Land in den Bürgerkrieg gestoßen, WAS IST DER LIBANON?
Seit seiner Gründung ist der Libanon in zunehmendem Maße zum fast ausschließlichen Privateigentum der christlich-maronitischen Kompradorbourgeoisie geworden, Wenig interessiert an der ökonomischen Entwicklung dieses zurückgebliebenen Landes bezieht diese Bourgeoisie ihre Handels- und Finanzkraft aus der Stellung, die sie an der Nahtstelle der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem arabischen Orient und dem imperialistischen Okzident einnimmt. Ihre einzigartige Funktion als Bankier und Organisator von Kapitaltransaktionen in dieser Region hat ihr erlaubt, enorme Reichtümer zu horten. Da es keinerlei juristische Kontrolle über den internationalen Austausch gibt, ebensowenig wie einen staat, der in der Lage wäre, dieser Horde von Händlern sein Gesetz aufzuzwingen, ist die Struktur dieses Staates nach und nach untergraben worden und die kapitalistische Anarchie und die Auge lose Jagd nach dem Profit haben schließlich gegen das allgemeine Interesse der Bourgeoisie gearbeitet.
Eine genaue Vorstellung über die Wirklichkeit in diesem Finanzparadis vermittelt eine kürzlich veröffentlichte Note der Vereinigung der Banken Libanons an die ausländischen Bankěn, Sie stellt fest, daß "seit Beginn der Ereignisse der Devisenmarkt relativ ausgeglichen geblieben ist und die Banken zu keinem Zeitpunkt eingreifen mußten, Folglich sind die libanesischen Währungsreserven in Gold und Devisen unverändert auf ihrem relativ hohen Stand geblieben. Diese Reserven übersteigen um das Dreifache die Menge an zirkuierenden Libanesischen Pfund (wenn das Gold zu Marktpreisen berechnet wird). " Während in diesen Jahren die maronitische Bourgeoisie in diesem Staat ihre kommerzielle und finanzielle Rolle geltend gemacht hat, hat sich eine ganze Schicht von Personen herausgebildet, die von all diesen internationalen Wirtschaftsoperationen abgeschnitten ist und die ein technisches Kapital darstellt das für die Entwicklung der arabischen, auf Erdöl gegründeten Wirtschaften ebenso notwendig ist wie für das Eindringen imperialistischer Kappitalinvestitionen im arabischen Osten, Völlig auf Beirut konzentriert hat diese Aktivität, die ganz auf das Ausland ausgerichtet ist, die Hälfte der Bevölkerung des gesamten Landes in die Hauptstadt gezogen, wegen der Arbeitsplätze, die dort geschaffen wurden und wegen der finanziellen Abfallprodukte, die dort zu holen waren, In Verbindung mit dem enormen Wachstum von Dienstleistungen aller Art hat sich ein kleiner und mittlerer Lokalhandel entwickelt. Unter der Herrschaft der christlich-maronitischen Bourgeoisie hat sich diese Aktivität im Rahmen eines institutionalisierten Konfessionalismus niedergeschlagen in eine Politik religiöser Diskriminierung in den privaten und öffentlichen Schulen, in der Verwaltung und auf dem gesamten Arbeitsmarkt, eine Diskriminierung, die darauf abzielt, die Masse der moslemischen Bevölkerung im Abseits zu halten, Schul- und Hochschulunterricht in französischer und englischer Sprache, vermittelt durch französische und amerikanische religiöse und weltliche Institutionen zeugen von der vollständigen wirtschaftlichen und kulturellen Integration der maronitischen Bourgeoisie in das imperialistische System. ENTWICKLUNG ZUR JETZIGEN
SITUATION
Der sehnlichsten Wunsch dieser führenden Klasse war es, diesen Zustand solange wie möglich aufrechtzuerhalten, Der moslemische Flügel der libanesischen Bourgeoisie teilt diesen Wunsch mit ihrer maronitischen Schwester, Das implizierte, Libanon aus den politischen und sozialen Erschütterungen des Nahen Ostens und aus den Aggressionskriegen des Staates Israel gegen die arabischen Staaten herauszuhalten, Damit sollte die Arabisierung des Libanon verhindert und unter der Hand eine Politik der faktischen Anerkennung des zionistischen Staates getrieben wer- Der arabische Nationalismus als Reaktion auf den Zionismus sollte auf keinen Fall in Libanon Fuß fassen.
Das Gegenteil hat sich ereignet. Die Folgen der zionistischen Unternehmungen im Nahen Osten haben sich auf verschiedene Weise im Land niedergeschlagen, Nach 1948 sind Hunderttausende von palästinensischen Flüchtlingen in den Lager um die Vororte der Städte Beirut. Tripolis und Saida herum untergebracht worden, ohne Arbeit und ohne Hoffnung darauf, in diesem unterentwickelten Land jemals welche zu bekommen -dies ist die Voraussetzung für die augenblicklich
LIBANON tobende Krise. Nach und nach ist dieser explosive historische Faktor an die Oberfläche gekommen, in Zusammenhang mit dem Aufschwung der Mobilisierung der palästinensischen Massen gegen den Zionismus im ganzen arabischen Osten, Indem sich die Palästinenser außerhalb der Kontrolle der arabischen Regimes organisiert und bewaffnet haben, sind sie im Libanon als eine autonome politische und soziale Kraft aufgetreten, deren eigenständiges Funktionieren früher oder päter zu einer Konfrontation mit dem Libanor ler maronitischen Bourgeoisie führen mußte, Dieser, gelähmt durch seine galoppierende Schlaffheit und vollständige Korruption, in seinen Strukturen ausgehöhlt von den Machtkämpfen der Sippen, war unfähig. als zentraler libanesischer Staat zu reagieren. Für den moslemischen Fllgel des konfessionellen Systems, sowohl für die Bourgeoisie als auch für die Massen, war es schwer, wenn nicht gar unmöglich, passiv zu bleiben im Fall, daß es zu einer Kraftprobe gegen die Palăstinenser gekommen wäre: eine gleiche nationale arabische Wirklichkeit vereinigt die libanesischen und palästinensischen Massen und die libanesischen Massen sind in der Frage des Zionismus sehr sensibel geworden.
Seit 1969 haben immer wieder vorübergehende lokale bewaffnete Kämpfe zwischen den palästinensischen Kämpfern und den sie angreifenden Milizen der maronitischen Bourgeoisie stattgefunden-hatte ein Interesse an diesem allgemeinen Burgerkrieg? Wer hatte ein Interesse an diesem Krieg. der den palästinensischen Widerstand liquidieren sollte? Eben diejenigen, die sich von der Entwicklung des israelisch-arabischen Konflikts auf libanesischem Territorium bedroht fühlten, denn das mußte ja unweigerlich zu einer Verbindung der libanesischen mit den palästinensischen Massen führen. Die moslemische Bourgeoisie im Libanon wünscht den Frieden mit Israel im selben Sinn wie ihre ägyptischen, jordanischen und syrischen Klassenbrüder, aber sie verfügt nicht allein über die Mittel, die Palästinenser zur Unterwerfung zu zwingen, Sie ist daher dem konfessionellen System tributpflichtig und notwendig mit der maronitischen Bourgeoisie solidarisch, Andererseits haben sich innerhalb der maronitischen Bourgeoisie auf Grund der Bürgerkriegssituation verschiedene politische Strömungen organisiert. Die militärisch vorherrschende Strömung. die Falange von Pierre Gemayel, stellt sich dar durch eine regelrechte Privatarmee, die von Kopf bis Fuß vom amerikanischen Imperialismus ausgerüstet ist. Die Stärkung der Falangisten war die erste Antwort der maronitischen Christenheit außerhalb der Strukturen des libanesischen Staates auf das, was sie als Bedrohung ihrer sozio-ökonomischen Ordnung empfand. Speerspitze der antipalästinensischen Reaktion, pro-imperialistisch, pro-zionistisch, gedrillt durch die weißen Söldner des Kolonialismus in Afrika, ziehen die Falangisten vor allem die unteren Schichten der maronitischen Bourgeoisie an. Diese Schichten, deren Besitztum durch die ausgebeuteten und entrechteten arabischen Massen, seien sie Libanesen oder Palästinenser, unmittelbar gefährdet werden kann, sind Träger einer wirtschaftlichen Aktivität, die auf den inneren Markt orientiert ist und von der wachsenden Unsicherheit der Situation in den letzten Jahren direkt betroffen wird. Die hohe Finanzbourgeoisie, die vor allem in intemationale Transaktionen verwickelt ist, bekommt die innere Situation im Libanon nicht so direkt zu spüren.
AUSBRUCH DES KONFLIKTS
Damit der innere Konflikt zum Bürgerkrieg eskaliere war jedoch mehr notwendig, als digen Voraussetzungen für diesen Konflikt. Die Wahl des Augenblicks und des Vorwands lag im gemeinsamen Interesse des Imperialismus und seiner Alliierten in dieser Region im allgemeinen und im Libanon im besonderen. Es war der von Kissinger ausgearbeitete Vertrag über die allmähliche Neutralisierung des Sinai, der das Signal zur Entfesselung der Feindseligkeiten gab. Als ein Bus, der palästinensische Kämpfer der Front der Verweigerer transportierte, in einen Hinterhalt der Falange gelockt wurde, war der unmittelbare Anlaß für die Aufnahme der Kampfhandlungen gegeben. Die Falangisten ergriffen so die Initiative und stellte damit die gesamte maronitische und moslemische Bourgeoisie vor vollendete Tatsachen. Diese Bourgeoisie verfügte über keinen zusammenhängenden Plan, wie die Palastinenser zurückzuschlagen und die immer kämpferischeren libanesischen Massen zu bändigen seien. Hinter diesen Zusammenstößen war die interainnere Entwicklung des Landes nehmen würde. Diese Zusammenstöße waren ebensoviele Meilensteine auf dem Weg zum allgemeinen Bürgerkrieg. Wer tionale Dimension des Konflikts offensichtlich, Dieser Konflikt stellt mittels Libanon Syrien und die OLP dem amerikanischen Imperialismus und
Israel gegenüber. Um diese beiden Achsen herum haben sich auch die feindlichen Lager gebildet. Auf dem Spiel stehen die Bedingungen einer allgemeinen friedlichen Lösung. Auf der einen Seite möchte Israel das Kampfpotential der Palästinenser auf ein Minimum zieren, bevor es zu irgendeinem Schlußabkommen mit den arabischen Staaten kommt; die USA, Libanon und arabische Staaten vom Schlage Ägyptens, Saudi Arabiens und Jordaniens teilen diesen Wunsch, Andererseits möchte Syrien jeden Sefolgt; Syrien furchtet, daß ein solcher Separatfrieden Israels mit Ägypten es gegenüber den USA und Israel isolieren werde. Syrien strebt daher zwar auch einen allgemeinen Friedensvertrag an, aber zu anderen Bedingungen. Unmittelbar mit den Palästinensern verbunden, die es als Druckmittel benutzen kann, möchte Syrien die Palästinenser, besonders die PLO/Fatah in eine allgemeine Regelung einbeziehen, Diese Position kommt der des französischen Imperialismus und der sowjetischen Bürokratie nahe, die die PLO diplomatisch anerkannt haben und eine Lösung fordem, die die Schaffung eines palästinensischen Rumpfstaates vorsieht.
So steht jedes der beiden Lager in Libanon indirekt sowohl Syrien als auch Ägypten gegenüber. Eine direkte Intervention im Libanon seitens des amerikanischen Imperialismus wie 1958, oder seitens Israels liefe Gefahr, eine Erhebung der arabischen Massen in der ganzen Region hervorzurufen, sie würde damit die Herrschaft der Bourgeoisie in jedem Staat in Schwierigkeiten bringen und die Chancen für einen imperialistischen Frieden verspielen.
Das unmittelbare Ziel der Initiative der Falange war das, die libanesische Armee zu zwingen, gegen die Palästinenser vorzugehen, um im Libanon einen jordanischen schwarzen September 1970 zu wiederholen. Aber die libanesische Armee ist durch die Erhebung der Volksmassen und ihre Kampfkraft neutralisiert waden. Es ist zu einer Vereinigung der arabischen libanesischen und palästinensischen Massen im Kampf gekommen. Zum erstenmal hat sich diese bewaffnete Verbindung letztes Jahr in Saida gezeigt, als sich die Massen dagegen wehrten, daß die Hochfinanz von Beirut gewaltsam die Küstenfischerei unter ihre Kontrolle bringen wollte (der Leiter dieser Operation, Camillo Chamoun, jetzt Innenminister, ist derjenige, der 1958 die Landung ameikanischer Truppen gefordert hatte: damals war er Präsident der Republik). Vom Verlust ihrer Subsistenzmittel bedroht entfesselten die Fischer, die lokale Bevölkerung und die Palästinenser einen wahren Aufstand, Das war für die maronitische Rechte ein Signal, ebenso wie für die Massen selbst, die mehr Selbstvertrauen in ihre Kraft bekamen, Schließlich war es ein Signal, das auch die Falangisten genau begriffen.
Das erste Ziel haben die Falangisten nicht erreicht; es foleten mehrere Runden des Kampfes aufeinander, die jedesmal immer größere Teile der Massen miteinbezogen. Die Verbindung zwischen den Kommandos der Palästinenser und den libanesischen Massen unter der Führung bewaffneter politischer Organisationen verhinderte, daß der Konflikt sich auf Palästinenser und Falangisten reduzierte, was eine Intervention der Armee erlaubt hätte. Mit einer moslemischen Basis und einer maronitischen Führung drohte die Einheit der Armee selbst in die Bie heize der en ange stellte. Da sie aber aus d Da sie aber aus der Kämpfen herausgehalten wurde, konnte sie in der Folgezeit der einzige wichtige Garant der bürgerlichen Interessen bleiben.
DER BÜRGERKRIEG
Die gewaltsamsten Formen nahm der Bürgerkrieg während des Sommers an. Daß sich immer breitere Massen in den Kampf einreihten zeigt, wie vorherrschend der Konfessionalismus ist. Er ist auch die direkte Ursache der Greueltaten, die von beiden Lagern geübt wurden; sie legen Zeugnis ab von der politischen Rückständigkeit der Massen. Demokratische, antiimperialistische und antizionistische Parolen wurden in den Sektoren aufgestellt, die die revolutionären libanesischen Organisationen kontrollieren Ganz zu Beginn der Kämpfe beschränkten sich die Auseinandersetzungen auf die bewaffneten Einheiten der beiden Lager. Die Folge war ein Ausschluß der Massen, weil sie politisch und militärisch nicht darauf vorbereitet waren, die allgemeine Situation zu meistern. Der Verlauf der Ereignisse machte jedoch ihre organisierte Mobilisierung und ihre Becini die den bewafineten Zusammenstilen den • Erst jetzt trat eine Wende Charakter des Bürgerkriegs verlieh, dessen Schwerpunkt nicht mehr der Kampf zwischen Falangisten und Palästinensem, sondem der zwischen den arabischen Massen und der imperialistischen Reaktion war. Die Massen fingen selbst an zu käm- ›fen, unabhängig vom bürgerlichen Staatsappara die maronitische Bourgeoisie, auch für die moslemische Bourgeoisie, die Kontrolle der Situation aus der Hand glitt, wurde sehr groß. Jedenfalls brachte es den anfänglichen kombinierten Operationsplan von Falangisten, US-Imperialismus und Israel zum Schei- Im Laufe des Sommers verstärkte sich die Tendenz und Syrien verordneten politischen Kurs über Bord Dieser Prozeß zeigte sich in den Stadtteilen, die mehr als andere von den wirtschaftlichen Folgen des Bürgerkriegs getrotten wurden. Die Löhne wurden nicht mehr ausgezahlt. die Arbeit stand still. die Nanrungsmittelversorgung war auf traditionellem Wege nicht mehr gewährleistet (wegen der Ausweitung der Kämpfe verschwanden die Märkte); elementare Formen der Selbstorganisatien mußten geschaffen werden, um Nahrungsmittel zu beschaffen und zu verteilen. Beschlagnahmungen wurden notwendig. In vielen Fallen führte die Bereitschaft zur Mitarbeit der Stadtteilbewohner und die Intervention von Genossen der extremen Linken zur Bildung von Volkskomitees, die mit dieser Aufgabe beauftragt waren. Parallel dazu wachten Selbstverteidigungstrupps über die Sicherheit der Stadtteile, in denen die Selbstorganisation der Massen sich ausdehnte.
Der Waffenstillstand von Anfang November wurde zu einem Zeitpunkt geschlossen, als sich in einigen Stadtvierteln, besonders in Chiah und Nabaa, dank der Intervention der revolutionären
LIBANON
Organisationen eine neue Etappe in der Ent- Wicklung der Selbstorganisation der Massen abzeichnete. Es handelte sich um noch vereinzelte, aber exemplarische Erfahrungen, deren Ziel die Bildung von Stadtteilräten mit gewählten Delegierten war. Sie sollten über den Rahmen der Organisierung des Alltagslebens auf Stadtteilebene hinausgehen und die Frage nach der Bildung von Räten in allen Stadtteilen aufwerfen, die untereinander in Verbindung stehen und zentrale olitische Probleme behandeln. In den Fluglattern der revolutionären Marxisten war zu lesen : "Wir kämpfen gegen Gemayel und Chamoun, aber nicht für Saeb Salam und Karame! "Darin wurden die bürgerlichen Lösungen der beiden zentralen Führer der moslemischen Bourgeoisie verworfen und eine "Regierung der Arbeiter und Bauern" gefordert." Die bürgerlichen und linken Reformisten, die Progressive Front von Kamal Koumblatt und die Kommunistische Partei des Libanon stellten die Parole einer Regierung der nationalen Einheit auf.
Das noch geringe Gehör der revolutionären Strömungen bei den Massen und der große Einfluß des Konfessionalismus sind die beiden Faktoren, die es schwer oder unwahrscheinlich machen, daß der Bürgerkrieg sich in eine Revolution umwandelt. Zudem sind die kämpfenden Kräfte in eine Vielzahl von Organisationen zersplittert, deren Spektrum vom Nationalismus Nasser• scher Prägung über die Parteien, die direkt mit der Sowjetunion (Kommunistische Partei Libanon) oder mit Syrien (Saika) in Verbindung stehen, bis zur revolutionär-marxistischen extremen Linken reicht. Sie spiegeln ebenso viele auseinanderstrebende und widersprüchliche politische Projekte wider.
BÜRGERLICHE PERSPEKTIVEN
Die libanesische Bourgeoisie und die reformistischen Strömungen sind noch in der Lage, die Situation zu kontrollieren und Lösungen zu formulieren.
Im maronitischen Lager stehen sich zwei Strömungen gegenüber. Das der kleinen und mittleren Bour geoisie und des niederen Klerus. das eine Teilung les Landes befürwortet, und das der Großbourgeoisie und des hohen Klerus, die für die Erhaltung der jetzigen Gestalt des Staates Libanon eintreten. Diese politischen Positionen werden diktiert von den jeweiligen ökonomischen Interessen der betreffenden Gruppen. Die erste, deren ökonomische Aktivität sich auf den inneren Markt beschränkt, würde durch eine Teilung nichts verlieren, aber durch den Tourismus, die Beziehungen zu Israel und die direkten und indirekten Folgen der militärischen Präsenz des Imperialismus eher profitieren.
Was die Großbourgeoisie betrifft, so bedeutet die Teilung Libanons für sie die Zerstörung ihrer territorialen Grundlage, von der aus sie ihre einträglichen Geschäfte unterimmt, dank dem halb arabischen, halb westlichen Charakter des libanesischen Staates.
Während die maronitische Großbourgeoisie in Bezug auf ihre Reichtümer nur sehr wenig von den Bürgerkriegskämpfen zu spüren bekommen hat., wurde die kleine und mittlere Bourgeoisie oft stark betroffen: Geschäfte, Restaurants, Hotels, Häuser, Wohnungen, Fabriken usw. sind in großer Anzahl zerstört worden. Die Großen dagegen verfügen über ihre Privatarmeen und haben ihr Kapital und ihre Familien in Sicherheit gebracht, Die Erhaltung eines zusammenhängenden Libanon erfordert die vollständige Reform des Staatsapparats, und somit die Überwindung des Konfessionalismus. Schon fordem die Führer der verschiedenen moslemischen religiösen Strömungen die Aufhebung des zum politischen System erhobenen Konlessionalismus Sollte aber die Vertasung geanlert, das Wahlrecht (das aut dem Boden der religiösen Spaltungen formuliert wurde) reformiert und eine neue Volkszählung durchgeführt werden-und solche Maßnahmen wären erforderlich, wenn man den Konfessionalismus abschaffen will-dann wird die maronitische Gemeinschaft natürlich in die Minderheit geraten und sie wird dem Druck der Ultras ausgesetzt sein, die diese bürgerlichen Reformen zum Vorwand nehmen, den Kampf um die Teilung des Landes erneut zu entfachen. Schon ist es im Akkar zu Umgruppierungen innerhalb der christlichen Bevölkering gekommen, die zu einem teilweisen Exodus geführt haben. Die Sache ist also sehr heikel.
Eine Umgruppierung findet auch innerhalb der beiden Flügel der Bourgeoisie statt; ihr Ziel ist die Errichtung eines starken autoritären Staates, der unabhängig ist von den Privatarmeen der Gemayel, Chamoun und Co. und in der Lage, die Palästinenser und libanesischen Massen im Zaum zu halten, während er gleichzeitig von den lokalen Cliquen respektiert wird. Pleiler dieser Orientierung ist die Gruppe Karame-Raymond Um sie herum breitet sich ein wichtiges unterstützendes Netzwerk aus, das auch internationale Kräfte einbezieht, deren politische und ökonomische Interessen in dieselbe Richtung weisen. Der französische Imperialismus sieht in dieser Gruppe eine Altemative zur amerikanischen Clique um Frangié-Chamoun und ein neues Mittel, um seine Präsenz in dieser Region zu stärken --er befindet sich damit auf der Linie der gaullistischen Politik. Der hohe maronitische Klerus, der sich mit Leib und Seele dem kolonialen christlichen Frankreich von gestern und heute verschieben hat, unterstützt ihn dabei, Moskau hat Edde mehrmals empfangen und formuliert Lösungsvorschläge, die denen der Franzosen sehr nahe kommen, insbesondere was die Anerkennung der PLO und die materielle Lösung der ›alästinensischen Frage, d. h. die Schaffuns eines palästinensischen Rumpfstaates betrifft Auch Syrien betrachtet eine solche Perspektive mit Wohlwollen.
Es gibt also zwei Ebenen einer bürgerli chen Lösung: einmal ein Abkommen zwischen Syrien und Israel via Kissinger, das die PLO miteinbezieht und eine Milderung der Spannungen im Libanon zur Folge hätte; zum zweiten eine Reform der Struktur des Landes selbst, die das Ende des Bürgerkrieges einläuten würde.
Sollte nichts dergleichen geschehen, wird man sich auf eine Wiederaufnahme der Kämpfe und auf eine Entwicklung zur Teilung des Landes gezur Folge. art ongenen müsse moslemsen Massen b Eine solche Lösung hätte der einen oder anderen Form unter die Kontrolle des Staates Syrien geraten und damit die Entwicklung der arabischen Revolution in einen neuen Rahmen gestellt ist.
Sahara:
PACO ROBS