Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Südafrika nach dem Soweto-Massaker

weltweiter Boykott!

· Inprekorr Nr. 62, 2. Juli 1976 · S. U4 · 608 Wörter

Südafrika

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Die Bedeutung des Stimmrechts, von Stalinisten und afrikanischen Nationalisten immer unterschätzt, ist von den Entscheidungen der EWG Bonns und Washingtons über Rhodesien und sudafrika im April dieses Jahres wieder bestätigt worden. Während sich die Imperialisten für die "Mehrheitsherrschaft" in Rhodesien aussprachen.forderten sie nur'einige Maßnahmen zur Beendigung der Apartheid" in Sudafrika. Nirgends sprachen sie das volle Stimmrecht an. Für die westlichen Kapitalisten muß das Apartheidregime in Südafrika bleiben. Die Imperialisten wissen sehr wohl, daß sie in Südafrika nicht am "trügerischen Strick der Unabhängigkeit" ziehen können, mit dem sie andersassoziierten Mitglieder" der EG-Konvention von Lomé erdrosseln können. Sie verstehen, daß die Alternative zur Apartheid nichts weniger als ein neues Vietnam ist.

Dies erklärt grundsätzlich das Ausmaß und die Inensität des Polizeiterrors in Soweto. Vorster mul darauf schauen, daß der Strom von Gold, Uran und Superprofiten weiterhin in die Länder der Europäischen Gemeinschaft und in die Vereinigten Staaten fließt im Austausch gegen Waffen und Kapital aus diesen Ländem (die neuesten Berichte zeigen, daß es schon vor Soweto bedeutende Kapitalausfuhr gegeben hat). Es war tür das sudafrikanische Regime von Vorteil (und ein Betrug). daß die UNO ein Embargo über Rhodesien verhangt hat, um das verschwenderische Smith-Regime in den Einflußbereich des weißen Imperia- Ismus zurückzuholen. Aber ein Boykott Südafrikas ist ausgeschlossen, wie die westdeutsche Regierungın einer ofliziellen Erklärung über Südalrika im vergangenen Mai deutlich gemacht hat. Gleichzeitig spielen die weiße Kommunistische Astoclated Press.

Partei und ihre Verbündeten im African National Congress (ANC) mit dem Gedanken eines Boykotts aller Buren-Produkte (Fruchtkonserven und andere kleinere Artikel). Da sie mit den Anglikanem und den Liberalen verbunden sind, lehnen sie den Gedanken an einen wirklichen Boykott des Imperialismus in Südafrika ab.

Es ist Zeit für eine intemationale Solidaritätskampagne mit dem Befreiungskampf in Südafrika. In Einklang mit der Methode, die die Arbeiter von Soweto und anderen Teilen Südafrikas angewandt haben, bedeutet dies die Verwirklichung des Prinzips der Nicht- Zusammenarbeit mit dem Imperialismus: den weltweiten Boykott Südafrikas.

Die vorgesehene Ankunft Vorsters in Frankfurt und ceines Außenministers in Bonn wird auf die Opposition der deutschen Studenten und Aktivisten stoßen. Diese Art von Aktionen ist uberall notwendig. Aber sie kann nur Teil eines totalen Boykotts sein. Es hat wenig Bedeutung, ob die imperialistischen Regierungen einem solchen Boykott auf dem einen oder andem Gebiet zustimmen (beim Sport ist das am einfachsten). Wichtig ist die Solidarität der arbeitenden Klassen in Nordamerika die sich in Aktionen wie die Aufhaltung von Schiffen und Frachtflugzeugen von und nach Südafrika, in der Forderung von Bankangestellten nach der Einstellung finanzieller Geschäfte mit Südafrika, der Forderung nach Schließung aller südafrikanischen Botschaften, nach Stop aller Waffenlieferungen nach Südafrika, des Goldflusses aus Südafrika, unabhängig davon, welchen '"Schaden" das dem Empfänger bereiten kann, in der Forderung nach Blockade der Entsen der NATO, im Boykott aller sportlichen oder künst- von Uran an die militärischen Waffenlager lerischen Darbietungen Südafrikas, in der Denunziation der Konvention von Lomé und in der Unterst Itzung Afrikas, mit ihr zu brechen, ausdrücken (diese Konvention ist die wichtigste wirtschaftliche Waffe Westeuropas in Südafrika, die andere ist die Ausweitung des Südafrikanischen Gemeinsamen Marktes bis zum Äquator). Es ist richtig. von Sambia und den andern afrikanischen Staaten zu forden. daß sie über Südafrika einen totalen Boykott verhängen. Es ist ebenso richtig, diesen Boykott ab sofort zur zentralen und systematischen Forderung der Arbeiterbewegung der imperialistischen Länder zu machen.

DAB DER INTERNATIONALE BOYKOTT SÜDAFRI- KAS AUF DEM GRAB DER MARTYRER VON SOWE- TO EINGEMEIßELT WERDE 1 Editeur responsable: René Groslambert, 34 rue Nothomb, 1040 Bruxelles