Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Schweden

Kissinger raus!

· Inprekorr Nr. 61, 18. Juni 1976 · S. 31 · 612 Wörter

Skandinavien USA und Kanada

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Am 23. Mai dieses Jahres kam Henry Kissinger Soares zu stärken, ist ein Zeichen dafür. nach Stockholm zur Unterredung mit der schwedischen sozialdemokratischen Regierung. Sunden vor seiner Ankunt demonstrierten 15000 Zweitens kann die schwedische Regierung als Informationskanal und Kontaktstelle zwischen der ame- Menschen in den Straßen der Hauptstadt unter der rikanischen Regierung und der Regierung einiger Parole : "Kissinger raus!" Diese Massendemon halb-kolonialer Länder und einiger Arbeiterstaaten stration war Ergebnis einer dreiwöchigen Kampagne, dienen. Kissinger sagte das deutlich: "In vielen die von einem Aktionskomitee geleitet wurde, Punkten stimmen wir uberein. In andern können wir das mehr als 40 Organisationen umfaßte. dank der schwedischen Neutralitätspolitik . durch die Schweden mit vielen Ländern diskutieren kann, Kissinger ist der höchste amerikanische Regierungs- mit denen wir das nicht können, wichtige Intormavertreter, der jemals Schweden besucht hat. Sein tionen austauschen". Das zeigte sich schon während Besuch muß daher als eine Wende in den diplomati- des Besuchs, als Palme eine Botschaft Fidel Castros schen Beziehungen zwischen der amerikanischen aberbrachte, daß die kubanischen Truppen in naher und der schwedischen Regierung begriffen werden. Zukunft aus Angola zurückziehen würden. der schwedischen Regierung Die sozialdemokratischen Führer sind durchaus bezum Vietnamkrieg. strebt, diese Rolle zu spielen. Aber das bringt Prozum Ausdruck, daß der amerikanische Botschafter bleme mit der Parteilinken mit sich. Kissinger in Stockholm bei verschiedenen Gelegenheiten das selbst hob das ironisch hervor, als er sagte: Land verlassen hat. hoffe, Herr Minister, ich schaffe Ihnen keine Unannehmlichkeiten, wenn ich sage, daß wir eine Aber diese Probleme standen bei der Unterredung sehr freundschaftliche Unterredung hatten" zwischen Kissinger und dem Premierminister Olof der Ankunft Kissingers haben die sozialdemokra- Palme keineswegs zur Debatte. Im Gegenteil, tischen Führer versucht, die Bedeutung von Kissin- Kissinger hat erklärt, daß die Beziehungen zwi- gers Besuch herunterzuspielen. "Aftonbladet", die schen den beiden Ländern nun gut sind und daß sie größte sozialdemokratische Tageszeitung. fragte sich gut entwickeln. Da sich an der Außenpoli- 2.B.: "Wer hat noch Angst vor Kissinger?" tat heich dedi den einen Weise eder Haltung auf der Rückreise und sein Besuch habe keinerlei der amerikanischen Regierung gegeben hat.

und für seine Erklärung. Welches ist der Grund für den Besuch Kissingers die Beziehungen zwischen Die 13.000 Leute, die gegen den mit Friedensder schwedischen Sozialdemokratie und dem ameri- nobelpreis ausgezeichneten Kriegsverbrecher dekanischen Imperialismus hätten sich geandert? An- monstriert und gefordert haben, daß die Regierung esichts der ansteigenden sozialen Widersprüche ihn zurück schicke, haben gezeigt, daß sie die n Europa und dem Heranreifen vorrevolutionärer sozialdemokratischen Argumente nicht akzeptierten. und revolutionärer Situationen in Sudeuropa sucht So wurde der Besuch Kissingers Anlaß far die breider amerikanische Imperialismus nach neuen Mög- teste Aktionse inheit der Linken, die in Schweden lichkeiten der politischen Intervention , da Washing- jemals organisiert worden ist: sie umfaßte fast ton gegenwärtig keine Möglichkeit der militäri- alle Organisationen und Unterstützungskomitees schen Interventi on gegen Irgendeine Revolution links von der Sozialdemokratie. Wichtig war vor in Westeuropa sieht. In dieser konterrevolutionären allem. daß die 5.000 Mitglieder der schwedischen Perspektive hält Kissinger es für nützlich, engere 1976 alle Schiffe aus Chile boykottieren. Hatenarbeitergewerkschait die seit dem 1. Marz und freundschaftlichere Beziehungen mit Palme die Regiezu knüpfen. Die große Rolle, die Palme letztes rung verurteilten, weil sie Kissinger empfängt, und Jahr gespielt hat. um der portugiesischen Sozia- die Demonstration unterstützt haben. Die einzigen listischen Partei die Unterstützung der europäischen Gruppen, die eine Beteiligung an der Aktionseinheit Sozialdemokratie zu sichem und® damit die Glaub- ablehnten, waren die Maoistische Kommunistische würdigkeit der konterrevolutionären Politik von Partei Schwedens und einige kleine Gruppen in ihrem Dunstkreis. Sie zogen es vor, eine eigene Demonstration "gegen die Supermächte" zu organisieren, an der nur 1.000 Leute teilnahmen.