Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Bolivien

Zwei Niederlagen des Banzer-Regime

· Inprekorr Nr. 58, 6. Mai 1976 · S. 17-22 · 4.094 Wörter

Bolivien, Peru und Anden Jugend und Studenten Gewerkschaften und Streiks Stalinismus und Bürokratie

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LUIS ROCA C.

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BOLIVIEN

Das Jahr 1976 hat in einem angespannten politischen Klima begonnen. 1975 hatten sich die sozialen und politischen Probleme denen die Massen gegenüberstehen, verschärft. Obwohl die Massen in ihrem die Aufein der Gewer kom en und den die stop angeordnet hatten, einen bedeutenden Schritt voran gekommen sind, fehlt ihnen eine Führung, die ihre Kräfte und ihren Kampf zentralisiert. Im allgemeinen Bewußtsein der Arbeiter drückte sich Widerstand, Revolte aus, doch ohne nationalen, selbst ohne sektoralen Zusammenhans Die Protestausbrüche blieben vereinzelt, isoliert und konnten daher ihr Ziel nicht erreichen. Doch gab es Ende 1975 unter den Massen eine starke Tendenz, die von der Regierung aufgelösten Gewerkschaltsorgane wiederzubeleben, die Kaufkraft der Lohnempfänger vor der Inflation zu schützen, die Repression einaudimmen und die Freilassung der politischen Gefangenen und die Rückkehr der in s Exil Geflüchteten zu fordern. Zwei Faktoren verschärften die politische Spannung zusätzlich: die verachtungsvolle der Forderung nach Ambei den Verhandlungen mit Chile über die Öffnung eines Korridors zum Pazifik.

Vor diesem Hintergrund sind die beiden Konflikte zu sehen, die bedeu tende Sektoren der Massen mobilisierten und sich zu einerregelrechtenKraftprobe auf nationaler Ebene steigerten: der der Fabrik Manaco und der der Universitäten. Zum erstenmal sah sich die Diktatur einer wirklichen Massenmobilisierung gegenüber, die sich ständig ausweitete Vom Ausmaß des Konflikts ins Wan ken gebracht,war sie gezwungen nachzugeben. In beiden Fallen endete die Kraftprobe mit einem Sieg der Massen.

DER KONFLIKT VON MANACO

Die Schuhfabrik von Manaco ist eine Filiale eines englischen Trusts, der in Lateinamerika unter dem Namen "Bata" operiert, Er hat sich vor 35 Jahren in Bolivien niedergelassen und seine Investitionen seitdem ständig ausgeweitet, was den Ruin kleiner Unternehmen zur Folge hatte (Plus Ultra, Zamora, Tardio, usw.). Wahrend der Regierungszeit des Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR - Nation alistisch-Revolutionäre Bewegung. deren bekanntester Führer Victor Paz Estensoro war; sie regierte das Land von 1952 bis 1964) hat die Manaco Antelle verstaatlichter Minen aufgekauft und hat jetzt eine Art Monopolstellung inne. Abgesehen davon, daß sie den Binnenmarkt fast vollständig kontrolliert, ist diese Fabrik auf die Herstellung von Luxusschuhen für den Export, vor allem fur den europäischen Markt spezialisiert; sie profitiert von den niedrigen Rohstoffpreisen und der billigen Arbeitskraft.

Parallel zur Ausdehnung dieses Unternehmens und zum Anwachsen seiner Macht im Innem des Landes bildete sich ein kämpferisches Proletariat in ihm heraus. Obwohl es bei Manaco nicht sehr viele Arbeiter gibt --etwas mehr als 1000--, hatten diese ein klares politisches Bewußtsein. Man kann ihre Rolle mit der der Arbeiter bei Siglo XX-Catavi unter den Bergarbeitern vergleichen. Als im August 1971 die Diktatur die Arbeiterorganisationen auflöste, wurden die Arbeiter von Manaco zu einem Vorposten der Verteidigung der Interessen und Rechte des Proletariats. Mit beispielhatter Ausdauer und großem Mut widersetzten sie sich den es sich den Haß der faschistischen Militärs, ausbeutenden Bourgeoisie und des Imperialismus auftauchten, glaubte diese Koalition den Moment Als in einem der Industriesektoren Probleme rekommen, zuzuschlagen und diesen Vorposten les Industrieproletariats niederzuwerfen und zu zerstören.

Die Untemehmer hatten beschlossen, "Reformen" in den Betrieben durchzuführen, um die Produktion zu steigern, wodurch die Arbeitsbedingungen verschlechtert wurden. Der Widerstand gegen diese bei der gen be 23. Dode Zen o Maschinen i Betrieb, die Unternehmer entfemten 10 davon; damit steigerte sich der Arbeitsrhythmus im selben Maße wie die Arbeitsgeschwindigkeit der Maschinen, da dieselbenProduktionsnormen erfüllt werden mußten wie vorher. Die Arbeiter sagten: "So haben wir nicht ein mal Zeit, uns den Schweiß abzutrocknen und wir sind erschöpfter als vorher" Sie forderten die Rückkehr zur früheren Arbeitsweise, doch die Unternehmer lehnten ab. Ihre Absicht lag auf der Hand: mit der gleichen Anzahl von Arbeitem und den gleichen Löhnen, aber mit verringerten technischen Mitteln die Produktion zu erhöhen. Die Arbeiter nahmen diese Überausbeutung nicht hin, und so begann der Konflikt. Am 13. Januar trat die Gruppe 423 in Streik. Vier lage später begann im ganzen Betrieb ein Solidaitätsstreik, Dann überschlugen sich die Ereignisse Wenn der Konflikt sich so schnell verschärft hat, lann wegen der Repressionspolitik der Untemehme und der Regierung dieser Frist entließ die Untemehmensleitung 820 Arbeiter und verweigerte ihnen die Abfindung, die das Gesetz für den Fall fristloser Entlassung vorsieht.

Die Untemehmer wollten die Arbeiter niederschladie ihnen zu kämpfein der Geschichte der bolivianischen Gewerkschaftten vergleichbar mit der, die 1947 die Regierung Enrique Herzog anordnete: sein Kabinett der "Nation alenEinheit" billigte damals die Entlassung von

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5.000 Bergarbeitern der Siglo XX-Catavt. Diese hatten die Stim besessen, eigene Gewerkschaften zu bilden und eine Konfrontation mit der Patino aufzunehmen. Das Kabinett der Nationalen Einheit umfaßte die Vertreter der Oligarchie und der damaligen stalinistischen Partei, des Partido Izquierda Revolucion aria (PIR - Partei der Revolutionären Linken, eine kleinbürgerliche Gruppierung, die in den 40er Jahren aufkam und von stalinistischen Elementen beherrscht war). se Partei, die eine Politik der Klassen kollaboration verfolgte und nach stalinistischem Muster die Theorie der "Revolution in Etappen" vertrat, arbeitet heute mit der Gorilla-Diktatur Banzers zusammen. Aber die Zeiten haben sich geändert und trotz der Herrschaft der faschistischen Gorillas hat der Widerstand gegen diese Maßnahmen eine Lawine ausgelöst. Dieser Konflikt, dessen Ursachen sc einfach und banal schienen, brachte das Land zum Erzittem und die sozialen Kräfte polarisierten sich. Die privaten Unternehmerverbände unterstützten die Unternehmensleitung und fühten in Presse und Radio eine Kampagne der Propaganda und Einschüchterung. Dann wurden die politische Polizei und die 7. Armeedivision mobilisiert, um die Arbeiter von Manaco zur Räson zu bringen. Die Arbeiter von Manaco leisteten dem Angriff Widerstand, wobei sie sich auf die Solidarität der Bauern, Arbeiter und Studenten stützten.

Die Antwort der Arbeiter kam schnell und entschlossen. Die Bergarbeiter von Siglo XX-Catavi legten die Arbeit nieder und forderten von der Bergarbeiterföderation, einen 24-stündigen Streik auszurufen. Dieser fand am 26. Januar statt und mobilisierte 45.000 Arbeiter der verstaatlichten und der privaten Bergwerke und der Bergarbeitergenossenschaften. Die Untergrundbewegung der Bauern schickte den Arbeitern von Manaco Solidaritätsadressen. Die Bergarbeiter von Siglo XX-Catavi beschlossen während der heftigen und kämpferischen Demonstrationen pro Kopf 10 bolivianische Pesos für die Arbeiter von Manaco zu spenden. Der Gewerkschaftsverband der Bergarbeiter Boliviens (FSTMB) beschloß, sich einzuschalten und alle Verkaufsstellen der Manaco in den Minen zu schließen und ihren Boykott zu erklären. Zur gleichen Zeit schlossen sich 20. 000 Studenten aus La Paz und Cochamba dem 24-Stunden-Streik an. Man muß hinzufügen, daß der Konflikt bei Manaco selbst die Sektoren beeinflußte, die am stärksten von der Diktat ur kontrolliert werden, so die Manufakturbetriebe in La Paz. Die Arbeiter jagten die von der Regierung emannten Delegierten davon unc bildeten Basiskomitees in den Fabriken, einige größer waren als Manaco, so Soligno. Said, Plasmar, Plasic u. a. Die Bauarbeiter und Graphiker, die sich bis dahin nicht gerührt hatten, ergriffen eine Initiative zur Organisierung einer gemeinsamen Arbeitsversammlung der Arbeiter, Bauern und Studenten, auf der der Streik bei Manaco analvsiert und eine Solidaritätskampagne gestartet werden sollte.

Die Arbeiter. Bauem und Studenten begriffen, daß der Konflikt über die Grenzenvon Manaco hin ausrei chte und sich zu einer Kraftprobe zwischen den Massen auf der einen und den Unternenmern und der Regierung auf der ander Seite ausweitete. Mit diesem Verständnis traten sie in den Kampf. Manaco wollte die Repression verstärken und rief die Armee zu Hilfe. Doch die Regierung bekam Angst und zogerte.

von Manaco Thre letzte Karte aus und verhängten den totalen Ausnahmezustand, In der Nacht vom 26. Januar gaben sie bekannt, daß sie die Fabrik schließen und an eine andere Stelle versetzen wollten. Doch statt die Arbeiter einzuschüchtern, hat dieses Manöver den Konflikt verschärft und neue Folgen hervorgerufen. Der Verband der Privatuntemehmer von Santa Cruz bat Manaco, in dieser Stadt niederzulassen; dafür bot er ihr Garantien und polftische Sicherheiten zusätzlich zu den wirtschaftlichen Vorteilen. Damit wurde ein altes Regionalproblem autgeworten das über Kapital und Arbeit hinaus noch andere Teile de Bevölkerung betrifft.

Die Antwort der Arbeiter ließ nicht auf sich warten: "Sollen die Unternehmer die Fabriken verlassen, die Einrichtungen werden bleiben, nicht eine Schraube wird verrückt werden!" zu verlieren. So brach die Offensive gegen die Arbeiter allm Khlich zusammen. Am 27.Januar kapitulierten die Untemehmer und hoben die Massenentlassungen auf, Die Arbeiter kehrten zu ihren Arbeitsplätzen zurück und es wurden keine Strafen gegen sie verhängt, abgesehen von 13 unter ihnen, die die Unternehmensleitung beschuldigt, Agitatoren und Extremisten zu sein.

de eine gemischte Kommission aus Unternehmem, Arbeitem und Regierungsvertretern gebildet. An 29. Januar wurde schließlich ein endgültiges Über Arbeiter darstellten, funden wurde. Somit war auch der letzte Versuch der Unternehmensleitung, den Führungsker zu zerschlagen, gescheitert.

Mittel eingesetzte sie hat Aktivisten verhafter, Ar- Die Diktatur hat alle beiter verfolgt, von einer angeblich "subersiven Verschwörung gesprochen und die Intervention der 7. Armeedivision angeordnet. Der Arbeitsminister Augen ogar nach Cochabamba und nahm am stan- '"Kommando" teil, das sich aus Untemehmern Militärs und Polizei zusammensetzte und Schritt für Schritt die Entwicklung des Konflikts verfolgte. Trotz all dieser Manöver entschied letztlich der Streik der fast 70.000 Arbeiter und Studenten. Die drohende Gefahr noch größerer Mobilisierungen unter Teilnahme noch weiterer Kräfte aus der Arbeiterklasse und der Bevölkerung bewegte die Diktatur und die Unternehmer zur Kapitulation, um damit eine noch heftigere politische und soziale Explosion zu vermeiden.

Im Betrieb von Manaco behalten die Arbeiter ihre alten Positionen. Doch bei Manaco und auf natioregen die Diktatur eine Schlacht zu gewinnen. selbst wenn die Bolivianische Gewerkschaltszentra• le nicht als zentralisierende nationale Führung funtioniert, vereinigten sich die Mobilisierungen um Kampio het und Willer ner daß an der Basis Kraft. Arbeiter wollen ihre Gewerksc haften wiederaufbauen und trotz der Dekrete vom 9. November unktionsfähig machen. Die kommenden Kämpfe verden auf diesen reichen Erfahrungen aufbauen. Die Diktatur ist bisher unfähig gewesen, sich die Universitäten des Landes zu unterwerfen, selbst wenn nach dem Sieg der Gorillas 1971 der Lehrkörper und die Studentenschaft gesäubert worden sind. Bin Jahr lang blieben sie geschlossen, dann wurden sie mit einer neuen Struktur wiedereröffnet: die Autonomie der Universitäten ist aufgehoben, die Verwaltung, der Lehrkörper und die Führungsorgane der Studentenschaft werden direkt von der Regierung besetzt. Aber der Widerstand gegen das fertige neue Universitätssystem ließ nicht auf sich warten; es wurden Kämpfe geführt, um die verlorenen Errungenschaften zurückzuerobern. Doch war dies weder ein automatischer, noch ein allgemeiner Prozeß. Zunächst begann es langsam in der einen und andem Fakultät. dann dehnte es sich aus auf eine Universität... Die ersten Kämpfe 19

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BOLIVIEN waren isoliert; sie warfen natürlich die Frage nach dem Recht der Studenten auf, ihre Führung direkt selbst zu wählen. Die Ziele waren noch etwas verworren und nicht nach Prioritäten geordnet. Ende Les se policene nete en ange de levoging batese ample Szene das universitätsgester. Doi in La.Paz und Cochabamba, Der Kampf bei Manaco fand bei den Studenten ein außerordentliches Echo. Es beeindruckte sie die Kraft der Massenbewegung und sie betrachteten sich als aktive Mitstreiter in diesem Kampf. Der Sieg der Arbeiter von Manaco hat den Studenten wieder Selbstvertrauen eingeflößt; das sporte sie an, in einen frontalen Kampf zu treten, der national koordiniert wurde. Die studentischen Käm- Ple spanden somit in der Kontinuität der Arbeiter- Zwei Tage nach der Schlußvereinbarung bei Manaco traten 1.700 Studenten der Fakultät für Architektur der Universität La Paz (UMSA) in den Streik. Sie protestierten gegen die Verhaftungen und anerkannten das "Inter-Fakultäten-Komitee" als zentrales studentisches Führungsorgan für die gesamte Universität an. Sie forderten den Rücktritt der Professoren und Assistenten, die nicht den "Leistungswettbewerb" und die "Eignungsprüfung" durchgemacht hatten. Die Universitätsverwaltung und das Innenministerium bezeichneten die studentische Agitation als subversiv; sie behaupteten, Manaco sei der Anfang einer Verschwörung für den Sturz nahmen sie & Sedentenführer gefangen. Zusam- Unter diesem Vorwand men mit dem Oberst Miguel Ayoroa Montafto, der der Verschwörung angeklagt war, am 5. Februar nach Paraguay ausgewiesen. Schließlich drohten die Behörden, die Universität zu schließen, wenn die Agitation fortdauern sollte. Von der Stunde an verschärfte sich die Situation. In der Nacht vom 5. Februar umstellten Polizeikommandos die Universität La Paz und lösten eine Versammlung auf, 100 Studenten wurden verder innenministen. in Willier nach der Aufnahme ihrer Personalien und ihrer Eintragung in die Kartei. wieder freigelassen. Tags darauf gab es neue Zusammenstöße; die Studenten entschlossen sich nun für einen nach Fakultäten gestaffelten Streik. Der Zusammenhalt der Bewegung verstärkte sich und man einigte sich auf eine Platt- Aber tende Forderungen au diskuten. ein, - Freilassunger ins Exil Geflüchteten aller verhafteten Studenten - Garantie des Bestands und des Funktionierens der studentischen Organe - Sicherung einer wirksamen Regelung des Berufssystems (gegen die Klientelwirtschaft) - Senkung der Mensapreise.

Unter diesen Parolen gingen die Studenten auf die Straße. Am 9. Februar riefen die Studenten der Medizinischen Fakultät einen 24-stündigen Streik aus underrichteten zwei Barrikaden, die die Avenida Saavedra, zwei Schritte vom Generalstab der und Soziologiestudenten schlossen sich dem Streik Streitkräfte entfernt, blockierten. Die Ingenieuran. Der Kampf griff von La Paz auf Cochabamba über und dann auf Sucre, wo es zu Proteststreiks zegen die Repression und zu Solidaritätskundgebunzen mit La Paz kam. Auch die Katholische Üniversität Boliviens schloß sich dem Streik an. Ihr Führer wurde am 10, Februar verhaftet. Der CNES (Consejo Nacional de Educacion Supeior - Nationalrat für Höhere Bildung) dessen räsident der Stalinist und Mitglied des PIR Maric Rolon Anala ist, versuchte zu manövrieren. Er erklärte sich mit einer Unterredung ein verstanden, verlangte aber, die Universitätsvertreter selbst auszusuchen. Das Inter-Fakultäten-Komitee wies dieses Betrugsmanöver zurück und forderte einen "ehrlichen Dialog mit seinen Vertretem"

In Cochabamba hatte die Auseinandersetzung interessante Folgen. Das Studentenzentrum der Rechts- Wissenschaftlichen Fakultät hat unter den Studenten dieses Fachs eine Umfrage durchgeführt, deren Ergebnis folgendermaßen lautete:

- 92,85% der Studentenlehnen das gegenwärtige Unterrichtssystem, das die Diktatur mittels des CNES autzwingt, ab:

- 4,69% sind mít dem jetzigen System zufrieden; - 2,48% haben auf die Frage nicht geantwortet. Die Rechtsprofessoren antworteten auf diese Umfrage mit einem unbefristeten Streik und forderten Prozesse und Disziplinarmaßnahmen gegen die Studenten. Am 12. Februar gingen die Studenten in La Paz nach einer Versammlung auf die Straße. In der Avemida 16 de Julio wurden sie von Polizeikräften mit Hunden, angegriffen. Daraufhin wurde ein 48-stündiger Streik ausgerufen. Angesichts einer sich immer sie kerzerungsendreter berekt, ens dem Inter- die Regierungsvertreter Fakultäten-Komitee zu verhandeln, der Bedingung, daß seine Mitglieder als eintache Studenten und würden.

ten sich die Gewalttätigkeiten. Es kam zu neuen Auseinandersetzungen in der Umgegend der Universität La Paz: um 12 h 30 blockierten die Studenten die Avenida Villazon mit Barrikaden. Die Polizei ging gewaltsam gegen sie vor. Da sie nicht wurden zivilgekleidete Spedie auf die denten erneut; die Zusammenstöße mit der Polizei wurden immer blutiger. Straßenkämpfe und Mobilisierungen setzten sich auch am Mittwoch, dem 18. Februar, fort, Die Polizei schoß, die studenten antworteten mit Molotovcocktails. Die Uni versität von La Paz wurde geschlossen, 230 Studenten "-von denen noch 40 im Gefängnis sitzen -verhaftet. Währenddessen trat in Cochabamba eine Nationale Versammlung der Studenten führer aus dem ganzen Land zusammen. Der Kampf sollte auf nationaler Ebene vereinheitlicht werden. Die Versammlung beschloß, dem CNES eine Frist von 48 Stunden bis zur Eröffnung der Verhandlungen zu gewähren. Diese sollten auch nicht mehr aut regionaler Ebene, sondern beiderseitig mit den nationalen Vertretem stattfinden. Nach Ablauf der Frist wollten die 9 Universitäten des Landes in einen unbefristeten Streik treten. Die Studenten ersuchten um die Vermittlung der Kirche, der Presse und des Radios. Banzer behauptete, hier werde vom Ex-Präsidenten J.J. Torrez und vom Major Ruben Sanchez eine Verschwörung angezettelt, und erklärte, er werde keinerlei Vermitt- Die Universität UMSA wurde gewas 48-stündige Proteststreiks in Oruro, Die Katholische

Universität Boliviens lud am Ende einer Versamm- Ten Raumen an Unteriai Returetimen, in "die Studenten der UMSA ein, während der . Sie torderte auch die Wiedereröffnung der UMSA innerhalb einer bestimmten Frist; im gegenteiligen Fall behielt sie sich vor, weitere Schritte zu untemehmen.

Zur gleichen Zeit rief die Föderation der Bergarbeiter zu einem Generalstreik zur Unterstützung der studenten aut und beschuldigte die Regierung, sie sei untanig. die Probleme der Studenten zu lösen, da sie auf die Gewalt zurückgriff. Sie verabschie-

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dete folgende Resolution:

"1) In allen Distrikten des Bergarbeitersektors im Land vom 21. Februar, 7 hab einen 24 -stin digen Proteststreik auszurufen; 2) entschlossen die Schließung der UMSA zu verurteilen:

3) die von Presse und Radio eingeleiteten Schritte zur Aufnahme von Verhandlungen für die Lösung der Frage zu unterstützen; 4) die sofortige Freilassung aller verhafteten Studenten zu fordem"

Auch die Bauer unterstützten die Forderungen der Studenten, Die Bauernverbände der Provinzen Omadokument:

des Landes müssen bereit sein, die Studenten, die für die Verteidigung der Rechte und Freiheiten im Unterricht und im Beruf kämpfen, unterstützen" . Sie sprachen der Konföderation der Bauern, die von der Regierung kontrolliert wird, da in ihr keine Bauern vertreten seien. Schließlich wandten sie sich gegen dic Einheitsbesteuerung auf dem Land. Auch die "Nationale Konföderation der Freien Berufe" und die Bischofskonferenz verurteilten die Schließung der UMSA. Auf all das antwortete die Regierung mit verschärfter Repression. Die Universität Potosi wurde geschlossen. Mehrere oppositionelle Studenten und Militärs (darunter Oberst Raul Lopez Leyton und Jose Patino Ayoroa, früher Städtebauminister unter Banzer) wurden der Verschwörung angeklagt und nach Chile abgeschoben. Der Rechten und der Linken wurde vorgeworfen, sie steckeine Verschve rung an. Da der General Juan Ayoroa eine Verschwörung Ayoroa nicht verhaftet werden konnte, drohte man ihm öffentlich mit seiner Deportation. Der Konflikt erreichte nun seinen kritischen Punkt. 3.000 Studenten von Cochabamba waren in den Hungerstreik getreten; die Armee griff ein und trieb sie auseinander. Ein Teil von ihnen besetzte darauf hin die Kathedrale und setzte den Hungerstreik fort. Auch die Studenten der Katholischen Universität begannen einen Hungerstreik und führten diesen im Erzbischöflichen Ordinariat von La Paz durch. Die Fabrik Manaco trat in einen 24stündigen Streik. Die Föderation der Bergarbeiter verabschiedete eine neue Stellungnahme und kündigte weitere Solidaritätsmaßnahmen mit den Studenten an. Das war am 26. Februar, Tags darauf begann die Regierung nachzugeben, . Mit Hilfe der Vermittlung des Radios beriet sich das CNES mit den Leitungen der 9 Universitäten und warf erneut das Problem der Verhandlungen auf. Schließlich gab ihm die Regierung grünes Licht dafür. Innenministerium und CNES gaben der Katholischen Uni• versität nach und traten mit ihr eine Ubereinkunft, durch die der Streik im Ordinariat beendigt werden sollte. Sie enthielt folgende Punkte: 1) Die Studenten der Katholischen Universität werden sofort freigelassen; 2) bis zum 1.März wird das Innenministerium die Lage der verhafteten Studenten einzeln prüfen und die freilassen, die nicht in Gewalttatigkeiten verwickelt waren.

3) das Inneministerium wird die Akten der Studen ten, die nicht freigelassen werden, der ordentlichen Justiz übergeben:

4) das CNES sichert die Eröffnung von Verhandlungen zu, die am Montag, dem 1. März, beginhen sollen.

Die Regierung begann zu kapitulieren, wenn auch vor der Kirche und nicht vor den Studenten. faktisch lief dies auf das Gleiche hinaus. Die offizielle Front löste sich auf. In der Nacht vom 27. Februar vurden 53 Studenten freigelassen. Nur noch 7, die des "Extremismus" angeklagt sind, wurden der ordentlichen Justiz übergeben. Aber obwohl die Verhandlungen am 1. März begonnen haben, konnte noch keine endgültige Vereinbarung erzielt werden, da die Regierung sich einer solchen widersetzte. Die studentischen Vertreter und das CNES führten sehr harte Verhandlungen. Der strittigste Punkt war der der Freilassung der Studenten. Am 4. März wurden die Verhandlungen abgebrochen, und der Konflikt spitzte sich wieder zu.

Ein großer Teil der Studenten der Universität vor La Paz zog nun zum Ordinariat und begann einen neuen Hungerstreik. Die Bergarbeiter des siglo XX- Catavi traten in einen dreitägigen Streik und die Föderation der Bergarbeiter bekräftigte thre Unterstützung für die Studenten. Sie drohte, national und schließlich, am 6. März, wurde der Universitätskonflikt beendet. Die geschlossene Vereinbarung lautete folgendermaßen:

l) Das CNES verpflichtet sich, innerhalb von 15 Tagen Schritte für die Freilassung der Studenten zu untemehmen. Es verspricht auch, mit dem Innenministerium die Rückkehr der ausgewiesenen Studenten auszuhandeln; der Demokratisierungsprozeß der studentischen Führungsorgane soll mit Wahlen und mit der Erneuerung der Studentenzentren in den Universitäten und Technischen Hochschulen im Juni dieses Jahres eingeleitet werden, Gleichzeitig sollen ihre Büros wiedereröffnet, ihr Eigentum zurückerstattet und ihre Guthaben freigegeben werden, ohne daß sie rückwirkend besteuert werden:

, das Erziehungsministerium und das CNES garantieren das Funktionieren der studentischen Vertretungsorgane; in den Universitäten La Paz, Cochabamba und Potosi wird das zweite Semester des Studien jah- 5) in diesen Universitäten beginnt das i res 1915-76 Dis zum 19. April verlangert; . Semester des kommenden Studien jahres am 3, Mai: 5) alle provisorisch emannten Lehrkräfte müssen 'Leistungskontrolle" und der "Eignungsprüfung" unterworfen werden: den Studenten wird zugesichert, daß sie die Abhaltung dieser Prü fungen kontrollieren können. Die Vorschlage zur Reform des Unterrichtssystems sollen von sich aus Lehrkraten tadenten und dem CES sich aus Lehrkräften, zusammensetzt; sie müssen vom Nationalen Kongreß der Universitäten Boliviens gebilligt werden.

die polytechnischen Schulen und die Fakultäten Literaturwissenschaft und Pädagogik bleiben Teil des Universitätssvstems:die Anzahl der Technischen Institute soll erhöht werden 3) den Studenten wird die Betelligung am Studen tenwerk zugesichert; 9) die Entscheidun Bezember 1975, des CNES und der Rektoren konferenz vom 2% des Universitätshaushalts der Katholischen Universität Boliviens zuzuteilen, muß von den Studenten ratifizeirt werden.

Diese Vereinbarung wurde von 21 Studenten vertretern und vom Präsidenten des CNES und seinen 6 wahlberechtigten Mitgliedern unterzeichnet. Die 7 verhafteten Studenten kamen vor ein ordentliches Gericht und wurden wenig später vom Richter freigesprochen. Die Frage der ausgewiesenen Studenten bleibt noch offen. Der Kampf um ihre Rückkehr geht weiter; er wird vor allem bei Semesterbeginn auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen wieder aufflammen.

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GEGENOFFENSIVE DER REGIERUNG

Nachdem diese Auseinandersetzungen mit einer Niederlage des Staates geendet haben, geht die thre Kräfte neu zu organisie- Mehrere Aktivisten dieser Parteien werden verhaftet, Ihre Häuser und Wohnungen geplündert und in eir Gefängnis oder eine Folterstätte verwandelt. Die Presse gab Mahnungen bekannt, wonach niemand Linksoppositionellen Wohnungen vermieten dürfe, ansonsten er mit den gleichen Verfolgungen rechnen müsse. Die Radio-, Presse - und Plakatkam pagne gegen die revolutionären Führer hat sich verstärkt; Denunzianten sind Belohnungen versprochen worden.

Auch in ihren eigenen Reihen muß die Diktatur Ordnung schaffen, da die Konflikte mit den Arbeitern von Manaco und den Studenten große Rückwirkungen gehabt haben. Schon während der Ausein andersetzungen wurde der institutionalistische Sektor der Armee getrotten und einige nocngestellte Offiziere verhaftet. Um den Bintlus dieser Sektoren zu schwächen wurde eine versammlung der Kommandanten der kleinen und großen Mill täreinheiten des ganzen Landes einberufen. Auf dieser Versammlung legten das Oberkommando, Banzer und seine Minister ihre Pläne und ihre polimen Beratenen eder de Regierung die interstützung der Streitkräfte zugesichert. Doch in der Frage des Zugangs zum Ozean zeichnen sich schon wieder Meinungsverschiedenheiten ab: die Militärs erkennen, daß sie ohne eine Volksbefragung nicht zu einer endgültigen Vereinbarung mit Chile kommen können. Es ist Klar, daß es innerhalb der Streitkräfte widersprüchliche Positionen gibt und ständig sich Opposition regt. Die Massenmobilisierung und die Niederlage der Regierung haben diese Spannungen sicher verschärft.

Schließlich hat die Diktatur "Massen versammlungen" organisiert, um ihre soziale Isolierung zu vertuschen. Solche Massenversammlungen haben zuerst in ihrer Hochburg Santa Cruz stattgefunden; dann auch in Ucurena (Cochabamba), einem bäuerlichen Zentrum, in dem 1953 die Agrarreform unterzeichnet wurde, und in La Paz. Es hat sie in allen Provinzhauptstädten gegeben. Unter Drohungen wurden Angestellte des Offentlichen Sektors, Marktverkäufer und die gesamte zivile Bürokratie der Streitkräfte mobilisiert. Die "Massen" wurden per Eisenbahn, Lastwagen oder Bussen von einem Ort in den andern geschleppt. Diese "spontanen Unterstützungsdemonstrationen waren sehr teuer. Aber die Re- Beage brwahren. Und mache ungedinden ses Unzufriedenen innerhalb der Armee zu besänftigen, muß sie eine Demonstration ihrer "Stärke" abgeben. Aber diese Demonstrationen sind so künstlich und anfällig, daß sie nicht einmal einen leichten Regen vertragen !So mußte Banzer in La Paz seine Rede gezwungenermaßen vor seinen eigenen Leibwächtern da die "Massen" , die er versammelt hatte, Gegenteil, sie verfügt noch über einen ziemlich breiten Spielraum. Sie bekommt vom Imperialismus und seinen Institutionen viel Geld in Form von Anleihen und Schenkungen; damit kann sie zahlreiche öffentliche Investitionen, besonders den Straßenund Wohnungsbau finanzieren. Aber sie behält vor allem ihren enormen Repressionsapparat. Durch die Schwäche der revolutionären Führung, die sich von den ihr zugefügten Schlägen erholen muß, wird die Lebensdauer der Diktatur noch verlängert. weiter auf seite 32 ISRAEL

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