PIERRE ROUSSET
Mit dem endgültigen Sieg über den US-Imperialismus am 30. April 1975 hat sich die Stellung und die interationale Bolle der vietnamesischen Revolution beachtlich geändert. Die Seite, auf der sich ihre internationalistische Rolle nach den objektiven Auswirkungen des langen Befreiungskampfes auf das internationale Kräfteverhältnis bestimmte, ist umgeschlagen, eine neue geöttnet. Nun bestimmen die politischen Entscheidungen der Partei und der Regierung, die außerhalb eines solchen Kamaber in breitem dern und "das Wachstum des Systems der sozialistischen Länder" (Nachrichten aus der DRNV, Nr. 71). Die imperialistische Niederlage hat einen "günstigen Moment" eröffnet für die Weltrevolution, selbst wenn ihre Entwicklung ungleich ist. Das ist die Analyse der Führung der Arbeiterpartei Nord- Vietnam. Die Angolafrage u.a, bestätigt ihre Berechtigung: die relative Lähmung Amerikas und die ungewöhnliche Forschheit der sowjetischen Politik - wo die UdSSR selbst von den USA zur Ausgleichung ihres Weizendefizits ungeheuer abhän- Maße ihren Platz in der revolutionären Weltbewegung. Der Sieg des Widerstands schließt sicher nicht die Periode ab, wo der Verlauf der Revolution in Vietnam und in Indochina durch seinen exemplarischen Charakter die Kämpfe in den andern Länder beeinflußte; der beschleunigte Wiedervereinigungsprozeß, die Umwälzung der gesellschaftlichen der sozialistische Übergang eines nationalen Befreiungskampfes weisen weiterhin demjenigen den Weg, der den Sieg will. Und die Politik der Arbeiterpartei Vietnams wird nicht plötzlich umschwenken. Aber die Orientierung. die der viernamesische Kommunismus bisher verfolgt hat, kann er nicht unverändert beibehalten: er muß eine wort finden auf die neuen Tatsachen, die mit dem Ende der militärischen Kampfe geschaffen wurden. Die vergangenen neun Monate ermöglichen, die Konturen der neuen Politik der Arbeiterpartei Vietnams zu zeichnen, Sie bestätigen, dåß die Kommen die die der jetzigen Übergangsperiode sein wird.
nistische Partei Vietnam trotz der großen Aufgaben des Wiederaufbaus sich nicht auf den nationalen Bereich zurückziehen will.
EIN "GUENSTIGER AUGENBLICK' Die vietnamesischen Führer setzen heute die Analysen fort, die sie seit langem über den Stellenwert ihrer Revolution entwickelt haben. In seiner Rede auf der Beratungskonferenz über die Wiedervereinizung im November in Saigon erinnerte Truong İschinh, Mitglied des Pofitbliros der Arbeiterpartei Nordvietnams daran, daß Vietnam "Jahrzehnte hindurch" das Land war, wo sich "die Gegensätze, die die heutige Welt kennzeichnen" konzentrierten. Daher zitiert er das Zentralkomitee der Partei, das die Tragweite der amerikanischen Niederlage unter- "Wenn der Sieg von Dien-Bien-Phu den Zusammenbruch des französischen Kolonialismus bedeutet hat, so kündigte der Sieg vom 30. April 1975 seinerseits den vollständigen und unvermeid- ›aren Niedergang des amerikanischen Neo-kolonialismus in der Welt an" ("Nachrichten aus der Demokratischen Republik Nord-Vietnam"- DRNV , Nr. 67).
Die vietnamesische Führung zeigt ein wirkliches Verständnis der gegenwärtigen Dialektik der Weltrevolution und der Folgen des geführten Kampfes, selbst wenn es weiterhin deformiert ist durch ihr politisches Unverständnis der stalinistischen Entartung der sowjetischen Führung und ihrer Folgen. "Diese Siege haben den amerikanischen Imperialismus geschwächt, seine Autorität gemindert. Sie ermutigen die nationalen Befreiungsbewegungen... In allvemeinerer Form erhellen sie die "Offensivposition" der "drei großen revolutionären Strömungen", , die in unserer Epoche "zusammenfließen": lutionäre Bewegung" in den kapitalistischen Län- die nationale Befreiungsbewegung " die revogig. ist - lassen sich nicht anders erklären. Auch nicht die Stärke der direkten Intervention Kubas zugunsten der MPLA, trotzdem Kuba vom US-Imperialismus bei zaireichen Gelegenheiten weisen die vietnamesischen Führer auf zwei Lehren aus ihrem Kampf hin: einmal bezüglich des Charakters der Revolution in den unterjochten Ländern, zum zweiten bezüglich der organischen Verbindung zwischen der Kampfen in den verschiedenen Teilen der Welt, Vor allem auf letztere ging Vo Nguyen Giap in seiner Rede auf dem ersten Kongreß der Kommunistischen Partei Kubas ein: "In der gegenwärtigen Epoche ist der Kampf der Völker um Unabhangigkeit und Demokratie im allgemeinen eng verbunden mit dem Kampf um den Sozialismus und den Kommunismus, wenn auch der Prozeß der Revolution sich in jedem Land durch seine besonderenEigenheiten unterscheidet. Die patriotischen und demokratischen Kräfte versammeln sich um die redrei großen revolutionären Strömungen sind dabei, volutionärste Klasse, die Arbeiterklasse. zu einer unbesiegbaren, umfassenden Kraft zu werden... " ("Nachrichten aus der DRNV", Nr. 70). Dieses ideologische Bezugssystem erlaubt einer seits, den besonderen Platz zu bestimmen, den sich die vietnamesische Führung in der internationalen Arbeiterbewegung zuerkennt, Dieser weicht in der Tat deutlich von dem der maoistischen Fühderen Orientierung die des Kampfes gegen die beiden Supermächte"und vor allem gegen den sowjetischen Einfluß ist, und dies bis nach Süd-Ost- Asien hin, wo ihr die Aufrechterhaltung eines gewissen amerikanischen Kräftepotentials wünschenswert erscheint, um der sowjetischen Präsenz im Indischen Ozean zu begegnen. Er weicht auch von dem der KPdSU ab, die in einer Periode des internationalen Aufschwungs der Klassenkämpfe nach einer schwierigen Aufrechterhaltung des grundsätzlichen Status quo im Kräfteverhältnis im Weltmaßstab sucht. Wenn aber das Studium der Thesen der Arbeiterpartei Nord-Vietnam zu dieser Frage auch die Originalität der Politik der Führung bestätigt, so hebt es auch ihre tiefe Zweideutigkeit hervor.
Das Streben nach wirtschaftlicher Fortentwicklung sowie nach nationaler Unabhängigkeit drängt die Vietnamesen, ihre Bündnisse und Hilfsquellen so veit wie möglich aufzugliedern. Das ertordert eine Ireifache Aufgabe: Vietnam an die Grenze zwischer dem "sozialistischen Lager" und den "blockfreien Ländern" zu stellen; die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit allen imperialistischen Mächten zu normalisieren; zu vermeiden, allzu sehr in den chinesisch-sowjetischen Konflikt hineingezogen zu werden.
Seit September 1973 war die süd- vietnamiesische PRR dem Lager der "Blockfreien" beigetreten. Im August 1975 wurde auch die DRNV aufgenommen, auf der Konferenz von Lima. Das wiedervereinigte Vietnam wird daher mit Kuba und der Volksrepublik Nordkorea eines der we nigen Arbeiterstaaten sein, die voll der "Cruppe der 77 angehören. Die Anzeichen des "Auftauens" der diplomatischen Beziehungen zu den USA, die ersten abgeschlossenen Verträ-
schaftlichen Beziehungen ebenfalls ein gutes Stück vorangekommen ist.
Die erste großere schwierigkeit, der sich die vietnamesische Führung auf internationaler Ebene gegenüber sieht nach dem sieg vom April 1975, betrifft ihr Verhältnis zur VR China.
Worum es auch immer bei dem Grenzkonflikt gehen nag - er berührt die nationale Unabhängigkeit jedes ,andes ebenso wie die wirtschaftlichen (Erdöl-) interessen, Die globalen Differenzen, heute zutage treten, sind die tiefsten. Für 1976 wurde schnell ein Hilfsabkommen zwischen China und Vietnam unterzeichnet und während seines Pekingbesuchs im September 1975 hielt Le Duan, der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Arbeiterpartei Nord- Vietnam, eine flammende Rede. Er hat die *"militante Solidaritat" begrüßt, CHINA / UDSSR : GESTOERTES
GLEICHGEWICHT
Es ist sicher der Wille der DRNV, ihr Verhiltnis zur UdSSR und zu China so gut wie möglich im Gleichgewicht zu haiten. Dies entspricht in der Tat der Situation der indochinesischen Revolution - die nach den schäden eines dreißgjährigen Krieges gezwunger ist, die weitestgehende Hilfe zu suchen - und der empirischen Analyse der vietnamesischen Fuhrung über den chinesisch-sowjetischen Konflikt: daß es ein Bruderkrieg sei, der auf kriminelle Weise das "sozialistische Lager" spaltet, dem sie alle, Aber die Politik der maoistischen Führung verwehrt die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts. Die Spannungen zwischen Vietnam und China, die im seit Nixons Reise nach Peking aufgebrochen sınd, haben sich äußerst verschartt. 1974 ist ein Grenz konflikt ausgebrochen. Mitte Januar 1974 hat China die Inseln eines der Archipele militärisch besetzt, deren Zugehörigkeit umstritten ist: die zuvor von Thieu kontrollierten Paracel-Inseln. Die PRR dem verhandlungsweg geregelt werder iese Verhandlungen fanden nicht statt und in letzte Zeit hat der Konflikt eine neue Dimension angenommen. In der Peking Rundschau vom 15. Dezember 1975 wurde ein langer Artikel veröffentlicht: "Die Inseln des südlichen chinesischen Meeres sind chinesisches Territorium seit dem Altertum", einige Inseln "sind noch nicht in unsern Besitz zurückgekehrt - aber das chinesische Volk wird Taiwan befreien und alle China gehörigen Inseln werden in den Schoß des Vaterlandes zurückkehren" (S. 15). Die Zeitschrift der vietnamesischen Armee, der Tap Tschi Quan Doi Nhan Dan rief ebenso wie Radio Hanoi auf, die"nationale Einheit in den territorialen Gewissern auf dem Kontinentalplateau" zu be- 631.191. ein als e die vietnamesische Fah- "Le Monde" vom rung bereit, den Archipel der Spatly-Insein mit Hilfe der Armee zu besetzen.
die die beiden Völker und "nahestehenden Freunde" miteinander verbindet, die "Freundschaft zwischen Genossen und Brü- . Aber Le Duan hat daran erinnert, daß der Kampf gegen den Imperialismus der Tatsache Rech- 62). Sein chinesischer Gesprächspartner rief seiner- Sein Kommunique seenos das chinesisch-vie namesische Treffen ab, während die Arbeiterpartei Nordvietnam auf ihrer Weiterreise wichtige gemeinsame Kommuniques mit der UdSSR und fünf anderen ost europäischen Ländern unterzeichnet hat. Was "Peking Rundschau" betrifft, so hat sie sehr wenig Enthusiasmus gezeigt, als die Wiedervereinigung angekündigt wurde.
Offensichtlich gibt es --trotz allem Schein nach eine tiefe Unvereinbarkeit zwischen einer Orientierung auf die Denunzierung des sowjetischer "Sozialimperialismus" und einer Orientierung, wonach die "Solidarität zwischen den revolutionären Kräften" (UdSSR eingeschlossen) "das Pfand des Sieges" ist ("Nachrichten aus der DRNV" . Nr. 69). Das sowjetisch-vietnamesische Kommuniqué geht soweit, die Sowjetunion als "ersten proletarischen Staat der Welt" anzuerkennen ("Nachrichten aus der DRNV" Nr. 65). Solange die maoistische Führung ihre gegenwärtige Politik beibehält, können die Spannungen zwischen den beiden Ländern nur anwachsen. Das sozialistische Vietnam wird allerdings tendenziell zu einem objektiven Feind für die VR China, sa sien zu be natürliche monieti, den die chinesische Bürokratie sich angesichts des hohen politischen Preises, den sie für die jetzige Orientierung zahlt, (vor allem in einem Fall wie Angola), sich spaltet und schließlich den Kurs indert.
Die chinesisch-vietnamesische Konfrontation spitzte sich besonders bei zwei Gelegenheiten zu: bei Portugal und bei Angola. Vietnam hat in der Tat die Völksrepublik Angola sofort anerkannt und die MPLA unterstützt. In diesem Fall erfuhr die maoistische Führung ihre größte Isolierung innerhalb der Arbeiterstaaten. Kuba hat ihre Politik scharf angegriffen. Selbst die Volksrepublik Korea hat schließlich ihre Ausbilder aus Zaire zurückgezogen und die MPLA unterstützt.
Was Portugal betrifft, so hat die DRNV nicht nur den "schwierigen Kampf um die nationale Unabhäntigkeit und den Sozialismus" unterstützt, sonden liese Unterstützung auch zum "Kriterium des wahrhaften proletarischen Internationalismus" heute gemacht ("Nachrichten aus der DRNV", Nr.62). BEVORZUGTES BUENDNIS
Das von der vietnamesischen Führung bevorzugte Bündnis ist das mit der offiziellen kommunistischen Bewegung auf internationaler Ebene. Der Abfall der Maoisten kann das bevorzugte Bündnis auf die sowjetische stalinistische Weltbewegung reduzieren. Die Arbeiterpartei Nord-Vietnam unterstützt systematisch die offiziellen KPn in der Welt. So auch die in Chile vor dem Putsch.
Giap
Heute trifft das für Portugal und Spanien zu, sie die Denunzierung der franquistischen Verbrechen Phr Bundniseis hin zu den rechtskraften auszu- "Rechtskräften" auszustutzen ( Nachrichten aus der DRNV" "die das franquistische Regime nicht unter- . Nr. 66). Hanoi hat sich bereit gefunden, die sowjetische Diplomatie in Indien zu akzeptieren und Indira Gandhis Erlaß über den Ausnahmezustand als Antwort auf einen Staatsstreichversuch der "reaktionären Rechten" zu analysieren ("Asia Yearbook 76" , in "Far Eastern Economic Review" , S.318); so hat es zugelassen, daß die indische Presse sich auf die vietnamesische Unterstützung berief (s. "Analyse" vom November 1975). Bezeichnenderweise hat Vietnam nur sehr diskret zU Indien Position ergriffen. Damit deckt es dennoch die Verbrechen eines Regimes, das nun einen wenig beneidenswerten Rekord aufgestellt hat den der politischen Gefangenen.
Schließlich hat sich die Delegation der DRNV im sowjetisch-vietnamesischen Kommunique bereit gefunden, die Konferenz von Helsinki zu begrüßen und das " Zentralkomitee der KPdSU und die Regierung der Sowjetunion in ihren äußeren Aktivitäten zu unterstützen, um die leninistischen Prinzipien der friedlichen Koexistenz zur Anwendung zu bringen... und den Prozeß der Entspannung unumkehrbar zu machen" ("Nachrichten aus der DRNV", Nr. 65, S.3). Noch vor kurzem hat die Arbeiterpartei Nord-Vietnam die "Illusion der Entspannung" heftig verurteilt. Offensichtlich hat sie ihre Meinung über die Aggressivitat des Imperialismus nicht geändert und alle Elemente der früheren Analyse über die Weltsítuation bleiben weiterhin für sie aktuell. Die Differenzen mit der sowjetischen Führung über die Orientierung sind nicht verschwunden, Aber die relative Anpassung an die stalinistische Diplomatie hebt die Grenzen einer empirischen Bewußtseinsbildung hervor, wie sie im Lauf der vietnamesischen Revolution statgefunden hat. Es sind die Grenzen der Ziele, die sich die Arbeiterpartei Nord-Vietnam heute steckt, die nicht vorhat, eine direkte Rolle in der Neubildung einer internationalen revolutionären Führung zu spielen, oder genauer ihr tiefes Unverständnis der Krise der intemationalen Arbeiterbewegung; es ist das grundsätzliche Bündnis mit der weltweiten Arbeiterbewegung durch die offizielle kommunistische Bewegung, die in ihrer Mehrheit stalinistisch ist deren Entscheidungen somit zu den thrigen werden. Es ist eine relative, aber sicher keine absolute Anpassung. Die viemamesische Diplomatie pocht aut ihre Autonomie, sowohl in ihren Beziehungen mit den Arbeiterstaaten als auch mit den unterdrückten Landern. Während der Reise des Jugoslawen Dzemal Bijedic im Oktober nach Hanoi sowie der von Giap nach Kuba konnten die Revolutionen begrüßt werden, die ohne bewaffnete Unterstützung von außen siegreich waren. Es scheint, als habe Vietnam in der letzten Zeit eine ziemlich bedeutende Anzahl ausländischer Militanten empfangen. Die Arbeiterpartei Nord- Vietnam hat sich geweigert, sich dem sowjetischen Plan eines "kollektiven Sicherheitspakts" in Asien anzuschließen. Sie steht in starker Konfrontation mit Thailand in einem Augenblick, wo die UdSSR ihre Beziehungen zu diesem Land weiter zu normalisieren versucht. Und sie hat die offizielle Anerkennung ihrer eigenen Rolle und regionalen Verantwortlichkeit durch die Sowjets erreicht: das obengenannte gemeinsame Kommunique stellt in der Tat fest, daß "die DRNV eine solide Basis für den revolutionären Kampf des ganzen vietnamesıschen Volkes geworden ist, ein wahrhafter Vorposten des Sozialismus in Indochina und Süd-Ost-Asien. Das Prestige der Arbeiterpartei Nordvietnam hat spürbar zugenommen" (S.2).
Diese Anerkennung der regionalen Rolle der vietnamesischen KP durch die UdSSR ist bedeutsam. Sie weist auf die Grenzen der sowjetischen Handlungsfreiheit in Sud-Ost-Asien heute. Vor allem harmoniert sie mit einer intensiven Aktivität der vietnamesischen Führung selbst.
REGIONALER VORPOSTEN
Schon 1949 unterstrich Ho Tschi Minh die regionale Verantwortung der größten Arbeiterpartei Süd-Ost- Asiens. Für Truong Tschinh war in seinem Bericht auf der Beratungskonferenz die unmittelbarste Auswirkung des Siegs der vietnamesischen Revolution die, "die erste amerikanische Verteidigungslinie in dieser Region durchbrochen zu haben" . Von den Leitartikeln der nord-vietnamesischen Tageszeitung Nhan Dan nach dem 30. April (s, dazu insbesondere "Nachrichten aus der DRNV", Nr. 56) bis zum gemeinsamen sowjetisch-vietnamesischen Kommunique kehrt ein Thema standig wieder: "Sud-Ost - Asien gehört den Völkern Süd-Ost-Asiens" . Genauer die Existenz einer aktiven Befreiungsbewegung in die Arbeiterpartei Nord-Vietnam unterstreicht Thailand und in Malaisia.
Der Fall Thailand ist heute der bedeutendste. Der Sieg der indochinesischen Revolution hat tiefe Auswirkungen auf ein Land, das direkt angrenzt und wo die Klassen sich polarisieren und die Grenzen mit Laos und Kambodscha der Sitz aufständischer kommunistischer Bewegungen sind. Die Spannung zwischen Vietnam und Laos einerseits und Thailand andererseits ist schließlich Ende 1975 aufgebrochen. Eine thailändische Provokation hat am 17. November zu einem heftigen militärischen Zwischenfall auf dem Mekong geführt. Die Regierung in Bangkok hat die sechswöchige Schließung der Grenze nach Vientiane vertügt. Zehntausende von Flüchtlingen der Armee der Meos des Generals und CIA-Agenten Vang Pao sind im Norden des Landes versammelt worden und scheinen zum Tel in neuenKommandos organisiert zu sein, König Bhumipol erklärte am 15. Dezember: "es hat mehrere Formen der Sabotage gegen unser Königreich gegeben. Das hat so schwer-
VIETNAM wiegende Ausmaße angenommen, daß es einen direkten Angriff auf das Land darstellt" (FEER vom 2.1.1976). Im Frühl ing hatte die Tatsache, daß viele Flugzeuge und Schiffe der süd-vietnamesischen Marionettenregierung den Amerikanern überlassen und nicht der PRR zurückgegeben wurden, schon die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländem blockiert.
Trotz des Rückzugs der kämpfenden Truppen bleibt Thailand aber eine Aktionsbasis der USA gegen das revolutionäre Indochina, Das Echo der sozialen Umwälzungen sowie der tatsächlich errungenen Unabhangigkeit jenseits der Grenze wird weiterhin Wellen schlagen in einem Land, das in der tiefsten sozialen und politischen Krise steckt, --vor allem im Norden, der von laotisch-thailändischer Mischbevölkerung bewohnt ist. Die militärische Rechte wird ihre anti-vietnamesische Kampagne nicht fallen lassen, die eines ihrer Mittel zur Erzeugung innerer Spannung Und es sind wichtige Beziehungen zwischen der vierten und der thailändischen KP geknüpft worden. namesischen KP den revolutionären laotischen Kräf- Der vietnamesische KommunIsmus zeigt übrigens die Tendenz, in der Umstrukturierung len kommunistischen Bewegung eine aktive Rolle zu spielen. Der Erfolg seines Kampfes muß den Militanten der sild-ost-asiatischen KPn, die maoistisch orientiert sind, wichtige Fragen stellen. Die Haltung der Arbeitempartei Nord-Vietnam zu diesen KPn ist eindeutig kritisch, sie wünscht offensichtlich, daß sie eine größere Unabhängigkeit gegenüber Peking zeigen. Dieser Wunsch harmoniert mit der Unruhe und den Spannungen, die. scheinbar zumindest, in der thailändischen und der malayischen Kommunistischen Partei zutage treten. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die südost - asiatische kommunistische Bewegung auch einer der Faktoren, die bei der Konfrontation zwischen dem vietnamesischen Kommunismus und dem Maoismus auf dem Spiel stehen, Während durch Thailand aufgehört hat, von den Aktionen der KPT zu sprechen, ist die Arbeiterpartei Nord- Vietnam die einzige, die ständig die verschiedenen 22 il perialien deland und ihre Bin- So gesehen kann die regionale Rolle der Arbeiter- Partei Nord-Vietnam morgen direkter und bedeutender sein, als während der Kriegsjahre. Das wird zum Teil auch von der Entwicklung der Klassenkämpfe in diesen Lindern abhängen. Gleichzeitig verändert sich auch das indochinesische Gleichgewicht selbst. Natürlich bewahrt die Revolution in Laos, Kambodscha und Vietnam einen Kambodscha hat eine neue Verlassamer Rhythmus.
verabschiedet, die es zum "demokratischen Kamemennt. Die Sihanoukisten sind in ihrer sondern haben das Exil vorgezogen, trotzdem Sihanouk selbst die Roten Khmers unterstützt. Das Königreich Laos ist abgeschafft worden und die "Revolutionäre Volkspartei hat in der neuen Demokratischen Republik die ganze politische Leitung inne. Die Ara der'Nationalen Union" in Indochina ist niedergegangen noch bevor sie das Tageslicht erblickt hat.
Dennoch hat sich ein tiefer Riß aufgetan zwischen Laos und Vietnam einerseits und Kambodscha andererseits. Die thailändische Blockade hat den Annäherungsprozeß zwischen Hanoi und Vientiane beschleunigt. Laos hatte keinen Zugang zum Meer mehr, nur eine Luftbrücke und die Offnung der Route Thakhel-Vinh erlaubten ihm, durch die Einkreisung nicht zu ersticken, Im Gegensatz zur laotischen Führung haben die Roten Khmers eine dreifache Entscheidung gefällt, die sich von der der Vietnamesen unterscheidet. Das internationale Bündnis ist in erster Linie auf China gerichtet. Mit Bangkok bahnt sich eine Entspannungspolitik an: am lag des Zwischentalls auf dem Mekong traten sich der thailändische Außenminister Tschatitschai Sche Vize-Premieren ter in Periper dire den beiden Ländern wurde ein Tauschgeschäft vereinbart. Die Wahl des Wegs der wirtschaftlichen ist, förder nationale Zurückgezogenheit: die Hilfe von außen soll beschränkt, ein qualitatives Wachstum der Reisproduktion gesichert und der Warenimport auf der Basis der Exportergebnisse getätigt werden, um eine Verschuldung zu vermeiden. Ihre internationale Aktion entfalten die Arbeiterpartei Nord-Vietnam und die DRNV auf mehreren Ebenen. Ihre Intervention gegenüber den Ländem der Dritten Welt ist in dieser Hinsicht symbolisch. Sie verbindet pertalistischen Machte (in Fragen der Seérechte. '- die Unterstützung des "Blocks der 77" Regierungen dieser Länder so sas zuerische leetme: .) mit der Unterstützung einzelner medienne einen "Waffen kompagnon") und mit der Unterstützung der Befreiungsbewegungen. Vietnam versucht sich als einer der Vorreiter des antiimperialistischen Kampfes zu profilieren. "Was Vietnam gemacht hat, können alle entschlossenen Völker gegen jede Sorte von Imperialisten machen" . erklärte Giap in Algerien. Zur Erklärung der Unterstützung des F. Polisarío in West-Sahara fügte er hinzu: "Wir kampien um die Unabhängigkeit und die Befreiung der Völker. Wir haben alle Unabhängigkeits- und Befreiungskämpfe unterstützt. In diesem Sinn unter-• stutzen wir den Kampf des Sahara - Volkes für seine Selbstbestimmung, den gerechten Kampf, den die Volksrepublik Angola unter der Leitung der MPLA führt, die Kämpfe der Völker im Nahen Osten um die nationalen Rechte des palästinensischen Volkes" ("Afrika-Asien" , Nr.11). Er hätte für Asien die Unterstützung der Gründung der Demokratischen FRETILIN gegen die indonesische Invasion hinzufügen konnen; der Verteidigungsminister der FRETILIN natte im Januar Hanoi besucht.
Auf internationaler Ebene, wie in Bezug auf die soziale Dynamik der Wiedervereinigung (s. Inprekorr Nr. 42) spielt die vietnamesische Revolution weiterhin eine aktive Rolle. Die Aufrechterhaltung dieses Potentials hängt davon ab, wie die Führung der Arbeiterpartei Nord-Vietnam das Verhältnis zwischen den Beziehungen auf Regierungsebene und der Unterstützung der Kämpfe der Massen bestimmt, vor allem von der Qualität der Beziehungen, die sie mit der Revolution in Süd-Ost-Asien knüpft. Die Kommunistische Partei Vietnam steht heute einer dreifachen Aufgabe gegenüber: dem Wiederaufbau, dem sie mit einer Vervielfachung der Hilfe von außen zu begegnen sucnt, ohne sıch jedoch von einer abhängig zu machen und somit Gefahr zu laufen, sich selbst einem der "Bruderländer" zu sehr zu verpflichten; der Solidarität gegenüber den Bewegungen, die auf regionaler Ebene die Kontinuität des Prozeßes der permanenten Revolution darstellen, eine Aufgabe diedurch den Erfolg des Kampfes in Indochina noch größer geworden ist; der heiklen politischen Entscheidung über Bündnisse und internationale Unterstützung. in deren Bestimmung die Grenzen der vietnamesischen Führung noch deutlucher zutage treten als zuvor.
Sambia