genau das ist es, was die Regierung mit der künstlichen Unterscheidung zwischen Arbeitern mit einer regulären Arbeitszeit, Vollzeitarbeitern und Teilzeitarbeitern macht, um die Kontrolle über alle zu wahren.

Es gibt zwei Gründe, warum die Gewerkschaften der Arbeiter mit regulärer Beschäftigung nicht die Identität ihrer eigenen Interessen mit denen der zeitweise beschäftigten Arbeiter erkennen. Der er- JAPAN identifizieren. Der zweite Grund ist der, daß die Gelegenheits—- und Teilzeitarbeiter fast alle Frauen sind, die traditionell als frei verfügbare Arbeitskraft zusätzlich zur Hauptarbeitskraft der Männer gel ten.Deshalb kommt es den Frauen zu, dieses System zu bekämpfen. Im Jahr 1975 wurde die Aktionsgruppe für das Internationale Frauenjahr geschaffen. Mit Hilfe ihrer Untergruppe Beschäftigung führte sie einen Kampf zur Frage der Teilzeitarbeit und gab ein Buch heraus mit dem Titel „Fragen und Antworten zur Teilzeitarbeit. Wollt Ihr zulassen, daß eure Rechte verlorengehen?" Sie organisierten einen Beratungsdienst, der von den arbeitenden Frauen häufig in Anspruch genommen wird.

Eine ganze Reihe von Fragen werden seitdem der Aktionsgruppe unterbreitet: Unternehmen, die Teilzeitarbeiterinnen keine Lohnerhöhungen zahlen; sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Verweigerung von Wohnungsbeihilfen; das Fehlen die Fesselung von Frauen an den Frondienst im Haushalt. Die Probleme türmen sich auf und beweisen die Unzu länglichkeit eines Gesetzes, das nur gleichen Lohn für gleiche Arbeit garantiert. Die Japaner haben. in der Vergangenheit zahlreiche Abwehrkämpfe geführt gegen die Revision bestimmter Gesetze oder. um die Angriffe der Regierung oder der Kapitalisten abzuwehren. Aber die Aktionsgruppe dachte, der Augenblick sei gekommen, einen aktiveren Kampf für ein wirkliches Gesetz für die Gleichstellung auf der Arbeit zu beginnen, das ein erster Schritt auf dem Weg zum Verbot jeder Diskriminierung von Frauen wäre. Die kämpferischen Feministinnen sahen drei Ansatzpunkte für ein solches Gesetz. Erstens sollte das Recht auf Arbeit als ein Grundrecht für Frauen anerkannt werden und jede Form der Diskriminierung von Frauen bei der Arbeit verboten werden. Dann sollte eine gesetzliche Hilfsorganisation für Frauen geschaffen werden, die Opfer von Diskriminierungen geworden sind. Schließlich sollten Maßnahmen ergriffen werden zur Verkürzung der Arbeitszeit und zur Einrichtung freier Tage für die Kindererziehung für Männer wie für Frauen, um die Gleichheit zwischen den Geschlechtern herzustellen. Um den Kampf zu führen, wurde im Januar 1979 die Gruppe Für die Durchsetzung unseres eigenen Gesetzes und für die Gleichheit bei der Arbeit" gegründet. • zum neuen Gesetz auszuarbeiten und ein Die Arbeitergewerkschaften sind für diejenigen geschaffen, die schon eine Anstellung haben. Dagegen hat die Frauen ste Grund ist, daß die Gewerkschaften als Betriebsgewerkschaften dazu tendieren, sich mit der Unternehmensleitung zu breites Potential zu mobilisieren. An dem Tag, an dem diese Gruppe ins Leben

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JAPAN gerufen wurde, war der groise Saal, in dem das Meeting stattfand, brechend voll mit Frauen.

Für ein wirkliches Gesetz zur Gleichstellung auf der Arbeit Die Aufgabe der neuen Gruppe war nicht leicht. Ein großes Hindernis war der Bericht, der vom männerdominierten Regierungskomitee, der „Untersuchungsgruppe zum allgemeinen Arbeitsrecht" ", erstellt worden war. In diesem Bericht wurde vorgeschlagen, , die Artikel zum besonderen Schutz der Frauen in der allgemeinen Arbeitsgesetzgebung aufzuheben und sie durch ein Gleichheitsgesetz zu ersetzen" . Es gibt tatsächlich zwei Artikel zum besonderen Schutz der Frauen im Gesetz über die Arbeitsnormen. Der erste regelt den Urlaub wegen Schwangerschaft und Menstruation, der zweite schränkt die Nachtarbeit und die Zahl der Überstunden für Frauen ein. Beide Artikel stammen aus der unmittelbaren Nach kriegszeit.

Der Bericht der Untersuchungsgruppe schlug einen Tausch vor: mehr Gleichheit gegen weniger Schutz. Die Beschränkungen bei der Nachtarbeit und den Überstunden sollten im neuen Gesetz über die Gleichheit beseitigt werden. In dieser Hinsicht ging der Bericht in die entgegengesetzte Richtung wie die UNO - Konvention, die die Abschaffung jeder Form von Frauendiskriminierung gefordert hatte. Er ging auch bewußt an dem vorbei, was wir gerade machten, also aufzuzeigen, daß es notwendig ist, die Arbeitsbedingungen für beide Geschlechter zu verbessern und nicht sie auf einem niedrigen Niveau anzugleichen.

Selbst unter den Bedingungen des alten Gesetzes arbeiten die japanischen Frauen 300 bis 400 Stunden pro Jahr mehr als die männlichen Arbeiter der westlichen Länder. In den Fällen, wo beide Partner arbeiten, sind bekanntlich die japanischen Männer ganz und gar nicht davon begeistert, bei der Hausarbeit zu helfen. Es wurde geschätzt, daß bei den betreffenden Paaren die Ehemänner nur sieben Minuten pro Tag Hausarbeit leisten. Unter diesen Bedingungen ist es unvermeidlich, daf die Rücknahme der Schutz bestimmungen viele Frauen zwingen wird. I, ihre Arbeit aufzugeben, womit in Wirklichkeit die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verschärft wird Der Begriff von der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern müßte auf die Ungleichheit der (Arbeits)ergebnisse und auf die Ungleichheit der Chancen ausgedehnt werden. Dazu muls allerdings der Begriff der „Produktion" selbst erweitert werden und die Reproduktion des Lebens, also die Schwangerschaft und das Großziehen der Kinder mit einschließen. Echte Gleichheit bedeutet, Bedingungen ' zu schaffen, die es Männern und Frauen erlauben, zu Hause ebensogut wie an ihrem „ Arbeitsplatz" zu arbeiten, ohne eines von ihnen aufgeben zu müssen. Die biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben zur Folge, daß die Bedingungen zur Schaffung einer völligen Gleichheit zwischen Männern und Frauen verschieden sind. Deshalb sind auch besondere Schutzmaßnahmen für die Frauen nicht unvereinbar mit dem Gleichheitsprinzip. Das muß Bestandteil einer neuen Lebensweise sein, in der die Bedürfnisse der Menschen Vorrang vor der Rentabilität haben. In der Praxis jedoch war die Frauenbewegung in den Fallstricken der falschen Alternative: Schutz oder Gleichheit ge fangen. Gegen diese Falle hat die Gruppe kompromißlos angekämpft. Im Jahr 1980 unterzeichnete die Regierung die Konvention der Vereinten Nationen für die Beseitigung aller Formen der Diskriminierung von Frauen. Nach anfänglichen Versuchen, um die Unterschrift herumzukommen, gab die Regierung dem starken Druck der Frauen im ganzen Land nach. Für die Ratifizierung der Konvention durch das Parlament mußte ein Gesetz zur Gleichstellung auf der Arbeit geschaffen werden. Denn ein solches Gesetz, wie es von der Konvention gefordert wurde, fehlte in Japan. Das Arbeitsministerium arbeitete einen Vorentwurf aus.

Während die Frauengruppen in ihrer Haltung zu diesem Gesetz gespalten waren, legten Regierung und Kapitalisten eine eindrucksvolle Einmütigkeit an den Tag. Die Gesetzesvorlage atmete denselben Geist wie der Bericht der erwähnten Untersuchungsgruppe, die vorgeschlagen hatte, die Schutzmaßnahmen im Namen der „ Chancengleichheit" aufzuheben. Die Veröffentlichung der Vorlage brach te schließlich die zerstrittenen Teile der Frauenbewegung wieder zusammen. Männer, die die Möglichkeit eines Erziehungsurlaubs auch für sich beanspruchen wollten, schlossen sich dem Kampf an. Ein 72stündiger Hungerstreik wurde auf dem Gelände gegenüber dem Arbeitsministerium organisiert. Die Hungerstreikenden gründeten eine neue Gruppe, das » Solidaritätskomitee der Frauen und Männer" , um dem Kampf für ein wirkliches Gleichheitsgesetz Nachdruck zu verleihen.

Als die Gesetzesvorlage des Arbeitsministeriums dem Parlament vorgelegt wurde, war der Inhalt noch weiter verschlechtert worden. Während die Schutzvorschriften eindeutig abgeschwächt worden waren, waren keine Maßnahmen gegen die Unternehmen vorgesehen, die gegen die Gleichheitsartikel des neuen Gesetzes verstoßen würden. Stattdessen gab sich das Gesetz mit dem simplen Appell an die Unternehmen zufrieden, sich „ anzustrengen", das Gesetz zu respektieren.

Das Solidaritätskomitee wurde sogleich aktiv. Das Arbeitsministerium und der japanische Verband der Arbeitgebervereinigungen, wo die Kapitalisten sich gerade zu diesem für sie so günstigen Gesetz beglück wünschten, wurden umzingelt. Frauen aus ganz Japan versammelten sich vor dem Parlament, um Druck auszuüben. Das Solidaritätskomitee veranstaltete eine Reihe von Versammlungen und Protestdemonstrationen in einem großen Park und verteilte Flugblätter vor dem Parlament, in dem das Gesetz beraten wurde. Am Abend der parlamentarischen Beratung erschien vor dem Parlamentsgebäude eine Gespenstergruppe. Weißgekleidete Frauen marschierten in der Abenddämmerung auf das Parlament zu und riefen: „ Wir sind die wütenden Gespensterfrauen; Wir werden uns in Gespenster verwandeln, wenn wir weiter durch dieses Gesetz unterdrückt werden. Nein das Gesetz wollen wir beerdigen und zu einem Gespenst werden lassen" Drinnen kamen die Abgeordneten, die bei der Beratung des Gesetzes gefehlt hatten in letzter Minute noch rechtzeitig zur Abstimmung, um es durchzudrücken. Die Versammlungen, Petitionen und Proteste wurden fortgesetzt, während das Gesetz an das Oberhaus weitergeleitet wurde. Es war Frühling und wir marschierten in den Straßen unter einem rosafarbenem Band, der Farbe der Kirschbaumblüten und dem Symbol unserer Wut.

Frauen und Männer bei der Haus arbeit und im Betrieb gleichstellen Die Verabschiedung des Gesetzes für die angebliche Chancengleichheit bei der Arbeit und die Veränderungen im japanischen Arbeitsgesetz bilden den katastrophalen Abschluß von zehn Jahren Kampf der Frauen gegen die Diskriminierung bei der Arbeit. Aber wir können an diesem Punkt nicht aufgeben. Der Kampf muß weitergehen und sich erneut darauf besinnen, was wir aus unserem Arbeitsleben machen wollen. Mit klaren und ver-

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PHILIPPINEN ständlichen Zielen können wir mehr um unsere menschlichen und kulturellen gung nötig, um mehr Gleichheit bei der Leute für diese Sache mobilisieren. Bedürfnisse verwirklichen zu können. Arbeit und den Löhnen durchzusetzen. Aber die von Männern beherrschten ja- Nur ein wirkliches Gesetz für die Gleich- Die Verkürzung der Arbeitszeit für Män- panischen Gewerkschaften haben bislang stellung auf der Arbeit kann uns zufrie. ner und Frauen sowie die Einführung der die Tendenz gehabt, die letztgenannten denstellen. Währenddessen kann der Aufteilung der Hausarbeit können Japan Forderungen auf Kosten der ersten zu Kampf für ein solches Gesetz die Solidarihelfen, sich auf seine alternde Bevölke bevorzugen. Die Prioritäten müssen mit tät zwischen den Arbeitern im ganzen rung, auf eine größere Zahl von erwerbs Sorgfalt geprüft werden. Land und sogar auf der ganzen Welt auftätigen Frauen und auf die Verbreitung bauen helfen.

einer Arbeitszeit sparenden Technologie Einstweilen finden die Unternehmer einzustellen. Unsere Hauptforderung ist immmer spitzfindigere und gekünsteltere Tokio 1986 die, das Männer und Frauen die Möglich- Lösungen. Die Arbeit wird mehr und keit haben müssen, einen Beruf auszu aufgeteilt nach Beschäftigungsar- Anmerkung üben und die Hausarbeit miteinander zu ten. Diese Teilung dient dazu, die Arbei- (1) In der Expansionsperiode der Nachkriegszeit erhielt teilen. Wir müssen auch die Fünftagewo- ter untereinander ebenfalls zu „ teilen". eine bedeutende Schicht von Arbeitern eine dauerhafte Beschäftigung Die • Anstellung auf Lebenszeit" schützt che und längeren Jahresurlaub fordern, Mehr denn je ist eine energische Anstren- heute aber nur noch 20% der japanischen Lohnempfänger.