DIE REVOLUTION SCHREITET VORAN von JAVAD SADEEG und AZAR TABARI Javad Sadeeg und Azar Tabari sind führende Mitglieder der Sattar League (der sympathisierenden Organisation der Vierten Internationale im Iran) bzw. der Organisation iranischer Unterstützer der Vierten Internationale im Nahen Osten und in Europa. Gegenwärtig befinden sich die beiden Gruppierungen in einem Vereinigungspro- Nicht länger gewillt, die elenden und Die Bourgeoisie ist aufgescheucht emiedrigenden Lebensbedingungen im und organisiert eine massive Kapitalflucht Kapitalismus hinzunehmen, die ihnen von - inzwischen wird bereits von 50 Millionen dem despotischen Schah-Regime aufer- Dollar pro Tag gesprochen - in Vorweglegt werden, haben die unterdrückten nahme ihrer schlimmsten Befürchtungen. Massen im Iran den revolutionären Weg Die meisten Angehörigen des kaiserlichen eingeschlagen. Hofes haben das Land verlassen und verstecken sich in anderen Ländern, etwa in Nach einem Vierteljahrhundert der Schweiz. schärfster und mörderischer Unterdrükkung sind sich die Massen ihrer zahlen- Die Monarchie ist so isoliert, daß bürmäßigen Stärke bewußt geworden und gerliche Politiker es nicht mehr wagen, haben sich mit lauten Rufen nach dem sich mit ihr identifizieren zu lassen. Sturz des Schah den Maschinengeweh- Es bleibt ihr keine andere Möglichkeit, als ren der kaiserlichen Truppen heldenhaft mehr und mehr Zuflucht zur Militärherrentgegengestellt. Die üblichen Methoden, schaft und imperialistischer Unterstüt- Demonstranten massenhaft abzuschlach- zung zu nehmen. Dies bringt ihren Sturz ten, vermochten die Bewegung nicht zu noch näher. unterdrücken, sondem haben im Gegenteil neue Schichten der Bevölkerung in Die gegenwärtige Lage ist vorrevolu. politische Bewegung gebracht. tionär mit Tendenzen zum Aufstand. Unter dem Einfluß der Massenbewegung Im vergangenen Monat hat eine mas- wird die Armee unzuverlässig; es gibt sive Streikwelle das ganze Land ergriffen. wachsende Verbrüderung mit der Bevöl- Die Arbeiterklasse führt eine wirtschaft- kerung. In offener Mißachtung des Kriegsliche Schlacht ums Überleben. In der Hit- rechts finden weiter Demonstrationen ze des Klassenkampfes nehmen diese statt. Die Soldaten haben oft weggesehen; Streiks immer stärker einen politischen manchmal haben sie Solidarität mit der Charakter an. Zu den Forderungen der Bevölkerung gezeigt. In einigen Städten streikenden Arbeiter gehören auch die - vor allem ist dabei das nordöstlich von nach Freiheit für alle politischen Gefan- Teheran gelegene Amol zu nennen - hagenen und nach einem Ende der Militär- ben die Massen zeitweilig die Kontrolle herrschaft. Das Proletariat beginnt, die über die Stadtverwaltung übernommen. demokratischen Sehnsüchte aller Unter- Je länger der Schah an seinem berstenden drückten zu verfechten und sich auf eine Thron klebt, umso tiefer wird die Betei- Lösung der Krise hinzubewegen, die der ligung der Arbeiterklasse am revolutionäiranischen Gesellschaft durch die kapita- ren Aufschwung und umso schwerer wird listische Herrschaft des Schah auferlegt die Krise der herrschenden Klasse. wird.
Zum ersten Mal in einem Vierteljahrhundert - seit dem vom CIA organisierten Putsch, der den Schah wieder an die Macht brachte und die Niederlage der zweiten iranischen Revolution anzeigte ist eine solche Lage im Land entstanden. Dies ist auch das erste Mal seit 1946 als die autonomen Regierungen von Aserbeidschan und Kurdistan infolge stalinistischen Verrats zusammenbrachen - daß in den unterdrückten Nationalitäten im Iran eine tiefgreifende revolutionäre Stimmung entsteht. Das gilt insbesondere für die Aserbeidschanis, die Belutschis und die Kurden. Andere Verbündete des Proletariats - die Massen der Bauern, das Kleinbürgertum, die Frauen, die Jugendlichen und die Soldaten - sind in unterschiedlichem Maße ebenfalls in die Bewegung einbezogen.
Die Konvergenz der verschiedenen Bestandteile der Revolution im Iran verleiht ihr eine mächtige Dynamik, von der die gesamte Region berührt wird. Die Entwicklung der Revolution im Iran wird einen großen Einfluß auf die arabische Revolution, die afghanische Revolution, die Revolution auf dem indischen Subkontinent und die politische Revolution in der UdSSR haben. Sie wird dem Imperialismus im gesamten Nahen Osten einen vernichtenden Schlag versetzen und den sozialistischen Umsturz auf die Tagesordnung setzen.
Die gegenwärtige, entscheidende Kraftprobe zwischen dem Schah-Regime
und den Massen ist der Höhepunkt einer Reihe massiver Kämpfe, die dieses Jahr stattgefunden haben.
Bis zu diesem Jahr bestand die Bewegung gegen den Schah zum Großteil aus Studenten und Intellektuellen. Dies wurde deutlich Anfang 1977 in der Wiederbelebung der Schriftstellervereinigung, die an erster Stelle ein Ende der Zensur forderte.
Die Schriftstellervereinigung begann zu wachsen und fand viele neue Anhänger. Sie veranstaltete Dicherlesungen, die in verblümter Form die diktatorische Herrschaft des Schah angriffen und Tausende von Zuhörer anzogen. Als die Regierung versuchte, die Schriftsteller zu drangsalieren, wurden sie von den Studenten verteidigt. Das wachsende Tempo der Aktivitäten der Studenten und Intellektuellen spiegelte die Verschärfung des Klassenkampfes insgesamt wieder. Dann kam das Massaker von Kum vom 9.Januar 1978, wo eine gewaltige Demonstration im Blut erstickt wurde. Die islamischen Religionsführer riefen daraufhin zu einem nationalen Gedenktag, am traditionellen vierzigsten Trauertag für die Märtyrer, auf.
selbst. Sie zeigte, daß die Soldaten - 700 000 an der Zahl, ausgestattet mit modersten Waffen und hauptsächlich junge Wehrpflichtige - keinerlei grundlegendes Interesse daran haben, das Schah-Regime zu verteidigen. Diese Tatsache, die auch von Kommentatoren der imperialistischen Presse bemerkt wurde, griffen die Massen auf und suchten bei den Demonstrationen vom 4. und 7 September bewußt eine Verbrüderung mit den Truppen. Die Nachricht von dem Februar- Aufstand in Täbris verbreitete sich schnell und spornte die Unterdrückten im ganzen Lande an. Wahre Demonstrationswellen brachen in nahezu allen Städten und eini- DER AUFSTAND IN TÄBRIS
An diesem Tag, dem 18.Februar, versuchte die Polizei in Täbris, Menschenansammlungen zu verhindem. Im Verlauf einer Auseinandersetzung wurde ein Jugendlicher vor den Augen der Bevölkerung einfach erschossen. Der Leichnam des ermordeten Jugendlichen wurde durch die Straßen getragen, was zu einem gewaltigen Ausbruch von Wut in der Bevölkerung führte. Die wütenden Massen übernahmen die Kontrolle der Straßen. Mehrere Stunden lang behielten die Massen die Kontrolle. Der Ruf Tod dem Schah' erklang zum ersten Mal aus dem Munde der erzürnten Massen, die sich aus Arbeitern, den Jugendlichen, Frauen und Bauern aus den Randbezirken der Stadt zusammensetzten. Im Verlauf des Aufstandes in Täbris wurden nur die Einrichtungen und Läden angegriffen, die als Schah-freundlich bekannt waren. Keine Ausbildungsstätte kam zu Schaden, aber keine einzige Zweigstelle der Rastakhiz- Partei des Schah blieb stehen. Die Garnison von Täbris weigerte sich, einen Angriff auf die Demonstranten durchzuführen und zwang die Regiedus Landes aufmarschierend zen lasien. Luftlandetruppen schossen mit Maschinengewehren aus Bell-Hubschraubern in die protestierende Menge. Vierhundert SAVAK-Agenten wurden eilig aus der Hauptstadt entsandt. Alle Reisenden nach und von Tabris mußten ihre Ausweise vorzeigen. Oppositionelle schätzen, daß mindestens 500 Menschen von den Truppen des Schah ermordet wurden, während die Teheraner Tageszeitung Kayhan von mindestens 645 Festnahmen spricht. Die Aktion in Täbris zeigte die Unzuverlässigkeit der Hauptstütze der imperialistischen Herrschaft - der Armee gen Dörfern aus, während gleichzeitig die Forderungen der Demonstrierenden einen immer politischeren Charakter annahmen. Diese sich geographisch ausbreitende Massenaktionen brachen alle 40 Tage erneut los. Im Mai übernahm der Schah persönlich das Kommando seiner Truppen in Teheran, wo Demonstranten mit dem Ruf 'Nieder mit dem Schah!' durch die Straßen zogen.
Nach den Denonstrationen im Mai enthielten sich die religiösen Führer im Iran weiterer Aufrufe zu Aktionen und versuchten, die Bewegung davon abzuhalten, auf die Straße zu gehen. Doch es kam zu einer neuen Serie von Aktionen, auch ohne daß sie dazu aufgerufen hätten. Am 8.Juni nahmen in der kurdischen Stadt Mahabad 10 000 Menschen an dem Begräbnis von Aziz Jusefi teil, einem kurdischen Nationalisten, der die letzten 25 Jahre seines Lebens in den Gefängnissen des Schah verbracht hatte. Die Demonstranten riefen 'Freies Kurdistan' und 'Kurdistan oder Tod!' und hörten kämpferische Reden in kurdischer Sprache. Sie führten auch das Bild Mohammed Ghazis mit sich, des Führers und Märtyrers der autonomen Republik Mahabad von 1946. In den letzten Wochen des Juli fanden in mindestens 20 Städten Demonstrationen gegen die Regierung statt. Und am 10. August brachen erneut Protestaktionen aus, die das ganze Land erfaßten. In der Industriestadt Isfahan, wo die größte dieser Protestaktionen stattfand, wurden zum ersten Mal Barrikaden errichtet. Die Regierung verhängte das Kriegsrecht über die Stadt. Es ist sehr interessant, daß der Militärgouverneur von Isfahan feststellte, die Führung der Demonstrationen gehe von den religiösen Führern auf militante Jugendliche über - Schüler und Studenten. Neben anderen gehörte auch Schiras zu den größeren Städten, denen von den Behörden die Verhängung des Kriegsrechts angedroht wurde.
DER BRAND DES KINOS VON ABADAN Nach der Erklärung des Kriegsrechts in Isfahan und der Aktion in Schiras ereignete sich der Kinobrand in Abadan. Diese Brandstifung am 19.August, bei der nach Schätzungen 600 Menschen in einem Kino eines Arbeiterviertels verbrannten, löste eine neue Welle massenhafter Empörung gegen das Regime aus. Der Schah versuchte, diesen Vorfall zu benutzen, um eine Athmosphäre der Hexenjagd zu schaffen, in der er zuschlagen konnte, um die Massenbewegung zu ersticken. Dieser Plan schlug aber fehl und kehrte sich in sein Gegenteil . In Abadan selbst trat bei den Trauerfeiern für die Opfer am 26.August der weitverbreitete Haß gegen den Schah zutage. Dies breitete sich sofort auf Kum aus, wo nach der Zeitung Kayhan 'die größten Demonstrationen seit je' stattfanden. In vielen weiteren Städten im ganzen Iran fanden Demonstrationen statt, in denen der Schah für die Brandstiftung verantwortlich gemacht wurde. Für das Schah-Regime waren das laute und eindeutige Zeichen. Eine wachsende Wut der Massen konnte im Verein mit der Unfähigkeit der Armee und der Poliuei, die Massen zu unterdrücken, zum Verlust des Thrones führen.
Daher ordnete die Monarchie einen schnellen Rückzug an, um den rechten Augenblick für einen erneuten Angriff abzuwarten. Am 27. August trat Jamschid Amusegar als Premierminister zurück, und Schaafar Scharif-Emami, ein anderer Strohmann des Hofes, trat an seine Stelle. Als treuer Diener des Schah und wichtigstes Faustpfand des Imperialismus im Iran hatte Scharif-Emami in den vergangenen dreizehn Jahren als Senatspräsident fungiert.
Scharif-Emami bildete eine "Regierung der nationalen Versöhnung', wie er es nannte. Er erklärte, 'Frieden unter den verschiedenen Klassen der iranischen Gesellschaft bringen' zu wollen, und äußerte den Wunsch, mit den politischen und religiösen Führern der Opposition zu verhandeln. Zu den Zugeständnissen, die er gegenüber den religiösen Führem machte, gehörte der Erlaß zur Rückkehr vom *kaiserlichen Kalender' zum ursprünglichen islamischen Kalender und die Abschaffung des nur auf dem Papier stehenden Ministeriums für Frauenangelegenheiten.
Mit der Kabinettsänderung sollte die Flut der Massendemonstrationen eingedämmt werden. Doch statt abzuflauen, wurde der Aufschwung der Massen noch gewaltiger. Dutzende von Demonstrationen ereigneten sich jeden Tag in nahezu jeder Stadt. Gleichzeitig kam es zu Streiks, in denen höhere Löhne, bessere Arbeits- und Wohnbedingungen und längerer Urlaub gefordert wurde. CHRONOLOGIE 1977 JUNI
Drei der bekanntesten Führer der ehemaligen Nationalen Front fordern in einem Offenen Brief den Schah auf, auf die Diktatur zu verzichten und die verfassungsmäßigen Prinzipien strikt einzuhalten.
OKTOBER
Die Schriftstellervereinigung organisiert 10 Schriftsteller- und Dichtersoireen' gegen die Zensur der Regierung. Mehr als 10 000 Leute nehmen an jeder Veranstaltung teil.
31. DEZEMBER
Carter erklärt bei seinem Besuch in Teheran, daß der Schah 'seine Auffassung über die Menschenrechte teile. 1978 9. JANUAR
Demonstrationswelle gegen Beleidigungen des Ayatollahs Khomeini durch die Regierungspresse in der heiligen Stadt Kum. Die Truppen eröffnen das Feuer: etwa 60 Tote.
EINE MILLION MENSCHEN MARSCHIEREN IN TEHERAN Am 4. September fanden die größten Demonstrationen in der Geschichte des Iran und vielleicht des ganzen Nahen Ostens statt mit einer Beteiligung von drei bis vier Millionen Menschen. Zu den bedeutendsten Aktionen an diesem Tag kam es in Schiras (150 000), Mesched (300 000), Jesd (100 000), Kum (100 000), Ahwas (150 000) und Teheran (500 000). In Täbris schloß die Armee die Moscheen, um zu verhindern, daß sich die Demonstranten versammelten. Dennoch nahmen Zehntausende an einer Protestaktion außerhalb der Stadt und in anderen aserbeidschanischen Städten teil. Drei Tage später, am 7. September marschierten allein in Teheran mehr als eine Million Menschen und riefen Tod dem Schah!'. Im Widerhall dieser Parole im ganzen Land kam das Urteil der Massen über die Monarchie zum Ausdruck. Sowohl am 4. als auch am .September kam es zu einer breiten Verbrüderung zwischen Demonstranten und Soldaten. *Bruder Soldat, warum tötest du deinen Bruder' , riefen die Massen, während sie die Soldaten mit Blumen überschütteten. Am Freitag, dem 8. September, sollten die Massendemonstrationen fortgesetzt werden. Am Morgen dieses Tages erklärte der Schah eilig das Kriegsrecht für Teheran und elf andere Städte. In Teheran wurden die jugendlichen Demonstranten von gerade erst eingerückten Truppen der Kaiserlichen Garde mit Maschinengewehren beschossen. Weitere Tausende wurden den heldenhaften Märtyrem der Revolution hinzugefügt. Doch das Massaker vom 8. September vermochte die Wucht der Massenbewegung nicht aufzuhalten. Weiterhin fanden Demonstrationen statt, vor allem in Städten, die nicht unter Kriegsrecht standen. Überdies gewann die Streikwelle, die im 18. FEBRUAR in Tabei sach Kem Dstandscharakter an. Über 100 Tote.
13. MÄRZ
Beginn der Mobiliserungen der Gefangenen des Qasr-Gefängnisses: Hungerstreiks, Petitionen, Bildung von Komitees zur Verteidigung der politischen Gefangenen.
APRIL
Beginn des langen Kampfes gegen die Schließung der Aryamehr-Universität von Teheran, dem langjährigen Herd des anti-diktatorischen Kampfes. 2. APRIL tionen in S5 Städten. Zahlreiche Tote, 40 Tage nach Tabris: Gedenkdemonstravor allem in Jesd.
August es Kriesrechts an Stoßkraft :, nach der Erklä Am 23. September traten in der lebenswichtigen Erdölindustrie im Süden des Landes 35 000 Arbeiter mit der Forderung nach Lohnerhöhungen in den Streik. Bald darauf war das ganze Land von Streiks durchzogen, die Regierungsangestellten eingeschlossen - und alle Streiks waren illegal! Bis zum 10. Oktober erfaßte die Streikwelle 30 000 Stahlarbeiter in den Vorstädten von Isfahan, Eisenbahner, Arbeiter der Kupferbergwerke, Verwaltungsbeamte, Lehrer, Bankangestellte und 7 000 Landarbeiter in der Südprovinz Chusistan.
Die Forderungen der Streikenden trugen hauptsächlich ökonomischen Charakter, aber inzwischen werden auch politische Forderungen erhoben wie etwa nach einem Ende des Kriegsrechts und nach Freiheit für alle politischen Gefangenen. Die Arbeiter kämpfen ebenfalls darum, eigene unabhängige Gewerkschaften zu organisieren.
Die vom Regime versprochenen Lohnerhöhungen von 50 % und mehr waren den Arbeitern zuweilen nicht genug, zum Teil wegen der Furcht vor der galoppierenden Inflation, aber auch deshalb, weil die ganze Streikwelle in einer politisch mobilisierten Bevölkerung stattfindet, wo Lösungen anvisiert werden, die über den Bereich wirtschaftlicher Forderungen hinausgehen.
milie entfällt auf die Miete. Eine bescheidene Zweizimmer-Wohnung in Teheran kostet etwa 1 000 Dollar im Monat. Allgemein sind die Preise in den iranischen Städten auf gleichem Niveau wie im Westen.
Als die Inflation weiter zunahm, ergriff das Regime Maßnahmen zur Dämpfung der Wirtschaft. Vorgeblich sollte damit die Inflation eingeschränkt werden, was aber nicht eintrat. Tatsächlich führten die Maßnahmen zu Mittelkürzungen und Arbeitslosigkeit. Der Minister für wirtschaftliche Angelegenheiten und Finanzen erklärte vor einiger Zeit: "Alle Projekte, die ohne volkswirtschaftlichen Schaden aufgegeben werden konnten, sind aufgegeben worden.' Der Londoner 'Economist' berichtete am 16. September: Ungeachtet der gewaltigen Entwicklungspläne des Schah ist das Wirt- WIRTSCHAFTLICHES CHAOS TROTZ ÖL-MILLIARDEN Die Wirtschaftskrise des Imperialismus holt den Iran ein. Die weltweite Offensive gegen die arbeitenden Menschen trifft die Massen, wobei die am meisten unterdrückten Schichten die Hauptlast tragen. Die Explosivität der gegenwärtigen Lage und die Schärfe der Widersprüche gehen auf den besonderen Umstand wachsender Erdöleinnahmen zurück, die es dem Regime ermöglicht hatten, die Krise einige Zeit fernzuhalten.
Die Inflation hat nun die höchste Marke seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Nach manchen Berichten beträgt sie 50 %, und sie wächst schnell. Die Mieten sind in einem Jahr um fast 75 % emporgeschnellt. Etwa 60 % bis 70 % der Arbeiterlöhne müssen für Mieten aufgebracht werden. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die erste massenhafte Konfrontation mit der Regierung, die Mitte 1977 in den Außenbezirken um Südteheran stattfand, um die Wohnungsfrage entstand.
Die Regierung schaffte Bulldozer heran, die die über Nacht illegal' errichteten Hütten abreißen sollten. Die wütenden Menschen leisteten dagegen Widerstand. Die Polizei eröffnete das Feuer, und einige Personen wurden getötet, doch der massenhafte Widerstand zwang das Regime schließlich zur Aufgabe. Seither haben sich ähnliche Szenen mehrmals ereignet.
Auch das Kleinbürgertum wird vom Wohnungsproblem bedränt. Etwa 50 % des Einkommens einer Kleinbürger-Faschaftswachstum praktisch zum Stillstand gekommen."
Die Stagflation hat vor allem die Bauindustrie erfaßt, in der ein großer Teil der Arbeiterschaft aus armen Bauern besteht, die wegen der Krise der Landwirtschaft vom Land vertrieben wurden. Das Regime hat noch keine Zahlen zur Arbeitslosigkeit veröffentlicht, doch hat der "Tehran Economist' vor einigen Monaten ein Beispiel für die versteckte Arbeitslosigkeit in Teheran gebracht: "Zur Zeit gibt es 700 000 gesunde, aber arbeitslose Leute, die sich damit beschäftigen, Lotterielose zu verkaufen, auf Autos aufzupassen oder zu hausieren..' Für diejenigen, die einen Arbeitsplatz haben, sieht die Lage nicht besser aus. Offiziell beträgt der Mindestlohn 3 Dollar pro Tag, doch verdienen viele ungelernte Arbeiter noch weniger. Für qualifiziertere Arbeiter ist die Lage gar nicht viel besser. Die streikenden Arbeiter des Auto-Montagewerks von Täbris - einer der gößten solcher Industrieanlagen im Land - teilten Anfang September mit, daß sie weniger als 200 Dollar im Monat erhalten. Und 2 000 streikende Arbeiter von Ray Textiles schrieben in einem Offenen Brief an die Regierung vom 21. Oktober, ihre Löhne betrügen weniger als 7,5 Dollar pro Tag.
Einen weiteren Eckpfeiler der Offensive gegen die Arbeiterklasse stellt die einschneidende Steuererhöhung dar. Es wird erwartet, daß die Steuer in diesem Jahr um 146 % ansteigen und damit 22 % der gesamten Staatseinnahmen ausmachen. Mehr als die Hälfte dieser Summe stammt aus indirekter Besteuerung, wovon die in Armut lebenden Massen einen größeren Anteil zahlen.
Auch der Großteil der Last der di- Um den Fall der Profitrate zu stoprekten Steuer fällt auf die Schultern der pen, hat die Kapitalistenklasse in Zusam- Arbeitenden. Den Reichen gelingt es über menarbeit mit dem Regime eine Kampag- Bestechungen, der Besteuerung zu ent- ne zur Verschärfung der Arbeitshetze begehen. Das Regime gibt diese Ungerech- gonnen. Arbeiter berichten auch von ertigkeit offen zu. Nach der eigenen Stati- zwungener unbezahlter Arbeit, die sich stik der Regierung hat nur ein Viertel der die Bosse als eine Form der Maßregelung kapitalistischen Unternehmen jemals nutzbar machen. Steuern gezahlt.
DIE BAUERN WERDEN VON IHREM LAND VERTRIEBEN
Die Lage auf dem Land ist noch viel der städtischen Regionen nach dem Anschlimmer als in den Städten. In der stieg des Erdöleinkommens im Landwirtschaft herrscht Chaos. Im 1973 wurden die Bauern von den Städten Durchschnitt verdient die ländliche Be- angezogen. Sie reihten sich in die Armee völkerung ein Siebtel des Einkommens des ungelernten städtischen Proletariats der städtischen Bevölkerung. Nach der ein und zogen hin und her, von Stadt zu "Landreform' des Schah war ein Drittel der Stadt und manchmal auch zurück auts Bauern ohne Land. Von den übrigen be- Land, je nach der Lage am Arbeitsmarkt. stellen 90 % Land, dessen Ertrag unter Die Netto-Abwanderung von den Dördem Existenzminimum liegt. Optimisti- fern in die Städte betrug im Durchschnitt sche Berichte setzen das durchschnittliche 500 000 Personen. Heute wird aus ver- Jahreseinkommen einer landlosen Bauern- schiednen Landesteilen von völlig entfamilie auf 450 Dollar an und auf das völkerten Dörfer berichtet, während in Doppelte bei landbesitzenden Bauern. anderen Gegenden die Einwohnerschaft Fast die Hälfte des Ackerlandes befindet Greisen besteht. sich im Besitz nicht zu Hause lebender Großgrundbesitzer. Die Produktion von Weizen, Gerste, Rübenzucker, Käse, Butter und Fleisch ist Der Staat ist an die Stelle der Herr- zurückgegangen. Das einstige Selbstversorschaft der Großgrundbesitzer in den gerland Iran muß heute 60 % seiner Nah- Dörfern getreten. Die städtischen Ban- rungsmittel einführen. Im vergangenen ken und Händler haben die Großgrund- Jahr hat die landwirtschaftliche Einfuhr besitzer als Gläubiger ersetzt. Auf der um 22 % zugenommen, die Einfuhr von anderen Seite sind die von der Regierung Weizen und Mehl nahm aber um 97% zu, betriebenen Genossenschaften unterfinan- die von Fleisch und Vieh um 77% ziert. Alle verfügbaren Finanzhilfen für Zwischen 10 % und 20 % aller Erdöleindie Landwirtschaft - nur 13 % des Bud- nahmen werden für die Einfuhr von Nahgets des 5. Entwicklungsplans - gingen rungsmitteln aufgewandt. an die großen, mechanisierten landwirt- machen die jährlichen Nahrungsmittelschaftlichen Unternehmen und die rei- subventionen der Regierung 2 Milliarden chen Bauern oder im Austausch gegen Dollar aus. Die Importe haben das Aus- Bestechungsgelder an in der Stadt woh- maß der Lebensmittelknappheit gemilnende Großgrundbesitzer. dert, und die Subventionen haben den astronomischen Preisanstieg bei Grund.
Die großen landwirtschaftlichen Un- nahrungsmitteln eingedämmt. Nichtsdeternehmen kamen durch Zwangsaussied- stoweniger liegt die Landwirtschaft in lung der Bauern von ihrem Land und aus Trümmern. ihren Dörfern zustande. Diese Betriebe wurden mit der Herstellung von Export- Der massenhafte proletarische Kampf gütern wie etwa Baumwolle betraut. Was gegen die wirtschaftliche Vernichtung finsie an Nahrungsmitteln für den inländi- det innerhalb einer breiteren Bewegung schen Verbrauch erbringen, ist unbedeu- der Unterdrückten statt. Die Verbündeten tend. Da die Bauern keine Hilfe vom des Proletariats - die Bauern, die unter- Staat erhalten, sind sie gezwungen, sich drückten Nationalitäten, die Frauen, die an Wucherer zu wenden, die Zinsen in Jugendlichen, die Handwerker und klei- Höhe von 100 % verlangen. Die Verar- nen Geschäftsleute und die Soldaten mung der Bauernschaft ist ein allgemei- sind in größerem oder kleinerem Maße ner Grundzug in den iranischen Dörfern in diese Bewegung einbezogen. geworden.
Im Verlauf des Aufschwungs der Be- Wegen der Stagnation der Landwirt- wegung in diesem Jahr haben diese Verschaft und dem augenscheinlichen Boom bündeten begonnen, mit eigenen Kontin- 7. MAI
Gedenkdemonstrationen breiten sich von den Universitäten in die Städte aus.
Am 11.Mai kommt es in Teheran zu den ersten Demonstrationen gegen die Regierung im Stadtzentrum. Die Armee besetzt mit Panzern den Bazar.
7. JUNI
SAVAK-Chef Nasiri abgesetzt.
8. JUNI
In Mahabad (Hauptstadt der ehemaligen unabhängigen Kurdenrepublik) demonstrieren 10 000 Personen beim Begräbnis von Asis Jusefi, einem Mitglied des Politbüros der Demokratischen Partei Kurdistans, der 25 Jahre im Gefängnis verbrachte.
22. - 24. JUNI
Trauertage, die vor allem in der Provinz (Schiras, Kermanschah und Mesched)
zahlreiche Opfer kosten.
11. JULI
Pressekonferenz in Teheran vor ausländischen Journalisten, auf der Zeugnisse über die Folterungen in den Gefängnissen abgelegt werden.
22. JULI
Aufstände beim Begräbnis eines religiösen Führers in Mesched. Die Polizei tötet 40 Leute. Darauf sieben Tage später Demonstrationen in zahlreichen anderen Städten.
S. AUGUST
Der Schah verspricht im Fernsehen freie Wahlen für Juni 1979.
11. AUGUST
Barrikaden in Isfahan.
12. AUGUST
Das Kriegsrecht wird in Isfahan und anderen zwei Städten ausgerufen.
19. AUGUST 600 Tote bei einem Kinobrand in Abadan - dem 'Reichstagsbrand' des Schah. Danach zahlreiche Demonstrationen gegen den Schah, insbesondere am 26. AUGUST dem siebten Tag des Brandanschlags:
Wütende Demonstrationen in Abadan unter den Rufen Tod dem Schah.
genten aufzutreten. Insofern die Verbündeten der Arbeiterklasse teilweise mit dem Proletariat und den armen Bauern zusammenfallen und ihren massiven Kern bilden, stellen sie diejenigen dar, die wirtschaftlich am stärksten getroffen wurden. Und im gegenwärtigen Kampf nehmen sie weitgehend die Rolle der gesellschaftlichen Avantgarde der Bewegung wahr. Sie stellen die kämpferischsten Teile. Daher war es kein Zufall, daß der qualitative Aufschwung der Massenbewegung mit der Explosion von Täbris, im Herzen der unterdrückten aserbeidschanischen Nationalität, seinen Anfang genommen hat. In der folgenden Welle von Demonstrationen vor dem Massaker vom 8. September spielten die entwurzelten Bauern, die als ungelernte Arbeiter zum städtischen Proletariat gestoßen waren, eine zentrale Rolle.
Auf der Grundlage der Kämpfe dieser unterdrückten Schichten ist eine mächtige Streikwelle des Industrieproletariats und anderer Arbeiter entstanden, einschließlich der Streiks der Lehrer und Verwaltungsbeamten.
Zum ersten Mal wurde ein gewisses Bindeglied zwischen dem Proletariat der Städte und den Bauern geschaffen - durch die aktive Teilnahme der entwurzelten Bauernschaft an den Kämpfen in den Städten.
Unter dem Einfluß der Arbeiterkäm- Zwölfjährigen, der in der nahegelegenen Stadt Sanschan bei einer Demonstration gegen den Schah ermordet worden war. Ihm zu Ehren benannten die Bauer ihr Dorf nach ihm um. 600 Personen aus Sanschan nahmen an der Gedenkfeier teil, nachdem sie sich durch Straßensperren durchgezwängt hatten.
Am 20. Oktober marschierten 1 500 Bauern aus Malek Abad 15 km weit zur Stadt Arak, um gegen die Einkerkerung von 13 Leuten aus ihrem Dorf zu protestieren. Sie wurden von Gendarmen aufgehalten. Die Bauem erzählten Reportern, daß die dreizehn ungerechterweise angeklagt seien, artesische Brunnen, die dem Millionär Hojabr Yazdani gehörten, in Brand gesetzt zu haben. Sie fügten hinzu, die Brunnen hätten ein Jahr zuvor ihre Qanats versiegen lassen und eine schwere Dürre verursacht.
Dies sind einige Hinweise auf die kommenden Bauernkämpfe. In diesen Kämpfen, soviel zeichnet sich bereits ab, werden die Bauern die Städte um Hilfe ersuchen. Und für das Proletariat stellen die armen Bauern die wichtigsten Klassenverbündeten dar.
Dorf, di aubindiese kampen Serges und wird, untergräbt Jahrhunderte bäuerlicher Isolierung.
Was die unterdrückten Nationalitäten anbelangt, so haben sich ihre nationalistischen Empfindungen nach dem Aufstand von Täbris im Februar verstärkt. Es gibt Berichte, daß in einigen aserbeidschanischen Schulen in offener Mißachtung des Regimes die unterdrückte aserbeidschanische türkische Sprache an Stelle des offiziellen Persisch benutzt wird. Und, wie bereits erwähnt, in Kurdistan drückt sich das nationlistische Empfinden noch offener in dem Ruf nach einem 'Freien Kurdistan' aus und deutet damit die Tiefe der kurdischen Rebellion gegen die nationale Unterdrückung an.
Auch das nationale Empfinden der Belutschis ist bedeutend stärker geworden. In ihrem Kampf gegen das Schah- Regime fordern Belutschi-Studenten ein "Freies Belutschistan". . Ihr Kampf ist verknüpft mit dem Kampf der Belutschis in dem in Auflösung begriffenen Pakistan. Diese Entwicklungen sind umso wichtiger angesichts der Tatsache, daß das iranische Regime eine durchgehende Politik brutaler Unterdrückung jeglichen Ausdrucks nationalistischer Rebellion verfolgt.
Es kann keinen Zweifel darüber geben, daß der Kampf der unterdrückten Nationalitäten um ihre Selbstbestimmung - ein wesentlicher Bestandteil der iranischen Revolution - im Verlauf der weiteren Entwicklung der Massenbewegung einen immer ausgeprägteren und massiveren Charakter annehmen wird.
DIE ROLLE DER FRAUEN IN DEN MOBILISERUNGEN pfe haben die Bauern Demonstrationen organisiert, und zu Zeiten marschierten sie sogar zu den nahegelegenen Städten. Die meisten dieser Aktionen haben in Kurdistan stattgefunden unter Beteiligung Tausender Bauern.
Die Forderungen der Bauern drehen sich um Land, Wege und Wasser. Sie protestieren auch gegen die Zerstörung des traditionellen "Oanat"-Bewässerungssystems durch die planlose Einführung artesischer Brunnen durch die Reichen. Zu den weiteren Forderungen der Bauern gehört die Abschaffung der Abzahlungen, die sie als Pachtzins entrichten müssen, um auf ihrem eigenen Land arbeiten zu dürfen, die Abschaffung der landwirt. schaftlichen Aktiengesellschaften, die ihnen von der Regierung aufgebürdet wurden, und die Rückgabe ihres Landes Eine neue Stimmung politischen Bewußtseins beginnt sich in den Bauernmassen zu entwickeln. Zum Beispiel veranstalteten die Bauern des Dorfes Halab und aus der Umgebung am 18. Oktober eine Gedenkfeier für Ismail Rostami, einem Eine hervorstechende und beispiellose Entwicklung im Verlauf der jüngsten Erhebungen stellt die aktive und massive Beteiligung von Frauen dar. In jeder größeren Stadt Irans, in der es zu Demonstrationen gegen den Schah kam, sind Zehntausende von Frauen marschiert. In eigenen Kontigenten marschierende In eigenen Kontingenten marschierende und mit ihren 'schadors' (Schleiern) bedeckte Frauen haben die Verbrüderung mit den Armee-Einheiten in Teheran angeführt, indem sie den Soldaten Blumen zuwarfen. Selbst die offizielle Regierungszeitung "Rastakhiz' berichtete von den Demonstrationen vor dem 8. September: *Deutlichste Erscheinung war die aktive und massive Beteiligung von Frauen, Schulter an Schulter mit den Männern.' In der gegenwärtigen Streikwelle wurde die Forderung nach Kinderhorten sowohl von den Bergarbeitern als auch von den streikenden Lehrer erhoben. Die Beteiligung von Frauen an den Demonstrationen hat sich fortgesetzt und auf das Land ausgeweitet. Von besonderer Bedeutung ist die Beteiligung von Schülerinnen, deren Militanz immer bekannter wird.
Eines der Probleme, vor denen das Regime heute steht, ist die große Rolle, die die Jugendlichen und ihre noch jüngeren Geschwister bei den Demonstrationen spielen. Ein Appell des Regimes an die Eltern, ihre Autorität einzusetzen, um ihre Kinder zurückzuhalten, blieb ohne jede Wirkung. Schüler der Elementarschulen machen eigene bunte Verse gegen den Schah, wobei sie sich an ihrem Schulunterricht orientieren. Ein Beispeil: "Aus wievielen Wörtern besteht ‚Tod dem Schah"?' *, singt eine Gruppe von Kindern. 'Drei Wörter - Tod/dem/ Schah", antworten ihre Klassenkameraden.
Im allgemeinen stellten die Jugendlichen die überwältigende Masse der Bewegung. Insgesamt 60 % der Bevölkerung des Landes ist unter 20 Jahre alt und
sieht unter diesem System keine Zukunft regelmadigen Abständen lis der Sc. die der Schah in für sich. Beeinflußt von der weltweiten Jugendradikalisierung und ohne Erfahrung der Niederlage der zweiten Revolu- Es wird immer deutlicher, daß getion (1953) sehen sie dem Ergebnis der waltige Kräfte über das Proletariat hi- Kämpfe optimistisch entgegen. nausreichen, die gewonnen, organisiert und im Kampf um den Sozialismus im Zu den weiteren Verbündeten des Iran mobilisiert werden können. Proletariats, die sich der Bewegung angeschlossen haben, gehören die Handwer- Die Verbündeten des Proletariats zu ker und die kleinen Geschäftsleute. Sie gewinnen ist eine Vorbedingung für den gehörten zu den ersten Opfern der In- Erfolg der kommenden revolutionären flation und dienten als Sündenböcke für Kämpfe. Die Arbeiterklasse braucht eine ihre Beschleunigung. Die kleinen Ge- Führung, die dieser Anforderung gerecht schäftleute sind die Opfer der "Anti- wird.
EINE FÜHRUNG FEHLT
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat tion der Nationalen Front auf. Sie prodie Massenbewegung im Iran keine sicht- klamierten eine neue Koalition von Grupbare oder anerkannte Führung. Die Vor- pen. Doch wie im Fall zuvor sind die bemachtstellung religiöser Persönlichkeiten herrschenden Elemente in der Nationalen in der Zeit vor dem 8. September ist kein Front eher Persönlichkeiten als Parteien. Ausdruck von Führung, sondern des Ge- Es ist auch so was wie eine verbale Oppogenteils - des Fehlens einer Führung. sition im sorgfältig ausgewählten Medschlis (Parlament) entstanden.
Trotz der Erklärungen der hohen Keine dieser Gruppen, auch nicht die Ulemas und trotz der Propaganda der im- Nationale Front, spielte oder spielt irperialistischen Presse ist der Islam oder gendeine bedeutende Rolle bei der Orgaein "islamischer Staat' nicht das Ziel der nisierung oder Führung der Bewegung Massen. Die Popularität gewisser religiö- Tatsächlich hatte die Führung der Natioser Persönlichkeiten in der Bewegung ist nalen Front die Absicht, eine Koalitionsfolgenden Faktoren zuzuschreiben: regierung unter dem Schah zu bilden mit dem Segen des US-Imperialismus.
1. Der Niederlage von 1953 und dem Doch sie • konnten Ayatollah Khomeini Verrat der Stalinisten und der bürgerli- diesen Schritt nicht näherbringen. Khochen Nationalisten. meini, ein Schiitenführer, der seit 1963 im Exil lebt, hat unnachgiebig die Ab- 2. Dem Fehlen einer politischen Par- dankung des Schah gefordert und wird tei oder politischer Führer, die die Unzu- als Symbol der Opposition gegen die friedenheit der Massen ausdrücken kön- Herrschaft des Schah angesehen. Vornen. läufig haben die Führer der Nationalen
Front sich jedenfalls dazu entschlossen, 3. Dem Exil der meisten prominen- sich Khomeini anzuschließen. ten schiitischen Führer und ihrer Opposition gegenüber dem Schah. Die Legalität Von den stalinistischen Strömunder Moscheen, was sie zu Zentren von gen ist die Tudeh-Partei am größten. Massenversammlungen und Agitation ge- Die Maoisten stecken in einer Krise und gen den Schah und sein Regime machte. sind im Iran fast nicht mehr vorhanden. Die Unterstützung der chinesischen Büro- 4.Die Tatsache, daß die Mullahs der kratie für den Schah und der jüngste Be. unteren Hierarchie wegen ihres engen such Huas im Iran haben die bereits tie- Kontakts mit der Bauernschaft und der fe Krise der iranischen maoistischen Stadtarmut dazu neigen, die Empfindun- Tendenzen noch verschärft. Die Tudehgen der Unterdrückten in ihrer eigenen Partei gibt im Lande eine kleine Zeitung religiösen Ideologie wiederzuspiegeln. heraus, die 'Navid". Aber in ihrer Grösse und ihrem Einfluß ist sie im Vergleich
S. Den traditionellen Verbindungen zu der Zeit von vor 1953 unbedeutend. zwischen der religiösen Hierarchie und Nichtsdestoweniger ist sie über dieses dem Bazar. Blatt bemüht, eine Koalition aller 'antidiktatorischen' Kräfte zustande zu brin- Zusätzlich zu der religiösen Oppo- gen; insbesondere auch mit den Armeesition tauchten einige der bürgerlichen offizieren und den Händlern des Bazar. Nationalisten aus Mossadeghs alter Koali- Die revolutionäre Jugend meidet die 27. AUGUST
Regierung Amusegar tritt zurück; ersetzt durch Scharif Emami.
29. AUGUST
Hua Kuo Feng läßt den Schah in Teheran hochleben.
29. - 31. AUGUST
Massendemonstrationen in Kum und Mesched.
4. SEPTEMBER
Drei bis vier Millionen demonstrieren in allen Städten gegen den Schah.
7. SEPTEMBER
Eine halbe Million demonstrieren in Teheran gegen das Verbot der Regierung, Versammlungen abzuhalten. Die Regierung ruft für Teheran und 1l weitere Städte das Kriegsrecht aus.
8. SEPTEMBER 'Schwarzer Freitag": Die Truppen schiessen in Teheran auf die Massen und töten Tausende.
10. SEPTEMBER
Carter sichert von Camp David aus dem Schah seine volle Unterstüzung zu.
12. SEPTEMBER 1S 000 Demonstranten in Paris gegen das Schah-Regime.
30. SEPTEMBER
Auflösung der 'Rastakhiz' der Partei des Schah.
1. OKTOBER
Generalstreik aus Protest gegen die weitere Exilierung des Ayatollah Khomeini, der aus dem Irak nach Paris übersiedeln muß.
S. OKTOBER
S Tote in Khorramschalt.
Tudeh-Partei wegen ihres früheren Verrats und ebenso wegen ihrer Unterwürfigkeit unter die Sowjet-Bürokratie, die bislang treu den Schah unterstützt hat. Auch der eigene politische Apparat des Regimes befindet sich in der Krise. Unter den mächtigen Schlägen der Massenbewegung geriet das Regime ins Wanken und verlor sein Gleichgewicht. Zur Zeit muß es erleben, wie führende Leute aus der Regierung wie etwa der frühere langjährige Ministerpräsident Howeida und der ehemalige SAVAK -Chef General Nasiri in Mißkredit gebracht werden. Ihnen wird Korruption und Unterschlagung vorgeworfen. Die 'Rastakhiz'-Partei des Schah, die zuvor die einzige legale Partei im Iran war und über einen großen Apparat und Millionen' Mitglieder verfügte, wurde offiziell aufgelöst. DIE AUFGABEN DER
Mit der weiteren Entwicklung des revolutionären Aufschwungs wird das ganze Übergangsprogramm der Vierten Internationale und seine konkrete Ausformung in bezug auf die Bedingungen im Iran anwendbar. Die Vorbereitungsarbeit der iranischen Trotzkisten auf diesem Gebiet hat bereits die politische Grundlage für DIE DROHUNG EINER IMPERIALISTISCHEN INTERVENTION Regime end seines diskredineratenen korrupten Führung steht der Weltimperialismus. Die Imperialisten haben dieses Regime als Bollwerk der Konterre. volution in dieser Region und als örtlichen Hüter ihres umfassenden Erdöl- Imperiums gestützt (die Region verfügt über 60 % bis 70 % der nachgewiesenen Erdölvorräte der Welt). Die Imperialisten haben nicht die Absicht, den Schah fallenzulassen oder - was noch wichtiger ist - zuzulassen, daß das kapitalistische System im Iran gestürzt wird. (Menschenrechts-) Präsident Carter stellte dies klar, als er den blutigen Schlächter gleich nach dem Massaker vom 8.September anrief und ihm seine Unterstützung versicherte.
Inzwischen hat das Pentagon Vorbereitungen für eine direkte Intervention im Iran begonnen ,,Verteidigungsminister Harold Brown diskutiert bereits die mögliche 'Entsendung geeigneter US-Truppen auf die Bühne (den Persischen Golf) zur Unterstützung unserer Freunde, und 100 000 amerikanische Soldaten werden für eine mögliche Intervention im Golf trainiert" ", berichtete die Los Angeles Times' am 17. August. Die 36 Milliarden Dollar teurer modernster Waffen in den Arsenalen des Schah und die Anwesenheit von 40 000 amerikanischen Beratern' im Iran verweisen darauf, um wie viel es hier geht.
Die Möglichkeiten des Imperialismus, den Schah zu unterstützen und den Kapitalismus im Iran zu retten, sind allerdings beschränkt. Der Imperialismus steckt selbst in einer Krise, und zwar auch in einer Krise der Führung. Die Massen spüren die Schwäche des Imperialismus, insbesondere im Kielwasser der amerikanischen Niederlag in Vietnam. Im Iran machte dies einen bedeutenden Faktor in der Radikalisierung und Mobilisierung der Jugendlichen aus.
nternationen Charraterhen Massen ha denn inm sten als einer seiner Hauptfeinde die imperialistische Bourgeoisie gegenüber. Es ist nun die zentrale Aufgabe, eine Führung herauszubilden, die diesen Kampf zu einem siegreichen Ende führen kann. DIE IRANISCHE ARMEE
Resa Khan, der Vater des derzeitigen Schah und der Gründer der Pahlevi-Dynastie, erstürmte 1921 die von den Qadschar gehaltene Macht mit einer Kosacken-Elitekompagnie, aus der er mithilfe der Engländer eine moderne Armee schmiedete. Im Gegensatz zur Türkei, zu Ägypten oder Algerien hat die iranische Armee nie an einem 'nationalen Kampf" teilgenommen - im Gegenteil, sie wurde seit jeher im wesentlichen zur Repression von Bauernrevolten und Massenaufständen im eigenen Land eingesetzt.
Der Schah, der sich am liebsten in Uniform porträtieren läßt, hält die Armee für sein Herzstück. Er kümmert sich auch um Einzelheiten, konferiert oft mit den Generälen. die keine wichtige Entscheidung ohne ihn treffen können, und säuberte und entpolitisierte die Offiziere so sorgfältig, daß er jede Putschgefahr ausschließen zu können glaubt. Die Privilegien des Offiziers sind unglaublich. Das wenigste nimmt er mit seinem Sold (ein Oberst in Teheran erhält monatlich 8 000 Toman, das sind erwa 3 000 DM) ein oder über seine sonstigen Vorteile: Dienstwagen, Dienerschaft, Dienstwohnung mit Telephon, "Versorgungskarten", mit denen man billig bei den Armee- Kooperativen einkaufen kann. ..Das meiste bekommt er durch die Korden Aufbau einer starken proletarischen Partei, der Sektion der Vierten Internationale im Iran, geschaffen. Die unmittelbaren Forderungen des Proletariats haben sich sehr schnell mit demokratischen und Übergangsforderungen verbunden. In einigen Fallen haben die streikenden Arbeiter wie Eigentümer gehandelt und Entscheidungen über produktionsquoten getroffen. So haber die streikenden Erdölarbeiter zum Beiruption, als Schmiergelder und durch Erpressung der Geschäftsleute. Die iranische Armee zählt etwa 400 000 Mann, davon 100 000 in der Luftwaffe, etwas mehr als 250 000 in der Infanterie und 25 000 in der Marine. Ihre Ausrüstung ist sagenhaft; die für Materialkäufe ausgegebene Summe stieg von 900 Millionen Dollar 1970 auf mehr als 10 Milliarden im letzten Jahr. Gekauft wurden in den letzten Jahren unter anderem 200 F-4, ebensoviele F-5, 80 F-14, 160 F-16 allein an Flugzeugen, sowie 850 Hubschrauber. Allein in der Luftwaffe sind 1 100 bis 1 300 amerikanische Ausbilder sowie 7 500 zivile' amerikanische Techniker tätig. Daneben sollen etwa 50 CIA-Agenten der SAVAK technische Hilfe geben...
Hinzu kommen 60 000 Mann der Gendarmerie, die die Repression auf dem Lande organisiert, und die 10 000 Mann Elitetruppen der 'Kaiserlichen Wache', also der Leibwache des Schah.
Zwei dunkle Punkte nur machen dem Schah Sorgen: Die Soldaten, die eine wachsende Tendenz zeigen, mit der Bevölkerung zu fraternisieren. Und die jungen, aus den Universitäten kommenden Offiziere, die, ob Marxisten oder Muselmanen, für die nationale Unabhängigkeit sind. (nach LE MONDE vom 19.11.1978)
druck der Lösung der verspäteten Aufgaben der Revolution rückt die Frage der IRANISCHEN TROTZKISTEN Regierungsmacht in den Vordergrund. Während die Bourgeoisie und die Kleinbourgeoisie eifrig ihre Lösungen vorspiel beschlossen, gerade soviel Öl zu pro- bringen. muß das Proletariat seine eigeduzieren, daß der inländische Bedarf ge- ne Klassenlösung vorantreiben im Interesdeckt werden kann. Solche Tendenzen se der Mehrheit. hin zur Arbeiterkontrolle werden von der Forderung nach Öffnung der Bücher be- Im Gegensatz zu den Plänen der gleitet. Bourgeoisie und der Imperialisten verficht Um einen erfolgreichen Kampf zu eine proletarische Politik die demokratiführen und ihr gesellschaftliches Gewicht schen Hoffnungen der Massen. Dies ins Spiel bringen zu können, indem ihre schließt den Ruf nach einer frei gewähl- Stärke und ihre Zahl in die Waagschale ten Konstituierenden Versammlung ein, geworfen werden, brauchen die Arbeiter um die Regierungsform zu entscheiden, eine eigene Gewerkschaft. Eine unab- die an die Stelle des Mörderregimes des hängige, demokratische und zentralisier- Schah treten soll. Der Ruf nach einer te nationale Gewerkschaft zu organisie- Konstituierenden Versammlung muß verren, ist die Aufgabe, vor der das Prole- bunden werden mit dem Sturz der Monartariat in den nächsten Wochen steht. chie, der Ausmerzung der imperialisti- Die unmittelbaren ökonomischen schen Herrschaft, der Befreiung der Bau- Forderungen des Proletariats sind bereits em, der Verwirklichung des Rechts unmit politischen Forderungen wie denen terdrückter Nationen auf Selbstbestimnach einem Ende des Kriegsrechts und mung und der Befreiung der Frauen. nach Freilassung aller politischen Gefan- Keine bürgerliche Regierung wird je gegenen verknüpft worden. Das Proletariat willt oder fähig sein, solche elementaren hat sich in Demonstrationen unter der demokratischen Aufgaben zu erfillen, massiven Forderung der Bevölkerung trotz der demagogischen Phrasen der "Tod dem Schah!' eingereiht. Dieser Aus- kommenden bürgerlichen Politiker. FÜR EINE ARBEITER- UND BAUERNREPUBLIK!
Im Gegensatz zu einem bürgerlichen Gegenwärtig stellt die Parole der Regime ruft die proletarische Politik zur Konstituierenden Versammlung die zen- Bildung einer Arbeiter- und Bauernrepu- trale Achse der revolutionären Agitation blik auf. Nur durch eine solche Herr- und Propaganda dar. Andere konkrete schaftsform werden die Massen in der und unmittelbare Forderungen wie die Lage sein. aus der jetzigen Sackgasse he- nach einem Ende der Militärherrschaft rauszufinden, in die sie der Schah und die und nach Freilassung aller politischen Ge- Imperialisten getrieben haben, und den fangenen könnten ebenfalls entlang des sozialistischen Umsturz durchzu führen. Slogans der Konstituierenden Versammlung erhoben werden. Propaganda und Das hohe Tempo der revolutionären Agitation um diesen Slogan werden es er- Entwicklungen kann zu der Schaffung möglichen, das gesamte Ubergangsprohöherer Formen von Organen des Klas- gramm für die sozialistische Revolution senkampfes führen - Aktionskomitees vorzustellen. und räteartige Organe oder "Anjomans' (Versammlungen, die bei der Konstitu- Das entscheidende fehlende Element tionellen Revolution zu Beginn dieses in der gegenwärtigen vorrevolutionären Jahrhunderts entstanden). Situation ist eine proletarische Partei nach dem Vorbild der Bolschewiki, die Tendenzen zur Selbstregierung sind die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten bereits in Städten wie Amol, Sanandasch dazu organisieren und führen kann, den und Täbris zutage getreten, wo die Be- Schah zu stürzen, die Macht zu ergreifen völkerung eine Zeitlang die Kontrolle und die Bewegung zur sozialistischen Reüber diese Städte übernommen hatte. volution weiterzuführen. Der Kampf da- In Amol und Sanandasch sind embryo- rum, einer solche Partei - die Sektion der nale Formen der Volksmiliz entstanden. Vierten Internationale im iranischen Staat Traditonen der beiden vergangenen Revo- - in der Hitze der Klassenschlachten zu lutionen im Iran können eine beispiel- schmieden, ist der Kampf, dem sich die hafte Rolle dabei spielen, revolutionäre iranischen Trotzkisten gewidmet haben. Organe der Doppelherrschaft und ihnen zugeordnete bewaffnete Organe mit Mas- 1. November 1978 senbasis aufzubauen.
16. OKTOBER 40 Tage nach dem Schwarzen Freitag: Nationaler Trauertag. Zahlreiche
Tote, danach täglich Demonstrationen und Tote im ganzen Land.
31. OKTOBER
Streik der Erdölarbeiter. Nach und nach dehnt sich der Streik auf sämtliche Sektoren der Wirtschaft aus.
4. - S. NOVEMBER
Massenaufstände in Teheran und den Provinzstädten. Die Armee verhält sich passiv.
6. NOVEMBER
Konstituierung einer Militärregierung unter dem Generalstabschef Azhari. Die
Armee schafft 'Ordnung' im ganzen Land.
Unter anderem werden die Radio- und Fernsehstudions und die Zeitungsredaktionen militärisch besetzt. Die Journalisten beginnen einenunbefristeten Generalstreik gegen die Zensur.
11.NOVEMBER
Sandschabi, der Generalsekretär der 'Nationalen Front", verhaftet.
19.NOVEMBER
Breschnew warnt in einem Prawda- Interview Carter vor jegliche intervention im Iran.
19. NOVEMBER
Demonstrationen in Schiras. Die Armee erschießt 40 Leute.
MITTE NOVEMBER
Der Streik des Bazar geht nach einer Unterbrechung am 20. November weiter, ebenso der der Wirtschaftsministerien (Plan, Handel, Arbeit und Finanzen), von Post und Telegraphendienst und der Zöllner. Auch die Krankenhäuser und die Justiz streiken. Alle anderen Behörden 'arbeiten nach Vorschrift', d.h. sie sabotieren das Regime.
25. NOVEMBER
Massendemonstration gegen das Schah-Regime in Frankfurt mit über 10 000 Teilnehmern. Mehrere Hundert
Verletzte.