Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Solidarnosc für Arbeitermacht, 5. Februar 1982

· Inprekorr Nr. 3 (142), 4. März 1982 · S. 13-18 · 5.999 Wörter

Polen Gewerkschaften und Streiks Stalinismus und Bürokratie

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Von Zbigniew Kowalowski, Paris, 5, Februar 1982 der Perto der dee dem miteren Gew bisteder unmittel dem militärischen Gewaltstreich unmittelmobilisierten in bar vorausging - war die antibürokratische Revolution in einem Mit- Polen dabel, einen qualitativen Sprung zu machen. Mehr und mehr begriffen immer wichtigere Telle, wie ne Artikel, Übersetzung und Zwischentitel stammen von entscheidend die Frage der wirtschaftlichen und politischer Inprekorr.

Macht ist. Wie in allen Revolutionen war die Machtfrage Nach einem langen Kampf hatten die radikalen Strömungen, die für die Arbeiterselbstverwaltung eintraten, auf der zweiten Sitzungsperlode des I. nationalen Kongresses von Solidamosc der Landeskommission der Gewerkschaft (KK) mit dem Sejm über den Inhalt des Gesetzes zur Arbeiterselbstverwaltung und dem über die Staats- Trotzder Gesetzgebung vorrüber sei, selbst wenn Solidamosc dort eine Teilniederlage einstecken musste, wofür dieser Kompromiss zu guten Tellen die Schuld trug.

Auf den Vorschlag der Delegierter von Lodz hin wurde beschlossen, das die Dekrete zur Anwendung der beiden Gesetze - die im völligen Gegensatz zur Position der Gewerkschaft und der Selbstverwaltungsbewegung standen - einer Abstimmung in den Betrieben unterworfen werden sollten. Auf dieser Grundlage wollte die Gewerkschaft fur die Veränderung der vom Sejm beschlossenen Gesetze kämpfen. Darüberhinaus erklärte der Kongress seinen Willen, den Kampf für Eine. wirkliche Arbeiterselbstverwaltung fortzusetzen, Die Gewerk- schafften: "Ich fürchte, die Sprache schaft muss den Kampf der Arbeiter der Führer ist für die Basis nicht allzu unterstützen, selbst wenn diese Ge- glaubhaft", meinte sie "Selbst die setze dabei verletzt werden (1). Parolen von der Sozialisierung und der Selbstverwaltung bedeuten In der Vor- Nach der Annahme dieser Resolution stellung der Massen wenig. Es ist kein untemahm ein Tell der Mitglieder, dass man die Selbstverwaltung die für die Selbstverwaltung eintre- leichter durchdrücken kann, wenn man ten, ohne das Ende des Kongresses von der Übemahme der wirtschaftlichen abzuwarten, Vorbereitungen, Macht spricht, wie ich es tue, oder ne Bewegung für die Selbstverwal- das Kind aktiven Streik nennt, wie es tung aulzubauen, und zwar sowohl Kowalewski in Lodz macht" (3). linblick auf die Aktivitäten wie Kane war enenente unter le Komission So war es nicht erstaunlich, dass die Emüchterung bald eintrat, Die Landzane van Oberschlesien unter komtnission von Solidamosc (KK) eritz von Jan Juzarewicz und mit Hilfe kannte den Verband nicht formell als von Henryk Sziajter Partner an, Ihre politische Position, entschied sich, das durchzusetzen, obwohl nicht eigentlich zweideutig. wofür die Gruppe von Lublin schon war trotzdem nicht klar. Obwohl die seit mehreren Monaten kämpfte. Auf Delegation von Lodz explizit verlangt Ihre Initlative hin - und nur 12 Tage hatte eines Zeitraumes von hochitens dass die Volksabstimmung innernach dem Kongress - schufen die Delegierten von 17 Regionalkommis- sechs Wochen nach dem Kongress sionen am 17. Oktober das Gründungs- abgehalten werden sollte Lan deskommission, Entscheidungen zögerte die komitee der nationalen Vereinigung sollte daber um ein provisorisches sollte dabei um ein ermöglicht hätten. zu treffen, welche thre Organisterung Die Experten ver- Organ bis zur Abhaltung des "nationa- suchten sich in zwei Taktiken: sie verlen Kongresses der Arbeiterräte " han- schoben entweder die Abstimmung deln. Dessen Ziel sollte die Sicherung auf den St. Nimmerleinstag, oder sie der Bedingungen "für den Aufbau ei- versuchten, deren Bedeutung so weit nes Selbstverwaltungsmodells der Wirt- wie möglich herunterzuspielen. schaft und des Staates sein". (2) Angesichts dieser Situation entschied die "Gruppe von Lublin" am 13.No- DIE DISKUSSION UM DIE SELBSTVERWALTUNG Im Gegensatz zur "Gruppe von Lublin" hatte das "Netz der Gewerkschaftsorganisationen von Solidamosc" , das 17 grosse Betriebe umfasste, bis dahin die Idee einer vertikalen Entwicklung von Selbstverwaltungsorganen nicht unterstützt. Es war sogar ziemlich dagegen. Aber von diesem Zeitpunkt an stellte es sich dieser Idee nicht mehr in den Weg. Einer seiner bekanntesten Kader, Hans Szyc, wurde sogar zum Präsidenten der KZ-KFS gewahlt. Trotzdem muss man hervorheben, dass die Regionalkoordination von Gdansk sich dem Verband erst nach langem sogar ihren Beitritt verweigerte "Netzes" stan den unter dem Einfluss des Wahrend des Kongresses hatte ein Tell der Mitglieder des "Netzes" sich geger die Resolution über die Selbstverwal. tung gestellt, obwohl die Mehrheit der 'Netz" gehörigen Untemehmen vember, ein Projekt mit 19 Fragen für die Abstimmung auszuarbeiten (4). Dieses unterbreitete sie den sich demgegenüber an der Diskussion "Komitee des nationalen Verbandes um die Arbeiterselbstverwaltung be- fur Selbstverwaltung" und dieses war teiligte. Die meisten Experten des ein verstanden. Die Expertengruppe der Netzes und einige Mitglfeder von Soli- Lan deskommission von Solidamosc damosc, die unter ihrem Einfluss stan - (KK) legte ihrerseits einen Entwurf Marktwareschant und ur Kontereinz waren hingegen Vertreter einer mis nur vier beien har, was ze dedass sie die Absicht hatten, die zwischen den Betrieben, Auch zeigten setze nicht allzusehr infrage zu stellen. sie sich oft als Gegner, wenn radikale Sie behauptete, zahlreiche strittige Initiativen sich von seiten der Selbst- Anwen dungsdekrete könnten in einem verwaltungsbewegung entwickelten. für Solidamosc günstigen Sinne inter- Sie vertrauten mehr auf die parlamen- pretiert werden. Sie vergassen dabei tarische Demokratle als auf die der ganz einfach, dass der Machthabel Arbeiterräte, und sie wollten sich eher - also die Bürokratie und nicht Solíauf die technischen Kader als auf die damosc - über die Interpretation be- Arbeiter selbst stützen. Die Arbeiter- stimmt. basis der Gewerkschaft wartete hingegen auf jene radikalen Aktionen. 1. Dokumenty Zjazdu, BIPS, Gdansk Und der Graben, der zwischen dieser 1981, p. 124-126 Basis und zahlreichen Führer sich auf- 2. AS, Bulletin von Solidamosc in tat - wie die Soziologin Jadwiga Stanis- der Region Warschau, Nr. 45, 13.-18. kis bemerkte - wurde in dem Masse 10. 1981 breiter, wie sich die verschiedenen 3. Niezaleznosc, Nr. 129, 16. Sept. politischen Einstellungen Ausdruck ver- 1981 4. AS' Nr. 52, 12.-15. 11,1981,5.207

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Unter dem Druck des radikalen Flügels nahm die Landeskommission schliess- Ich eine Resolution an, in der das Datum für die Abstimmung auf die erste Dezemberwoche gelegt wurde. Aber sie entschied weder (ber den In halt noch über die Art der Organisie ung. Der Zeitpunkt erwies sich so als Fikflon und konnte nicht eingehalten werden. In der gleichen Resolution erkannte die Landeskommission die Notwendigkeit an, Koordinationen der Selbstverwaltungsorgane auf regionaler und nationaler Ebene zu schaffen. und sie verpflichtete die gewerkschaftlichen Instanzen, ihre Errichtung zu erleichtern (5). Das stellte fur die Vorkämpfer der Räte natürlich einen trolle über die Produktion. "Diese Kontrolle stellt die prinzipielle Achse des ten Kampflormen für die Arbeiterselbstverwaltung. in unserer gegenwartiger Lage beinhaltet die Arbeiterkontrolle vor allem cine vertiefte Kenntnis des Betriebs und das Vetorecht über die Entscheidungen der Verwaltung (7)" Wie dem auch sel, in einer wachsenden Zalıl von Betriehen erklärten die Selbst verwaltungsorgane und die Kommissionen von Solidamose im Namen der Arbeiter ihren Willen, die abhängigen Bin Jungen an die "Industrieilen Vereinizungen " zu lösen, welches infttlere Organe der bürokratischen Verwallung sind.

Sie stehen zwischen den Ministerien und den Produktionseinheiten, und ihr parasitärer Charakter Ist ziemlich offensichtlich, In den Betrieben gegründete Arbeiterkommissionen erarbeiteten ihre eigenen Projekte, die darauf hinausliefen, zwischen den Betrieben demokratische Beziehungen herzustellen. die auf freien Entscheidungen beruhen. Sie entwarfen auch Projekte für Sta- Organe der Bewegung für die selbstverwaltung Projekte ähnlicher Modelle aus und brachten sie unter die Leute. Sic sollten den Bürokraten die Initiative aus der Hand nehmen.

DIE REGIONALE KOORDINATION

Parallel dazu war die Situation der Organe der Arbeiterselbstverwaltung in den Betrieben zwar nicht immer schwierig, so doch oft sehr kompliziert.

In der Tat sah es so aus, dass der Staat beide deinen, diss die hollen die dass die Behörden ses Recht für die staatlichen Verwaltungs-t behörden reservieren wollten, zumindest für die 1.500 grössten Betriebe des Landes, alsu bel all den jenigen, die für die Wirtschaft des Landes von ent scheidender Bedeutung waren. Der Kampf zur Zerstörung der Partei-Nomen klatura hatte erst begonnen. Selbstverwaltung wichen nicht zurück. Trotz aller Schwierigkeiten setzten sie ihren Kampf für die Wahl der Direktoren fort. Eine wachsende Zahl von Arbeiterräten griff bei der Auswahl der Direktoren zur Methode der Wahlversammlung, wie sie von unabhangigen experten. , Mitgliedem der Sektion von Lodz der "wissenschaftlichen Assoziation für Organisation und Leitung , erarbeitet worden wa+ ren. Seit August war diese Methode von der "Gruppe von Lublin " popularisiert worden (6). Ohne auf die Behörden zu achten, luden die Arbeiterräte oft Sachverständige ein, ihnen zu helfen, wenn es darum ging. ein Auswahlverfahren zur Bestimmung des Direktors zu organisieren. Die Politik der vollendeten Tatsachen beschränkte sich aber nicht darauf. Im Gesetz über die Staatsuntemehmen ist festgelegt, dass es Aufgabe des Direktors sei, den Betrieb zu leiten. Die Resolution des Solidamosc-Kongresses setzte demgegenüber fest, dass die Betriebe von den Selbstverwaltungsor- Erset einen sem oute de alter wo Solidamose und der Arbeiterrat das Kräfteverhältnis für günstig ansahen, war es nicht das Gesetz, sondem die Position von Solidamosc, die sich durchsetzte.

Man muss aber betonen, dass in den meisten Fallen die Arbeiterräte noch keine Selbstverwaltungsorgane darstellten, sandem Kampforgane für die Arbeiterselbstverwaltung und die Kon- Die Rolle der regionalen Kommissionen der selbstverwaltung beschrankte schen delle severang in den Ve- den Organen der trichen hef fhrer Entwicklins und Verstarkung behilflich zu sei. Sie ware • schaft zu über-elime Troizdem gl - Nichton erste ! itiative : in diese vor allem in cherschlesic wo die Rehorde, versuchten, eine Erhöhung der Kohlefordenig zu errelche • indem sie die Kumpels hestachen und versuchten, die Arheitswoche zu diesem Zweck zu verlängern. In ciner Situation einer sich zuspitze de: Energickrise erarbeitete die revionale Korimission der Selbstver• waltungsorga e eln Projekt zur Echehung der Forderung, das auf ganz a deren Überlegu gen aufhaute. In diesem Projekt wurde die Erholung der Kohleproduktion in absoluten Zahlen wie auch der Verbrauchı hereits geförderter Kohle im Hinblick auf die Veränderunge bei der Arheitsorganisation bestimint. Diese zielten daranf ah, I) de:ı Antell der effektiven Arbeit während Jer Arbeitszeit zu erhöhen und 2) de:: Verbrauchı an elektrischer Energie währe .d des Produktionszyklus zu verminder (%). Es wurde gezeigt. dass die effektive Arbeitszeit in der Gruhen zwischen 66 und 73 % der nomi ellen Arbeitszeit lag und dass die schleclite Arbeitsorganisation et e ungerechtertigte Verschwendung von Energie bedeutete, welche einigen Mulhonen Tonnen Kohle entsprach.

Aber die wichtigste Angabe bestard im Aufbau von Selbstverwaltungsorane von Faber Das vor Ser Das vom Seim verabschiedete Gesetz hatte den 31. Dezember als letztes Datum für de Aufbau von Arbeiterräten in den staatliche. Fabriken festgesetzt. Dort wo die Arbeiter für die Idee der Selbstverwaltung noch nicht reif waren, konnte dieses Datum voi der Bürokratie für den Aufbau von Räten genutzt werden, unabhängig vom Bewusstseinsniveau und der Entwicklung der Massenaktivität. Objektiv verfielen diese Räte somit der politischen Abhängigkeit von der Bürokratie.

Um sich einer solchen Gefahr zu widersetzen, wurde von den Führungen der Solidarnose und den regionalen Koordinationen für die Selbstverwaltung verlangt, dass sie sowolll auf organisatoriscier wie ideologischer Ebene bedeutende Anstrengangen unteralıme 1. Aber wenn auch Koordihatfonen Ende November schon in 26 Regfonen entstanden waren, so muss man doch sagen, dass ausserhalb der grossen Industrieregionen die Regiona'leitungen von Solidarnose oft wenig aktiv waren in Sachen Selbstverwaltung.

In diesem Kampf spielten de grosse i Fabriken eine Schlusse rolle. fand die Idee der Selbstverwaltung hei den Arbeitern die meiste Unterstützung. Aber dort war sie a ich am schwierigsten zu verwirklichen was ihre Organisierung betrifft, denn die direkte Demokratie erweist sich dort als am schwierigsten, Das Gesetz bestimmte, dass der Arbeiterrat direkt Ber ag einet hat ce den en ausgesprochen hatte, mittels Delegation (9), was de • Bedingungen seh grosser Fabriken besser angepasst schien, hatte diese Idee keine ausreichende Unterstützung innerhab von Solidarnose erhalten und war auch von der sejm nicht vorgesehen worden. Dadurch wurde der Wahlvorgang nicht 5. AS. Nr. 19, 2.-1.11. 1991. p.? 6. Samorzad (Bulletin der "Gruppe von Lublin ") Nr. 2, P. 22-24 7. Zb. Kowalewski, Solidamosc i walka o samorzad zalogi (Solidamose und der Kampf für die Arbeiterselbstverwaltung) Lodsch 1981, p. •1*2 8. Henryk Szlajfer, S. Jablonski, W. Latoch, H. Nojman, Wzrost Produkei wegla kamiennego (Die Erhöhung der Olproduktion', Kattowiz 19s1 (vervielfiltigt).

9. S. das Projekt ilber die Arbeiterselben die von den an, von der Lubliner Konferenz erarbeitet am 14.7.1981 Die indirekten Wahlen sollten zur Wall eines Arbeiterrates führen, der nicht von der Gesamtheit der Belegschaft, sondem von der Vollversamınlung der Delegierten gewählt worden wäre. Die Delegierung bedeutete, dass der Arbeiterrat des Betriebes von Vertretem der Abteilungsräte etc. gebildet worden wäre.

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zur ver. Diese sondern kelten murde sondern auch komplinoch durch einen anderen Faktor vergrössert, Obwohl die Idee der Entwicklung der Selbstverwaltung von unter urigaden und den Abteilungen ause seit Anfang des Jahres durch verschie- Jene Mitglieder und Theoretiker popularisiert worden war (10), stiess sie bei den Arbeitern nur auf geringes Echo. In den grossen Betrieben erleichterte dies nicht gerade den Kampf Auch der Kampf gegen die Im Werk herrschenden autoritären Strukturen wurde dadurch umso schwieriger. Jedenfalls stellten die radikalen Stromungen in der Gewerkschaft das Referendum und den Kampf für die Veränderung der Gesetze nicht als den einzigen Weg für die Entwicklung der Arbeiterselbstverwaltung hin. Streik sel "eine von den Ultralinken und den Trotzkisten verbreitete Idee, ein wohlklingendes Wort, von dem niemand so genau weiss, was es bedeuten soll" . Das Irritierte natürlich zahlreiche anwesende Arbeiter, die nicht nur sehr genau wussten, was ein aktiver Streik sel, sondem an der Ausarbeitung konkreter Pläne für seine Verwirklichung in ihren Betrieben arbeiteten.

Dabei handelte es sich nicht um eine vereinzelte Aktion unter den Arbei- DIE TAKTIK DES AKTIVEN STREIKS nes Projektes, welches ich selbst erarbeitet hatte (11). Der stellvertretende tik und Strategie des Kampfes für eine auf der Arbeiterselbstverwaltung gespielte. Im übrigen erarbeitete Andrzej Slowik, der Vorsitzende von Solidarnose dieser Region, sefnerseits ein Projekt für die Errichtung einer zweiten Kammer beim Sejm und bei den Nojwodschattsraten, welche Organe ler wirtschaftlichen Macht der Arbeiter darstellen sollten (12). Dem muss man noch das Projekt der Kontrolle des Rationierungssystems hinzufügen. welches ab Oktober in die Praxis umgesetzt wurde (13). So zeichnete sich eine Kampfstrategie für die Machteroberung durch die Arbeiter ab. Am 23. Oktober wurde der aktive Streik von Solidarnosc als ein Mittel des gewerkschaftlichen Kampfes anerkannt, In der an diesem Tage angenommenen Resolution warnte die Landeskominission die Regierung. "dass die Gewerkschalt gezwungen ware, den aktiven Streik in den Schlüsselbereichen der Wirtschaft vorzubereiten und durchzusetzen " (14), wenn bis Ende Oktober der Staat sich unfähig erweisen würde, enveisenung deutlich er bes de, und wenn er sich weiterhin gegen eine resellschaftliche Kontrolle über die Wirtschaft wehren und die Repression gegen die Gewerkschaft nicht einstellen würde.

Einige Tage zuvor hatte der Vorsitzende des Joumalistenverbandes, Stefan Bratkowski, in einem Brief an das V. Plenum des Zentralkomitees der polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP: geschrieben, dass die Gesellschaft auf die Machtdemonstrationen ves (eneralstreik antworen konne: les Staates sehr "Die Polen haben - vergesst das nie - eine unglaubliche Fähigkeit zur Selbstorganisation " schrieb er. Der Generalstreik wird in einigen Tagen ein spontanes Antennennetz entstehen lassen, ein Netz der Koordination der Hilfsund Koordinationskomitees, Die Fabriken werden während des Streiks in Betrieh sein, Produktion und Handel werden weitergehen, aber der Staat wird nichts mehr zu bestellen haben" (15).

Die Behörden wurden von Panik erfasst. Während einer Sitzung des Sejm eine Woche später warnte der Ministerpräsident Jaruzelski diejenigen, die zum aktiven Streik greifen wollten. vor den Folgen ihres Tuns. Andere Führer der PVAP wie der Sekretär des LK. Stetan Olzowski, verbreiteten Erklärungen desselben Tons, Das Zentralorgan der PVAP "Trybuna Ludu" veröffentlichte einen langen Artikel über die Broschüre "Über die Taktik des aktiven Streiks". Sie erklärte, diese enthalte ein Drehbuch für die Machtüberna'me durch Solidarnosc, welcher man sich um jeden Preis widersetzen müsse (16).

Trotz der vorangegangenen Entscheidung leitete die Landeskommission keine vorbereitenden Schritte für den aktiven Streik ein. Eine regelrechte Attacke wurde sogar gegen diese Taktik in Expertenkreisen gerttten, Wahrend einer Diskussion im Zentrum für Gesellschaftswissenschaftliche Forschungen " von Solidarnose in Warschau meinten einige von ihnen: "Es ist sehr schwierig. den aktiven Streik durclızufahren. jedoch sehr leicht, ihn zu erwürgen" (17). Unter den Technikem, welche der Marktwirtschaft wohlgesonnen sind, machten einige ihrer Abneigung gegen die Aussicht auf Bildung einer zentralisierten Macht der Arbeiterrăte Luft: "Die Übernahme der wirtschaftlichen Macht während des aktiven Streiks und in der Folge die Errichtung der Macht der Arbeiterräte können zu einer Ersetzung der Zentralbürokratie durch eine andere und von einem autoritären System der Verteilung und zentraler Entscheidungen zu einem anderen führen (18).

Einer der einflussreichsten Experten der Landeskommission erklärte während eines Gewerkschaftstreffens in Lublin am 4. Dezember, der aktive 44: J. Strzelecki, 11: /. Strzelede Rady robotnicze 1956-58" (Arbeiterrăte 1956-58), Robotnik Nr. 73, 1981, P. 4; Stetan Pratkowski, Nowy Marsyliusz, Warschau 1981 11. Zb. Kowalewski, O taktyce strajku czynnego (Uber die Taktik des aktiven Streíks), Lodz 1981. Auszüge in Inprekorr 10/81, S. 21.

12. Programatische Vorschläge des Solidarose in Ledsch fur den 1. VOn 1. Nationalen Delegiertenkongress von Solidarnosc.

13. Zb. Kowalewski, Solidamose am Vorabend des Staatsstreichs oder der Kampf um die Macht. Le Monde, 7. tem. Im Verlaufe des November und Dezember gewann die IJee des aktiven Streiks sehr schnell an Popularität innerhalb der Gewerkschaft und besonders, wenn auch nicht nur, unter den Arbeitern der Fabrikbetriebe, Eine soziologische Umtrage, die Anfang November in der Region Lodz dass 65% Streik waren, aber nur 12% für den klassischen Streik (19), In dem groslegschaft für den aktiven Streik aus. Die Arbeiter sahen darin eine wirksame Art für die Gesellschaft, gegen die Krise und die Wirtschaftspolitik der Bürokratie anzukamplen welche ihren Interessen entgegenstehen. De Vorsitzende der Solidarität der Grube "Manifest Lipcowy" erklärte: "Die einzige Perspektive ist die die Kontrolle über die gesellschaftliche Produktion herzustellen. Und das einzig wirksame Mittel, worüber wir heute verfügen, um diese durchzusetzen, ist der aktive Streik. Das ist eine Arbeitsform, die es uns ermöglicht, über den ganzen Ablauf von der Produktion im Werk bis zur Ankunft des Produktes an seinem Bestimmungsort eine Kontrolle auszuüben"(20). In einigen regionalen Leitungen von Solidamosc hatten die Vorbereitungen zur Ausrufung des aktiven Streiks begonnen, und es wurden hierfür spezielle Gruppen gebildet. Dies war nicht nur in Lodz der Fall, sondern auch in Stalowa Wola und in Warschau, Im Verlaıf der Patriotischen Demonstration vom 11. November rief der stellvertretende Vorsitzende von Solidarnosc Warschau, Seweryn Jaworski , die Arbeiter dazu auf, sich auf die Übernahme der Kontrolle der Fabriken mittels aktivem Streik vorzubereiten. Jan. 1982, deutsch gekürzt in : Informationsbulletin vom Koordinationsausschuss "Solidarität mit Solidarnosc" Nr. 2, Ffm. Jan, 82 14. As. Nr. 46, 19.-25.10.81, p. 301 15. ihid.

16. A. Pawlowska, Czynnie po wladze (Ein aktiver Streik für die Nov. 1rgre, fung), Trybuna Ludu, 2. 17. AS, Nr. 48, 29.10.-1.11.1981, 0. 205 18. A. Krajewski, "Oglosim-strajk, bedziemy pracowac (Wir sind im Streik und arbeiten dennoch. )Przeglad techniczny, Nr. 47, 1981, P.8 19. AS, Nr. 50, 5.-8,11.1981, P.401 Erklärung des Vorsitzenden von Solidarosc einer Grube von Jastrzebie

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Am 6. Dezember tat der Vorsitzende von Solidamosc Lublin, Jan Bartezak, würden, Der Verantwortliche für die Wirtschaftsreform innerhalb des Präsidiums der Nationalen Kommission, Grzegorz Palka, hatte in Lodz eine informelle Koordination zur Vorbereitung des aktiven Streiks auf nationaler Ebene eingerichtet, Tatsächlich gab es solch eine Koordination auf diesem Gebiet zwischen Lodz, Warschau und Stalowa Wola. In Warschau hatte war distin geratete grupe • eine praktische Instruktion für den aktiven Streik ausgearbeitet.

von der Gesellschaft, schaftsreform zu bezahlen, die gar nicht stattfindet. Die Gewerkschaft wird keine Preiserhöhungen ohne Wirtschaftsreform dulden. Angesichts der Konsequenzen solcher Erhöhungen - Fabrikschltessungen, Entlassungen und Lohnsen kungen - verteidigen wir die Arbeiter mit allen in unsem Statuten vorgesehenen Mitteln, im Ein- DIE FRAGE DER "ARBEITERGARDEN" Gleichzeitig begann die Parole für den Aufbau van "Arbeitergarden also Selbstverteidigungsmilizen vor Soltdamosc, auf gewisses Gehör zu stossen. Am 2. Dezember hatte das Präsidium von Lodz einen "Aktionsvorschlag für die Gewerkschaft" angekündigt: "Der aktive Streik, verbunmilizen"

lemetzes während des aktiven Streiks sicher sollen" • wurde angekündigt. rags darauf, während einer Sitzung des Präsidiums der Landeskommissior un Radom, hatte Grzegorz Palka gefordert, dass die Gewerkschaft zur ner der Gewerkschaftsführer von Lublin: "Wenn Solidarosc sich auf dieser Ebene nicht vorbereitet, werden wir überrascht werden und keinen Widerstand leisten können. Wir müssen uns nicht nur auf den aktiven Streik vorbereiten, sondem auch alles tun, um uns gegen die Angriffe und Provo- Zu diesem Zeitpunkt hatte die Krise bereits offen revolutionären Charakter. Im November hatten die Behörden explizit die Idee fallengelassen, ihr eigenes Wirtschaftsreformprojekt das schon sehr eingeschränkt war noch im Januar einzuführen, und sie verschoben seine Verwirklichung auf frühestens 1983. Am 3, Dezember schrieb das Präsidium der Landeskommission: "Das vorgeblich provisorische Wirtschaftssystem für 1982 (Provizorium) erhält das alte System der Wirtschaftslenkung am Leben, überträgt aber die Verantwortung für die Entscheidungen den Arbeitem und den Fabriken, obwohl sie in den Radem der Zentralbehörden verbleiben, Dies bedeutet, die Reform und die Gesetze über die Selbstverwaltung und die Untemehmen, die vom sejm schon angenommen worden sind, autzuheben. Dadurch sind zahlreiche Betriebe von Entlassungen oder der Pleite bedroht. Gleichzeitig mit Einführung des Provizoriums will die Gene minder len Zielen unserer Die Entscheidung der Regierung hatte die Unzufriedenheit in der Arbeiterklasse noch gesteigert. Die Arbeiter erwarteten sich von der Wirtschaftsreform viel, weil sie wussten, dass man ohne sie nicht gegen die Krise kämpfen konnte. Auch gewann der Wille, die Dinge in die eigenen Hănde zu nehmen und die Reform mit elgenen Mitteln durchzusetzen, an Boden. Die neue Verhandlungsphase der Landeskommission mit der Reglerung hatte kein Ergebnis gebracht. Allen wurde klar, dass die Behörden nur Zeit zu gewinnen suchten und sich welgerten, Irgendwelche Zugeständnisse zu machen, ob beim Zugang von Solidamosc zu den Medien, der gesellschaftlichen Kontrolle über die Versorgung oder der Wirtschaftspolitik, oder eben bei der Preisreform. Die Gesellschaft begann, sich vor der Bürokratie, die Insgeheim einen Gesetzentwurf aber Sondervollmachten der Regierung und einen Angriff auf Solidarnose vorbereltete, bedroht zu fühlen.

DIE ENTWICKLUNG DER MASSENRADIKALISIERUNG kationen der Behörden zu verteidigen. " auftauchten. Sie bestärkten die Überzeugung, dass ihr Ziel die Sammlung von Informationen im Hinblick aut die Vorbereitung aller Bedingunger zur Erstürmung der Fabriken sei. MORZAD

Die Radikalisierung der Massen, die zum Kampf gegen den bürokratischen Staat drängte, entwickelte sich rasch. Ausser der Parole des aktiven Streik stiess auch die Forderung nach freien Wahlen zu den Wojwodschaftsräten und zum sejm aut immer grösseres Echo Jnter dem Druck der Arbeiter beganı der Gewerkschaftsführung klar zu werden, dass ein Zusammenstoss unausweichlich geworden und es nicht mehr möglich war, die Frage der Macht aus dem Spiel zu lassen, da sie von der Arbeiterklasse bereits auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Es gab keine Mittel mehr, sich dem entgegenzustellen.

Zbigniew Bujak, der Vorsitzende von Solídarnosc in der Region Warschau, le begritten de ein sich aufrerschlossene Weise der Taktik des Staates entgegenstellen musste, sowohl was die Wirtschaftsreform wie auch was die Wahltrage betrat. Er meinte: "Das bedeutet. einen Konflikt mit dem Staat, gleichsam einen letzten Kontlikt, einen in der Grossenoranung ron dem von Bydgoszcz, diesmal aber ohne Konzessionen. Wir sind sicher, dass dies der einzige Weg ist, der uns zur Wahl steht, Wenn wir verlieren. dann wird die Situation kaum von der jetztigen verschieden sein, wir aber werden besser dastehen, als wenn wir Konzessionen machen. Denn jenen raet zu wählen, würde bedeuten, da- zu verzichten, sich entschlossen auf verne gewerkschaftliche Augaben würde bedeuten, sich zu beschränken. "

21. Kommunikat, Bulletin der Region Samorzad beißt Arbeit Ibstverwaltune: Kryzys heißt Krise Lodz, Beibeft 24, 8.12, 1981, p.

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Andrzej Slowik analysierte die Sitaation auf ähnliche Welse. Am 9. Dezember, nach Massenversammlungen, die in den 12 grössten Betrieben von Lodz abgehalten wurden und wo die Arbeiter sich deutlich für den aktiven Streik und die Bildung von Arbeitergarden ausgesprochen hatten, sagte er zu mir: "Im März, nach den Ereignissen von Bydgoszcz, waren wir in eine revolutfonăre Situation eingetreten. Wir wussten sie aber nicht zu nutzen. Wir haben einen Kompromiss geschlossen und auf den Generalstreik verzichtet, Jetzt ist die Situation wieder revolutionar, Wenn wir nicht konsequent handelnde nicht mehr warten verraten wir die Arbeiterklasse, kann, denn sie weiss, dass die Staatsmacht alles tut, die Gesellschaft in der Krise zu halten, und seí es nur deswegen, dass sie ihre Privilegien behalten und ihre Elgeninteressen vertet digen will. Das haben mir heute die den, mit dem aktiven Streik zu beginnen, und dass dies früher oder später dazu führen würde, das Kräfteverhältnis innerhalb der Landeskommission su verändern.

Die von Solidarnose Lodz vorgeschlawerden können. Der aktive Strelk hätte es den Massen, die radikale Aktions- Offensive zu gehen. Die Errichtung in die der wirtschaftlichen Macht der Arbetter hätte eine Anhäufung von Kräften gestattet, mit denen man sich auch an die Lösung der Frage der politischen Macht hätte machen können. Die Durchführung der Arbeiterselbstverwalung auf revolutionärem Wege hätte auch die Entstehung der lokalen unc territorialen Selbstverwaltung impliziert und dadurch die Energie von Millonen Menschen freigesetzt. Das hätte für die Forderung nach frelen Wahlen eine solide Grundlage abgegeben. Für den Fall, dass es sich herausgestellt hätte, dass das Kräfteverhältnis noch nicht die Lösung der Frage der politischen Macht ermöglicht hat• te und dadurch der Zustand der Doppelherrschaft verlangert worden ware, war die Region Lodz da von ausgegangen. dass ein siegreicher aktiver Strefk zur Bildung einer selbstverwaltungskammer ader einer sozlo-ökonomischen Kammer beim Sejm und den Wojwodschaftsräten geführt hätte. Eine solche Instanz sollte von allen Produzenten demokratisch gewählt werden - von den Arbeitern, den Bauern und den Einzelhandwerkem - und in Ihren Händen die ganze wirtschaftliche Macht des Staates vereinigen.

DIE LETZTE SITZUNG DER FÜHRUNG VON SOLIDARNOSC Fabrikarbeiter gesagt. Ich denke, dass es sich da um ein Mandat handelt, und dass ich mich auf dieser Grundlage nach Gdansk begeben muss. Denn es gibt nur eine Alternative: entweder zerschlägt die bürokratische Diktatur die Gesellschaft, oder die Arbeiter erkämpfen einen Sozialismus der Selbstverwaltung.

Man entschied also in Lodz, zur Tat zu schreiten, die der Bürokratie ihre wirtschaftliche Macht nehmen und auf revolutionärem Wege ein Systan der Arbeiterselbstverwaltung errichten sollte. Es war vorgesehen, dass der erste aktive Streik in unserer Region am 21. Dezember beginnen sollte, also dass die Arbeiter selbst die Produkton und Vertellung in die Hand nähmen. Parallel dazu sollten in den Fabriken Arbeltermilizen aufgestellt werden.

Im übrigen begann man die Frage der sozialen Priorftaten und rationelle Grundlagen für die Energievertellung an die Fabriken zu studferen. Die Gewerkschaft bereitete sich darauf vor, die Kontrolle über das Energiesystem der Region zu übernehmen. Das Kommuníque des "Zentrums für sozio-professionelle Studien " in Lodz vom 8. Dezember zeugt vom Bewusstseinsstand der Arbeiter: *88,3 % der Befragten erklärten, sie würden die Führung der Gewerkschaft voll unterstützen - welches immer die Gefahren wären - , wenn diese zu Aktionen übergehen sollte, die auf einen Zusammenstoss mit dem Staat hinausliefen, und wenn das Ziel wäre, die Forderungen vom August 1980 durchzusetzen. Bei den Formen der Auseinandersetzung, die angewandt werden sollten, wurde der aktive Streik am häufigsten genannt (22)".

Innerhalb der Regionalleitung von Solidarnosc war man davon überzeugt, dass die Parole des aktiven Generalstreiks von der Mehrheit der nationalen den Fall, dass er auf Opposition stossen sollte, von der Landeskommission grünes Licht für den aktiven Streik in seiner eigenen Region verlangen sollte. Es war vorhersehbår, dass die Region Lodz andere Reglonen mitziehen würde, die sich ebenfalls entscheiden wür- Die letzte Sitzung der Landeskommisson am 12. Dezember zeigte, das zwischen der Position von Lodz unc der anderer Regionen Ubereinstimmung bestand (23). Die Vertreter der Region Kracow stellten folgendes Aktionsprogramm vor:

1) Die natíonale Kommission erarbeítet zusammen mit dem Natimalen Verband für Selbstverwaltung ein zusammenhängen des Gesetzesprojekt und andere juristische Akte bezüglich der Wirtschaftsreform. Das vorgeschlagene Wirtschaftsmodell wird eine Abstimmung in den Betrieben unterworfen, um so schnell wie möglich die Zustimmung der Gesellschaft zu erhalten; b) Während des Generalstreiks beginnt die Gewerkschaft, die Wirtschaftsreform durchzuführen, die vom "sozialen Rat der vergesellschafteten Wirtschaft" zentral koordiniert wird. Dieser wird von der Gewerkschaft einfach mittels vollendeter Tatsachen geschafey de Gewerkschaft erklärt das Ende des Streiks, wenn die Wirtschaft auf allen Ebenen nach den neuen Grundsätzen arbeitet; di der Ablauf dieser Aktionen ist nur Streik in Rundfunk und Femsehen auf, belm Transport und der Verteilung der sowie in der Presse den Druckereien, Presseerzeugnisse, damit diese Kommunikationsmittel in den Dienst der Geselischaft gestellt werden; e) der in der Erklärung des Präsidiums der Landeskommission vom 3. Dezemhera notien Gen die Bett derd der Volksrepublik Polen darauf verzichten, spezielle Einsatz kräfte zu schaffen. Aber gleich was geschieht, verstärkt die Landeskommission ihre Tătigkeiten mit dem Ziel, die Reform durchzusetzen, und gibt die unergiebige Politik der Zugeständnisse und Kompromisse, die sie bisher geführt nat, auf; t) alle Verhandlungen der Gewerkschaft mit dem Staat müssen von diesem Zeitpunkt an im Femsehen übertragen werden.

In Warschau sprach sich S. Jaworski zugunsten des aktiven Streiks als Verlangerung des Generalstrelks aus, den die Gewerkschaft in jedem Falle erklären sollte, wenn der Ausnahmezustand ausgerufen werden sollte: "Wir können uns keinen langen Generaldes Strelks mit Fabrikbesetzung vorbereitet werden. " Darüberhinaus erklärte S. Jaworski, da er überzeugt war, dass die extremistischen Gruppen innerhalb des staatsapparates zur bewaffneten Gewalt grelfen wollten: "Ich halte es für nötig. in allen Regionen Arbeitergarden zu bilden, besonders in den Grossbetrieben, Obwohl diese nicht über besonderes Material vertügen, werden wir sie sicherlich brauchen. Sie werden eine Kraft darstellen, mit der diese extremistischen Gruppen, welche zur Konfrontation entschlossen sind, werden rechnen müssen. "

Die Delegation von Oberschlesien nahm ebenfalls eine radikale Haltung ein, wenn auch in anderm Sinne. Ste meinte, die Gewerkschaft misse alle Ihre Krätte auf den Kampf vorgezogener Neuwahlen zum Sejm und den Wojwodschaftsräten konzentrieren sowie aut die Vergesellschaftung der Massenmedien: "Wir hoffen auf eine positive Geste des Sejm. Und die einzige positive Geste, die er machen könnte, um seine historische Mission zu erfüllen, wäre, vorzeitige Neuwahlen auszuruten. Aber wir können damit kaum rechnen. Deshalb müssen wir diese Wahlen selbst durchführen, ohne den Sejm und den Staat. Uns ere Gewerksimer das nach si sie ich a a len wirklich in die Hände des polnischen Volkes übergeht."

Die gemässigte Strömung stellte eine andere Taktik vor. Ihr wichtigster Sprecher war Jan Rulewski, der Vor sitzende der Region Bydgoszcz, Er 22. "Solidamosc Ziemi Lodzklej" . Beilage zu Nr. 24 vom 8, Dez, 1981, S. 4. 23. Alle Zitate, die folgen, sind der Tonbandaufzeichnung der letzten Sitzung von Solidamosc der Landeskommission von solidamosc am 12,12. 1981 entnommen.

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meinte, dass die Gesellschaft und der Staat in eine Periode der Konfronta tion eingetreten seien, welche sich seit August 1981 verstärkt hätte: "Es Konfrontation, deren allernekt d deren Höhepunkt der Generalstreik sein könnte, der aktive Streik. " Seiner Meinung nach müsse man sich aber einer solchen Perspektive entgegensetzen. Die Krise des Staates müsste eine bolitische Lösung erfahren, die sich auf die Erfahrungen der parlamentarischen Demokratie stützt. Die westlichen, demokratischen Gesellschaften haben sich seit langem diese Arten von Konfrontation dadurch rationalisiert, dass sie Einrichtungen wie die Parlamente, oder bei uns den Sejm, geschaffen haben.

Jan Rulewski verwies auf die Arbeiter. die immer deutlicher die Abhaltung von vorgezogenen und freien Wahlen zum Sejm forderten, und erklärte: "Die Strategie der Gewerkschaft muss es diesen Millionen von leuten ermanichen, sich auszudrücken, und deshall schlage ich als Ausdruck dieser Konfrontation vor, dass ein Referendum organisiert wird, in dem sich nicht nur. die Führung der ciewerkseliaft, son dem die ganze Gewerkschaft ausspresiver Streik, selbst als Generalstreik, hätte dieses Problem nicht lösen können. Die von Jan Rulewski vorgetragene Taktik war auf Illusionen gegründet, welche seit mehreren Monaten von den Massen und einer wachsenden Zahl von Gewerkschaftsführem zurülekgewiesen wurden.

Es war auch nicht ohne Bedeutung, dass die parlamentariscle Demokratic Jan Rulewski als eine Forın der zukünftigen Arbeitermacht vorkam. Die radikaleren Stromungen sprachen sich. ohne die parlamentarische Demokratie in Bausch und Bogen zu verdammen, zugunsten einer Verbindung dieser init einer wirklichen Rätedemokratie aus. Die von den Regionen Lodz, Warschau und Kracow vorgetragene Taktik war offensichtlich im vorteil gegenübe derjenigen von Bydgoszez. trotzdem verbarg sie eine Schwache, die man bel allen in der polnisetien Revolution 1:50-1951 vorgelegten Taktiken finden konnte, In threin Kampf um die Losting der Machtfrage verfügte selbst die revolutionarste Stromung von Solidamose ilber keine Taktik, mit der man die Armee hatte für sich gew innen kinnen. Das Gefühl der Stärke, welches die Massenbewegung verbreitete, war so mächtig. dass selbst die Hellsichtigsten Opter der Illusion wurden, ihre Kraft reiche aus, um die Armee zu neutralisieren und das Problem des Zusammenstosses stelle sich: noch nicht. Für diese Illusion mussten Solidamose und die ganze Massenbewegung in den nachfolgenden Stunden teuer bezahlen.

Die Landeskommission sprach sich für keine der vorgetragenen Taktiken aus. Sie gab sich damit zufrieden, zu einem Referendum über System und Art der Machtausübung autzuruten. Das stand natürlich zu brachten Taktiken in Widerspruch. Die Diskussion, wie das Machtproblem nun zu losen sei, blieb offen. Es überwog hingegen die defensive Haltung angesichts eines drohenden Angriffes des staates gegen Solidamasc und die Gesellschatt, als schon offensichtlich wurde, dass derjenige, der die Initiative ergreifen und zuerst zuschlagen würde, während der Auseinandersetzung im Vorteil läge.

Euch dem hinter, chen kann, Ihre 10 Millionen Mitglieder, und wenn sich andere gesellschaftliche Kräfte dem anschliessen, sogar die ganze Gesellschaft. Aber diese Abstimmung - dies zur Taktik - darl nicht nur über die die Selbstverwaluns den Frühling tung betreffenden Fragen gehen. Sie muss auch die Frage beantworten, ob die Gesellschaft dem Repräsentativsystem, also dem Sejm, der Regierung und dem System der Machtausübung, wie es in unserm Lande be- 'Vertrauen schenkt."

Das Misstrauensvotum gegen das gegenwärtige System, welches in der Abstimmung zutage treten sollte, hätte le Gewerkschalt zur Ausrufung des eneralstreiks führen sollen. Für den Fall, dass im Gefolge dieses Streiks tierung aus unabhängigen Fachleuter ›ilden sollen. Die Aufgabe diese: Regierung wäre die Abhaltung freier Wahlen zum Seim und den anderen repräsentativen Organen gewesen, um dadurch den Volkswillen durchzusetzen. Die von der Region Bydgoszcz vorgeschlagene Taktik zeigte deutliche Schwachen. Vor allem ging sie nicht von einer Analyse der politischen Kon junktur aus, im Gegensatz zu dem lur was die Vertreter von Lodz taten, die der Ausgangspunkt das Bestehen einer direkt revolutionären Situation war, woraus die Aulgaben der Gewerkschaft abgeleitet wurden. In die- Polenbroschüre der Tageszeitung

Wer die Broschüre schon jetzt bestellen will, überweist 7,50 Mark pro Exemplar auf das Konto der taz-Verlags- und Betnebs-GmbH Berlin beim Postscheckamt Bin.(W)

434.194- 106 "Euch den Winter.

uns den Frübling.® Der Inhalt der Polenbroschüre ist in drei Kapitel gegliedert: sem Sinne beinhaltete der Vorschlag 1 Ziele. Forderungen und Entwicklungen von Solidamosć von Rulewski nicht die sofortige Mobilisierung der Massen in einer Situa- 2. Der Militärputsch und seine Folgen in Augenzeugenberichten tion, wo der Schlagabtausch zwischen der Gesellschaft und dem Staat von einem Augenblick zum anderen statt- 3. Die Diskussionen und Reaktionen auf den Putsch finden konnte.

Was überhaupt nicht klar wurde, war, wie man der Bürokratie die Macht ohne direkte Konfrontation hätte ent- Buchhändler wenden sich bitte an Proll (Best.-Nr. 30 185) reissen können und ohne einen quali- Die Westberiner Händler wenden sich an Regenbogen Vertrieb (Best Ni: 62.05) tativen Sprung in der Entwicklung der Gegenmacht der zivilen Gesellschaft, wie Solidamosc sie darstellte. Ein pas-