Klassen polarisierung PAUL PETITJEAN M
Die Parlamentswahlen vom Januar 1975 haben nicht die chronische Krise des thailändischen Regimes lösen können, das aus dem brutalen Sturz der Militärdiktatur im Oktober 1973 hervorgegangen ist. Sie waren im Gegenteil ein Spiegel der tiefen politischen und sozialen Instabilität des Landes (s. Inprekorr Nr.21 vom 13. März 75). Auf die erste Regierung dieser Legislaturperiode, die Minderheitsregierung von Seni Pramo), ist eine stabilere Parteienkoalition unter der Führung des Bruders des vorangegangenen Premierministers, Kukrit Pramoj. gefolgt. Aber jenseits der parlamentarischen Szenerie vollzieht sich eine allmähliche Umstrukturierung der Massenbewegung auf der einen und der Kräfte der Rechten
Umstrukthatkindische Ladwirschaft ist zu beeilen TeDien thailändische Landwirtschaft ist zu breiten eine extensive Wirtschaft. Laut Brian Phelan sind 90% des Wachstums der landwirtschaftlichen Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg auf eine Ausweitung des Anbaugebietes zurüekzuführen, auf die Urbarmachung und Bebauung von Neuland, Aber "heute ist in vielen Provinzen des Landes die Grenze des bebaubaren Bodens erreicht; daraus folgt ein wachsender Mangel an Boden, steima se en mai in in der Talem des Koren dens mehr der Mangel an Boden, in der Zentralebene die Pachtbelastung und im dürren Nord-Osten die Verschuldung bemerkbar, den nutzen). (1) Die "grüne Revolution" hieße für Thailand vor allem der Übergang zur intensiven Landwirtschaft, was eine völlige Umstrukturierung der Wirtschaft auf dem Lande erfordert. wo eine Klasse von Großgrundbesitzem, die organisch mit dem Staatsapparat verbunden ist und eifersüchtig ihre Privilegien hütet einer Masse von Bauern oline Land gegenübersteht, die heute 60 bis 65% der Landbevölkerung ausmachen. Sanya hatte im Laufe des Jahres 1974 drei Gesetze verabschiedet: das Agrarretormgesetz' len "Erlaß über die bäuerliche Pacht und den "Erlaß über die Unterstüzungshilfe für Bauem" Offiziell drehte es sich darum, an einen Teil der Bedürftigen Land zu verteilen, Grundrente zu senken, einen Mindestpreis für Getreide zu sicher und finanzielle Hilfe für Modernisierung und für den Kauf von Dünger bereit zu stellen...
Nachdem sie erst die Annahme eines Agrargesetzes gefordert hatten, übten die Bauern nun auf die Regierung Druck aus, daß das Gesetz durchgeführt werde - und dies trotzdem das beschlossene Gesetz sehr gemäßigt war, Abgesehen von einieiner wachsen.
turierung. die die Form
Dieses Phänomen ist neu in Thailand und bestătigt. daß die Periode, die von der "Revolution" im Oktober 1973 eingeleitet wurde, die eines Erwachens der Klassenkämpfe ist.
DIE AGRARKRISE auf den Ländereien im Norden hervor, wo die Großgrundbesitzer einen systematischen Mord der Mitglieder der Föderation der Thailändischen Bauern (F. F. T. - Farmers Federation of Thailand) organisiert haben. Diese Födera tion ist zwar offiziell erst am 21, November 1974 gegründet worden, aber ihre Wurzeln gehen auf die Bauern bewegung vor dem Sturz der Militärdiktatur zurück. Zahlreiche Bauern aus verschiedenen Provinzen hatten sich damals in Bangkok sehen en volis sies der sta ein dener des schen Einladung eines der "starken Männer militärischen Triumvirats. das das Land regierte, des Obersten Narong Kittikachorn gekommen waren, Der erste Regierungschef, der Ende 1973 ernannt wurde, Sanya Dharmasakti, war sich der explosiven Situation auf dem Land bewußt. Die Agrarkrise ist in der Tat eine strukturelle Krise, wie gen spektakulären Gesten (der König übergab dem Reformfonds einige seiner persönlichen Landgüter und Güter der Krone) war das Gesetz in der Tat toter Buchstabe geblieben, Delegationen von Bauern zogen wiederholt nach Bangkok; die Bewegung erreichte ihren Höhepunkt am 1, Mai 1975. An diesem Tag versammelten sich mehr als 20. 000 Bauern und vereinigten sich mit der Arbeiter- und Studentenbewegung. Sechs Demonstrationen fanden gleichzeitig statt in den Städten Chieng-Mai, Lampang und Pittsanulok (im Norden), Udorn und Surin (im Nordosten) und in Bangkok, Eine Woche lang belagerte die F.F. T. den Sitz der Ministerien, Umsonst; Kukrit Pramoj schlug die Tür hinter sich zu und brach die Verhandlungen ab. Die Bauer mußten weiter 50% und mehr ihrer Emte an die Grundherrn abgeben, Der Abbruch der Verhandlungen sollte jedoch in der Geschichte der Bauernkämpfe eine wichtigatte die F.F. T. Wende einleiten. Bei ihrer Gründung ihren a-politischen Charakter betont, Ihre Mitgleider kehrten jetzt aber auf die Dörfer zurück, um daraus eine militante Massenbewegung zu machen, Seitdem hat sich die F.F. T. den Linksparteien genähert vie der Sozialistischen Partei Thailand bei den Teilwahlen von Chieng Mai. Zu einer ersten Kraftprobe kam es unmittelbar nach dem Abbruch der Verhandlungen durch Kukrit Pramoi. In vier Monaten wurden nacheinander 21 führende Mitgieder der F. F. T. von professionellen Mördem
Die Hälfte dieser Morde fand im Norden statt, wo vor allem der Präsident der dortigen Region der F. F. T.. Intha Sriboonruang am 30, Juli ermordet wurde, Hier ist die Agrarkrise besonders akut. Die Parzellierung des Bodens der Kleinbauem geht sehr rasch vor sich, 1961 besaß ein Kleinbauer im Durchschnitt noch 16,1 rai (gegenüber einem nationalen Durchschnitt von 7 rai). 1972-73 sind es nur noch 8, 8 rai. (2) In einem Interview, daß er kurz vor seinem Tod gegeben hat, veranschaulichte Intha den Radikaisierungsprozeß in der Bauembewegung. erklärte am 19. Juli: "Wenn wir geeint sind und ein großer Teil der Bauern mit uns um die Sache kämpff, werden wir etwas erreichen können, jetzt ab werden wir nur noch um die Agrarreform kämpfen, damit die Bauern ihr eigenes Land zum Bearbeiten bekommen, Das gegenwärtige System der Agrarreform taugt nichts. weil die, die an der Spitze des Plans stehen, alles reiche Leute sind, die von den Funktionären selbst auf diese Posten gestellt wurden.
Glaubt mir, solange wir eine kapitalistische Regierung haben, wird es niemals eine Verbesserung unserer Lebensbedingungen geben, Solange die Staatsmacht nicht in unseren Händen ist, werden wir unser Leben weiter fristen wie bisher... Ich werde kämpfen, Ich habe keine Angst vor dem Tod. Wenn wir nicht kämpfen, werden wir trotzdem sterben...
Die Kraftprobe zwischen den Interessen der Großgrundbesitzer und der Bauernbewegung erforderte eine nationale Ausweitung, die die Kämpfe der Bauem, Arbeiter und Studenten vereinigte. Diese nationale Mobilisierung wurde jedoch eingeschränkt durch die inneren Schwächen der Massenbewegung und der revolutionären Gruppen in Thailand, SPALTUNG IN DER ARBEITERKLASSE
Der thailändische "Oktober" , eingeleitet durch die studentenbewegung. war vorbereitet worden von iner Reihe von Arbeiterkämpfen, Vor allem nach dem Sturz der Diktatur entlud sich eine Welle spontaner Streiks, (s. Inprekorr Nr, 21) Es wurden oft schnelle Erfolge erzielt; das sollte nicht lange so bleiben. Das soziale Gewicht der Arbeiterklasse ist noch schwach, Die aktive Bevölkerung beträgt nur 18 Millionen Einwohner von 41 Mio. - davon sind 14 Millionen Landarbeiter. Von den restlichen 4 Millionen ist nur die Hälfte in Industriebetrieben beschäftigt, "der größte Teil davon arbeitet in weit verstreuten Reismühlen"(4). Das thailăndische Proletariat kann diese relative soziale Schwäche nur durch die Fähigkeit zu autonomer politischer Intervention wett machen, Es löst sich aber nur sehr allmählich von den traditionellen vorkapitalistischen sozio-kulturellen Strukturen und von der Last der organisatorischen Atomisierung die es unter der Diktatur erlitten hat. Außerdem setzt sich ein großer Teil der thailändischen Arbeiterklasse aus chinesischen Gastarbeitern zusammen, die einen Sonderstatus haben, politisch unterdrückt werden und der thailändischen Bauemschaft gegenüber fremd sind.
Unter diesen Bedingungen hat sich die Arbeiterbeda sie einen bedeutenden spontanen Aufschwung wegung nach dem Oktober 1973, zur gleichen Zeit ruhr, in drei große Stömungen gespalten, Die erste trömung umfaßt vor allem Gewerkschaften aus Zusammenarbeit mit dem Arbeitsministerium vor- dem staatlichen Sektor, in denen eine Praxis der herrscht. Ihre militante Basis ist schwach, aber sie erhält bedeutende finanzielle Zuwendungen, Die zweite Strömung ist ein Ergebnis der Bildung von Arbeitergruppen 1968 und der Einrichtung von Kursen zur Arbeiterbildung an der Universität Chulalongkom 1972, Deren Mitglieder sind oft genug zu "Verhandlungsführer von Beruf" geworden, integriert in die offiziellen Körperschaften für Arbeitsbeziehungen. auf intemationaler Ebene mit der menschen veremen veralten. biesen mıt katholischen Vereinen verbunden, Strömung umfaßt vor allem Gewerkschaften aus ausländischen Betrieben, vor allem in tilbranche, Die dritte Strömung, das "Zentrum zur Koordination der Arbeit"(Labour ccordination center) könnte bestimmt werden als "klassen kämpferische" Strömung • Sie ist das Ergebnis der Verbindung zwischen der wachsenden Radikalisierung der Arbeiter und der zunehmenden Politisierung einer studentischen Avantgarde.
Diese Koordination umfaßte im Juli ca, 17 Gewerkschalten (die drei Gruppen zusammen vereinigen ca, 65 Gewerkschaften), Sie macht der zweiten Gruppe den Einfluß auf die Textilgewerkschaften streitig. So dominiert die von Sanan Wongsuthee vertretene Richtung in der wichtigen Industriezone von Samut Prakam (Saman Pimpa ist der Führer der Textilgewerkschaft von Samut Prakam). aber nichf in den Industriezonen von Korat, Nakon Pattor und Samut Sakorn (der Führer der Textilgewerkschaft von Samut Sakorn ist Prasit Chaiyo). Die Verbindung zwischen dieser klassenkämpferischen Strömung der Arbeiter und dem radikalen Flügel der Studentenbewegung beschränkt sich nicht nur auf eine Einheit in der Aktion und eine prak- "Koe maionzentrums seden sitze die sunge Arbeiterführer der neuen Generation --so wie Terdpoom Jaidee (Hotelbetriebe) und Prasit Chaiyo (Textilbranche), sondern auch alte Führer des FIST wie Praesertkul (5).
Diese Spaltung der Arbeiterklasse, die lange nui latent vorhanden war, ist anläßlich der Demonstrationen zum 1, Mai 1975 offen aufgebrochen, Die ersten beiden Strömungen der Klassenzusammenarbeit haben sich geweigert, die Arbeiter aufzurufen, sich am traditionellen Ort, vor der Thamassat-Universität von Bangkok»zu versammeln, der wegen seines Radikalismus berühmt ist. Hier, auf dem Sanam Luang-Platz fanden aber im allgemeinen die wichtigsten sozialen Kundgebungen statt. So wurden am 1. Mai zwei Demonstrationen organisiert. Eine am Lumpini Park, zu der 65 (d, h, alle) Gewerkschaften aufgerufen hatten, da die klassenkämpferische Strömung die Einheit an diesem Tag nicht brechen wollte, Sie umfaßte 200,000 Menschen, Eine andere, zu der nur das " Koordinationszentrum der thailändischen Arbeiter" aufgerufen hatte, vor der Thamassat- Universität, Diese Demonstration versammelte nur 20.000 Teilnehmer, war aber kämpferischer, auch wenn die Parolen auf den beiden Demonstrationen einander sehr ähnlich waren - da teilweise von denselben Führer formuliert.
Inmitten dieser Massenbewegung brachen zwei harte Streiks aus, einer am Dusit Thani Hotel, der andere bei Standard Garment Textile Company (Taiwan). Die Unternehmer hatten seit längerer Zeit eine Schutztruppe organisiert und beschlossen, es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen. Die Verhandlungen wurden gestoppt. Polizei griff die streikenden Arbeiterinnen der Standard Garment Textile Company an, um die Gelben hereinzulassen, Eine von ihnen wurde schwer verletzt, Kommandos der "roten Büffel" erschöpften
THAILAND die Angestellten des Dusit Thani Hotels Nacht um Nacht mit Hilfe von Plastikbomben vor den Augen einer unbeweglichen Polizei. Wegen ihrer Gespaltenheit war die Arbeiterbewegung von Bangkok und Umgebung nicht in der Lage, mit der Entfaltung einer genügend aktıven solidaritat zu antworten, Vor allem der Streik im Dusit Thani Hotel endete mit einer schweren Niederlage. Dies war eine schwere Krise der Arbeiterbewegung. was aber nicht bedeutete, daß nicht ständig zahlreiche Streiks ausgebrochen wären. In dieser Situation konnte sich aber von Mai bis August eine regelrechte Offensive der extremen Rechten entwickeln.
OFFENSIVE DER EXTREMEN RECHTEN
Während des 2, und 3, Trimesters 1975 beschränkt sich die Cffensive der --eine zeitlang durch den Einbruch der Massenbewegung desorganisierten -- Rechten nicht auf reihenweise Attentate auf die Führer der F. F. T., auf die Spaltung der Arbeiterbewegung und auf das Brechen fortgeschrittener Streiks. Die militärische extreme Rechte versucht. die politische Initiative wiederzugewinnen. Sie hält weiterhin die Schlüsselstellungen im Staatsapparat besetzt und scheut sich nicht, die Regierung Kukrit von innen und von außen anzugreifen.
Offensichtlich spielt ein guter Teil Vetterleswirtschaft mit bei den politischen Entscheidungen von Kukrit und seinen Ministem aus dem Militär, Der Premierminister verwirft durchaus nicht die Bildung einer parallelen Repressionskraft, für deren Handlungen die Regierung offiziell keine Verantwortung zu überehmen hat. Der "liberale" Anspruch Kukrits kann darüber nicht hinwegtäuschen. Er verfolat in dieser Sache eine ähnliche Politik wie Tun Abdul Razak in Malaysia (s, Inprekorr Nr. vom 6.11,75). Er fordert die Aufhebung des Anti- Kommunisten-Gesetzes, um an der Stelle ein noch härteres Anti-Terrorismus. -Gesetz zu erlassen, (6) Aber es scheint sehr wohl auch Spaltungen innerhalb der herrschenden Klassen zu geben, "The Investor" veröffentlicht in seiner Augustnummer eine Reihe von Artikeln über die Kämpfe der Bauern und Arbeiter, der die verborgenen Geldgeber der Töter und die Unterehmer wamen soll vor den möglichen Konsequenzen ihrer Entscheidung. Die Bauernführer ermorden heißt, zur Radikalisierung der FFT beitragen, Die Arbeiterbewegung als ganzes zurückstoßen, zu verzichten, den "klassenkämpferischen Flügel". die "Extremisten" vom Koordinationszentrum zu isolieren. "Die Arbeiterbewegung in Thailand, so schließt "The Investor", gibt im Augenblick zu keiner alarmierenden Besorgnis Anlaß... Es ist unnütz, daß die Unternenmer um einen militärischen Staatsstreich flehen, um der Arbeiterbewegung ein Ende zu bereiten, denn die Folgen davon wären weit schlimmer, Kukrit und der General Kris Sirara --der gerade als Chefkommandeur der Armee zurückgetreten ist, wohl um seinen Eintritt in das politische Leben vorzubereiten-- scheinen diese Ansicht zu teilen, Ein Teil zumindest der Militärhierarchie aber spielt die Karte der "Politik der Spannung" Zu Spannungen kommt es regelmäßig an der thailändisch-laotischen Grenze seit dem Monat Mai. Ein längerer Streik und gewaltsame Demontrationen thailändischer Wachen in den US• Stützpunkten, die von Entlassung bedroht sind. haben eine deutliche anti-Regierungs-Färbung angenommen, Die Politik des individuellen Mords an Massenfuhrem hat auch in Bangkok Fuß getait, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie auf dem Land, So sind zwei Studentenführer ermordet worden und am 3. Juni 1975 wurde Terdpoom Jaidee (Führer der Gewerkschaft der Hotelbetriebe) die Hand durchschossen, Schlimmer noch: extrem-rechte, wenn nicht faschisierende Organisationen versuchen, unter den Berufsschüler und dem Kleinbürgertum eine Massenbasis zu gewinnen. Diese Organisationen sind zahlreich, aber die beiden bekanntesten sind der Na vapol und die "roten Büffel" Der Aufschwung • der Bewegung der "roten Büffel" stellt vielleicht den bedeutendsten Sieg der Militärs dar, Die Berutsschüler haben in der Tat voll an den Ereignissen vom Oktober 1973 teilgenommen, Polizei und Armee haben es jedoch geschickt verstanden, die Widersprüche zwischen den Berufsschülern und den Studenten auszunutzen, Durch vielfältige Operationen gegen die Kämpfe in den Städten haben sie eine Massenbasis gewinnen können: so durch systematische Plastikbombenanschläge auf studentische Demonstrationen, durch Anschläge auf Streiks, verschiedentliche Drohungen Nun stehen diese Bewegungen offen unter der Fuhrung der Militärs. Es ist der General Wallop. im Oktober 1974 die Organisation Navapol gründete -- er hatte in den USA Ausbildungskurse in der "psychologischen Kriegführung" besucht. Und es ist ein Offizier des ISOC (Operationskommando für die innere Sicherheit) --Oberst Sudsai Hasdin, Führer der Division "Bergstämme" des ISOC--, der im Namen der "roten Büffel" Norman Peagan ein Interview gegeben hat. Er legt darin ohne Umschweife seine Ziele dar: "Wir müssen den Kopf vom Rumpf trennen. Das erste Ziel der "roten Büffel" war, die Berufsschüler von den Studenten zu trennen. ... wir versuchen, der Polizei zu helfen. Die Regierung und die Polizei haben Angst einzugreifen, wegen der Presse. Das ist die zwei- Wir wollen Zeitungen wamen, korrekte Informationen zu geben, sonst werden wir etwas gegen sie untemehmen. Die schlechten Joumalisten müssen davongejagt werden. Wir haben keine Angst vor den Zeitungen, "(7) Es ist nicht uninteressant zu wissen, welche Titel die Generäle tragen, die an der "Politik der Spannung" beteiligt sind, Darunter findet man die Generäle Wallop Rajanawisut und Chamnian Phongpaitod (jeweils früherer und gegenwärtiger Chef des militärischen Geheimdiensts), Saiyud Kerdphol (Chef des ISOC), Vitoon Yasawat (ehemaliger Chef der thailändischen Söldner in Laos, Mitglied des Generalstabs). Prachvab Sundarangkol (Generalstab, ehemaliger Polizeichef). Sant Chitpatima (Kommandant der 4. Armee im Süden Thailands), Suraphol Chulapram (Chef der Grenzpolizei) Sie sollen mit dem geheimen antikommunistischen Kommando --genannt Kommando 333-- in Verbindung stehen, das mit dem General Paitoon Inkatanuwat in Udom stationiert ist, und mit dem CIA. Diese extrem rechten Elemente sollen auch ihr Sprachrohr in der Regierung haben, insbesondere in der Person des Verteidigungsministers, General Pramam Adireksam. (8)
Laut Norman Peagam könnte dieser Verteidigungsminister der Regierung Kukrit Pramoj sehr gut hinter der Plünderung der Wohnung des Premiermini-
sters stehen, die während einer Demonstration gegen die Regierung stattgefunden hat. die von 1000 bis 3000 Polizisten der eine Demonstration, stadt Bangkok organisiert wurde! Kukrit hatte gerade die Freilassung von acht Bauern und einem studenten angeordnet. Die Polizisten verlangten eine "härtere Politik gegenüber den sozialen Bewegungen - und hinter ihnen stand ein Teil der Militärhierarchie und des Regierungsapparats. Am waffen und selbstgebaste fen Bomben den Campr- "roten Büffel" mit Feuerder Thammassat-Universität an, und besetzten vorübergehend einen Teil der Räume. Thailand schien damals am Rande eines militärischen Staatsstreichs zu stehen.
UNVOLLSTÄNDIGE UMSTRUKTURIERUNG
Es ist dennoch unwahrscheinlich, daß ein Putsch wirklich geplant worden ist. Er hätte in der Tat den aktuellen Interessen des amerikanischen Imperialismus in diesem Gebiet nicht entsprochen. Sowohl die Massenbewegung und die revolutionăren Gruppen auf der einen, als auch die militarischen und para-militärischen Kräfte auf der ander Seite sind noch zu schwach und zersplittert, um eine radikale Änderung des Kräfteverhältnisses durchzusetzen, Die thailändische KP verstärkt zusehends ihre Aktivitäten. Der Sieg der indochinesischen Revolution hat die Stellung ihrer Geurilla-Basen im Norden und Nord-Osten des Landes gestärkt. Das Niveau der militärischen Operationen war schon 1974 sehr hoch: laut offiziellen Meldungen sind 526 Regierungs soldaten in den Kämpfen getötet worden. Und die Zusammenstöße haben während der Regenzeit 1975 eher noch zugenommen als abgenommen, Was noch wichtiger ist: der Einfluß der KPT scheint außerhalb der ethnischen Minderheiten, in denen sie stark verankert ist, auch unter den thailändischen Bauern und den radikalisierten Schichten in den Städten zugenommen zu haben. Aber sie ist weder organisatorisch noch politisch in der Lage, den verschiedenen Kampfbewegungen eine zentralisierte Führung zu geben, Ihre direkte Rolle in den Mobilisierungen der letzten Monate ist wahrscheinlich schwach, Und es scheint, daß die KPT heute eine Phase der strategischen Diskussion in Bezug auf die künftige Orientierung durchläutt -eanz *hnlich der Debatte. die die malayische KP Sie konzentriert heute ihre Propaganda auf die Regierung Kukrit, der "dieselpe politische Linie verfolgt, wie die verräterischen Regierungen vor ihm. Er verkauft unsere Unabhängigkeit und unsere nationale Souveränität im Austausch gegen Waffen, mit denen er das Volk unterdrückt und den Thron schützt " (9), und gegen den US-Imperialismus. Aber sie denunziert auch die Manöver des sowjetischen "Sozial- Imperialismus" in Thailand (10), was zumindest in den städtischen Gebieten zu Spaltungen führt. denn die dortigen Kräfte streben teilweise eine ngere Anlehnung an die vietnamesische KP ar nd wünschen daher ein vorsichtigeres Gleichgewicht zwischen der Sowjetunion und China, Mangels einer national gleichgewichtig verankerten KP kommt der Studentenbewegung -- und vor allem den radikalen Gruppen, die aus der Entwicklung nach dem Oktober 1973 hervorgegangen sind-- die Rolle zu, die Kämpfe zu zentralisieren. Die Studentenbewegung hat zu Beginn dieses Jahres Erfolge erzielt, als sie die illegalen Konzessionen der Militärs an die TEMCO im Süden Thailands denunzierte und Provokationen der extremen Rechten aufdeckte. Aber die Spaltung. die die Militär- und Polizeidienste zwischen ihr und der Mehrheit der Berufsschüler geschaffen haben, und die ständigen Zusammenstöße, die daraus folgen, habe n die Öffentlichkeit erschöpft und die Bewegung zum teil Isoliert, Die Mobilisierung gegen die Ermordung der Bauemführer haben ein Licht auf ihre relative Schwäche geworfen.
Die Regierung Kukrit hat in der Tat begonnen, die Forderungen der F. F. T. in Bausch und Bogen abzulehnen. Kein Töter ist verhaftet worden. Mehr noch: der Premierminister läßt am 4. August •. acht Bauem und einen Studenten ins Gefängnis werfen wegen Sachen, die drei Monate zurück liegen. (Brandstiftung in einem Teak-Wald, der gegenstand eines Konflikts zwischen den Bauern ind der Regiering war: und Besetzung eines Bergkerks in der Nähe eines Dorfes'. Die Einheitsfront gegen die Diktatur, der NSCT (National student centre of Thailand - Nationales Zentrum thailändischer Studenten), die F.F. T. und das Koordinationszentrum der thailändischen Arbeiter versuchten. mit einer Massenmobilisierung auf diese Provokation zu antworten, Eine Woche lang wurde der Campus der Thammassat-Universität besetzt. Aber die Zahl der Demonstranten, anfänglich 20, 000, nahm rasch ab. Und Kukrits Entscheidung, die neun militanten Gefangenen doch freizulassen, ist wohl eher sei nem Wunsch zuzuschreiben, den Druck der Massenbewegung auf seiner Linken zu dämpfen zu einem Zeitpunkt, wo eine starke Front der extremen Rechten ihn bedrängte, als einem direkten Sieg der Mobilisierung gegen die Regierung. In der Tat mußte die Bewegun griffe gegen die militärische Reaktion führen. ihre hauptsächlichen Anohne daß sie am Tag nach der Plündering des Hauses von Kukrit Pramoj und dem Anschlag auf die Thammassat-Universität eine Massenmobilisierung hätte organisieren können. Die Studentenbewegung bleibt weiterhin in viele Organisationen und Einzelpersonen zersplittert, liberal-reformistische und revolutionäre Strömungen durchdringen sie und sie wird von einer starken populisti schen Strömung beherrscht. Schlimmer, ihre Aktionsfähigkeit ist zur Hälfte lahmgelegt durch die ständigen Angriffe der äußersten Rechten. Denn sie kann sich nicht offen bewaffnen ohne die Gefahr der politischen Isolierung und polizeilichen Repression einzugehen, Unter diesen Bedingungen behält die Regierung Kukrit die Kontrolle über die Lage --obwohl sie unfähig ist, die ihr gestellten. Probleme zu lösen. Die Perspektive eines Militärputsches kann beim städtischen Kleinbürgertum, das die "Unordnung" leid ist, auf fruchtbaren Boden fallen, Aber die Armee bleibt gespalten in mehrere Fraktionen; die beiden wichtigsten Regierungspert und der chat thaie Sereinen vor allem -- die Partei der Sozialen Gerechtigdamit beschäftigt, sich die Posten im Staatsapparat gegenseitig streitig zu machen, und die Amerikaner, immer noch allmächtig, sind wahrscheinlich noch nicht in der Lage, die Rechte im Militär hinter einer gemeinsamen Perspektive des Militärputsches zu vereinen. Die Interessen der staatlich-militärischen Cliquen haben noch Vorrang vor Gesamtlösungen. Die "Stimme der Amerikaner" ist entscheidend für die politische Zukunft der herrschenden Klassen in Der Rückzug der US-Truppen beschränkt sich
THAILAND allein auf die kämpfenden Truppen, Das Abhör- und das elektronische Spionagenetz bleiben bestehen, ebenso die Zehntausende von "Beratem" des JUSMAG und des MAGTHAI. Washington bleibt die "graue Eminenz" solcher Organe wie der Grenzpolizei und des ISOC. (11) Die strategische Bedeutung Thailands schließt jedes wirkliche willentliche Disengagement des US-Imperialismus aus.
Aber wenn die Regierung Kukrit noch eine allgemeine Kontrolle über die Lage behält und wenn die Massenbewegung und die Kräfte der extremen Linken noch nicht in der Lage sind, eine nationale Antwort auf die Krise des Regimes zu geben. so bleibt, daß die herrschenden Klassen wenig Chancen haben, ihr Regime dauerhalt stabilisieren zu können. Selbst als Thailand noch in einer sehr günstigen wirtschaftlichen Konjunktur lebte und noch bevor die revolutionäre Front in Indochina ihren endgültigen Sieg uber den US-Imperialismus errang. verschärfte sich die soziale Krise dauemd (s. Inprekorr Nr, 21), Heute ist diese Hochkonjunktur zu Ende: "Während der hohe Preis der thailändischen Exportwaren vorübergehend die Steigung des Erdölpreises ausgleichen kann, beginnt die anhaltende Rezession nun den thailändischen Exportmarkt in Mitleidenschaft zu ziehen", schreibt die "Far Eastern Economic Review" (12. Das Wachstum des Bruttosozialprodukts betrug 1973 8. 7%, 1974 ist es auf 3,8% gefallen und 1975 wird es 2 bis bestenfalls 3% nicht übersteigen, Ein Vergleich der Exportwerte im ersten Halbjahr 1975 mit der Vorjahresperiode ergibt; daß alle wichtigen Produkte gefallen sind -außer Tapioka, Zucker und Kleidung. Bei den Untemehmem macht sich seit dem Sieg der indochinesischen Revolutionäre eine Vertrauenskrise breit. Die Industrieproduktion ist nur um 4,3% gestiegen im Jahr 1974 (1973 waren es 9, 4%); damit ist die niederste Rate seit 12 Jahren erreicht worden. Immerhin verfügt Thailand noch über wichtige Devisenreserven. (13)
Unter diesen Umständen wird sich die objektive soziale Krise unvermeidlich verschärfen, und dies unter den Bedingungen eines Aufschwungs der Klassenkämpfe in dieser Region Asiens, In Thailand zeichnet sich nun eine wachsende Klassenpolarisierung für die Zukunft ab.
Anmerkungen:
1) Brian Phelan, Far Eastern Economic Review, 12, Oktober 1975 2) Schaubild in "The Investor"(eine thailändische Monatsschrift) vom August 1975. Ein rai ist etwas mehr als 21/2 Morgen 3) Interview in "The Wice of the Nation", thailändische Tageszeitung. vom13. August 1975 4) Schaubild zit, in "The Investor", S, 24 5) "Föderation der unabhängigen Studenten Thailands" wahrscheinlich mit der Gruppe "Volk für Demokratie" die radikalste studentische Organisa ti on 6) Das Gesetz (Gesetz über die Innere Sicherheit) st zum großen Teil am 6. September in de Bangkok Post" veröffentli cht worden 7) "Far Eastern Economic Review" 25. Juli 8) vgl, die Artikel von Norman Peagam in "Far Eastem Economic Review"
9) FEER. 9. Mai 1975 10) Radiosender "Stimme des thailändischen Volkes, Peking Rundschau Nr. 31. 4. August 1975 11) vgl. den Artikel von Marcel Barang in "Le Monde Diplomatique", November 1975 12) Ausgabe vom 17. August, S. 9 13)Schaubild zit, in FEER, 17.Oktober 1975