Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Libanon. Die Bedeutung der syrischen Intervention

· Inprekorr Nr. 62, 2. Juli 1976 · S. 26-31 · 4.102 Wörter

Nahost und Palästina Arabische Welt und Golf Südafrika Faschismus und Rassismus

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Mit der neuen syrischen Militärintervention im Libanon erschüttert der Bürgerkrieg. der seit März 1976 unaufhaltsam getobt hat, wieder die gesamte arabische welt. Da die Politik bürgerlicher Staaten sich nicht durch Altruismus auszeichnet, deuten die Bemühungen der verschiedenen arabischen und nicht-arabischen Staaten um eine Intervention in den Libanon - von der syrischen Invasion bis zu Giscards "Angebot" , französische Truppen zu schicken, und den "grünen Helmen" der "Friedenstruppen" der Arabischen Liga-- sichtbar auf die gesamtarabische und intemationale Dimension des gegenwär-

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tigen Konflikts. Das plötzliche militärische Inte- resse, das die imperíalistischen Mächte und die bürgerlichen arabischen Regimes (angefangen von den am offensten reaktionären Regimes wie Saudi- Arabien bis zu den demagogischsten wie Lybien oder der Irak) am libanesischen Bürgerkrieg kundtun, zeigt, daß der konfessionelle Aspekt des Konflikts (s. Inprekorr Nr. 55-56) nur ein obernachlicher Aspekt dieses Kriegs war; in Wirklichkeit wirft er die Frage der Zukunft des Nahen Ostens insgesamt auf. Die Kräfteverhältnisse in dieser Region, die Aufrechterhaltung der Blute des imperialistischen bischen Regimes (insbesondere des der Baath-Partei Kapitals und die Stabilität der bestehenden arain Syrien) sind einige der Fragen, die sich heute stellen.

SYRISCHE MANÖVER UND DIE

ERSTE INTERVENTION

Die ersten vorbereiteten Initiativen der Syrer tauchten bei den Präsidentschaftswahlen im Libanon am 8. Mai 1976 auf. Seit der erdrückenden militärischen Niederlage der christlichen Rechten war das syrische Regime der glaubwürdigste Verbündete Washingtons und der größte interessent an der Wiederherstellung der non geworden. Sein Ziel war eine Ordnung. die die militärischen Siege der Palästinenser und der libanesischen Linken brechen und zunichte machen und gleichzeitig den bewaffneten Palästinensischen Widerstand erdrosseln sollte; es stellte sich heraus, daß das schwierig war.

Elias Sarkis, der die Präsidentschaftswahlen "gewon nen" hat, war Kandidat der christlichen Rechten, des US-Imperialismus und des syrischen Baathvention im Libanon appelliert. Zudem ist Sarkis Favorit der einflußreichsten Beamten des Libanesischen Geheimdienstes unter dem Chebab-Regime und daher in der besten Position, die alte Geheimpolizei des Chebab-Regime, deren Beamte in syrien Asyl gesucht haben (wo sie sich "Umschulungsunterzogen). als die Frandschijeh-Regierung an die Macht kam, wiedezubeleben. So rechnete Syrien damit seine Gastfreundlichkeit zurückgezahlt zu bekommen und setzte sein zes Gewicht ein, damit sein Kandidat gewah Banwerde.

Raymond Edde, der reaktionäre Christenfuhrer, der während des Krieges eine gemäßigtere Haltung eingenommen hatte, war Sarkis' Gegenkandídat. Obwohl bekannt als Gegner der Präsenz der Pallstinenser im Libanon und ihrer Aktivitäten dort und als Befürworter der Repression gegen die Palastinenser, wurde seine Kandidatur von der libanesischen KP und dem Palästinensischen Widerstand unterstützt: die Führung des Palästinensischen Widerstands und die libanesische Linke haben oft ein kurzes Gedächtnis !

Indem die Syrer die Parlamentsabgeordneten einerseits umwarben, andererseits ihnen drohten, schafften sie es, daß Sarkis von der Abgeordnetenkammer, die während des Bürgerkriegs völlig gelähmt war, gewählt wurde. Zuvor hatten sich die libanesische Linke und der Palästinensische Widerstand heftig gegen die Durchtührung der von den syrem erzwungenen Wahlen gesträubt. Aber dann willigte Yasser Arafat, der nach einer langen Unterredung mit Hafez el-Assad in Damaskus einige Tage vor dem für die Wahlen festgesetzten Datum zurückgekehrt war, in die Wahl von Sarkis ein unte die Palästinenser im Libanon interveniere, der Bedingung, daß Syrien nicht militarisch gegen mittelbare Wirkung dieses Abkommens war der Rückgang jedes wirksamen Widerstands gegen die Durchführung der Wahlen. Sarkis wurde gewählt lank der Passivität der Palästinenser und ihres Verbündeten, der Libanesisch - ArabischenArmee, wie es von den Führern der PLO gefordert worden war. Arafat, der sich der Unfähigkeit jedweden neuen libanesischen Regimes, das bewafnete Lager der Palästinenser zu "zähmen", sicher wahnte. naiv genug war, den Versprechungen Assads zu zlauben und sich vor allem wenig um die Probleme der libanesischen Massen und der Linken gen. Die Syrer haben sich wohl gehütet, ihre Ver- kümmerte, ist den Syrem voll auf den Leim gegansprechen zu halten. Da sie auf innerlibanesischem Gebiet einen ersten Erfolg verzeichnen konnten, bereiteten sie sich auf die zweite Etappe ihres Plans vor: die endgültige Zerschlagung des Palastinensischen Widerstands im Libanon. Die zentrale Rolle. die der Libanon im Rahmen "friedlichenLösung" des israelisch-arabischen Konflikts spielt, folgt aus dem Gewicht und der realen militärischen Stärke der Palästinenser, die dort konzentriert sind. Die Entschlossenheit, die das Baath-Regime nun zutage legt, spiegelt nicht nur den syrischen Wunsch. die Hand auf die Politik des libanesischen Nachbarn auszustrecken, sonim Nahen Osten durchzusetzen und das Bewußt- dem auch seinen Willen, einen globalen Friedensplan sein, daß der Schlüssel des Problems im Libaalles daran zu setzen, daddie kandyitur von Sames, kis ein Erfolg werde, gibt es eine Erklärung; der Tat kann letzterer. eine der unpopulärsten Persönlichkeiten, ist er einmal Präsident eines völlig zerstörten libanesischen Staates, dessen Institutionen alle zerschellt sind, nur dann seine Funktion erfüllen, wenn er an die syrische Internon, dem Zentrum der palästinensischen Kompo nente im syrisch-amerikanischen Friedensplan. liegt. Durch ihren Einfluß im Libana seit dem Waffenstillstand im Jahuar 1976 gestärkt. haben die syter ein Abkommen mit den Amerikanem geschlossen: sie verpflichten sich. die Ordnung im Libanon wiederherzustellen und dort alle Siege des Palästinensischen Widerstands zunichte zu machen,

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LIBANON indem ihm seine Aktionsfreiheit drängen die Amerikaner wird. Als Gegenleistun verbündeten, daß sie einer auf ihren zionistischen stinensischen Mini-Staats im Rahmen einer Pode- Lösung zustimmen, ration von Jordanien, Syrien und Palästina vorsieht, welche unter syrisch-jordanischer Herrschaft steht. Damit diese Lösung Glaubwürdigkeit erlange, mußten die Syrer ihre Fahigkeit unter Beweis stellen, die vom US-Imperialismus geforderten Bedingungen zu erfüllen Am 12. April 1976 leitete Syrien seine erste militärische Intervention in Libanon ein und kam damit den Forderıngen der Amerikaner entgegen. Diese Intervention zielte auf die Zerschlagung des Palästinensischer Widerstands, auf die Schwächung der libanesischen Linken und auf einen offenen Angriff gegen diese ab.

ERSTE SYRISCHE NIEDERL AGE

Am 12. April drangen 2.000 syrische Soldaten in den Libanon ein, um die militärisch hart bedrängte christliche Rechte zu retten. Drei Tage später zwang sie der Widerstand, auf den sie stie- 3en, ihren Vormarsch anzuhalten. Dennoch blieben die Truppen im Libanon stationiert, selbst nach den Präsidentschaftwahlen vom 8. Mai, entregen den Abmachungen zwischen Arafat unc Assad. Wie übl ich Opter seiner eigenen opportunistischen Konzessionen gegenüber den bürgerlichen arabischen Regimes, verstand Arafat, daß er betrogen worden war. Einige Tage nach den Wahlen starteten der Palästinensische Widerstand und die libanesische Linke eine erfolgreiche militärische Offensive gegen die syrer und die christliche Rechte. Die Entschlossenheit der palästinensischen und libanesischen Massen entschied diesen Kampf; sie übertraf bei weitem die Erwartungen der palästinensischen und libanesischen Führer oder der syrischen Angreiter. Gestärkt durch ihre milltärischen Siege im Libanon, durch die Bedeutung der Mobilisierungen der arabisch-palastinensischen Massen innerhalb des israelischen Staates und in den besetzten Gebieten, waren die palästinensischen Führer nicht bereit, weitere wichtige Konzessionen zu machen, die ihre Interessen beeinträchtigt hätten. Sie hatten keinen Grund, syrien ohne weiteres nachzugeben und in den Palastinenserlagem im Libanon dieselben Bedingungen einzuführen wie in Syrien, wo der Palästinensische Widerstand in den Lagern keine Autonomie und keine Aktionsfreiheit hat.

So mußten sich die Syrer damit abfinden, ihren Angriffsplan neu zu überdenken.

(und nicht zuletzt wegen der "libanesischen" Krise). in den kommenden Etappen des "libanesischen " Konflikts eine immer größere Rolle. INNERE KRISE IN SYRIEN

Die 1970 errichtete Militärdiktatur, ein Ergebnis eines Staatsstreichs. das den von Assad geführter rechten Flügel der Baath-Partei an die Macht brachte, wår nicht sofort mit ernsthaften Problemen konfrontiert, die ihre Stabilität gefährdet hätten. Die grausame Repression und die wirksame Aktivität der Geheimpolizei siegten schließlich (ber den "linken" Flügel der Baath-Partei der von Salah Jedid angeführt wird, der durch Assads Coup ausgeschaltet wurde. Die nasseristische Opposition, die weniger gefährlich war, wurde dadurch ausgeschaltet. daß das neue Baath- Regime sie gleich nach seinem Sieg in seine Koalition integrierte. Diese Koalition umfaßte somit die herrschende Baath-Partei, die kleine nasseristische Organisation und die syrische Kommunistische Partei. Letztere, die in Syrien keinen unbedeutenden Einfluß hat, verzichtete auf ihren Status als Oppositionspartei und beteiligte sich an einer Koalition, in der die Baath die fuhrende Kraft ist. In Wirklichkeit aber regiert die Baath allein und die KP hat nur den Initiativen der legierung Beifall zu spenden und ansonsten jede nöglichen Widerstand gegen das Regime, das sich durch diese formelle Koalition einen progressiven Anstrich gibt, zu zügeln.

Dennoch hat der Bürgerkrieg im Libanon, mit all den Potenzen zu Umwälzungen in der ganzen Reion, die in ihm stecken. dem Mvthos der Stabilität des syrischen Regimes ein Ende bereitet un die Widersprüche dieses Regimes, dessen Fäulnis schon weit fortgeschritten ist, vor aller Welt aufgedeckt.

Die gesellschaftlichen Mißstände in Syrien sind Prodükt verschiedener Faktoren. darunter die wirtschaftlichen Veränderungen und Krisen, die Assads Politik der "Liberalisierung" und der Erleichterunren für die Bourgeoisie des Privatsektors begleiten. letztere erringt immer offeneren Einfluß Dadurch wird Syrien gezwungen, einen stabilen Frieden im Nahen Osten zu suchen , um den Preis großer Konzessionen an Israel. Das verfolgen die syrischen Massen, bei denen antiimperialistische und arabisch-nationalistische Konzeptionen tief veran kert sind, mit Bitterkeit. Obwohl der öffentlihe Sektor noch nicht völlig ausze höhlt ist. erreut sich die Bourgeoisie des Privatsektors seit der Öffnung des syrischen Marktes gegenuber auslandischen Kapitalanleger üppigen Wohlstands. Die Folge ist eine Wirtschaftskrise, die hart an die Katastrophe grenzt. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten kennt schier keine Grenzen: die Preise einiter Grundnahrungsmittel haben sich in den letzter ›eiden Jahren verfünffacht. Die gefahrliche wirtschaftliche und soziale Krise wird durch den Krebs des konfessionellen Konflikts aufs Äußerste

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getrieben. Das Regime wird von Anhängern der Alluiten (eine islamische Sekte. die 10% der syrischen Bevölkerung vertritt) beherrscht, denen auch Hafez el-Assad angehört. Die Sunniten (Anhänger • des "orthodoxen" Islam). die die Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren, sind Ziescheibe der von extrem-rechten sunnitischen Organisationen geschürten kinfessionellen Agitation.

All diese latenten Widersprüche brachte die libanesische Krise und die syrische Intervention plötzlich zum Ausbruch.

Die linke Opposition gegen das Regime wird im wesentlichen von den Anhänger Salah Jedids dominiert, während die Kommunistische Partei weiterder Armee und der Baath-Partei, die beide nicht vollständig von den Anhängem des früheren Regimes gesäubert wurden; diese haben ihre Basis vor allem unter den Studenten und den Palästinensern. Doch zeigt sich an den Hunderten von Verhaftungen und den Dutzenden palästinensischer Studenten, die in den letzten Wochen gefangengenommen wurden, welchen Spielraum die Opposition wirklich hat. Der von Salah Jedid angeführte Flügel der Baath-Partei gewinnt gegenwärtig unter den syrlschen Offizieren wieder bedeutenden Einfluß. Solchermaßen bedroht, bleibt dem syrischen Regime nur noch ein mächtiger Verbündeter, der ihm helfen kann, an der Macht zu bleiben: der US-Imperialismus. Es wird alles unternehmen, um den Nahen Osten zu "befrieden" und zu diesem Zweck wird es auf alle Fälle versuchen, die Lage im Libanon militärisch zu dominieren. Assad setzt aufs Ganze. Von daher die zweite, breit angelegte syrische Militärintervention. die am 1. Juni begann. DIE NEUE INTERVENTION UND

DER VOLKSWIDERST AND

In der letzten Maiwochewar die christliche Rechte im Libanon eindeutig überrannt worden. Die Kräfte der libanesischen Linken und der Palästinensische Widerstand hatten 80% des Lands unter Kontrolle. Die christlichen bürgerlichen Führer sahen nur einen einzigen Ausweg aus dieser Situation: die Intervention von außen. Syrien war die einzige Möglichkeit. Mit diesem Ziel im Auge starteten die christlichen Fahrer also eine Offensive und ordneten die Bombardierung moslemischer Viertel an, um eine syrische Interventi on zu provozieren. die "dem Massaker ein Ende" machen drangenin sten zu verstehen, daß sie eine "Konferenz" aller kämpfenden libanesischen Parteien. Dieser und nicht als Verteidiger der christlichen Reaktion erschien.

Wohl die etiren er syrische Interen wehr. Treu ihrer Tradition glaubten die palästinensischer führer, sie könnten durch einen Appell an die bürgen. Die erste feet on von ast alanar ein Appell an die Arabische Liga, Syrien zum Rückzug zü zwingen. Auf diese Weise konnten die syrischen * - Truppen drei Tage lang im Libanon vordringen. ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Die reformistischen libanesischen und palästinensischen Führungen waren auf eine Antwort nicht vorbereitet, da sie damit beschäftigt waren, Bündnisse mit den arabischen Bourgeoisien (selbst mit den reaktionärsten unter ihnen) zu suchenAber sie stießen nur auf kalte Ablehnung. da diese Bourgeoisien nur bereit waren, die syrische Aktion verbal zu denunzieren, um die Massen in ihren eigenen Ländem die auf die palästinensische Frage sehr empfindlich reagieren und von jeder Umwälzung in jedem arabischen Staat direkt betroffen werden, zu täuschen. Doch vermieden sie es. wirklich gegen Syrien zu intervenieren. So blieb den reformistischen libanesischen und palästinensischen Führungen nur eine Lösung, um ihre Unabhängigkeit und sogar ihre Existenz zu wahren: den bewaffneten Widerstand gegen die syrische Intervention zu organisieren. Doch die palästinensischen und libanesischen Massen warteten schon gar nicht mehr auf das Kommando ihrer Führungen, um zur Aktion regen die syrischen Truppen überzugehen. Durch das Ausmaß des Widerstands der Volksmassen wurden bedeutende und rasche militärische Siege Syriens verhindert. Dutzende syrischer Panzer (aller sowjetischer Fabrikation) wurden im Suden und in den Bergen zerstört und Hunderte von syrischen Soldaten gefangengenommen.

Dieser Lage konnte die Liga der Arabischen Staaten nicht län ger tatenlos zusehen, was sie gewiß getan hätte, wenn die Syrer einen raschen Erlolg verbucht hätten. Die verschiedenen Staaten reagierten je nach den traditionellen politisch-ökonomischen Rivalitäten zwischen den arabischen Staaten. Agypten, das seit der Unterzeichnung des Sinai-Abkommens mit Israel 1975 von Syrien hettig angegritfen wird, versuchte. Damaskus in pro-palästinen sischer Demagogie zu überbieten. Ebenso denun zierte Algerien Syrien, verzichtete aber auf Grund seiner innenpolitischen Situation am Vorabend der sog. freien Wahlen daraut, konkret etwas zu unternehmen. Das Baath-Regime im Irak. das darauf brannte, gegenüber dem syrischen Rivalen innerhalb der nationalistischen Baath-Bewegung Punkte für sich zu gewinnen, ließ seine üblichen Angriffe gegen Damaskus vom Stapel und marschierte mit einigen Truppen ander syrischen Grenze auf. Und inzwischen war die ganze Palette der arabischen Bourgeoisien schon unter die Vormundschaft des

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LIBANON reaktionärsten arabischen Staats geraten: Saudi- Arabiens. Alsdann wurde beschlossen, die "grunen Helme" zu entsenden, die sich aus algerischen, ybischen und sudanesischen Einheiten zusammensetzen sollten. Der erklärte Zweck der Intervention war, Syrien und den P lästinensischen Widerstand wieder zu versöhnen.

Diese Entscheidung wurde nicht nur nicht in die Praxis umgesetzt, sondem sie diente auch als Deckmantel für die syrische Intervention. Lokale Kommentatoren bemerkten, daß das. was das erste Bataillon der "grünen "Helme hätte sein sollen, in Wirklichkeit nur ein neues Bataillon der syrischen Armee war Die arabischen Regimes, ummer sehr schnell bei der Hand, wenn es sich darum dreht, verbal den Palästinensischen Widerstand zu unterstützen, hüten sich sehr wohl vor einer Aktion, wenn es darum geht, ein Massaker zu verhindern. Selbst Lybien, in den letzten Jahren der selbstproklamierte Herold des arabischen Nationalismus , unterstützt die syrische Präsenz im Libanon, wenn sein Gesandter nach Syrien reist, und verurteilt sie, wenn er mit den palästinensischen Vertretem spricht.

WAS NUN ?

Angesichts des starken Widerstands im Libanon war die syrische Führung gezwungen, ihren Vormarsch am 12. Juni zu stoppen. Doch wird dies nur eine vorübergehende Unterbrechung sein, die dazu dient, einen neuen Angriff vorzubereiten Ein Viermächte-Gipfeltreffen in Riad --zwischen Syrien, Saudi Arabien, Kuwait und Ägypten --, das ursprünglich für den 17. Juni vorgesehen war ist auf den 23. Juni verschoben worden. Syrien scheint entschlossen, einen emeuten Vorstoß zu starten, und die andem arabischen Regimes wollen Syrien dabei wohl unterstützen, aber doch nicht ein gemeinsames Gipfeltreffen mit ihm veranstalten, während der Angriff läuft. In dieser höchst komplexen Situation weigern sich die PLO-Führer, Lehren zu ziehen. Sie suchen weiterhin die Lösung bei den arabischen Bourgeoisieders ce für sich asse lenen der zwische ausnützen. In der Zwischenzeit setzen die libanesischen und die palästinensischen Massen ihren Widerstand fort. Die reformistische und stalinistische libanesische Linke zahlt nun den Preis für ihren eingewurzelten und verbrecherischen Opportunismus: isoliert von allen bürgerlichen Kralten, unter denen sie Alliierte suchte, hat sie es nicht einmal gewagt. Kemal Dschumblatt, den bürgerlichen Reformisten, den sie unterstützt, zu critisieren. als dieser nach französischen 1 rippel et, um den Palästinensischen Widerstand und dic libanesische Linke zu retten!

Die künftige Entwicklung der reaktionären syrischen Intervention hängt teilweise vom militarischen Kräfteverhältnis in Libanon ab, aber noch viel mehr von der Entwicklung in Syrien selbst, wo das Regime augenblicklich ernsthaften Schwierigkeiten gegenübersteht. So soll es überall im Land Zusammenstöße gegeben haben. Bataillone sollen gemeutert und sich geweigert haben. nach Libanon zu ziehen. Der syrische Stabschef Hikmat Shahabi ist verhaftet und eingekerkert worden. sen sich vereinigen und gemeinsam gegen ihre Bourgeoisien organisieren, die sich jedesmal gegenseitig den Rücken stärken, wenn eine von ihnen bedroht ist.

SÜDAFRIKA

NACH DEM SOWETO - MASSAKER: WELT

WEITER BOYKOTT!

LANGA 19. Juni. - Zum Zeitpunkt, wo wir diesen Artikel schreiben, stehen die werktätigen Massen Sud- Bastion des impertalistischen Westens erhoben ha- die sich gegen die weiße, rassistische ben, unbewaffnet einer anhaltenden militärischen Repression gegenüber. Nach Angaben der BBC sind bisher mehr als 100 Personen getötet und ca. 1000 verwundet worden. Die Welle der Kämpfe begann am 16. Juni in Soweto, einem schwarzen Vorort von Johannesburg. als schwarze Studenten und ihre Familien eine friedliche Demonstration gegen die zwangsweise Einführung des Afrikaans (eine Sprache holländischen Ursprungs, die von den Buren-Siedlern eingetührt wurde) in den für Farbige (aut Grund der Rassentrennungsgesetze) "reservierten" Schulen organisierten. Jie Demonstranten forderten, das Englisch Unterrichtssprache sein sollte. Diese Forderung entspringt nicht einer besonderen Vorliebe für die britíschen Unterdrücker (Großbritannien ist die größte ökonomische Macht in Südafrika; es besitzt den Löwenanteil des mehr als 10 Milliarden E betragenden fixen Kapitals und beutet billige nicht-europäische Arbeitskraft in den Bergwerken, der Industrie, dem Transportwesen, dem Handel und auf den Farmen aus). Die Afrikaner fordem Englisch als Unterrichtsprache und lehnen sowohl das Airikaans als aucl lie Bantu-Sprache zu diesem Zweck ab, weil sie eine sprache beherrschen wollen. die in der ganzen Welt gesprochen wird und einen bedeutenden turellen Einfluß hat, Diese unsentimentale Herangehensweise an das Sprachenproblem hat ihre Wurzeln in der langen politischen Erziehungskampagne der "Non-European Unity Movement" (NEUM - gegründet 1943 ür eine nicht-rassische, nicht -stammesspezifische Erziehung als Teil eines allgemeinen Kamals Mittel, Protein der aneien en a Re atte. Programm der "Bantuisierung". rung und der Hinauszögerung des Erziehungssystems eine billige und gefugige Arbeitskraftreserve aufreditzuerhalten, aufgestanden. Soweto ist ein Ghetto billiger Arbeitskraft am Rand von Johannesburg: fast eine Million halb-seßhafter Arbeiter wohnt hier. In ihrem Herkunttsland genießen sie keinerlei Rechte. Legal"gehören" sie zu dem einen oder anderen entlegenen und nichtindustrialisierten Bantu - "Homeland" Sie haben kein Recht, permanent in Soweto zu bleiben. Parias in ihrem eigenen Land, werden sie wie Gastarbeiter behandelt; sie besitzen kein Land keinerl ei politische Rechte, kein Recht auf selbständige Bebauung des Lands, und sind gezwungen, zu jeder Zeit einen Pass bei sich zu tragen. Der Brassung der elite ConSer lo einricht der Bedeutung dieses Kampfes: denn hier ist ein Nervenzentrum von Vorsters Bantustan-Politik getroffen worden: die Retribalisierung.

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DER SÜD-AFRIKA PLAN DES IMPERIALISMUS Die Demonstranten von Soweto sind gegen einen Plan aufgestanden, den die ganze westliche Koalltion nach dem Sturz des portugiesischen Kolonialregimes 1974 entworten hatte.

gelegte Strategie für das südliche Afrika sollte *kostbaren * rassistischen Staat Südatrika unversehrt erhalten. Dieser Plan hat zwei Seiten. Der eine betrifft die Aufteilung Sudafrikas in Bantu- "Homelands" (das erste, "un abhängig werden soll, ist Transkei, im Oktober 1976), in denen die Afrikaner "Bürger" "un abhängiger" Stammesstaaten werden sollen, die um das westliche sudafrika herumliegen, in dem die Afrikaner als ausländische Arbeiter betrachtet werden. Die Afrikaner sollen in den Sowetos leben "Staatsbürgerschaft" des Transkei aber als Ausländer, die die oder eines anderen "unabhängigen" Bantustans haben. Ihre Sprache soll die Ihres eigenen Stammes sein (Xhosa, Zulu, usw.).

Der zweite Aspekt dieser Strategie, die Vorster zusammen mit Washington, London und den Hauptstädten der EG-Länder, besonders Bonn, ausgearbeitet hat, betrifft die Schaffung eines Gürtels "unabhängiger" afrikanischer Staaten. die die Nordflanke des "weißen Juwels" bilden und Teil des sich herausbildenden Gemeinsamen Sudafrikanischen Marktes und des EG-beherrschten halbkolonialen Imperiums sind, das unter dem Namen der Konvention von Lomé läuft. Rhodesien soll einer der schwarzen Staaten im Südafrikanischen Gemeinsamen Markt werden. Vorster hat Unterredungen mit Kaunda (Sambia), Nyerere (Lanzania). Machel (Mozambique), Seretse Khama (Botswana). Mobutu (Zaire) und Kenyatta (Kenia) getührt, um diesen Plan umzusetzen. Jetzt ist seine Reise nach Bonn vorgesehen, wo er mit Helmut Schmidt und Kissinger zusammentreffen soll, um die kommenden Schritte im Dialog mit den afrikanischen Quislingen (Kollaborateuren - Anm. des Übers.) zu besprechen. Das kam alles gut voran -- bis zu den Ereignissen von Soweto.

Dies deutende verne dea en die entschlossen und ungeschlagen. Ihre Kraft als Klasse halb-seßhafter Arbeiter und Bauem , die niemals das Recht bekommen haben, ein fest anresiedeltes Proletariat oder Bauemtum zu werden st ungebrochen, Das südafrikanische Proletariat hat einen ganz besonderen Status inne und ist von den staatlichen Vertügungen dieses Landes gepragt. Dies Proletariat beginnt sich jetzt nun zu behaupten und bedarf der Unterstützung seiner internationalen Klassenbrilder.

Der Aufstand von Soweto ist die bisher deutlichste Absage an den Plan Vorsters, Bantustans zu schaffen: eine Absage, die die breiten Volksmassen selbst ertellt haben. Zudem nat die wilde Repression (zu der Waffen aus der EG benutzt wurden) kein Klima der Niederlage geschatten, Im Gegenteil, die Revolte hat sich ausgedehnt. Gegenwärtig ind mehr als acht Vororte in der Region Johannesurg daran beteiligt. Ungefähr 600 Meilen weiter haben sich die Studenten der Zululand "Bantustan"- Universität dem Protest angeschlossen. Mehr als eine Million Unterdrückte sind in die größte Revolte seit den Ereignisse in Sharpeville 1960 und vielleicht dem breitesten Aufstand in der Geschichte der südafrikanischen Befreiungsbewegung involviert.

ERZIEHUNGSFRAGE UND APARTHEID

Der Kampf für eine nicht-rassistische Erziehuns ist wesentlicher Bestandteil des Kampfes für volle demokratische Rechte, die nur durch eine vollständige gesellschaftliche Umwälzung in Sudafrika gesichert werden können. Das erklärt den explosiven Charakter der Demonstrationen in Soweto und der nachfolgenden Ereignisse an der Zululand-Universität. Der Kampf gegen die "Tribaliserung" und für eine Weltsprache ist Ausdruck einer Haltung der nicht-europäischen Arbeiter, die in Afrika mög- Kettereise ein Matrasenten der deme- ta" und Afrika Kultur" frikanismus", für einen nicht-rassischen" Internationalismus. Das ist die geistige Grundhaltung ler Revolte von Soweto: hinter diesem "spontanen" Ausbruch stehen Jahre politischer Erziehung. Dieser Kampf ist eine Fortsetzung des Kampfs regen die Apartheid, ein System, das aul dem atricanischen Kontinent eine lange Geschichte hat In den letzten hundert Jahren hat die von den Imperialisten eingeführte Apartheid das alte System der rassistischen Erziehung noch verschärft, das 1685 geschaffen wurde. als das holländische Kolonialregime getrennte Rassenschulen am Kap errichtete. Nach der Französischen Revolution weiteten die deutschen, holländischen und britischen katholischen Mission are diese Rassentrennung auf ein Netzwerk strategisch plazierter und strikt entlang von Rassenlinien aufgebauter Missionsstationen aus, die dem Einfangen von Arbeitskraft dienten. Als weiße Siedler sich im 19. Jahrhundert und später des Lands der unterworfenen Khoi-Khoin und Bantu- Völker bemächtigten, errichteten die angli kanische und die katholische Kirche ein strengeres system der Rassentrennung als uberall sonst. satz der Erziehung war der , hre un angefochtete daß die Erziehung der Weißen dazu dienen sollte, Obergewalt über dieses Land aufrechtzuerhalten" (Sir Langham Dale, Direktor der Erziehung des Kap. 1890) und daß "die Erziehung der weißen Kinder diese für ein Leben in einer herrschenden Gesellschaft und die Erziehung der schwarzen Kinder diese für ein Leben in einer beherrschten Gesellschaft vorbereiten" sollte (Erziehungskommission, 1951 forderte die Kommission Eiselen die "Bantu- Erzhehun der Farbigen" geschaffen wurde. ziehung *, worauf eine "Kommission für die Ergramm, das zu der Revolte von Soweto fuhrte, die Erziehung Eingeborenen als unabhändie die ihnen innewohnenden rassischen Qualitäten berücksichtigt ... und sie wirksamer auf ihre künftige Beschäftigung vorbereitet". len, damals Erziehungsminister in der nationalistische Maltespraie (ant als Kommunikationsmedium" geben werde und die Afrikaner nur soviel Englisch lemen würden, wie ausreicht, bene oder gesprochene Anweisungen zu verstehen". Die Non-European Unity Movement (NEUM) erklärte n ganz Afrika, wie gegen den Bantu-Erziehungserlaß zu kämpfen sei, und daß dies ein Teil des Kampfes seen a echse esetze usa reinen und eicht Regierung zu bilden inbegriffen. Diese Opposition Gesetze auszuarbeiten und eine beruhte auf dem Prinzip, jede Kollaboration mit den Unterdrückungsinstrumenten zu verweigem Die Waffe in diesem Kampf war der Boykott aller rassistischen Institutionen, die Institutionen der "Retribalisierung" inbegriffen. Soweto war eine Fortsetzung dieses Kampfes, in dem nur die NEUM eine Geschichte und eine zusammenhängende Perspektive aufweisen kann.