Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Aufruf für Azania

Inprekorr Nr. 182, Juni 1986 · S. 16-17 · 644 Wörter

Südafrika

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Im Laufe der letzten Monate waren die Augen der ganzen Welt auf Azania (Republik Südafrika) gerichtet, wo der internationale Klassenkampt heute seine schärfste Zuspitzung erlebt. Die spontane Erhebung der afrikanischen Bevölkerung, ihre Hingabe und Hartnäckigkeit im Kampf für die eigenen Rechte angesichts blutigster Repression haben die Bewunderung von Arbeitern aller Kontinente ausgelöst. Das POR gibt seiner völligen Solidarität mit allen internationalen Organisationen Ausdruck, die gegen dieses Regime des Rassismus, der Uberausbeutung und des Terrorismus kämpfen. Daß nunmehr die Stimme der azanischen Arbeiterklasse im Rahmen dieses Kampfes ständig unüberhörbarer wird, läßt uns hoffen, daß der Endsieg in der Hand jener liegen wird, die die rechtmäßigen Eigentümer dieses Landes sind. Wegen Südafrikas ökonomischer und strategischer Rolle wäre ein solcher Sieg für die Arbeiterklasse und alle Arbeitenden der Welt ein gewaltiger Schritt vorwärts. Wir grüßen den Kampf der Arbeiter, der Jugendlichen und der ganzen unterdrückten azanischen Bevölkerung und betonen, daß unsere Unterstützung auf einem tiefen Gefühl der Solidarität basiert. Zugleich bitten wir Euch, auf der Hut zu sein vor der heuchlerischen Unterstützung durch die Führer unseres Landes und unseres Blocks insgesamt, die selbst tagtäglich psychologischen Terror und Repression einsetzen. Exekutivkomitee des POR Warschau Wolny Robotnik Nr. 35, 10. März 1986 Wolny Robotnik (Freier Arbeiter) ist da: Organ des POR in Oberschlesien unc wird in einer Auflage von mehreren Tau. send verbreitet.

Frage:Du hast die ökonomischen Fragen abgehandelt. Wie steht es mit den im engeren Sinne politischen Fragen, die vom POR aufgegriffen werden?

Antwort: Ach, da gibt es wohl zu viele, als dais ich sie jetzt alle behandeln könnte. Auf der Hand liegen politische und demokratische Freiheiten, Verteidigung gegen Repression usw. Die zentrale Achse unserer Forderungen und die von uns in der Bewegung vorgetragene Strategie ist jedoch mit Sicherheit die Selbstorganisation. Diese ist sogar der Schlüssel zum Verständnis aller Forderungen, die ich bisher erwähnt habe und die keineswegs rein ökonomisch, sondern im tiefsten Sinne politisch sind Alle sind mit der Selbstorganisation am Arbeitsplatz, in den Stadtteilen, auf der überbetrieblichen Ebene verknüpft. So erfordert die Durchsetzung einer automatischen Lohnanpassung und der zusätzlichen "gleichmacherischen" Anpassungen für die schlechter Verdienenden zugleich die Bildung von „Statistik kommissionen", die die Inflationswirkungen auf Arbeiterhaushalte errechnen und die Lohnunterschiede analysieren. Das Wohnungsproblem und der Mietstreik machen unabhängige Einwohnerkomitees notwendig. Und um sich auf die kommenden Zusammenstöße mit der bürokratischen Macht vorzubereiten, sind sowohl Kommissionen nötig, die an alternativen Wirtschaftsplänen arbeiten, als auch Arbeitergarden, um die Fabriken zu verteidigen. Und so weiter.

Frage: Noch eine Frage: wie wird sich das POR deiner Meinung nach entwickeln?

Antwort: Nun, ich will keine unbesonnenen Vorhersagen machen, denn der Hauptfaktor ist die Entwicklung des Massenkampfes selbst. Aberich kann schon sagen, daß unsere Ideen auf solchen Widerhall stoßen, daß unsere Strömung innerhalb der polnischen sozialen Bewegung weiterwachsen wird. Intern weiß ich von vielen Kadern und Such purenche Prbeit en vicines ver den bis hin zur Schaffung von politischen Organisationen und Parteien. Zur Zeit entwickelt sich ein neuer Flügel unserer Strömung: die „Politischen Gruppen des Bündnisses der Arbeiteropposition". Ihre Grundlage ist der revolutionäre demokratische Sozialismus und sie sammeln die politischen Kräfte der revolutionären Arbeiterlinken. So ist eines unserer Bulletins, Front Robotniczy (Arbeiterfront), inzwischen zum Organ solcher politischen Gruppen des POR in der Region Warschau geworden. Aber wie schon gesagt, sehen wir dies als eine Ausdehnung der Massenarbeit, nicht als deren Ersatz. Das POR macht ganz allgemein gute Fortschritte bei der Entwicklung einer revolutionären Strategie für die ganze soziale Bewegung, und diese Strategie wird in dem Maße auf wachsendes Echo stoßen, wie die Wirkungen der Niederlage aus der Zeit des Kriegsrechts abklingen. Nr. 182,J Juni 1986

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