ZUR LAGE IN NORD-IRLAND +++++++++++++++++++++++++ •++ + +++ Es gibt wieder Unruhen in Nord-Irland. Die Ankündigung von Internierungen hat zu den schärfsten Konflikten der letzten Jahre geführt. Die Ereignisse haben erneut bewiesen, daß es unter den Bedingungen der Abmachung von 1921 noch nicht einmal eine zeitweilige Lösung für die Probleme Irlands geben kann. Die Teilung hat 50 Jahre Blutvergiesen bedeutet, bis zu ihrer Bese tigung gibt es keine Hoffnung für die beendigung der Unruhrn und des bewaffneten Kampfes.
Die Ankündigung von Internierungen fol t nicht aus der militärischen Lage, sondern aus einer politischen Krise. Faulkner sieht sich der Notwendigkeit, die protestantischen Extremisten zu beschwichtigen und gleichzeitig der Notwendigkeit, die geplante "Lehrjungen von Derry"-Parade zu verhindern, gegenübergestellt und erkauft sich durch diese rigide Maßnahme Zeit für seine Regierung. Die britische Regierung hat mitgezogen, weil dies die einzige Alternative zum Fall der Faulkner-Regierung war.
Die Natur der Verhaftungen unterstreicht diese Strategie. Neben den Republikanern sind unter den Internierten auch Mitglieder von "Peoples Democracy" und der "Civil Rights Association". Keine 'noch so große Anstre gung der Phantasie kann diese Leute als bewaffnete Terrorisien ersche nen lassen. Es gibt nur eine Schlußfolgerung: die Gesamtheit der Leute, die interniert sind, sind Gegner des Unionismus und des britischen Imperialismus, die bekannt sind, weil sie an öffentlichen politischen Aktivitäten beteiligt waren. Damit es seine Wir ung auf die protestantischen Extremisten nicht verfehlt, ist das Netz so gesponnen, daß es jeden fängt, der als Gegner des Regimes bekannt ist. Aber die Beschwichtigungsversuche gehen darüber hinaus.
Die öffentliche Meinung in Großbritannien hat sich eifrig mit diesem Schritt beschäftigt. Die Presseberichte über die Ereignisse der letzten Monate in Nord-Irland gehören zu den größten Verdrehungen in der Geschichte. Neben einseitiger Berichterstattung wird jeder Lüge der schwarzen Propagandaeinheit des britischen Geheimdienstes ein vorrangiger Platz eingeräumt. Da trifft auf die ganze britische Presse zu, vom "liberalen" Guardian bis hin zu Blättern wie dem Daily Express.
Trotz der Vorbehalte, die der irische Premierminister Jack Lynch geäußert hat, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß Internierungen im Süden eingeführt werden. Lynchs Opposition ist nur opportunistische Taktik, die vom Abnehmen seiner Basis, sowohl im Freistaat, als auchiin der Fianna Fail Party, bestimmt ist. Er ist von der Möglichkeit eines massenhaften Schwindens der Partei und ihrer Wähler bedroht. Die demagogische Ausnutzung der Lage durch die Elemente, die sich von der Partei abgespalten haben und eine neue "Republikanische" Partei zu bilden versuchen, haben die Bedrohung für ihn wachsen lassen. Wenn voller Druck aus geübt werden wird, wird Lynchdie Befreiungskräfte daran hindern, die sechsundzwanzig Grafschaften als Operationsbasis gegen die Repression aus dem Norden zu verwenden.
Die Zugeständnisse an den rechten Flügel der Unionist Party werden eine rein vorübergehende Einheit innerhalb ihrer Linie zementieren. Jede Stormont-Regierung wird instabil sein, indem sie versucht, zwischen der Partei, die jede Veränderung in Nord-Irland ablehnt, und der, die mit den langfristigen Interessen des britischen Imperialismus konform geht, zu vermitteln.
Die derzeitige Regierung zögert sehr, die direkte Herrschaft aus London als den nächsten Schritt zu einer Lösung anzusehen. Dies weicht von den Absichten ihrer Labour-Vorgängerin ab. Obwohl sie größeres Gewicht auf repressive Maßnahmen legt, ist dies kein qualitativer Unterschied zur Labour Party. Beide haben auf lange Sicht diegleichen Ziel, und sie haben in ihren Beziehungen zu Irland die gleichen Ziele verfolgt. Die, dięeine Labour-Regierung als Lösung der Probleme der Minderheit in Nordirland ansehen, befinden sich in völligem Widerspruch zur Wirklichkeit. Die britischen Zeitungen erinnern beflissen daran, wie die Internierung die früheren IRA-Kampagnen von 1938-42 und von 1956-62 zerschlagen haben. Sie ignorieren, daß die heutige Situatuion in Wirklichkeit anders ist. Zu dieser Zeit war die IRA von den Massen isoliert; heute genießt sie mehr Unterstützung durch die Minderheit im Norden als je zuvor. Die Tatsache, daß die Unionisten zugaben, die Stärke der Reaktion auf die Internierung wird nicht zum Ziel führen, weil die IRA untrennbar mit den Volk sind, werden von anderen eingenommen werden, ihre Gewehre werden von anderen Händen aufgehobden werden und der Kampf wird weitergehen. Die Internierungen mögen eine vorübergehende Unterbrechung der Guerilla-Kampagne zur Folge haben, aber auf lange Sicht wird die britische Armee sich immer stärkerem Widerstand konfrontiert sehen.
Es besteht die unmittelbare Notwendigkeit für Solidaritätsaktiones. Gegen den Versuch des britischen Imperialismus, über die Leichen des irischen Volkes eine Lösung zu erreichen, muß ein gemeinsamer Kampf geführt werden. Intensive Propagandaarbeit ist nötig, um die britische Arbeiterklasse über die Tatsachen in Irland zu informieren. Aber die Notwendigkeit der Solidarität geht über Großbritannien hinaus. Die Linke in Europa und Nordamerika, die an den nationalen Befreiungskämpfen in Ostasien, Lateinamerika und dem nahen Osten regen Anteil genommen hat, sieht die Wichtigkeit Irlands für die revolutionäten Kämpfe in Europa nicht. Die Befreiungskräfte in Irland müssen die gleiche Unterstützung erhalten wie die indochinesische und palästinensische Revolution.
IN PR KORR 15.8.71 s.20
Die Geschichte wiederholt sich auf den Straßen von Belfast und Derry. Die Freiwilligen der IRA sind wieder in bewaffnetem Kampf gegen den alten Tind begriffen, den schon Generationen ihrer Väter bekämpft haben. Der britische Imperialismus und die Unionisten im Stormont kehren zu Methoden zurück, die sie immer wieder versucht haben, und die "nationalistische" Bourgeoisie zeigt sich mit ihren schwachen Protesten als pathetisches Anhängsel der britischen herrschenden Klasse. Die Geschichte wiederholt sich, weil dem Verlangen der irischen Volksmassen nach nationaler Freiheit noch nicht entsprochen worden ist. Ohne die Wiedervereinigung Irlands und die Beendigung der britischen Herrschaft kann es keinen Fortschritt für das irische Volk geben. Je länger man ihm dies vorenthält, desto härter und blutiger wird der Kampf sein, in dem es dies zu erlangen trachtet. Und weil nur die Arbeiterklasse wirksam gegen den Imperialismus kämpfen kann, kann das befreite Irland nur die Form einer Republik der Arbeiter und Kleinbauern annehme Heute sind die Worte des großen irischen Führers Padraig Pearse bedeutsame " den je - "EIN UNFREIES IRLAND WIRD NIE IM FRIEDEN LEBEN!" SCHLUSS MIT DEN INTERNIERUNGEN !
FREILASSUNG ALLER INTERNIERTEN UND POLITISCHEN GEFANGENEN ! SOLIDARITÄT MIT DEM IRISCHEN VOLK GEGEN DEN BRITISCHEN IMPERIALISMUS ! SELBSTBESTINMUNG FÜR IRLAND!
SIEG DER I.R.A. !
I.M.G., brit. Sektion der IV. Internationa?.
++ •++ *+++ LEST WAS TUN MONATSZEITUNG DER REVOLUTIONÄR- ATONNIERT KOMMUNISTISCHEN JUGEND (R.K.J.)
Aus dem Inhalt der August - Nummer (Nr. 7 / August 1971): - Mao auf Moskaus Spuren - Politischer Mord in Hamburg - Aktion Nulltarif gegen Fahrpreiserhöhungen Esslingen-Hamburg - Zur Lohnbewegung der IG Chemie: Lehren aus einem verschenkten Sieg - Treffen der Lambertisten in Essen: Arbeiterdemokratie nicht gefragt - Solidarität mit den Sudanesischen Kommunisten!
- im Beispiel des Speyer-Kolleg: Die Krise des Zweiten Bildungsweges und die Antwort der RKJ - Sibylle Plogstedt: Solidarität mit den Revolutionären in den sog. Volksdemokratien!
- Die Zukunft von Bangla Desh und Westbengalen (aus "Larai", der bengalischen Zeitung der S.W.P., indische Sektion der IV. Internationale) - Clydeside occupied!
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