Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die allgemeine Krise des imperialistischen Systems verschärft sich erneut

Inprekorr Nr. 6, 15. August 1971 · S. 5-10 · 3.313 Wörter

USA und Kanada Stalinismus und Bürokratie China Vietnam und Indochina

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Die wichtigste Besonderheit der gegenwärtigen Phase, wo sich die allgemeine Krise des imperialistischen Systems verschärft, liegt darin, daß alle diese Krise konstituierenden Kräfte dahin tendieren, in den Vereinigten Staaten seibst eine schwere gesellschaftliche Krise zum Ausbruch zu bringen. Der amerikanische Imperialismus war aus dem Zweiten Weltkrieg als unbestrittener Herr der kapitalistischen Welt hervorgegangen und besaß eine große ökonomische und militärische Überlegenheit gegenüber dem "sozialistischen" Lager. Die enormen Surplusprofite, die er während und nach dem Zweiten Weltkrieg akkumulieren konnte, und die enormen Reserven, über die er verfügte, ermöglichten ihm zwanzig Jahre lang, diese unbestrittene Führungnrelle - wenn auch mit wachsenden Schwierigkeiten - auszufüllen. Er trieb kraftvoll seine interne Kapitalakkumulation an und modernisierte seine Industrieanlagen; er half dem Kapitalismus in Westeuropa und Japan wieder auf die Beine, wobei er von den reformistischen und stalinistischen Bürokratien unterstützt wurde, die den revolutionären Aufschwung nach dem Kriege verrieten; er machte sich daran, die alten, sich auflösenden Kolonialreiche seiner wichtigsten Alliierten und Konkurrenten und deren Binnenmärkte selbst zu erobern, wozu er mehr als 60 Milliarden Dollar exportierte; er spielte die Rolle eines Weltgendarmen des kapitalistischen Systems, umgab die Sowjetunion und die "Volksdemokratien" mit einem Netz von Militärbasen, unterhielt in den Vereinigten Staaten und im Ausland ein militärisches Establishment ohne Beispiel in der Geschichte und übersähte die Welt mit konterrevolutionären "Stützpunkten", die er selbst finazierte und ausrüstete. Er vermied eine Verschärfung der gesellschaftlichen Widersprüche in den USA selbst, indem er einem großen Teil der amerikanischen Arbeiterklasse eine beträchtliche Erhöhung des Lebensstandards zukommen ließ; er korrumpierte die Gewerkschaftsbürokratie und schränkte gleichzeitig ihre Macht ein (Taft-Hartley-Gesetz), und er integrierte sie in seine expansionistische Weltpolitik (Kalter Krieg, Maccarthy-Ära, etc.). Aber séit ein paar Jahren zeigen sich die Grenzen der Macht des amerikanischen Imperialismus deutlich, und die Zahl seiner Mißerfolge häuft sich. Er vermochte nicht den Aufschwung der permanenten Revolution in Lateinamerika zu brechen, nachdem ihm mißlungen war, die kubanische Revolution zu brechen. Er vermochte nicht den heldenhaften Widerstand der vietnamesischen Massen zu bezwingen, die entschlossen sind, ihre Revolution bis zum siegreichen Ende fortzuführen. Es gelang ihm nicht, eine Verschlechterung im Kräfteverhältnis mit seinen wichtigsten Konkurrenten, insbesondere mit denen des Gemeinsamen Marktes, die jetzt vom westdeutschen Imperialismus beherrscht werden, zu verhindern. Es gelang ihm nicht, das Erwachen der schwarzen Jugend zu verhindern, das einerseits zur Revolte in den Gettos und andererseits zur wachsenden Radikalisierung der ganzen studentischen Jugend führte. Es gelang ihm nicht, den Aufschwung einer machtigen Antikriegsbewegung zu verhindern, der mächtigsten, die man bisher in der Geschichte der Kolonialkriege gesehen hat. Das permanente Zahlungsbilanzdefizit der USA und die daraus resultierenden permanenten Krisen des internationalen Währungssystems und des Dollars bilden nur den zusammengefaßten Ausdruck dieser Mißerfolge. Sie spiegeln die wachsende Unfähigkeit des amerikanischen Imperialismus wi der, gleichzeitig allen Aufgaben gerecht zu werden, die ihm durch seine Vorherrschaft über die imperialistische Welt t nach 1945 aufgetragen worden waren. Sie zeigen den Beginn des Niedergangs dieser Vorherrschaft an. Die enormen Kapitalmengen, die notwendig sind für die Finanzierung des Vietnamkrieges, für die ständige Vergrößerung des Militärapparates, für die Finanzierung der konterrevolutionären Stützpunkte in der ganzen Welt, für den Aufkauf kapitalistischer Unternehmen in der ganzen Welt, diese enormen Kapitalmengen haben schließlich dazu geführt, daß sich die laufende Modernisierung einiger wichtiger Industriebranchen verzögerte, wodurch eher die INPREKOR R 15.8.71 S. 5

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herit lie Vor allon habe dient wichtigsten Konkurrenten der USA über die fortgeschrittenste Technologie verfügen (Stahl, Schiffbau, elektrische Geräte, zum Teil sogar Automobilhaben diese Kapitalien zur Besänftigung der gesellschaftlichen Widersprüche in den USA gefehlt: für Lohnerhöhungen, für den Bau von Schulen, billigen Wohnungen, Krankenhäusern.

Die Ergebnisse können mit dem bloßen Auge erkannt werden. In den letzten vier Jahren sind unter dem doppelten Druck der Inflation und der Steuererhöhung die Reallöhne des amerikanischen Proletariats nicht mehr gestiegen. Die Großstädte verfaulen buchstäblich. Ganze Schichten der amerikanischen Bevölkerung (Jugendliche, Schwarze, Chicanos, Frauen) lehnen sich offen gegen die Struktur einer Gesellschaft auf, die sie zu Bürgern zweiter Klasse verurteilt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, daß sich auch die Masse des Proletariats dieser Rebellion anschließt und sie zu einer Kraft mit unwiderstehlichem antikapitalistischen Potential umwandelt. Die weitsichtigsten Schichten der amerikanischen Bourgeoisie sind sich dieser Perspektive und der Gefahren, die sie für das Überleben ihres Systems birgt, völlig bewußt. Die Führungskrise, mit der sich diese Bourgeoisie augenblicklich herumschlägt, drückt die von ihr gefühlte Notwendigkeit einer Umorientierung aus und die inneren Widersprüche (die zum Teil auf gegensätzliche materielle Interessen, zum Teil auf unterschiedliche politische Einschätzungen und Optionen zurückzuführen sind), die sie im Verlauf dieser Umorientierung lösen muß. Das innenpolitische Leben in den Vereinigten Staaten wird bis zu den Präsidentschaftswahlen 1972 von den Bemühungen dieser Bourgeoisie beherrscht sein, die furchterregende gesellschaftliche Krise, die in den Vereinigten Staaten heranreift, in Grenzen zu halten, die aufgetauchten rebellischen Kräfte wenigstens teilweise zu "reintegrieren", die Kosten der vom amerikanischen Imperialismus übernommenen Verteidigung des kapitalistischen Weltsystems zu reduzieren und schließlich die Fähigkeit, mit seinen Verbündeten zu konkurrieren, wiederherzustellen. Das bedeutet im wesentlichen, daß der amerikanische Imperialismus versuchen wird, den anderen Mächten einen Teil der finanziellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lasten, die aus der Verschärfung der allgemeinen Krise des imperialistischen Weltsystems entstanden sind, aufzuladen, un daß er sich bemühen wird, einen Teil der dadurch freigemachten Ressourcen zur Milderung der internen gesellschaftlichen Widersprüche in den Vereinigten Staaten zu verwenden.

Die Drohung, die US-Truppen nach und nach aus Europa und Japan zurückzuziehen, wird wahrscheinlich ausreichen, um die Imperialisten Westeuropas und Japans zu zwingen, die last der militärischen Verteidig ung des "Freiund in Asien zu übernehmen. Dafür werden die europäischen Imperialisten (mit den japanischen wird das schwieriger sein) ihre autonome Atomstreitmacht auf der Grundlage der französischen und britischen Atomwaffen erhalten, was durch den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt erleichtert wird.

Ebenso wird der amerikanische Imperialismus, um den Dollar zu konsolidieren, den Protektionismus verstärk en, die effektive Kapitalausfuhr aus den USA bremsen und neue Anstrengungen unternehmen, die amerikanische Industrie neu auszurüsten, was ihr wieder einen Vorsprung in bezug auf Technik und Produktivität gegenüber ihren wichtigsten europäischen und japanischen Konkurrenten verleihen soll. Die europäische Bourgeoisie wird darauf reagieren, indem sie verstärkt eigene "multinationale Gesellschaften" gründet, die allein fähig sind, sich mit einiger Aussicht auf Erfolg den vom US- Kapital beherrschten "multinationalen Gesellschaften" entgegenzustellen hier sind die Gründe dafür zu suchen, daß die französische Bourgeoisie schließlich das gaullistische Veto gegen den Eintritt Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt fallengelassen hat).

Die sowjetische Bürokratie spürt diese Gefahr; sie unternimmt neue Anstrengungen für eine "europäische Sicherheitskonferenz" und zur Aufmunterung aller kapitalistischen Kräfte in Europa, die vor diesem furchterregenden

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Unternehmen zögern (das zu neuen Verschärfungen des Klassenkampfes führen muß). Dabei erhielt sie ein günstigeres Echo als in der Vergangenheit, nicht nur aus der europäischen Sozialdemokratie, sondern selbst aus dem Schoße der NATO, denn der amerikanische Imperialismus hat a priori nichts gegen eine vorrübergehende politische und militärische Schwächung der westeuropäischen imperialistischen Mächte, die nur seine eigene Machtposition ihnen gegenüber verstärkten kann. Aber die Logik des Klassenkampfes wird sich schließlich gegen all diese diplomatischen Manöver durchsetzen. Zwar spiegelt die augenblickliche Krise des amerikanischen Imperialismus das Schwinden seiner Reserven im Vergleich zu den enormen Aufgaben, die er sich gleichzeitig aufgeladen hat, wieder. Aber daraus darf man nicht schliessen, daß diese Reserven völlig verschwunden sei en. Die amerikanische Vorherrschaft wird zwar immer mehr infrage gestellt, aber der US-Imperialismus behält immer noch eine beträchtliche Überlegenheit über alle seine wichtigsten europäischen Konkurrenten. Man kann also nicht von außen verhindern, daß die amerikanische Bourgeoisie zeitweilig ein neues Gleichgewicht wiedererlangt, im wesentlichen auf Kosten seiner Hauptkonkurrenten. Das größte Hindernis auf dem Wege zu diesem neuen Gleichgewicht ist in den Vereinigten Staaten selbst.

Die gegenwärtige Radikalisierung ist sehr viel tiefgehender als die der 50er Jahre. Sie umfaßt die ausgebeutetsten und unterdrücktesten Schichten der bürgerlichen Gesellschaft - vor allem die Schwarzen und die Chicanos -, deren Forderungen ohne eine völlige Umwälzung dieser Gesellschaft nicht befriedigt werden können. Die Reserven des amerikanischen Imperialismus beschränkter als vor 40 Jahren, und die Integration in die Weltwirtschaft und den weltweiten Klassenkampf fester, was heißt, daß die Möglichkeiten, den Arbeitern Konzessionen zu machen, geringer sind als damals. Die Koalition zur Zeit von Roosevelt war auf die Gewährung von Konzessionen an die Gewerkschaften, die Arbeiteraristokratie und die Gewerkschaftsbürokratie gebaut. Die Massenbewegung wurde in das Zweiparteiensystem wieder integriert vermittels dieser Konzessionen, vor allem dank der Verräterrolle der Stalinisten.

Heute ist es schwieriger, diese Konzessionen zu gewähren. Der Einfluß reformistischer Tendenzen wie die der KP ist heute viel geringer als zur Zeit Roosevelts. Die Reintegration der mächtigen Revoltebewegung in das Zweiparteiensystem wird damit umso schwieriger. Letzten Endes wird der Kampf zwischen all denen, die diese Reintegration verwirklichen wollen, und jenen, die ihre Anstrengungen auf die unabhängige und antikapitalistische Massenaktion der Arbeiter, der Ausgebeuteten und Unterdrückten konzentrieren, darüber entscheiden, ob die amerikanische Bourgeoisie fähig ist oder nicht, die gesellschaftliche Krise, die in den Vereinigten Staaten heranreift, an der Schwelle einer grundlegenden Erschütterung der kapitalistischen Strukturen noch einmal aufzuhalten.

II I.

Die neue Wendung nach rechts in der Außenpolitik Pekings wird den derzeitigen ausschwung cor Welirevolution nient authalten können._ Aber die Möglichkeiten für die IV. Internationale werden außerordentlich begünstigt, sich in den Massenbewegungen und Klassenkämpfen zu verankern und diese in der Perspektive des proletarischen Internationalismus und der permanenten Revolution zu orientieren.

Der Vietnamkrieg ist die wichtigste internationale Konfrontation zwischen den imperialistischen und den anti-imperialistischen und anti-kapitalistischen Kräften auf der Welt in den letzten Jahren. Der Kampf gegen den Vietnamkrieg war die grundlegende einigende Kraft für die radikale Oppositionsbewegung gegen die kapitalistische Herrschaft in den Vereinigten Staaten

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in dieser Periode. In ihm trafen sich die Studenten, die nationalen und rassischen Minderheiten, die Gewerkschaftler, die Feministen und die radikalisierten Arbeiter im Kampf un ein gemeinsames Ziel, das offen gegen die Interessen des Kapitals und der bürgerlichen Regierung der USA gerichtet ist. Der Umfang, den die Demonstrationen vom 24. April 1971 angenommen haben, hat der amerikanischen Bourgeoisie klar gezeigt, daß sie, wenn sie den Vietnamkrieg weiterführt, mit einer Ausdehnung und - was in ihrer Sicht noch schlimmer ist - mit einer wachsenden Politisierung der Antikriegsbewegung zu rechnen hat, die zum Motor des Politisierungsprozesses einer wachsenden Fraktion der amerikanischen Arbeiterklasse geworden ist. Eine solche Perspektive läuft der grundlegenden Strategie dieser Bourgeoisie für die nächste Zukunft zuwider. Die Beendigung des Vietnamkriegs einem brennenden politischen Ziel eines ganzen Flügels dieser Bourgeoisie geworden; das zeigt sich auch klar in der kürzlichen Auseinandersetzung zwischen der NEW YORK TIMES und der Nixon-Regierung um die Publizierung von Dokumenten, die ganz offen die zynische Art bloßlegen, in der die Regierungen Eisenhower, Kennedy, Johnson und Nixon nacheinander die amerikanischen Massen belogen haben und weiter belügen, um ihr blutiges konterrevolutionäres Unterfangen in Südostasien zu rechtfertigen. Die Diskussion darüber, unter welchen Bedingungen der Vietnamkrieg abgeschlossen werden soll, führte zu einer tiefen Spaltung innerhalb der amerikanischen Bourgeoisie. Sie spiegelt das Dilemma wi der, vor dem der Imperialismus im Weltmaßstab steht, ein Dilemma, das wir schon wiederholt analysiert haben (2). Ein sofortiger Abzug der US-Truppen aus Vietnam bei gleichzeitiger Freilassung der amerikanischen Gefangenen durch die Demokratische Republik Vietnam würde von den Massen Vietnams und ganz Südostasiens als kolossale militärische, politische und soziale Niederlage des Imperialismus empfunden werden. Der sich ausweitende revolutionäre Prozeß auf der indischen Halbinsel würde dadurch kräftig ermutigt werden. Die Bemühungen des Imperialismus konzentrieren sich daher auf den Versuch, diesen Rückzug so zu vollziehen, daß dieser Anstoß für die revolutionären Massen gedämpft, verdeckt oder zumindest beschränkt wird. Da die sowjetische Bürokratie nicht mehr über genügend Ansehen bei den asiatischen Revolutionären verfügt, um dem Kampf effektiv einschränken zu können, wünscht ein Flügel der amerikanischen Bourgeoisie die maoistische Bürokratie an dieser Aufgabe teilhaben zu lassen. Das ist der Sinn der zwischen Washington und Peking angelaufenen Ping-Pong-Diplomatie.

Seit dem Ausbruch des chinesisch-sowjetischen Konflikts haben wir ausgeführt, daß der eigentliche Grund für die Divergenzen nicht in den inneren Qualitäten von Mao zu suchen seien noch in der größeren Armut oder im größeren Reichtum des einen oder anderen Flügels der Bürokratie, und noch weniger im "stalinistischeren" Charakter Maos im Vergleich zu den Führern der sowjetischen Bürokratie. Die wesentliche Ursache für die Divergenzen liegt darin, daß der Imperialismus mit dem Kreml Beziehungen der friedlichen Koexistenz akzeptiert hatte, die er Peking verweigerte. Grundlegend waren die Beziehungen der maoistischen Bürokratie mit dem Imperialismus auf der einen, mit den Massen auf der anderen Seite. Es ist offensichtlich, daß diese beiden Beziehungen während der ganzen 60er Jahre anders als die Stalins, Chruschtschows und Breschnews waren - quantitativ und nicht qualitativ natürlich. Zahlreiche Tests haben diese Analyse bestätigt; sie gehen vom chinesisch-indischen Konflikt über den Vietnamkrieg, den bewaffneten Kampf in Lateinamerika bis zum Mai 1968 in Frankreich, zur Intervention der Armeen des Warschauer Paktes in die sozialistische Republik Tschechoslowakei und zum Kampf der palästinensischen Massen.

Von dem Augenblick an, wo der Imperialismus anfängt, die Absicht zu äußern, mit Peking Beziehungen der friedlichen Koexistenz, des Handelsaustauschs, ja sogar der guten Nachbarschaft aufzunehmen, ähnlich denen, die er mit Moskau unterhält, fängt eine der Konstanten, die die radikalere und "linkere" Haltung der maoistischen Bürokratie (und der "orthodoxen" maoistischen Gruppen in der Welt) an, zu verschwinden. Eine tiefgehende Wendung

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nach rechts zeichnet sich in der internationalen Politik Maos ab. Der zynische Verrat des Kampfes des bengalischen Volkes um sein Recht auf Selbstbestimmung, die nicht weniger zynische Hilfe, die dem Bandaranaike-Kabinett gewährt wird (wodurch die Pekinger Bürokratie faktisch in eine Einheitsfront mit Washington, London, Moskau, Belgrad, Neu-Delhi und Islamabad eintritt!) sind keine Einzelfälle. Zur gleichen Zeit, wo mutige junge Maoisten in Iran gehängt werden, wird die Schwester des Schah mit großem Pomp in Peking empfangen und ihr Bruder als "antiimperialistischer Kämpfer " gefeiert. Um sich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit verschiedenen halbkolonialen Regierungen von Afrika einzukaufen, zögerte Peking nicht, ihnen "Neutralität", ja sogar "Progressivität" zu bescheinigen, einschließlich dem blutigen konterrevolutionären Regime von Kamerun. Nach den letzten Nachsogar den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen

Markt gutheißen, um"Buropa" (das kapitalistische, ja sogar imperialistische Europa, aber das ist ja ein "Nebenwiderspruch", den Mao mit einer Handbewegung beisei e wischen kann) gegen den "Hauptfeind" , den amerikanischen Imperialismus, zu stärken. Was diesen "Hauptfeind" betrifft, so gibt man ihm freiwillig etwas Kredit von dem Augenblick an, wo er kundtut, daß er zu Verhandlungen bereit ist.

Kommen wir zum anderen Teil der Faktoren, die die internationale Politik der maoistischen Bürokratie bestimmen, die Beziehungen zu den Massen. Der Politisierungsprozeß der chinesischen Jugend ist sehr tiefgehend seit dem Beginn der "Kulturrevolution". Die Art, in der diese Revolution zu Ende gebracht worden ist, hat diesen Prozeß gestoppt; aber dadurch konnten nicht elle ihre Effekte ausgelöscht werden. Die vietnamesische Revolution genießt ein außerordentlich hohes Prestige bei der Jugend in der ganzen Welt und in erster Linie in der Volksrepublik China selbst. Das ist der Faktor, der den Handlungsmöglichkeiten der maoistischen Bürokratie Grenzen setzt. So hat Peking kürzlich Nordvietnam von neuem Militärhilfe gewährt, trotz der Rechtswendung.

Als Stalin von der "Dritten Periode" zur Volksfrontpolitik überging, dann zum zeitweiligen Bündnis mit Hitler und schließlich zur engen Kollaboration mit den imperialistischen Westmächten, da machte die internationale Arbeiterklasse die schwärzeste, von Niederlagen und Rückzügen gekennzeichnete Phase in ihrer ganzen Geschichte durch. Die sowjetische Arbeiterklasse war völlig erschöpft und demoralisiert, ohne jegliche Perspektiven für autonome Aktionen. Die faschistische Drohung schwebte über der ganzen Welt und verdunkelte in den Augen breiter Teile des Proletariats den wirklichen konterrevolutionären Inhalt der stalinistischen Politik. Heute geschieht die Rechtswendung der maoistischen Politik in einen völlig anderen weltrevolutionären Zusammenhang. Wir erleben einen mächtigen Aufschwung, nicht einen Rückgang der Weltrevolution, nicht eine vorübergehende Stabilisierung, sondern eine erneute Verschärfung der allgemeinen Krise des imperialistischen Systems. Unter diesen Umständen sind die Konsequenzen einer rechten Politik Pekings sehr viel beschränkter als die gleiche Politik Moskaus in den 30er und 40er Jahren. Daher auch die Zweifel Washingtons, ob Peking überhaupt in der Lage ist, die Fortschritte der Revolution in Asien wirksam aufzuhalten, selbst wenn Mao bereit wäre, in dieser Sache alle Garantien zu geben.

Ländern wie Thailand, Burma, Malaysie, auf den Philippinen, wo die revolutionäre Bewegung noch schwach ist und sehr von der politischen, militärischen und materiellen Hilfe Pekings abhängt, könnte die Rechtswendung Maos den revolutionären Prozeß zeitweilig zurückwerfen. Aber in Vietnam, in Indien, auf Ceylon, in Indonesien, wo die aufgestaute Wut, die Erfahrungen, das revolutionäre Bewußtsein und - mit Ausnahme von Indonesien die revolutionäre Aktivität der Massen sich schon zu weit entwickelt haben, sind die Chancen für einen Erfolg der Fing-Pong-Diplomatie viel geringer.

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Auf jeden Fall wird die Niederlage des Imperialismus in Vietnam objektive Konsequenzen haben, die viel zu sehr den internationalen Aufschwung der Revolution anspornen, als daß die Verwirrung, die die Rechtswendung der chinesischen Politik bestimmt in gewissen revolutionären Milieus hervorruft, sie neutralisieren könnte. Seit einem Jahrzehnt wächst und kräftigt sich in der ganzen Welt eine junge Avantgarde, die von den traditionellen Führungen der Massenbewegungen (Stalinismus, Sozialdemokratie, bürgerlicher Nationalismus in den kolonialen und halbkolonialen Ländern) weitgehend unabhängig ist. Innerhalb dieser Avantgarde bilden die Trotzkisten und die Maoisten die wichtigsten organisierten ideologischen Richtungen. Wenn der Rechtskurs Pekings sich weiter präzisiert und verstärkt, dann wird nicht maoistische Tendenz wird sich auflösen; der Teil, der ernsthaft revolutionär ist, wird sich loslösen. Die maoistische Bewegung wird dann auf einen harten Kern von Bürokraten reduziert sein, die sich unwiderruflich an einer "Führerstaat" binden.

Wieder wird der Aufbau der IV. Internationale begünstigt sein. Jetzt geht es darum, die Antikriegsbewegung in den Vereinigten Saaten zu erweitern und zu verallgemeinern, um dem Imperialismus keine Atempause zu lassen und ihn zum bedingungslosen Rückzug, d.h. zur Niederlage zu treiben; überall dort, wo es in den kolonialen und halbkolonialen Ländern schon möglich ist, kühne Initiativen zu ergreifen, die die revolutionären Marxisten als die einzige wirklich revolutionäre Kraft erscheinen lassen, als die einzige Kraft, die sich voll und ganz dem nationalen und sozialen Befreiungskampf der unterdrückten Völker und der ausgebeuteten Massen hingibt; noch mehr an den aufsteigenden Kämpfen des europäischen Proletariats - und morgen des japanischen und amerikanischen Proletariats - teilzunehmen, um sie auf Übergangsziele hinzulenken, auf allumfassende Mobilisierungen, auf das Erscheinen von Strukturen der Selbstorganisation der Massen, wo man diesen klar das Problem der Macht stellen muß; die Klärung gegenüber dem Stalinismus und allen seinen ideologischen Unterprodukten, vom Chruschtschowismus bis um den grundlegenden Unterschied zwischen diesen diversen Doktrinen der Bürokratie und dem Marxismus-Leninismus, der Doktrin des internationalen Proletariats und der Weltrevolution, hervorzuheben, um die trotzkistische Organisationen und ihre Kader zu verstärken. Das sind die wichtigsten Aufgaben, die sich für die revolutionären Marxisten der IV. Internationale aus der Wendung, die sich in der internationalen Situation abzeichnet, ergeben. 5. Juli 1971 (1) Diese Zahlen sind in Wirklichkeit niedriger, da in ihnen diejenigen, die nur teilweise arbeiten, nur bei Italien, Japan und Frankreich berücksichtigt sind, nicht aber bei den USA, bei Großbritannien und Kanada. Ebensowenig sind die Millionen Personen berücksichtigt, die, wie die bürgerlichen Ökonomen so elegant sagen, "sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben", weil sie überzeugt sind, daß sie auf keinen Fall mehr Arbeit finden würden.

(2) Siehe u.a. das Editorial der Nummer 49 - vom Mai 1971 - der "QUARIEME INTERNATIONALE": "Die permanente Revolution breitet sich in Asien aus". - Unter den von der NEW YORK TINES veröffentlichten Geheimdokumenten ist auch ein Memorandum, das vom Staatssekretär für Verteidigung, McNamara, an den Präsidenten Johnson geschickt worden ist, und in dem behauptet wird, der Vietnamkrieg werde von der ganzen Welt als "Test für die Fähigkeit der USA angesehen, einer Nation zu helfen (sic), einem kommunistischen 'Befreiungskrieg' zu begegnen".