DER NATIONALE BEFREI- UNGSKAMPF AUS DER
SICHT DER FRAUEN von SONIA RUPON bung, vor allem unter armen und arbei- der Gesellschaft gebildet. Seither haben Das letzte wichtige Ereignis auf den tenden Frauen, ganz akut. sie ihre Rolle immer wieder neu defi- Philippinen, das Referendum vom 2. Fe- niert, in dem Maße, wie die Bewegung bruar 1987, hat eine überwältigende Zu- Die philippinische Frauenbewegung reifte und sich entwickelte und die Lage stimmung zur neuen Verfassung ergeben. machte einen groffen Schritt nach vorn, sich veränderte. Es entfalteten sich De- Nur wenige jedoch bezogen ihre Stimm- als im August letzten Jahres einige Frau- batten, ob eine strikt feministische Perabgabe wirklich auf den Inhalt der Ver- engruppen ihre eigene Position formu- spektive einzuschlagen sei, oder ob polifassung. Angesichts der politischen Krise, lierten, wie sie die Frage der Abtreibung tisch aktive Frauen sich integrieren sollin der das Land damals steckte, bedeutete in ihrem Land behandelt sehen wollten. ten in den Kampf für die nationale Befreidas Abstimmungsergebnis vor allem ein Sie verfaßten eine Gemeinsame Erklä- ung. Einige Positionen haben sich dabreites Ja zur Präsidentin Corazon Aqui- rung, die sie der Kommission zur Ausar- durch klarer herausgeschält. no und ein großes Nein für die militäri- beitung der Verfassung unterbreiteten. So die Position von GABRIELA. Dies sche Rechte. Schauen wir, was die Verfas- Darin stellten sie fest:„Eine solche verfassung über die Rechte der philippinischen sungsrechtliche Festlegung bedeutet eine ist ein Verband verschiedener Frauen- Frauen sagt. Da lautet die Linie: ein klares Diskriminierung armer Frauen, die, da gruppen, der bald seinen vierten Natio- Nein zur Scheidung und zur Abtreibung. sie keine Alternative haben, sich insge- nalen Kongreß durchführt. Er hat auch In der Verfassung heißt es: „Der Staat an- heim äußerst gefährlichen Formen der die Initiative zu einem internationalen erkennt das Familienleben als heilig und Abtreibung unterziehen und sich in die Frauentreffen ergriffen, bei dem Frauen ist bestrebt, die Familie als selbständige Hände skrupelloser Personen begeben aus aller Welt zusammenkommen sol- Keimzelle der Gesellschaft zu schützen müssen."(2) len. Auf dem Kongreß im letzten Jahr und zu stärken. Er wird auch das Leben sagte die Vorsitzende Mary John Mader Mutter und das ungeborene Leben Die Frauen begannen, das Ausmaß des nanzan über die laufende schützen."(1) Problems, die bestehende Gesetzgebung sion:„ Wir glauben, es gibt zwei wesentund Formen der Abhilfe zu studieren liche Grundsätze, auf die sich eine Die Diskussion über die Abtreibung ist und vereinten ihre Kräfte, um einen ent- Frauenbewegung in der Dritten Welt für die philippinische Frauenbewegung sprechenden Absatz in der Verfassung stützen sollte. Der erste ist, daß die Beziemlich neu. Der starke Einfluß katholi- durchzusetzen. In den vergangenen Jah freiung der Frau in der Dritten Welt scher Werte im gesellschaftlichen Leben ren, vor allem nach der Ermordung Ni- nicht losgelöst von den wirtschaftliund das Gewicht der katholischen Kirche noy Aquinos 1983, dem Mann der heuti- chen, sozio-kulturellen und politischen in der Politik erschweren sie natürlich. gen Präsidentin, haben sich zahlreiche Bedingungen erreicht werden Dennoch stellt sich die Frage der Abtrei- Frauengruppen in verschiedenen Teilen Der Kampf der Frauen kann nicht iso-
PHILIPPINEN
Die Geschichte der liert werden aus dem Zusammenhang der gesellschaftlichen Befreiung überhaupt. Doch können wir mit der Hin- Frauenbewegung wendung zu den Problemen der Frauen nicht warten, bis die Gesellschaft befreit ist. Wir müssen sie bereits im Verlauf der Befreiung der Gesellschaft auf. Die folgende Rede hielt Maita Gomez vor dem Dritten Nationalen greifen, und wir müssen uns zusammenschließen und kämpfen für die Befreiung der Frau."(3)
Kongreß von GABRIELA am 8.März 1986. Im Oktober vergangenen Jahres wurde eine Frauenpartei gegründet. Sie nennt sich Kababaihan para sa lnang Bayan (KAIBA - Frauen für das Mutterland) und hat sich das Ziel gesetzt, Frauen dafür zu gewinnen, daß sie sich aktiv in das parlamentarisch-politische Leben integrieren. Sie grenzt sich ab von den traditionellen Parteien, insofern sie, versucht, die traditionelle Art, auf den Philippinen Politik zu machen, die sich stützt auf Patronage, Persönlichkeiten und Versprechungen, zu ändern und eine volksnahe, an einem Programm orientierte Politik zu machen. Sie will vor allem den Frauen ihre Aufmerksamkeit widmen, indem sie ihre Rechte formuliert, verteidigt und durchsetzt."(4)
Viele Aktivistinnen der neuen Frauenartel kommen aus der mılitanten Lin ren, auch aus der national-demokrati schen Strömung. Doch ihre Sprecherinnen decken ein breites politisches Spektrum ab. So ist zum Beispiel die neugewählte Vorsitzende, Prinzessin Tarhata Lucman, Gouverneurin von Lanao (Mindanao) und gehört der Liberalen Partei, Salonga Wing,an. Die Frauenpartei wurde von vielen Frauen mit Enthusiasmus begrüßt, von einigen auch mit Skepsis. Sie stellt einen sehr originellen Versuch dar, eine Partei aufzubauen, die Frauen wirklich in den breiten Kampf der Massen integriert.
1m folgenden veröffentlichen wir ein Interview mit Maita Gomez, der Generalsekretärin von KAIBA, das wir im August letzten Jahres aufgenommen haben. Maita Gomez war damals bereits aktiv in der Vorbereitung für die Gründung der neuen Frauenpartei engagiert. Außerdem veröffentlichen wir auch eine Rede von ihr, die sie vor dem dritten Nationalen Kongreß von GABRIELA am 8.März 1986 gehalten hat. Damals war sie die Vorsitzende von GABRIELA in der Region Metro-Manila, bevor sie ihren jetzigen Posten einnahm. In ihrer Rede gibt sie einen kritischen Überblick über die Geschichte der Frauenbewegung auf den Philippinen und wichtige Informationen über die Entwicklung des Frauenkampfs auf dem Archipel.
Die Frauenbewegung hat in aller Welt im Laufe der Zeit viele Höhen und Tiefen durchlaufen. Dennoch existiert sie weiter, wächst weiter und verkörpert für uns in wachsendem Maße eine Sicht der Dinge, die unseren wirklichen, aktuellen Erfahrungen als Frauen entspricht: Dinge, die uns von den männlich dominierten Strukturen, die darüber befinden, was die gesellschaftlichen Fragen und was ihre Antworten sind, immer verwehrt wurden.
Die Existenz des Imperialismus und des Kolonialismus zieht sich quer durch unsere gemeinsamen Erfahrungen
Frauen durch. Die Erfahrung, von einer ausländischen Macht beherrscht zu sein, bestimmt, leugnet, kompliziert und spitzt unseren Kampf für das Überleben und unser Recht auf Befreiung zu. Der Kampf für die Beendigung der imperialistischen Herrschaft über das Leben der Philippinen ist für die philippinischen Frauen von zentraler Bedeutung. Niemals hat eine Facette des Lebens der Philippinen von diesem Kampf für das Selbstbestimmungsrecht des Volkes losgelöst werden können. Unsere Frauenbewegung mit ihrer Geschichte und jüngsten Entwicklung bildet da keine Ausnahme.
Seit der spanischen Kolonialzeit, seit der Zeit unserer Heldin Gabriela Silang, waren die Frauenorganisationen auf den Philippinen Ausläufer oder Ergebnis nationaler und politischer Bewegungen, die unterschiedliche Standpunkte zur philip. pinischen Unabhängigkeit und Souveränität bezogen. In diesem Zusammenhang will ich drei wichtige Bemerkungen machen:
Erstens wurden diese Bewegungen von Männern initiiert und beherrscht. Das Leben der Frauen war im allgemeinen und besonders in den 300 Jahren der spanischen Kolonialherrschaft - auf das Haus beschränkt, ihr Zugang zu Informationen und Diskussionen, ihr gesellschaftliches Bewußtsein und ihr Einfluß waren äußerst beschränkt.
Zweitens bedeutete das Engagement von Frauen in diesen Bewegungen für sie Freiheiten und Wirkungsmöglichkeiten, die ihnen traditionell verwehrt waren. Die philippinische Geschichte ist voller Zeugnisse von führenden Frauen, die fähig und willens waren, solch ungewöhnliche Rollen zu spielen. Aber in diesen Kämpfen hat sich kein FrauenbewufStsein entwickelt, das sich von der männlichen Wahrnehmung der gesellschaft lichen Probleme unterschieden hätte. Obwohl die Frauen unweigerlich in die Bewegungen, die sie führten, ihre eigenen Vorstellungen einbrachten,fehlte mehr oder weniger eine besondere Sicht der gesellschaftlichen Probleme von einem Frauenstandpunkt aus. Es ist auch wichtig zu sehen, daß die führende Rolle der Frauen am ehesten dann anerkannt war, wenn sie durch die Autorität eines Mannes abgesegnet war. So führte Gabriela Silang die Rebellion weiter, die ihr ermordeter Mann begonnen hatte, und heute ruft Cory Aquino:„Laft uns den Kampf Ninoy Aquino's fortsetzen!" Drittens galten die Ziele und Perspektiven dieser Bewegungen für einen mehr oder weniger großen Teil von philippinischen Frauen, die einen unterschiedlichen Standpunkt zur Frage der Unab hängigkeit der Philippinen bezogen. Der 300-jährige Kampf, der in die philippinische Revolution gegen Spanien und später in den philippinisch-amerikanischen Krieg mündete, war die Antwort auf eine unmittelbare, dringende Forderung des philippinischen Volkes, die philippinischen Frauen eingeschlossen.
Die Frauenbewegung zur Zeit der Kolonialherrschaft
In der amerikanischen Kolonialzeit jedoch, als die Gründung von Frauenorganisationen Teil der amerikanischen „Pazifizierungs-"kampagne gegen die philippinischen Revolutionäre war, forderte die Frauenbewegung das Wahlrecht und Reformen im Rahmen der amerikanischen Herrschaft. In dieser Zeit waren die Frauenbewegung und die Frauenorga-
nisationen Teil des Versuchs, eine neue, indirektere Form der Kolonialherrschaft zu legitimieren.
amerikanische Amerikanic Ze , ls en Phie vinen dic verkauft wurde, eine Elitedemokratie, in der die herrschende philippinische Klasse die politische und wirtschaftliche Macht, die sie von den neuen Kolonialherren erhalten hatte, konsolidieren konnte. Es waren die Frauen jener Elite, die die verschiedenen Bewegungen für das Wahlrecht der Frauen und andere Reformen führten; sie reihten sich ein in die Bemühungen der Kolonialherren um mehr Liberalität und politische Rechte, mit denen bewuft die Aufmerksamkeit von der grundsätzlichen Unrechtmäßigkeit der Präsenz der Kolonialherren auf den Philippinen abgelenkt werden sollte. Dies war eine subtile Form der politischen Bettelei und Kolla boration der philippinischen herrschenden Klasse, die bereits mit der philip pinischen Revolution gebrochen hatte. Seit der Zeit und in dem Maße, wie die Demokratie nach US-Art und der halbkoloniale Status anerkannt wurden, ha ben die Frauenorganisationen eindeutig die Rolle von Hilfstruppen zur Festigung des status quo gespielt. Sie haben sich zu den Moralaposteln der Gesellschaft aufgeschwungen, sinnlose Reformen in die PHILIPPINEN
Corazon Aquino auf einer Frauendemonstration gegen Marcos in Manila 1983, an der Wege geleitet, die karitative Arbeit ver herrlicht, Unterstützung für die Sache der herrschenden Elite organisiert, selbst für die Diktatur, die gerade gestürzt ist, und sie haben die Frau in ihrer Rolle als Hausfrau, Gattin und Anhängsel des Mannes bestärkt. Diese Frauenorganisationen mit ihren moralinsauren, elitären und herablassenden Programmen können selbst da, wo sie versuchen, auf Frauenprobleme einzugehen, nicht die fort schrittlichen und demokratischen Forderungen der philippinischen Frauen aufgreifen. Heute hat die Mehrzahl der Frauenorganisationen, die sich außerhalb der nationalistischen und dem Volk verbundenen Bewegung befinden, immer noch dieses Image.
Anfang der 70er Jahre, in der Zeit der nationalistischen und studentischen Bewegung, die wir heute den „Sturm des ersten Quartals" nennen, tauchte eine neue, revolutionäre Frauenorganisation auf, MAKIBAKA. Auch diese entwikkelte sich aus einer vorwiegend von Männern geführten Bewegung: ihre Ursprün ge gehen auf die militante Jugendorganisation Samahan ng Demokratikong Kabataan (SDK) zurück. Als Teil der national- Kampf zu mobilisieren, sondern auch, das Selbstbewußtsein der Frauen zu stärken. Eine gesonderte Frauenbewegung, die Teil des Kampfs für die nationale Befreiung war, die Malayang Kilusan ng Bagong Kababaihan - MAKIBAKA, war die erste Bewegung in der Geschichte der Philippinen, die die Befreiung der Frau auf ihre Fahnen schrieb. Die Gründung von MAKIBAKA war Ausdruck der fortgeschrittensten revolutionären Tradition der philippinischen Frauen. Als das Kriegsrecht verhängt wurde, wurden militante und nationalistische Organisationen für illegal erklärt und in den Untergrund getrieben. Vorübergehend konnte die offen operierende Massenbewegung ersticktwerden. Die Frauen der MAKIBAKA folgten dem Ruf nach revolutionärer Arbeit im Untergrund, nach der Organisierung einer Massenbasis in den Städten und auf dem Land, und nach dem bewaffneten Kampf. Unter dem Druck des Kriegsrechts löste sich die junge und kämpferische MAKIBAKA auf. Doch die Tradition, die diese Frauen bewegung sprechen, die Frauenorganisationen von heute, von denen viele erst drei bis fünf Jahre alt sind. Auch sie sind aus dem nationalen Kampf hervorgegangen, aus dem Kampf der verschiedenen Sektoren und Klassen der Philippinen. Viele dieser Organisationen hatten, als sie ihre Arbeit aufnahmen, kein oder nur sehr geringes Verständnis für die Probleme der Frauen. Wie unsere Vorgängerinnen sahen wir nur die Notwendigkeit, daß die Frauen daran beteiligt seien. Uns trieben die Ziele und Motive, die für das philippinische Volk am dringendsten sind: die Menschenrechte, die wirtschaftlichen und Bürgerrechte, soziale Gerechtigkeit, demokratische Strukturen,eine demokratische Politik und ein Ende der Fremdherrschaft.
In diesem Prozeß, ausgehend von der Tradition von MAKIBAKA, getrieben von vielen Frauen, die nicht einfach als Philippinen, sondern als philippinische Frauen gehört werden wollten, gestützt auf die Fortschritte der Frauenbewegung in anderen Ländern, von denen wir lerr den ationa demokratiehen Las uns nu über une eigene Frauen:. nen konnten, hat unsere Frauenbewegung angefangen, die Probleme auf den Philippinen unter dem Gesichtspunkt
PHILIPPINEN
PATUMA Nang
NFSV „Die erste revolutionäre Frauenorganisation, die für die nationale Befreiung, aber auch für mehr Selbstbewußtsein als Frauen kämpfte, entstand zu Beginn der 70er Jahre.
Auf ihren Erfahrungen bauen wir heute auf."
der Unterdrückung der philippinischen Frauen zu betrachten; sie hat begonnen, eine globale Sicht von der Ausbeutung und der Unterdrückung der philippinischen Frau zu entwickein.
Die Frauenbewegung organisiert sich Die Frauenorganisationen der Massen der Arbeiter, Bauern und Bewohner der Elendsviertel in den Städten - bilden das Rückgrat unserer Frauenbewegung. Diese Organisationen sind die lebensnotwendige Basis für jede Frauenbewegung, die für sich beansprucht, legitimerweise die Forderungen und Bedürfnisse der am meisten unterdrückten Frauen in der philippinischen Gesellschaft, der Mehrzahl der philippinischen Frauen zu repräsentieren. Frauenbündnisse wie GABRIELA fördern die Solidarität mit und die Unterstützung von Frauenorganisationen aus verschiedenen Klassen und Sektoren, und verschiedenen Initiativen. GABRIELA ist auch ein Zentrum der Koordination und Verbreitung von Frauenkampagnen. In dem Maße, wie es wächst, entwickelt es sich zu einem Bildungs, Informations- ,Propaganda- und Mobilisierungszentrum, das als politisches Zentrum für die Frauenmassenbewegung dient. Es stellt ein mächtiges Mittel zur Herstellung der Einheit der Frauen in der Aktion und in der Zielsetzung dar.
Mehr als ein Jahrzehnt politischer Aktivität unter den härtesten Bedingungen der Repression und der Diktatur hat unsere Frauenorganisationen mit organisatorischen Erfahrungen und dem politi schen Scharfsinn ausgestattet, die Frauenbewegung zu führen und weiterzuentwickeln. Wir sollten auf diese Stärke, die wir durch unsere Ergebenheit für die Sache und unser Engagement erworben haben, stolz sein, selbst wenn wir in unserer Entwicklung als Aktivistinnen Schwächen oder Einseitigkeiten entdekken. Während unser Engagement im nationalen Kampf uns nämlich den entschiedenen Vorteil gebracht hat, schnell wieder eine Frauenbewegung auf die Beine stellen zu können, wie wir sie heute haben, hat sich zu dieser Erfahrung erst spät eine Orientierung gesellt, die den besonderen Charakter der Frauenunterdrückung anerkennt.
Unsere Frauenbewegung muß intensiver die Lebensumstände der Frauen in der philippinischen Gesellschaft erforschen und den Charakter der besonderen Probleme von Frauen analysieren.Das sorgfältige Studium und die genaue Erfassung des Charakters, der Erscheinungsformen und der Wurzeln der Unterdrückung der Frauen in der philippinischen Gesellschaft ist eine der dringendsten Fragen, die auf der Tagesordnung unserer Frauenmassenbewegung stehen.
Die Entwicklung der Frauenbewegung muß auch Formen der Organisierung und Mobilisierung hervorbringen, die besser geeignet sind, die volle Teilnahme der Frauen am Kampf des philippinischen Volkes im allgemeinen und der philippinischen Frauen im besonderen zu ermöglichen. Die Einrichtung von Kindertagesstätten und die Schaffung von Frauenstrukturen in gemischten Organisationen sind schon Schritte in diese Richtung. Aus unseren gesellschaftlichen Studien muß auch folgen, daf neue Schichten von Frauen organisiert werden: Hausangestellte, Hausfrauen in Ar beiterfamilien, Lohnarbeiterinnen, nicht in der Fabrik arbeiten, Teilzeitarbeiterinnen, freiberufliche Frauen. Wir müssen eine umfassende Stellungnahme der Frauen zuunserer nationalen Situation entwickeln.
Heute, nachdem die Diktatur gestürzt ist, haben wir wieder begonnen, die Luft der Freiheit zu atmen. Aber wir müssen wachsam sein, weil es an den Schaltstel. len der Macht noch einen starken faschistischen Block gibt, der mit der Diktatur verbunden ist, obwohl er zur Zeit gezwungen ist, eine liberale Linie zu fahren. Die Demokratie ist in unserem Land immer einem starken Druck ausgesetzt gewesen und sie bleibt ein zartes Pflänzchen, das sich gegen die Macht und die Manöver der imperialistischen Aggressoren zur Wehr setzen muß, die unser Volk in Armut halten wollen und den Faschismus und die Diktatur stützen, um ihre illegitimen Interessen und Forderungen, die im Gegensatz zu unserem Überleben und unserem Fortschritt stehen, zu schützen. Die Frage, die jahrhundertelang die grundlegende Frage der philippinischen Geschichte gewesen ist — die der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmung — bleibt ungelöst. Nur die Bedingungen sind heute besser, den Kampf für die philippinische Befreiung fortzusetzen.
Wir werden weiterhin jede Gelegenheit ergreifen, unser Volk der Freiheit näherzubringen und die Befreiung der philippinischen Frau zu erreichen. Wir werden nicht in Selbstgefälligkeit verfallen. Wir werden hart darum kämpfen, unsere Errungenschaften zu verteidigen und unsere Sache voranzutreiben. Wir werden unsere Arbeit jetzt in der Öffentlichkeit mit derselben Energie fortsetzen, wie wir es in den dunklen Jahren der Diktatur,aus der wir gerade emporgestiegen sind, getan haben.
Neue Frauenpartei gegründet In den 70er Jahren wurde Maita Gomez berühmt. Als ehemalige Schönheitskönigin schloß sie sich der New People's Army, der kommunistisch geführten Guerilla an. Als sie krank wurde, wurde sie zur Behandlung nach Manila gebracht. Sie gewann bald eine bedeutende Rolle in der Frauenbewegung und in der national-demokratischen Linken. Im vergangenen Oktober wurde sie zur Generalsekretärin von KAIBA, der neuen Frauenpartei auf den Philippinen, gewählt. Das folgende Interview nahmen Sonia Rupon und Paul
Petitjean am 28.August 1986 auf, kurz bevor KAIBA gegründet wurde.
Frage: Warum habt ihr beschlossen, eine Frauenpartei zu gründen? Antwort: Diese Partei will sich der politischen Schulung von Frauen widmen. Sie will sie darauf vorbereiten, daß sie teilhaben am politischen Leben des Landes. Sie will an den Wahlen teilnehmen. Sie will das Selbstbewußtsein der Frauen stärken. Die Frauenpartei will nicht nur eine symbolische Rolle spielen. Sie will sich in den politischen Konkurrenzkampf stürzen und ihn gewinnen. Wir wollen, daß diese Partei so stark wie möglich wird, damit die Rechte der Frauen anerkannt werden. Die Partei fühlt sich den Rechten der Frauen zutiefst verpflichtet.
Warum wir heute eine solche Partei gründen? Weil wir heute günstige Bedingungen dafür vorfinden und diese ergreifen wollen. Die Frauenbewegung wächst Die Lage auf den Philippinen heute unterscheidet sich sehr von der in anderen Ländern, wo das politische Feld im allgemeinen fest von einer kleinen Zahl traditioneller Parteien besetzt ist, was es für neue, zur Wahl stehende Gruppen sehr schwer macht sich zu entfalten. Unter dem Kriegsrecht hat die Diktatur ein politisches Vakuum um sich herum geschaffen (1). Seit dem Sturz des Marcos- Regimes gibt es keine herrschende Partei mehr in diesem Land. Die Wählertraditionen müssen neu aufgebaut werden. Überall fehlen geschulte und anerkannte Dreiten Freihum fuk ritue Farce cinen Das ist eine seltene Gelegenheit, die wir nicht verstreichen lassen dürfen. Die Lage ist in mehrerer Hinsicht außergewöhnlich. Wir wollen nicht behaupten, daß das was wir hier tun wollen, auch in anderen Ländern und unter anderen Bedingungen angebracht ist. Aber wir sind überzeugt, daf es heute möglich und notwendig ist, eine Frauenpartei zu gründen. Frei a anderen Parde an trauen, wenn deren Programm vereinbar ist? Antwort: Nein. Die Partei wird sich nur aus Frauen zusammensetzen, und es wird keine doppelte Mitgliedschaft anerkannt werden (2). Unsere Initiative würde all ihre Bedeutung verlieren, wenn Frauen zusätzlich zu anderen Parteien „auch noch bei uns"Mitglied sein könnten.
Wir werden Kandidatinnen zu den Kommunalwahlen und hier und da auch zu den regionalen Gouverneurswahlen aufstellen, wahrscheinlich sogar zu den nationalen Wahlen. Wir wollen, daß unsere Kandidatinnen gewählt werden, nicht Kandidaten der anderen Parteien. Wo wir schwach sind, werden wir progressive männliche Kandidaten unterstützen. Wo wir stärker sind, werden wir fordern, daß andere Parteien unsere Kandidatinnen unterstützen.
Natürlich werden sich die Mitglieder der Frauenpartei an Koordinationsstrukturen und Bewegungen wie GABRIELA, der Nationalist Alliance, der Koalition Bayan (ein Bündnis von Massenorganisationen, Gewerkschaften und Verbänden) beteiligen.
Frage: Auf welchem Programm will die Frauenpartei kandidieren?
Antwort: Wir wollen deutlich machen, welchen Beitrag die Frauen zum Leben in diesem Land leisten. Wir wollen, daß ihre Stimme gehört und ihre Rechte nicht übergangen werden. Frauen müssen zu einer wirklichen politischen Macht in der philippinischen Gesellschaft werden.
Die Frauenpartei wird die besonderen PHILIPPINEN
Forderungen der Frauen vertreten. Sie wird jedoch ihre Aktivitäten nicht auf die Rechte der Frauen beschränken.Sie wird eng mit verschiedenen Initiativen, Bewegungen und Massenorganisationen zusammenarbeiten, die ihre natürlichen Verbündeten sind. Frauenmacht ist ein integraler Bestandteil der Volksmacht. Die Frauenpartei wird für das Volk kämpfen; sie richtet sich an die breite Bevölkerung und an die Mittelschichten. Sie vertritt im allgemeinen ein nationalistisches, an den Bedürfnissen des Volkes orientiertes Progamm, das für alle Würde, Recht und Gleichheit will. Frage: Wie verhalten sich die Forderungen der Frauen zu den allgemeinen Forderungen?
Antwort: Sie verbinden sich im Kampf miteinander. Es gibt besondere Forderungen für Frauen und für andere Schichten der Gesellschaft. Aber ich glaube nicht, daß es einen Gegensatz zwischen den allgemeinen und den besonderen Forderungen gibt. Das wird im Kampf deutlich. Arme Frauen kämpfen um das tägliche Brot, ihren „Reis und Fisch" Das ist völlig normal. Es wirft aber sofort ein organisatorisches Problem auf (die Versorgung der Kinder, usw.) und schafft eine kollektive Erfahrung, die wiederum neue Fragen aufwirft und die traditionellen Werte erschüttert. Ich weifs, daß das alles nicht isoliert passiert. Frauen sind „die ersten und letzten Proletarier". . Aber eben deshalb haben wir eine Frauenpar-