Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Volkswagen

· Inprekorr Nr. 34, 29. Mai 1975 · S. 17-23 · 3.708 Wörter

BRD und DDR Gewerkschaften und Streiks Sowjetunion

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...läuft und läuft und läuft ... rückwärts WERNER HUELSBERG :

"Der Verlust von VW im Jahre 1974 ist in der Indus- Ein Denkmal wackelt trie der westlichen Welt einmalig. Der Verlust 1975 wird sich in der gleichen Größenordnung bewegen.

Es droht eine Liquiditätskrise. Die Exportabhängigkeit vit diesen Maßnahmen versucht die Konzernleituns von VW ist lebensgefährlich, Ein gleichmäßiger Ka- lie nicht mehr zu verheimlichende angeschlagene Posipazitätsabbau in allen Werken von VW und AUDI/ tion des Konzerns zu beheben. Auf Kosten der Beleg- NSU ist nicht möglich. Der Werkbereich Neckarsulm schaft, die schon im vergangenen Jahr aufgrund vor von AUDI/NSU ist äußerst gefährdet hinsichtlich ei- zwölf Kurzarbeitsperioden beträchtliche Einkommensner totalen Stilllegung" . So umschreibt der neue Kon- verluste hinnehmen mußte. Nicht zu sprechen von der zernchef und Rationalisierungsfachmann T. Schmücker verschärtten Arbeitshetze (in den meisten VW-Betrieben in einem "streng vertraulichen" Protokoll die wirt- wurden im vergangenen Jahr die Akkorde neu festgeschaftliche Situation des ehemaligen Prestigeobjekts setzt), deren Durchsetzung die Drohung mit der Arbeitsdes "westdeutschen Wirtschaftswunders". Läuft der Be- losigkeit ermöglichte.

schluß des VW-Aufsichtsrates vom 14. April zwar nicht direkt auf die Stillegung eines zum Konzern gehörenden Die westdeutsche Automobilindustrie steckt noch immer Werkes hinaus, so leitet der verabschiedete Sanierungs- tief in der Krise. Trotz eines leichten Plus' im monatliplan doch die größte Massenentlassung seit dem Ende chen Produktionszuwachs gegenüber dem Vormonat, lades II. Weltkrieges in Deutschland ein, Kann sich die gen die Produktionszitter in der gesamten Automobil- Konzernspitze in den nächsten Wochen und Monaten industrie im ersten Quartal um 25, 8% unter denen des Vorjahres. Im Export sind es sogar minus 43% (Handelsblatt vom 23.4. 75). Am härtesten getroffen von dieser Krise: der VW-Konzern, VW versuchte den 1966/67 Hannover 3 900 (von 20 000); bei VW-Kassel 2 300 einsetzenden verschärften Konkurrenzkampf in der Auto- (von 15 000); bei VW-Salzgitter 3 000 (von 8 200); mobilndustrie durch die Produktionsausdehnung auf den Export zu meistern. Rund 125 000 inländische VW-Arbeiter produzierten zu rund 70% für den Export, gegenüber einem Branchendurchschnitt von rund 60%. Die Enerbei ADI/NSU-Ingolstadt 1 700 (von 10 000); bei AUDI/ giekrise, wachsende inflationäre Entwicklung, konjunk- NSU-Neckarsulm 4 700 (von 10 000) und bei VW- turelle wirtschaftliche Schwierigkeiten und das Auftau- Brüssel 1 350 (von 3 000). Die lediglich einige hundert chen eines gesättigten Marktes' für die Automobil- Arbeitsplätze umfassenden Produktionsstätten in Heil- industrie bewirkten seit 1973 einen sichtbaren Absatzbronn und Neuenstein sollen total stillgelegt werden. rückgang bei allen Automobilproduzenten. In der

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BRD • BRD verringerte sich der VW-Absatz von 670 000 (1970) auf 516 000 (1974). Der Exportabsatz in andere europaische Länder von 352 000 (1972) auf 282 000 (1974). Die anwachsende Konkurrenz im Inland, die sich bemerkbar machende "Unattraktivität" der seit Jahrzehnten auf ein Modell ausgerichteten VW-Produktion führten zu einer Verringerung des Marktanteils in der BRD selbst. Im Gegensatz zu 1961 (Marktanteil 43, 9%) fiel der Anteil von VW 1971 auf rund 29, 1%; 1972 auf 26%; und lag 1975 bei rund 28, 3%. Der Zusammenbruch des Weltwährungssystems, Einfuhrbeschränkungen und andere protektionistische Maßnahmen von Exportländern verschärften die Absatzkrise zusätzlich, In einigen Fällen (Irland) führten die Wechselkursänderungen sogar zur Einstellung jeglichen Exports. Lediglich in Lateinamerika (wo sich VW in Brasilien und Mexiko eine führende Stellung im Personenwagenbau erobert hat) konnte der Absatz gesteigert werden. Alles in allem schätzten Experten die Verluste des VW-Konzerns im letten Jahr auf rund 850 000 000 DM. 550 000 000 bei VW selbst und 300 Millionen bei Tochtergesellschaften im Ausland (Spiegel 16/ 1975). Die Krise des ehemaligen Musterunternehmens (" Ein Volkswagen fährt immer vorwärts" -- der ehemalige VW-Chef Nordhoff), der rapide Sturz von Platz eins auf Platz sieben der Rangskala westdeutscher Unternehmen kam der SPD/FDP-Regierung mehr als ungelegen. Die Stabilisierung, und der leichte Rückgang der Arbeitslosenquote unter eine Million wollte man in den anstehenden Landtagswahlen (in Schleswig- Holstein, Saarland und Nordrhein-Westfalen) besonders herausstellen, Die Parole der regierenden Sozialdemokratie für die Wahlen in Nordrhein-Westfalen: "Den Aufschwung wählen". Die Massenentlassung bei VW dämpfte jeden Optimismus hinsichtlich einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation. Niedersachsen (wo die VW-Produktion konzentriert ist) ist jeder sechste Industriebeschäftigte bei vw tätig. Rund 30% aller Industrieinvestitionen in diesem Land stammen von VW. Zu den wirtschaftlich von VW abhängigen Zuliefererbetrieben gehören so bekannte westdeutsche Firmen wie die Stahlwerke Peine-Salzgitter, Conti-Gummi, Phönix, Varta, Bosch, AEG, Siemens, Blaupunkt und A. Teves. Die Schätzungen über die Abhängigkeit Niedersachsens vor VW belaufen sich zwischen 30% und 50% ("Die Welt vom 31,5. 74). Noch enger ist die wirtschaftliche Abhängigkeit in den süddeutschen Bereichen der VW- Produktion, In Neckarsulm und Umgebung sind rund zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung von W abhängig. Im engeren Bereich der Stadt arbeitet jeder zweite Metaller und jeder vierte Erwerbstätige bei dem zum VW-Konzern gehörenden AUDI/NSL Betrieb ("Die Welt" vom 12, 7. 74).

Der Sanierungsplan

Das ursprüngliche Sanierungskonzept bestand in de Totalstillegung des rund 10 000 Arbeiter umfassende Werkes in Neckarsulm. Gerüchteweise tauchte diese Möglichkeit schon seit Monaten in den Zeitungen Trotz massiver Aufforderung seitens der Belegschaft nach Offenlegung der Pläne der Konzempitze wurde die Belegschaft nach Offenlegun ler Plane der Konzemspitze wurde die Belegschaf über Monate im Unklaren gelassen, Die massive Mobilisierung der Belegschaft des bedrohten Werkes und der Bevölkerung (Anfang März demonstrierten mehr als 20 000 gegen die drohende Stilllegung; in wenigen Tagen wurden 90 000 Unterschriften gesammelt gegen die Stilllegungspläne) zwang die Konzernspitze zum Rückzug. Durch "Indiskretion" wurden dann Anfang April der jetzt vom Aufsichtsrat verabschiedete Sanierungsplan bekannt. Zwei Warnstreiks mit Demonstrationen in Neckarsulm, und ein Warnstreik im Werk Salzgitter waren die erste Antwort der kämpferischenTeile der VW-Belegschaft. Nachdem sich vorerst der Plan zur Errichtung einer eigenen VW-Produktionsstätte in den USA zerschlagen hat (zur Umgehung von Einfuhrbehinderungen und Senkung der Produktionskosten, muß die Konzerleitung durch Massenentlassungen eine Zentralisation der Produktion einleiten, Die 19r9 erworbenen AUDI/ NSU-Produktionsstätten haben dabei ihre Schuldigkeit getan, nachdem die hier entwickelten AUDI- Modelle mit wenigen oberflächlichen Veränderungen

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den Grundstock für die Erweiterung der VW-Modelle (Goll, Passat, Polo) abgegeben haben, Darüberhinaus soll durch den Sanierungsplan eine Konzentration der einzelnen VW-Produktionsbereiche erreicht werden (Zusammenfassung des Werkzeugbaus usw.) und die Einführung neuer Rationalisierungsinvestitionen ermöglicht werden, So ist z. B. im VW-Werk Hannover die Errichtung einer Transferstraße zur Rahmenherstellung eingeplant, die vollelektronisch gesteuert ist.

Deutlich sichtbar die Handschrift des der derzeitgen Vorstandsvorsitzenden Schmücker, der dieses Konzept schon beim angeschlagenen westdeutschen Stahl- Giganten Rheinstahl praktiziert hat: Einschüchterung der Belegschaft durch Entlassungsdrohungen, Massenentlassungen, Rationalisierungsinvestitionen, Verkauf verlustreicher Tochterfirmen (was bei einigen heute schon öffentlich diskutiert wird und anschließender Fusion bzw. enge Zusammenarbeit mit wirtschaftlich gesünderen Konzernen.

Mit den Ausnahmen Neckarsulm und Salzgitter hat die VW-Belegschaft bis heute den angestrebten Maßnahmen keinen nennenswerten Widerstand entgegenresetzt. Und dies ist nicht verwunderlich, Trotz des hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrades sind die gewerkschaftlichen Basisgremien Spielzeuge in den Händen Jahrzehnte eingesessener Berufsbetriebsräte. Bis auf ganz geringe Ausnahmen (Teile der Belegschaft in Kassel haben die Arbeiter des VW- Konzerns keine Erfahrungen im gewerkschaftlichen Kampf. Die lange Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs (VW marschierte bisher in Niedersachsen und in der BRD in bezug auf Lohn: 1975 beträgt der Lohn vorsprung der VW-Arbeiter gegenüber den ubrigen Metallarbeitern rund 13, 1%) und Sozialleistungen an der Spitze, hat für die Unternehmensleitung gute, für die Belegschaft mehr als schlechte Voraussetzungen geschaffen. Kurzarbeitsperioden und permanente Entlassungsaktionen haben im vergangenen Jahr zusätzlich an der Kampfkraft gezehrt (vom 31,12. 73 bis zum 31.12. 14 wurde die Belegschaft um 19 000 verringert. In den nächsten Monaten bis April.um weitere 5000). Um der Arbeitslosigkeit zu entgehen, haben Meister die Rückstufung zum Vorarbeiter, Vorarbeiter die Rückstufung zum Facharbeiter und Facharbeiter die Rückstufung zu Bandarbeitern, in Kauf genommen, Der jetzt verabschiedete Sanierungsplan hat neben der Vermeidung einer totalen Konfrontation mit der kampfbereiten Belegschaft in Neckarsulm, für die Konzernleitung vor allem den Vorteil, daß er die Entsolidarisierung der Belegschaft weiter verschärft. Ein Korrespondent der liberalen "Frankfurter Rundschau" bemerkt hierzu: "Eine ausgeklügelte Strategie, die eine Massenentlassung ohne größere Eruptionen in der Belegschaf ermöglicht, tut ihre Wirkung. Ein Gefühl aus Angst Unsicherheit und Galgenhumor bis Zynismus beherrscht die Arbeiter, " (Frankfurter Rundschau vom 26,4. 75). Anders die Situation der Belegschaft in Neckarsulm. Eine Belegschaft, die an zwei Arbeitskampfauseinandersetzungen der jüngsten Vergangenheit (Metallarbeiterstreik 1971 und Kampf um bessere Arbeitsplatzbedingungen 1973 in Badenwürttemberg) teilgenommen hat. In den gewerkschaftlichen Basisgremien sind die Orte der Diskussion und der Entscheidung. Die zwei Warnstreiks in den vergangenen Wochen haben der Belegschaft das Gefühl der eigenen Stärke vermittelt. "Nicht mehr länger ein ohnmächtiges Objekt darzustellen" wie es ein Kommentator ausdrückte. In Salzgitter gärt es ebenfalls. Die Aktionen der Belegschaft in Neckarsulm, die vorhandene Kampfkraft, haben dazu geführt, daß die Metallgewerkschaft auf örtlicher Ebene in Widerspruch zur klassenversöhnlerischen Linie des Gewerkschaftsvorstandes geriet, Weitere Kampfmaßnahmen, Protestblockade der Autobahn, Betriebsbesetzungen, Bewachung der Anlagen gegen heimlichen Abtransport H.Schmidt:

«Diese 25 000 Entlassungen werden die Gesundheit des Unternehmens sicher verbesserrn»!

werden nicht nur vereinzelt, sonder vom Großteil der gewerkschaftlichen Aktivisten diskutiert, Zwischen ihrem Willen zum Kampf und der Aufnahme des Kampfes steht die Gewerkschaftsbürokratie. Die Bürokratie auf örtlicher Ebene, die die bisherigen Maßnahmen als "Pflichtübungen" ansieht und die sich an die Spitze der Kämpfe setzt, um sie zu kanalisieren, und die Bürokratie auf allen anderen Ebenen, die sich mit den Massenentlassungen abgefunden hat. Selbst der als "links" zählende Bezirksleiter der Metallgewerkschaft in Baden-Württemberg, Steinkühler, sieht nicht die" Möglichkeit, durch Kampfmaßnahmen den Untergang der Arbeitsplätze zu verhindern. "(Handelsblatt vom 8. 4. 75). Metallgewerkschaftsvorsitzender E. Loderer (und zweiter Vorsitzender des Aufsichtsrates bei VW) hat sich gar zum Trommler für die jetzt angestrebte Lösung gemacht. Von ihm wurde als erster in der Öffentlichkeit gefordert, anstelle der Schließung einer Fabrik, "die Lasten auf möglichst viele Schultern zu laden". Entsprechend die Haltung der Metallgewerkschaftler im Aufsichtsrat von VW. Man sprach sich nicht gegen jede Entlassung aus, sondern legte einen Plan vor, der anstelle der 25 000, 20 000 Entlassungen vorsah, Befriedigt stellte die Gewerkschaftsbürokratie , mit ihrem Kompromißvorschlag im Aufsichtsrat deutlich gemacht habe, daß sie sich der Verantwortung bei VW zu stellen. Überdeutlich wird an diesem Beispiel die Auswirkung aller klassenversöhnlerischer Modelle der Einflußnahme • der Arbeiterorganisationen auf die Politik der Wirtschaftsunternehmen im Kapitalismus. VW ist nicht nur sichtbares Zeichen des Endes des Westdeutschen

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BRD

Wirtschaftswunders, sondern deutlich der Bankrott der von der Gewerkschaftsbürokratie propagierten Mitbestimmung. "Mitbestimmung" oder andere Spielarten der Klassenkollaboration können Entlassungen nicht verhindern, noch mehr: Mitbestimmung heißt Verantwortung hierfür gegenüber der Arbeiterklasse zu übernehmen, Welche Perspektiven?

Der Widerstand gegen den Entlassungsplan beginnt sich in Neckarsulm zu formieren. Wenn er erfolgreich sein will, so muß er sich gegen die geschlossene Front von Konzernspitze, Gewerkschaftsbürokratie und SPD-Reering durchsetzen. Die SPD-FDP-Regierung hat jed‹ lirekte Hilfe für die Belegschaft bisher abgelehnt. Wirt. schaftsminister Friederichs: "Ich will kein British Leyland haben". Ausdrücklich hat der Bundeskanzler die "neue Konzgption" der Konzemverwaltung begrüßt. Die anstehenden 25 000 Entlassungen als erfolgversprechende Gesundung des Unternehmens" hochgejubelt. legschaft Unsicherheit über die Frage zu stiften, ob eine Verteidigung des Arbeitsplatzes überhaupt angebracht ist, obwohl die Wirkungen eines solchen Pro- Jahre beziffert werden. Und bei diesem Förderungs- von Kennern auf schnellstens zwei bis drei programm geht es gar nicht so sehr um die Arbeiter. Denn die Gewinner werden die ansässiger Kapitalisten sein, deren Investitionen durch staatliche Zuschüsse dann um rund 20% (neben den 7% des Konjunkturprogramms vom Anfang des Jahres) verbilligt werden! Der Kampf gegen den Sanierungsplan durch die Belegschaft in Neckarsulm steht an einem Wendepunkt. Entweder die Belegschaft setzt sich gegen die Abwiegelungsmanöver der Gewerkschaftsbürokratie durch, und setzt damit ein Kampfsignal für die heute noch eingeschüchterten Kollegen in den anderen Betrieben, oder die "Konzertierte Aktion" von Konzernleitung, Gewerkschaftsbürokratie und Regierung reißt auch in Neckarsulm das Steuer an sich, Die Ausgangspunkte für einen solchen Kampf sind heute günstiger denn je. Die westdeutsche Arbeiterklasse beginnt ihre Unsicherheit abzuschütteln, die die Kampfkraft der Arbeiterklasse konfrontiert mit massiver Arbeitslosigkeit im Herbst und Winter lähmt. 40 000 jugendliche Arbeiter demonstrierten in Dortmund, Frankfurt und Stuttgart gegen den Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit und den Rückgang von Ausbildungsplätzen für die Arbeiterjugend, In einer Kleinstadt in Westfalen halten nun schon seit sieben Wochen 150 Zementarbeiter den Betrieb besetzt, um die Stillegung zu verhinder. Die in diesen Tagen abgeschlossenen Wahlen zu den Betriebsräten (alle drei Jahre werden aufgrund eines Gesetzes über die Betriebsverfassung die Vertreter der Arbeiter und Angestellten in geheimen Wahlen ermittelt), brachten in den meisten Großbetrieben Veränderungen zugunsten linker oder kämpferischer Kandidaten, Gelingt es den Arbeitern in Neckarsulm Schritte voran zu machen in der Selbstorganisation des Kampfes, finden die Versammlungen auf Abteilungs- und Betriebsebene in kurzen, regelmäßigen Zeitabständen statt, werden sich zu den Orten der Diskussion und Entscheidung anstehender Aktionen gerät die heute noch starke Position der Bürokratie ins Wanken, Die Organisierung einer aktiven überbetrieblichen Solidarität hat sich ein kürzlich gegründetes Unterstützungskomitee zum Ziel gesetzt. Aber der Kampf braucht eine Stoßrichtung. Die Forderung "Keine Entlassungen!" muß konkretisiert werden. Gegen die von der Gewerkschaftsbürokratie propagierte "Verteilung der Lasten auf alle Schultern" muß die "Verteilung der vorhandenen Arbeit auf alle Hände bei vollem Lohnausgleich" gekämpft werden.

26.4.75 Von den zwischen März 1971 und Sommer 1973 herausgekommenen 25 Nummern der 'Inprekorr' sind von den meisten Nummern noch kleine Restbestände vorhanden. Diese älteren Nummern der 'Inprekorr' geben einen ausgezeichneten Einblick in die Analysen und und Aktionen der IV' Internationale zu allen wichtigen Klassenkämpfer dieser Zeit.

Oberweise DM 10,- auf eines der ISP-Konten. vermerke '20 Num mern Inprekorr", dann schicken wir 20 verschiedene Hefte. Außerdem noch erhältlich:

Nr. 29.Griechenland, Spanien, Nahost, Chile DM 2,- Nr. 30.Europa, China, CSSR, Vietnam, USA DM 2,- Sondernummer Portugal, Sommer 1974 DM 2,50 Rote Hefte

NEUERSCHEINUNGEN

RH 4 Pierre Frank/ Alain Krivine

Frankreich - einem neuen Mai entgegen ? April 75, 48 Seiten, DM 3,50 RH 11 Ernest Mandel : Die Rolle der Intelligenz im Klassenkampf.

April 75, 64 Seiten, DM 3.80 Im Januar - März 1975 sind erschienen : RH 7 W. Wolf / K. Beiersdörfer

Kritik des westdeutschen Maoismus.

112 Seiten, DM 4,80 RH 8 Anna Armand : Kein Kredit für Helmut Schmidt. Für Sozialismus - wie und welchen?

48 Seiten, DM 3,50 RH 9 Ernest Mandel : Die allgemeine Rezession der internationalen kapitalistischen Wirtschaft 74/75 W. Wolf : BRD - Das Ende der Stabilität. GIM : Thesen zur politischen Situation.. 80 Seiten, DM 4,- Versand an Einzelbesteller nur gegen Vorausbezahlung des Betre + DM 1, - Portopauschale auf unser Konto : PSA Ffm. 33386-606 und Bank für Gemeinwirtschaft, Frankfurt Kto.Nr. 1601515000.

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Sowjet

Ökonomie 1974 Die 1974 erzielten wirtschaftlichen Ergebnisse und der Die Resultate von 1974 Ich im Zeitraum zwischen Dezember und Ende Januar - Jahresplan für 1975 sind in der Sowjetunion wie Die Analyse der wirtschaftlichen Ergebnisse des Jahres dieses fair aber aurd BeaChtung gestent. En wurde 1974 kann vieles enthüllen über die Funtkionsweise der sowjetischen Wirtschaft, unter der Voraussetzung navielmehr der politisch-physische Gesundheitszustand türlich, daß diese Analyse sich methodologisch kor- Breschnews, zu dem Zeitpunkt besonders labil und an- rekter Kriterien bedient. gegriffen, der die Sowjetologen und in ihrem Gefolge die sowjetische und die Weltöffentlichkeit bekümmerte. Ein erstes Kriterium kann sein, die vorliegenden Wirtschaftsdaten mit den Planziffern zu vergleichen, die vor vier Jahren mit dem Segen der jetzigen Führungsclique und im Zusammenhang mit der Ausarbeitung des jetzigen 5-Jahresplanes aufgestellt worden waren; von ETTORE SALVINI Dieser Fünf-Jahresplan legte nicht nur die globalen Endziele fest, sondern auch die zu erreichenden Jahres- Da der Plan in der UdSSR Gesetz ist, aber vor allem Die bürgerlichen Beobachter konnten auch kein Inte- auch Grundlage der wirtschaftlichen Ordnung, ist es wohl klar, daß ein solcher Vergleich die Probleme Tesse daran haben, darzustellen, daß gegenüber einer und Widersprüche der sowjetischen Wirtschaft erhellen allgemeinen, weltweiten Krise der kapitalistischen kann. Es wäre natürlich auch notwendig, zu sehen, Wirtschaft die sowjetische Ökonomie ein 5%iges wie und in wessen Interesse der Plan erstellt wurde. tumsrate der Industrieproduktion 8% betrug. Wachstum aufzuweisen hatte, wobei allein die Wachs- Solche Doch ist hier nicht der Ort dazu (dies mag eventuell nächstes Jahr anläßlich der Erstellung des nächsten Zahlen riefen in den Jahren des langen kapitalistischen Fünf-Jahresplans geleistet werden). Der Vergleich zwi- Nachkriegsbooms nur Äußerungen der Langeweile und schen dem Plan und seiner Verwirklichung ist immerdes Desinteresses hervor: heute bekommen sie wieder hin bedeutend und kann sich als ein genügend empfindeinen provozierenden Beigeschmack, jedenfalls wer- licher Gradmesser erweisen. nehm von ihnen berührt. den die von ihrer Krise bedrängten Bourgeois unange- Wir werden diesen Vergleich auf der Grundlage der Zitfern des Fünt-Jahresplans und nicht der des Jahresplanes

Aber auch die prosowjetischen Kommunisten ziehen durchführen, da die Angaben des letzteren nicht genü- 3 vor. keine tiefergehende Analyse der sowje tischen gend aufgeschlüsselt sind, um Schlußfolgerungen von Ökonomie zu leisten die unter der dinnen Cherfischr weiterreichender Bedeutung zuzulassen und weil auch scheinbarer Prosperität tief klaffende und schwer zu die sozioökonomischen Prozesse, die uns ja intereshellende Wunden aufweist. sieren, nur bei der Benutzung eines größeren zeitlichen Maßstabs erkennbar werden.

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SOWJETUNION

Der Genauigkeit halber weisen wir darauf hin, daß nach den verlügbaren offiziellen sowjetischen Angaben (aufgegliedert nach Ministerien und daher mehr oder weniger auch nach Industriebranchen) der Jahresplan 1974 überall erfüllt und übererfüllt worden den schleclitesten Jahren behauptet wurder, auch in den schlechtesten Jahren Aus den von uns erarbeiteten Tabellen (siehe Tabelle 1 und 2) lassen sich folgende Schlußfolgerungen ziehen:

1.) Allgemein hinkt die Produktion hinter den Zielen des Fünf-Jahresplanes hinterher -- je nach Sektor mehr oder minder stark.

Von 45 aufgeführten Warenartikeln konnten nur für g lie Planziffern erreicht werden.

Von den Globalzielen des Planes ist keines erfüllt worden (siehe Tab. 2). Von den Artikeln, bei denen das Planziel erfüllt wurde, fallen zwei in die Landwirt schaft (Kunstdünger und Landwirtschaftsmaschinen), und bestätigen somit die Politik Breschnews, die vor allem nach dem Desaster von 1972 die Investitionen in diesem traditionell schwachen Sektor förderte. Die Produktion der Kohleindustrie, die wegen der Energiekrise wieder Bedeutung erlangt hat, war in der UdSSR zuvor in wesentlich geringerem Maße und wesentlich später gedrosselt worden, als dies in den kapitalistischen Ländern der Fall war. Es fiel also leichter, die Produktion hier wieder anzukurbeln. Hie und da zeigt der bürokratische Konservatismus Vorteile in einer sich rasch entwickelnden Welt!

Die Erfolge in der Produktion der Rechenmaschinen müssen relativiert werden, da ihr Ausgangspunkt äußerst schwach und die Oualität der Produktion minderwertig ist.

2.) Bei einer Reihe von Gütern, die für die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend sind, ist das Planziel nicht erreicht worden. In erster Linie betrifft dies, außer der Kohle, die wir schon genannt haben, die wichtigsten Güter auf dem Energiesektor: Erdöl, Gas, elektrische Energie. Diese Verzögerung ist schlimm, nicht wegen ihrer Auswirkungen auf den inneren Konsum, sondern wegen der dadurch ungenutzten Möglichkeiten auf dem Weltmarkt, Eine rasch. ere Entwicklung auf diesem Sektor würde unmittelbare ökonomische Vorteile verschaffen ("starke" Wahrungen) und somit ein wichtiges Mittel darstellen, politischen Druck auszuüben, sei es aul die Staaten des öst. lichen Europa oder auf Westeuropa.

In zweiter Linie ist von dieser Verzögerung der Bau von Produktionsanlagen betroffen, und zwar in allen Sektoren: Chemie, Erdölindustrie, Leicht- und Nahrungsmittelindustrie. Dasselbe gilt für die Herstellung von Turbinen.

Aulschlußreich, wenn auch weniger wichtig, ist die Diskrepanz zwischen Plansoll und Planerfüllung bei Pressen, Schmieden und Werkzeugmaschinen. All dies bedeutet, daß die laufenden Investitionsprodukte nochmalige schwere Verzögerungen erfahren werden und diesmal nicht nur, wie sonst, aus Mangel an Koordination der verschiedenen Sektoren oder mangels Leistungsfähigkeit der Herstellerfirmen. Das stellt natürlich die wichtigsten langtristigen Produktionsziele in Frage (so ist darauf schon die leichte Verzögerung in der Stahl- und Gußeisenproduktion zurückzuführen). 3.) Am eindrucksvollsten stellt sich jedoch die wirtschaftliche Verzögerung im Sektor B, dem Konsumgütersektor dar.

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Tabelle I Plan für 1974 (laut Fünfjahresplan) Elektrische Energie (Mia, KWH) 985 Erdöl (Mio. t) 461 Gas (Mia, cm) 280 Kohle (Mio. t) 670,2 Gußeisen (Mio t) 101.9 Stahl (Mio t) 138,1 Walzstahl (Mio t) 109,8 Röhren (Mio t) 16 Kunstdünger 80,2 Kalziniertes Soda (Mio t) 4,5 Ätznatron ( Mio t) 2,3 Reifen ( Mio) 46, 6 Turbinen (Mio KWT) 22,3 Werkzeugmaschinen 233 Pressen und Schmieden 54,3 Rechenmaschinen ( Mia. R) 1,6 Erdölanlagen ( Mio t) 228,5 Chemieanla gen (Mio R) 717,2 Maschinen für Leichtindustrie (Mio R) 793, 7 Maschinen für Nahrungsmittelind. (M. R) 650 LKW's (Tsd.) 718 Autos (Tsd, ) 1204 Traktoren (Tsd. ) 542 Landwirtschaftsmaschinen(Mio. R) 3323 Mäh - und Dreschmaschinen(Tsd. ) 123 Aushebemaschinen(Tsd.) 40,7 Bulldozer 41 Holz (Mio. cm) 302 Zellulose (Mio t) 7,4 Papier (Mio t) 5,1 Karton (Mio t) 4 Zement (Mio t) 116 Stoffe aller Art (Mio m?) 10450 davon:

Baumwolle 7000 Leinen 853 Wolle 825 Seide 1461 Konfektion (Mia, R) 19,8 Lederschuhe (Mio Paar) 791 Uhren (Mio. Einheiten) 51,3 Radio und Grammophon (Mio. Einh.) 10,3 Fernseher (Mio. Einheiten) 6,3 Kühlschränke (Mio. Einheiten) 6,2 Motorräder (Tsd.) 975 Möbel (Mia, R) 4 Effektivleistung Differenz 975 -10 459 -2 261 -19 684 +14 99,9 - 2 136 - 2,1 109 - 0,8 15 - 1 80,3 + 0,1 4,5 -- 2,2 - 0,1 47,1 + 0,5 17,3 - 5 225 - 8 49 - 5, 3 2,2 + 0, 6 172 -53,5 607 - 110,2 629 -164 456 -194 666 - 52 1119 - 85 531 -11 3465 +142 88,4 - 34 37,1 - 3,6 47,2 + 6,2 296 - 6 0,3 - 1,1 5 - 0,1 3,2 - 0,8 115 - 1 9825 - 625 6619 - 381 796 - 57 724 -101 1412 - 49 18,1 -1,7 684 -107 50, 6 - 0.?

8,8 - 1,5 6,6 + 0,3 5,4 - 0,8 960 -15 (R=Rubel, t=Tonne, Mio=Millionen, Mia=Milliarden, cm= Kubikmeter) "Effektivleistung" umfasst auch Gasolinkondensate, das in den Planziffern nicht inbegriffen ist. Die Differenz zwischen dem Plansoll und dem Erreichten ist also höher als 2 Mio. Tonnen. Tabelle Il