Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Wer ist Damian Dziubelski?

Inprekorr Nr. 182, Juni 1986 · S. 12-16 · 2.888 Wörter

Polen Gewerkschaften und Streiks

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ders aber auf die Entwicklung der Formen der Selbstorganisationen, Arbeiterinnen und Arbeiter von sich Das Bündnis der Arbeiteropposition wurde im Mai 1985 von den Untergrundgrup- ›en gebildet, die die Zeitschriften Glosno(Ausruf), aus denoberschlesischen Kohlen hervorbringen.

ergwerken, Wolny Robotnik (Freier Arbeiter), das Orgar Fabrikräten, Front Robotniczy(Arbeiterfront) und Sprawa Robotnicza (Arbeitersache), herausgeben, die letzten beiden aus Warschau von Gruppen für die Selbstverwal Seit Februar 1986 ist Damian Dziubelski, der in den Untergrund gehen Frage: Die meisten dieser Kämpfe mußte, der Vorsitzende des POR. Vor Dezember 1981 war Dziubelski Vorsitzender werden im Westen nicht berichtet. Die von Solidarność bei den Wasser- und Kanalisationswerken, bei denen er als Fahrer Medien sind mehr an den jüngsten Stelarbeitete. Er wurde im Widerstand gegen Jaruzelskis Putsch aktiv und im Lager lungnahmen von Lech Walesa oder Kar- Widerstand gegen die Gefangenenwärter auf dinal Glemp interessiert. Kannst Du vielund brachte das Untergrundblatt der Gefangenen heraus: Glos Ekstremisty (Stimme der Extremisten). Nach seiner Entlassung wurde er zum zentralen Aktivisten des leicht etwas sagen, was in den Betrieben so Komitees zur Unterstützung der Repressionsopfer (KPP), einer Organisation auf geschieht und besonders, was das POR dabei tut?

gegenseitige Hilfe in Oberschlesien. Er nahm dann an der Gründung der ZRP-PRO betrieblichen teil, der Union der Arbeiterräte der Polnischen Widerstandsbewegung, worin sich Antwort: Die damals 26 Fabrikräte zusammenfanden. Er wurde mehrmals entlassen und immer Kämpfe sind meistens wirtschaftlicher wieder verhaftet. „Dawid", wieer von allen genannt wird, hielt sich leider im Februar Art. Lohn und Arbeitsbedingungen sind 1986 in der Geheimdruckerei von Wolny Robotnik auf, als sie von der polnischen die grundlegenden Fragen, wenn auch politischen Polizei umzingelt wurde. Er konnte entkommen, ist aber der Polizei Proteste gegen die Verfolgung von Menbekannt und muß versteckt leben. 27 Jahre ist er heute alt. Wolny Robotnik Nr. 35 schen wegen politischer Aktivitäten schreibt über ihn: „Unser Führer muß jetzt im Verborgenen bleiben. Das ist für uns nicht ungewöhnlich sind. Form und doppelt traurig. Erist ein Freund, dem wir jahrelang nahestanden..., und erist auch... ein Arbeiter, der im Namen der Prinzipien des Sozialismus das Recht auf den Kampf Dauer dieser Kämpfe sind sehr verder Arbeiter um ihr Recht auf ein ehrenvolles Leben und den Sozialismus besitzt... schieden. Am häufigsten sind wohl kur- Damian Dziubelski ist der einzige Führer von Solidarość in der RegionOberschlesien ze, spontane Streiks von einer halben bis (1 400 000 Mitglieder im Herbst 1981), der für seine Aktivitäten im Untergrund mit zu drei oder vier Stunden. Es gibt zwar auch längere, aber sie sind schon deshalb nicht typisch, weil die Betriebsleitung

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gewöhnlich sofort nachgibt oder nach einem Parteibeamten ruft, und der macht dann das Zugeständnis. Die größten Probleme kommen meist hinterher, da die Fabrik, wo so etwas passiert, von den Sicherheitskräften besonders scharf im Auge behalten wird; wessen führende Rolle im Streik erkannt wird, kann sich sicher sein, verfolgt zu werden. Wenn es keine gut organisierte Geheimorganisation im Betrieb gibt, ist es schwer für die Beschäftigten, sich selbst zu verteidigen, da eine spontane Aktionso viel schwieriger wird. Trotzdem enden die meisten Protestaktionen mit einem Erfolg, da die Betriebsleitung die Provozierung weiterer Auseinandersetzungen fürchtet - abgesehen von allem anderen würden ihre Oberaufseher dann nämlich den Schluß ziehen, daß sie die Lage nicht unter Kontrolle haben. Die Arbeiter gehen jedenfalls aus solchen Kämpfen mit größerem Selbstvertrauen hervor. Bitte stell Dir nun nicht vor, die Ariterinnen und Arbeiter würden heute anz Polen andauernd in Streik treten! Die Streiks, die ich meine, betreffen nur einen ziemlich kleinen Prozentsatz der polnischen Industrie. Und weiterhin muß man sie vor dem Hintergrund der Niederlage der Arbeiterbewegung durch die Verhängung des Kriegsrechts sehen. Wir erleben nur ein erstes Wiedererwachen der Kampfkraft der Arbeiterklasse.

Ein anderes Element, das wir hier erwähnen müssen, ist die Aktivität der Arbeiterräte, die das Vertrauen der Belegschatt genielsen, also derjenigen, wo die Parteileitung es nicht geschafft hat, die Wahlen zu fälschen. Diese offiziellen Läte sind oft zur innerbetrieblichen Or ›ositionsform geworden, viele verteidi gen die Interessen der Belegschaft mit Nachdruck. Leider nehmen manche Saktoren von Solidarność die Chance ser Räte ungern wahr; diese Haltung ist aber im Schwinden begriffen. Ein bemerkenswertes Beispiel dessen, was so erreicht werden kann, waren die beiden Kämpfe in Torun und in Bydgoszcz Ende letzten Jahres. Neben Fragen der Entlohnung und der Arbeitsbedingungen brachten die Räte dort auch weitergehende Forderungen vor. Zum Einen verlangten sie das Recht der Arbeiterräte, sich regional zusammenzuschließen, zum anderen forderten sie die Schaffung einer zweiten Kammer des Sejm (Parlament), die aus Vertretern der Arbeiterräte zusammengesetzt sein solle. Die Staatsmacht mußte gegen diese beiden Kämpfe große Propagandakampagnen entfalten, sie sogar in der Presse angreifen, während normalerweise alle stattfindenden Kämpfe mit Schweigen übergangen werden.

Nun zu dem, was das POR macht.Am einfachsten ist es, ich verweise Dich auf eines unserer neuesten Dokumente: das Nr. 182,J uni 1986 Malkundgebung von Solidarnosć „Programm des POR für die laufenden Kämpfe" . Wir brachten dies als Sonderausgabe unseres nationalen Bulletins Przelom (Durchbruch) heraus und haben es in ganz Polen verteilt. Dem kann man zum einen die Erfahrungen des POR entnehmen, seine Tätigkeiten und seine Vorhaben in den Betrieben. Zum anderen steht darin die Strategie, die wir der Gesamtbewegung vorschlagen. Wir führen eine Kampagne für eine Einheitsfront um zwei Hauptlosungen des Programms: Verteidigung des Lebensstandards und Verteidigung der Nationalökonomie. Die erste Frage ist natürlich die Hauptachse unserer Arbeit. Es geht dabei um mehrere Elemente zugleich. Zunächst der Lohn. Wir seher auf diesem Feld zwei Probleme. Das eine ist die Inflation, die seit der Verhängung des Kriegsrechts die Arbeitenden schwer getroffen hat. Noch heute leiden alle unter den Folgen der unerhörten Preiserhöhungen von Anfang 1982, als viele wesentliche Versorgungsgüter um mehrere 100 Prozent verteuert wurden. Seither ist eine Jahresinflation von 20 - 30 % hinzugekommen. Die konkrete Wirkung ist, daß die Zahl der Arbeiterfamilien, die in absoluter Armut leben, ständig wächst und die Mehrheit sich von Monat zu Monat durchhangelt, aber keine Ersparnisse mehr hat oder schrottreite Haushaltsgüter auswechseln, Ausbesserungen am Haus vornehmen oder Urlaub machen könnte. Mit anderen Worten: die Arbeiterklasse ist zum Dahinvegetieren verdammt. Das zweite Problem ist das der Lohndifferenzierung. Es ist seit der Verhängung des Kriegsrechts die Strategie der herrschenden Bürokratie gewesen, diese radikal zu verschärfen — in Übereinstimmung mit ihrer allgemeinen Politik des Teile-und-Herrsche. Gegenüber dem ersten Problem verlangen wir die automatische Teuerungsanpassung, andernorts gleitende Lohnskala genannt. (Eigentlich fordern wir noch mehr: eine gleitende Skala der Löhne, der Renten, der Sozialhilfe, der Studienbeihilfen usw.) Gegenüber dem zweiten Problem fordern wir bei allen Lohnabkommen automatische zusätzliche Lohnerhöhungen für die unteren Lohngruppen. Die nächste Frage ist die der Arbeitszeit. Seit Ausrufung des Kriegsrechts hatte die Staatsmacht eine intensive Kampagne zur Erhöhung der Arbeitszeit geführt, durch die Einführung von Pflichtüberstunden, durch eine Rückkehr zur Sechstagewoche, durch eine tarifliche Verlängerung der Arbeitswoche in bestimmten Unternehmungen, durch die Einführung von Conti- Schicht-Systemen usw. Das groteske Paradox ist, daß viele Arbeiter nicht einmal in der normalen Arbeitswoche genug zu tun haben — wegen der Pro-

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duktionsunterbrechung durch bürokratische Fehlplanung. Deshalb fordern wir dagegen eine Senkung der Zahl der Arbeitsstunden, besonders für Frauen und jene, die Schwerarbeit leisten oder an gefährlichen Arbeitsplätzen stehen (die normalerweise auch noch am längsten arbeiten müssen, da sie in sogenannten Schlüsselbranchen beschäftigt sind). Diese Keduzierung der Arbeitszeit dart natürlich nicht mit einem Einkommensverlust einhergehen. Die Politik der Staatsmacht läuft heute darauf hinaus, tungsrate zu erhöhen.

Ein anderes Thema, auf das wir unser Augenmerk richten, ist die Wohnungsfrage, die zweifellos das soziale Problem erster Ordnung in Polen ist. Bis heute hat die Opposition dazu nichts gemacht, was nach unserer Meinung ein großer Fehler war. Das POR nimmt an Kämpfen zu dieser Frage teil, die allemal auf breites Echo stoßen. Es ist uns auch gelungen, andere Teile von Solidarność da mithineinzuziehen. Ich sollte jedoch zunächst die Bedeutung des Problems erläutern.

Eine Wohnung zu bekommen, ist in Polen für junge Leute das größte Problem. Viele jungverheiratete Paare, davon so manche mit zwei oder drei Kindern, müssen sich die Wohnung mit den Eltern, Großeltern, Brüdern oder Schwestern teilen. Die Chance, eine Wohnung zu erhalten, ist äußerst gering. In einigen Städten hat man errechnet, dals diejenigen, die heute ganz unten auf der Liste der Wohnungsuchenden stehen, wenn das Tempo des Hausbaus so weiter läuft wie bisher, in dreißigoder fünfunddreißig Jahren ihre Wohnung erhalten werden! Dagegen hat die erwählte Elite damit keine Probleme: die mit Geld — Eigentümer von Privatunternehmen können sich ihre Luxusvilla selbst bauen; die mit Kontakten'- Bürokraten des Apparats bekommen von ihren Arbeitgebern Wohnungen zugewiesen oder werden zu den kleinen staatlich subventionierten Hausbau-„Kooperativen" zugelassen, die Halbfertighäuser für die privilegierte Minderheit hinstellen.

Eine engültige Lösung dieses Problems ist nur möglich über gesellschaftliche Kontrolle der Verwaltung des Wohnungwesens und der Bauindustrie sowie einen Arbeiterplan zum Hausneubau. Jetzt schon verlangen wir einen Mietstopp, die Mietfreiheit in den saumäßig zusätzliche Einkommenssteuer auf die Villen und Penthäuser der Privatunternehmer und Parteiapparatschiks. Wir sind außerdem im Kampf gegen die jüngsten Mietsteigerungen engagiert und PROFINID: WOLNY ROBOTNIK 10,09, Ma 1 NO SCHO CENA-5x sale raergesleesjf347-289.poo0lalp frag eo303 THỜI LOS

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Seite 1 von Wolny

Robotnik enthält die Bekanntgabe der Trennung der ZRP- PRO in drei verschiedene Strukturen: das überbetriebliche Komitee von Solidarność, das Bündnis der Arbeiteropposition und die politische Gruppe; den Bericht vom Polizeiberfall auf die Druckerei; die Bekanntgabe der Wahl von Dziubelski in die nationale Leitung des POR; ein GruBroTt von (In.

prekorr-Autor) Zbigniew Kowalewski aus dem Pariser Exil; den Solidaritätsanfruf mit Südafrika.

versuchen, einen Mietzahlungsboykott Nationalökonomie. Ich verstehe nicht so zu organisieren. Diese Art von Kampf recht, was Du damit meinst. Ja, das kann leicht begonnen werden, bringt nur scheint mir doch gar eine ziemlich seltsame wenig Verfolgungsrisiko und erweist Parole zu sein, wie sie eher die Regierung sich als äußerst effektiv. Wir haben es ausgeben würde. auch oft erlebt, daß die gleichen Leute, die vor anderen Protestaktionen zu- Die Staatsmacht rückscheuen, bereit sind, sich an diesem spricht unablässig von der Nationalöko- Kampf zu beteiligen — einfach weil nomie. Sie spricht von Beschleunigung die Probleme so schwer lasten. Eine wirtschaftlichen Entwicklung" interessante Tatsache möchte ich hier „Umsetzung weiterer Verbesserun noch zitieren: ein soeben veröffent- in der Wirtschaft", Konsolidierung dei lichter offizieller Bericht über den Le- Intensivierung der Wirtschaft" etc pp. bensstandard von 1984 stellt fest, daß Wir sprechen von der Verteidigung der nur 69 % der Familien aus der Arbeiter- nationalen Wirtschaft — Verteidigung klasse keine eigene Wohnung hatten — gegen die staatliche Macht der Bürokrabei den Staatsbediensteten waren es 97 tie, Verteidigung gegen die Parteibosse Prozent. und Betriebsleitungen. Polens Ich möchte noch einige weitere Fra- schaftliche Ressourcen, seine Fabriken, gen benennen, zu denen wir Kampagnen seine Maschinenparks, seine Mineralien, führen, etwa die gleicher Bildungs- seine ganze Infrastruktur, die Fertigkeichancen für Jugendliche — es geht da- ten seiner Arbeiterklasse, werden unter bei um Kindergeld und eine garantierte unseren Augen verschleudert und ver- Mindestbeihilfe für alle die zwar aus dem wüstet. Schulalter heraus sind, aber voll in der Wir sehen dafür drei Ursachen: erstens Ausbildung stehen — oder auch die For- skandalöse bürokratische Fehlplanung derung nach einem größeren Sozialhaus- von der Planungskommission über die halt zuungunsten des Beamtenappa- Ministerien bis hin zu den einzelnen Berats, der Armee, der Polizei und des trieben und Bergwerken; zweitens die Sicherheitsdienstes. Alle beiden Fragen heutige Wirtschaftspolitik, die der gehören zum Komplex des Lebensstan- planvollen Durchführung einer „Räudards. erwirtschaft" gleichkommt, weil man Frage: Als Du das heutige Programm verzweifelt versucht, die Produktion zu des POR erwähntest, nanntest Du auch steigern und die Auslandsschulden abeinen zweiten Punkt: die Verteidigung der zutragen; drittens die allgemeine Kor- Nr. 182,J uni 1986

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ruption durch die Manager, ihre Betrügereien, Diebstähle und generelle Ahnungslosigkeit. All diese Dinge sieht jeder Arbeitende täglich um sich herum. Unterm Strich läuft das Ganze auf eine bewußte Politik der Sabotage durch Rehierus, Ministerien und Betriebsleiter Ein polnischer Arbeiter reißt eine Icht- oder Zehnstundenschicht in seim Betrieb, seinem Bergwerk, seiner Werft runter und muß dann mitansehen, wie seine Arbeit durch organisatorisches Chaos zunichtegemacht wird, die Produkte seiner Arbeit verschwendet werden, teure Maschinen vergessen rumstehen und auf dem Werkshof rosten. Er kriegt die Folgen außerdem noch finanziell zu spüren, denn er verliert seinen Produktivitätszuschlag, wenn die schrottreife Ausrüstung zusammenbricht, Nachschub nicht eintrifft, der Strom wieder mal ausfällt oder schlicht weil die Betriebsleitung unter gegebenen günstigen Umständen die Produktion nicht steigern will, weil das ein schlechter Präzedenzfall wäre und die Fabrik dann künftig höhere Normen vorgegeben bekommen würde.

In solch einer Situation entspricht unser Aufruf zur Verteidigung der nationalen Ökonomie voll der Grundstimmung der Arbeiterklasse. Vierzig Jahre lang wurde den Arbeitern erklärt, daß die Fabriken ihnen gehören, die ganze Wirtзол...

Seite 2 enthältTips für die Organisierung eines Mietstreiks von der Stadtteilgruppe

Praga-Sid in Warschan; ein Gedicht •Der Aktiviste; die Information, daß das Schwesterblatt Front

Robotniczy den Seitenumfang erhöht hat und daß für beide Blätter im voraus bezahlt werden muß (sic!); eine Danksagang von Damian für die Hilfe im Untergrund; einiges ans dem Leben von Damian.

schaft, der ganze Staat ihnen gehören. Jetzt sehen sie also, wie ihre Wirtschaft durch Verschwendung und Korruption ruiniert wird. Sie arbeiten länger, als sie müßten, um weniger zu produzieren, als sie könnten, und das Ergebnis ist mieser, als es sein sollte. Sie sehen, wie die polnische Industrie sich im raschen Verfall befindet, manche Teile einfach zusammenbrechen. Seit Jahren sind Investitionen jetzt vor allem in Vorzeigeprojekte geflossen, eine allgemeine Modernisierung hat nicht stattgefunden. Und nun bröckeln die Fabrikgebäude ganz wörtlich auseinander, Produktionsbänder werden mit Kordel, Spucke oder der Erfindungsgabe der betroffenen Beschäftigten zusammengehalten und das Durchschnittsalter der Maschinen steigt von Jahr zu Jahr. Unser strategisches Ziel ist daher die Kontrolle der Produktionsmittel durch die Arbeitenden - aber so wie die Dinge heute laufen wird, wenn es einmal so weit ist, kaum noch was zu kontrollieren sein. Wir schlagen ein bündiges Aktionsprogramm zur Enthüllung der Verschleuderung und Korruption durch die Manager, zum Kampf dagegen vor, um eine Grundlage für die rationale Verwendung der ökonomischen Ressourcen Polens zu legen, sobald diese unter der demokratischen Kontrolle der Arbeitenden selbst stehen. Das bedeutet eine Kampagne zur Verteidigung des gesellschaftlichen Eigentums, zur Verteidigung der Fabrik, der Maschinen und der Rohstoffe, die die Parteiapparatschiks zerstören, da sie sie „nebenbei" an den privaten Sektor verkaufen, zur Verteidigung der Unternehmen, die sie ruinieren und betrügen. Es bedeutet eine Kampagne für korrekte Qualitätsstandards, die den Erwartungen der polnischen Gesellschaft entsprechen. Heute führt das allgemein verbreitete Stücklohnsystem zusammen mit den hohen Produktionsnormen zu ungeheurer Ausschußproduktion in Gestalt von unbenutzbaren und mangelhaften Produkten; denn die einzige Art, wie ein Arbeiter oder eine Arbeiterin zu einem anständigen Lohn kommen kann, ist die Vernachlässigung aller Qualitätsanforderungen, wozu er oder sie vom Aufsichtspersonal auch noch ermutigt werden. Es bedeutet auch eine Kampagne für eine rationelle Organisation der Produktion und eine rationelle Verwendung der Arbeitszeit. Dieses Ziel kann nicht von unserem Kampf für eine geringere Arbeitszeit getrennt werden. Wir haben keine Illusionen, daß diese Probleme im Rahmen des bürokratischen Systems der Planung und Betriebsleitung gelöst werden könnten. Der Kampf dafür muß jedoch jetzt beginnen.

Ein weiterer Aspekt verdient dabei noch besondere Beachtung: die Fragen der Gesundheit und der Sicherheit, die beide sowohl eine Funktion des Fehlens eines Selbstschutzes in Gestalt legaler Gewerkschaften, als auch der Organisation der Produktion selbst sind. Die Sicherheitsstandards in der polnischen In dustrie sind katastropha Verhöhnung der bestehenden Gesetzgebung dazu, die einfach ignoriert wird Das POR führt auch auf diesem Gebiet eine Kampagne, bei der es die Erfahrungen von Kolleginnen und Kollegen nutzt, die schon wegen dieser Sache in den Kampf getreten sind; es popularisiert die Taktik des „Gesundheits- und Sicherheitsstreiks". Dieser heißt einfach eine gewissenhafte Befolgung der bestehenden Verordnungen, was in nahezu in allen polnischen Betrieben - in den Bergwerken ohnehin - auf die Stillegung der Produktion hinausläuft. Zusätzlich tragen wir die allgemeinere aber unumgängliche Forderung nach völliger Ottenheit und Einsehbarkeit aller wirtschaftlichen und finanziellen Informationen vor, von der Ebene des Betriebs bis zur Planungskommission der Regierung. Das schließt auch alle Außenhandelsabkommen und die genauen Budgets aller politischen und Parteiorganisationen mit ein, die heimlich aus den von den arbeitenden Menschen produzierten Werten abgezogen werden. Und zuguterletzt schlagen wir noch die Vorbereitung alternativer Wirtschaftspläne auf Betriebsebene vor. Die

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Erfahrung hat schon gelehrt, daß die Arbeiterinnen und Arbeiter durchaus in der Lage sind, Pläne aufzustellen, die zugleich die Produktion rationalisieren und die Arbeitsbedingungen verbessern. Dies dient auch der Vorbereitung auf den Zeitpunkt, wo Besetzungsstreiks stattfinden und die Produktion dabei veitergeführt wird, sowie der Schaffung einer soliden Basis für die künftige Auf stellung der Pläne für ganze Regionen, ganze Branchen, schlieflich für das ganze Land durch die Arbeiterinnen und Arbeiter.