Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Polen

Interview mit Bauernsolidarität/Gdansk

Inprekorr Nr. 6 (134), 11. Juni 1981 · S. 27-28 · 1.611 Wörter

Polen Gewerkschaften und Streiks

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Am 12. Mai ist die "Bauemsolidarität" offiziell registriert, le • die Arbeiter. Sie kampen mit den rebeltem gegen ihre wie die Arbeiter.

bürokratische Unterdrückung.

Der Linken in Westeuropa ist oft nicht klar, was sie davon halten soll: wenn die Privatbauem sich durchsetzen - bedeutet Folgendes Interview zeigt, welches Bewußtsein die Bauemdas nicht Stärkung des Privateigentums und des katholischen aktivisten haben. In der nächsten INPREKORR (Nr Einflusses, also Schwächung der Position der Arbeiterklasse werden wir einen Bericht vom ersten Kongreß der Bauernsolidarität (8 und 9. März in Poznan) abdrucken sowie ein höchst aufschlussreiches Interview mit einer kämpfe- Nein: die Bauerngewerkschaft konnte sich nur durchsetzen, rischen Bäuerin aus Sudostpolen. wo die Bauern zu Anfang weil die Arbeiterschaft mit ihrem Kampf dafür den Weg dieses Jahres einen 53-tägigen Streik gegen geradezu mit- Und die aktiven Bauemgewerkschatter sind telalterliche Ausbeutungsverhältnisse erfolgreich durchsich dessen voll bewusst - das Bündnis mit der Arbeiter gestanden haben klasse und deren Gewerkschaft steht für sie an erster Stel- Bauemsolidarität", und wieviele Mitglieder zählt sie?

Jan Groth: Meiner Meinung nach sind etwa 60% der Privatbauem bei uns Mitglied - Wieviel sind das in Zahlen?

- Dies hängt von den Statistiken ab, auf die man sich stützt Die offiziellen Statistiken sagen, es gäbe 3 Millionen

Privatbauem: dabei sind aber die Landdie zur Halfbauem sind Aber selbst wenn wir die nicht mitzählen, sind etwa 1,5 Millionen Bauem Mitglied in der neuen Gewerkschaft - Gibt es Regionen, in denen die Organisterung schon weiter ist als in anderen und welche? Und hat die Bewegung einige Provinzen noch nicht ergriffen?

- Es gibt keine einzige Region mehr, die nicht von der Bewegung ergriffen worden wäre! Mit der Organisation steht es im Suden am besten, im Westen in der Gegend um Poznan und im Norden um Szcezizein In unserer Gegend - hier um Gdansk - steht die Organisation am besten in den Wojwodschaften von Elblag. Torun Bydgosz und Gdansk selbst In Ostpolen - Bialy stock und auch Olsztyn - ist die Organısation noch schlecht Sie stehen dort erst am Anfang - Wie seid Ihr auf lokaler Ebene organisiert› Halten die Bauem in den Dorfem Treffen ab? Und wie führen sie ihre Kämpfer - Auf lokaler Ebene wollen wir keine bestimmte Organisationsform den Bauem aufzwingen Wir gehen nicht vom Zentrum der Gewerkschaft in die Dorfer, um den Leuten dort irgendwelche Dinge vorzuschlagen Wir wollen, daß Eine Anerkennung der Bauerngewerkdie Organisation von der Basis aus ent- schaft könnte auch die Handwerker versteht, daß die Initiativen von den Bau- anlassen, dann das gleiche wie wir zu ern selbst kommen Schon wollen sie eine Handwerkerdie Tätigkeit auf lokaler Ebene nicht Bewerten, dad die vor Dies aber würde sehr bedeutend Aber die Bauem beginauf örtlicher Ebene Treffen zu or- kratische Partel" ihre Rolle und Funkganisieren, denen sie Gewerkschafts- tion verlöre, welche in der Kontrolle vertreter einladen, die dort reden In und Vertretung der Handwerker besteht diesen Diskussionen geht es darum wie Dies wäre ein zusätzlicher Machtverdie Kämpfe zu führen und welche For- lust für die Regierun Verschwendung Schließlich wisderungen aufzustellen sind fellos geht dieser Prozeß sehr langsam von landwirtschaftlichen Ressourcen Man braucht viel Zeit, um sol- die Regierung schuld ist. Sie ist für den che Dinge von der Basis her zu organi- schlechten Zustand der Landwirtschaft Trotzdem ist es das beste Mit- verantwortlich, auch für die Fälschung tel, denn nur dadurch können die Bau- Sobald also unsere er begreifen, daß sie es sind die thre Bauernsolidarität wirklich aufgebaut Bewegung fuhren Eine der wichtigsten ist, wird sie nachzuforschen beginnen. bisherigen Aktivitaten war, daß man was wirklich los ist und wer dafür ver- Delegationen in die Stadt, Natürlich fürchten sie Bauersolidaritat in jeder derartige Handlungen Region, schickte - Dies führt uns zur nächsten Frage - Warum lehnt es die Regierung ab, Welche Forderungen stehen bei den Euch als Gewerkschaft anzuerkennen Bauem im Mittelpunkt? - Fur die Regierung wurde die Grundung - Die wichtigste Forderung ist die Vereiner zweiten Organisation - welche teidigung des Rechtes auf Privateigen von Partet und Regierung vollig unab- tum an Boden. In die polnische Verfas. hangig ware - bedeuten, vollig die sung soll ein Artikel aufgenommen wer- Kontrölle über die Gesellschaft zu ver- den, daß in Polen der Ackerbau vor hieren allem im Familienbetrieb durchgeführt wird Die Kontrolle uber die Arbeiter haben sie bereits verloren, und genauso lau- Wir kampten auch datur, daß die fen sie jetzt Gefahr, die Kontrolle über Bauemclubs umgestaltet werden - nicht die Bauem zu verlieren. Das schreckt in Organisationen gewerkschaftlichen sie Fur ste ist das eine große Gefahr Typs, sondern in wirkliche Dienstlei- Die Anerkennung unserer Gewerkschaft stungsorganisationen für die Bauern Die würde ebenfalls bedeuten, daß die be- Clubs müssen in den Händen der Bauern stehenden Organisationen die vorge- bleiben, um ihnen dienen zu können ben. die Interessen der Bauern zu repra- Dann gibt es die Forderung. daß die sentieren - wie die offiziellen Bauern- Summen, die regelmäßig an die Regieorganisationen oder etwa die Bauernpar- rung uberwiesen werden, in den Dörtei, von der behauptet wird sie repră- fern bleiben sollen, damit die Bauern sentiere deren Interessen auf politischer selbst entscheiden können, was mit Ebene, jeden Inhalt verlieren würden diesen Geldem geschehen soll eine neue Maschine anschaffen oder eine nebliche Bedrohung wenn sie zu- Kanalısatıon bauen zum Beispiel. Wir sehen muß wie einer ihrer Stutzpfeiler haben in die Regierung kein Vertrauen zusammen kracht mehr. Nach dem Knieg haben sie uns

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versprochen, dal sie das Geld dieser Fonds für die Elektrifizierung des Landes nehmen, diese sollte binnen zehn Jahren abgeschlossen sein, 36 Jahre sind ins Land gezogen, und sie ist noch immer nicht fertig Jetzt wollen wir selbst über die Verwendung dieser Gelder entscheiden Dann wollen wir, daß man sich mehr um die Kinder auf dem Lande kümmert, vor allem was die Erziehung betrifft, denn um die ist es sehr schlecht bestellt Man kann sich schwerlich ein Bild von der Situation der Kinder auf dem Lande machen, wenn man sie nicht mit eigenen Augen gesehen hat Sie müssen sehr früh am Morgen autstehen, um zur Schule zu gehen, die 10 km weit weg sein kann. Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Kinder ist eine wichtige Forderung. aber wir verlangen auch eine Verbesserung des kulturellen Lebens auf dem Dorfe

Eine andere wichtige Forderung ist die Privilegien für die Staatstarmen bedeuten die heute durch Maschinenzuwenunten selbst einer besetien, das - Wir die Maschinen gerecht verteilt werden, genauso wie Düngemittel.

- Zu welchen Kampfformen wollt Ihr greifen, um Eure Forderungen durchzusetzen z Offensichtlich können dıe Bauern ihre Ländereien nicht verlassen Auch können sie keinen Streik anfangen. Wir können auch die Stadte nicht von der Lebensmittelzu fuhr abschneiden, denn das hätte sofort schwere Konsequenzen für die Arbeiter dort. Wir müssen auf die Hilfe der Arbeiter zählen. Sie sind unsere Brüder und werden uns helfen. Protestaktionen zu organısieren. Es können sich z B 1000 Arbeiter und Bauern zur Bezırksregierung begeben, und jeder trägt ein Sandwich mit einer unserer rorderungen. Das nachste Mal sind es dann 1000 andere Leute, die mi denselben Forderungen auftreten Wir können dann auch Protestdemonstrationen organısieren Dies sind die wichtigsten Aktionsmittel, über die wir verfü- Aber ich kann Dir sagen, denn ich reise in ganz Polen umher und kenne die Stimmung unter den Bauern, daß die vorherrschende Meinung die ist wenn Bauernsolidarität im Frühjahr nicht anerkannt wird, dann wird die Verteilung der Lebensmittel auf parallelem Wege organisiert Dies würde bedeuten daß wir Solidarnosc auffordern würden, die Nahrung ber den Bauern dırekt zu kaufen, um sie an die Arbeiter zu verteilen Dann wurden wir die Regierung von allem ausschließen auch von der Festsetzung der amtlichen Preise Wir würden sie selbst machen - Arbeiter und Bauern zusammen - und würden die Chets, die Regierung die Partei und das Politbüro ubergenen Wir hotten nicht, daß es dazu kommt aber wir halten sehr viel vom Bündnis zwischen den Arbeitern und den Bauem Es ist ein unter Schmerzen geborenes Bündnis, aber es ist un vermeidlich und ein Ausdruck wirklicher Solidarität von Peter Gunde aufgenommenes Interview Gdansk, am 3 Februar 1981 NUMMER 88 - 128 1978, 1979, 1980 Wir haben aus Anlaß des Register - Abdrucks eine Bestandsaufnahme im INPREKORR - Lager • nach der Nummer bedeutet: unbeschränkt lieferbar (1 - DM pro Exemplar) x nach der Nummer bedeutet: lieferbar, solange kleiner Vorrat reicht (2. - DM pro Exemplar) o nach der Nummer bedeutet: nicht auf Lager. Als Fotokopie lieferbar (4. - DM pro Exemplar) APPELL: Bitte schaut in euren Literatur-Lagern, ob ihr noch Exemplare von den beschränkt oder gar nicht lieferbaren Ausgaben habt wenn ja, schickt sie uns zurück (wird Auswahl von 25 Nummern wird kostenlos gegen Einsendung des Portos - 2,30 DM - In Briefmarken zugeschickt ! 10 20 30 4x 5x 60 70 8x 90 10+ 11 12+ 13 o 14 o 15+ 16x 17+ 18 o 19+ 20 + 21o 22+ 23x 24o o 26o 26o x x • o + 30+ Portugal - + 31 + 32 x 33 + 34 + 35 / 36 + 37 + 38 + 39+ 40+ 41 + 42 + 43+ 44 + 45 + 46 + 47 + 48 + 49+ 50 + 51 x 52 + 53/54 + 55+ 56 + 59 + 60 + 61 + 62+ 63 + 64+ 65x 66 x 67 x 68o o 69o 70o 71o o 73 x 74 x 75 x 76o 77x 78o 79 x 80o 81 x 82 x 83 x 84/85 o 86 x 87 + 88 x 89 x 90 + 91 + 92 + 93 + 94 x 95+ 96 + 97 + 98 + 99 x 100+ 101/102 + 103 + 104 + 105 + 106 + 107 + 108 + 109 + 110+ 111 + 112 (=Nikaragua-Sonder- + 113 + 114 + 115/116 + 117 + 118 + 119 x 120 + 121 + 122 + 123 + 124 + 125 + 126 + 127 + 128 + 129 + 130 + 131+ 132 + 133+ 134+