Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Wurzeln der Wirtschaftskrise

· Inprekorr Nr. 3 (142), 4. März 1982 · S. 19-25 · 7.365 Wörter

Polen Stalinismus und Bürokratie Weltwirtschaft und Krise Gewerkschaften und Streiks

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Die Wurzeln der Wirtschaftskrise •von Ernest Mandel, 2. Febr, 1982, Die Wirtschaftskrise, in der Pole steckt, ist die schwerste. Waren aller Art führt sowie dazu, daß nach und nach die die eine nachkapitalistische Gesellschaft die sich zu ei- ganze Produktivei Maschine In Unordnung gerät, während nem Mindestgrad stabilisiert hat, , je erlebte. In drei auf- die Bevölkerung relativ hohe, ja überschüssige Einkommer einanderfolgenden Jahren ging die Produktion um jeweils verfügt. Aber das wäre nur eine systehtische Beschreibun 2% im Jahr 1979, um 4 % im Jahr 1980 und nicht weiger ler Krise und keine Erklärung als 14 % im Jahr 1981 zurück. Nach offizielle Quellen gab es 1981 folgenden Rückgang: um 19% bei der Indus- Welches sind aber die wirtschaftlichen Wurzeln dieser triellen Nettoproduktion, ,6 % bei der materiellen Krise? Welche Beziehungen gibt es zwischen Ihren Wur- Produktion der nationalisierten Industrie, um 14,6% beim zeln und der besonderen Struktur der nachkapita listischer Export und um 13 % beim Volkseinkommen. Gesellschaft, die durch die Diktatur der Bürokratie auf flırem Übergang zum Sozialismus "eingefroren" wurde' Sicher geht es hier nicht um eine kapitalistische Überpro- Inwiefem hätte eine derartige Krise in einem Regime de: duktionskrise von Waren, bei der es einen Überfluß an demokratischen Sozialismus, der geplanten Arbeiterselbstnicht-investiertem Kapital und an nicht - verkaufbaren verwaltung verhinder werden können, auch wenn der Sieg Winken en inszum siver Aneissigkeit und rapider Jer sozialistischen Revolution in den wichtigsten imperia Einkommensminderung führt. Eher ist es eine Krise listischen Ländern noch aussteht und dadurch der Welt- Unterproduktion an Gebrauchswerten, was zum Mangel an markt seinen Druck auf ein solches Regime ausübt? keine Krise vor Ausmaß derer in Vor allem weiteten sich mit diesem umso wichtiger. wenn man Polen ausbrechen. Aber das Wirt- Projekt die grundlegenden Ungleichgesichtigt, daß Zeichen einer ahn- schaftswachstum hat sich dort schon stiere Wirschat in team atowenn auch begrenzteren deutlich verlangsamt, und eine Krise bereits in Rumänien und Un- faktische Stagnation während einem nalisierte garn, ja selbst in der Tschechoslo- Jahr oder über mehrere Jahre hin- aus: zwischen den wirtschaftlichen und wakei und in der Sowjetunion auf- weg ist durchaus möglich. den sozialen Investitionen - die Austauchen. Zweifelsohne wird dort wirkung letzterer aut die soziale Produktivität der Arbeit wird von allen AUFBLÄHUNG ALLER DISPROPOR TIONEN UNTER GIEREK Wirtschaftswissenschaftlern stalinistischen Ursprungs systematisch und stark unterschätzt (1) - : zwischen der Die unmittelbare Wurzel für die minium, neue supermoderne Stahl- Schwer- und der Leichtindustrie; zwiderzeitige Krise liegt im werke usw.): schen der Industrie und der Landwirt- Kurs" der polnischen Wirtschaft, den schaft: zwischen Produktion und Ver- Edward Gierek mit seiner Macht- - aus dem Westen die Teclinologie. teilung (die Unterentwicklung der übernahme, also von 1970 an, die Ausrüstung und wenn nötig die Dienstleistung und des Verteflungs Unter dem Schock der Ar- Zwischenprodukte und die Ersatz- netzes ist nur ein Aspekt der systemabeiterstreiks in den Ostseehäfen von teile für diese Industrien importieren: tischen Vemachlässigung der sozialen polnischen Bure mate minderer Investitionen, usw.

›olnischen Burokratie - mit - vermittels dieser neuen Industri- Unterstützung des Kreml - einen en den einhe misclen Markt auf Aber weil die gesamte Wirtschaft von "sozialen Konsens" mit der Mehr- Dauer und in vollem Masse zu ver- der materiellen Interessiertheit der heit der städtischen Bevolkerung sowie einer (vor allem reichen) sorgen, womit man sowohl die An- strengungen der Arbeiter wie auch Bürokraten weitgehend bestimmt wird, da diese die einzige treibende Kraft Schicht der Bauernschaft auf fol- die der Bauern anstacheln und so den für die Verwirklichung des Plans und gender Grundlage: beschleunigte "sozialen Frieden" sichern wollte; alle ökonomischen Projekte - ein- Modernisierung der polnischen Ge- schließlich dem Projekt Gierek - darsellschaft und Anpassung an das - früher oder später die mit dieser westliche Konsumtions- und Lebens- Politik verbundene Auslandsverschuldung zurückzahlen vermittels (1) In unserer "Marxistischen Wirtzunehmender Exporte aus der Land- schaftstheorie" (Frankfurt 196s, Ka- Investitionen zur Schaffung einer wirtschaft (und der Lebensmittel- pitel 15)hahen wir betont, welcher zweiten polnischen Indistrie" theoretische Irrtum dem angeblichen zweiten Polen" industrie) wie aus den neuen Industri- "Gesetz der prioritären Entwickluns wurden kapitalisrische Kredite zu liche Industrien herstellen. die auf dem Weltmarkt verkäuf- der Schwerindustrie beim Augbau de Ilife genommen, um diese riesigen Sozialismus" zugrunde lir Wirtschafis- Insbe - Anstrengungen ohne Minderung des sondere wird dabei in der Lebensstandards der arbeitenden Be- An sich war das Projekt gar nicht so analyse der unproduktive Produktionsvölkerung zu finanzieren - was im verrückt, wie das gewiße Leute heute fonds übersehen und der Effekt der ibrigen auch gar nicht nötig war, vorgeben (bezeichnenderweise sind es produktiven Konsumtion auf die Erla nach den Streiks von 1970 ein gerade diejenigen. die es früher als riebigkeit der Investitionen verkannt anderes Kräfteverhältnis herrschte. weitgehend abgesegnet Unserer Meinung nach müßen die so Die innere Logik des Projekts von haben, nämlich sowohl Kreise zialen Dienstleistunge:, die von den 'Rates für gegenseitige Wirtschafts• Produzenten als unerläßlich angesehen hilfe" (COMECON) und der Technowerden, auch zur gleichen Kategorie • die Pumpe "inBewegung bringen" kratie in Warschau sowie auch in der "produktiven K onsumtion gezählt indem man stark auf den Import von westlichen Bankkreisen. • werden. Soviel uns bekannt ist, hat Konsumgütern oder Zwischenproduk barg auch große Gefahren in sich: es nie ein Wirtschaftswissenschaftler eiten aus dem Westen zurückgreift, alle Ungleichgewich- nes östlichen Landes - ganz abgesehen und sie dann in Bewegung zu halten tigkeiten und alle Disproportionen, von den Wirtschaftlern, die hier im die sowieso schon in der bürokratischen Westen Lobpreisungen auf die Bürokra- Planung und Betriebsführung stecken, tie singen - diese Argumentation je stoff, elektro-mechanische Geräte, noch zu vergrößem. zu widerlegen versucht. Kunstdünger, Petrochemie, Alu-

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stellt, führt die Tatsache, daß es keinelle keine gesellemaniste Kontrolle über das Wirtschaftsleben, dazu, daß sektorielle Disproportionen (ungleiche Entwicklung der verschiedenen Sektoren) auftreten, was nichts anderes bedeutet, als daß die Planung tellweise zerfällt.

Jeder "Clan" der Bürokraten - es handelt sich vor allem um regionale und sektorielle "Clans" (das typischste Beispiel lieferte der Kohle-Stahl-Clan von Schlesien) versuchte, "seinen" Modellbetrieb aufzubauen, "seinen" Entwicklungspol, und schuf damit sc manch neuen gutbezahlten Posten für einen "Kader' , so manche neuen Einnahmequellen, 30 manche neuen Quellen für Privilegien, Prestige und Macht, ohne daß man die Auswirkungen dieser Initiativen auf die gesamte Wirtschaft beachtete.

Die enge Verbindung dieser "zweiten polnischen Industrie mit den Krediten aus dem Westen war außerdem eine Quelle offensichtlicher Korruption. Da man relativ leicht Zugang zu aus- 1än dischen Krediten hatte, setzte sich die Tendenz, eher zu importieren als an Ort und Stelle zu produzieren, immer mehr durch (2). Die Schmiergelder westlicher Firmen taten ihr ubriges, um die polnischen Bürokraten auf die Schiefe Ebene zu bringen, zu der sie sowieso schon tendierten. Ein regelrechter paralleler Markt von Konsumgütem, die in Gold oder Dollar bezahlt werden, entstand in Polen (3). Wer es mit Finanz- und Warenkanälen mit dem Westen zu tun hatte, der kam leichter zu Gold und Dollars. Die "materielle Interessiertheit" (ein "kommunistisches Prinzip" , das angeblich nur "kleinbürgerliche Egalitaristen" mit den inte der raiten miene titionen...

Die Wirtschaftsreform von 1972 verschärfte noch die Rivalitäten und die relative Autonomie der verschiedenen bürokratischen Clans, well mit ihr eine erste Bewegung zu ausgesprogenet Werte, Als die wo de len bürokratischen Clans damit noch verstärkt, weil die WOG gegenüber den Ministerien grössere Önabhängigkeit haben.

Die von Stalin ererbte Krankheit, alles in riesenhafte zu übersteigem, tat der letzten Anstoß dazu, daß die polnische Wirtschaft in die allgemeine Dispro. portion alität kippte. Ein Riesenstahlwerk wie das von Huta Katowice besaß keine ausreichende Energiegrundlage. Die Traktorenfabrik Ursus mußte deren Ein fuhr man "zu planen" vergessen hatte und die ubrigens mit der nicht geförderten, aiso nicht exportierbaren Kohle hätten bezahlt werden müssen, usw.

Diese Ungleichgewichte wurden Jahr Streikenden selbst angeprangert. Die für Jahr, ja Semester für Semester im - Sache for dee kanze, sondem ein spanmers hatten tener gurgere Verpe- sache für die tanes Mittel der Arbeiter, sie zu stoptung, bis sie ihre normale Produktion pen, bevor es zu spät ist. Es ist eine aufnahmen: das führte zu immer unverschämte Lüge, wenn man das rößeren Kosten - fixe Kosten und Gegentell behaupte ihre Agenten und wie das die sowalsch, von der Produktion nicht be- jetische Bürokratie. zahlte Kosten - für die Wirtschaft: ge- Fürsprecher sowie die bürgerlichen fährlicher Rückgang der Ausnutzungs- Streikgegner im Westen tun. Durch rate der produktiven Kapazität, well sämtlíche Streiks "verlor" die polnídie umorzung fehlten (die derzeitige sche Wirtschaft seit dem Sommer He Ausnutzung 1980 nur den Gegenwert von drei oder Ausnutzung der industriellen Kapazi- vier weniger als durch die Stromausen vier Tagen ihrer tät wird auf 75% geschätzt) - es war ein regelrechtes Rennen auf den Ab- falle, die durch Kurzsichtigkeit und grund , in den die Wirtschaft früher Schlamperei der Bürokraten hervorgeoder später fallen mußte, zu. rufen wurden, und gar nicht zu vergleichen mit dem allgemeinen Rück- All das wurde von kompetenten pol- gang der Produktion der dem Gegennischen Wirtschaftlem schon vor den werl von etwa 60 Arbeitstagen eines Streiks vom Sommer 1980 denunziert jeden beschäftigten Polen in den Jah- (4). All das wurde auch von den ten 1980-1981 ausmacht. DIE AUSWIRKUNG DER KRISE DER INTERNATIONALEN KAPITALISTISCHEN WIRTSCHAFT

Die katastrophalen Konsequenzen aus Jahre, Es stellte sich aber heraus, daß dem Gierek-Projekt wurden durch die nur ein einziger Sektor der polnischen Auswirkungen , welche die Krise der Industrie einen Erfolg in einem Bereich intemationalen kapitalistischen Wirt- der Spitzentechnologie hatte: die Werfschaft auf die polnische Wirtschaft ten. In allen übrigen Sektoren nahmen hatte, noch multipliziert, Im einzel- die Aus fuhren sehr viel langsamer als nen kann man sich das so erklären: vorgesehen zu : die Krise verschärfte Beim Gerek-Praen Program - te dies noch, Aus diesem Grunde verbeim schlechterten sich die Handelsbilanz Lin ksunion in Frankreich und wie bei und die Zahlungsbilanz mit dem Wessämtlichen anderen "theoretischen ten immer mehr. Nur um seine Schul- Projekten der stalinistischen Bürokraten den zu bezahlen, stürzte stch das Land von Anfang der siebziger Jahre - von immer tiefer in Schulden. Allein der der Hypothese aus, das es in der inter- Schuldendienst für die Auslands-Vernationalen kapitalistischen Wirtschaft bindlichkeiten stieg von 15 % der zu keiner Krise (oder zumindest nicht Ausfuhren im Jahre 1972 auf 173 % diezu einer tieferen Krise ) kommen werde, ser Ausfuhren 1981, und daß diese sich im großen und ganzen so weiter entwickeln werde wie in - Man war der Meinung. die "terms den sechziger Jahren. Diese Hypothese of change" (Relation der Preise fur Einhatte zwei Implikationen, die sich fuhrgüter und der Preise der Ausfuhrverheerend auf das Gierek-Projekt aus- güter) blieben im großen und 10 wie 1970. Die plötzliche Verteuerwirken sollten:

ung des Erdöls und der anderen Ener- - Man war der Meinung. der Westen ziequellen von 1912 an sowie der biete einen Absatzmarkt für polnische Preisanstieg für bestimmte Zwischen- Waren mittlerer Qualität (Flat-Polskl), güter vertielten strukturell das Defizit der sich genauso schnell ausweiten der Handelsbilanz. würde wie der Verkauf dieser spezifi- polnische Industrie " wesentlich davon schen Waren im Laufe der sechziger abhing, daß dieser Import anwuchs. (2) Nach Josef Kuzmierek ("Was ich ternen Exports"). Ein regelrechtes gewußte "Krytyka" Nr. 3, Winter schlossenes paralleles Handelsnetz 1979-1980), der im Artikel von Cvril entwickelte sich. Bauer verkauften Smuga der polnischen Inprekor Nr. 1 eisch gegen Dollar und kautten m (Okt. 1981) zitiert wird (ein Artikel, esen Dollar Industrieprodukte in de in dem insbesondere die von der Büro- PEMEX-Läden, die mit einem wachkratie vorbereitete technokratische senden Anteil polnischer Industriepro- Reform der Wirtschaft kritisiert wird), dukte sowie mit Importgütern belieführten diese unkoordinierten Initiati- fert wurden. ven dazu, daß Lastwagen elf verschiedener Marken für das internationale Die polnische Staatsbank pragte min- Transportuntemehmen PEKAES und destens zweimal, nämlich 1976 und die anderen schwertransportbetriebe im Juli 1980, Goldmünzen und verangeschafft wurden, wodurch Devisen kaufte sie an Privatleute zu 3.000 Zlovergeudet wurden und der Maschinen- ty das 8-Gramm-Stück, das heißt bilpark häufig stillsteht, weil es an liger als der Goldmarkt-Preis (Kurier Ersatzteilen tehlt. 'olski" vom 1. Februar 1981) (3) Seit 1976 kann man legal Devisen (4) Siehe insbesondere die schon bebesitzen. Man kann auch Bankkonten rühmten Erklärungen des DIP-Kreises in ausländischen Devisen bei der PKO- "Erfahrung und Zukunft") vom Mai Bank und bei der Bank Handlowy füh- 1979 und Mai 1980, den Artikel vor ren. Von 1977-1978 an entwickelten 9so und den Artikel von Josef Kuz vom 5. Juli sich massiv die PEMEX-Ladenketten, die Waren gegen ausländische Deviser mierek, den wir in Anmerkung (2) verkaufen (sogenannte Läden des in- anführten.

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Die erste Reaktion der Bürokratie be- Urheber der polnischen Krise war; die stand darin, einen größeren Anteil der polnische Wirtschaft hätte auch weiter volkswirtschaftlichen Produktion (vor anwachsen können, während die Proallem Kohle und Fleisch) abzuzweigen und für den Export zu bestimmen, um das wachsende Defizit in der Handelsflanz zu decken. Dann gritt sie zı usätzlichen Auslandskrediten, un die Schulden belastung der Produktion liegt, bleibt sie von Überproduktionsund der laufenden Einnahmen zu er- krisen unberührt, Ihr Investitions- und leichtem. Schließlich mithilfe derer die Wachstumsvolumen kann von Jahr zu Praktiken uber, derer die Jahr variieren. Imofer die polnische Substanz der laufenden Produktion Wirtschaft aber dem Einfluß des Wertgeopfert wurde (5). Aber alle Mittel gesetzes nicht völlig entkommt (ein erwiesen sich bald als noch schlimmer influß, der sowohl über den Handel als das Übel selbst. mit den kapitalistischen Ländern als auch über den Austausch mit dem Weil die Versorgung der Kraftwerke Privatsektor in Polen selbst zum Ausund der Arbeiter- und Bauemhaushalte druck kommt), kann sie sich natürmit Kohle im Winter 1979-1980 redu+ lích auch nicht von gewissen negatiziert wurde, begann die laufen de ven Auswirkungen der Krise des Ka- Produktion sowohl in der Industrie ›italismus freimachen, zum Beispiel wie in der Landwirtschaft abzusinken. laß die Ausfuhren das vorgesehene Die Auslandsverschuldung ließ die Volumen nicht erreichen, Aber diese Last des Schuldendienstes in atembe- Auswirkungen konnten nur dann katasrauben der Geschwindigkeit ansteigen, trophale Aus maße annehmen wie in und schließlich wurden sämtliche Polen, weil sie in Verbindung mit ciin den laufenden Ausfuhren gewonne- ner falschen Politik standen, weil die nen Devisen davon aufgesaugt. Abhängigkeit vom Außenhandel mit den kapitalistischen Ländern abertrie- Zum genaueren Verständnis dieser ben stark war und diese Faktoren durch Analyse muß betont werden, daß die die allgemeinen und strukturellen kapitalistische Wirtschaftskrise nicht Konsequenzen der bürokratischen Wirtschaftsleitung potenziert wurden. DIE KONSEQUENZEN EINER STRUKTURELLEN SCHWACHE AUF LANGE SICHT

Im Verlaufe der "Gierek-Ara" (1970- An sich war diese "Konter-Reform" 1980) begann eine strukturelle Schwä- unve meidlich gewesen, che der polnischen Wirtschatt, lektivierung der Landwirtschaft zuvor der "Gomulka-Ära " (1956-1970) über- gegen den offensichtlichen Willen nommen wurde, sich immer negativer der Bauernschaft in der "Aera Bierut" aut die Disproportionen auszuwirken (6) durchgesetzt worden war. Die und zur Quelle einer zuerst potentiellen, dann realen Unterproduktion zu rích Engels in seinen Artikeln von werden: die Tatsache, daß in Polen 1894 uber die französische und italieder größte Privatsektor in der Land- nische Bauernschaft bis hin zu den wirtschaft aller nachkapitalistischen Thesen der Linken Opposition in der sesellschalten einschlie Blich Jugos- Sowjetunion - steht gegen jegliche lawien existiert. 80 % des Grund massive Kollektivierung der Land- Bodens sind seit der Epoche der "Kon- wirtschaft ohne bewußte Zustimmung ter-Reform" von Gomulka 1956 in den der Bauern. Was die Zwangskollekti- Händen von privaten Bauern. vierung der Landwirtschatt angeht, die Stalin - mit Blut und Tränen - 1930 bis 1933 durchführte, zierte sie ein derartiges wirtschaftli- Sagt mal Genossen, soziales, politisches und moralisches Desaster, daß die Auswirglaubt ihr hicht auch so ein betesnden wurden. mer kungen in der Sowjetunion neute, daß mr zuviel Stahl für nicht überwunden wurden. Im Vergleich zu dieser Katastrophe erscheint einen Bleistiftspiter auch die heutige polnische Wirtschaftskrise noch als ein "kleineres Ubel". verwenden? schen zwei s ist aber gar nicht notwendig, zwi Jbeln " zu wählen das "große" Desaster oder die zeitlich begrenzte Katastrophe. Es geht da- STAINLESS STREI MADEIN POLAND PENCIL

SHARPENER rum, daß man die Dynamik der wirtschaftlichen und sozlalen Widersprüche versteht, die dem Problem der wechselseltigen Abhängigkel von der Wachstumsrate der nationallsierten Industrie, dem Lebensstandard der Arbeiter, dem der Bauer, der wachstumsdynamik der genossenschaftlichen und kollektivierten Landwirtschaft und der Wachstumsdynamik der privaten Landwirtschaft zugrunde liegen. Diese fünf Varlablen gehören zu Gleichungen, für die es Lösungen gibt unter einer Bedingung: daß man einsicht, daß die Widersprüche tatsächliche Widersprüche sind, daß man sie zu lösen suchen muß und nicht zu verbergen aus der sorge heraus, dab pourisch ja alles ruhig und sicher bleibt. Mit den Optionen von Glerek und zu lösen, sondem man verscharite sie schließlich noch erherblich damit.

Die Landwirtschaftspolitik der "Gierek-Aera" zeichnete sich durch die Kombination einer hinterhältigen Kollektivierung mit einem "Kurs zum Kulaken fin" aus.

Hinterhältige Kollektivierung: es wurde kein offener Angriff auf den Privatsektor geritten, sondern Manöver unternommen, um die alteren sprechen von Pensionen abzugeben, von denen die Interessierten indes dann ziemlich enttäuscht waren, da sie unter dem Existenzminimum lagen.

"Kurs zum Kulaken hin": reiche Bauern wurden angeregt, speziallsierungsverträge mit den Lebensmittelbetrieben abzuschließeh, die 19. November 1981 hatten 60,000 bis 70.000 reiche Bauem einen Umsatz von einer Million Zloty monatlich oder mehr (ein Zloty entsprach 1981 etwa 6 Pfennigen). Da sich mit dem "Gierek-Kurs" die Disproportion zwischen den industriellen Investitionen und den landwirtschaftlichen Investitionen er- (5) Zwei Beispiele, wie die Substanz angenagt wird: die Kohleproduktion wurde auf Kosten der Wartungsarbeien gesteigert, was die Bergleute im aufe der Streiks 1980 systematisch denunzierten; an die Sowjetunion wurden Schitte gegen Rubel verkauft, während zur Herstellung dieser Schitte enorme Mengen von Eintuhrgutem, die mit westlichen Devisen bezahlt werden mußten, nötig waren. (6) Die Geschichte "Volkspolens" kann in vier große Perioden nach den herrschenden Parteichefs eingeteilt werden: die "Aera Bierut" von 1949 bis 1956, die "Aera Gomulka" von November 1956 bis 1970, die "Aera Gierek" von 1970 bis 1990 und die Aera nach Gierek, die mit den Streiks von 1980 beginnt,

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DIE KUMULATIVEN EFFEKTE DER weiterte, hinkte die landwirtschaft- BÜROKRATISCHEN WIRTSCHAFTSLEITUNG liche Produktion hinter der industriellen immer mehr nach und (ahrdete so die Exportpläne und die Vereinen ton tag ur pluste Landschaftliche Erzeugung stagnierte. Und die Reaktion der Bürokratie auf die aufflammenden Arbeiterkämpfe verschärften den Schereneffekt der Preise. Damit die Arbeiter nicht immer wieder in Rage versetzt werden, fror man praktisch die Ankaufspreise fur landwirtschaftliche Erzeugnisse ein, während die Produktionskosten für die Landwirte insbesondere aufgrund der zunehmenden Energiekosten immer höher denn ihren geg tradie Die Ein stiegen. Baumaterialien und indus- Teufelskreis entstand: diese Politik zwang die Bauern buchstäblich, einen immer größeren Anteil ihrer Produktion selbst zu verbrauchen, die Produktion nicht mehr auszuwelten und eine Versorgungskrise in den stadten hervorzuruten.

Da außerdem der staatliche Genossenschaftssektor in der Landwirtschaft sehr wenig produktiv war, konnte er diese strukturelle Schwäche der polnischen Wirtschatt kaum kompensieren. Dieser Sektor wies bald die ersten Engpasse des Gierek-Projekts auf. Aufgrund der relativen Stagnation der landwirtschattlichen Produktion nskierte man ab 1976 ständig, daß eine Versorgungskrise ausbrach und daß die Arbeiterklasse unzufrieden wird und thre Arbeitsanstrengungen nachlassen. Das ganze Rechengebäude des neuer "Konsensus der Verbraucher" stürzte in sich zusammen. Es stellte sich heraus, daß mit dem "Gierek-Kurs" nicht verhindert werden konnte die Krise der bürokratischen Diktatur daß heranreifte. Dieser Kurs hatte die Krise alles in allem nur vier Jahre lang abgebremst, dann aber ab 1976 immer mehr beschleunigt.

schaft noch einmal auszusparen und Aber jeder neue Versuch, die Bauemden staatlichen Genossenschaftssektor stärker zu entwickeln, stieß auf das Hindernis, daß die Bauernschaft politisch und gesellschaftlich aufwachte - damit tät sie es mit Verspätung der Arbeiterschaft nach 1976 nach - und daß sie auf spontane Sympathie stieß, ja daß eine regelrechte Allianz zwischen der Arbeiterschaft und den sauer gegen die Burokratie entstand. Weder Edward Gierek noch später Stanislaw Kania oder der General jaruzeiskı wagten es, der Bauernschaft so zuzusetzen wie das Boleslaw Bierut retan hatte oder Matyas Rakosy in Un• kiert hätten. Die Krise in der Landwirtschaft verschärfte sich also ab 1976 zunehmend (7), vertiefte ihrerseits die endemische Krise der gesamten Wirtschaft und wurde schließlich zu einem wichtigen Faktor für die Auslösung der Wirtschaftskatastrophe von 1980-1981.

Aber die Hauptursache für die polnische Wirtschaftskrise liegt letztlich in der Natur des bürokratischen Lei tungssystems, mit dem die rationalisierte Wirtschaft seit Beginn der Volksrepublik in Polen dirigiert wird, von Selbstverwaltung mit finanzieller Autonomie der Betriebe und allgemeiner Einsatz von Marktmechanismen, wer diese Wirtschaftsleitung nur auf die schlimmen Auswirkungen der überriebenen Zentralisierung. die sicher indestreitbar sind, zurückführt, dei tut das Problem sträflich vereinfachen. Mit einer derart einseitigen und damit falschen Analyse kommt man zu keiner vernünftigen und gangbaren Lösung. weder vom Standpunkt der Arbeiterinteressen her noch von dem einer echten Rationalität in der Planwirtschaft.

Von den Disproportions- und daraus entstehenden Krisenphänomen her gesehen scheint das System bürokratischer wirtschaftsleitung eine grobe Mischung aus übersteigerter Zentrallsierung und Dezentralisierung zu sein, wobei die eine die andere bestimmt, Gibt es keine sozialistische Demokraund verffiziering von unten, dann also keine allgemeine Kontrolle fördert jede exzessive Zentralisierung nicht etwa den Plan, sonder die Tendenz zur "grauen Wirtschaft" • zu parallelen Entscheidungen der Betriebs. leiter, und macht die Planung buchstäblich immer irrealer. Die Wirklichkeit ist dann von der Bürokratie nicht mehr in den Griff zu bekommen. Sie plant im luftleeren Raum, Was die polnische Wirtschaft braucht, ist weniger Planwirtschaft, also weniger Koordination, sondern mehr Koordination in dem Sinne, daß statt einer kleinlichen, uneffektiven und zum Teil irrealen Planung eine wirkliche Koordination eingeführt werden muß. Das kann nur eine Planung, eine Koordination sein, die auf dem engagement, den Entscheidungen und den Präferenzen beruht, die von den Arbeitern selbst bewußt ausgedruckt wurden. Nur mit der geplanten, koordinierten und demokratischen zentralisierten Arbeiterselbstverwaltung kann eine wirkliche Planung der sozialistischen Wirtschaft geschaffen werden, Die Altemative lautet: Willkür, Mißwirtschalt, Unfähigkeit und Mißerfolg - daran führt kein Weg vorbei.

Die Wirtschaftsexperten wie die Gewerkschafter von Solidamosc messen dem Problem, daß die Preise transparent sein sollen, eine große Beit den Bren Sie betone bare bei. Sie betonen, daß Subventionen das Wirtschaftssystem und sein auch garnit seen d Man weiß nicht dieser oder jener Betrieb wirklich mit seinem Verkauf auch seine Produktionskosten deckt, oder inwieweit er sie deckt. Und sie haben damit recht, Ohne ein System transparenter Preise und ohne einen stabilen Geldmaßstab ist keine emsthafte Planung möglich. Aber daraus folgt noch lange nicht. daß zum Wiederaufbau der Wirtschaft unbedingt die "Wahrhelt der Verkaufspreise " nötig Ist, also ein System, bei dem die Konsumenten von heute und morgen, angefangen bei den ärmsten unter ihnen, das zerbrochene Geschirr bezahlen müßen, das sich aufgrund all der Irrtümer der bürokratischen Führer von gestem angehäuft hat. Und noch weniger folgt daraus, daß zum Wiederaufbau der Wirtschaft unbedingt die "Rationalisierung der Beschäftigung" nötig ist (die "überschüßige Arbeitskraft der Betriebe wird als Hauptursache für ihre "ungenügende Rentabilität" angesehen).

Was hier auf dem Spiel steht, das ist keine technische Frage (aut welcher Ebene muß man das Gleichgewicht wiederherstellen und die Disproportion en eliminieren: auf der Ebene eines jeden Betriebs, einer jeden produktiven. Branche für sich, oder auf der Ebene der gesamten Wirtschatt und der gesamten Gesellschaft2). Sondem eine resellschaftliche Frage: Wer soll der Preis für die bürokratische Mißwirtschaft bezahlen? Die Arbeiterklasse, indem Ihr Lebens- und Beschäftigungs- standard reduziert wird› Die Kleinbourgeoisie, indem ihre Einnahmen verringert werden? Oder aber die Burokratie, indem ihre Pfründe und Pri- /legien radikal beschnitten werden: Welcher Fonds muß reduziert werden Der Fonds der produktiven Konsumtion (Verbrauch der produzierenden Arbeiter und Bauern) › Der Investitionsfonds› Der Fonds der unproduktiven Konsumtion (Kosten des Verwaltungsapparats, des Staates, der Bürokratie)› Wenn alle drei Fonds reduziert werden müssen, dann in welcher Proportion und mit welchen sozialen und politischen Kosten? Die Drohung, daß die Arbeitslosigkeit wieder eingeführt wird - 1,5 Millionen, ja sogar 2 Millionen Entlassungen nach der Errichtung der "totalen finanziellen Autonomie der Betriebe" wurden schon als Zahlen genannt - schwächt und demoralisiert die Arbeiterklasse beträchtlich, was soziale und wirtschaftliche Folgen nat, die man unschwer erraten kann. Die bürokratische Wirtschaftsleitung ist nicht nur schädlich und unwirksam, vell sie die Planung untergräbt un c eine Unmenge von Disproportioner und Inkohärenzen provoziert. Sie ist auch die Hauptursache für die schwache Arbeitsproduktivität und die immer niedrigere Ergiebigkeit der Investitionen. Die bürokratische Leitung spricht zwar vom Prinzip der "materiellen Interessiertheit": in Wirklichkelt aber ist bei ihr die allgemei ne Verantwortungslosigkeit zum Prinzip (7) Erwähnt seien die schweren Überschwemmungen von 1978 und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaftliche Produktion. Diese Überschwemnungen ihrerseits wurden aber durch le Vernachlässigung der Unterhaltuns der Deiche zumindest erleichtert, was auf Disproportion zwischen den in vestitionen in die Schwerindustrie auf der einen und denen in die Landwirtschaft und die Infrastruktur auf der anderen Seite zurückzuführen ist.

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Initiative.

Das ist allein deshalb schon so, well es so viele bürokratische Instanzen gibt, daß sie sich Listeren und fortwahrend behördlichehier kommt ein noch wichtigerer Faktor hinzu, der der besonderen Natur der Beziehungen zwischen dem Überbau und der gesellschaftlichen Basis in einer nationalisierten Wirtschaft entspringt.

In einer solchen Wirtschaft ist die Ergiebigkeit der Investitionen we ilger abhängig von ihrem "technischen Inhalt als von zwei exogenen sozioökonomischen Faktoren: einerseits von der Wachstumsrate des Wohlstands der Arbeltenden, das heißt von der Verund in ihrem Bewusstsein zwischen der produktiven Anstrengung und dem meßbaren und sichtlfchen Effekt dieser Anstrengung auf ihre eigenes tägliches Leben besteht (9), und andererseits dem Grad an gesellschaftlicher Moral" (oder an sozialer Gerechtigkeit), das heißt der Verbindung in ihren Augen und in ihrem Bewusstsein zwischen dieser Anstrengung und dem Effekt fieser Anstrengung auf das Ausmaß der Ungleichheiten, der Privilegien unc der Willkür in der Gesellschaft. Je niedriger diese Grade sinken oder je länger sie an einem relativ niedrigen Niveau verharren, umso geringer wird um das Nationaleinkommen auch nur um ein bißchen zu steigern, Die Arbeitenden können völlig auseinandergerissen und vereinzelt, völlig demorallsiert und entpolitisiert sein, aber nicht trenten und une gen dazug intangere Zeit produktive Anstrengungen für den König von Preussen oder den Wojwodschaftspräsidenten von Konin zu machen... Darin Itegt die A chillesferse der bürokratischen Diktaturen in allen bürokratisierten Arbeiterstaaten. Und wenn die Arbeiter nicht mehr auseinandergerissen und vereinzelt sind, dann ist der allmachtig aussenende Bürokratische Riese gelähmt. Die bürokratische Diktatur in Polen weist aber von Anfang an große soziale Ungleichheiten und einen gesellschaftlichen Zynismus auf, die rasch auswuchsen. Diese Phänomene wurden unter Wladislaw Gomulka zumindest am Beginn seiner "Aera" etwas gebremst (10), haben sich dann aber in der "Aera Gierek" beträchtlich verschärft. Korruption, Schwarzmarkt, Lüge und Karrierismus traten schamlos hervor.

Die bürokratischen Privilegien dehnten sich beträchtlich aus (11), vor allem deshalb, well sie eng mit den über handnehmenden Phänomenen des "freien " und "parallelen Marktes" enten Hade und Handwerks und dem zunehmenden Gewicht des Westhandels verbunden sind.

In den beiden letzten Jahren (1980derart viele konkrete genaue Beispiele in deser Hinsicht, daß lohnen und acht mal das für das Leben notwendige Mindesteinkommen einer Pes 7.oo zeity und 2. 20o Ziory Anfang 1981) (12). Aber die Einkommen der höheren Bürokraten kann man ohne weiteres mit zwei oder drei multiplizieren (böse Zungen behaupten: mil vier), wenn man berücksichtigt: die enormen Naturalvergütungen, die Sond erkaufladen, die besonderen Krankenhauszimmer und ärztliche Dienstleistungen, die besonderen Villen und "Zweitresidenzen"

zu Auslandsreisen und zum schmuggel ausländischer Devisen und Waren.. Der Lebensstandard ist so sleben mai so hoch wie der Durchschnitt und zwanzigmal so hoch wie das Minimum, Unter diesen Umständen braucht man sich nicht wundern, daß die polnischen Arbeiter die korrupte und unfähige Banachtet und halet. Man bauden ich auc nicht wundern, daß eine angebliche "Doktrin" , die diesen Skandal mit der Formel von der "führenden Rolle der Partei beim Aufbau des Sozialismus" deckt, derart in Mißkredit geraten ist. Wirklich eine schöne "Partel" und ein schöner "Sozialismus" 1 Die Bürokratie sucht in ihrer Bedrängnis nach Sündenböcken und denunziert gewiße Genossenschaftsleiter, Hand- werker, kleine "freie Unternehmer" und reiche Bauern, die 100.000 Zloty im Monat verdienten, Einmal abgesehen davon, daß diese Falle viel seltener sind als die von hochplazierten Bürokraten, ist diese Bezugnahme an sich schon sehr bezeichnend. Man bemißt also, wenn es um die "kommunis- (8) Nicht weniger als 40 verschiedene Behörden kümmern sich um die "soziale Kontrolle" und die Aufdeckung von "Wirtschaftsverbrechen"; aber ihr Erfolg ist zum Lachen: nur 5% der Wirtschaftsverbrechen sollen aufgedeckt werden (Damita Frey: "Die Kontrolleure und die Kontrollierten" "Tygodnik Demokratyczny" vom 11. Mai 1980). Dagegen werden kleine Diebe viel schwerer bestraft als in praktisch allen Ländern Europas. Ein *Wiederholungstäter", der zweimal zwei Flaschen Milch gestohlen hatte, bekam zehn Monate Gefängnis (ITD, die Illustrierte Wochenzeitung des Studentenverbands, November 1981). (9) Dieser Effekt wird nicht so sehr an Geldeinkommen gemessen als vielmehr an Befriedigung realer Bedürfnisse durch den Kauf gewünschter Waren wie auch durch den Zugang an gediegenen sozialen Dienstleistungen: Wohnungen, öffentliche Wäschereien und steine Nahverterent eulert der (10) So wurden die "Sonderladen" für Bürokraten nach der Machtübe rahme von Wladislaw Gomulka im Jahre 1956 geschlossen, dann aber wiederfeden innerhals dee te den rese aur , "reservierte tische Moral" gegen die "kleinbürger- Iche Gleichmacherel" geht Einkommen und "seinen * Lebensstandard nicht mit dem der Werktätigen, sondern mit dem des betuchten Kleinriat demoralisieren wurden und daß sie für Partelmitglieder absolut nicht infrage kämen.

Solange dieses Klima nicht weggeblasen ist, braucht man sich keine Illusionen darüber machen, die tiefsten Wurzeln der Krise herausgerissen zu haben, Jede übermässige Beanspruchung der Marktmechanismen - auch wenn begrenzte Beanspruchung unter den Gegebenheiten des Mangels unausweichlich ist - muß die Demoralisierung. die Korruption und den Zynismus verscharten statt sie auszulöschen, wel damit die Ungleichheit verschärft unc Arbeitslosigkeit geschatten wird. Unleichhei t und Arbeitslosigkeit sinc Schläge auf den Zusammenhalt und das Klassenbewußtsein des Proletariats, fördern das "jeder ist sich selbst der nächste" , untergraben die Solidarität und stehen im Gegensatz zu sämtlichen Mechanismen, die für das Funktionieren einer sozialistischen Wirtschaft notwendig sind. Dieses System aber, wo Verantwortungslosigkeit, Lügen und Zynismus (13) allgemein herrschen und die wirklichen sozialen Kosten nicht erfasst werden, dieses System kann allerdings die "Marktwirtschaft" konsolidiert werden wie durch die direkte bürokratische Wirtschaftsleitung. Nur mit der breitestmöglichen und striktesten öffentlichen Arbeiterkontrolle, die über freien Zugang zu aller Massenmedien verfügt, können alle Lagerbeständen an die Öffentlichkeit dem 3. Stockwerk von "Centrum" dem größten Warenhaus von Warschau ("Kurier Polski" vom 21./22. November und 3. Dezember 1980).

das regerene viter andale utilten eudan del Wie von den Miton "Ber- "Hilton" (bei Bielsko-Biala), "Ponderosa" (bei Wroclaw) usw. genannt werden. In Przybrodzin besteht das erschlossene Gebiet aus 71 Villen, von denen jede zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Zloty kostet (jährlicher Durchschnittslohn eines Industriearbeiters: 85.000 Zloty) ("Slowo Powszechne" vom 27. Januar 1981). Der Premierminister unter Edward Gierek, Piotr Jaroszewicz, hat sich zum Privatgebrauch ein Schloß bei Krakau angeeignet, das offiziell als Nationaldenkmal eingestuft wurde...

tlerer Monatslohn nahc (12) Erklärung des Vize-Ministers Pos vom 18. entier de 1. Meme rer Monatslohn nach "Trybuna Ludu" vom 5. Februar 1981.

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gebracht, alle unnötigen Doppelbe- tie, politische Macht der Arbeitenden, schäftigungen und Verschwendungen demokratisch zentralisierte Selbstververmieden werden; nur dann kann waltungswirtschaft, Weder Herrschaft wirklich gemessen werden, welche Aus- der Bürokraten noch die Diktatur des wirkungen produktive Anstrengungen aut Marktes, sondern bewust entschiedene Jen Lebensstandard der Massen Insge- In -die - Hand-Nahme des ganzen wirt- Aber das heide: sozl Natsche Demokra- auf die ganze Nation haben. schaftlichen und sozialen Lebens durch die Produzenten und Bürger selbst. VERHEERENDE "MINI-REFORMEN"

Zu den strukturellen Faktoren, die die heure Ausmaße an (nach offiziösen polnische Wirtschaftskrise verursachten, Quellen gingen 30% der Fleischprodukkommt ein konjunktureller Faktor hin- tion über den "parallelen" Markt). Dazu: die verheerenden Auswirkungen der durch wird teilweise überhaupt die "Mini- Re formen". der gänzliche Mantionierung zunichte gemacht.

Regierung, ankündigte, sie werde eine tigen Preiserhshungen am 2. Wirtschaftsreform mit "rich- Reformen ": einerseits überstürzten sich die Ereignisse, und die Bürokratie ver- durchführen, hielten sowohl die Privat- Tor jegliche Kontrolle über diese, an - nole wie die staatlichen Betriebe es dererseits zögerte sie damit, ein "neu- für vortellhaft, geheime Lager z es System der Leitung" einzuführen, iden und ihre laufende Produktio und schließlich hatte sie vor, den re- nicht auf den Markt zu werfen, um von volutionären Aufschwung des polnischen den angekündigtan Preiserhöhungen zu Proletariats in Mangel und Hunger, das protitieren. Der Wunsch, die Gewerkheißt durch Wirtschaftssabotage zu er- schaft Solidarnose durch die endlosen sticken. Schlangen vor den Läden zu schwächen, bei diesem Kalkül der Bürokra- Die Maßnahmen, welche die Macht- ten, das nicht nur die Wirtschaft betraf, haber von den Streiks vom Sommer sicher auch eine Rolle. 1980 an ergriffen, waren wirtschaftlich völlig zusammenhanglos. Einer- Wie stark die technologische Abhängigseits wurden die Einkommen der Ar- keit und die Verschuldung gegenüber den beiter wie die der Bauern erhöht. An- kapitalistischen Ländem war, wurde im dererseits wurden die Einfuhren von Laufe des Jahres 1981 immer deutlicher, Rohstoffen, Ersatztellen und Zwischen- als die polnische Regierung am laufenprodukten drastisch reduziert weil die den Band über die Ersetzung der auslaulustuhren (vor allem an Kohle) steil fenden Kredite durch neue Kreditaufzurückgingen es deshalb an Devisen nahmen mit immer höheren Zinssätzen mangelte und weil die westlichen verhan deIn mußte, Man weiß, daß Po- Gläubiger nicht so recht mit neuen len im Westen mit insgesamt 27 Milliar- Krediten herausrückten'(14). Weil die den verschuldet.ist (nämlich nach der Einfuhren zurückgingen, fiel die Pro- "Intemational Herald Tribune vom 29. duktion ab. Ergebnis: das inflationäre Januar 1982 mit mehr als 15 Milliarden Ungleichgewicht zwischen dem Ange- bei 460 westlichen Privatbanken und er Nachfrage wurde imme mit 10 Milliarden bei den Regierungen). manifester und brachte den Markt völ- Der dickste Brocken wird westdeutschen lig durcheinander, Man schätzt, daß und französischen Banken geschuldet; 1.000 Milliarden Zloty inflati onăr, aber auch bei den brasilianischen Banken also nicht durch ein Angebot an Waren steht Polen z. B. mit 1, 5 Milliarden ind Dienstleistungen gedeckt waren, Dollar in der Kreide, Wichtiger noch, Spekulatior und Wucher nahmen unge. was an Rückzahlungen fällig ist: FÄLLIGE SCHULDENRÜCKZAHLUNG

POLENS AN IMPERIALISTISCHE LÄNDER: Jahr vom Staat garantiert nicht vom Staat garantiert 1981 1,9 Mrd, Dollar 1,9 Mrd. Dollar 1982 2,7 Mrd. Dollar 2,3 Mrd. Dollar 1983 1,8 Mrd. Dollar 1,3 Mrd. Dollar (aus "Neue Zürcher Zeitung" vom 24. Dezember 1981) 13) "Wenn ein eigenes Zimmer, ausreichende Nahrung, saubere Kleidung noch immer nur einer Kleinen Minder- che vom Thermidor, d.h, von heit zugänglich sind, trachten die Reaktion, die sich noch mit dem Millionen Bürokraten, die großen wie Gewand der Revolution zu schmücken die Kleinen, danach, sich der Macht gezwungen ist, nicht zu trennen ist, vor allen Dingen zur Sicherung des Hon. 4936): "Die verratene Revolueigenen Wohlergehens zu bedienen. Daher der kolossale Egoismus dieser Der polnische Professor Jan Szczepans- Schicht, ihr starker innerer Zusammenhalt, ihre Furcht vor der Unzufrieden- kollegialen Presidentschaft der Volksheit der Massen, ihre zähe Wut bel republik Polen, stellte zwar "Sozialisder Erstickung jeglicher Kritik, .. Für mus" mit der bürokratischen Diktatur Da 1981 praktisch überhaupt nichts zurückgezahlt worden ist und die Zinsen noch dazukommen, sind 1982 an die 10 Millarden Dollar fällig. Kein Wunder, wenn die westlichen Banken, die sich milliardenmal mehr um ihre Dollar als um die "Menschenrechte" kümmem, nach dem Gewaltstreich om 13. Dezember davon sprechen, daß ein "Marschallplan" für Polen nötig sei, damit das Land solvent bleibe (Le Monde" vom 3. /4. Januar 1982). Hat sich Jaruzelski nicht beellt, zumindest 400 der 700 Millionen Dollar, die an Zinsen für 1981 fallig waren, zu begleichen, und hat er nicht (und nicht etwa Solidarosc) die Aufnahme Polens in den Intemationalen Währungsfonds (IWF) beantragt › Übrigens reichte der Mangel an Veraus, um toren rapide zurückgehen zu lassen (Kohlebergwerke. und Elektrizitätswerke), was auf die gesamte Wirtschaft starke Auswirkungen hat und für sich allein zum Teil schon den steilen Abfall der Produktion im Jahre 1981 erklärt.

sche Wirtschaft war bisher nicht in der schrieb aber: "Die sozialistilish Society", Random Hause, New York, 1979). Wo für uns die Korrelation zwischen der produktiven Anstrenzung und dem Lebensstandard (alsc etztlich zwischen der produktiver Anstrengung des Arbeiters und der Kontroll - und Entscheidungsmacht darüber, wie über die Ergebnisse verfügt wird fehlt, sieht der Technokrat nur einen Mangel an Korrelation zwischen der produktiven Anstrengung und dem Lohn, Er pladier also dafür, daß Austerität eingetuhr und das garantierte Recht auf Arbeit (also die Vollbeschäftigung) aufgehoben wird. Der Journalist Marek Rymuszko beschreibt ("Prawo i Wycle", , 7. Dezember 1980) Korruption und Schmiergeldzahlen als einen "Aussatz, der ausgehend von den Behörden (also der Bürokratie) die ganze Gesellschaft befallen hat"

(14) Die westlichen Bankiers bestanden bei den zähen Verhandlungen über den Zahlungsaufschub der polnischen Schulden, die 1981 und 1982 fällig waren darauf die Zinsen auf diese Verbindlichkeiten bis auf den letzten Pfennig bezahlt zu bekommen. Sie setzten den Zinssatz für die aufgeschobenen Schulden herauf und beschlagnahmten sogar polnische Guthaben im Ausland, um sicher zu gehen, daß sie ja bezahlt werden, wodurch sie lebenswichtige Importe für Polen verhinderten, weil keigleiche insbesondere Der lange Sommer der Solidarität" [SP-Verlag Frankfurt 1981 schrift Fortune vom ha fache zeit- . 339-342; die 1981; die "Neue Zürcher Zeitung" vom 5./6. Dezember 1981).

(15) Nach der Warschauer Zeitung

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DESHALB WAR DER GEWALTSTREICH NÖTIG Im November 1981 tauchten plötzlich Informationen auf, daß die Bürokratie, mage tel hate so au gate schlossen hätte, eine Reform der ge- samten Wirtschaft statt der "Mini-Reformen " anzupacken, Formal behielt man dabei die "Selbstverwaltungs"- Projekte bei, aber ihres Inhalts wurden sie zum großen Teil beraubt, weil die Rohstoffe und die Zwischenproduktion weiterhin zentral zu staatlích festgelegten Preisen verteilt wurden. Als Professor Sadowski, Unterstaatssekretär für die Wirtschaftsreform, diese Maßnahme ankündigte, behauptete er, daß der Mangel an kon vertierbaren Devisen jedwede andere Form unmoglich macht und daß es Jahre braucht, bis man zur "Wahrheit der Preise" kommt (16).

Diese Erklärung wirkte wie eine kalte Dusche auf die Gewerkschafter von Solidamosc und auch auf die "liberalen Technokraten.

Sie bedeuten offensichtlich, daß das System extremer bürokratischer Zentralisierung beibehalten wird: die Möglichkeit einer demokratisch zentralisierten Arbeiter-Selbstverwaltung wird von der gesamten Burokratie mit Vehemenz bestritten. Aber in welchem sozialen Kontext diese Reform stattfinden soll, das wurde mit den Maßnahmen klar, die die Regierung von Anfang Januar 1982, wenige Wochen nach dem Gewaltstreich vom 13. Dezember 1981, an kündigte:

Preiserhöhungen zwischen 300 und 400 % für die grundlegenden Erzeugnisse und Dienstleistungen, radikale Abwertung des Zloty und bescheidene Erhöhung der Basislöhne und des Kindergeldes sowie der Erschwemszulagen. (17). Man will den Schwarzmarkt aufheben, indem die offiziellen Preise denen des Schwarzmarkts angeglichen werden. Mit diesen Malnahmen wird die Inflation aber nicht beseitigt, sondem sozusagen offiziell gemacht. Sicher werden weitere Maßnahmen über kurz oder lang tolgen, um eine Geldreform zum Absahnen der "überschüssigen " Kaufkraft durchzuführen. Für die Arbeiterklasse sind diese Preiserhöhungen katastrophal. Die Preise für ein Kilo Zucker und Fleisch oder für eine Tonne Kohle haben sich vervierfacht; der Preis für Butter stieg um 350 %, der von schinken und Hering sowie der Gastarif verdreifachte sich(18). Ein Pullover kostet jetzt so viel, wie ein Arbeiter in Potar in Wroclaw eingestellt werden. Verlust: 1,400 Maschinen, die einen Wert von 16 Millionen Zloty darstellen. Der Grund: es fehlten Vorprogrammierungszellen, die gewöhnlich vom Prelom - Termet- Werk in swiebodzice ge liefert werden. Letzteres hatte die Pro duktion einstellen müssen, weil Bimetallplättchen tehiten, die... zum Preis von nur einigen Tausend Dollar eingeführt werden müssen.

einem halben Monat verdient. Selbst wenn man die Kompensationen in Rechnung stellt (sie machen nicht mehr als 20% eines Durchschnittslohns aus außer bei den Bergleuten), und selbst wenn man davon ausgeht, daß die Hälfte der von den Arbeiten; den gekauften Waren und Dienstleistungen nur wenig oder gar nicht eurer geworden sind, sind die ReallOhne doch brutal gesunken. De Reallohn liegt jetzt auf der Hohe des Reallohns eines schwarzen Bergarbeiters in Südafrika (Kaufkraft von 200 Dollar monatlich).

Nach offiziellen Quellen, die in Liberation" vom 30,/31. Januar wiedergegeben wurde?, entsprechen die Preiserhohungen (bei Lebensmitteln im Durchschnitt 241%) 391,5 Milliarden Zloty. Die Lohnmasse beträgt etwa 1.100 Milliarden Zloty. Durch die Preiserhöhungen geht die Kaufkraft also um etwa 35% zurück. Was nicht bedeutet, daß der Lebensstandard so tief gefallen ist. Denn dieser hängt nicht nur von dem Reallohn ab, sondern auch von den Beltragen zur sozialversicherung und von den übrigen Sozialausgaben des Staates sowie vo den angesammelten Konsumgütern (80 % der polnischen Haushalte • besitzen einen Fernseher und einen Kühlschrank) und den Wohnbedingungen, die sehr viel höher sind als in den kapitalistischen Ländern mit ähnlichen Lohnen. Nichtsdestoweniger steht test, daß die Austerität das polnische Proletariat so schwer getroffen hat, wie tief die Wirtschaftskrise ist. In "Trybuna Ludu" vom 19. November 1981 räumte der Landwirtschaftsminister ein, daß vom Herbst 1981 an (ganz abgesehen vonden vorübergenenden Phasen) die Verkäufe der Bauem an staatliche Verteilungsstellen beträchtlich zurückgegangen sind. Der Staat versuchte, dieser Tendenz Einhalt zu bi ein neues erem des Ausener so egalisierten Preisverhälmnissen mit dem Lande ein tührte. Aber in den kommt die Preisschere überdeutlich zum Ausdruck: 1 Zloty an Industrieprodukten gegen 5 Zloty an Schlachtvieh. In diesem Interview meinte der Landwirtschaftsminister auch, daß es noch etliche jahre brauche, bis genügend Industrieprodukte für den Verkauf an die Bauem da seien.

Einer Depesche der polnischen Nachrichtenagentur PAP zufolge (wiedergegeben in der "Neuen Zürcher Zeitung" vom 31. Dezember 1981) haben die Privatbauem trotz einer guten Emte von 20 Millionen Tonnen Getreide dem Staat nur 50 % der vorgesehenen (16) "Zycie Warszawy" vom 9. November 1981.

(17) "Le Monde" vom 3./4. Januar 1982; "Christain Science Monitor"vom 11. Januar 1982.

(18) "Le Figaro" vom 29. Januar 1982. Menge Welzen gellefert. An Kartoffeln gibt es 300,000 Tonnen weniger als notwendig.

Die Auswirkungen der inkohärenten "Mini-Re formen " der Periode 1980- 1981 kommen also zu den Auswirkungen der Strukturkrise hinzu, was zusamdas Polen derzeit erlebt, das Polen derzeit ericht, ete. Aber was den Hintergrund dieses Desasters, das ja auf jeden Fall nur vorubergenenc ist, ausmacht, darf nie aus den Auger verloren werden. Polen ist heute eine große Industrienation, oline Zweite die Zehnte auf der Welt, und verfügt über eine entwickelte industrielle Intrastruktur, uber eine Landwirtschaft, die potentiell eine der reichsten Europas ist, und über eine Arbeiterklasse, die viel zahlreicher, viel gebildeter und viel qualifizierter als die der Vorkriegszeit oder der unmittelbaren Nachkriegszeit ist, Mit diesen Trümpfen kann man auf jeden Fall rechnen, wenn man Fortschritte zur Lösung der Krise und zur Errichtung des Sozialismus machen will - unter der Bedingung, daß Gesellschaft und Wirtschaft von bürokratischen Zwangsjacke befreit sind. Gleichzeitig erscheint der soziale und wirtschaftlfche Sinn des Gewaltstreichs vom 13. Dezember 1981 in einem neuen Licht. Gewiß darf man nicht dem platten Dekonomismus verfallen, noch darf man die - absolut entscheidende - Bedeutung dessen unterschätzen, was politisch für die Bürokratie im Verlauf des gesamten jahres 1981 auf dem Spiel stand (19). Aber offensichtlich war es dieser Bürokratie nicht möglich, eine Wirtschaftsreform (und Preiserhöhungen) in ihrem eigenen Interesse durchzusetzen, solange es eine vom Staat vollig unabhängige Gewerkschaftsbewegung gab, die in der Lage war, den Lebensstandard der mußte also zuerst aufgelöst werden: die Arbeiterklasse mußte so geschwacht werden, daß sie nicht mehr sich kollektiv verteidigen kann, Genau das hat man getan, als man kurz vor den Preiserhöhungen die wesentlichen Errungenschaften des Sommer 1980 líquidierte.

Mehr denn je kommt jedochı das Dideutlich zum Ausdrucke entweder und wird der Fortschritt der polnischen Gesellschaft hin zum Sozialismus aufzrund der bürokratischen Diktatur politisch und wirtschaftlich blockiert - oder die Bremsen werden gelocker ind die Krise gelöst durch die Mach der Arbeiter.

* (19) Vergl. die Resolution der Vierten Intematíonale vom 17. Dezember 1981 in "Inprekor" Nr. 1/1982, die ausführliche Resolution des V.S. der Vierten