AUS DEM GEFÄNGNIS VON OMSK, 5.SEPTEMBER 1975 • bei mir gibt es keine großen Veränderungen. Am 18. August haben mich die Ärzte untersucht, Puls: 57: Temperatur: 35,5 Grad C.: Biutdruck: 90/60; Gewicht: 45 kg. Wenn man in Betracht zieht, daß ich vor dem Hungerstreik ungetahr 60 kg wog, deutet das, daß ich in 60 Tagen täglich ca. 250 g verloren habe. Mit Hilfe eines Bleistifts kannst Du ausrechnen, wann ich bei diesem Tempo bei Null sein werde. Ich scherze. Man sagt, "daß man hier niemanden sterben läßt"; das scheint wahr zu sein, denn am selben Tag noch hat man mich in das Gefängniskrankenhaus eingeliefert, wo ich außer den täglichen Transfusionen Glucose - und B 1-Spritzen Am 26. August wurde ich in meine Zelle im Keller zurückgebracht, aber am 1. September waren sie gezwungen, mich zur Krankenstation zurückzubringen, weil es meinem Magen sehr schlecht ging. Sie haben mich dort 4 Tage lang behalten und heute, am 5. September, befinde ich mich wieder im Keller.
Die Untersuchungsbehörden sind nicht beunruhigt.
Mir fällt noch etwas anderes ein: am 12. August, morgens um zwei oder drei Uhr, ist der Gefängnisdirektor, Oberstleutnant Surov, in meine Zelle keineswegs vorhätte, begann er mich zu beschimpfen. Er erklärte mir, er wüßte, welcher Taugenichts und Feind der Sowjetunion ich sei und daß ich sehr naiv sei, wenn ich glaubte. der Hungerstreik würde mit helfen, aus dem Gefängnis zu kommen. Zum Schluß inspizierte er die Zelle und da er bemerkte, daß an den Zellmauern Inschriften waren, befahl er, man mir Bürste und Kalk gebe, damit ich diese Inschriften auslöschen könne, obwohl die daß ich nichts mit ihnen zu tun haben konnte; ich konnte mich ohnehin kaum auf den Beinen halten. Zum Aufseher sagte er: "Wenn er das nicht macht, dann bestraft ihn" . Die Strafe konnte darin bestehen, mir das Bett wegzunehmen, so daß ich mich auf dem feuchten Zementboden hätte ausstrecken müssen. Als der Aufseher ihm auf dem Korridor zu verstehen gab, daß eine solche Willkürmaßnahme sehr wohl Verzweiflungsakt meinerseits nach sich ziehen könnte, antwortete der Di- . Durch diese borte erfuhr ich bad ich se est nord das wäre sogar die beste Lösung" mein Selbstmord für gewisse Leute die wünschenswerteste Lösung meines Falles darstellen würde.
Aber ich habe nicht die Absicht, mich zu erhängen, und wenn man eines Tages erklären sollte, daß ich mich erhängt habe, dann könnt ihrsicher sein, daß es nicht wahr ist. ..
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