Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Afghanistan

Mit den Mudschahidin im Panschir-Tal

Inprekorr Nr. 152, 3. Februar 1983 · S. 20-23 · 3.395 Wörter

Frauen

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Mudschahidin von Panschir, Massud - eigentlich heißt er Achmed Schah - daß es für uns zu gefährlich würde und wir nach Pakistan zurückkehren sollten.

Wir kamen dann um den 15. August wieder zurück und machten uns daran, die Verwundeten der Offensive zu versorgen, die aber nicht sehr zablreich waren. Zumeist handelte es sich um von bei Luftangriffen getroffene Zivilisten. Wir mussten sie alle ambulant versorgen, da unser Krankenhaus zerstört worden war, und dies zwei Wochen lang. Am 27. August begann dann eine neue Offensive, bei der wir dabei waren. Auch diese war sehr umfangreich mit ungefähr 10 000 Soldaten und 150 -200 Panzern, was ich von den Bergen aus gesehen habe, dann mit mindestens 40 Flugzeugen, die die Täler bombardierten, mit 80 Hubschraubern, mit Luftlandetruppen... Diese Offensive endigte am 16. September ganz überraschend: als die Sowjets in einer ziemlich günstigen Lage im Tal waren, haben sie es in einer Nacht geräumt. Wir kamen nicht recht dahinter, weshalb. • Gab es Zusammenstöße mit den Mudschahidin?

- Die Taktik von Massud besteht darin, dem Kampf auszuweichen, was man verstehen kann, denn er kann den angreifenden Truppen nur ein Zehntel ihrer Mannschaftsstärke entgegensetzen. Außerdem ist die Bewaffnung schlechter. An strategi- vergleichsweise wenige im Vergleich zu den schen Punkten versucht man, Widerstand Zerstörungen durch Bombardements. Vor zu leisten; wenn aber die Situation sich ver- allem die Hubschrauber schießen sehr geschlechtert, zieht er seine Leute zurück und nau; aber weil sie nur kleine Geschosse hamacht Überfalle. Früher geschah das in der ben, richten sie weniger Schaden an. Bei Nacht, weil die Sowjets in der Nacht nicht den Flugzeugen ist alles im Umkreis von marschierten. Aber jetzt, wo sie es doch 100 m zerstört, wenn ein Haus getroffen tun, hat er seine Taktik geändert und greift wird. Tag und Nacht an, aber zumeist in kleinen Einheiten, die -sich schnell zurückziehen - Und wenn die Truppen einrückten, sind können. die Einwohner geflohen?

- Handelt es sich dabei insgesamt um die - Fast alle. Im Verlauf der letzten zweiten Taktik des revolutionären Volkskrieges à la Offensive, als ich dort war, waren zumin- Mao Zedong? dest 60 000 Einwohner ins Gebirge und die Nebentäler geflohen. Insgesamt beträgt die - Tatsächlich wird davon gesprochen, und Bevölkerung etwa 100 000. In den Dörferh er soll Mao Zedong und Vo Nguyen Giap nur die »Graubärte« und die gelesen haben. »Weißbärte« zurück, die meinen, man tue ihnen nichts. Im allgemeinen stimmt das - Sie mussten also sich vor allem um die zi- auch. Gegenteilige Falle hat man mir aber vilen Verwundeten kümmern? aus anderen Provinzen berichtet, z.B. aus Logar, aber im Panschir sperren die So- - Ja, um die von den Bomben getroffenen, wjets die Alten nur ein. vor allem die, die von den Splitterbomben getroffen werden, die starke Verwundun- - Und der Rückzug fand ohne erkennbaren gen anrichten. Getroffene Füße werden zer- Grund statt? rissen, und wenn es die Arme trifft, gibts offene Brüche, und das Fleisch hängt wie - Es gibt verschiedene Interpretationen. Die Lamellen ab. Ich sah ein kleines Mädchen, eines britischen Journalisten, den ich dort deren Hintern vollständig weggerissen war. getroffen habe und der schon 11 mal in Afghanistan war, der glaubt, daß die so- - Wie läuft die Offensive ab? wjetischen Offensiven genau von Datum zu Datum geplant werden, und wenn die Zeit - Sie besetzen das Land. um ist, geht es nach Hause, egal was nun der Stand der Offensive sei... Vielleicht - Und zerstören die Dörfer? stimmt das. Aber in diesem Falle erscheint es mir ziemlich eigenartig, daß der Rückzug - Ja, mit den Hubschraubern. Am meisten so schnell stattfand. So fand der Rückzug haben sie im Verlauf der ersten Offensive im Dara-Tal, das zu durchschreiten man zerstört. Der ganze Süden des Tales unter- mindestens 6 Stunden braucht, selbst wenn halb eines Ortes namens Bozorah ist zu man sich ranhält, in einer Nacht statt. Und 80 % vernichtet. Der Rest des Tales bis für einen militärischen Rückzug, der vier zum Dorf Omar etwa zu 40 %. In den Sei- Stunden mehr braucht, ist das extrem tentalern beträgt der Zerstörungsgrad etwa schnell, denn in diesem Gebiet kommen we- 20 %. All dies von der Luft aus, außer in der Panzer noch Lastwagen voran, und einigen Talern, wo die Sowjets sich festge- man muß zu Fuß gehen. nistet und einige Häuser verbrannt haben, - 20

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- Und haben sie Verluste?

- Massud gibt ziemlich hohe Verluste an. Natürlich bin ich vorsichtig bei den Angaben einer Seite, aber ich habe gemerkt, daß bis zur Offensive vom Mai 1982 alle von Massud angegebenen Zahlen von diplomatischen Kreisen in Kabul bestätigt worden sind, deswegen traue ich ihm. In der Mai- Juni-Offensive will er 3 000 Sowjets getötet haben, dazu 180 Panzer und 20 Hubschrauber und Migs vernichtet. Ich kann bestätigen, daß etliche zerstört wurden ich habe die Teile am Boden rumliegen gesehen. Im Mai haben die Mudschahidin einen Angriff gegen den Flughafen von Bagram gestartet (60 km nördlich von Kabul), dem wichtigsten Luftstützpunkt der Sowjets. Sie haben nach in Kabul bestätigten Berichten 24 Maschinen am Boden zerstört. - Wie sind sie bewaffnet?

- Sie besitzen das klassische Sturmgewehr Kalaschnikow. Damit sind jetzt praktisch alle Mudschahidin ausgestattet. Die alten englischen Gewehre Lee Enfield Mk III sicht man praktisch nicht mehr, außer in andern Regionen. Sie hatten dreizehn Luftabwehrgeschütze, darunter große Maschinengewehre auf vier Rädern, sehr beweglich, die man in zwei Stunden mehrere Kilometer weit schleppen kann, und dann Kanonen auf Rädern.

- Woher kommen diese Waffen?

- Sie kommen aus Pakistan und tragen alle das chinesische Dreieck. Das muß nicht hei- Ben, daß sie von den Chinesen geliefert wurden. Es gibt auch schwere Waffen, die aus Ägypten kommen, das einzige Land, das seine Hilfe offen zugibt. Alles kommt über Pakistan. Die Beziehungen zwischen Pakistan und den in diesem Land, in Peshawar sitzenden Widerstandsbewegungen sind eher gut.

- Und wie sind die Beziehungen zwischen dem inneren Widerstand und den in Peshawar sitzenden afghanischen politischen Parteien?

- Das kann man schwerlich abschätzen. Die drei »fundamentalistischen« Parteien, die in Peschawar sitzen, haben, glaube ich, 80 % der afghanischen Bevölkerung hinter sich. Die zahlenmäßig stärkste ist die Harakt-e Enquelab-e Islami (Bewegung der islamischen Revolution); die zweite, die Jamiat-e Islami (Islamische Gesellschaft), sie ist die wichtigste unter militärischen Gesichtspunkten; die dritte, die Hezbi- Islami (Islamische Partei von Gulbuddin Hekmatwar) wird inzwischen von allen andern Parteien mißachtet. Das Bündnis zwischen Nationalisten, Fundamentalisten und sogar einigen Fortschrittlichen scheint ganz gut zu funktionieren in Peshawar, was die Verteilung der Finanzen und Waffen angeht. Die Hezbi Islami aber wird von allen verworfen und wurde sogar aus der Einheit mit den andern ausgeschlossen. Massud ging sogar soweit, mir zu sagen, diese Partei sei ein schlimmerer Feind als die Russen(). Im Innern braucht der Widerstand die Parteien von Peshawar, denn die Waffen können nur über Peshawar gehen. Einige Führer gehören diesen Organisationen an wie Massud, der Mitglied der Jamiat-e Islami ist. Andere brauchen die Parteien nur zur Versorgung mit Waffen.

- Gibt es einen einheitlichen Widerstand im Panschir?

- Ja, er wird insgesamt von der Jamiat-e Islami kontrolliert. Nur ein Dorf soll der Hezbi- Islami gewogen sein. Die Tadschiken, die den ganzen Norden von Afghanistan bevölkern und deren Chef Rabani heißt, werden politisch alle von der Jamiate Islami kontrolliert. Aber in diesem Land kommen die Unterschiede viel öfters aus ethnischen als ideologischen Gründen zustande.

- Stimmt es, daß andere Widerstandszentren Hilfe ins Panschir-Tal geschickt haben?

- Die Zahlen sind widersprüchlich, aber es stimmt, daß andere Gruppen Verstärkung nach Panschir geschickt haben, vor allem die Hazaras. Ich habe von 1000 Kämpfern reden hören. Das scheint mir eine übertriebene Zahl, denn man kann 1000 Mudschahidin nur schwerlich in ein anderes Tal schicken. Aber Unterstützung gibt es, aus den Reihen der Leute von Chamali, aus Nuristan und aus Hazaradjat. Und sicherlich ist dies der größte Sieg von Massud, daß es ihm gelungen ist, diese Hilfstruppen an seine Front zu bringen.

• Haben Sie, als Sie im Panschir waren, Kenntnis von anderen Aktionen im Land gehabt?

- Ja. Im Juni gab es im Logar-Tal ebenfalls eine Offensive, die für den Widerstand sehr schlecht ausging, weil dort die verschiedenen Parteien sich selbst bekämpften. Mehr als 2000 Mudschahidin sollen getötet worden sein. Von diesen Meldungen habe ich in Peshawar Kenntnis erhalten, denn wenn man sich in einem Gebiet wie dem Panschir befindet, dann weiß man fast nichts, was sich anderswo ereignet, außer über den BBC. Den BBC hört man, um Nachrichten aus andern Regionen Afghanistans zu bekommen. Dann gibt es noch Nachrichten aus Kabul über die Operationen, die von den Kräften auf den Chamali-Höhen durchgeführt werden, die mehr oder weniger von Massud kontrolliert sind. Es wird berichtet, daß die Kämpfe der Mudschahidin in Kabul selbst zugenommen haben. Das wird auch in den Berichten bestätigt, die die in Islamabad tätigen Diplomaten von ihren Kollegen aus Kabul erhalten. Seit Dezember 1981 sollen die Kampfhandlungen stark zugenommen haben: Zerstörung von Ämtern, Benzinreservoirs etc. - Befanden sich bei den Sowjets auch afghanische Regierungstruppen, als gegen Massud im Panschir die Offensiven gestartet wurden?

• Ja. Die Sowjets haben ihre Taktik mit diesen Truppen geändert. Zuerst schickten sie immer die afghanischen Truppen voran, aber weil die Afghanen keine große Lust haben, die Drecksarbeit zu machen, und es also reihenweise Deserteure gab, müssen jetzt die sowjetischen Truppen voran und die schwierige Arbeit erledigen, etwa ins Gebirge eindringen. Die afghanischen Soldaten sind nie dorthin gelangt, das schaffen nur die sowjetischen Elitetruppen mit Unterstützung der Bombardements von den Hubschraubern aus. Dann werden die Luftlandetruppen auf den Gipfeln der HOgel abgesetzt, was es den Elitetruppen ermöglicht, die Gebirge zu überqueren. Die Afghanen folgen dann. Im Verlaufe der Offensive vom Mai-Juni haben die Sowjets das Tal besetzt und dann nach und nach ihre Truppen zurückgezogen. Nach etwa anderthalb Monaten schließlich haben sie fünf von afghanischen Regierungstruppen gehaltene Posten eingerichtet. Als ich eingetroffen bin, waren schon drei dieser Posten von den Mudschahidin zurückerobert. Die beiden noch von den Afghanen seit der Septemberoffensive kontrollierten Posten, die sich am Eingang des Tales befinden, waren einen Monat nach Beendigung der Offensive immer noch nicht zurückerobert worden. Massuds Ziel war, sie vor Beginn des Winters zu nehmen, um den Munitionsnachschub zu erleichtern. Aber im allgr meinen stellen diese Operationen keine deutenden Probleme, denn die Afgha sind für diesen Krieg überhaupt nicht mi viert. Wahrend meines Aufenthaltes d unten habe ich über fünfzig afghanisc! Deserteure geschen. Aber sicherlich gibt viel mehr davon.

- Und wie steht es um die Stimmung der Bc$ völkerung angesichts dieser Situation? - Schwierig zu sagen. Man macht sich gro- Be Sorgen, vor allem die Erwachsenen. Aber alle sind sie mit den Mudschahidin solidarisch. Am Schluß der Offensive sagten alle einstimmig: » Wir haben sie rausgeworfen!« Es war genauso ihr Sieg wie der der Kämpfer. Aber gleichzeitig leiden sie unter sehr großen psychosomatischen Problemen, Schlafstörungen, Kopfweh ..., was leicht zu verstehen ist angesichts der Intensität der Bombardements in der Region. Aber sie halten stand.

- Gibt es eine politische Entwicklung des Widerstands?

- Mit Massud haben wir viel geredet. Sein (1) Le Monde vom 4. November 82 gibt an, daß im Kohe Safi-Gebirge in der Nahe des Panschir Kampfe zwischen den verschiedenen Bewegungen stattgefunden hätten. Dort fohrte die fundamentalistische Partei Hezbi-Islami von Bulbuddin Hekmatyar eine Offensive, um ihre Kontrolle Ober die Dörfer dieser Region, die in die Hande rivalisierender Fraktionen gefallen war, wieder zu erringen. Die Kämpfer der Hezbe Islami widersetzen sich also mit der Waffe in der Hand denen einer Koalition, bestehend aus der Jamiat-e Islami, der Harakat-e Enqueiâb-e Islami und einer Abspaltung der Herbe Islami unter Führung von Yunus Khales. Der Journalist von Le Monde berichtet auch über ein Gespräch mit dem örtlichen Chef der Jamiat-e Islami, der behauptete, Hezbe Islami wäre soweit gegangen, die Frauen eines Dorfes zu schlagen, was selbst die Sowjets nicht gewagt hätten. Er bemerkte auch, daß die Auseinandersetzungen kurz nach den Kampfen gegen die sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen erfoigt seien.

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Ziel ist die islamische Revolution. Aber was lesen und schreiben konnten. Im Panschir bedeutet das. Auf die Frage: » Wie Khomei- hingegegen werden die Nachrichten auf sichtspunkten eine Veränderung der Sozialni im Iran?« antwortete er mit: »Nein. In kleinen Papierschnitzeln überbracht, etwa struktur wegen des Widerstandes erkenseiner islamischen Revolution hatte Kho- wenn es um die Evakuierung der Zivilbe.

meini den Leuten nichts vorzuschlagen«. völkerung oder um Verpflegungsprobleme

Und darauf: »Der Koran ist keine politi- etc. geht. Fast alle haben ein Radio, und sie - Was die Frauen betrifft, überhaupt nicht. sche Ideologie. Er versteht ihn sehr genau hören BBC in der Farsi-Sprache. Sie haben Das ist für uns das schockierendste Pround vergleicht ihn sogar mit dem Evangeli- also Nachrichten aus der ganzen Welt. Ich blem: Die Frau gehört ins Haus, sie wird um. Er meinte: »Bei Euch kann man 200 habe mit Massud über Polen gesprochen, hinausgeschickt, sobald ein Mann eintritt, verschiedene politische Ideologien aus dem und er meint, daß bei einer Wahl zwischen sie darf nichts sagen und nichts machen. Polen und Afghanistan die Sowjets zuerst Trotzdem sorgt sich nach dem, was ich aus Rechten d la Pinochet bis zur Linken. Beim Afghanistan fallen ließen. Auch er weiß Gesprächen mit Arztinnen erfahren konn- Koran ist es das gleiche. Dem Koran eine recht genau, was im Rest der Welt passiert. te, die afghanische Frau nicht um ihren ge- Politik zu entnehmen - diese Arbeit soll un- Er kennt die Ereignisse in El Salvador. Und sellschaftlichen Status. Für sie zählt, daß serem Wunsche nach von der Jamiat-e Isla- sie beunruhigen ihn, er hat Probleme da- man aufhört, ihre Kinder zu bombardieren. mi in Peshawar unternommen werden. Wir mit. Er sagte uns: »Es gibt da auch Fidel Das ist vielleicht nicht sehr fortschrittlich, haben auf unserem Gebiet anderes zu tun«. Castro. Woher kommen die Waffen, die es ist jedoch die Wahrheit. In jeder Familie Wir haben ihn dann gefragt, wie das denn nach El Savador gehen? Sind es sowjetische gibt es zwei oder drei Kleine, die von Bomausschen soll, was man aus dem Koran Waffen?« Das beunruhigt ihn. Im übrigen ben getötet wurden. Das zählt für sie vor alschöpft, und da waren seine Antworten verfolgt er, weil er viele Franzosen trifft lem. Was die soziale Hierarchie betrifft: und ihre Sprache spricht, die Wendungen Diese wurde durch den Widerstand start er- Wir haben vor allem das Problem der der französischen Politik. Für ihn ist Régis schüttert. Massud ist erst 27. Um ihn her- Frauen angesprochen, und er meinte, daß Debray eine Figur, die er schwerlich ver- um sind junge Leute, und diese Führung ist die Situation der Frauen in Afghanistan steht. Er zählt auf ihn, daß die französische viel wichtiger als die » Weißbärte«. Früher sich nicht in Übereinstimmung mit den Regierung etwas für Afghanistan tut, auch waren jene die Herren der Region. Bei- Lehren des Koran befände, daß es z.B. für wenn er ein Freund von Fidel Castro ist. spielsweise ist die Agrarreform von Noor die Frauen keine Brautgabe geben dürfte Für ihn gibt es da ein Rätsel. Allen Franzo- Mohamed Taraki am Problem der Wasserund sie das Recht haben müßten, ihren sen stellt er die Frage: » Wie kann man das verteilung gescheitert oder am Problem der Gatten frei zu wählen. Aber diese Probleme verstehen?« Es sei im übrigen bemerkt, daß Verteilung des Saatgutes, beides Grundbemüßte man nach Beendigung des Krieges Massud Sunnit ist und diese im allgemeinen dingungen für eine jede Reform in diesem viel toleranter und Ideen gegenüber aufge- Land. In diesem Bereich gab es tiefgehende Er sagte selbst, daß alle Probleme, die schlossener sind als die Schiiten. So habe Veränderungen. Die Mudschahidin haben zum Staatsreich von Noor Mohamed Tara- ich mit den Schiiten von Hazaradjat, die das System der Wasserverteilung mit dem ki im Jahre 1978 geführt hatten, wie die ich letztes Jahr aufgesucht habe, einige Ziel geändert, ganz einfach eine möglichst Verteilung des Wassers, die Landreform, Probleme gehabt, und die anderen franzo- große Ernte zu kriegen. Sie haben sich um die Schulbildung für Kinder und Frauen, sischen Arzte ebenfalls. Vor allem in der die Interessen derer, denen die Quellen geam Ende des Krieges wieder auftauchen Frauenfrage. Aber sogar die sunnitischen hörten, nicht geschert, und auch nicht um würden, ob nun in fünf oder in zwanzig Mullahs sind seht offen und gastfreund- eine möglichst gute soziale Verteilung. Es Jahren. Aber er machtekeine klaren Vor- kam nur auf den Ertrag an: Das Wasser auf schläge. Er ist ein islamischer Fundamenta- die besten Böden, an die günstigsten Plätze, list. - Und die materiellen Lebensbedingungen? damit möglichst viel dabei herauskommt.

Und die Nahrung wird so verteilt, daß auch - Haben Sie keine Kontakte mit Elemten - Wahrend der ersten Offensive konnte das die Familien der im Kampf gefallenen Mudder linken Parteien im afghanischen Wider- Land nicht bestellt werden, weil nicht be- schahidin oder die, deren Häuser bombarstand gehabt? wässert worden war - also starben die Jung- diert wurden, überleben können. Auch das pflanzen ab. Wahrend der zweiten Offensi- Geld, worüber die Jamiat-e Islami im Pan- - Nein. Es handelt sich dabei sicherlich um ve konnte ein Teil des Landes bebaut wer- schir verfügt, wird unter diese Familien eine sehr kleine Minderheit. Die wichtigste, den. Aber im Panschir könnte die Situation aufgeteilt. Es handelt sich dabei immer um von der man wenig spricht, ist die SAMA, katastrophal werden. Vor meiner Abreise sehr geringe Beträge, etwa zwischen 1 500 die Aktionen in Kabul selbst durchführen gab es schon große Probleme mit der Ver- und 2 000 Afghani, also etwa 75 DM pro und über einige über ganz Afghanistan ver- pflegung der Kinder. Noch herrscht keine Monat, was für eine zehnköpfige Familie streute Kämpfer verfügen soll(2), die aber Hungersnot, aber es gibt Unterernährung. reichlich wenig ist. Aber unter den gegebeimmer in den Reihen anderer Bewegungen d.h. Anfalligkeit für mögliche Epidemien. nen Umständen ist das sehr wichtig. Nach kämpfen, weil sie nicht zahlreich genug Die Kinder haben oft Durchfall, eine typi- der ersten Offensive vom Frühjahr 1982 sind, eigene Strukturen aufzuziehen. Es sche Flüchtlingskrankheit. sind Mitglieder der französisch-afghascheint, daß ihre Beziehungen zu den ande- Diesen Winter kann es schlimm wer- nischen Freundschaftsgesellschaft (AFRAren Bewegungen erheblich besser sind als den. Gleich nach unserer Rückkehr nach NE) mit 130 000 Francs ins Panschir gedie, welche die Bewegungen mit der Hezbi- Frankreich haben wir alles unternommen, kommen. Diese Summe wurde von den Islami unterhalten, die Paschtunen sind, um alle erreichbaren Medikamente nach Helfern Massuds gemäß den angerichteten aber von vielen, auch von Massud, als Afghanistan zu schicken. Sie brauchen et- Zerstörungen unter das Volk verteilt. Das »schlechte Muselmanen« angesehen wer- wa einen Monat, bis sie dort sind. Für die ganze Geld wurde unter humanitären Geden. Die Ablehnung ist so stark, daß Mas- Nahrung haben wir mit den Organisationen sichtspunkten verteilt. sud dem Rabani, als die Islamische Allianz in Peshawar Kontakt aufgenommen; aber der Mudschahidin Afghanistans gegründet diese offiziellen Organisationen sind immer wurde, wissen ließ, er werde die Jamiat-e etwas schwerfallig, weil sie von den Regie- Islami verlassen, sollte der Hezbi- Islami er- rungen abhängen. Wir haben aber trotz- (2) Die SAMA (Sezema e Azadibakhch e Mardom e A/laubt werden, an der Allianz teilzunehmen. dem Hoffnung. ghanistan - Organisation für die Befreiung des afghani- Die Mudschahidin hingegen überste- front) hat auf diesbezügliche Fragen in einem der afgha- schen Volkes, dem Rückgrat der Nationalen Einheits- - Wissen die Mudschahidin. was in Polen hen den Krieg ganz gut, denn sie haben we- nischen Zeitung der revolutionären Marxisten Djerga los ist? nig Verwundete. Es sind die Zivilisten, die (Ratschlag) gewährten Interview geantwortet (Franz. am meisten unter den Bombardements zu Übersetzung in Rouge Nr. 1033, 8.-14. Okt. 1982).

- Ja. Der Panschir ist eine Region, die kul- leiden haben. Im Verlaufe der zweiten Of- (3) Die Islamische Allianz der Mudschahidin Ashaniturell recht gut entwickelt ist. Fast alle fensive wurden über 200 Zivilisten von stans wurde im März 1982 von den drei folgenden Orga. Mudschahidin können lesen und schreiben, Bomben getötet. nisationen gegründet: Nationale Befreiungsfront (Dieb. während beispielsweise im letzten Jahr im ha e Nejale -Meili), Bewegung der islamischen Revolu. Hazaradjat allerhöchstens 2 % der Leute - Kann man unter gesellschaftlichen Ge- tion (Haraka: e Enquelab e Islami) und der Nationalen Islamischen Front (Mahoz - e Melli - Islami).

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