Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Italienische Wirtschaft

Mythos vom Aufschwung

· Inprekorr Nr. 38, 10. Juli 1975 · S. 8-14 · 4.903 Wörter

Italien Weltwirtschaft und Krise

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Vor weniger als einem Jahr definierte die amerikanische schöpfung sichtbar wären, ein Land, das keine Periode Zeitschrift "Time" Italien -- dem es einen Platz auf der des Zurückflutens oder der Ruhe gekannt hat. Titelseite einräumte -- als ein Land, das sich im Todes- Vor einigen Wochen nun verbreitete der Um die Ursachen, die Entwicklung und die Perspekti- Präsident der Chase Manhattan Bank, David Rockefeller, ven der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu verstehen, das Gerücht weiter, das die italienischen Großindustriel- muß man, wenn auch in kurzer Form, die Etappen der len und die italienischen Regierungskreise in die Welt Wirtschaftsentwicklung in der vorangegangenen Periode gesetzt hatten, und sprach von einem "neuen italieni- in Erinnerung rufen.

schen Wunder", aufgrund der Schnelligkeit, mit der Italien eine extrem schwierige Situation überwunden haoder sogar noch übertriebener ist wie die erste -- findet be. Diese letztere Behauptung -- die ebenso übertrieben Kennzeichen der Wirtschaftsentwicklung ihren deutlichen Ausdruck im Wahlkampfklima, von nach dem 2. Weltkrieg dem Italien im Augenblick erfaßt ist. Grob gesagt, Onkel Sam macht ein wenig Reklame für seine christdemokratischen Neffen, die sich in Schwierigkeiten be- Nach dem zweiten Weltkrieg hat Italien einen Industrialisierungsprozess durchgemacht, aus dem es als eine Es scheint uns jedoch -- über konjunkturelle Faktoren der wichtigsten Wirtschaftsmächte der kapitalistischen hinaus -- nützlich zu sein, von Grund auf die objekti- Welt hervorgegangen ist. Dieser Prozess hat die strukturen Gegebenheiten eines Landes zu analysieren, das relle Kraft der Arbeiterklasse beträchtlich erhöht. Dieinnerhalb eines so kurzen Zeitraums zu solch wider- ser Industrialisierungsprozess hat spezifische Merkmale sprüchlichen Einschätzungen Anlais mehr als es sich um ein Land handelegeben hat. Umso gehabt, die zusammenzufassen wir uns die Mühe machen . das den längster werden. Zuerst basiert er hautpsächlich auf den Mai der Welt gekannt hat, ein Land, in dem sich eine intensiven" Industriesektoren, die billige Arbeitskräfte beextrem breite Massenbewegung mobilisiert, und dies nutzen konnten (Automobilindustrie, elektrische Haushaltsseit Jahren, ohne daß ernsthafte Anzeichen für eine Er- geräte, Strickwarenindustrie, Bekleidungsindustrie usw.).

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Die Stahlindustrie und die Chemische Industrie haben jedoch gleichfalls eine bedeutende Entwicklung erfahren. Dies war zum großen Teil auf die Intervention des Staates zurückzuführen. Darüberhinaus waren die sektoren der Industrie, die an der Spitze standen, sehr exportintensiv. Der Binnenmarkt hat eine eindeutig weniger wichtige Entwicklung erfahren und er ist auch heute weiterhin beschränkt.

In praktisch allen Industriesektoren spielte die aus dem Ausland eingeführte Technologie für die wirtschaftliche intwicklung eine bedeutende Rolle. Keinerlei autonome Anstrengungen wurden untemommen. Und diejeniger Sektoren, ür die man eine solche Anstrengung hätte unternehmen müssen (Elektronik, Kernenergie), wurden ihrem eigenen Schicksal überlassen.

Die Landwirtschaft hat, nach der Agrarreform zu Anfang der fünziger Jahre, mehr Wahlhilfen erhalten als reale Investitionen. Sie befindet sich daher in einem jammerlichen Zustand, Für den landwirtschaftlichen Sektor der italienischen Wirtschaft wirkte sich die Europäische Gemeinschaft negativ aus: sie hatte bedeutenden Anteil daran, daß eine solche Situation entstanden ist. Zusammenfassend kann man sagen, daß Italien ein Importeur von Rohstoffen und Technologien ist, sowie ein Exporteur von Industriewaren, von Arbeitskräften und von Kapitalien. Von 1950 bis 1970 sind zwei Mio italienische Arbeiter emigriert. Die "heimlichen" Kapitalexporte Italiens betrugen im Verlauf der letzten zehn Jahre 10 000 Mrd. Lire (ungefähr 15 Mrd. Dollar). Italien ist für die Schwankungen des Weltmarktes sehr an- Zahlungsbilanz. Im Vergleich zur Wirtschaft ande- und daher auch für die Termine auf dem Gebiet rer fortgeschrittener kapitalistischer Länder ist die italienische Wirtschaft von einer sehr großen strukturellen Anfälligkeit und Zerbrechlichkeit gekennzeichnet. Die Krise von 1964 und der Aufschwung danach Zu Beginn der sechziger Jahre, machte sich die gewachsene strukturelle Kraft der italienischen Arbeiterklasse bemerkbar -- und zwar in einer Reihe von Kämpen, die auf der Lohnebene zu positiven Resultaten führten. Hinzu kam eine gewisse Überhitzung der Wirtschaft, die sich mitten in einer Boomphase befand. Inflation und Zahlungsbilanzdefizit waren die unvermeidlichen Ergebnisse. Die Autoritäten des Geldmarktes zogen heftig die Kreditbremse an, was die konjunkturelle Krise beschleunigte und zu deren Reifung bei- Vom Standpunkt der Industrieproduktion insgesamt aus gesehen, waren die Auswirkungen dieser Krise minimal: man wohnte einer Verlangsamung des Wachstums bei, die für 1964 nicht mehr als 2% betrug. Der Wiederaufschwung begann 1965 und dieser setzte sich bis Ende des heißen Herbstes 1969 fort. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung und auf die Investitionen waren sehr viel schwerwiegender. Die Investitionen sanken 1964 und 1965 in absoluten Zahlen und stiegen im Laufe der darauf folgenden Jahre nur langsam wieder an. 1969 wurde mit Mühe und Not der Stand der Ausgaben für Bauten und Maschinen (bei gleichbleibenden Preisen) vom Jahre 1963 wieder erreicht. Bis zum ersten Vierteljahr von 1966 ging die Beschäftigung weiter zurück; darauf erfolgte ein langsamer Wiederanstieg der Beschäftigtenzahlen, aber am Vorabend des heißen Herbstes 1969 lag die Gesamtbeschäftigtenzahl in der Industrie nur leicht höher als zu Anfang 1964. Somit wird klar, daß sich die ansteigende Phase des Wirtschaftszyklus dank einer unmenschlichen Intensivierung der Ausbeutung der Arbeiter vollgeschwächt und mit einem rasch veralteten industriellen Apparat ein.

Der heisse Herbst und die Krise von 1970~72 Diese gewaltige Steigering der Ausbeutung war eines der Elemente, die dazu beitrugen, die objektiven Voraussetzungen für die vorrevolutionäre Situation zu schaffen, die Italien im Herbst 1969 durchgemacht hat. Natürlich auch aen, in diesem Artikel -- aus Platzgründen aber war dies nicht das einzige Element, aber wir sind auch aufgrund des gewählten Themas -- die sozialen und politischen Elemente beiseitezulassen, ohne die der nicht ausschließlich ökonomischer Art ist. Es handelt sich vielmehr um eine globale politische, ideologische und soziale Krise, deren verschiedene Aspekte sich gegenseitig beeinflußt haben.

Es ist offensichtlich, daß die auf dem Gebiet der Löhne und der Arbeitsbedingungen erzielten Ergebnisse des heissen Herbstes die Profitrate der Unternehmer angegriffen tung wirkte und eine starke Abwertung der Reallöhne im Verringerung der Arbeitslosigkeit (1) in die gleiche Rich- Vergleich zu den Tariflöhnen vor den Kampten im Herbst nach sich zog. In einer solchen Periode wurden Phänomene wie heimliche Kapitalexporte noch politisch motiviert und stimuliert (abgesehen von den wirtschaftlichen Gründen dafür, die wir oben angedeutet haben). Nach einer kurzen "physiologischen" Erholung zu Beginn des Jahres 1970, stagniert die Industrieproduktion praktisch während dieses ganzen Jahres, 1971 wohnte man einer globalen Verschlimmerung der Situation bei, die sich auch in Zahlen niederschlug (-0,5% im Vergleich um vorangegangenen Jahr), und der Wiederaufschwuns ›egann erst Ende 1972. Die Politik der Autoritäten auf dem Geldmarkt war im wesentlichen dieselbe wie 1964. Die Auswirkungen auf die Beschäftigung waren jedoch verschieden: die Arbeitslosenrate stieg nicht an, wenn man einmal von einer kurzen Periode Ende 1972 absieht, als der Aufschwung, der neue Arbeitslose in den Arbeitsprozess integrierte, begann. Die Auswirkungen waren auch auf dem Gebiet der Löhne verschieden. Die Dynamik der Lohnentwicklung war durch die Krise 1964 stark gebremst worden und sie war auch in der darauf folgenden Periode unter dem Eindruck der Arbeitslosigkeit nicht besonders stark. In beiden Fällen muß man die Gründe dafür darin suchen, daß die Arbeiterklasse ihre Kampfkraft bewahrt hat.

Der künstliche Aufschwung von 1973-74 Ende 1972 zeichnete sich ein Wiederaufschwung ab, der sich konsolidierte, und zwar anfang 1973 -- wenn auch nach einigem Zögern. Seit einiger Zeit -- zumindest seit einem Jahr -- war auf Weltebene der Wiederauflations i es contenich den unehmig den dien Sianderen industrialisierten Länder bereits durchmachten, nachvollzog, war auf Weltebene der inflationistische

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Prozess bereits voll entfacht. Die spektakulären Preis- . Geschichte der Krise steigerungen für Rohstoffe waren bereits im vollen Gange und sollten ein Jahr später mit der Erhöhung der Erdölpreise ihren spektakulären Höhepunkt finden. Italien importiert also mit dem Aufschwung nicht nur Rohstoffe Während dieser ganzen Periode begannen die Produkund Produktionsmittel, sondern auch die Inflation. Aber tionsindices sich zu verbessern, vor allem auch aufgrund der Aufschwung selbst ist zum großen Teil einer bewußt inflationistischen Politik zu verdanken, die die öffentlichen Ausgaben aufblähte, die Preiserhöhungen begünstigte, und die Exporte -- dank Krediterleichterungen -- produktion (jeweils verglichen mit dem Vorjahresmonat) ankurbelte. Die Entscheidung vom Februar 1973, den noch 6, 5% und im September noch 2, 6%. Aber der Bruch Lire "floaten" zu lassen , war von globaler Bedeutung; tat sich zwischen Juli und September auf: die Zahl der diese Entscheidung kam einer ungefähr 20%igen Abwer- Bankrotte schnellte in die Höhe, eine Reihe von kleinen tung gleich und erlaubte zügellose Preiserhöhungen im und mittleren Betrieben profitierte von den Augustferien, Innern und damit eine Erhöhung der Profitspanne, ohne um ihre Tore zu schließen. dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Pro- Ab Oktober begannen die Indices der Industrieprodukdukte im Ausland in Gefahr zu bringen. Von einem mit tion negativ zu werden und das sind sie bis heute geblie- "Drogen" erzielten Aufschwung hat man in diesem Zusammenhang geredet. Ohne die Droge Inflation, allein nithilfe der Marktmechanismen, hätte man nicht viel erreicht, wahrscheinlich nicht einmal den verspäteten Die Krise hat alle Industriesektoren getroffen, auch Aufschwung. diejenigen, die -- wie die Chemische Industrie -- dazu bestimmt zu sein schienen, ewig zu expandieren. Die

Aber die Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz waren am stärksten betroffenen Sektoren waren jedoch der Textil -Sektor (minus 17, 4% im Vergleich zum ersten Quartal 1974), das Transportwesen (minus 15, 8%), der Fahrzeugbau (minus 11, 3%) und die Metallindusdem Ausland. Die Starrheit der Importstruktur ist weit- trie (minus 8,4%). aus größer als die der Exporte.

Im Vergleich zur katastrophalen Situation der ersten All dies kommt hinzu zu den gegenwartigen intlationis- Hälfte des Jahres 1914 verbesserte sich die italienische tischen Stürmen, von denen die italienische Wirtschaft Handelsbilanz in den letzten Monaten des Jahres 1974 Grinde lier nette instante des anstattresle beträchtlich. Dies wurde erreicht dank eines Zusammenbruchs der Exporte, der durch den Rückgang der der extrem aufgesplittert ist, sowie die Rückständigkeit Industrieproduktion hervorgeruten worden war, sowie des Bausektors, die herrührt von der Baulandspekulation). durch eine eindeutige Senkung des Konsumniveaus, Das Ergebnis: 1973 erreichte die Inflation bereits eine was angesichts der Preiserhöhungen, der Steuererhöhunzweistellige Zahl (10, 2%). Aber das Bruttosozialprodukt gen für die Arbeiter, der Preiserhöhungen im öffentlistieg, bei gleichbliebenden Preisen, um 6,3% (3, 2% im chen Dienst (Elektrizität, Teleton usw.) nicht weiter Jahre 1972) und die Industrieaktivitäten machten einen verwunderlich ist. Dennoch ist das Zahlungsbilanzdefi- Sprung von 8,9% nach vor. zit für 1974 mit 6 290 Mrd. Lire (ungefähr 11 Mrd. Dollar) ein absolutes Maximum, und ist mehr als doppelt so groß wie das -- bereits große -- Handelsbilanzdefizit von 1973. Man muß nur noch hinzufügen, daß man Mitte 1974 lediglich ein Defizit vorhersehen wollte, gewährt werden mußten, ebendie- das 50% des dann tatsächlich eingetretenen Defizites e Lohnerhöhungen durch die Anheizung der Inflation wie- betrug. der rückgängig zu machen. Andererseits erlaubte der Ausnutzung der Produktionskapazitäten, sowie Produktivitatssteigerungen, die eine Ausweitung der Profitmar- Im Verlauf der ersten Monate des Jahres 1975 hat sich lie Tendenz zur Besserung der Handelsbilanz jedoch konsolidiert. Das Defizit für das erste Ouartal beträgt Dieselben Tendenzen wirkten in verstärkter Weise in 606 Mrd. Lire gegenüber 1 995 Mrd, für die entsprechder ersten Hälfte des Jahres 1974 fort, als die haupt- ende Periode von 1974. Im Vergleich zum ersten Ouarsächlichen kapitalistischen Wirtschaften bereits erneut tel des vergangenen Jahres sind die Importe um 3,8% in eine Krise eintraten. Das erste, am offensten zu zurückgegangen, während die Exporte um 27,9% im Wert Tage liegende Ergebnis (durch die bürgerliche Propagan- deutet, da sich die Exporte bedeutend erreht haben, en • was -- die Inflation eingerechnet -- beda sofort den Erdölpreissteigerungen zugeschrieben, die im Gegenteil lediglich ein Bestandteil dieses Prozesses daß sie die Importe bedeutend verringert haben. Die sind) war eine bedeutende Verschlechterung der Handels- Zahlen für April (die letzten über die wir verfügen) bestäbilanz und eine noch bedeutendere Verschlechterung der tigen diese Tendenz: das Defizit beträgt 109 Mrd. gegen- Zahlungsbilanz. Die Autoritäten des Geldmarktes wandten über 815 für April 1974. Diese Zahlen -- die es den sich an das Ausland, um bedeutende Kredite aufzunehmen, Bankiers in der ganzen Welt erlaubt haben, Italien in die ab März immer schwieriger zu bekommen waren. die schwarze Liste der "gefährlichen Risiken" aufzunehmen -- erlauben den Hauptvertretern der italienischen Bourgeoisie, einen seulzer der erleichterung auszustossen und Rockefeller -- mit einer sen und Rockefeller -- mit einer gewissen Oberfläch- Der Internationale Währungsfonds stellte ebenfalls politische Bedingungen (Lohnstop), bevor Italien einen Kredit sprechen. Es handelt sich vielmehr ganz einfach um die Tatsache, daß man vor einem Jahr noch glaubte, • daß In chen Watent rand in, der praktion bis zum Sope Italien Bankrott machen würde, während man heute eher glaubt, daß es dem noch einmal entkommen ist. Und tember dauerte. nicht mehr.

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Kurztristige Perspektiven "1975 wird das negativste Jahr nach dem Kriege werden", so lautet die Schlußfolgerung einer Studie der ISPE, die kürzlich im wissenschaftlich-technischen Komitee für Programmierung der Offentlichkeit zugänglich gemach wurde. Alle Schlußtolgerungen stimmen darin überein, daß man sagt, daß das Bruttosozialprodukt zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg zurückgehen wird. Und man schätzt den Umfang dieses Rückgangs auf 14 bis 4%. Der Investitionsrückgang soll nach diesen Voraussagen besonders gravierend sein: zwischen 15 und 20% für den Industriesektor und zwischen 4% und 7% für den Bausektor, während eine leichte Expansion der Investitionen in der Landwirtschaft und eine Erhöhung der Investitionen im Tertiärsektor in der Größenordnung von 4% bis 5% erwartet wird.

Die Zahlungsbilanz (nicht eingerechnet die Kapitalberegungen) sollte mit einem Defizit zwischen 1 500 bi : 000 Mrd. Lire schließen, was ziemlich beträchtlic ist. Die Exporte werden sich dem Volumen nach wahrcheinlich nicht um mehr als 3% erhöhen (angesicht ler stagnierenden Weltnachfrage), während die Im• porte um ungefähr 10% zurückgehen werden. ie optimistischsten wirtschattlichen Beobachter glauben laß für Ende des Jahres ein Produktionsaufschwung mög lich ist, aber eine solche Voraussage ist eng gebunden. die Perspektiven eines Aufschwungs auf Weltebene. Und diese Perspektiven scheinen sich, wie das Wunder so an ich haben, von Tag zu Tag weiter zu enttemen. Andererseits ist die Tiefe der italienischen Krise so groß, daf die Möglichkeit besteht, daß der Aufschwung mit einer fandern eintritt, Gegenwärtig ist die wahrscheinlichs Gegenwärtig ist die wahrscheinlichste Hypothese die, daß es in den nächsten Monaten zu einem rein technischen Aufschwung kommen wird, der seinen Motor in der Notwendigkeit, die Vorrate zu erneuem, hat. Derzeit zeichnet sich kein einziges Element und kein einziger Faktor ab, der es erlauben würde, daß sich dieser technische Aufschwung in einen wirklichen Aufschwung umwandelt.

Ob und wann dieser Aufschwung stattfinden wird (und er wird aufgrund der grundlegenden Bewegungsgesetze der kapitalistischen Wirtschaft früher oder später stattfinden), in jedem Fall läßt sich voraussagen, daß er rasch eine neue inflationistische Explosion erzeugen wird, auch schon aufgrund der ungenügenden Investitionen im Verlauf der letzten zehn Jahre. Heute wohnt man bereits den ersten, noch zaghaften Versuchen bei, einen Aufschwung mithilfe von Inflationsspritzen zu erzeugen. Während keinerlei Projekt für eine kohärente Wirtschaftspolitik da ist, scheinen die von der Regierung in den letzten Monaten ergriffenen Maßnahmen in diese Richtung zu deuten (Lockerung der Kreditbremse für Exporte, Finanzspritzen für die Landwirtschaft, die öffentlichen Arbeifern usw.). Die Erdrosselung des Angebots wird die Inflation nur noch weiter anheizen, die eine Ursache und nicht eine Auswirkung des Wiederaufschwungs sein wird. Unter anderem darf man heute nicht vergessen, mitten in der Wirtschaftskrise, daß die Preiserhöhungen für Konsumgüter sich weiterhin um ungefähr 15% jährlich bewegen werden. Aber genau in dieser Situation überschreit die Dosis an Inflation, die notwendig ist um einen Wiederaufschwung hervorzurufen, gar nicht einmal das normale Maß an Anstand und Zurückhaltung -- ein Maß, das übrigens längst verloren gegangen ist -oder zumindestens ist das nicht der springende Punkt. Die Bourgeoisie ist vielmehr nicht mehr in der Lage, diesen Aufschwung zu kontrollieren, und die erwarteten Vorteile für sich zu kapitalisieren.

Konjunkturkrise und Strukturkrise

Wie dies bereits anläßlich der Krise 1970 bis 1972 der Fall war, so diskutiert man auch heute wieder in Italien, ob die derzeitige Krise konjunkturellen oder strukturellen Charakter hat, Die Liebe zum Eklektizismus, die auf kultureller Ebene ein Merkmal des Italieners ist, hat ihn dazu gebracht, eine Formel zu finden, die jedermann zufriedenstellt: die Krise ist konjunkturell und strukturell zugleich. Offensichtlich reicht dies jedoch nicht aus, um die präzise Natur der Krise zu erhellen, sowie deren einzelne Elemente und vor allem reicht dies nicht aus, wenn man aus den verschiedenen Elementen und Faktoren Voraussagen für die Zukunft erarbeiten will. Die Krise ist strukturell in dem Maße wie auf der Ebene der Wirtschaftsstrukturen oder auf der Ebene der sozialen Strukturen des Staates die im Verlauf der letzten 25 Jahre angehautten Widersprüche einer stürmischen kapitalistischen Entwicklung heute offen zutage getreten sind. Dieselben Widersprüche, die seit Anfang an ein spezifisches Kennzeichen des italienischen Kapitalismus gewesen sind. Die konjunkturelle Krise fügt sich in den Rahmen der strukturellen Krise ein. Das ist pertekt, aber es erklärt nicht, warum die strukturelle Krise gerade in diesen Jahren zu Tage getreten ist. Einige marxistische Theoretiker der Extremen Linken führen alles auf die Arbeiterkämpfe zurück. Das bringt uns der Lösung des Problems näher, ist jedoch nicht ausreichend.

Der strukturelle Charakter der Krise muß vielmehr im Rahmen der Umkehrung der allgemeinen Tendenz der internationalen kapitalistischen Wirtschaft gesehen und in diesem Zusammenhang ist unter anderem der Faktor Arbeiterkämpfe (und nicht nur die in Italien) ein wichtiges Blement, aber nicht das einzige. Die Tendenzwende hat die Basiswidersprüche, die strukturellen Widersprüche der italienischen kapitalistischen Wirtschaft wieder offen zutage treten lassen. Die Schwäche des italienischen Kapitalismus hat andererseitsbewirkt, daß sich in Italien die Tendenzwende vor anderen Ländern aufgetan hat und in tiefgreifenderer Weise. In diesem Rahmen sind die koniunkturellen te male relie en aber die einer des von Die Krise von 1970 bis der IV. Internationale getroffenen Voraussagen bewiesen. Der Übergang vom sogenannten "Wirtschaftswunder" zur Strukturkrise führte zum Auftauchen einer ganzen Reihe von Veränderungen aut der Ebene des internen Gleichgewichts des italienischen Kapitalismus, ein Gleichgewicht, das in der vorhergehenden Phase errichtet worden war. Diese Veränderungen sind noch weit davon entfernt einen klaren und endgültigen Charakter zu haben. Es ist jedoch nützlich, zu versuchen daraus gewisse Tendenzen abzuleiten. An erster Stelle ist eine Stärkung tals auf Kosten des Industriekapitals zu beobachten. Die historische Tendenz des Imperialismus, die Lenin als Herrschaft des Finanzkapitals definierte und die durch lie Nachkriegsentwicklung widerlegt zu sein schien findet in dieser Phase der Krise mit Macht ihre Bestätigung.

Die Verschuldung der Unternehmen ist seit den sechziger Jahren in fantastischer Weise angewachsen und ist im Verlauf der letzten Jahre zu einem Bleigewicht geworden. Der Schuldenberg ist dermaßen groß, daß die Banken de facto -- wenn sie nach dem italienischen System auc nicht die direkten Eigentümer (jedenfalls nicht de jure) sein können -- die Ei gentümer und "Unternehmer" des größten Teils der Betriebe sind. Das erklärt. warum Carli, der Gouverneur der Bank von Italien, einen Vor-

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ITALIEN schlag gemacht, der darauf hinausläuft, das italienische Bankgesetz zu reformieren, damit die Banken effektiv kontrollieren können und auch"de jure" Inhaber von Industriebetrieben werden können. Selbst wenn die Chancen gering sind, daß dieser Vorschlag insgesamt ver• wirklicht wird, so wird doch zweifellos die Bedeutuns der Banken im italienischen Wirtschaftssystem weiter wachsen. Andererseits ist es bezeichnend, , daß die Rolle der wichtigsten Finanzgesellschaften (Edison, Bastogi usw.), die nach der Nationalisierung von Energie und Elektrizität zu Beginn der sechziger Jahre einen sehr harten Schlag erhalten zu haben schienen, in den letzten Jahren wieder beträchtlich gewachsen ist. Das ist ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit dem dunklen Machtkampf, der um Montedison geführt wird deren de facto-Leitung sich heute in den Händen dei härtesten Vertreter des italienischen Finanzkapitals befindet.

Der staatskapitalistische Sektor weitete qualitativ und quantitativ seinen Einflußbereich aus. Dies trifft besonders auf Perioden zu, in denen es konjunkturelle Krisen gibt, wo er dann eine anti-zyklische Rolle zu spielen versucht: die öffentlichen (staatlichen) Investitionen stiegen von 1970 bis 1972 von 40% auf 48% der Gesamtinvestitionen. Aber wenn, mit dem Aufschwung aut der Ebene von Privatinvestitionen im Jahre 1973, auch der Teil der Investitionen der öffentlichen Hand wieder auf 36% herabsinkt, so sind doch zahlreiche, vom Staat in diesen Jahren erworbene Betriebe nicht wieder an das Privatkapital zurückgegeben worden. Andererseits ist im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts der italienische Finanzmarkt fast vollständig unter die Kontrolle des staatskapitalistischen Sektors geraten. Während die Aktivitäten der Börse immer mehr erstickten, sind die Sparguthaben mithilfe des Obligationenmarktes für die Industrie instrumentalisiert worden. Immer größere Prozentzahlen dieses Obligationenmarktes -- und in den letzten Jahren waren das fast 100% -sind. auf die Mühlen von staatlichen Organismen und von mit Staatskapital arbeitenden Industriebetrieben geleitet worden. Dies bedeutet selbstverständlich nicht eine Erdrosselung des Privatkapitals und noch wenige eine Schmälerung dessen Profits: das bedeutet, daß de Staatskapitalismus immer mehr die Rolle einer fundamentalen Stütze für die Privatprofite selbst übernimmt. Aber das bleibt nicht folgenlos für das Kräfteverhältnis innerhalb der Bourgeoisie.

Schließlich ist die Abhängigkeit Italiens gegenüber dem Weltmarkt größer geworden. Dieses Phänomen ist in zweierlei verschiedenen Weisen zum Ausdruck gekommen. Einerseits ist die Abhängigkeit Italiens vient Italien nicht nur industrielle Rohstoffe und Guter vom Handel mit dem Ausland die einen hohen technologischen Anteil haben (Maschinen), sondern es hängt in bedeutendem Maße auf dem Gebiet der Nahrungsmittel (Fleisch und Milch in erster Linie, aber nicht ausschließlich) vom Ausland ab. Gewisse wichtige Industriesektoren wie die Werkzeugmaschinen industrie, wo Italien einen der ersten Plätze in der Welt einnimmt, lebten in den letzten zehn Jahren hauptsächlich von ihren Exporten. Vor allem wegen der schwachen Inlandsnachfrage, bedingt durch die nur geringen Investitionen. Die Steigerungsrate für Exporte lag 1973 bei 8%, während das Nationaleinkommen nur um 4% anstieg. Andererseits ist im Verlaufe der letzten Jahre, besonders während der Krise 1970 bis 1972, eine bedeutende Anzahl von Betrieben unter die Kontrolle von ausländischen Gesellschaften geraten. Nach bestimmten Schätzungen ist ein Viertel der großen und mittlerer italienischen Betriebe ausländisches Eigentum. Natürlich behaupten wir nicht, daß die beiden Tendenen sich parallel entwickeln. wie dies noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein der Fall war. Eine Vertiefung der Krise könnte zu einer Schwächung des ersten Aspektes und zu einer Verstärkung des zweiten Aspektes tühren. Für dieses Jahr wird eine Erhöhung der Exporte (dem Volumen nach) um 2,5% (OECD) vorausgesagt, was -- im Einklang mit der Weltwirtschaftssituation -- eine bedeutende Verlangsamung ist. Man kann sicher auch sagen, daß das Nationaleinkommen geringer werden wird.

Die "Wachstums"-Industrien der Italienischen Wirtschaft (elektrische Haushaltsgeräte, Automobilindustrie, Chemische Industrie, aber auch Schuhindustrie und Konfektionsindustrie usw. ) tendieren dazu, die Produktion in Länder zu verlegen, wo die Arbeitskratte billig sind oder wo es Rohstoffe im Uberfluß gibt. Andererseits hat Italien, wie wir das bereits zu Anfang erwähnt haben, keine Investitionen im Forschungssektor getätigt, was die Entwicklung von technologisch fortgeschrittenen Sektoren erlaubt hätte: übrigens wäre die Entwicklung solcher Sektoren -- da, wo dies möglich gewesen wäre -- nicht ausreichend gewesen zur Absorbierung all derjenigen Arbeiter, die heute in anderen sektoren, sich in der Krise befinen, entlassen werden. So scheint die Position Italiens -- vor allem mittelfristig -- sehr schwierig zu sein: mit zu hohen Arbeitskosten, um die Expansion derjenigen Sektoren zu sichern, die bisher die wirtschaftliche Entwicklung gesichert haben und mit Kapital, das auf technologischem Gebiet nicht ausreichend ist, um voll in eine Spezialisierung der Produktion einsteigen zu können, die -- nicht ohne vorherige Problem noch nicht angegangen zu haben, oder besser noch, sie scheint das Problem de facto mit Lohnkürzungen lösen zu wollen, was ihr erlauben würde, zu den (für sie !) günstigen 50-er Jahren zurückzukehren, Dieses Ziel wird iedoch nicht leicht zu verwirklichen sein. Zuvor müßte der Arbeiterklasse eine schwere Niederlage beigebracht werden.

Die reformistischen Organisationen ihrerseits sprechen von "neuen Entwicklungsmodellen" , bei denen man nicht so recht weiß, wie man das versöhnen will, was --zumindest in der gegenwärtigen Phase der kapitalistischen Gesellschaft -- sich unversöhnbar gegenübersteht, und zwar die Expansion der technologisch am weitesten entwickelten Sektoren und das Problem der Vollbeschäftigung.

Die Konsenzen der Krise für die Arbeiterklasse 1974 haben die offiziellen Zahlen, zum ersten Mal innerhalb der letzten Jahre, eine -- wenn auch begrenzte -- Senkung des Lebensstandards der Arbeiterklasse registriert. In der Tat sind die Arbeitereinkommen angesichts einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten um 27, 4% in der Industrie nur um 23, 2%, im Handel um 22, 7% und im Transportwesen um 24, 8% gestiegen (2). Was den Beschäftigungsgrad angeht, co kann man - trotz der Konfusion und der fehlenden Genauigkeit der italienischen Statistiken, die je nach Fall um bis zu 100% voneinander abweichen können -- die folgende Tendenz festmachen: in der ersten Hälfte des Jahres 1974 wohnte man einer leichten Mildering der Arbeitslosigkeit bei, was mit der letzten Phase des Booms zusammenhing. Zwischen Juli und August 1974 begann eine Reihe von kleinen und mittleren Betrieben, Entlassungen vorzunehmen und zu schließen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg an und die- ser Prozess hat sich bis heute fortgesetzt. Die Zunahme der Arbeitslosenzahl ist jedoch nicht absolut proportio-

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nal zur Verringerung der Produktion in der gleichen periode. Und es handelt sich hier nicht einfach um eine zeitliche Verschiebung. Anstatt Entlassungen vorunehmen, was -- vom Standpunkt der kapitalistischen Logik -- "gerechtfertigt" gewesen ware angesicht ler schwierigen Situation (und in anderen Ländern, macht worden), nahm man in großem Maßstab Zuflucht die von der Krise betroffen sind, ist das ja auch so zUr "Lohnintegrationskasse" (Kasse für Kurzarbeit). Dieses System erlaubte es dem italienischen Kapitalisten, die Produktion stark zu reduzieren ( auf 36, 24, 12 oder sogar 0 Stunden), bei gleichzeitiger Lohnfortzahlung von 60% bis 90%, je nach Fall. Die Geldmittel dieser Kasse werden von obligatorischen Beiträgen der Arbeiter und der Unternehmer gespeist. Bereits 1974 wurde diese Kasse zu 23% mehr in Anspruch genommen als 1973. Aber im ersten Quartal von 1975 soll -- nach Gewerkschaftsangaben -- eine 800%ige Erhöhung der durch diese Kasse bezahlten Arbeitsstunden im Vergleich zur gleichen Periode des Vorjahres stattgefunden haben. Vor allem die Großbetriebe haben diese Kasse in Anspruch genommen, während in den Kleineren Betrieben, wo die Arbeiterklasse schwächer ist, die Entlassungen häufiger waren. Die Integrationskasse war für die Bour- Zusanemenstoi mit des Arbeiterlasse auszuweichen. das es ihr erlaubte, einem offenen Und ein solcher Zusammenstoß wäre im Fall von massiven Entlassungen in den Großbetrieben sehr wahrscheinlich gewesen. Es ist klar, daß die Reaktion der Arbeiter bei einer Verringerung der Arbeitszeit bei 90%-iger Lohnfortzahlung eine andere ist als bei Entlassungen. Die Zahl der Arbeitslosen scheint mehr dadurch gestiegen zu sein, daß ein de facto-Einstellungsstop durchgeführt wurde, und weniger durch tatsächliche Entlassungen, Darüberhinaus, wie gewöhnlich, hat die Krise besonders die ärmsten und die am wenigsten entwickelten Regionen getrotten, folglich vor allem den suden. Das rührt auch daher, daß die Krise besonders stark ist in Sektoren wie z. B. der Bauwirtschaft, die eine besondere Bedeutung und ein besonderes Gewicht im Süder haben. Trotz lieser schwierigen Situation, die die Gefahr heraufbeschwört, die Arbeiterklasse zu spalten, indem ein Sektor nach dem anderen geschlagen wird, mit dem schwächsten, sind die Arbeiterkämpfe seit letztem Herbst sehr intensiv gewesen. Die Zahl der durch Streik verlorenen Arbeitsstunden während des ganzen Jahres 1974 ist um 18,3% niedriger als die Vergleichszahl für 1973, weil, und wir haben das schon erwähnt, die Gewerkschaftsorganisationen einen de facto-Waffenstillstand eingehalten haben, der während der ganzen ersten Hälfte dieses Jahres andauerte. Aber bereits im letzten Quartal von 1974 erreichte die Zahl der Streikstunden 66,3 Mio gegenüber 19, 3 Mio für die Vergleichsperiode MEMTI NBAL CAR

CELAMOLA FINIT IV INTERN des Vorjahres. Und während des ersten Quartals von 1975 waren es 49 Mio gegenüber 18, 4 Mio in der voranjahres. Dies zeigt, daß das Kampfniveau der Arbeiter- gegangenen Periode im Vergleichszeitraum des Vor- Das Zurückgreifen auf die "Integrationskasse" ermöglichte eine Milderung der Intensität der sozialen Konflikte. Aber die Integrationskasse ist nur ein Notbehelf, ein kurzfristiges Heilmittel, das nur wirksam ist unter den Bedingunind daß rasch ein Aufschwung erfolgt. daß die Krise nur ein vorübergehendes Phänomen ist Wir haben weiter oben ausgeführt, warum der Aufschwung nicht einfach hinter der nächsten Straßenecke wartet. Die wahrscheinlichste Hypothese ist die, dais zumindestens das gesamte Jahr 1975 ein tiefes Krisenjahr sein wird. Darüberhinaus bedeutet diese Krise nicht nur eine Senkung des Produktionsniveaus, sondern auch, und vor allem, eine brutale Einschränkung der Investitionen. Was bedeutet, daß selbst in einer Phase des Wiederaufschwungs keine neuen Arbeitsplätze da sein werden, denn die notwendigen Voraussetzungen dafür sind nicht geschaffen worden.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, daß ab Herbst die Situation auf dem Arbeitsmarkt dramatisch wird. Wenn es den Kärapfen der Arbeiterklasse zu diesem Zeitpunkt nicht gelingt, die Woge der von den Kapitalisten dann nach aller Wahrscheinlichkeit geforderter Entlassungen zu stoppen, dann würde das für die Arbeiterklasse nicht nur eine schwere politische Niederlage ›edeuten, sondern darüberhinaus würde sie strukturell es ist klar, daß der italienischen, wo die Wirtschattskrise eng mit einer tieten politischen Krise verknüpft ist, die politische Situation der nächsten Monate vielleicht eine entscheidende Bedeutung für den Ausgang der Kämpfe im Herbst haben wird. Anmerkungen:

(1) Die Nachfrage nach Arbeitskräften bezog sich in Wirklichkeit auf die sogenannten "starken Schichten" -- Männer zwischen 20 und 40 Jahren --, von denen es zu wenig gab. Die Arbeitslosigkeit der "schwachen Schichten", der Frauen und Alten, blieb bestehen.

(2) Wenn man die Kategorie der Angestellten in die Berechnungen mit einbezieht, dann kommt mar im Gegenteil auf eine Erhöhung der Einkommen auf 28,1%, das heißt leicht höher als der Anstieg der Lebenshaltungskosten.

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—— EIN OFFENER BRIEF

ДА ЗДРАВСТВЕТ ДАРАХАК ДЕЛЕ, С ПРОЛЕТАРИАТА Linke Oppositionelle im sibirischen Exil demonstrieren am Jahrestag der Bolschewistischen Revolution. Es ist offensichtlich das Jahr 1928. Auf dem rechten Transparent, das mit den Bildern von Lenin und Trotzki versehen ist, steht: "Lange lebe die Diktatur des Proletariats."