Iwanow schildert, wie "Solidarität" in Torun aufgebaut und er aus der polníschen KP ausgeschlossen worden ist Torun, eine Stadt mit 230 000 Einwohnem, weniger als 200 km südlich von scheint Torun trotz seiner Universität und seiner zahlreichen Industriebetriebe bei weitem nicht das politische Gewicht von Zentren wie Sczeczin, Gdansk oder Schlesien zu haben In allen Außerungen von Menschen, denen wir während unserer Reise begegner sind und die über den Toruner MKZ sprachen, waren Bewunderung und Anerkennung spürbar.
Selbst der Vize-Präsident des MKZs von Wroclaw - der dritte Polens, mit 300 000 gewerkschaftlich Organisierten - nannte ihn "ein Beispiel, dem es zu folgen gilt " Die aktiven Mitgliede des MKZs von Torun führten uns nach "Towimor" ins Industriegebiet. Da sagten sie, sei die "Seele der Bewefur Schiffewerften produziert, hat im . In dieser Fabrik, die Maschinen lugust 1980 alles angefangen. Den Gdansker Beispiel folgend begann mai zu streiken. Ein Strefkkomitee wurde gebildet auf Initiative von Parteimítgliedem - seltener Fall! Und danr blles der Wind von "Solidarität" in die Partei, die Kommunisten von Towimor berichtere treten im Parteiburo in ihrem Be - INPREKORR Können Sie uns erzählen zu machen Trotz alledem haben wir was in der Partei innerhalb des Betrie- alles Mogliche bes geschah? well wir immer noch Mitglieder von IWANOW Es fing mit dem Streik an tät sind Die meisten Parteimitglieder unseres Betriebes Towimor waren für den /ir haben schnell erkannt daß es zi Streik Einige von ihnen waren sogar wenig war, he Parter im Betrieb wie in dem Streikkomitee der ins Lot zu bringen Wir haben also chesky war Streikdelegierter in Gdansk eine Kontaktaufnahme mit anderen Nach dem Streik sind wir uns schnell gleichgesinnten Mitgliedern von Parte1darüber klargeworden daß "Solidarität' gliederungen gesucht eine Garantie für das Volk ist. wir mußten eine Garantie innerhalb Die Partei an der Universität hat am der Partei suchen, weil die Partei schon schnellsten auf unseren Aufruf reagiert o viele Krisen durchgemacht hat, dal Uns ist die Gründung eines überbetriebsie sich von einer zusätzlichen Krise lichen Komitees gelungen Wir konnten nicht mehr erholen könnte Wir sind ın die Worte der Behörden kein Vertrauuns bewußt geworden, daß die Durch- en mehr setzen, da sie sehr passiv waführung von echt demokratischen Wah- ren und nichts taten Die Leute die len in der Partei das Wichtigste war da oben saßen, waren alle kompro- Trotz des Widerstandes der Parteifuh- mittiert rung auf Stadt- und Bezirksebene war es uns sehr früh (schon am 15. August) Zuerst traten acht Gliederungen der im Rahmen unseres Betriebes Partei in die Kommission ein En de Sepdemokratische Wahlen durchzuführen. tember Das erste Ziel dieser überbeindem wir auf die Parteisatzung zurück- trieblichen Organisation war die Durchgriffen, wonach Wahlen möglich sind, führung von witklich demokratischen wenn 30% der Mitglieder sie wünschen Wahlen und die Ausarbeitung eines wirklich von der Basis stammenden Pro- Mit den neuen Wahlen kamen Streik- gramms für den Parteikongreß Die Fuhdie Führung der rer der Wojwodschaft empfingen die Partei von Die erste Pha- Kommission nicht sehr herzlich sie se unserer Arbeit bestand darin, "Soli- fühlten sich bedroht. darität" zu unterstützen, denn wir haen gesehen, daß die Weiterentwicklung Nun sind 32 Gliederungen in der überder i ewerkschaft äußerst wichtig war betrieblichen Kommission vertreten Nachher mußten wir uns trennen, denn die Kommission ist ein Organ das keinach der Satzung von "Solidarität" dur- en Chefposten kennt. Es finder ied der Partei irgendeine Woche eine Versammlung statt, die jekeine Verantwortung des Mal von jemand anderem geleitet wird, um eine Vorherrschaft von einem unmöglich, in zwei Bereichen Verant- Einzelnen zu verhindem. Jeder Text wortung zu tragen und auch beides gut der von der Kommission entworfen wird, • Jeden dürft ihr infrage stellen wenn nur die führende Rolle der Partei weiterhin anerkannt wird !
IRGENDETLAS
STINKT HICE, MANN wird in jeder Basisorganisation der Partel vorgelegt wo über dessen Anerkennung oder Ablehnung diskutiert wird Die Grundlagen dieser Diskussionen sind die Fragen, die von den Mitgliedern kommen: wir konzentrieren uns auf Probleme wie Was für eine zukunfuge Entwicklung der Parter wollen wir? Wie können wir mit Solidaritat weiter zusammenarbeiten?
Zwei wesentliche Aspekte haben wir hervorgehoben: 1) Die Satzungsăn de run gen der Partel, 2) die Rolle der Partei in der Gesellschalt
Nun wollen wir Euch erklären worin der grundsätzliche Konflikt zwischen uns und der Parteiführung besteht In der Bezirkskommission brachten wir unsere Meinungsverschiedenheit zur sprache Dieser Einstimmigkeit die die Grundlage der Entwicklung der Partei ausmacht, muß ein Ende gesetzt werden Unsere Organisation in Towimor die zuallererst demokratische Wahlen durchgerührt hat, ist auch die radikalste in der Kommission, und die da oben sahen in Stanichewsky und mir eine große Gefahr für die Partel. sahen in uns die schwarzen Schafe. Da wir Arbeiter sind spielen wir uns nicht zu Diplomaten auf, in den Versammlungen suchen wir nicht nach dem passenden Wort. Wenn wir einen für einen Dieb oder für einen Gangster halten, sagen wir es auch deutlich. Und die Leute, die keine Emeuerung in der man solle immer applaudieren wenn der Erste Sekretär redet, ohne sich zu fragen, ob es einem gefällt oder nicht, und man solle nicht vom Saal aus rufen, daß er ein Idiot ist und Quatsch erzählt Und aufgrund solcher Probleme - formaler und nicht inhaltlicher Art - wurde Ich von der Partei ausgeschlossen, etwa wie zur Zeit der Inquisition. Eines Sonntags wurde mir mitgeteilt ich solle am Montag zu einer Konferenz gehen und am Montag wurde ich ausgeschlossen so bın ich jetzt der erste Parteisekretär der nicht in der Partei ist' (Lachen)
Ich habe natürlich einen Brief geschrie- • aber seit drei Monaten habe Ich noch immer keine Antwort bekommen Klar dıe Kommıssion hat wahrscheinlich viel zu tun, um andere Mitglleder auszuschließen die großere Fische sind als ich! Heute kommt dıe Kontrollkommission der Partei, um uber meinen Fall zu dıskutieren (Lachen) Es ist nur ine strategie um zeit zu gewinner lenn diese Kommıssion kann nichts vorlegen um diesen Beschluß zu rechtfertigen Ich mache mir keine übermäßıgen Sorgen und arbeite normal weiter - Wie sehen Sie die Fortsetzung der Vorbereitungen für den Kongreß? - Unsere Positionen sind in der Partei mehrheitlich vertreten Allein einige Tausende - und ihre wohlhabenden Familıen - versuchen sich zu verteidigen - Meinen Sie, daß die Führung in der Lage ist zu verhindern, daß das von Ihnen verteidigte Programm bis zum Kongrels gelangt? Verfügt sie über Mittel, im diesen Prozes autzuhalten: - Sie wollen das alles totschweigen aber nun wird in ganz Polen von denselben Sachen geredet Und Solidaritat gibt es auch noch die unsere Garantie ist und uns verteidigen wird - Denken Sie daß Sie vor dem Kongreß und auf allen Ebenen demokratische Wahlen erzwingen können?
- Hier in Torun findet die erste Etappe statt Vor Ende März werden Wahlen zum Betriebskomitee durchgetuhrt werden Hier haben wir diese Wahlen erwungen Vielleicht wird die ganze Ket e reißen, wenn das erste Glied brich Wie wir uns diese demokratischen Wahlen vorstellen? So organisiert wie bei Solidarität Nach den jetzt geltenden Regeln der Partei gibt es einige Punkte die nicht demokratisch sind und die wir änder wollen. Die Anzahl der Kandidaten ist begrenzt so kann es nicht weitergehen Man kann die Wahlen auch ONKEL LEONID, DIE
WOLL'N UNS MAUEN
HILFE 50,, manıpulieren, denn nicht jeder wird delegiert Einer wird aus Warschau geholt, und er wird gewählt Diese zwei ublichen antıdemokratıschen Praktıken sind sehr negativ Hier in unseren Diskussionen gehen wir noch weiter Wir denken, daß die Parteıfuhrer direkt gewählt werden sollten, auf allen Ebenen In einer Parteiversammlung die einen sekretar zu wahlen hat konnte es zum Beispiel mehrere Kandıdaten geben -Jeder wurde sein Programm darlegen und dann könnte man bei Kenntnis der Sachlage wählen Jeder wurde sich für denjenigen verantwortlich fuhlen den er gewählt hat Wir haben auch über die Rolle der Partel nachgedacht Bis jetzt hat unsere Partet eine Rolle gehabt die sie nicht haben sollte sie hilft dem Staat, seine Funktionen zu ertullen (Verwaltung Polizei) Daher denken wır, daß der Parteiapparat diese Bürokratie aufhöden Staat in allen Bereichen mitzuvertreten Wir müssen auch darüber nachdenken welche Rolle die KP in den Betrieben haben sollte sie sollte ein für alle Probleme geltendes Vorschlagsrecht besitzen und kein Regierungsinstrument sein Ich wünsche mir in unserem Land solch eine Partei Um in diese Partei einzutreten müßte man ein Jahr warten oder auch zwei, um zu zeigen was man kann um über die Qualität zu verfügen und nicht über die Quantität - Wir haben von Mitbestimmung auf betrieblicher Ebene geredet aber wie stellen Sie sich das im Rahmen der gesamten Gesellschaft vor, damit wirklich die Arbeiter entscheiden können? - Jetzt heißt es die Betriebe würden uns gehören. Das ist falsch. Sie sind in den Händen der Regierung Und die Re- Sme Politbue der Part, on am nur von einigen wenigen. Und diese entscheiden. Die Bevölkerung hat überhaupt keinen Einfluß, sie trägt nur die Konsequenzen all ihrer Entscheidungen Deswegen denken wir, daß diese Reform möglichst rasch durchgeführt werden muß. Wie sie aussehen soll› Ein Großreinemachen in ganz Polen.
Ich personlich denke, daß die Betriebe etwas mehr Autonomie haben müßten wir müssen erreichen daß die Arbeiter entscheiden können. Ich stelle es mir wie eine Körperschaft aus allen Arbeitem vor, welche Anteile des Betriebes besitzen würden. Man könnte sie natiirlich nicht verkaufen, darum geht es nicht, denn der mit dem melsten Gel‹ Pierre Frank
Geschichte der weltde geer die Entwicklung des befrie- beiter bes, über Verteilung, über Neueinstellungen entscheiden Es wäre eine Re- Kommunistischen form der gesamten Verwaltung des Betriebs, Man sollte das Marketing weite: entwickeln Internationale - Unterhalten Sie Kontakte mit Gleichgesinnten aus anderen Städten? Und wa: Ur einen Austausch pflegen Sie mit ihnen?
- Ja, wir haben Kontakte vor allem in Ernest Mandel
Eine große Lücke in der marxistischen Literatur ist endgultig geschlos Gdansk und in Krakau Wir tauschen sen worden. Es gab bisher keine Geschichte der Kommunistischen Inter Material aus Wir treffen uns. Aber was nationale, die diesen Namen voll verdient hatte und die gesamte Periode wir sagen, stoit auf heftigen Widerstand, denn solch eine Reform würde eine beträchtliche Einschränkung der Verwaltung beinhalten, vor allem in Warschau der Komintern abdeckt Jakob Moneta:
Das Bestechende liegt darın, daß er mit kritischer Nuchternheit uber - Denken Sie nicht, daß ausgerechnet pruft, welche Bedeutung die III Internationale fur die revolutionare die Parteiführung, die ja schon gegen Arbeiterbewegung hatte, wo die Ursachen ihres Zerfalls liegen und wel Solidarität gekämpft hat, heftig rearieren wird, wenn sie sich von solcher leuten wie Ihnen in frage gestellt sient - Uns bleibt keine andere Wahl Wir che Lehren hieraus zu ziehen sind Phillipe Robrieux
Das solide dokumentierte Werk, das Pierre Frank diesem großem The müssen möglichst viele Gleichgesinnte ma gewidmet hat, bleibt von der ersten bis zur letzten Seite voll fesseln treffen, sie schulen, sie informieren Aber das machen wir jetzt schon. Es ribt viele Versammlungen. in dener darüber diskutiert wird . Die Leute mussen aufhören, Angst zu haben - Meinen Sie, daß die Debatte auch nach dem Kongreß fortgeführt werden wird?
- Natürlich - Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit zwischen "Solidarität und den Radikalen in der Partei vor› - In vielen Bereichen denken wir ahnlích, vor allem im Bereich der Sozialder Spannung
Angaben zum Buch
Vorwort zur deutschen Ausgabe Jakob Moneta 1. Kartonierte Ausgabe
Band / 392 Seiten
Band II 408 Seiten
Beide Bande zusammen 2. Leinenausgabe
Band / 392 Seiten
Band I/ 408 Seiten
DM 32, DM 33, DM 59,- DM 37,50 DM 38,50 Die Leinenausgabe ist zusatzlich mit einem Schutzumschlag im Vier ›olitik Weder Solidaritat noch die artei können von den augenblickitcher Problemen abgekapselt sein. Unter den farbdruck versehen inter nationale sozialistische publikation - isp gmbh, jetzigen Bedingungen ist es unmoglich zu wollen - wie es die Regierung mochte - daß sich "Solidaritai ausschließlich auf wirtschaftliche Probleme konzentriert Auf dem Gebiet der internationalen Politik jedoch unterscheiden wir uns von "Solidarität Wir leben hier unter sehr besonderen Umständen Leider haben Sie in Ihrem Land bessere -ISP-VERLAG- Ubrigens internationale herausgekommen 120 Seiten kostet 8 - DM Aussichten Ich rede natürlich nur von den Wetteraussichten' (Lachen) Ende des Interviews bedingt durch die Ankunft der Kontrollkommission der Partei im Büro
Interviewer PIERRE CAEN
Tonin, Februar 1981 In der nachsten INPREKORR u a zu POLEN - ein weiteres Interview mit Iwanow über die partei - interne - eine Analyse der Risse in Armee und Polizei - sowie ein Bericht über den ersten Kongress der Bauemgewerkschaft und ein interview mit einer kämpferischen Bauerin
Polen