Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

China nach Maos Tod

· Inprekorr Nr. 66, 30. September 1976 · S. 3-8 · 4.015 Wörter

China Stalinismus und Bürokratie Sowjetunion Südafrika

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LIVIO MAITAN suchen, stellte er sich an die Spitze des Bauemaufstands und führte die Rote Armee zum Sieg und zur Eroberung der Macht. Zehn Jahre später machte er sich zum Sprecher der linken Kritik an der Politik der Kremlführer und der verschiedenen kommunistischen Parteien, Vierzig Jahre lang stand Mao an der Spitze einer Partei, die eine sozialistische Revolution geführt hat, ein Meilen stein in der Geschichte unseres Jahrhunderts. Aber nachdem er schon in den befreiten Gebieten bürokratische Konzeptionen und Führingsmethoden eingefithrt und nach der Machtergreifung die Parteistruktur nach stalinistischer Art geformt hatte, machte der junge Arbeiterstaat unter seiner Führung relativ rasch einen Prozeß der Bürokratisiening durch. In Anbetracht seiner erstrangigen Rolle und seines Prestiges ist jeder Versuch, ihn von der verantwortung für Degenerierungserscheinungen freizusprechen und sie andem Fuhrem aufzubürden, nichts als Apologie. Doch es trifft zu, daß Mao von einem gewissen Moment an vor den Folgen dessen. was er selbst einen "Prozeß der Entfremdung" gegenüber den Massen genannt hat, zurickgeschreckt ist In einer Phase, in der tiefe und vielfältige Viderspriche herangereift waren, ergriff er die Initiative zur sog. Kulturrevolution, in der er. starker noch als zuvor, an die Massenappellierte, zuerst an die Studenten, später auch --wenn auch vorsichtiger-- an die Bauem und Arbeiter.

Mao verklindete. daß die Massen aber alles entscheiden sollten; aber in Wirklichkeit hat er in der Endphase der Kulturrevolution einen zentralisierten und tendenziell monolithischen Apparat wiederaufgebaut, dessen autoritarer Patemalismus im Persönlichkeitskult seinen höchsten Ausdruck fand. Er hat die Notwendigkeit des un versöhn lichen Kampfes gegen den Imperialismus hervorhegoben und einige Jahre hindurch Moskaus Politik gegentiber der Bourgeoisie einiger kolonialer und halbkolonialer Länder sie Politik der anzeigt mit de oriense sdonesiens, Pakistans und Westbengalens unterstützt, die in die tragische Niederlage der Indonesichen Kommunistischen Partei mindete und zur Lähmung ihrer Anhänger in den beiden andem Landem führte. Ganz zu schweigen von der Haltung, die er in den letzten Jahren eingenommen hat, wo er auf der Seite der Regiening Sri Lankas stand, als diese jeden Widerstand blutig unterdrückte, wo er es vermied, die Pinochet-Diktatur zu verurteilen undbeim Bürgerkrieg in Angola sich in scheinheilig neu- Supermachten " distanzierte.

sche Restauration darstellte. aber bis zuletzt hat er, trotz aller Kritik und Abweichungen in der Praxis. Stalin als großen Revolutionar und einen der größten Theoretiker des Marxismus betrachtet.

Mao hat also mehr als jeder andere auf konzentrierte und fast symbolische Art die Widersprüche einer ganzen histoischen Epoche verkörpert, namlich die Widerspriche de Jbergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus Lenin ist wenige Jahre nach der Oktoberrevolution gestorben ind daher in die Geschichte vor allem als Fuhrer der ersten sozialistischen Revolution eingegangen. Trotzki, der im Kampf gegen die Bürokratie durch das Kräfteverhaltnis jener Periode in die Niederlage gezwungen wurde. ist zum Symbol der unerbittlichen Verteidigung der Er-

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rungenschaften der Revolution geworden, Stalin, vor der Revolution eineblasse Erscheinung. hat seinen historischen Rang als Führer der bürokratischen Konterrevolution erworben. Mao aber war zugleich der größte Führer in einer Revolution und der Verantwortliche für die bürokratische Degenerierung des aus der Revolution hervorgegangenen Arbeiterstaats. Als Führer der siegreichen Revolution lat er dazu beigetragen, dem Weltimperialismus eine historische Niederlage beizubringen, ugleich aber hat er nie die stalinistische Konzeption vom Sozialismus in einem Land und von der Unterordnung der Interessen der revolution aren Massen unter die Interessen seines Staates aufgegeben EINE UNERSETZLICHE ROLLE

Der Verlust eines Mannes, der in der Geschichte des neuzeitlichen China eine so große Rolle gespielt hat, stellt unweigerlich einen Brich dar, der tiefe Erschütterungen hervorrufen wird.

Als Stalin starb, zeigten die revolutionären Marxisten, daß seine Funktion vor allem die gewesen war, der bürokratischen Kaste einen inneren Zusammenhalt zu geben und die Führung von Staat und Partei abzusichern. Unter vielen Gesichtspunkten war die Rolle Maos noch entscheidender. Ebenso wie Stalin hat Mao die herrschende bürokratische Clique zusammengehalten und es schien, als habe er als einziger genügend Autorität besessen, um im kritischen Augenblick das entscheidende Wort zu sagen. Aber Maos "Bonapartismus" erstreckte sich nicht nur auf die Bürokratie, sondern auch auf die Gesellschaft insgesamt.

und 40er Jahren in der Sowjetunion gehörig unterschei- Mao hätte den langen revolutionären Krieg nicht durchhalten und den Sieg nicht erringen können ohne die Unwobei er von noch rückständigeren materiellen Voraussetzungen auszugehen hatte als Rußland 1917 und noch in Rußland, wo es zwischen den Massen und der stalinitischen Führungsgruppe kaum direkte Beziehungen gab )as erklärt auch, warum es in China trotz der bürokratischen Degenerierung und besonders in gewissen Perioden das gegeben hat, was S. S. Wu gewissermaßen die "horizontale Demokratie" genannt hat, d. h. einen gewissen Grad an Entscheidungsautonomie auf lokaler Ebene in Bezug darauf, wie die allgemeine, von den Führungsoranen vorgegebenOrientierung umzusetzen sei. So er- ‹lärt sich, warum Mao und andere Führer sich verschiedentlich an die Massen gewandt haben, um aus Konlikt- oder Pattsituationen innerhalb der Parteiführuns einen Ausweg zu finden. Natürlich waren sie immer besorgt, die Bewegungen, die sie ins Leben riefen, in einen festen Rahmen zu stellen und sie letzten Endes zu kanalisieren. Entgegen Jeder apologetischen Interpretation der Tatsachen, hat die Erfahrung der letzten Monate von 1966 und der ersten Monate von 1967 gezeigt, daß sobald Teile der Massen begonnen haben, nach einer Eigendynamik zu handeln und Ziele zu verfolgen, die von der maoistischen Führung nicht vorgesehen waren, diese sich nicht gescheut hat, massiven ideologischen Terror auszuüben und sogar, in letzter Instanz, zur Repression zu greifen (man erinnere sich nur, daß gerade das Auftrationen her spazu veranlast hat, and ete Asien sit setzen, die damit zeitweilig eine Punktion ersten Ranges ausgeübt hat). All dies ändert nichts an der Tatsache. daß die Massen im maoistischen "System" eine andere, aktivere Rolle spielten als in der Sowjetunion unter Stalin und nach Stalin. Andererseits konnte der ständige Appell an demokratisch-revolutionäre und egalitäre Be- Eine solche Praxis der Machtausübung und ein solcher aufzurufen, ihnen zugleich aber auch plötzlich wieder Disziplin und die Rückkehr zur "Normalität" zu gebieten, nicht verzichten. Ein solcher Führer war noch weniger entbehrlich, als es die Persönlichkeit Stalins für das Führungssystem in der UdSSR gewesen ist. Vor allem in dieser Hinsicht ist Mao unersetzlich. Durch seinen Tod wird das politische System in China sozusagen "strukturell" gestört.

SPANNUNGEN IN DER

CHINESISCHEN GESELLSCHAFT

Bevor wir Hypothesen aufstellen über die mögliche Ent- Kurz un andetingsweise die pad ungen darlegen achst

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durch die Kulturrevolution nicht überwunden werden connten und in der nachtolgenden Periode ait struktueller und politischer Ebene bestehen blieben. In der letzten Zeit haben sie sich sogar verschärft.

In den letzten Jahren konnte die chinesische Wirtschaft, wie man den offiziellen Angaben entnehmen kann, Erfolge verzeichnen, die nicht einmal von Vertretern der verschiedensten Richtungen bestritten werden. Aber insgesamt und langfristig gesehen schreitet die Entwicklung der Wirtschaft noch relativ langsam voran. Das bedeutet nicht nur, daß das absolute Lebenshaltungsniveau noch bescheiden ist, sondern auch daß sich die Schere zwischen China, der UdSSR und einigen kapitalistischen Staaten nicht schließt, sondern unter Umständen sogar noch weiter öffnet. Es ist bezeichnend, daß sowohl Mão als auch Tschou En-lai in Gesprächen mit ausländischen Gästen immer die noch bestehende Rückständigkeit und Armut Chinas betont haben; das bestätigen Berichte, die von den Chinesen nicht dementiert worden sind. In den 50er Jahren hat China eine harte Polemik gegen die UdSSR geführt wegen deren wachsenden Beziehungen und Verflechtungen mit den kapitalistischen Staaten; eitdem schlägt China systematisch genau denselben Weg ein, wobei es nicht nur seinen Handelsaustausch ausweltet, sondern von den westlichen Ländern und von Japan auch Maschinen und sogar ganze Industrieanlagen kauft. Von einem gewissen Zeitpunkt an ist diese Politik jedoch in Widerspruch geraten zir Notwendigkeit, sich dem Ausland gegenüber nicht zu verschulden, eine Notwendigdie von den chinesischen Führern zur Norm erhoben lisierung zur Folge, zumindest in einigen Sektoren. Eine olitik der Selbstgenügsamkeit und damit tendenziell der Autarkie kann unter außergewöhnlichen Umständen unumlockade als auch gegen die offene Sabotage der Bürokra • ten aus Moskau). ber langfristig kann sie nur negativ lich werden sie sich in Zukunft noch verschärfen, auch wenn die zunehmenden Ölexporte den Widerspruch etwas abmildern.

Zur Landwirtschaft ist zu sagen, daß die bürokratisierten Übergangsgese lischaften, die unter der Voraussetzung eines niedrigen Produktivitätsniveaus entstanden sind, vor folgendem Dilemma stehen: entweder sie akzeptieen nach einer ersten Phase radikaler Reformen für einen unbestimmten Zeitraum das Fortbestehen nicht-kollektivistischer Produktionsweisen auf dem Land, die eine Zwischenstellung einnehmen zwischen einer Parzellenstruktur oder einer genossenschaftlichen Bewirtschaftung und einer Kollektivwirtschaft, mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen und sozialen Gefahren, die daraus folgen, oder sie forcieren die Kollektivierung, obwohl reale Auswirkung auf die Produktion selbst nicht verfehlen wird. Diesem Dilemma hat auch China nicht ausweichen können. Die zentralen agrarpolitischen Maßnahmen, die ergriffen wurden, angefangen von der massiven Kam- ›agne zur Bildung von Kooperativen Mitte der 50er Jahe bis zum ziemlich voluntaristischen Experiment der /olkskommunen im jahre 1958 und die nachträglict laran angebrachten Anderungen haben dies Problem nich lösen können, Das Produktionswachstum schreitet --auch nach offiziellen Angaben -- nur langsam voran, und das ist umso schlimmer, als China weiterhin ein starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen hat. Andererseits eigen die Bauern dazu, ihrer individuellen Produktior nehr Sorgfalt zu widmen als der kollektiven Produktion. In dem Maße, wie die Differenzierung zwischen verschiedenen bäuerlichen Schichten weiter besteht und sich sogar noch vertieft, wird dies unweigerlich Konse guenzen nach sich ziehen, sowohl auf allgemein wirt schaftlicher, als auch auf sozialer Ebene (1). Die Probleme der wirtschaftlichen und insbesondere der landwirtschaftlichen Entwicklung ziehen, wie man an einigen Anzeichen ablesen kann, eine Reihe sozialer Spannungen nach sich, die sich tendenziell verschärfen. Ein Beispiel dafür sind die Schwierigkeiten und Widersprüche, die mit dem Eintritt neuer Generationen ins Wirtschaftsleben von einem gewissen Moment an enttanden sind. Hier ist es zu Reibungen gekommen, di‹ einerseits damit zusammenhängen, daß das Eigenge wicht der Industrie und der gewerblichen Wirtschaft in len Städten noch relativ gering ist, andererseits damit laß die Kulturrevolution den Massen den Zugang zur Bildung geöffnet hat (was eine ihrer größten Errungenschaften darstellt). Solche Probleme sind z. B. in der Polemik über die gebildete Jugend aufgetaucht, die zum ersten oder zum wiederholten Mal zur Arbeit aufs Land geschickt wird, Es scheint sich hierbei um einer ziemlich beschränkten Personenkreis zu handeln, der jedoch nach S.S. Wu (s. seine INPREKORR-Artikel) 12 Mio. Jugendliche ausmacht. Diese Jugendlichen sind nicht immer willig, sich aufs Land versetzen zu lassen, wo sie im allgemeinen unter härteren Bedingungen leben müssen undinicht selten vonden Bauern nicht gera: de begeistert empfangen werden. Es besteht die Gefahr, daß auf diese Weise eine Schicht von Jugendlichen geschaffen wird, die keine solide gesellschaftliche Verankerung hat, gewissermaßen entwurzelt ist und daher und von denen selbst die offizielle Presse berichtet hat.

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Auch auf der politischen Ebene im engeren Sinn tauchen eine Reihe von Problemen und Spannungen auf. Die kritische Analyse der revolutionären Marxisten hat von antang an dargelegt, daß es im chinesischen Arbeiter staat kein Netz von Organen der proletarischen Demokratie im Sinne der Räteorgane gibt und daß sogar noch Überreste des Verwaltungsapparats aus der vorrevolutioären Zeit fortbestehen (in ihren Polemiken haben die Maoisten selbst 1966-67 den negativen Einfluß dieses lin und nach Stalin der Partei die absolute Vorrangstellung and eine rigide Kontrollfunktion einräumt). Da Führungs organe immer nur beschränkte Instanzen sind und sie daher, auch wenn man sie in ihrem weiten Sinne faßt, China zu entscheiden, bleibt objektiv Spielraum fur die Ausübung einer "horizontalen Demokratie", aber auch für die Herausbildung von regionalen oder lokalen Machtstrukturen, die sich dann verselbständigen, Daraus ergibt sich eine prekäre und konfliktträchtige Situation. So haben die Massen mehrfach versucht -und das nicht nur auf dem Höhepunkt der Krise 1966/ 67 -- die "horizontale Demokratie" inhaltlich zu füllen, und innerhalb der Bürokratie haben sich zenrifugal e Tendenzen herausgebildet (die häufigen Poleniken gegen Personen, die beschuldigt werden, abhängige Reiche" zu schaffen, ziélen gerade auf diese Tendenz ab).

Auch die Außenpolitik Chinas ist ein Herd von Spannungen innerhalb der Bürokratie und mehr noch zwischer ler Bürokratie und den Massen. Maos Tod kann stärker noch als zuvor dazu anregen, Bilanz zu ziehen, eine Notwendigkeit, die auch die Führung gespürt haben muß. Die ganze Zeit hindurch bis heutehat sich das Streben nach völliger Autonomie von der Sowjetunion für die chinesische Bürokratie sowohl im Inland als auch in bedeutenden Teilen der kommunistischen Bewegung ausgezahlt. Auch die Polemik gegen die beiden "Supermächte"hat einige diplomatische und politische Früchte getragen, insofern als sie den Interessen einiger "nationaler" Bourgeoisien und einiger Staaten entgegenben kenianen machen nen ele pensenen varen, im Kampf gegen die imperialistischen Mächte um die "Freundschaft" der Sowjetunion zu ersuchen. Aber heute, nach fast zwanzig Jahren, muß eine allgeperialismus" sei der Haputfeind.

Es besteht kein Zweifel, daß in dem Dreieck Washington - Moskau - Peking jeder der drei Kontrahenten abwechselnd zeitweilig taktische Vorteile für sich verbuchen konnte; insgesamt aber hat der amerikanische Imperialismus den größten Nutzen daraus gezogen. Allein spart hat, daß aber gerade die Schärfe, mitder dieser Conflikt ausgetragen wurde, den Spielraum des Weißer lauses und des Pentagons erheblich erweitert hat. Aus erschiedenen Dokumenten geht hervor, daß Johnso: 965 unter anderem es vor allem deswegen gewagt hat sich in das indochinesische Abenteuer zu stürzen, weil er davon überzeugt war, daß er es nicht mit einer geschlossenen Abwehrfront der Arbeiterstaaten zu tun habe. hinauszuzögern.

Hinzu kommt, daß die Führung in Peking durch ihre Politik die Bedürfnisse des Klassen kampfes der Arbeiter und der antiimperialistischen Bewegungen der verschiedenen Länder ihren eigenen, zudem zweifelhalten, diplomatischen Interessen opfert. Dadurch hat diese Führoden, siegreichen Revolution aufgetreten war, nicht die lange Zeit hindurch als die Trägerin einer nur an Prestige verloren, sondern in verschiedenen Lăndern auch eine reaktionäre Rückentwicklung und Manöver der sog. nationalen Bourgeoisie erleichtert, was letztlich gegen die legitimen Erfordernisse der Verteidigung des chinesischen. Arbeiterstaats selber verstieß. Auch vas die kommunistischen Parteien betrifft, gibt es keiner weitel: nach den ersten Ertolgen in der Antangsphase des Konflikts geht die Anziehungskraft der KPCh ständig zurück und ihr Einfluß ist heute geringer denn je. Selbst innerhalb der extremen Linken, zu deren Aufschwung chinesische Kritik und die Kulturrevolution oft entscheidend beigetragen haben, überwiegen heute kritichere und spitztindigere Einstellungen gegenüber China während die hundertfünfzigprozentigen /ertechter der Positionen Pekings immer mehr in den Reihen der poliischen Paranoiker zu suchen sind. (So sind die Delegationen der verschiedenen KP-MIs, die in Peking empiangen werden, meist ein trauriges Häuflein, dessen Existenz im Heimatland kaum wahrgenommen wird). Aber die Bilanz der letzten fünfzehn Jahre und konjunkturelle Schwierigkeiten werden nicht verhinder können, daß früher oder später ein grundsätzlicher Widerspruch mehr oder weniger akut auftaucht. Trotz aller theoretischen Abweichungen und propagandistischen Verschleierungen der Maoisten ähnelt der soziale Charakter Chinas dem der Sowjetunion und unterscheidet sich von dem der Vereinigten Staaten und der anderen kapitalistischen Länder. Dieser Tatbestand steht im Widerspruch zur These, der "Sozialimperialismus" sei der Hauptfeind, und noch mehr zu den praktischen Konsequenzen, die sich aus dieser These ergeben. Hier besteht eine Quelle unvermeidlicher Konflikte. Das ist keine Spekulation, sondern hier handelt es sich darum, die Bedeutung der Konflikte zu verstehen, die schon verschiedentlich innerhalbge de genien Opporteneide mie mais beschladigt worden sind, sie seien Agenten des "Sozialimperialismus" und suchten einen Kompromiß mit ihm (wie begründet diese Anschuldigung ist, ist meistens schwer zu sagen), beweist dies.

MASSENMOBILISIERUNGEN UND TENDENZEN

INNERHALB DER BÜROKRATIE

All diese Konfliktherde können in dieser jetzt neu eröffneten Phase umso heftiger aufbrechen, als auf zwei Ebenen Veränderungen eingetreten sind, oder in noch größerem Maßstab eintreten.

Zunächst einmal drängen heute die Generationen nach zugspunkt ihres Urteils zu machen. Mochte die Lage auch noch so schwer und die Fehler und Verbrechen der Bürokraten noch so groß sein, die Widersprüche der neuen Gesellschaft schienen sich im Vergle die neuen Generaung im alten China zu verflüchtigen. tionen dagegen stellt der Sieg der Revolution nunmehr stimmi sich daran, wiewei die dar gare asen art in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, und wieweit sie auf allen Gebieten Fortschritte verzeichnen kann. Zweitens findet auf allenEbenen der Partei, nicht nur auf Führungsebene, ein Generationenwechsel statt, der sich immer rascher vollzieht: die"historischen" Führer und Parteikader werden von Kadern und Führern abgelöst, die nicht mehr das Prestige der Protagonisten der Revolution für sich beanspruchen können und auf Grund ihrer heutigen Haltung, ihrer heutigen Erfolge oder Mißerfolge beurteilt werden.

Schließlich ist Mao zu einem Zeitpunkt von der politischen Bühne abgetreten, der keineswegs von Stagnation und Demoralisierung der Massen, sondern von einem

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Wiederaufschwung der politischen Sensibilität und der Kampfbereitschaft und vom Auftauchen kritischer Parteikader gekennzeichnet ist, die zu mutigen Initiativen Sentene Kil ation Aber so im in de an beiden darauffolgenden Jahren hat es verschiedene und noch deutlichere Anhaltspunkte dafür gegeben, daß die Situation wieder im Fluß'ist. In Kanton hat es Demonstrationen der ausgedienten Soldaten und später verschiedene spontane Streiks gegeben. In Hangchow haben sich 4 ber das Ausmaß dieser Demonstration, an der mehrere zehntausend Personen teilgenommen haben, und ihre Dynamik drücken letztlich eine spontane Explosion der Kritik an Staats- und Parteiführern aus. Was wird in der kommenden Periode passieren? Es ist schwer, darauf eine Antwort zu geben, da wir nur über pärliche Informationen verfügen. Der Kampf innerhalb fer Bürokratie wird sehr erbittert geführt werden. Auch die Frage der Nachfolge Maos wirft ernste Probleme auf, denn es handelt sich dabei nicht nur darum, die geeignete Person zu finden, sondern auch darum, die Leere zu füllen, die der Tod und die politische Liquilierung verschiedener Kader auf den diversen Führungsbenen hinterlassen hat (das Ständige Komitee des Poli- Tod --es wäre interessant zu erfahren, welche Stelle es enehmigt hat-- heftige und wiederholte Angriffe nich ur auf frühere" Abweichler" sondern auch auf Teng Hsiao sten Monaten dieses Jahres als Siegerin hervorging, Angst herrscht. Wahrscheinlich wird diese erste Runde mit einem Kompromiß enden. Schließlich stellt auch die Wahl Hua Kuo-fengs eine solche Lösung dar.

Allgemeiner gesprochen stärkt der Tod Maos die Tendenz, die unmittelbarer den Apparat vertritt, die Tendenz also, die schon in der Kulturrevolution die konservativste Linie eingeschlagen hatte und deren hervorragendste Vertreter Liu Shao-chi und Teng Hsiao-ping waren; sie hatte sich immer wieder von ihren Niederlagen erholen können und Mao war der einzige gewesen, der ihr erfolgreich Kontra bieten konnte. Und ein zweiter Mao kann nicht künstlich geschaffen werden.

Aber auch mittlere Kaderschichten könnten sich ihr zuin den großen "Läuterungskampagnen" direkt aufs Korr genommen, wenn sie nicht gar bewußt zum Sündenboc! nehr Ruhe zu genießen. Eine solche Tendenz könnte versucht sein, sich auf dem Land eine Basis zu verschaffen indem sie einigen bäuerlichen Schichten eine Reihe von Zugeständnissen vom Typ Chruschtschows in Aussicht die Richtung an, da die Situation der chinesischen Land- tellt (der Hinweis auf Chruschtschow zeigt dabei nur wirtschaft sich von der in der Sowjetunion nach dem Tod Stalins erheblich unterscheidet). Ein solcher Versuch würde wahrscheinlich vorübergehend nicht ohne Erfolg bleiben.

Der größte Teil der Kommentatoren hat die Frage aufgeworfen, ob die Nach-Mao-Ara eine Wende in der chinesischen Außenpolitik bringen wird. Wir haben schon auf die Probleme hingewiesen, die sich diesbezüglich stellen, • auf die Tendenzen, die sich schon in der Vergangenheit innerhalb der Führung abgezeichnet ha- ›en, und die zu erwartenden Widersprüche. Ohne uns zu Spekulationen hinreißen zu lassen, können wir die Hypothese wagen, daß früher oder später Änderungen eintreten werden. Schon jetzt wird in dieser Richtung Druck ausgeübt. Zudem hätte auch Moskau, auch kurzfristig, Interesse an einer Entspannung der Beziehungen; das haben auch die Reaktionen auf Maos Tod bestätigt. ine ganze Reihe von kommunistischen Parteien, darunter auch die interational bedeutendsten, sind nicht ur Anhänger einer Entspannung, sondern sogar eine Viederannäherung und einer Neuordnung der Front der "Bruderparteien", angefangen von der Vietnamesischen P bis zu den repräsentativsten Vertretern des sog Euro• communismus einschließlich der kubanischen KP, trotz ihrer gegenwärtigen Stellung Alle sind siedavon überzeugt, daß eine positive Entwicklung keinesfalls zum Monolithismus der stalinisierten Komintern und der Kominform der eine co tole in gemen reinen hat.

dem würde dadurch auch das Prestige und die Anziehungskraft der Kommunistischen Parteien im allgemeinen ansteigen.

Schlußendlich wird Maos Tod sicher ein neues Kapitel in der Geschichte aufschlagen, wenn es auch müßig ist Voraussagen darüber anzustellen, welche Tendenz in Zukunft die Oberhand gewinnen und welche Form die Krise des bürokratischen Systems genau annehmen wird. Die chinesischen Massen sind in eine neue Periode der Aktivität und der kritischen Reflexion getreten. Die künftigen Kämpfe werden wahrscheinlich die Hebung des Lebensstandards, die Nivellierung der Ungleichheiten und die Ausübung einer wirklichen Arbeiterdemokratie zum Ziel haben.

In diesen Kämpfen werden Kader hervortreten, die in den letzten Jahren herangezogen wurden. Man darf nicht vergessen, daß in der heftigsten Phase der Krise von*66-67 Zehntausende von Kadern herangereift sind, die sich trotz der Verschleierungsmanöver der Führung in Kämpfen mit antibürokratischer Dynamik engagiert haben und sich die verschiedensten Organisationsmittel gegeber haben. In einigen Fallen hat es sehr interessante Versuche einer globalen Kritik und theoretischen Verallgemeinerung gegeben; die diesbezügliche Literatur ist in der Zwischenzeit weitgehend verbreitet worden. Die Träger dieser Ereignisse sind in der letzten Phase der Kulfurrevolution geschlagen worden; teilweise haber sie sehr harte Niederlagen erlitten und im allgemeinen sind sie an den Rand gedrängt worden. Das hat unweierlich zu Demoralisierungserscheinungen geführt. Aber letzt sind wieder die Bedingungen für eine Erholung und Reaktivierung dieser Kader geschaffen. Ihr Beitrag kann umso wertvoller sein, als durch den Tod Maos das größte Hindernis für ihr Verständnis des wirklichen Charakters des Regimes und seiner Führung verschwunden ist ze winden, Könen sie im Kampi geten die Birokatien insgesamt eine erstrangige Rolle spielen. ANMERKUNG :

(1) Zu diesen und anderen Problemen ist es von Nutzen, wenn der leser auf die bisher in INPREKORR zu China erschienenen Artikel zurückgreift, besonders auf die von S.S. Wu, die in Nummer 63und 64 erschienen sind. Zur allgemeinen Grundlage und zur Analyse der Entwickretene bei er tut bo tante eisen, on.

14. September 1976

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• Südafrika:

Während des Aufstands von Soweto riefen die Führer der "black consciousness"Bewegung , so Mkele und M. Buthelezi, zusammen mit den Quislingen des Bantu Affairs Department und des Coloured Affairs Department, wie "Häuptling" Buthelezi und Sonny Leon, nach einem "Diafog" mit Vorster. Gleichzeitig setztendie Führer in tansania, Kaunda in sambia, Mobutu in Zaire, neo-kolonialen Staaten --Nyerere in Tansania, Kenyatta in Kenia, Idi Amin in Uganda und Khama in Botswana-- ihre Kollaboration mit dem Imperialismus afrikas auf nationaler Ebene eine Politik der Nicht-Zusammenarbeit ("non-collboration") mit dem Apartheid- Regime und der Einheit der Nicht-Europäer gesetzt. Dieser Widerspruch bildet das Zentrum der Ereignisse in Südafrika vom Juni bis zum September dieses Jahres. DIE AFRIKANISCHE EINHEIT

DER 'FARBIGEN' Die Zahl der seit Juni dieses Jahres in Südafrika ermordeten Studenten und Arbeiter beläuft sich offiziell auf 100; Schätzungen, daß es über tausend seien, kommer der Wirklichkeit wohl näher. Die offizielle Zahl der Verhafteten liegt über 2.500, da die Kämpfe im September ein höheres Niveau erreichten als im August, wie auch die Kämpfe im August eine größere Einheit und ein höheres Bewußtseinsniveau offenbart hatten als die im Juni. Der nationale Charakter desKampfes trat vo allem durch einen Aspekt besonders deutlich hervor: durch den mächtigen Aufstand der "farbigen" Studenten und Arbeiter Seite an Seite mit ihren afrikanischer Brüdern ("Farbige" nennt die rassistische Gesetzgebung Südafrikas diejenigen, die von "Mestizen" abstammen). Hierbei handelte es sich nicht so sehr um einen Akt der Solidarität, als um den Ausdruck des Bewußtseins der "Farbigen", daß sie Teil haben am selben Kamp! wie die Afrikaner.

am 1Q September schrieb: "Die Lage ist offensichtlic unkontrollierbar in dem Sinn, daß die Polizei nicht in der Kampf der Unterdrückten gegen die institutionalisierte Gewalt dieses Regimes, das alle zehn Jahre durch Unterdrückung und Ausbeutung durchschnittlich 2 Mio. Nicht-Europäer tötet (berechnet auf der Basis des Unterschieds zwischen der weißen und der schwarzen Sterblichkeitsrate unter dem Apartheid-Regime). tren flohen, als die farbigen Arbeiter in die weiße Stadt eindrangen, aus der sie bisher durch das "Reservat"-System ausgeschlossen waren. Überall eröffnete die Polizei das Feuer; manchmal setzte sie Eliteschützen LANGA