Im folgenden veröffentlichen wir ein Interview mit Bala Tampoe, dem Generalsekretär der Ceylon rückgezogen. Fünf Parlamentarier und der Ministel Mercantile Union (CMU - ursprünglich eine Ange- für Industrie und Forschung, Subasinghe, sind aus stelltengewerkschaft, die in letzter Zeit aber auch der Regierungspartei (SLFP - Sri Lanka Freedom in andern Teilen der Arbeiterklasse Fuß gefaßt hat), Party) ausgetreten. Die Regierungskoalition, seit undeiner der Führerder Revolutionär-Marxistischen den Wahlen von 1970 im Amt, ist also aufgelöst. Vor Partei (RMP), der ceylonesischen Sektion der IV, dem Austritt der KP war im September 1975 schon Internationale. In diesem Inter view, das am 2. Fe- die LSSP (Lanka Sama Samaja Party - Partei der bruar 1977 aufgenommen wurde, zieht Bala Tampoe sozialen Gleichheit, ursprünglich trotzkistisch, die ersten Lehren aus der Streikwelle vom Dezem- dann zum Reformismus degeneriert) aus der Koaber 1976 und Januar 1977. Seither hat sich die Re- lition ausgeschlossen worden. Heute ist also nur gierungskrise in Sri Lanka weiter verschärft und noch die SLFP Bandaranaikes an der Regierung. Und die Lage entwickelt sich rasch vorwärts. Aus Angst es hat allen Anschein, als würde auch diese Partei die Kommunistische Partei und die Opposition wer- von heftigen inneren Krise geschüttelt. den im Parlament ein Mißtrauensvotum einbringen, hat Ministerpräsidentin Bandaranaike die nächste Am 25. Februar verkündete Bandaranaike, daß die Parlamentssitzung auf den 19. Mai verschoben, d. h. kommenden Parlamentswahlen in sechs Monaten auf drei Tage vor Ende der Legislaturperiode. Zu - stattfinden sollen. Die KP zeigt sich sehr gemäßig. gleich hat das Kabinett die Aufhebung des Ausnahme- obwohl sie jetzt in der Opposition ist: sie verteidig zustands verfügt, der am 16. März 1971 verhängt ihre frühere Mitarbeit an der Regierung im Namen worden war; auch durften zwanzig seit 1973 verbote- der Solidarität gegen die Rechten , erklärt sich ne Publikationen wieder erscheinen und am 21. Fe- bereit, "fortschrittliche" Maßnahmen der Regiebruar wurde die seit November 1976 geschlossene rung zu unterstützen und richtet Appelie an die "LIn- Universität wieder geöffnet. Es war schwer für die ke" in der SLFP. Es ist ihr zuzutrauen, daß sie Regierung, den Ausnahmezustand aufrechtzuerhal- zusammen mit den Teilen, die sich von der SLFP ten und zugleich die Parlamentssitzungen, die all- abgespalten haben, eine "Vereinigte Sozialistische monatlich über seine Verlängerung beschließen Front" bildet, die auch schon die LSSP gefordert sollten, aufzuschieben. hatte.
In den Wochen, die auf den Streik vom Dezember- Aber trotz dieser Wechseldusche von Zuckerbrot Januar folgten, hat sich die Lage also rasch entund Peitsche hat Bandaranaike eine Verschärfung wickelt und damit bestätigt, daß die Massen trotz der Regierungskrise nicht verhindern können. der Niederlage im Streik nicht geschlagen worden Die moskauorientierte ceylonesische KP hat ihren sind und daß die Regierung Banda ranaike heute po- Generalsekretär P. Keuneman aus der Regierung zu - litisch in der Defensive ist.
FRAGE : Kannst Du kurz die Ereignisse vom Dezember 1976 und Januar 1977 zusammenfassen und den Hintergrund beschreiben, vor dem der Tran sportarbeiterstreik in Sri Lanka stattfand? ANTWORT : Die Streikbewegung setzte Mitte Dezember in einer Reparaturwerkstatt der Eisenbahn ein und weitete sich rasch zu einem Generalstreik aller bedeutenden Kategorien von Arbeitern dieses Sektors aus. Vom 21. Dezember bis zum 13. Januar lag der Eisenbahntransport völlig lahm (vgl. IN- PREKORR Nr. 74).
Zunächst entbrannten die Streiks spontan. Aber aus Gründen, die mit der Struktur der Arbeiterbewegung Ceylons zusammenhängen und auf die ich noch zurückkommen werde, waren vor allem drei Parteien in die Streikbewegung verwickelt: die LSSP, die KP und die UNP (United National Party , eine bürgerliche Rechtspartei). Jede dieser Parteien reagierte anders auf die Konfrontation, die sich zwischen den Arbeitern und der Regierung abzeichnete, nachdem die Streikenden den Kompromißvorschlag der Regierung abgelehnt hatten und bei ihrer ursprünglichen Forderung nach einem Vorschuß von 500 Rupien geblieben waren. Die LSSP entschloß sich, den Kampf zu verstärken, um auf die Regierung Druck auszuüben und sie dadurch zu schwächen, daß die KP zum Austritt aus ihr gezwungen wurde. Die KP versuchte zu verhindern, daß die Bewegung sich ausbreitete, wurde aber gezwungen, im Strom mitzuschwimmen und einen geeigneteren Zeitpunkt für einen Kompromiß abzuwarten. Auch die UNP spielte ein doppeltes Spiel.
Seit längerer Zeit hatte sich Unzufriedenheit bei den Arbeitern im Öffentlichen Dienst angestaut. Viele Forderungen waren nicht erfüllt worden: die Frage der Löhne, die Forderung nach einer gleitenden Anpassung der Löhne um 2, 5Rupien für jeden Punkt, den der Index der Lebenshaltungskosten nach oben steigen würde (diese Forderung ist seit Jahren schon im privaten Sektor durchgesetzt worden, vor allem dank des Einsatzes der CMU), usw. Im Privatsektor werden ebenso wie in gewissen staatlichen Unternehmen, in denen auch die Vorteile des Privatsektors gewährt werden, alljährlich zu Jahresende gewinnbezogene Prämien ausgeteilt. Da es im Öffentlichen Dienst weder gleitende Lohnskala noch Prämien gibt, haben die Arbeiter und Angestellten hier sehr stark unter der Inflation gelitten, auch wenn sie in anderer Beziehung als relativ privilegiert gegenüber dem Rest der Arbeiterklasse gelten können: größere Arbeitsplatzsicherheit, verschiedene Vorteile wie gesicherte Renten, Transportkarten, usw. In der Zeit, als die LSSP noch an der Regierung war, hofften die Arbeiter vor allem darauf, daß ihre Forderungen durch die Eigentätigkeit der LSSP und der KP erfüllt würden. Aber diese Hoffnung wurde nicht Wirklichkeit; es gab nur gelegentlich und willkürlich Lohnerhöhungen. Die Bewegung, die im Dezember 1976 ausbrach, ist also das Ergebnis ion sechs oder sieben Jahren Inflation. Eine der größten Lehren aus diesem Streik ist übrigens die, daß die lange Periode der Regierungsbeteiligung der LSSP und der KP vom Standpunkt der Verteidigung der Interessen der Arbeiter aus eine Niederlage war. Die Rückkehr zur Klassenkampfaktion ist durch den Ausschluß der LSSP aus der Regierung möglich geworden. Ein Jahr nach diesem Ausschluß brach der angestaute Zorn aber die nichterfüllten Forderungen dann aus. Die Regierung antwortete mit Drohungen und mit der Unterdrückung des Streiks. Sie drohte mit der Anwendung des Essential Services Order, ein Gesetz vom März 1971, das unter anderem die automatische Aussperrung aller Streikenden vorsieht. Aber dieser Erlaß wird nicht immer angewandt, meistens nur damit gedront, um den Ausbruch eines Streiks zu verhindern oder die Streikenden zum Aufgeben des Kampfes zu zwingen. Daran gemessen war die Streikaktion vom Dezember-Januar von Anfang an illegal. Wegen der Breite der Bewegung war es schwer, sie in eine Niederlage zu zwingen. Am 6. Januar stellte die Regierung ein Ultimatum, in dem sie die Streikenden aufforderte, zur Arbeit zurückzu kehren. Die Streikenden lehnten das nicht nur ab, es traten auch noch neue Schichten von Beamten in den Kampf.
Außer den Eisenbahnern (ca. 30. 000), den Beamten (ca. 10. 000), den Transportarbeitern im Hafen von Colombo (5. 000) und den Angestellten des Transportministeriums (Ceylon Transport Board - CTB, etwa 50. 000) traten auch noch zahlreiche städtische Ange stellte in den Streik (ebenfalls 50. 000 ca.). Die Bewegung hätte siegen können, auch ohne weitere Ausdehnung auf andere Sektoren noch. Die Entschlossenheit der Arbeiter war groß. Doch nach dem zweiten Ultima tum der Regierung und einer Verschärfung der Repression wurde der Streik unterbrochen. Denn um den 12. Januar herum begannen die Arbeiter zu verstehen, daß der Sieg nunmehr außerhalb ihrer Reichweite lag. Es fehlte ihnen eine wirksame Führung und es zeigten sich erste Abbröckelungserscheinungen.
Jede Partei, die die großen Gewerkschaften im Öffentlichen Dienst kontrollierte, hatte nur ihre eige nen Ziele im Auge. Niemals wurden klare Losungen für einen Generalstreik ausgegeben. Die Parteien boten damit der Regierung eine offene Flanke, und diese konnte den Streik als ein politisches Manöver der Opposition denunzieren. Die Anwesenheit eines KP-Ministers in der Regierung, während die KP gleichzeitig am Streik beteiligt war, veranlaßte Bandaranai ke, einen harten Kurs einzuschlagen. Felix Bandaranaike, von der Ministerpräsidentin damit beauftragt, sich um den Streik zu kümmern, gab der KP deutlich zu verstehen, daß sie zu wählen hatte zwischen der Unterstützung der Regierung und der Unterstützung des Streiks. Und es war klar, daß der KP vor allem etwas an der Regierung lag. versuchte die KP, den Streik zu beenden und gab der Regierung freiwillig alle notwendigen Informationen über den wirklichen Zustand der Bewegung in den Fabriken und in den Rängen ihrer Führung. Nur so war es der Regierung möglich, sofort jeden moralischen Tiefpunkt und jede Spaltung auszunutzen. Die Orientierung der LSSP und der KP machte auch die Bildung einer breiten Einheitsfront zur Verteidigung der Streikenden unmöglich. In zahlreichen Bereichen hatte sich eine gewerkschaftliche Front gebildet, in der oft die LSSP den Ton angab und an der sich die Gewerkschaften der KP und der UNP beteiligten. Aber niemals wurde versucht, diese Front auf die CMU und andere Gewerkschaften auszuweiten, die im Privatsektor und in den Plantagenbetrieben eine zentrale Rolle spielen und im gewerkschaftlichen Koordinationskomitee TUCC (Trade Union Coor -
dinating Committee) zusammengefaßt sind. Die LSSP hat versucht, die CMU mit in den Kampf zu ziehen, ohne sich aber mit ihr in Verbindung setzen zu müssen, ohne sie offiziell dazu aufzufordern. Wir haben unsererseits eine Versammlung des TUCC einberufen, in dem die CMU ein vorwärtstreibendes Element ist.
Unser Vorschlag lief daraufhinaus, den Drohungen der Regierung mit einem General-Warnstreik zu begegnen. Der maoistische Führer im TUCC, Sagnmugathasan, hat diesem Vorschlag jedoch widersprochen mit der Begründung, dieser Streik sei ein politischer Streik. Er hat damit die Position der Regierung übernommen, Auch er war der Meinung. der Streik werde mit einer Niederlage enden. Schließlich beschloß die CMU, zusammen mit den Gewerkschaften im TUCC, die bereit waren, ihre Solidarität mit den streikenden Arbeitern zu bekunden, einen Aufruf zu einem allgemeinen Warnstreik herauszugeben. Aber bevor dieser Beschluß in die Tat umgesetzt werden konnte, wurde der Streik beendet.
Auf Grund des Mangels an einer wirksamen Führung und der Manöver der Parteiapparate wurde die Desorientierung der Bewegung nun spürbar. Die Ausweitung des Streiks auf die Autobusfahrer schlug fehl. Als die LSSP am 12. Januar an die Ceylonesische Föderation der Arbeit, der größten von ihr kontrol lierten Gewerkschaft im Sektor der verstaatlichten Unternehmen, einen Appell richtete, trat nur eine Gewerkschaft in einem großen Unternehmen in Streik: die Gewerkschaft in der Ceylon Tobacco Company, und nur für 24 Stunden.
FRAGE : Warum ist die Streikführung in die Hände der LSSP, der KP und der UNP geraten? Kannst Du nun auf die Struktur der Gewerkschaftsbewegung in Sri Lanka zu sprechen kommen, besonders im Offent lichen Dienst und im staatlichen Sektor, wo der Streik tobte?
ANTWORT : Die zentralisierte Gewerkschaftsorganisation der Arbeiter in diesem Bereich hat mit besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Arbeiter des staatlichen Sektors, gleich welcher Kategorie sie angehören, haben von Gesetzes wegen nicht das Recht, sich derselben Gewerkschaft anzuschlie- Ben wie die Arbeiter des Privatsektors. Dies ist ein reaktionäres Gesetz, das die LSSP-KP-SLFP- Koalitionsregierung beibehalten hat, ebenso wie vor ihr schon die UNP-Regierung. Es verbietet auch den Staatsangestellten irgendeines Sektors, z. B. bei der Eisenbahn, sich in derselben Organisation zusammenzuschließen. Die Gewerkschaften sind also gezwungen, sich nach Berufszweigen zu glie dern und viele verschiedene Organisationen zu bilden: eine Gewerkschaft für die Fahrer, eine für die Ingenieure, eine für die Kontrolleure, eine für die Arbeiter am Stellwerk , eine für die Angestellten, usw. . Im Verlauf des Streiks haben 33 verschiedene Eisenbahnergewerkschaften ihre Aktionen koordiniert.
Es ist daher für eine gewerkschaftliche Strömung außerhalb dieses Sektors sehr schwierig, in ihm Fuß zu fassen. Die LSSP ist seit 30 Jahren dort verankert, seit 1947 der größte Streik der Angestellten im Öffentlichen Dienst ausbrach. Und damals war die LSSP nicht das, was sie heute ist! Hinzu kommt, daß die Arbelter in diesem Sektor sich gerne Gewerkschaften anschließen, die von Regierungsparteien kontrolliert werden, sie betrachten das als eine Garantie. Eine Garantie, die die RMP natürlich bei weltem nicht geben kann! Gegenwärtig ist der numerische Einfluß der SLFP, der LSSP und in geringerem Maß vielleicht der KP im Öffentlichen Dienst (etwa 325, 000 Angestellte) unge fähr gleich groß. Da es noch viele kleine Gewerkschaften gibt, die offiziell von keiner dieser Parteien kontrolliert werden, ist eine genaue Schätzung sehr schwierig. Doch ist der Grad der gewerkschaft lichen Organisierung in diesem Sektor natürlich sehr groß.
Man kann sagen, daß im Öffentlichen Dienst die SLFP am schwächsten ist (im allgemeinen organisiert sie die bewußtseinsmäßig rückschrittlichsten Arbeiter). Die LSSP ist wohl am stärksten und die KP folgt ihr gleich hinterher. Aber im Sektor der verstaatlichten Betriebe kontrolliert die SLFP mächtige Organisationen und ist hier wohl am stärksten, während die LSSP und die KP, die etwa gleich stark sind, erst an zweiter Stelle kommen. Die von diesen Parteien kontrollierten drei Gewerkschaftsverbände zählen also viele Mitglieder, diese sind aber verstreut und haben keine große Schlagkraft. Diese tiefe Spaltung in ihren eigenen Reihen hindert sie daran, eine Streikbewegung wirksam zu koordinieren. Obwohl die CMU numerisch schwächer ist, ist ihre Fähigkeit zur zentralisierten Aktion doch bei weitem stärker. Dies ist eine wichtige Lehre für die Arbeiterklasse. Die Arbeiter brauchen eine Gewerkschaftsführung, die in der Lage ist, die kämpfenden Arbeiter wirklich zu vereinigen und ihnen zentralen Kampfparolen anzubieten. Ich denke, wenn wir im letzten Transportarbeiterstreik die Führung gehabt hätten, wäre das Ergebnis ein anderes gewesen. Die UNP genießt im Öffentlichen Dienst eine große Unterstützung. Weil sie lange Zdit an der Regierung war! Und weil viele Regierungsbeamte politisch konservativ sind. Sie kontrolliert also eine Reihe von Gewerkschaften. Sie hat auch Einfluß im Sektor der staatlichen Betriebe, aber nirgend wo stellt sie, glaube ich, eine eigenständige Kraft dar.
Im Privatsektor ist der TUCC der SLFP, LSSP, KP und UNP in Bezug auf Handlungsfähigkeit weit überlegen, und zwar dank der großen Plantagengewerkschaften und der CMU. Ihre hauptsächliche Basis hat die CMU im Import-Export, bei den Angestellten, bei den Industriearbeitern und in gewissen staatlichen Betrieben wie der Port Cargo Corporation (Werftbetrieb).
Der TUCC wurde letztes Jahr gegründet und hat seit dem 16. November, wo die 7 Gewerkschaften, die sich im TUCC zusammengeschlossen haben, ei ne gemeinsame Veranstaltung durchgeführt haben, ein reales Gewicht in der Gewerkschaftsbewegung erlangt. Unter diesen 7 Gewerkschaften ist der sehr bedeutende Ceylon Workers Congress (die größte Gewerkschaft der Plantagenarbeiter), der Ceylon Estate Staff Union (die größte Einheitsgewerkschaft der Angestellten in den Plantagen) und die Ceylon Trade Union Federation (CTUF - nicht zu verwechseln mit der moskauorientierten CFTU), die maoistisch geführt ist. Diese Gewerkschaft ist nun sehr schwach, aber ihr bedeutendster Führer, Sagnmugthasan, ist eine wichtige Figur in der Ar-
beiterbewegung (er war auch Generalsekretär der KP, bevor diese sich 1963 anläßlich des chinesischsowjetischen Konflikts gespalten hat). Es bestehen also große Unterschiede in.der gewerkschaftlichen Organisation im Privatsektor und in den großen Plantagenbetrieben und der im Öffentlichen Dienst. Aber mein Eindruck ist, daß es nach diesem Streik zum erstenmal möglich ist, daß sich bei den Arbeitern im Öffentlichen Dienst und im staatlichen Sektor eine neue Führung herausbildet. Vor allem die relative Hegemonie der LSSP ist in Frage gestellt. Denn ihr Gewicht war für die Streikführung ausschlaggebend und die Niederlage des Streiks ist daher auch ihre Niederlage. Die Arbeiter werden allmählich nach dreißig Jahren Erfahrung gewahr, daß die Führung der LSSP bankrott gemacht hat. FRAGE : Welche Beziehungen gibt es zwischen der Streikbewegung vom Dezember-Januar und den Kämpfen von 1976: dem Generalstreik vom Februar 1976 und den Studentenkämpfen vom November? ANTWORT : Es ist in der Tat sehr wichtig, den 24-stündigen Generalstreik vom 20. Februar 1976 im Gedächtnis zu behalten (vgl. INPREKORR Nr. 57). Er hatte sich gegen die Drohung der Regierung gerichtet, 2. 000 streikende Arbeiter zu entlassen. Die Initiativen der CMU und die Entscheidung des gewerkschaftlichen Koordinationskomitees aus LSSP, SLFP und KP (das "Joint Committeef Trade Union Organization"), zu einem Warnstreik aufzurufen, haben den Erfolg dieser Aktion gesichert. Dieser Streik hat in der Arbeiterklasse ein großes Gefühl des Vertrauens und der Solidarität geschaffen, und das in allen Teilen des Proletariats, auch im Ceylon Transport Board, was sehr wichtig ist. Es scheint, daß an jenem Tag kein Bus in Ceylon ge fahren ist. Auch bei der Eisenbahn wurde der Streik zu 100% befolgt. Einen Tag lang lag der gesamte öffentliche Verkehr lahm, was die Ausweitung des Generalstreiks sehr gefördert hat.
Der Erfolg dieses Streiks bildet den Hintergrund für die Studentenkämpfe Ende November 1976, die nach der Ermordung eines Studenten durch die Polizei ausbrachen (vgl. INPREKORR Nr. 72). Dies war die größte Bewegung an der Universität, die wir je erlebt haben. Die gesamte Universität war in den Streik getreten, und auch die Schüler beteiligten sich an der Bewegung, gingen auf die Straße, demonstrierten, sprühten Parolen auf die Busse, usw. Die Föderation aller Hochschulstudenten lud die verschiedenen großen Arbeitergewerkschaften zu einem gemeinsamen Treffen ein. Auch diese Initiative war die erste ihrer Art. In der Vergangenheit stand der Studentenverband im wesentlichen unter der Kontrolle der KP (mittels der Ceylon Student Union) und der LSSP. Die Führung des Studentenverbands hatte die Teilnahme der CMU an solchen Diskussionen immer untersagt. Aber diesmal, nach der gemeinsamen Erfahrung des Generalstreiks und angesichts der massiven Reaktion der Studenten auf die Ermordung eines der Ihren, konnen sie ein gemeinsames Treffen nicht verhindern Dieses Treffen fand am 15. November statt. Die CMU machte bei dieser Gelegenheit den Vorschlag éines allgemeinen Warnstreiks und einer allgemeinen Arbeitsniederlegung (die Studenten sollten die Vorlesung boykottieren, die Ladenbesitzer aus Protest ihre Geschäfte schließen, usw.). Sie schlug auch vor, das Ziel des Streiks solle die Verurteilung des Polizeiterrors gegen die Bevölkerung sein. Nach einer Diskussion wurde noch die Verurteilung des Ausnahmezustands und die Forderung nach seiner Aufhebung hinzugefügt. Es waren also zwei klare Ziele des Kampfes benannt worden. Alle Voraussetzungen für eine noch breitere Mobilisierung als am 20. Februar schienen gegeben. Über den Vorschlag der CMU sollte am 18. November entschieden werden. Doch am 16. November rief die LSSP ohne Vorankündigung und im Alleingang zu einem Streik am 19. November auf. Dies stand im Widerspruch zu dem Ziel, einen Generalstreik zu organisieren. Der Streik am 19. November fiel ins Wasser; das war später für die Streikbewegung vom Dezember-Januar sehr wichtig. Nur die LSSP und die UNP traten in den Ausstand. Die UNP hatte dem Streikaufruf der LSSP sofort ihre Unterstützung zugesagt, da sie alles Interesse daran hatte, einen Generalstreik zu verhindern. Die KP- Zeitungen denunzierten den Streik als eine Verschwö rung dieser beiden Parteien gegen die Regierung und stiftetenda mit nur Verwirrung über die wirklichen Absichten der LSSP.
Meiner Ansicht nach sind es diese Ereignisse, die erklären, warum der Aufruf der LSSP und der UNP zur Ausweitung des Streiks am 11. Januar 1977, dies mal mit der verbalen Unterstützung der KP, ins Wasser gefallen ist. Wenn es zu diesem Zeitpunkt einen ähnlich breiten Transportarbeiterstreik wie im Februar 1976 gegeben hätte, wäre die Regierung. glaube ich, vollständig geschlagen worden und sie hätte diese Kraftprobe nicht überlebt. Die LSSP hat also für ihr Verhalten im November 1976 einen hohen Preis bezahlt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, der noch nicht gebührend hervorgehoben wurde. Der Generalstreik wurde dann für den 26. Novem ber ausgerufen und die LSSP mußte sich ihm anschließen, hat allerdings nichts unternommen, seinen Erfolg zu sichern.
FRAGE : Kannst Du die politischen Implikationen der jüngsten Ereignisse darlegen, da ja bald Parlamentswahlen stattfinden?
ANTWORT: Es ist klar, daß die Oppositionspar teien, in erster Linie die UNP und die LSSP, versi chen werden, aus diesem Streik Nutzen für sich zu ziehen. Sie haben sich während des Streiks an die Ministerpräsidentin gewandt und die Forderung der Arbeiter nach einem Vorschuß von 500 Rupien unterstützt. Doch den Arbeiterist noch gut in Erinnerung, was die UNP-Regierung während des Streiks vom 28. November 1968 getan hat und wie der Führer der LSSP, N. M. Perera, damals Finanzminister, sich geweigert hat, mit den Bankangestellten zu verhandeln.
Trotz allem war die Regierung nach Beendigung des Streiks in der Defensive. Sie hatte zugleich mit den Auswirkungen des Streiks, mit den Angriffen der Oppositionsparteien und mit den Angriffen von Gewerkschaften wie der CMU oder anderer TUCC- Gewerkschaften zu kämpfen. Die regierungsfeindliche Haltung hat in der Bevölkerung sehr zugenommen. Es ist auch bezeichnend, daß die Bevölkerung niemals Anzeichen der Feindseligkeit gegenüber den Streikenden gezeigt hat, trotz der Unannehmlichkeiten, die ein längeres Ausfallen der öffentlichen Ver-
kehrsmittel bereitet, Es ist diese unterschwellige Zerfalls der Regierungekoalition von 1970 die UNP Regierungsfeindlichkeit, auf die die UNP und die ist. So gesehen ist mit einer Rechtsentwicklung der LSSP gesetzt haben, als sie den Streik unterstützten. Wählerschaft zu rechnen. Ich glaube nicht, daß die eigentliche Linke bei den Wahlen große Gewinne ver- Eine Reihe von Repressalien haben die Niederschla- zeichnen wird. Die Zerschlagung der JVP hat eine gung der Streikbewegung erleichtert: Pressezensur, zeitlang jede Möglichkeit eine r weiteren Veranke- Versammlungsverbot im Bezirk Colombo, Auflösung rung der Linken im ländlichen Halbproletariat unvon Versammlungen durch die Polizei, Verhaftung terbrochen.
von mindestens 100 Arbeitern wegen angeblicher Aufmunterung zum Streik und damit Bruch der Ge- Unter den Studenten hat die KP, die ehemals großen setze über den Ausnahmezustand. Wegen dieser Einfluß bei ihnen hatte, auf Grund Ihrer Regierungs- Maßnahmen konnten die Oppositionsparteien den re- beteiligung viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren. pressiven Charakter des Regimes an den Pranger Auch die LSSP hat sich hier diskreditiert, und stellen. Die Arbeiter sind trotz der Niederlage nicht zwar auf Grund ihres getrennten Streikaufrufs vom demoralisiert. In Ratmalana, wo der Streik begann, 19. November. hat die Regierung versucht die Arbeiter zu spalten, indem sie einen Unterschied machte zwischen denen, Die SLFP hat weiterhin eine gewisse Massenbasis, die nach dem ersten Ultimatum die Arbeit wieder selbst unter den Arbeitern, sie ist aber stark angeaufgenommen haben, und denen die erst nach dem eckt. Der Ausschluß der LSSP aus der Regierung im zweiten Ultimatum zum Arbeitsplatz zurückgekehrt sind, und entsprechend die Lohnabzüge gestaffelt. September 1975 stellte in den Augen der Massen das Doch die Arbeiter reagierten sofort: alle Arbeiter Ende der "linken" Phase der SLFP dar. Nun ertraten erneut in den Streik und zwangen die Regie- scheint die UNP als die einzige glaubwürdige Alterrung, alle Arbeiter gleich zu behandeln. Das zeigt, native zur SLFP. Meines Erachtens werden daher was für Kampfreserven noch in der Arbeiterklasse die kommenden Wahlen so ausgehen: die LSSP und die KP werden an Parlamentssitzen verlieren (die stecken. Das unterstreicht auch die Verantwortung der Gewerkschaftsführer für die Niederlage. KP hat gegenwärtig 7 Mitglieder im Parlament), die SLFP wird sehr stark verlieren. Die Föderale
In dieser Situation, wo die Ministerpräsidentin und Partei (Tamil) wird ihre Sitzzahl wahrscheinlich ihr Kabinett in der Defensive waren, beschloß die halten können und die UNP stark dazugewinnen. Die UNP kann also zur bedeutendsten Partel im Parla- Opposition, im Parlament ein Mißtrauensvotum einzubringen. Gegenwärtig steht die Regierung bei allen ment werden und sogar die absolute Mehrheit gesozialen Schichten, die sie im Mai 1970 an die winnen. Aus den Parlamentswahlen wird also eine Macht gebracht haben, in Mißkredit. Damals hatte neue reaktionäre Regierung hervorgehen, die entdie JVP (Janatha Vimukthi Peramuna - Volksbe- weder von der UNP geführt wird, oder von einer freiungsfront) aus eigenen Motiven heraus die Re- Koalition mit einer geschwächten SLFP, der eine gierung unterstützt. Sie wurde kurz danach von ihr mächtige Oppositionspartei, die UNP, gegenüber zerschlagen. Auch eine große Zahl von Studenten steht.
hatte die Regierung unterstützt. Nach den Wahlen vom Mai 1970 sind sie jedoch mehr als einmal von Was die LSSP angeht, so glaube ich, daß sie auch den Staatsorganen angegriffen worden. Ein Student auf parlamentarischer Ebene in eine Periode des ist ermordet worden und die Regierung hat sich die Niedergangs eingetreten ist, und ich glaube nicht, Sympathien der Studenten verscherzt. Die Arbeiter daß sie nach den Wahlen auf politischem oder gewerk im Öffentlichen Dienst und im staatlichen Sektor, schaftlichem Gebiet noch eine große Rolle spielen die hinter der LSSP und der KP standen, haben de r wird. Dasselbe gilt für die KP. Die traditionelle eine große Unterstützung gewährt. Linke hat nach zehn Jahren offenem Verrat und ver- Und die Staatsbeamten sind sehr einflußreich, in worrener Politik einen Teil ihrer Aktionsmöglich- Stadt und Land. Nun hat sich das Regime auch deren keiten in der Massenbewegung eingebüßt. Sympathien verscherzt. Deswegen ist sie heute in Die Rechte wird eindeutig die Gewinnerin sein diesmal, aber das öffnet auch wieder eine Bresche für Man kann sagen, daß die größte Nutznießerin des die "neue Linke' Die Entwicklung der Wider- Franz Jl lee Jürgen Arz/Otmar Sauer sprüche der sowjetischen SÜDAFRIKA - Dieses Buch füllt eine bedeu ZUR ENTWICKLUNG DER Obergangsgesellschaft. Die tende Lücke. Es befaßt sich SOWJETISCHEN Skonomischen und sozialen AM VORABEND DER mit der Geschichte der Befrei. ÜBERGANGSGESELSCHAFT Voraussetzungen der russi- REVOLUTION ungsbewegungen im südlichen 1917-29 achen Revolution. Die nachre- Afrika. Ursprung und Ent volutionäre ökonomische und 2 erweiterte Aufloge wicklung der verschiedenen soziale Entwicklung bis ISt Verlod national und sozialrevolutio 1923/24. Das Ende der Re- nären Strömungen und Orga staurationsperiode und der nisationen werden auf dem Parteikämpfe bis 1928/29 Hintergrund der rassistischen Exkurse. Uber die kapitali- Kolonialunterdrückung un stische Bürokratie. Einige Be- tersucht, Charakter und Polimerkungen ZU J.Schmierers tik der Befreiungsbewegungen ,Der Bolschewismus und die an den historischen Aufga
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