Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Südvietnam

Wirtschaftliche und soziale Krise des Saigoner Regimes

Inprekorr Nr. 30, 15. Juni 1974 · S. 36-39 · 3.825 Wörter

Vietnam und Indochina USA und Kanada Weltwirtschaft und Krise Jugend und Studenten

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wirtschaftliche und soziale Krise des Saigoner Regimes "Ein Jahr nach dem Pariser Abkommen ist es klar, daß Man versteht die Besorgnis des Thieu-Regimes. Die es das punischem de set bitte auenalen. Das ist Weltbank konstatiert, daß seit dem Pariser Abkommen "die Hilfe sich wenig vergrößert hat und an tatkein unwichtiges Ergebnis. Aber dasselbe laßt sich sächlichem Wert sogar verloren hat, denn die Preise für die Mehrzahl der importierten Produkte ist gestiegen. "

wiegendes Risiko sozialer Instabilität dar, welche sich DIE TRAGWEITE DES PROBLEMS rasch auch auf der politischen Ebene auswirken würde.

Wir müssen handeln, und zwar schnell. Gleichwohl hat die amerikanische Regierung alles in General TRAN VAN DON, Thieus stellvertre- ihren Kräften stehende getan, um eine "multinationale" tender Ministerpräsident (1) Hilfe für Thieus Süd-Vietnam anzukurbeln, Der US-Imperialismus konnte und wollte nicht weiterhin de facto Die Erklärungen der Saigoner offiziellen Sprecher sind allein die Lasten der Verteidigung der "Freien Welt" in weit entfernt von dem Optimismus, den sie unmittelbar Indochina tragen. Um den Mißertolg dieser Politik zu nach Abschluß des Pariser Abkommens vom 27. Januar verstehen, muß man auf den Umfang der Transforma - 1973 zur Schau stellten. Trotz der rosigen politischen ton der südvietnamesischen Wirtschaft eingehen, die und militärischen Zukunft, die der General Tran van von ebendieser Politik herrührt, sowie auf die Schwä- Don dem Regime, das er vertritt, voraussagt, kann er sei- che der strategischen Positionen des Marionettenregimes. ne Beunruhigung nicht verbergen. Thieu weiß, daß sein Regime nicht unbegrenzt einzig und allein mittels repres- Die amerikanische Intervention hat die süd-vietnamesisiver Maßnahmen überleben kann. Die industrielle Entwick- sche Gesellschaft tiefgretfend verändert. Zu Beginn des lung in den Städten Südvietnams und die "grüne Revolution" Indochinakrieges befand sich die Bevölkerung zu 90 Proauf dem Land sollten eine tiefgehende Konsolidierung sei- zent auf dem Lande, heute befindet sich ungefähr die nes Regimes ermöglichen. Aber diese Entwicklung würde Hälfte in den Städten und in deren Vororten. Dies ist cinnte, in der Form eines Marshall-planes für Indochien könnte, in der Form eines urbanisierung" das Ergebnis einer systematischen Politik der "Zwangs- , der Razzien und Zwangsumsiedlung na, der finanzielle Hilfe von Seiten großer Banken und der Bevölkerung, der Terrorbombardierungen gegen die Staaten mit sehr zahlreichen westlichen Investitionen befreiten Zonen. Die US-Strategen haben mit dieser verbinden würde, Saigon stößt heute aber auf den realis- Orientierung zweifellos einen Teilerfolg verzeichnen tischen Pessimismus der stark beunruhigten Geschäfts- können, indem sie einen bedeutenden Teil der Bevölkerung unter ihre Kontrolle gebracht haben und indem sie Bauern in eine Masse von unterstützungsbedürftigen EIN HARTES URTEIL Flüchtlingen verwandelt haben, die einem intensiven wirtschaftlichen und ideolgoischen Korrumpierungspro- In der Tat: das Urteil ist hart! So stellt die vierzehntä- zeß unterworfen sind. Nguuyen Khac Vien (der für die gig erscheinende Unternehmerzeitschrift aus San Franzis- Reihe "Etudes Vietnamiennes", Vietnamesische Studien, "Pacific Basin Reports" trocken fest, daß "die Wirt- Hanoi, verantwortlich ist) schätzte im Februar 1973 schaft der von Thieu kontrollierten Zonen schwach ist "an die amerikanische Hilfe gebundene und geund schwächer wird. Dagegen ist die Provisorische Re- fesselte" Bevölkerung auf 5 bis 6 Mio bei einer Einwohvolutionsregierung stärker und wird weiterhin stärker; der nerzahl von 27 Mio und er unterstrich, größte Teil der potentiellen Investoren, die bisher schon am "eine der größten Schwierigkeiten" für die PRR schwankten, ist jetzt dabei, einer nach dem anderen je- handele (5).

den Gedanken an eine Investition im Süden aufzugeben"

Aber dadurch haben die Vereinigten Staaten von Ameri- Für die britische Zeitschrift "The Economist" ka keine wirkliche modeme urbanisierte Gesellschaft selbst im günstigsten Falle die wirtschattlichen Perspek- geschallen. Die nationale Bourgeoisie wai tiven Süd-Vietnams finster. (3) Damit greift sie nur in Vietnam nie eine festgefügte soziale die Aussagen auf, die in einem Bericht der Weltbank Klasse. Der französische Imperialismus hat ihre Entveröffentlicht wurden, die dabei nicht ihre sympathien wicklung verhindert, Was noch schwerer wog: die Inmit dem Marionettenregime verheimlicht und offen dustrialisierung ist immer sehr schwach geblieben, von der Nichteinhaltung des Abkommens vom 27. Ja- ob sie nun an (sehr schwach vertretene) vietnamesische nuar 1973 ausgeht. Sie geht von den rosigsten Bildern, Kapitalien gebunden war oder an ausländische. Trotz die von den südvietnamesischen Wirtschaftswissen- des Umfangs der amerikanischen Präsenz haben die USschaftlern gemalt werden, aus. Und trotz der offen- Untemehmen nie versucht, sich massiv zu verankern sichtlich gefälschten Angaben vermutet die Weltbank, (außer im Erdölsektor). In den Städten Vietnams hat sich daß die Hilfe, die 1980 nötig wäre, 100 Mio Dollar eine genaugenommen parasitäre Wirtschaft gebildet, an mehr betragen würde, als die, die wahrscheinlich ihrer Spitze steht eine "Lumpenbourgeoisie" 1974 gegeben wird, und daß im Jahre 1990 Saigon vor allem aus den hohen Offizieren und Funktionären noch zwischen 300 und 450 Mio Dollar jährlicher Hil- sowie aus den Schwarzmarkthändlern und Schmugglern fe benötigen würde. Sogar ohne die Möglichkeiten rekrutiert, an ihrer Basis eine verarmte und entwurzelte der zukünftigen Aktionen der der PRR einzubeziehen, die weitgehend ihr Dasein mit Almosen schließt die Weltbank daraus daß eine gewaltige und oder Gelegenheitsarbeiten fristet. sehr langfristige internationale Anstrengung notwendig wäre, um eine vielleicht tötliche Krise zu verhindern Diese Wirtschaft ist nun mit dem Rückzug sturzt. Die 500 o00 is gaben im suden Jedes fahr der US-Truppen in eine tiefe Krise -32-

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ungefähr 400 Mio Dollar aus und die amerikanischen Sinden, dadurch d Tell der Bauernschaft an das Regime Einrichtungen beschäftigten direkt 250 000 Personen, dadurch daß sie eine kapitalistische Bauern- Die Dollars treffen weiterhin ein, aber sie erreichen schicht hervorbringen und zur industriellen entwicklung nicht mehr die kleinen Leute unmittelbar, sie werden beitragen sollte. Sie ist gescheitert. Erstens weil die von den Spitzen der Verwaltung, der Armee, sowie von saigoner Regierung es nicht geschafft hat, genügend den chinesischen Schmugglernetzen aufgesogen. Ange- große Flächen auf dem Lande zu kontrollieren; zweitens stellte der US-Stützpunkte, Wäscherinnen, Prostituierte, weil die zur landwirtschaftlichen Umgestaltung notwen- "nicht-offizielle" Frauen von GIs, Gastwirte und Barmäd- digen Investitionen nicht genügend gesichert sind, Auch chen wurden brutal in Arbeitslosigkeit gestürzt. weil die Grundbesitzer in einer ganzen Reihe von Regionen die landwirtschaftlichen Reformen sabotiert haben.

Der amerikanische Plan erforderte den der serin der Land dishare mit sich brachten di eine Mo- Übergang von einer völlig von außen hängigen parasitären und Nipischatt en uner bedensamennst- einem doppelten Hindernis scheitert -- in Anbetracht des Drucks von Seiten der FNL und der PRR: der Verneokolonialen kapitalistischen Entwick- schuldung und der hohen Arbeitslosigkeit der Bauern. ausbrach und die politisch-militärische während eine brutale innere Krise Die Preise für Industrieprodukte -- und insbesondere die für Düngemittel -- sind auf schwindelnde Höhen gestie- Lage des Thieu-Regimes kurz- und gen. Und die kapitalistische Rentabilisierung der Landfristig sehr schlechte Aussichten eröffnete. wirtschaft würde, wenn sie sich entwickeln würde, eine Masse von Bauern von ihrem Boden vertreiben, was den Der Marionettenarmee ist es nicht gelungen, den Bestand Flüchtlingsstrom in die Städte weiter vergrößer würde. der befreiten Zonen emsthaft in Frage zu stellen. Das heißt, daß die "grüne Revolution", Lage dieser Zonen schneidet das von der Marionettenar- die dazu gedacht war, dem Regime eine somee kontrollierte Gebiet von strategisch bedeutsamen ziale Stütze zu geben, es noch weiter zu (Hochebenen) und wirtschaftlich entscheidenden Zonen (weite Teile des Mekong-Deltas) ab. Die Schlacht um den Reis scheint Saigon weitgehend verloren zu haben. Die finanzielle Hilfe ist ihrerseits auch nicht ausreichend. Ein neues straßennetz durchquert die betreiten Zonen Franzosen, Japaner und Deutsche haben Anleihen und von Norden nach Süden, parallel zum Ho-Chi-Minh-Pfad, Geschenke gewährt. Zusammen mit der amerikanischen ein drittes scheint im Bau zu sein, um die Hochebenen Hilfe handelt es sich dabei um eine Art künstliche Beatmit den Küstenprovinzen im Zentrum zu verbinden (was mung, ohne die das Thieu-Regime nicht lebensfahige den Umfang der Kämpfe im Gebiet von Kontum erklären wäre. Aber der Gouverneur der Bank von Vietnam, würde). Die Entwicklung der Lage in Kambodscha, Laos Quang Vyen, gesteht, daß "die amerikanische Hilfe und Thailand ist ungünstig für Thieu. uns im Augenblick das Überleben ermöglicht, nicht aber den Wiederaufbau" (8). Die Verteidigungsausga- Die Organe der Fachpresse benennen ungeschminkt den ent- ben verschlingen mehr als 50% des Gesamthaushalts. scheidenden Grund für das Scheiter des amerikanischen Die Korruption ist auf allen Ebenen zu einer Selbstver- Plans einer intemationalen Hilfe. Im Gegensatz zu dem, ständlichkeit geworden. Der Anstieg der Weltmarktwas der General Tran Van Don versichert, preise und die Dollarabwertung beeinträchtigen den politische und militärische Stabilität des Marionettenre- Wert dieser Hilfe direkt. Die einzige Maßnahme, die Be an carantien und le ti chen probleme, ie son "Die ausländischen Investoren --theoretisch -- ein Wiedererlangen des Gleichgewichts der finanziellen Ressourcen der Saigoner Regierung ergels an Garantien und der üblichen Probleme, lauben würde, wäre die Demobilisierung eines großen Burokratie und Korruption aufgeworfen werden" Teils der Marionettenarmee. Aber das würde bedeuten, das "Wallstreet Journal" vom 12, Dezember 1973 (6). daß man bereit ist, die Schleusen zu öffnen. Der milită- Für die Weltbank "besteht ein ständiges Sicherheitspro- rische Druck der PRR ist hier entscheidend. Und das Mablem was Vietnam anbetrifft, für das die Weltbank noch rionettenregime kann sich auch nicht einen brutalen keine eindeutigen Schlußfolgerungen gezogen hat. Anstieg der Arbeitslosigkeit leisten, der aus einer sol- Selbst die französische Unternehmerzeitschrift "Enterprises". chen Maßnahme folgen würde. die eine Kampagne für Thieu führt ("Die Investitionen und die Geschäfte können in diesem Teil der Welt gute DIE SOZIALE KRISE

Früchte tragen", schreibt dort Pierre Drouin) muß anerkennen, daß "in Süd-Vietnam die politische und wirt- Die industrielle Produktion in Südvietnam ist folgerichschaftliche Konjunktur delikat ist... Der Frieden kann tig, in den Zonen unter Marionettenkontrolle, 1973 um von einer Woche zur anderen in Frage gestellt werden"(7). 20% gesunken. Der Piaster ist zwölfmal abgewertet wor- Die Intlation erreicht 5% imMonat. Die Lebenshal- Wenn man weiß, daß Süd-Vietnam bei Unterstellung der tunskosten sind seit Januar 1973 um 70% gestiegen. Die günstigsten Hypothesen tur den Kapitalismus erst Löhne der Arbeiter und Beamten sind ihrerseits nur um n etwa einem Jahrzehnt einen zahlungskrältigen und rentablen Konsumgütermarkt abgeben wurde -- immer nach der doch dem Marionettenregime nicht den "optimistischen" Schätzungen über die Zukunft Thieus Page am 200 0g Bionen al davon 100 000 in -- versteht man, die geringe begeisterung der Industriellen und selbst der Staaten sich gerade dort heute zu enga- ohne dabei die Unterbeschäftigung von insgesamt 500 000 Personen mitzuberechnen. (9)

DIE WIRTSCHAFTSKRISE Selbst die Weltbank gibt zu, daß der "Lebensstandard in den letzten beiden Jahren gefallen ist. " Für das Dabei sind doch die Bedingungen, die das Saigoner Re- Wall Street Journal "läuft es in fast allen Sektoren Bu sanier cente nach ta bei euer lehen ausnehmend günstig. der Wirtschaft schlechter als vor zwei Jahren. Und nichts zu 90% ihrer Gewinne nach Hause. ging damals sehr gut. Die Realeinkommen und der Le- bensstandard sinken. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Vorteile sind unüberbietbar. Aber die Investoren fordem finanzielle Garantien ihrer Regierungen -- und Die Journalisten bestätigen die Auffassung der Experten. diese lehnen ab. Francois Nivolon beschreibt die soziale Lage in Saigon in Die französischen Kapitalien bilden dabei die Mehr- "Le Figaro" folgendermaßen: " Der Hunger ist eine neue Erscheinung •:• Im Stadtinnern wurde vor kurzem die heit der auslänischen Investitionen in Südvietnam. Aber Rinde der meisten Bäume, bis zur Höhe eines Menschen, die Mehrzahl der Untemehmer mit schwach ausgebilde- abgeschält, sie wird von den ärmsten dazu benutzt, Feuer ter Technologie stammen von vor 1954. Die Zementfa- zu machen, das sie zur Zubereitung ihrer Mahlzeiten unbriken von HA TIEN haben sich stark vergrößert, CITROEN bedingt benötigen: die Preise für Petroleum, das früher hat ein Montagewerk errichtet und ISOSTAT bautz. Z. normalerweise als Brennstoff verwandt wurde, haben sich ein Elektrizitätswerk auf. Aber dies scheint wirklich al- seit Januar 1973 versiebenfacht... Es gibt in Saigon keine les zu sein. Die Japaner haben ihrerseits den größten Hungersnot, aber die Hungernden sind ziemlich zahreich Teil ihrer Projekte autgegeben. Das Vertrauen besteht und noch viel zahlreicher sind die "unterernährten. " Das nicht mehr. Die "grüne Revolution" in der Landwirt- -33-

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durchschnittliche Gehalt eines Beamten erlaubt es ihm • benötigt. heute gerade eben den Reis zu kaufen, den eine Familie Die Krise hat zuerst die Flüchtlinge, die zahlreichen Beschäftigten, die Dienstleistungen für die Amerikaner verrichteten, sowie den fliegenden Kleinhandel getroffen. Sie hat jetzt die Soldaten und Beamten erreicht. Alle Vorhersagen können auf folgenden Nenner gebracht werden: "Es gibt keine Hoffnung auf eine ernsthafte Verbesserung vor einem Jahr. Das kleine vietnamesische Volk ist aufgrund seines Atavismus abgehärtet und ergeben. Aber es wird dennoch ein langes Jahr. Es ist keineswegs sicher, ob man der sozialen Krise aus dem Weg wird gehen können, auf die die "andere Seite" sichtlich setzt. " (10).

Die mögliche Entdeckung von Erdölfeldern "off shore" cann die gegenwärtige Krise nicht lösen. Auch hier wiegt die Unsicherheit über die Zukunit des Regimes scnwer. Umsomehr als die betreffenden Gebiete auch von China beansprucht werden, das seine Entschlossenheit, seinem Recht Nachdruck zu verleihen, bei dem Konflikt um die Paracellen-Inseln gezeigt hat. Und in jedem Falle würden die Investitionen in diesem Bereich erst mittelfristig rentabel sein. Die jüngste Rundreise des Vizepremierministers, des Generals Tran Van Don, -- in die USA und nach Frankreich -- scheint wenig Früchte getragen zu haben. Das amerikanische Repräsentantenhaus hat soeben mit 177 gegen 154 Stimmen abgelehnt, die US-Militărhilfe für Saigon im Jahre 1974 ung 274 Mio Dollar zu erhöhen.

DIE ARBEITERK ÄMPFE

Das Leben in den befreiten Gebieten ist sicherlich sehr hart. Aber dort kann man zumindest seinen Hunger stillen Diese Tatsache allein wird ein Faktor der Zersetzung der sozialen Basis des Marionettenregimes werden. Aber die Schlüsselfrage bleibt die Entwicklung der Oppostion in den Städten. Und es hat in den Gebieten unter Saigoner Kontrolle eine beachtliche Zahl von Kämpfen gegeben -- und vor allem von Arbeiterkämpfen.

Während der Monate nach der Unterzeichnung des Abkommens wurden zahlreiche "Teach-Ins" der Arbeiter organisiert, um die Nichteinhaltung des Abkommens anzuprangern. Auf diese Bewegung tolgte eine sehr große Zahl von Kämpfen, von denen "Sud Vietnam en Lutte" schreibt (11), sie hätten mehrere hunderttausend Arbeiter aus nahezu allen Branchen (Eisenbahn, Wasser und Elektrizität, Brennstoffe und Schmiermittel, Hafeneinrichtungen, Straßenverkehrs- und Transportmittel, Webereien, Kautschukindustrie) einbezogen. Der bedeutendste Kampf ist wahrscheinlich der Kampf der Saigoner Eisenabnerim Zentrum Trung Bo gewesen. Unmittelbarde Forderungen wurden durchgesetzt, insbesondere bei Privatunternehmer wie SHELL und SICOVINA.

Im Juli 1973 kam es zur wichtigsten Massenbewegung: der Kampf gegen die neue Mehrwertsteuer. Ausgehend von den Betrieben erreichte sie die Stadtviertel und die Märkte. Am 13. Juli versammelte sich eine Demonstration von mehr als 4 000 Arbeitern, Werktätigen, Händlern vor der Handelskammer von Saigon; Nguyen Hai Binh, der Steuerdirektor, wurde "umzingelt '• Thieus Operation Erhöhung der Mehrwertsteuer war ein vollkommener Mißerfolg.

Der Kampf erstreckte sich auch auf das Terrain der gewerkschaftlichen Rechte. Die Saigoner Gewerkschaftsföderation schließt 15 Gewerkschaften zusammen und muß eine "

scheint , ohne großen Erfolg -- einen "Gegenkongress" der vietnameischen Gewerkschaften organisierte. Natürlich trifft die Repression die Gewerkschaftsmilitanten. In mehreren Fällen haben die Arbeiter in ihren Kampten jedoch die Aufhebung illegaler Verurteilungen und die Freilassung verhafteter Gewerkschaftskader erzielen können.

-3 Doch wenn sie kampfe entwickeln -- und manchmal mit Erfolg -- scheinen große Schwierigkeiten dabei aufzutreten, eine ausreichende Zentralisieruns herzustellen, ım dadurch eine höhere Stufe des Kampfeszu erreichen. Von den Kämpfen um Tagesfor: derungen hat es alleine bei dem Kampf gegen die Mehrwertsteuer eine sehr bedeutsame Ausdehnung und Koordimerung gegeben. Eine Zeitlang vor der Unterzeichnung les Abkommens hat die Studentenbewegung in Saigon die Rolle eines politischen Orientierungspols für die gesamte städtische Opposition gespielt. Sie scheint nicht imstande zu sein, diese Rolle weiter einzunehmen. Das soll nicht heißen, daß die Studentenkämpfe beendet wären. So haben zum Beispiel am 21. Februar 1974 2 000 Studenten einen Hungerstreik begonnen und die Vorlesungen an der Universität von Hoa Hoa (An Giang) vestreikt, um eine Reform der Universitätsverwaltung und Rechenschaft über die Verwendung bestimmter Gelder durch den Rektor zu verlangen. Allgemeinen Studenten verband sowie eine Polie deet zentralisierung der Universitäten (um die Zusammenballung der Studenten zu zerstören) macht es unmöglich, die Bewegung, auf demselben Niveau wie vorher weiter- Eche welterdintien, sun de dit gleiches ziem lich gespalten untereinander zu sein.

DIE POLITISCHE KRISE

Wahrscheinlich wird es die Aufgabe der im eigentlichen Sinne politischen Opposition sein, in der Zukunft diese Kämpfe zu zentralisieren. Diese Opposition hat allerdings Schwierigkeiten, sich zu formieren. Eine Untersuchung, die kürzlich von der "Communeauté Vietnamienne" in thieus Kerker an. Nach Angabe der Prov Rav: Regie- in Thieus Kerkern an. rung sollen im Jahre 1973 41 000 neue Verhaftungen erfolgt sein. Jeder Häuserblock untersteht der Verantwortlichkeit® von Polizisten, die die Ankunft eines jeden Unbekannten melden müssen. Nichtsdestoweniger zeigt sich die politische Krise des Regimes.

Durch eine Reihe von Umbesetzungen in der Regierung und in hohen militärischen Kommandostellen, was zur Zwangspensionierung vieler Generäle führte. Durch eine Reihe von Schmuggel- und Korruptionsskandalen, in die die offiziellen Militärskreise verwickelt waren. Und durch das Auftauchen opositioneller politischer Bewegungen. Kürzlich haben sich zwei von ihnen konstituert; sie zählen sich selbst zur "Dritten Komponente". im 19. Januar brachte Thieu eine Verfassungsänderung xxx durch, lie es ihm erlaubt, noch ein weiteres Mal für das Amt des Präsidenten zu kandidieren. Vierzig Abgeordnete demonstrierten daraufhin in den Straßen Saigons. Der "Block der Abgeordneten für demokratische Freilieiten und Frieden" wurde danach gegründet; er umfaßte 55 Parlamentarier. Er arbeitet eng zusammen mit dem Gene- Oktober 1963 Diem gesturzt hatte), Van Minh (der zur Troika gehörte, die im der eines der wenifen nicht verbotenen oppositionellen Presseorgane let- Dieser "Block der Abgeordneten" umfaßt also Elemente, die einen integralen Bestandteil des Regimes gebildet hatten. Die zweite Bewegung umfaßt oppositionelle Persönlichkeiten, die in der Mehrzahl außerhalb des Redes Pariser Abkommens*. Onter inten Führer befindet Es ist die "Bewegung für die Durchführung sich der Rechtsanwalt Nguyen Long (der vor kurzem in die PRR-Gebiete freigelassen wurde -- trotz seines Willens, in Saigon zu bleiben); Tran Ngoc Lieng, der Abgeordnete Ho Ngoc Nhuam; Bonzen von der regierungsfeindlichen Fraktion der Pagode An-Quang und Frau Ba Thanh, die Präsidentin der Bewegung der Frauen für das Recht auf Leben, die nach einer starken Solidaritätskampagne in Saigon selbst freigelassen wurde.

Diese sich soeben regruppierende Opposition innerhalb der "Dritten Komponente" bleibt Gegenstand eines Kampfes zwischen den revolutionären Kräften und 4-

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der prowestlichen Opposition gegen das Thieu-Regime. Die FNL hat ihr Mißtrauen gegenüber der parlamentarischen Opposition bereits zum Ausdruck gebracht. sen der H, hat in Memene en its de Mon de anläßlich der Konferenz von Algier (12) die Notwendig- der PRR, hat in einem Interview mit "Le Monde" keit, die Vertreter der dritten Kraft als nicht-demokratinterstlzt die PRR gazz klar die "Beregung fur diegen unterstützt die PRR ganz klar die Durchführung der Bestimmungen für das Pariser Abkommen". Namentlich Frau Ngo Ba Thanh wird als "einer der Führer der dritten Kraft in Saigon" dargestellt. Frau Ngo Ba Thanh organisiert immer mehr "nicht-genehmigte" Versammlungen in saigon.

Aber all diesen Bewegungen ist der Kampf für die Befreiung der politischen Gefangenen gemeinsam. Hungerstreiks brechen regelmäßig aus, wie der von 340 Buddhisten im Gefängnis von Chi-Hoa, die jetzt fünf Wochen lang streiken. Der General Minh hat Erklärungen veröffentlicht, in denen die Freilassung der Gefangenen gefordert Die Bewegung für die Durchführung der Bestimmungen des Pariser Abkommens hat gemeinsam mit dem Komitee für die Reform des Strafvollzugs von Chantin eine Vielzahl von Versuchen unternommen, mit den Gefangenen Kontakt aufzunehmen. Mehrere Demonstrationen fanden in Saigon statt, insbesondere für die Befreiung des Studentenführers Huynh Tan Mam. Wahrscheinlich wird die Frage der politischen Gefangenen und der demokratischen Freiheiten es erlauben, die Gesamtheit der sozialen Teilbewegungen zu zentralisieren und in eine politische aktive Massenopposition zu verwandeln.

Die Unfähigkeit Thieus -- trotz der brutalen Mittel, die er anwendet --.

jede offen auftretende Opposition zum schweigen zu bringen, sowie seine Unfähigkeit, die soziale und wirtschaftliche Lage zu sanieren, macht aus seinem Regime ein Regime auf Bewährung. Man darf trotzdem nicht die großen Schwierigkeiten unterschätzen, denen sich die vietnamesische Revolution weiterhin gegenübersieht. Das militärische Engagement der USA bleibt durchaus beträchtlich. 1973 beliefen sich die Ausgaben für Munition an Südvietnam auf dreiviertel derjenigen für 1972, dem Jahr der Offensive der PRR. Sechs ESE, eines der modernsten Flugzeugmodelle der Welt, wurden gerade der Saigoner Armee geliefert. Dazu kommt, daß die Verfaulung und soziale Entwurzelung der geflüchteten Bevölkerung. die Vergiftung durch die kulturelle" Propaganda machen die Organisierung des städtischen Milieus nicht leicht.

Aber die Analyse der wirtschaftlichen und sozialen Krise des Saigoner Regimes erhellt eine der Grundlagen der gegenwärtigen Politik der PRR und macht den zukünftigen Weg der vietnamesischen Revolution deutlich.

10.4.1974 -Pierre ROUSSET - Anmerkungen:

(1) Interview mit dem "Figaro" (französische Tageszeitung) vom 1.4. 74 (2) zitiert nach J. Decornoy, "Le Monde" (frz. Tageszeitung) vom 26.2.74 (3) The Economist vom 9.3. 74 (4) J. Decornoy, "Le Monde" vom 26. 2,74 (5) Nguyen Khac Vien, Interview mit Jeune Afrique", 63, 10. Februar 1973 (6) J. Decornoy: Nr. 953 vom 14. Le Monde vom 26,2. "Entreprises" Dez. 1973 (8) "Le Monde Diplomatique", Januar 1974, Artikel von Philippe Pons (9) "Le Figaro"; François Nivolon vom 1.4. 74 (10) "Le Figaro"; François Nivolon vom 1. 4.74 (11) Nr. 235; Zentralorgan der FNL (12) "Le Monde" vom 21. Sept. 1973 -35- WIRTSCHAFTLICHE SCHWIERIGKEITEN FÜR SAIGON In seiner Rede vom 6. Juni in Thu-Duc, nördlich von Saigon, erhob Nguyen Van Thi eu seine erste öffentliche Kritik an den USA. Einmal ist keinmal, "Ihr müßt uns Geld geben", forderte er, sonst "zeige dies, daß die USA vor ihrer Verantwortung fliehen. * Seitdem hat das Widerstreben des amerikanischen Kongresses, die von der Nixon-Administration vorgelegten Hilfsbudgets zu verabschieden, Thieus Unruhe noch verstärkt. Am 11. Juni stimmte der US-Senat gegen eine Resolution, die die Reduzierung der US-Hilfe an Thieu von 900 Mio Dollar auf 750 Mio Dollar für das nächste Fiskaljahr vorsah -- aber die erwähnte Resolution wurde nur mit einer einzigen Stimne Mehrheit abgelehnt! Und noch einen Monat frühe hat derselbe Senat Nixons Forderung nach einer Erhöhung der Hilfe um 266 Mio Dollar für das vorherige (also noch laufende) Jahr abgeschlagen. Thieu wird also für das Jahr 1973/74 statt der anfänglich versprochenen 1, 6 Milliarden Dollar nur 1, 260 Milliarden Dollar erhalten. Die Weltbank ihrerseits hat vor kurzem erneut die für den 5. juni vorgesehene Sitzung zur Beratung an die an Saigon gehende Hilfe verschoben. • ewisse Regierungen, wie Z. B. Kanada, haben die von Washington erarbeiteten Pläne schon zurückgewiesen. Nach dem französischen Journalisten François Nivolon (Le Figaro vom 8.6.74) sind Thieus Berater selbst pessimistisch über die noch eingehende Hilfe, und nach seinem Bericht hat Thieu seine Armee und seiner Verwaltung Sparmaßnahmen angeraten. Sicherlich wird die finanzielle und militärische Unterstutzung beträchtlich bleiben und fortfahren die Kriegsmaschinerie des Marionettenregimes in Gang zu halten. Aber die soziale Krise in den von Thieu kontrollierten Zonen (die in "Le Monde erneut bestätigt wurde in den Artikeln von Patrice de Beer vom 8. /9. /10.5.74) wird ebenso sicher zu einer erneuten Verschärfung treiben. (aus INPRECOR Nr. 0 vom 9. Mai 1974)