eine breite und lebhafte philosophische Debatte ausgebrochen, in der natürlich nur die Seite der dominierenden Richtung ausdrücklich wiedergegeben wird. Am 11 Mai veröffentlichte die Tageszeitung Quang Ming einen Artikel unter dem Titel „Die Praxis ist das einzige Kriterium der Wahrheit", verfaßt von ihrem Sonderkommentator. Hauptgegenstand dieses Artikels ist, daß der Marxismus - Leninismus und die Mao Tse-tung - Ideen einer Überprüfung und Bewahrheitung durch die gesellschaftliche Praxis bedürfen, denn die Theorie sei nicht unabhängig, sondern im Gegenteil abhängig von der Praxis.
Dieser philosophische Artikel wirbelte Staub auf. Kurz darauf druckten sowohl Jiefangjun Bao (Zeitung der Volksbefreiungsarmee) als auch Renmin Ribao (Volkszeitung) diesen Artikel nach. Selbst seine rasche und oberflächliche Lektüre läßt keinen Zweifel: Implizit wird in dem Artikel durch seinen Ton die bis dahin absolute Autorität der Mao Tse-tung - Ideen und die Gültigkeit von durch einen angeblich unfehlbaren „höchsten Führer" gefällten wichtigen politischen Entscheidungen infrage gestellt.
Drei Wochen später brachte Teng Hsiao-ping anläßlich der Rede, die er vor der 'Konferenz zur politischen Arbeit der gesamten Armee' am 2. Juni hielt, seine vollständige Unterstützung für den Artikel der Quang Ming zum Ausdruck. Seit diesem Zeitpunkt wurde eine gewisse Zahl von Artikeln zum gleichen Thema in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht.
IM I EN 1 Aber diese Debatte blieb nicht auf endet, zeigt sie doch schlagend, daß die mit dem Vorwand, es seien Verbrechen die Philosophen und Theoretiker be- bis dahin unantastbare Staatsideologie Lin Piaos oder der "Viererbande', oder schränkt. Im Juli wurde sie zu einem nicht langer als „absolute Wahrheit' an- aber sie müßten der objektiven Lage angepolitischen Problem, das sich der Büro- gesehen werden darf, wie dies Lin Piao glichen werden. kratie der Provinzebene stellte. Der erste und die "Viererbande' vertraten.
Sekretär des Provinzkomitees von Kan Dies findet sich wieder in dem Arti- Su übernahm als erster die in diesem Ar- Die Erklärungen gegen den Perso- kel „Ein grundlegendes Prinzip des Martikel vertretenen Gedanken, gefolgt von nenkult um Mao, eine weitere kriminelle xismus". ", veröffentlicht in Jiefangjun Bao, den ersten Sekretären der Provinzkomi- Erfindung Lin Piaos und der "Viererban- in dem angekündigt wird, daß das Banlees von Hei - Lung- Kiang, der Region de, bilden den explosivsten Punkt der ner der Mao Tse-tung - Ideen unser Hsin-Kiang, der Provinz Ki-Lin, der Auseinandersetzung. Im September be- Banner für die Einheit im Kampfe war Provinz Liao Ning, der Provinz Tsche gann die offizielle chinesische Presse, und weiter sein wird" (Peking Rundschau Kiang, der Provinz Kuang-Hsi, der Pro- dieses ausgesprochen politische Problem vom 21 Juli 78, S. 13). Gab es Irrtümer in vinz Ho-Pei, der Provinz Tsching Hai. anzusprechen. der Vergangenheit, so nur, weil „Lin Piao der Inneren Mongolei und dem zweiten und die 'Viererbande' die Mao Tse--tuns
Sekretär des Provinzkomitees der Par- Trotzdem schreitet diese Kampagne - Ideen willkürlich verfälschten und das bisher eher langsam voran, wenn auch am Banner des Vorsitzenden Mao hißten, um von Diskussionen und Konferenzen sowie 6. Oktober sämtliche Tageszeitungen Pe- ihre eigenen Stümpereien zu verbreiten". die Veröffentlichung von Artikeln sind kings einen Ausschnitt aus einem Bericht die hauptsächlichen Aktionsformen der Tschou En-lais vom Mai 1949 wieder ab- Zweitens setzt sich die gegenwär- Bürokraten auf der Provinzebene. druckten, in der er die Tatsache betont, tige „Diskussion" eine weitere Grenze, daß (man niemals) Mao Tse-tung als nämlich die, zu versichern, daß die Um auf den Inhalt der Debatte zu- einen isolierten Gott betrachten (dürfe)", heutige Linie der Führung richtig ist rückzukommen: Grundlage der Diskus- „Mao früher abergläubisch und rückstän- und jede gegen sie möglicherweise vorgesion ist die Bestätigung des materialisti- dig war", und daß Maos Theorie der brachte Kritik die Überreste der angeblich schen Konzepts vom Verhältnis zwischen „„Einkreisung der Städte durch das Land" linken Ideologie Lin Piaos und der „Vie- Theorie und Praxis (sowie der objektiven keine eigenständige Entwicklung sei, son- rerbande widerspiegelt. Realität), das besagt, daß die erste der dern vielmehr ein Ergebnis, das von Yun zweiten abgeleitet ist, ihre Wiederspiege- Dai-ying, einem anderen kommunisti- Die führenden Bürokraten bringen vo allung auf abstrakter Ebene bildet; daß die schen Veteranen, inspiriert worden sei. len für die heutige konterrevolutionäre Theorie zwar aufgrund ihrer inneren Lo- Außenpolitik Verständnis, die deutlich gik einen gewissen Grad der Autonomie In der Tat eröffnet die gegenwärtige die Theorie vom Sozialismus in einem erreicht, aber ihre Richtigkeit nur durch philosophische Debatte einen Prozeß der Lande reflektiert. In seinem oben zitierihre Anwendung, das heißt durch die „Entmaoisierung". Alles deutet darauf ten Artikel führt der Autor aus, daß die Praxis in der materiellen Realität, bewie- hin, daß dies ihr Ziel ist. Wichtige Merk- Theorie Revisionen unterzogen werden sen werden kann. male der Entmaoisierung" sind bereits müsse, weil das, was in der Vergangenjetzt zutage getreten. heit richtig war, aufgrund der veränder- Aus dieser Position folgt, daß die ten Bedingungen nicht mehr richtig noch Mao Tse-tung - Ideen einer Überprüfung Zunächst bleiben die Kernaussagen nützlich sein könne, und gibt als Beispiel durch die Praxis unterworfen werden der Mao Tse-tung , - Ideen von der kriti- die These Lenins über den endgültigen müssen. Obwohl die Debatte nicht in offe- schen Prüfung verschont. Nur die Aus- Sieg des Sozialismus. Nach dieser These ner Kritik der Mao Tse-tung - Ideen wüchse des Maoismus werden untersucht kann die sozialistische Revolution zwar in = ICHSET.
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BI I einem Lande siegen, der endgültige Sieg des Sozialismus aber kann nicht anders errungen werden, als durch die gemeinsamen Anstrengungen der Arbeiterklasse der Mehrzahl der Länder. In dem Artikel wird angedeutet, daß diese Theorie auf die gegenwärtige Situation Chinas nicht mehr anwendbar sei.
Schließlich erinnert die Form, die die Debatte annimmt, an die durch die Viererbande" ausgelösten politischen Kampagnen. Dies, weil die Frage der „Entmaoisierung" noch keine Lösung gefunden hat, mit der die gesamte Führungsspitze einverstanden sein könnte, aber unter den Gesichtspunkten, daß die Außenpolitik Chinas nach den alten Kriterien zunehmend konterrevolutionär und seine Innenpolitik immer „revisionistischer" wird, ein brennendes Problem darstellt. Sonst hätte das Politbüro oder das Zentralkomitee selbst die Kampagne angefacht. Und Hua Kuo-feng ist offensichtlich einer der bedeutenden Führer, die sich dem gegenwürtigen Kurs widersetzen. Das dramatischste Anzeichen der „Entmaoisierung" ist die mögliche teilweise Rehabilitierung der Zielscheibe Nummer Eins der Kulturrevolution, Liu Shiao-chi. Man vermutet, daß er noch lebt, obwohl es dafür keine Beweise gibt.
Luo Bing, ein anderer Autor des Cheng Ming, der kürzlich Peking besucht hat, berichtet, daß nach dem, was er sah, der Pekinger Durchschnittsbewohner keineswegs dazu neigt, den gestürzten Präsidenten abzulehnen. Ein Freund Luos, der eine wichtige Persönlichkeit sein muß, sonst spräche er inmitten des angespannten Fraktionskampfes nicht so offen, sagte ihm, daß der Grund, aus dem man Liu Shiao-chi nicht mehr als Verräter, Renegaten und Streikbrecher behandle, der sei, daß diese Bezeichnungen nicht angebracht seien.
Die anonyme Persönlichkeit benannte nur einen Fehler Liu Chiao-chis, ohne sich auf die lange Liste ihm vorgeworfenen „Verbrechen" zu beziehen. Dieser einzige Fehler sei seine falsche Haltung während der Kampagne zur sozialistischen Erziehung in den ländlichen Gebieten anfang der 60er Jahre gewesen. bao (Volkszeitung) und Jiefangjun Bao (Zeitung der Volksbefreiungsarmee) jene, „die nicht verhüllen" , während einzig Hongai (Die Rote Fahne) die andere Seite vertritt.
Was die zweitrangigen Publikationen betrifft, von Zhezue Yangjiu (Philosophische Studien) über Jingji Yangjiu (ökonomische Studien) bis zu Renmin Wenzue (Literatur des Volkes), so erheben sie nahezu alle ihre Stimmen für jene, „die nicht verhüllen". *. Das Gleiche gilt für die drei maoistischen Monatsschriften, die in Hongkong erscheinen: Seventies, Cheng Ming und Dong Xiang.
In der Tat veröffentliche Qi Xin, der oben zitierte Autor, beginnend mit der Septembernummer der Monatsschrift Seventies eine Artikelserie unter dem Titel „Eine Überprüfung des ultralinken' Denkens in der KPCh", *, in der er seine direkten Angriffe gegen das Abenteurertum" der Volkskommunen des großen Sprungs nach vorn (der Periode von 1956/1957 und der damals von Mao-Tse-Tung persönlich geleiteten Politik) weit über vergleichbare chinesische Artikel hinausführt.
"DIE, WELCHE DECKEN, GEGEN DIE, WELCHE NICHT DECKEN' In seinem Artikel „Der neue Machtkampf in der KP Chinas", veröffentlicht in der Oktoberausgabe der Monatsschrift ‚Seventies', einer maoistischen Zeitschrift aus Hong Kong, gibt Qui Xin zu, daß die Fraktionskämpfe innerhalb der KP Chinas seit zwei Jahren toben. Das bedeutet, daß der Sturz der „Viererbande" noch nicht das Ende der Fraktionen im Innern der Partei mit sich brachte.
Nach seiner Analyse, in der die Ideen der Fraktion Teng Hsiao-pings durchscheinen, spielt sich der Machtkampf in der KPCh zwischen denen, „die decken'