Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Streik der Transportarbeiter

Inprekorr Nr. 75, 3. Februar 1977 · S. 11-13 · 1.309 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Indien und Südasien

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Von der dritten Dezemberwoche bis zum 13. Januar Streik. Aber ats are arveiter in ihrer Masse der erlebte Sri Lanka den größten Streik der Transport- Minderheit folgte, die die Initiative zur Bewegung arbeiter seiner ganzen Geschichte. Diese Explosion ergriffen hatte, unterstützten sie ihn. Der Streik der sozialen Kämpfe ist eine Folge der enormen der Eisenbahner wurde von allen befolgt. Kein Zug Steigerungen der lebenshaltungskosten (die Preise fuhr mehr und an einigen Orten wurden auch die der Grundnahrungsmittel sind um das Doppelte ge- Fisenbahnschienen abmontiert. stiegen) und der Kämpfe an der Universität im November 1976 (vgl. INPREKORR Nr. 73 vom 22.12. Die Regierung stellie sich daraufhin zunächst taub: 76). Die Regierung Bandaranaike hat es also nach sie lehnte jede Verhandlung ab, solange die Streidem Ausschluß der LSSP (der ceylonesischen Partei kenden nicht wieder ihre Arbeit aufgenommen hatten für eine Gesellschaft der Gleichen) aus dem Kabi- Aber kurz darauf traten auch die Hafenarbeiter von nett im September 1975 mit einer Reihe von Mobi- Colombo in den Streik; sie stellten die gleichen Forlisierungen nationalen Ausmaßes zu tun. Auf die derungen auf wie die Eisenbahner. Es waren sechs- Forderungen der Arbeiter hat sie beschlossen eben- bis siebentausend Hafenarbeiter im Streik. Der so zu reagieren wie gestern auf die der Universiti- Ausbruch der Kämpfe und ihre Ausweitung erfolgten ien: mit Gewalt. weitgehend spontan. Bei den Hafenarbeitern wie auch später bei den Postlern versuchten die Gewerk- Am 24. Dezember trat eine Gruppe von Eisenbahn- schaftsführer zunächst, sich gegen die Bewegung zu arbeitern in Ratmalana, insgesamt 150 Leute, stellen; sie wurden von zornigen Arbeitern titlich in den sofortigen Streik. Ihre Anfangsforderung war angegriffen, In mehreren Fällen lehnten die streidie, den Lohnvorschuß zu Jahresende von 200 Ru- kenden Arbeiter Teilabkommen zwischen der Gepien, die die Regierung vorgeschlagen hatte, auf werkschaftsführung und der Regierung ab. 500 Rupien anzuheben. Im Lauf des Kampfes kamen neue Forderungen hinzu: sie betrafen vor allem Die ISSP entschloß sich erst sehr spät. den Streik Lohnerhöhungen (einen Mindestlohnvon 250 Rupien. voll zu unterstützen und ihren Einfuß in der "Geeine automatische Angleichung der Löhne um 2, 50 neral Clerical Servants Union" (GCSU - die nationa- Rupien jedesmal, wenn der Index der Lebenshal- le Angestelltengewerkschaft) und in der Eisenbahner tungskosten um einen Punkt steigt, usw). Die größ- gewerkschaft (LDSS - Lanka Dumriya Sevaka Sangaten Gewerkschaften stellten sich zunächst gegen den maya) für die Ausweitung der Kämpfe einzusetzen.

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Schließlich bildete sich eine Gewerkschaftsfront, die für den 6. Januar zum Streik aufrief. Auch diesmal wurde er breit befolgt: 80% der aufgerufenen Arbeiter nahmen an ihm teil. Alle Gewerkschaften mit Ausnahme derer, die unter dem Einfluß der SI.FP (der ceylonesischen Freiheitspartei) von Alavi Moulena stehen, haben den Kampf unterstützt. Die CMU (Ceylon Mercantile Union) und andere Gewerkschaften des TUCC (Trade Union Coordinating Committee - gewerkschaftliches Koordinationskomitee) haben von der Regierung Verhandlungen gefordert und ihre Verantwortung für die inflationäre Ent wicklung kritisiert. In ihrer Erklärung haben die Gewerkschaften deutlich gemacht, daß der Lohnvorschuß zu Jahresende nur eine Übergangsregelung darstellen kann und daß jeder Arbeiter ein anständiges Gehalt bekommen muß.

Am 4. Januar setzte die Regierung Zuckerbrot und Peitsche ein, Einerseits erklärte sie, daß sie zusätzlich zu den versprochenen 200 Rupien von den Banken Geld für weitere 300 Rupien erhalten könne Aber zugleich ordnete sie an, daß die Streikenden verfolgt würden, da die öffentlichen Dienstleistungen für die Nation lebenswichtig seien. Sie drohte den Streikenden also mit Entlassung und die aktiven Gewerkschafter wurden zudem mit Geldstrafen belegt und ihr Hab und Gut beschlagnahmt. Zahlreiche Arbeiter wurden wegen Aufforderung zum Streik verhaftet. Da sich mindestens 400. 000 Arbeiter am Streik beteiligt haben, waren Verkehr. Fernmeldeverbindungen und Hafenbetrieb völlig lahmgelegt. Die Regierung beauftragte daher Heer- und Marineeinheiten, für die Verteilung von Nahrungsmitteln und Benzin zu sorgen und die Bewegung zu zerschlagen.

Angesichts der Drohungen der Regierung trat der TUCC erneut zusammen. um gegen diese Maßnahmen zu protestieren und zur Stärkung der Aktion und zur Verteidigung der Streikenden aufzurufen. Die CMU schlug die Vorbereitung eines Generalstreiks vor. Aber die Vorbereitungen waren noch nicht abgeschlossen, als der Streik der Eisenbahner nach einem Ultimatum der Regierung am 17. Januar zu Ende ging. Die Bewegung endete also mit einer Niederlage, wenn auch nicht mit einer schweren Niederlage. Sie ist zum großen Teil auf die politische und gewerkschafliche Spaltung der Arbeiterbe. wegung zurückzuführen. Und die KP und die 1.SSP fragen daran eine schwere Verantwortung. Die Kommunistische Partei sitzt immer noch in der Regierung. Da sie sich durch den Kurs der Regierung kompromittiert fühlte und zugleich Angst hatte, ihre gewerkschaftliche Basis zu verlieren. hat sie die Flucht nach vorn angetreten and auf Verhandlungen gedrängt. Aber die Regierung blieb hart und stellte sie somit vor die Entscheidung. Der KP- Minister zog es daraufhin vor. nicht mehr zu den Kabinettssitzungen zu kommen! Das konnte Bandaranaike nicht davon abhalten zu sagen, alle Beschlüsse seien einstimmig gefaßt worden. In den Reihen der KP und der von ihr geführien Gewerkschaften gibt es jetzt Anzeichen für eine Krise, die bedeutende Ausmaße annehmen kann.

Der Ausschluß der ISSP aus der Regierung in Sep lember 1975 hat unter den Arbeitern und Angestellten im Staatsdienst, die diese Partei kontrolliert. etwas in Bewegung gebracht. Zum erstenmal seit fünf Jahren sind hier große gewerkschaftliche Kämpfe ausgebrochen, Doch die LSSP wollte diese Kämpfe nur für die eigene Politik ausbeuten undsie dazu benutzen, eine neue politische oppositionelle Front aufzubauen, ander auch die KP beteiligt war und die enge Beziehungen zur bürgerlich-konservativen Natio nalen Einheitspartei aufnahm. Damit hat sie der Regie rung geholfen, den Streik als ein Manöver der Opposition zu denunzieren, während die Forderungen der Arbeiter in erster Linie materielle waren. Diese sektiererische Haltung der LSSP erklärt auch, warum es nicht gelang, den Streik auf die Busfahrer auszudehnen und der Appell der ceylonesischen Föderation der Arbeit (CFL) ins Leere stieß. Die LSSP. KP und UNP und ihre jeweiligen Gewerkschaften haben einen Block gebildet. Diese Einheits front von Reformisten und Bürgerlichen hat alles getan, um die CMU und die in der TUCC organisierten Gewerkschaften, also die Elemente, die die Streikenden am aktivsten unterstützt haben, aus der Bewegung auszuschalten. Indem die KP und die LSSP die unerläßliche Einheit der Gewerkschaftsbewegung verhindert haben, haben sie die Möglichkeiten einer Ausweitung des Streiks beträchtlich eingeschränkt.

Doch die Niederlage des Streiks wird wahrscheinlich nicht zu einer Welle der massiven Repression der Arbeiter führen, Die Sympathie, die die Bevölkerung den kämpfenden Arbeitern im Offentlichen Dienst entgegengebracht hat und die bald bevorstehenden Wahlen werden die Regierung Bandaranaike zweifellos daran hindern. so zuzuschlagen, wie sie gerne möchte. Aber die Niederlage bedeutet für die I.SSP. daß ihre Hegemonie über bedeutende Teile der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter indiesem Sektor schwer angeschlagen ist. Sie wird ihnen Rechenschaft ablegen müssen darüber. wie sie den Kampf geleitet hat; hinzu kommt. daß den Verlust ihrer Ministerposten, mit deren Hilfe sie zuvor ihren Anhängerkreis aufgebaut hatte. ihre Stellung in diesem Kreis in Frage gestellt wird.

Diese Streikbewegung kann, auch wenn sie niedergeschlagen wurde, ein wichtiger Hebel für die Neustrukturierung der Arbeiterbewegung sein und der radikalen Linken neue Möglichkeiten der Verankerung bieten.

BERICHTIGUNG

Im Arrikel aber die Mauritius-Insel in der letzien INPREKORR nr. 74 sind zwei falsche Angaben enthalten. Einmal ist die Sozialdemokratische Partei Mauritius nicht nicht 1969 aus der Koalitionsregierung ausgetreten sondern im Dezember 1973. Zweitens: es ist falsch zu behaupten, wie es in der Anmerkung (1) geschieht, daß die heutige Regierungskoalition ihre Fxistenz den acht "Zusatzsitzen" in der Nationalversammlung zu verdanken hat, die dazu dienen, das Gleichgewicht in der Vertretung der Rassengemeinschaften herzustellen. Die Koalitionsparteien und die MMM bekamen jeweils vier "Zusatzsitze": aber die Koalitionsparteien gewannen in den Wahlen auch 32 der 60 Parlamentssitze, die MMM dagegen nur • 30

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