Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Dossier: UdSSR

Nach dem XXV. Parteitag

Inprekorr Nr. 55/56, 9. April 1976 · S. 22-23 · 700 Wörter

Sowjetunion Stalinismus und Bürokratie

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Der XXV. Parteitag der KPdSU fand vom 24. Februar, dem Jahrestag des Geheimberichts Chruschtschows vor dem XX. Parteikongreß, bis zum 5. März Marz, dem Todestag stalins, statt, Das sind zwei herausragende Daten in der Geschichte der Bürokratie, die aber, das ist das wenigste, was man sagen kann, während der 10 Kongreßtage kein Echo hervorgerufen haben. Der Kongreß bot den Beteiligten Kolchosbauem; das ist selbst als Staffage lächerlich. in Kongreß der Selbstzufriedenheit und des guter Gewissens der Bürokraten. Die Aktivität der Parte wurde auf allen Ebenen gutgeheißen. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ? Breschnew hat die Partel von jeder Verantwortung reingewaschen,, indem er die ganze Schuld auf die Ministerien ablud, nicht in der Lage waren, die "richtige Linie" und die Beschlüsse der vorhergehenden Kongresses in die Praxis umzusetzen.

in Kongreß der Stagnation, Gegenüber den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und dem fast stagnie• renden Lebensstandard der sowjetischen Massen wurden nur Lösungen vorgetragen, die eine Fortschreibung der vorhergehenden Politik bedeuteten. Ein Kongreß der Reglosigkeit. Die Zusammensetzung des neuen Politbüros ist das beste Beispiel datur. Trotz des greisen Alters der meisten Mitglieder des Politbüros (Pelsche ist 78 Jahre alt, Suslov 75, die anderen sind nahe den 70) gab es keinen Ab- --für die katastrophale Situation in der Landwirtschaft mußte ja

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wohl ein Sündenbock gefunden werden !--. Die Stellung Breschnews wurde gestärkt, und die Lobeshymnen einiger Delegierter auf seine Person kamen Schmeicheleien gleich, die der stalinistischen Periode würdig waren.

Disput mi einander westen on der der schon stark erschütterten Einheit der "internationalen" kommunistischen Bewegung einen schweren Schlag versetzt hat.

Ein anderer Mißton kam von außen: der Hungerstreik der 80 politischen Gefangenen in den Lagern. Auch das konnte die Bürokraten nicht in ihrer Seelenruhe stören.

Das Dossier, das wir heute veröftentlichen, umfaßt zwei Teile. Der erste ist eine Bilanz der Innenpolitik unter Breschnew. Sie versucht das zu analysieren, was die ruhige Oberfläche des XXV. Parteikongresses verbirgt, Der Ablauf de XXV. Kongresses ist die letzte Äußerung der scheinbaren Stabilität, die die Breschnew-Periode im Gegensatz et, Seit tge4 war es de siene Sorge kennzeichnet. der Breschnew-Clique, den Monolithismus der Macht der Bürokratie zu erhalten und zu festigen. Diese Politik hat sich kurzfristig ausgezahlt, aber der Preis, den es heute dafür zu zahlen gilt, ist da diese Stabilität nur durch ständiges Aufschieben der wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen errungen werden konnte; ein Konsens der verschiedenen Vertreter der Bürokratie war nur auf der Ebene des kleinsten gemeinsamen Nenners mörlich. Die Zusammensetzung des Politbüros zeugt vom Grad seiner Zersplitterheit in verschiedene Fraktionen und dies zu einem Zeitpunkt, wo das Altern der Führungsclique objektiv das Problem der Nachfolge stellt.Es besteht die Gefahr, daß diese Nachtolge in einer Situation angetreten Weet der volligen Unterigkeit der Bürokrate en werden muß, in der derUnmut der Massen noch so geringfügige Steigerung ihres Lebenshaltungsnive aus zu sichem, massiv anschwillt. Unter diesem Geşichtspunkt eröfinet der XXV. Parteikon- Ale Macht der Barokratie die große Gefahren für bergen kann Der zweite Teil des Dossiers umfaßt zwei Interviews. Das erste ist ein Interview mit Jaures Medwedjew, das während der Konferenz der Zeitschrift Critique in London am 23. November 1975 zusammengestellt wurde. Im zweiten veröffentlichen wir den vollen Wortlaut des Interviews, das Leonid Pliuschtsch Anfang März in Paris gegeben hat und das in Auszügen in der ersten Nummer der Tageszeitung Rouge veröffentlicht wurde. Diese beiden interviews erhellen die Probleme und Widersprüche der heutigen sowjetischen Gesellschaft in verschiedenem Licht. Der unterschiedliche standpunkt von J.Medwedjew und L. Pliuschtsch über die demokra- tische Opposition, über die Arbeiterklasse und über heute im linken flugel der sowjetischen Oppose- heute im linken die , wie beide übereinstimmend feststellenden, durchläuft. Aber Pluschtsch und Medwedjew sind feststellen, heute eine bedeutende Krise sich in einer es notwendig un tzlichen Frage einig: daß wichtig ist, daß die internationale Arbeiterbewegung die sYstschen Gefangenen if Verteidigung "der UdssR°" aller Plusch schwar em erster Sieg ergen die Bureatie. Pluschtsch war ein erster Sieg gegen Heute geht es darum, eine breite intemationale Kampagne zu entfalten für die sofortige Befreiung psychiatrischen Kliniken sowohl der Sowjetunion aller Oppositionellen die noch in den Lagern un‹ wie anderer osteuropäischer Staaten testgehalten werden.