PABLO ROJAS
Vom 9. bis 13. Juni dieses Jahres fand in Havanna, Kuba, die Konferenz der Kommunistischen Parteien Lateinamerikas und der Karibischen Inseln statt.
Von allen Zusammenkünften, die seit der OLAS-Konferenz von 1967 auf diesem Kontinent stattgefunden haben, kommt dieser zweifellos die größte politische Bedeutung zu. Nicht allein deshalb, weil zum ersten Mal so etwas wie ein kontinentaler Kongreß stattgefunden hat, der
schen Parteien mit der KP Kubas zusammenbrach- sämtliche alten pro-sowjetischen Kommunistite. sondem auch, und dies"ist viel entscheidender. wegen der dort verabschiedeten Resolutionen und deren Bedeutung für den Kampf in Lateinamerika heute und in naher Zukunft. Absolut alle alten KPs des Kontinents hatten sich zu diesem Treffen eingefunden. Diesmal fehlte keiner. Es gab keine Ausschlüsse und keine Disharmonie. Vereinbarungen wurden mit vollständiger und unfehlbarer Einmütigkeit geschlossen, Die von der Konferenz herausgegebene gemeinsame Erklärung verpflichtet alle Parteien auf die gleiche Linie und zu gleichartigen Aulgaben.
Diesmal saß die KP Kubas, die Führung und Re- Seereng des ersten Arbeiterstaates Lateinamerikas. an Seite mit den Kommunistischen Parteien Boliviens, Venezuelas, Argentiniens, siliens und Chiles und formulierte mit ihnen gemeinsame Ziele.
Diesmal sah sich die KP Venezuelas nicht solchen Attacken ausgesetzt, wie sie von der kubanischen Führung durch die Person Fidel Castros perönlich noch auf der OLAS-Konferenz vorgetragenworden waren. Und die KP Uruguays hatte es nicht mehr nötig. - damals im Namen aller "Bruderparteien" des Kontinents-, die kubanische KP herauszuforder.
Diese Konferenz ist seit der der OLAS das wichtigste Ereignis wegen der "Gleichschaltung" sie in den Reihen der Arbeiterbewegung und der Revolutionäre auf dem Kontinent verursacht (bzw. bestätigt, denn dies Phänomen ist nicht neu). Sie ist es auch, weil sie in der unmittelbaren Zukunft verheerende Wirkungen auf die zentristischen Organisationen in Lateinamerika haben wird, weil sie die castristischen und neo-castristischen Bewegungen in völlige Verlassenheit zurückstoßen und große Verwirrung in der "neuen Avantgarde" Lateinamerikas stiften wird, die durch deh Triumph der kubanischen Revolution geboren wurde und sich in der Welle der Kämpfe, die sich in der Folgezeit über den Kontinent ergossen hat, weiterentwickelte. Schließlich wird liese Konferenz in der Zukunft ihre Folgen haen für die Entwicklung der Kämpfe und für die notwendige Umstrukturierung. die, die revolutionäre-und Arbeiterbewegung zahlreicher Länder nach den schweren Niederlagen in den letzten Jahren durchmachen muß.
Man muß nun damit rechnen, daß der kubanische Arbeiterstaat bald formell seine Einreihung -nicht in das "sozialistische Lager" im allgemeinen-. sondern in das der Kommunistischen Parteien dieses Kontinents im besonderen und konkreten erklären wird.
In diesem Kontext die Ergebnisse dieses Treffens zu analysieren erfordert eine Analyse der kubanischen Revolution und des Kurses, den dieser Arbeiterstaat eingeschlagen hat, eine Einschätzung der Bedeutung des Castrismus als politische Strömung während der letzten 15 Jahre, der Niederlage der Guerillas sowie des blutigen Scheitems des "friedlichen Wegs zum Sozialismus" in Chile. Es erfordert die Analvse der Gründe für die Niederlagen in Brasilien, Uruguay, in der Dominikanischen Republik usw, sowie die Erörterung von Themen wie die Strategie der Imperialisten auf dem Kontinent seit der kubanischen Revolution. die Rolle Brasiliens heute, die Rolle der Armeen usw.
BESTÄTIGUNG DES BLOCKS MIT
DER NATIONALEN BOURGEOISIE
Das Dokument der Konferenz gliedert sich in 9 Kapitel, in denen die verschiedenen Perioden des Kampfes auf dem Kontinent beschrieben und historisch analysiert werden. Der Text beginnt mit der Schlacht von Ayacucho vor 150 Jahren, die mit einer Niederlage der spanischen Kolonialmacistas endete ted schlicht mit einer depen- endete, und schließt mit einer Beschreibung der heutigen Situation. Daß das Dokument gerade vom Kampf um die "erste Unabhängigkeit" ausgeht, mehr als nur ein formaler und rethorischer Kunstgriff. Es wirft gewissermaßen schon ein Licht auf die im folgen len entwickelte allgemeine Linie der Analyse. Gestern die Schlacht von Ayacucho, bei der sich die "erste Unabhängigkeit" durchgesetzt hat; heute die Konferenz der KPs über den Kampf um die "zweite Unabhängigkeit". Gestern konnte ein ausländischer Feind, eine imperialistische Macht geschlagen werden mit Hilfe der vereinten Kräfte der verschiedenen Bewegungen "nationalen Befreiung" , die in jedem Land -und über die Grenzen der Länder hinweg--. jenseits der "sozialen Zusammensetzung" zelnen Strömungen gemeinsam handelten. heißt: alle Klassen --ohne Rücksicht auf die "Einzelheiten" ihrer unterschiedlichen Interessen-waren und fin aus dem land za vetteenen. sich gegen den Hauptfeind zusammen- Auch heute beziehen sich die Kommunistischen Parteien auf einen Hauptfeind: den Yankee- Imperialismus, die ausländische Macht, die alle Völker unterdrückt und die Länder Lateinamerikas ausplündert, Warum also nicht dasselbe tun wie gester, so denken sie, und unsere Kräfte zu einem gemeinsamen Kampf zusammen schließen, über die Grenzen der Länder --und auch, warum nicht-- über die verschiedenen "sozialen Bedingungen" hinweg?
Wir könnten fast behaupten, daß dies die entscheidende "Botschaft" der Konferenz ist. die Quintessenz der Erklärung. Deshalb wird, wenn immer sich die Gelegenheit bietet, in allen neun Kapiteln der Erklärung der 'patriotische" Charakter des Kampfes für die "zweite Unabhängigkeit " unterstrichen, Trotzdem ist die Botschaft nicht abstrakt und wendet sich nicht an die • Es handelt sich nicht um ein obligates Bekenntnis zum Patriotismus, das ziellos in den Raum gestellt wird. Im Gegenteil: die Zielgruppe wird mehrmals genau benannt und es kann kein Zweifel bestehen: damit sind alle patriotischen, antiimperialistischen und demokratischen Kräfte gemeint. Im 6. Kapitel werden diese Kräfte genauer charakterisiert:
"Deshalb sind wir Kommunisten dazu bereit, ohne den Kampf für demokratische Rechte und die Durchsetzung neuer Strukturen in unseren Länder aufzugeben, die Standpunkte derjenigen lateinamerikanischen Regierungen zu unterstützen. die für die Verteidigung türlichen Reichtümer eintreten, oder die ihren Willen zum Ausdruck bringen. den anmaßenden Versuchen der multinationalen Konzeme,
LATEINAMERIKA ihre Kontrolle über unsere Wirtschaft aufrechtzuerhalten und auszudehnen, ein Ende zu setzen, " "Diese historische Realität bedeutet keineswegs daß es innerhalb der lateinamerikanischen Bourgeoisie nicht auch sektoren gibt, deren Interessen mit denen des Imperialismus in Widerspruch geraten und die daher ähnliche Positionen beziehen wie das Proletariat, die Bauern und andere nicht-kapitalistische Schichten der Bevölkerung, die gegen den Imperialismus und für die Erringung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und der vollständigen nationalen Souveränität kämpfen. " "Konsequenterweise können diese Sektoren der Bourgeoisie zusammen mit den Kräften des Volkes zu einer gemeinsamen demokratischen und antiimperialistischen Aktion beitragen. • "Die Kommunistischen Parteien und alle anderen antiimperialistischen Kämpfer erkennen die grole Bedeutung dieser Möglichsteilt in diesem schwierigen und viettotigen Kampf. " "Es ist von großer Bedeutung, daß in die breite Front des anti-imperialistischen und anti-oligarchischen Kampfes auch die Kräfte und Organisationen einbezogen werden, die Teile der Bourgeoisie vertreten. "
Jedoch wird nicht nur die Möglichkeit zur Bildung einer gemeinsamen Front und zur Schließung von Bündnissen testgestellt. Darüberhinaus werden in Lateinamerika Präzedenzfalle gesucht: von der Volksfront Pedro Aguirre Cerdas in Chile bis zur Rechtfertigung und Lobpreisung der "Bemühungen" der lateinamerikanischen KPs vor und während des Zweiten Weltkriegs, "nationale, antifaschistische und antiimperialistische Fronten aufzubauen" In einem Nebensatz wird festgestellt, daß "die Resolutionen des Siebten Weltkongreßes der Kommunistischen Intemationale (1935) in diesem Sinn eine wichtige Rolle spielten, Schließlich bezieht man sich --bedenkenlos und ohne einen Zweifel zu hegen-- auf das "chilenische Experiment". Im 4. Kapitel wird dazu gesagt: " Es war möglich, diesen Sieg zu erringen (den Wahlsieg 1970 - Inprekorr), weil es der Volksbewegung gelungen war. sich um eine korrekte politische Linie zu scharen, die genau feststellte, wer die Hauptleinde waren: der Imperialismus und die Monopol- und Agraroligarchie, gegen die der Kampf zu führen war. "Die chilenische Arbeiterklasse hatte eine politische und soziale Front --die Unidad Popular-- errichtet, die es dank dieser korrekten Politik schaffte, gierung und gleichzeitig ein Stück der politischen Macht zu erober .
Wir beharren vielleicht ein wenig zu sehr auf den Zitaten, aber es ist nützlich Konzeptionen kennenzulemen, wie sie hier ausgedrückt werden, Sie sprechen für sich über die politischen Absichten der lateinamerikanischen Kommunistischen Parteien heute.
Weiter: "Die Konferenz verurteilt aufs Schärfste die Außenpolitik der Führung der KP Chinas, die "pseudo-revolutionäre Gruppen" unterstützt die auf Grund eines falsch verstandenen Radikalismus die Linke spalten, die Kommunistischen Parteien angreifen, die Entwicklung des fortschrittlichen Prozeßes hemmen und olt als Agenten des Feindes in den Reihen der revolutionaren Bewegung handeln.
Dies steht in engem Zusammenhang mit dem. was im 8, Kapitel über andere Gruppen der Linken, namentlich "bestimmte Organisationen, die den Anspruch haben, Marxisten-Leninisten zu sein" gesagt wird, Diesen gegenüber "ist es an der Zeit, unsere Differenzen bezüglich bestimmter strategischer und taktischer Konzeptionen, die von diesen Kräften vertreten werden, zu unterstreichen, "Die Kommunistischen Parteien können nicht stillschweigend über ihre Differenzen mit diesen Gruppen hinwegsehen, sondern müssen immer ihre Ablehnung dieser irrigen Positionen und der damit verbundenen abenteuerlichen -Vorstellungen klarstellen. " Und schließlich: "Eine anti-kommunistische und gleichzeitig antisowjetische Linke ist undenkbar. Die Kommunisten werden dafür arbeiten, diejenigen, die solche Ansichten vertreten, zu isoli eren, Das Dokument ist vom 13, Juni. Am 27, Juni wurde in Berlin am Schluß einer anderen Konferenz von den dortigen Vertretern der Parteien der chilenischen Unidad Popular ein Dokument verabschiedet. Unter Berutung auf den. chilenischen MIR wurde dort festgestellt: "Antiauf der Basis einer gemeinsamen Polstin die jeg- auf der Basis einer gemeinsamen Politik, liche Spaltungsabsichten ausschließt und auf dem gegenseitigen Respekt beruht. " Es sollte erwähnt werden, daß die Unidad Popular in demselben Dokument weiter vorne feststellt: "Die bewaffneten Kräfte (gemeint ist die chilenische Armee- Inprekorr) die, durch anti-historische Ideologie und Propaganda irregeführt, sich außerhalb der Volksbefreiungsbewegung glaubten, haben hier :d. h, in der von der UP vorgeschlagenen antifaschistischen Front - Inprekort) die Möglichkeit, ihre Forderungen vorzutragen.
Diese Zitate vermitteln einen Eindruck von den Absichten, die die Politik der lateinamerikanischen KPs heute prägen.
DIE ROLLE KUBAS
Getreu ihrer Politik der "Revolution in Etappen" und ihrer Bestimmung des bürgerlich-demokratischen Charakters der Revolution im gegenwärtigen Stadium sind die Kommunistischen Parteien Anhän ger des Bündnisses der Klassen, der Politik der Volksfronten und des "friedlichen Übergangs zum Sozialismus" • Das chilenische Beispiel ist den lateinamerikanischen Massen noch frisch in Erinnering; die "friedliche Art und Wei- . auf die die KP die chilenische Arbeiterklasse in ein Massaker führte, ist eine Lektion, die die Massen noch nicht vergessen haben; doch die Konferenz hat sie vergessen, wenn sie sich auf die "Erfahrung" bezieht (es wäre angebrachter, von einem reformistischen Abenteuer zu sprechen), und, damit nicht zufrieden, dieses "Experiment" als ein gutes, nachahmenwertes Beispiel hervorhebt. Die KPs haben sich somit darauf festgelegt. ähnliche Erfahrungen, wo immer es die Umstände erlauber, zu fördern.
Dies ist nichts Neues, und es wäre sicher nicht von großer Bedeutung. die Konferenz der Kommunistischen Parteien zu analysieren, wenn nicht ein gewisses Element neu hinzugekommen wäre, das die lateinamerikanische politische Landschaft verändert hat und in naher Zukunft noch weiter änder wird, Dies neue Element stellt die politische Übereinstimmung dar, die die Konferenz mit der KP Kubas erzielt hat. Über ein Jahrzehnt lang hatte die KP Kubas eine relative politische Unabhängigkeit von der Sowjetbürokratie bewahrt und versucht, neben den Kommunistischen Parteien und gegen sie den revolutionären Kampf auf dem Kontinent zu beleben, und alternative Or-
ranisationen gegründet oder unterstützt; teilweise hat Fidel Castro in seinen Reden die Kommunistischen Parteien persönlich angegriffen. Der wichtigste Versuch Kubas, auf der Ebene des Kontinents eine organisatorische Altemative zu den traditionellen Kommunistischen Parteien zu bilden, war die OLAS. Die jetzige Konferenz bedeutet nun auch das formale Begräbnis der OLAS, aber noch mehr: mit ihrer Unterschrift unter das Dokument hat die kubanische KP das Fehlschlaen ihres ersten Versuchs bestätigt und ihre Nieerlage anerkannt, Kuba hatte 1974 auch versucht, die"Junta de Coordinacion Revolutionaria" (Junta der revolutionären Koordination) für Argentinien. Bolivien, Chile und Uruguay zu bilden. Bedeutet die jetzige Konferenz das Ende der Unterstützung für diese Junta? Wurde auch ihr Scheitem anerkannt Alles deutet darauf hin, nicht nur der Inhalt des Dokuments und die politischen Aufgaben, die es formuliert, sondern auch die Art und Weise wie es die Organisationen behandelt (d, h. angreift), die in der Junta vertreter ind. Der chilenische MIR wird Z.B. so behandelt, wie im oben erwähnten Dokument der Berliner Konferenz die KP Chile ihre kubanische "Bruderpartei" behandelt.
sind. Der chilenische MIR wird z. B. von der KP Chiles, der "Bruderpartei" der kubanischen KP, so behandelt wie im oben erwähnten Dokument der Berliner Konferenz. Auch die Rede von Armando Hart, einem Mitglied des politischen Büros der kubanischen KP. zur Würdigung von Miguel Enriquez bietet Hinweise dafür. All dies ist wichtig, nicht nur, weil es die Anerkennung einer Niederlage beinhaltet, sondem auch wegen des enormen Einflußes, den die kubanische Führung auf die"neue Avantgarde" ausübt , die sich überall auf dem lateinamerikanischen Kontinent unter dem Einfluß der kubanischen Revolution entwickelte, Die traditionellen KPs waren unfähig. diese Bewegung tür sich zu gewinnen, im Gegenteil, sie wurden überrannt. Deshalb wird diese Konferenz in der Zukunft so wichtige und schwerwiegende Auswirkungen en. Überall auf dem Kontinent werden die Worte Kubas von breiten Teilen der Massen gehört und beachtet. Trotzdem spielt Kuba bei wichtigen Teilen dieser Avantgarde keine fuhrende Rolle mehr. Es ist eine Tatsache, daß die Bilanz der Versuche, das kubanische Beispiel nachzuahmen, negativ ausfällt, und es ist ebenso eine Tatsache, daß Organisationen und Tendenzen in der breiten Avantgarde nicht mehr in Übereinstimmung mit der Linie der kubanischen KP handeln. Der Klassenkampf hat sie dazu gezwungen, nach Altemativen zum castristischen Schema zu suchen, All dies ist wahr, aber was zuvor über den Einfluß der Kubaner ausgesagt worden ist, ist es nicht minder, Und dies ist es. was die KPs auszunutzen versuchen: sie wollen den Einfluß und die Autorität Kubas dazu einsetzen, Sektoren der Massen, die sich jetzt außerhalb ihrer Kontrolle befinden, auf ihre reformistische Linie einzuschwören, Gleichzeitig sie vor folgenstischen Zug der Klassenkollaboration aufzuspringen, oder, wie im Dokument betont wird, mit der Tatsache konfrontiert zu werden, daß die KPs "bestrebt sein werden, diejenigen, die solche Positionen einnehmen" d, h, Positionen, die der Klassenkollaboration zuwiderlaufen, "zu isolieren".
Doch heute sind es nicht mehr allein die traditionellen KPs. die auf diesem Standpunkt stehen stehen; heute hat auch Kuba sein ganzes Gewicht in diese Waagschale geworfen. Die Gruppen der anti-sowietischen Linken"sind gewart worden : wenn sie weiter auf ihren Positionen "bestehen" wird man sie angreifen.
Kubas Unterstützung der "anti-sowjetischen Linken hat jetzt ein Ende gefunden; die Kastristen und alle zentristischen Organisationen des Kontinents sind nun zwischen Hammer und Amboß gelangen, Sind das die Vorboten für das Ende dieser Art von Zentrismus in Lateinamerika? Die Unterschrift Kubas unter dieses Dokument wird verheerende Folgen haben für den lateinamerikanischen Zentrismus im allgemeinen, Sie wird zu großer Verwirrung und Demoralisierung führen. Die Konsequenzen der künftigen praktischen Umsetzung der Linie der Konerenz werden noch schwerwiegender sein. Die schlimmsten Projekte der Klassenkollaboration und die konterrevolutionärsten Bündnisse werden mit der Unterstützung des Arbeiterstaates Kuba zustande kommen. Das Bündnis der chilenischen UP nach der Berliner Konferenz mit der Christ-Demokratie von Frei und den "ehrlichen und patriotischen Militärs" wird nur der Anfang einer langen Serie sein.
Auch die Verwirrung bei den Massen wird wichtige Folgen haben. Die Revolutionäre werden nun nicht mehr allein mit dem Stillschweigen oder der Passivität Kubas zu rechnen haben, wie das in den vergangenen Jahren der Fall war. sondern mit der aktiven Opposition Havannas und dessen Unterstützung durch die jeweiligen nationalen Kommunistischen Parteien. Viele lateinamerikanische Zentristen haben alle ihre Hoffnungen auf die Veränderungen gesetzt, die wie durch ein Wunder "Kuba zu seiner früheren Politik zurückführen werden", , wenn die kubanische KP ihren ersten Kongreß abhalten wird, Diejenigen, die an Manöver und Tricks seitens weniger Führer und Gruppierungen glaubten, werden sich nun eine Menge Gedan- ‹en machen müssen über das Dokument, das die kubanische Führung unterschrieben hat. In diesem Dokument ist eine strategische Linie auf Weltebene festgelegt: es macht Aussagen tiber den Charakter der Revolution auf dem Kontinent, über die Rolle der UdSSR, des "sozialistischen Lagers", des Imperialismus, der kontidas taren Boum oiser Vietnam, Portugal dung, das Programm, über Vietnam, Portugal, KPs, die Rolle der bewaffneten Streitkräfte usw. Außerdem brauchen die lateinamerikanischen KPs, die durch ihre reformistischen Abenteuer ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen und geschwächt wurden, die Anerkennung und Zustimmung Kubas. Es besteht kein Zweifel darüber. daß sich die KPs heute vor den Massen und der Avantgarde als die großen Sieger in dem historischen Kampf darstellen, der sie mehr als 10 Jahre lang in Gegensatz zur kubanischen Führung gebracht hat. Kuba zollt den KPs jetzt Anerkennung. gibt ihnen recht und geht sogar soweit, die Linie der "neuen Periode", die nach ===== S. 17 | Inprekorr_19751127_046_017.jpg ===== schrittlichen Militärregierungen" anzunchmen. Chi le angebrochen ist, nämlich die der "fort- Dies bedeutet, daß die kubanische KP de facto eine Selbstkritik der Linie geleistet nat, die von ihr zehn jahre lang verfolgt wurde -- ohne Analyse und ohne Erklärung , dafür. Vor ihrem ersten Kongreß hat die kubanische KP somit eine Wende um 180 Grad vollzogen und alles, was sie während der ersten zehn jahre der lateinamerikanischen Revolution getan hat, zu Grabe getragen. BEDEUTUNG UND FOLGEN
DER KONFERENZ
Es würde viel Zeit in Anspruch nehmen, die Irrtümer der kubanischen Führung zu analysieren, Jedenfalls muß erwähnt werden, daß diese Führung versucht hat, die Revolution in allen, Ländern voranzutreiben, Die kubanischen Führer haben versucht --mit vielen Fehlem und viel Empirismus--. ein neues Kuba auf dem Kontinent zu schaffen, die Isolierung Kubas zu überwinden und die Gefahr eines imperialistischen Überfais zu bannen, ohne sich mit Lam zu versöhnen oder vor. ihm, zurückztweichen, ihm in Gegenteil/an vielen Kampftronten die Stim bietend. Das Ziel ihres Kampfes haben wirschon oben angedeutet: ein neuer lateinamerikanischer Arbeiterstaat sollte geschaffen h werden, der Kuba eine Unterstützungsbasis verschalit hatte, die bürgerlichen und imperialistischen Kräfte geschwächt und der sozialistischen Revolution in allen Ländern neuen Auftrieb gegeben hatte. Kuba hätte seine politische Unabhängigkeit gegenüber der VoSSR und der "sozialistischen Gemeinschaft" letztlich nur bewahren können, wenn es seine Stellung in Lateinamerik gestärkt hätte.
Ein großer Teil der kubanischen Führung war sich darüber im klaren --wenn auch rein empirisch. Im Grunde begriff sie die politische Unmöglichkeit des umso mehr als es nur 90gMellen vom imperiali- "Sozialismus ineinem Land" stischen Koloß entfernt ist. Das heroischster und auch tragischste Zeugnis für dieses empirische Bewußtsein war der Guerillakampf Che Gue- Kontinent ausgedehnte Kontinent alisgen unte Plan, der diesem ampen Plan, der diesem zugrinde lag.
Doch dieckubanische Führung hatte immef schon einesbevormundende Einstellung den Massen gegenuber, natte Toens Vertrauen in die Organisatior und Apparat, - als in die Arbeiferklasse und die Busgebeuteten. Es genügt nicht, uszubfiden, die Intervention der Selbstorganisation und autoung müssen organisjert werden, Apparats anbelangt. war vomierein unterlegen. Sie hatte jhiner der Arbeit erklasse das Feld streiti hen sollen Das fehtende Verständnis der Rolle ciner wirkliche leninistischen Partei, des Überg angspro tapams und selbst der Arbeiterräte in Kuba -all dies sind Abweichungen, die im Verlaut des revolationaren Prozeßes teuer zu stehen kommen. und keine *trotzkistischen Zwangsvorstellungen". Anfangli cie Und reife und "jugendliche, idealistische Forsch lett können nicht auf die Dauer die unerbittlichen und unerschütterlichen Gesetze des Klassenkampfes über Bord werfen.
Der Preis dafür ist sehr hoch gewesen, Tausende der Besten der lateinamerikanischen Avantgarde haben mit ihrem Leben bezahlt: die Arbeiterkla in verschiedenen Ländern hat ihre schwersten Ni derlagen in der Geschichte erlitten und blickt auf Tausende von Toten, Kuba ist isoliert geblle ben und erlitt auf dem Kontinent mannigfaltig "Niederlagen. Schließlich kapitulierte die Führut vor ihren konsequent reformistischen Gegner. In der Analyse dieser Entwicklung fällt die Ver antwortong nicht nur auf die kubanische Führun sondem auch auf die lateinamerikanischen Revo Jutionäre, die nicht fähig waren, ein anderes Kuba zu schaffen. Es sind oft die gleichen Gründe und Motive, weswegen die Kubaner selbst scheiterten.
In der Stunde der/ Niederlage ziehen die Reformisten, auf der Grundlage ihrer eigenen Analy se, "optimistische Schlußfolgerungen" wie noch nie. sie in ihrem Labor der Klassen versöhnung säuberlich Hauptfeind" ab und dann beweisen sie, «dal alles, was nicht "Haupt• feind" Eindispolend die zum "Hauptfreund" gehört. Daher il "antifaschistischen Fronte die sie durchwer ; vorschlagen, und, immer wei tergehend, ihre Zusammenarbeit mit den "fortschriftlichen heredien dey tratschen™ of ziere und ibre loyale Unterstüt fur drese. Das die "rea listische Politik der Kommunistischen Parteien (die sie dazu geführt hat, den chilenischen Putsch als das Werk einer Gruppe Non "vert rischen effizieren" zu charakterisieren un zt innerhalb derselben hoher Militarhierarchie progressive Teile" zu entdecken, Das ist ihre Strategie: "den Hauptfeil solieren sodann im Bündnis mit allen andem sozialen Schichten die Sitation im Land "dem kratisieren" und das über den Klassen stehende Bündnis dazu benutzen, "breite" Fronten zu bilden, die es ihnen ermöglichen sollen, an die Regierung zu kommen und gleichfalls, wie sie és im Fall der chilenischen. Wahlen von 1970 betonen , ein Stück "politischer Macht" zu erlangen. Von hier aus beabsichtigen sie, die Überlegenheit des Sozialismus zu beweisen, indem sie seine ökonomischen Erfolge demonstrieren, und damit sogar rette der nureeis von der Notwendigkeit des "friedlichen gangs™ zu "übeizeugen" • und schließlich den Kampf um die"zweite Unabhängigkeit". zu führen.
Das Treffen der Unidad das nur zwei Wochen nach der Konferenz von Havannal stattfand, weist in dieselbe Riontung. In ihrer Verteidigung der Niederlage rufen sie das lateinamerikanische Proletariat auf sich vor den Karren der fortschrittlichen Militärregierungen spannen zu lassen. und neue Aben teuer der Klassenzusammenarbeit durch die Bil- dong von noch breiteren Volksfronten, als in d Vergangenheit. einzugenen. Darau kann mannur eines schließen aus dem chilenischen Expe riment zielen sie den Schluß, daß die UP nid Teformistisch genug war. Hente sind sie au de wird diese Politik der Volksfronten. . diesen Irrtum au "kotigieren". Zweifelto neuen Typs" eines der Elemente sein, die die politisci Zukunft Lateinamerikas bestimmen, 13. 9.1975