Die Führungen der linksradikalen Organisationen Japans sind aus der Kommunistischen Partei Japans (KPJ) hervorgegangen. Die inneren Krisen dieser Partei bilden eine Besonderheit; wenige stalinistische KPen in den entwickelten kapitalistischen Ländern haben politische Krisen in dem Ausmaß erlebt, wie sie die KPJ durchgemacht hat Es ist richtig, daß ihre Geschichte inner- I. DIE ENTSTEHUNG DER JAPANISCHEN AVANT- GARDE INNERHALB DER KP
Von der Kapitulation Japans im Jahre 1945 bis zum Beginn des japanischen Wirtschaftsbooms hat die KPJ drei politische Phasen durchlaufen, die von abrupten Wendungen eingeleitet wurden. Sie entsprechen den Wendungen, die von der Führung Stalins den verschiedenen KPen in dieser Periode aufgezwungen wurden, aber die Politik der KPJ hat sich im Verlauf dieser Phasen deutlich abgehoben.
Vom Ende des zweiten Weltkriegs bis zum Sieg der chinesischen Revolution, verfolgte die KPJ einen ultrarechten Kurs: so wird besonders die amerikanische Armee als demokratisch und als Befreierin bezeichnet. Dieses grob opportunistische Verhalten, auch wenn es seinem Charakter dem der KP in Frankreich sehr ahnlich ist, hat nur deshalb so groteske Ausmaße annehmen können, weil es während des Krieges keine Wiederstandsbewegung der Arbeiter gegen den japanischen Militarismus gegeben hatte. Um dies zu erklären, müssen hier im wesentlichen 4 Faktoren angeführt werden: 1. die Repression 2. die politisch-organisatorisch schwache Verankerung des Widerstands vor dem Aufstieg des japanischen Militarismus.
3. die Schwäche der Arbeiterbewegung 4. die Zerstreuung der Arbeiterklasse durch den Krieg, die für den japanischen Kapitalismus als Kanonenfutter gebraucht wurde.
halb der weltweiten stalinistischen Bewegung etwas eigenartig ist und daß ihre Besonderheiten eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der linksradikalen Organisationen seit Ende de:
50er Jahre spielen, während die westeuropäischen Organisationen erst etwa in der zweiten Hälfte des folgenden Jahrzehnts ihren wirklichen Aufschwung erfahren.
In den Augen der japanischen KP, die cine von der stalinistisch-menschewistischen Führung aus Moskau aufgezwungene reformistische Linie verfolgte, solite die amerikanische Armee die bürgerlich-demokratische Umgestaltung des Landes verwirklichen, zu der Japan allein nicht in der Lage sei. Aber der entscheidende Anst:3 fur diese politische Orientierung kam aus Moskau im Zusammenhang mit der Einhaltung des Jaltaer Abkommens, das von Stalin Churchill und Roosevelt unterzeichnet worden war und das Japan in die amerikanisch-britische Zone einordnete. In der unmittelbaren Nachkriegszeit verfolgt die KPJ eine Politik der Klassenzusammenarbeit mit dem Imperialismus. Sie kann dies mit umso größerer Leichtigkeit als sie nicht unter dem enormen Druck der bewaffneten Massen steht wie in Frankreich oder in ltalien, wo die Anwendung dieser Linie für die KPF und KPI manchmal problematisch war, Während dieser Periode wurde die amerikanische Armee Mc Arthurs in Wort und Tat als eine Wohltäterin gefeiert. Die Politik des Parteiapparats ging weit über das hinaus was die KPen Westeuropas in puncto Verrat begangen haben. Aber da es in der KPJ keine Opposition gab, keine revolutionăre Tradition und keine Tradition früherer Klassenkämpfe, folgte die KPJ auf ihre Weise dem von Stalin den KPen der ganzen Welt aufgezwungenen Kurs.
Dieses Versinken in den Sumpf der Klassenzusammenarbeit ist für die Mitglieder und Kader der KPJ der erste Schwerpunkt in ihrer politischen Arbeit in der wiedergewonnen Legalität geworden. Für viele, die ganz neu in der KPJ waren, war dies die einzige politische Erfahrung. -15-
Die Gesamtheit, oder fast die Gesamtheit dieser Organisation war überhaupt nicht auf plötzliche Änderungen der politischen Linie vom Ultra-Rechts-Opportunismus zum ultra-linken Abenteurertum vorbereitet. Wie konnte sie es auch sein, wenn die Führung der KPJ überhaupt nicht in die manipulativen Entscheidungen Stalins einbezogen wurde, die wie Ukase auf die Schreibtische der Generalsekretäre flatterten.
Genau das geschah plötzlich 1950, als nach dem Ende von Stalins Flirt mit dem amerikanischen und dem britischen Imperialismus, nach dem Sieg der chinesischen Revolution und besonders nach dem Ausbruch des Koreakrieges, die Führungen der KPen in den kapitalistischen Ländern verpflichtet wurden, einen ultralinken Kurs einzuschlagen. Auf die gleiche Weise wie sie die ultrarechtsopportunistische Linie der Klassenkollaboration angewandt hatte, verfolgte die KPJ mit eifriger Übertreibung die teuerliche altralinke Linie, wie sie in Moskau von Stalin und seiner Clique neu ausgegeben wurde. Vor diesem Kurswechsel erlebte die KPJ eine Zwischenperiode von Fraktionskämpfen.
Wenn auch die Gründe für diesen Umschwung in den Machenschaften des Kremls liegen, so wurde er doch beträchtlich durch den Einfluß der Kritik verstärkt, die die damals gerade einige Monate an der Macht befindliche chinesische KP gegenüber der KPJ formulierte; die Führung der KPCh verurteilte den Kompromiß, den die KPJ mit dem Imperialismus einging. Das moralische Gewicht und das Prestige der KPCh gegenüber der KPJ hatte eine direkte Wirkung, die Moskau nicht kontrollieren konnte. Und da es zu dieser Zeit keine öffentlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Peking und Moskau gab, war das spezifische politische Gewicht der KPCh gegenüber den KPen Asiens und besonders gegenüber der koreanischen und der japanischen KP (sowie der KP Vietnams) bestimmend. Diese Kritik der KPCh verursachte eine Periode der Konfusion in der KPJ, die die Leitung auf die Führungskreise beschränken konnte. Zwei Fraktionen zeichneten sich ab, eine Mehrheits- und eine Minderheitsfraktion, Die Mehrheitsfraktion hielt an der von den Chinesen kritisierten Linie fest. Sie wurde geführt von Sanzo Nozaka, der am Ende der 60er Jahre wieder Vorsitzender wurde und von Kyuichi Tokuda, der damals den Posten des Generalsekretärs der KPJ innehatte. Die Minderheitsfraktion, die sich Internationalistische Fraktion nannte, übernahm die Kritik aus Peking. Obwohl diese internationalistische Fraktion in der Minderheit war, stellte sie die lebendigen Kräfte der Partei dar, denn sie umfalte fast die Gesamtheit der jungen Führungskader der Partei, Unter ihren Mitgliedern befanden sich viele Führer des Zengakuren (Nationaler Verband aller Universitätskomitees). Die Militanten, die auf verschiedenen Ebenen des Parteiapparats Führungspositionen innehatten, nachdem die Kritik der KPCh bekannt geworden war, damit begonnen, auf die ultra-rechts-opportunistische Linie der KPJ zu reagieren. Die Kritik hatte eine latent vorhandene Minderheitsopposition dazu gebracht, sich zu artikulieren. Aber die Kristallisierung dieser konfusen und latenten Opposition in eine internationalistische Fraktion wurde hauptsächlich durch die kritische Haltung der KPCh ermöglicht. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß die KPCh fraktionell in der KPJ gearbeitet hat, um eine Tendenz oder eine Fraktion herauszubilden. Der derzeitige Sekretär der KPJ, Kenji Miyamoto, und die Mehrheit der KPJ-Funktionäre, die führende Positionen in den Massenorganisationen einnahmen, gehörten zu dieser Internationalistischen Fraktion. Aber die wichtigen Führer und die Leitungspositionen der KPJ und ihrer Massenorganisationen blieben unter der zentralen Kontrolle der Mehrheitsfraktion, die diese Organisationen auf die damals gültige Linie festnagelte. Zwei Linien standen sich gegenüber, die eine pazifistisch und rechtsopportunistisch, die ihre Kraft und ihre Existenzberechtigung aus dem Pazifismus der japanischen Massen bezog, die von den Folgen des Kriegs und des Schreckens der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki niedergeschlagen waren. Die andere vertrat indirekt einen aktiven Kurs des Kampfes gegen den US-Imperialismus in Japan und gegen das japanische kapitalistische Regime, indem sie an die Mehrheitslinie ihre Kritik richtete, die sich mit der Kritik der KPCh an der Führung der KPJ deckte.
Diese Periode von Fraktionskämpfen, die zwischen der rechtsopportunistischen Periode und dem ultra-linken Kurs zur Zeit des Koreakrieges und des kalten Krieges ablief, endete schon ein Jahr nach ihrem Beginn, 1951 löste sich die internationalistische Fraktion auf, zu der Zeit, da die Mehrheitsfraktion, die über das Geschick der KPJ bestimmte, ihren ultra-rechts-opportunistischen und pazifistischen Kurs aufgab. Somit war die Einheit der KPJ wiederhergestellt, aber auf der Basis eines ultralinken und abenteuerlichen Kurses, den man kurze Zeit später sehr teuer bezahlen mußte.
Die Auflösung der Fraktionen, die dazu führte, daß die Einheit wiederhergestellt wurde, kam durch die Intervention der Bruderparteien in die interne Situation der KPJ zustande. Diese Intervention beschränkte sich nicht nur auf "Ratschläge", um die Einheit der KPJ zu festigen, sie trat ein zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Kalten Krieges, der Intensivierung der Kämpfe in Korea mit dem Eingreifen der chinesischen Truppen; sie brachte die von der stalinistischen Führung gefaßte Entscheidung zum Ausdruck, 6-
auf die Offensive des Imperialismus zu reagieren. Zu diesem Ziel wurde in den Apparaten der Partei und der Organisationen, die sie kontrollierte, Umgruppierungen vorgenommen, Im gleichen Jahr 1951, änderte die Führung der KPJ gemäß dem Kurswechsel die gesamte Linie der Zengakuren und erzwang eine "harte Linie" mit einer neuen Führung. Dies war ein bedeutendes Unternehmen, denn die studentische Jugend zeigte die Neigung und den Willen, radikal dem US-Imperialismus entgegenzutreten, während die japanische Arbeiterklasse passiv und in eine vorwiegend pazifistische Gedankenwelt versunken blieb. Mehrere Monate lang, bis 1952, wurde von der Führung eine Kampagne durchgeführt, in deren Verlauf Polizeistationen mit Molotov-Cocktails angegriffen wurden, vor allem in den großen städtischen Zentren, wo die Kräfte der KPJ konzentriert waren. Alles was unter die Rubrik "Agenten" oder "Agenturen" des Imperialismus fiel, wurde bei der Anwendung dieses ultralinken abenteuerlichen Kurses unter Beschuß genommen. Studenten wurden aufs Land geschickt, um die Bauern zu organisieren. Der Zengakuren lieferte den Rhythmus und die militanten Kräfte für diese Aktionen, und die revolutionäre Masse der japanischen Studenten fand in dieser Periode, jedoch nur in beschränktem Maße, die Ursprünge und die Mittel zur Entfaltung ihres legendären Kampfpotentials. Die Arbeitslosen, kleinbürgerlichen Elemente, die Studenten und Akademiker befanden sich an der Spitze dieses Kampfes. Die Arbeiter begannen, die Partei massenhaft zu verlassen.
Während der zehn Jahre nach Ende des Krieges in Ostasien gab es eine beständige gegenseitige Beeinflussung der nationalen und internationalen Bedingungen im internen Leben und in der Praxis der KPJ. Die japanische Arbeiterklasse ist im Verlauf dieser Jahre ruhig und wenig aktiv. Der Zengakuren bildete die aktivistische Haupt kraft der KPJ. Es war also von zentraler Bedeutung, daß die KPJ ihre ungeteilte Kontrolle über den Zengakuren behielt. In der Nachkriegszeit stellte die KPJ die einzige irgendwie radikale Kraft auf der japanischen politischen Szenerie dar. In ihr waren die radikalisierten Teile der studentischen Jugend organisiert. Es gab keine einzige politische Organisation oder Tendenz links von der KPJ, es gab keine ideologischen Quellen, die es erlaubt hätten, eine umfassende Kritik an ihrer Linie zu üben. Der Sieg der chinesischen Revolution trat erst vier Jahre später ein und die Jahre des japanischen Militarismus trennten und isolierten die intellektuelle Jugend von der internationalen Arbeiterbewegung und den Debatten, die in ihr stattgefunden hatten. Die KPJ ubte also eine Funktion der Sammlung und elementaren Schulung vieler studentischer Genossen aus. Sie war der wesentliche Kanal, durch den alle Führungen der japanischen linksradikalen Organisationen seit Ende der 50er Jahre hindurchgingen.
Obwohl diese studentische Masse den Weisungen der von Moskau abhängigen KPJ unterworfen war, handelte sie gemäß den spezifischen Rhytmen der japanischen Gesellschaft, die damals unter der Kontrolle der US-Armee stand. Im Zusammenhang mit der Anwesenheit des US- Besatzungsarmee fand 1949-50 die erste große politische Kampagne statt, Anläßlich einer Einweihungsfeierlichkeit für die Sendai-Universität äußerte ein gewisser Eels, ein amerikanischer Beamter, der für die Organisierung des Ausbildungswesens in Japan im Rahmen der Besatzung verantwortlich war, in seiner Rede die Meinung, daß jeder kommunistische Professor von der Universität ausgeschlossen werden sollte. Bestimmte kommunistische Professoren waren Mitglieder des Verwaltungsrats der Universitäten und waren vom Professoren-kollegium nach dem US-Modell gewählt worden, das nach 1945 von der US-Armee dorthin verpflanzt worden war. Die Einmischung der US-Besatzungsarmee in die universitären Angelegenheiten trieb nach dieser Provokation den Widerstand der Studenten gegen diese Eingriffe auf einen Höhepunkt. Eine politische Kampagne auf nationaler Ebene entwikkelte sich wie ein Lauffeuer, Meetings und Protestdemonstrationen gingen von der Sendai-Universität aus, um sich auf alle Universitäten des Landes auszubreiten. Diese vom Zengakuren organisierte Kampagne fand ihren Höhepunkt in der Mobilisierung der Studenten zusammen mit der Mobilisierung der Arbeiter, die von der US- Besatzungsarmee angestellt waren, unterbezahlt wurden und oft von der US-Armee schlecht behandelt wurden (Rassismus, erniedrigende Arbeiten ). Der Abschluß dieses kombinierten Kampfes war die Kampagne gegen die Anwesenheit der US-Besatzungsbasen. Die militanten Kräfte wurden besonders auf gewisse US-Stützpunk- 2222 te konzentriert, die offensive Aktionen zu spilren bekamen. Dabei stellten die Studenten die Masse der aktiven Kräfte.
Das waren die ersten wichtigen Kämpfe der japanischen Studenten, die mindestens zehn Jahre vor ihren Komilitonen im Westen die politische Szene betraten.
In der KPJ reifte nach dieser ersten nationalen, militanten und offensiven Kampagne eine neue Situation heran. Und da der unter kommunistischer Führung stehende Zengakuren der treibende Flügel in dieser Kampagne war, verstärkte die KPJ die Rekrutierung von Studenten und dehnte dies soweit aus, daß die Studentenbewegung völlig vom Zengakuren beherrscht wurde. Der Kampf gegen den grobschlächtigen amerikanischen Antikommunismus hatte den Einfluß der KPJ unter den Studenten noch verstärkt. Die Massenbasis der studentischen Mit-
glieder der KPJ, die den Zengakuren führten, wurde ausgeweitet und in der Regel folgte daraus eine Politisierung der aktiven Masse der Studenten.
Die Linie der KPJ blieb pazifistisch, auf Klassenzusammenarbeit ausgerichtet.
Die Bedingungen für das Auftauchen von Widersprüchen zwischen den studentischen kommunistischen Mitgliedern und der Führung der KPJ waren geschaffen. Aber die unzureichende Qualifikation aller Mitglieder der KPJ erlaubte es einer Opposition nicht, sich auf einer kohärenten linken Linie zu konstituieren, Der Kampfwille stand dem Willen gegenüber, die Partei in ihrem ultra-rechtsopportunistischen Rahmen festzuhalten. Die internationalistische Fraktion fand ihre Kraft und ihre Basis bei diesen Militanten.
Diese spezifisch japanische Komponente der KPJ, die nicht zur Geschichte und zur konjunkturellen Realität des Stalinismus gehört, stellte schon anfangs für die KPJ ein nicht assimilierbares Element dar und zuletzt (1955-59) ein nicht mehr kontrollierbares Element. Die Studenten der KPJ an der Spitze des Zengakuren hatten einen Elan gewonnen, eine Energie gesammelt, die sich im Verlauf des ultra-linken abenteuerlichen Kurses von 1952 entfalten konnten; aus diesem Grund verringerten sich die Widersprüche zwischen der Führung der KPJ und dem Zengakuren, die indirekt innerhalb der internationalistischen Fraktion zum Ausdruck gekommen waren und tauchten erst wieder nach dem ultra-linken abenteuerlichen Kurs und am Ende des kalten Krieges wieder auf, als die KPJ wieder ihren früheren rechtsopportunistischen Kurs aufnahm, Die KPJ ging erschöpft aus der ultralinken Feuerprobe hervor. Sie isolierte sich vollständig von den Arbeitermassen und verlor dort ihre Basis. Eine große Zahl der Mitglieder verließ die Partei, bestürzt, unvorbereitet auf eine solche plötzliche und unvermittelte Neuorientierung. Es war überhaupt keine illegale Struktur für eine solche politische Linie vorgesehen. Es lastete eine Stimmung der Demoralisierung auf den Mitgliedern, die zerstreut waren, sich versteckten, Die politischen Auswirkungen waren fürchterlich. In der Partei entstand eine latente Krise und obwohl die objektiven Tendenzen zu einem Bruch zwischen der KPJ und den Mitgliedern der KPJ, die an der Spitze des Zengakuren standen, existierten, kam der natürliche Anlaß für den Bruch erst später. Von 1953-55 war die Aktivität der KPJ fast auf den Nullpunkt gesunken und die organisatorischen Strukturen waren desorganisiert. Auf einer Konferenz im Jahre 1955 vollzog die Partei wieder eine Wende um 180 Grad nach rechts und nahm die opportunistische Linie aus der Zeit vor der abenteuerlichen Periode wieder auf. Auf dieser Konferenz gab es eine bestürzende Losung, die den Ton angab: "Singen, tanzen, um in die Arbeiterklasse einzudringen". Nach den wirkungslosen Molotov-Cocktails sollte das Lächeln die neue Waffe sein.
Die neu angenommene Linie war ein neopazifistischer Kurs, der sich sehr schnell nach dieser Konferenz in der Bildung einer Front gegen die Atombombe äußerte, eine Art Friedensbewegung, die von einer Einheitsfront der KPJ, der PSJ, der Soyho (Arbeitergewerkschaftsbund) und dem Zengakuren gebildet wurde; die Bewegung, die • Gensuikyo, entwickelte sich stark auf nationaler Ebene, organisierte Kampagnen, Meetings, Demonstrationen und umfaßte mehrere Millionen Menschen. Das Trauma, das die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki für die Japaner darstellte, war ein Stimulans für die Bewegung. Zu gleicher Zeit entwickelten sich ähnliche Bewegungen in Deutschland und in Großbritannien.
Der Zengakuren war die radikalste Tendenz der Gensuikyo. Trotz der Rechtswendung der KPJ war die studentische Avantgarde in der KPJ geblieben. Aber die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Führung und den Studenten der KPJ kristallisierten sich jetzt heraus. Die Bedingungen für den Bruch ergaben sich anläßlich eines Kampfes gegen den amerikanischen Stützpunkt Sunagawa in der Nähe von Tokio. Im Verlauf dieses Untern ehmens äußerten die Führer der Zengakuren und zahlreiche Studenten der KPJ offen ihre Zweifel an der Linie der KPJ. Die Führer der KPJ wollten jegliche Aktivität in dem festgelegten pazifistischen Rahmen belassen. Die Zweifel der Studenten wurden gestärkt durch Manöver der KPj-Führung bezüglich der Abhaltung des 7. Kongresses im Februar 1958, d. h. zehn Jahre nach dem 6. Kongress von 1948, Der seit September 1957 angekündigte 7. Kongress sollte ein neues Programm annehmen und rief bewegte interne Diskussionen hervor. Als sich Ende 1957 eine starke Minderheit gegen diesen Programmentwurf herausbildete, besonders in Tokio und Osaka, den beiden größten Zentren der KPJ, wo der Entwurf abgelehnt wurde, beschloß das ZK den Kongreß auf zwei Monate nach den allgemeinen Wahlen zu verschieben, die für den Herbst 1958 vorgesehen waren.
Bei der vorbereitenden Debatte sum Kongress wurde über grundlegende Fragen diskutiert; die beiden wichtigsten waren: 1, die der friedlichen Revolution im Rahmen der bürgerlichen Verfassung und 2. die Revolution in Etappen, zuerst die demokratische Revolution, dann die sozialistische Revolution, Eine starke Minderheit widersetzte sich diesen Konzeptionen, beiden, oder der einen bzw. der anderen. Aber diese Minderheit war sehr heterogen. Die Mehrheit der KPJ blieb auf den Positionen von Moskau (d, h. auf der Chrustschew-Linie: die friedliche Koexistenz) und vertrat die Theorie der "Revolution für Demokratie und nationale Unabhängigkeit". 8-
Im Herbst 1957 unterbreitet das Komitee von Tokio der KPJ ein Dokument, das den Programmentwurf kritisiert, aber von einem zentristischen Standpunkt aus: es behauptete, daß die sozialistische Revolution das strategische Ziel sei, aber in der Perspektive einer verfassungsmäßigen Revolution, im Rahmen einer Volksfronttaktik. Das Komitee von Tokio brachte mit diesem kritischen Dokument den Druck der kämpferischen Mitglieder der KPJ zum Ausdruck, Gleichzeitig ging die Kritik dieser Genossen viel weiter: sie verlangten, daß das seit 1948 im Amt befindliche ZK abgesetzt werde, weil es sich als unfähig erwiesen habe , die Partei und die Arbeiterbewegung im Verlauf der vergangenen zehn Jahre zu leiten. Eine indirekte und vor allem unvollständige Kritik des Stalinismus begann aufzutauchen.
Innerhalb dieser Opposition in Tokio und Osaka bildeten die Studenten den vorwärtstreibenden Flügel, Sie trieben die sich herausbildende Strömung in die Richtung einer Linksopposition. Universitätszellen entwickelten sich geschlossen zu den Positionen einer antistalinistischen Linksopposition. Es wurde ein Versuch unternommen, eine Anti-ZK-Fraktion zu organisieren. Ein Mitglied des ZK, Syojiro Kasuga, konnte die Standpunkte der Minderheit im Parteiorgan darstllen. Er äußerte die Meinung, daß die Partei die Strategie der sozialistischen Revolution übernehmen sollte. Aber diese Opposition blieb aufgrund ihrer Heterogenität und der Allgemeinheit ihrer Kritik sehr unstabil. Es wurde z. B. keine einzige kohärente kritische trotzkistische Strömung politisch organisiert und die Opposition konnte sich aus diesem Grund nicht sammeln und stabilisieren. Ende Februar 1958 hielt die KPJ eine Konferenz ab, auf der das ZK von den Mitgliedern heftig angegriffen und isoliert wurde. Es antwortete daraufhin in zunehmend brutaler Weise, eröffnete den Kampf gegen die Linke und rief zur Trotzkistenjagd auf.
Die Opposition wurde von anderen Strömungen durchzogen, die alle eng mit der Parteibasis verbunden waren, aber mit rechtsopportunistischen, ouvrieristischen oder konfusem Charakter, Ihr gemeinsamer Punkt war der Druck der Massen oder der Basismitglieder, den sie auf ihre Weise zum Ausdruck brachten.
Es bildete sich eine Gruppe von Studenten, angeführt von dem jungen Genossen Takei, Mitglied des Tokioer Komitees, die gänzlich die stalinistische Konzeption der friedlichen Koexistenz übernahm, jedoch den Kampf um den Frieden als die vordringlichste Aufgabe der KPJ erachtete und die Führung mangelnder Festigkeit bei der Durchführung dieser Aufgabe anklagte:
Eine Gruppe von Arbeitergenossen, die von einem stellvertretenden ZK-Mitglied, Nishikawa, angeführt wurde und völlig der stalinistischen Ideologie ergeben war, kri- -19 tisierte die Partei wegen ihrer losen Bindungen an die Arbeiterbewegung. Sie trat für eine unermüdliche Arbeit ein, um das Vertrauen der Arbeiterklasse zu erobern. Sie kritisierte die Partei und warf ihr vor, nicht ausreichend ihre Klassenpositionen zu betonen. Diese Tendenz dokumentierte etwas viel wichtigeres als sie sich selbst bewußt war; sie verdeutlichte die Art der Beziehungen, die die KPJ nach dem Molotov-Cocktail-Politik-Intermezzo mit der Arbeiterklasse unterhielt, nachdem sie ihre Arbeiterbasis von 1946-49 verloren hatte und sich ihr Einfluß auf die Klasse in riesigem Ausmaß verringert hatte. Der Einfluß, den sie sich bewahrt hatte, kam indirekt zum Tragen. Ihr Einfluß hatte politischen Charakter und zeigte sich innerhalb einer zentristischen Tendenz in der Sohyo, dem linken Gewerkschaftsbund. Die KPJ versuchte, diesen Kanal zu benutzen, um die Arbeiterkämpfe auf den Rahmen der 'Friedlichen Koexistenz" zu beschränken und die Linksentwicklung dieser zentristischen Tendenz zu verhindern.
Der Vorsitzende Takano nahm die für die KPJ typischen Aussagen wieder auf: die Teilung der Welt in "Friedenskräfte" und "kriegstreibende Kräfte" und schloß mit dem Vorschlag eine "Nationale Einheitsfront" zu bilden. Die Arbeitergenossen der KPJ, die in täglichem Kontakt mit den Arbeitern der Takano-Tendenz in der Sohyo waren, standen unter ihrem militanten Druck, und es entstand aufgrund der politischen Folgen dieser Situation ein Graben zwischen Takano und der Führung der KPJ, die es ablehnte an Kämpfen teilzunehmen. Die Führung der KPJ lehnte es ab, die Politik der Sohyo-Führung offen zu kritisieren, wohingegen die Tendenz dies rückhaltlos tat, wenn auch auf einer zentristischen Linie. Diese widersprüchliche Situation unterstützte die Entwicklung von solchen Tendenzen wie die von Nishikawa. Die KPJ wollte verhindern, daß sich eine Arbeiteropposition auf der Basis von Klassenkämpfen strukturiert und daß diese Opposition auf die Tendenz Takano in Richtung einer politischen Radikalisierung wirkt und sich nicht mehr einfach auf kämpferischere Auseinandersetzungen beschränkt und daß somit eine Vereinigung von revolutionären Arbeitern und der KPJ und der PSJ erfolgt, der wichtigsten Arbeiterpartei, und zwar im Rahmen der Sohyo, was schwer kontrollierbar wäre. Im Zusammenhang mit der tiefgreifenden politischen Krise in der KPJ stellte diese Entwicklung eine beträchtliche Gefahr dar.
Eine dritte Gruppe setzte sich aus Bauerngenossen zusammen und wurde von Yamagichi geführt. Sie dokumentierte die Abwesenheit der Partei bei der Behandlung der Bauernfragen, die durch die Konzentration und die Folgen einer von der Regierung und den Amerikanern nach dem Kriege durchgeführten Agrarreform explosiven Charakter angenommen hatten.
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All diese Gruppen brachten die Unruhe der Massen zum Ausdruck, widersetzten sich aber nicht offen der stalinistischen Linie der Partei. Sie wollten die während der abenteuerlichen Periode angerichteteten Schäden wiedergutmachen, 1957/58 war klar geworden, daß die Autorität der Parteiführung nach ihren ultra-linken und opportunistischen Abweichungen gesunken war, und daß dies noch durch die weltweite Krise des Stalinismus verstärkt wurde. Die Umstände der Debatte und der Entwicklung einer Opposition unterschieden sich stark von den Debatten, die 50/51 mit der Bildung der Internationalistischen Fraktion stattfanden, Der Tendenzkampf von 1957/58 sollte sehr weit gehen und dies umso mehr, als seit Ende 1956 eine trotzkistische Organisation in Japan existierte, sehr klein zwar, aber die es verstand, die Entwicklungen in der KPJ mit der Verbreitung ihrer Vorstellungen zu verbinden, Die Auswirkungen dieser Tatsache waren beträchtlich.
Die Schlußphase der Krise zwischen der Führung der KPJ und den Studenten verlief sehr schnell im Frühjahr 1958. Im
Mai 1958 gaben die Studenten der KPJ den Namen ihrer Organisation "Studentenbund gegen den Krieg" auf, und zwar zugunsten des Namens "Sozialistischer Studentenbund". Die Führung der KPJ, die über die Umtaufung nicht unterrichtet worden war, berief die Führung der Studentenorganisation ein, um über das Problem der Beziehungen zwischen der Studentenorganisation und der Partei zu diskutieren. Grundlegende Differenzen führten zu physischen Zusammenstößen(!) mit der Führung der KPJ, die sich entschloß, die Studentenführung auszuschließen. Die Masse der Studenten der KPJ solidarisierte sich mit den Ausgeschlossenen, verließ die KPJ und nahm dabei die überwältigende Mehrheit der Sympathisanten mit sich. Die Studentenorganisation zählte in ihren Reihen und in ihrem Sympathisantenkreis (die organisatorischen Grenzen waren fließend) mehr als 200 000 Studenten.
Die Führung der KPJ griff die ausgeschlossenen Studenten als Trotzkistenan, Diese Charakterisierung war nicht ganz richtig, aber auch nicht vollständig falsch. Zehn Jahre Herrschaft der KPJ überden Zengakuren verstärkte seinen radikalen kämpferischen Kurs. Er führte besonders eine Kampagne gegen eine Universitätsbestimmung, nach der man verpflichtet war, die politischen Aktivitäten von Studenten und Professoren anzuzeigen: institutionalisierte Denunzierung. Es folgten wiederholte Zusammenstöße mit der Polizei.
Aber zur gleichen Zeit, da die Mitglieder des Zengakuren ihre sozialistischen Vorstellungen bekräftigten, waren sie mit der KPJ ereignete sich in einem internationalen Zusammenhang, der vom Auseinanderbrechen des stalinistischen Monolithismus gekennzeichnet war: die revolutionăren Entwicklungen in Polen und Ungarn, dann die blutige Repression in Ungarn im Verlauf des Jahres 1956, denen Chrustschews Enthüllungen über die Verbrechen Stalins anlaßlich des 20. Kongresses der KPDSU im Februar 1956 vorausgegangen waren. Die Ablehnung der Linie der KPJ wird von der Ablehnung des Stalinismus begleitet. Der antistalinistische Elan der Genossen des Zengakuren, die von der KPJ ausgeschlossen worden waren, wurde in dieser Periode geprägt. Die Verantwortung der chinesischen Führung beim ultra-linken Kurs und ihre Glaubensbekenntnisse zu Stalin beseitigten jeglichen Einfluß der chinesischen Führung auf die Entwicklung der studentischen Opposition; in den Thesen Trotzkis über den Stalinismus fand die Masse der Studenten den Weg, eine kohärente Kritik an der KPJ zu entwickeln.
Unter den Studenten wurde der Trotzkismus zu einer Art Mode. Der Gedanke einer neu zu gründenden Partei begann sich aufzudrängen. Aber nach den Manipulationen, der der Stalinismus mit der Masse der Studenten vorgenommen hatte, war gleichzeitig die Charakterisierung des bürokratischen Regimes in der UDSSR als Staatskapitalismus Bestandteil der Ablehnung geblieben, die man dem ganzen stalinistischen Lager entgegenbrachte. Solche Zeichen der mangelnden Reife nach der unzureichenden politischen Erziehung in der KPJ und ihren Massenorganisationen waren zugleich das Ergebnis der verspäteten Entwicklung des Marxismus in Japan, bedingt u. a, durch die Nichtexistenz einer revolutionären Presse. Keine einzige trotzkistische Gruppe war jemals in diesem Land vor den heftigen Erschütterung, denen der stalinistische Monolith im Verlauf des Jahres 1956 ausgesetzt wurde. Die Krise der KPJ nahm eine heftige Form an. Als die Studenten ausgeschlossen wurden oder die KPJ verließen, war sieeine Partei, die sie damals als erledigt, gebrochen betrachteten, und nicht ohne Grund, Im Verlauf des Jahres 1956/57 senkte das Zentralorgan der KPJ "Akahata" (Rote Fahne) seine Auflage auf 6 500 Exemplare. Hatte die Zeitung 1947/49, zur Zeit ihres größten Einflusses, eine Auflage von 300 000 Exemplaren erreicht, so war damals auch die Zahl der Mitglieder der Partei auf ungefähr 45 000 gestiegen. Von diesen waren nur 2000 vor dem Krieg Mitglieder der KPJ gewesen. Aber der ganze Parteiapparat war, wie nicht anders zu erwarten, in den Händen der Altstalinisten, die wußten, was sie zu tun hatten. Aber mit dem Einschlagen des ultralinin politische Debatten vertieft, was eine politische Umverteilung der aktiven Kräfte mit sich brachte. Der Bruch ken abenteuerlichen Kurses 1951 bröckelte die Arbeiterbasis der Partei ab.
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Die KPJ war keine wirklich kommunistische Organisation, noch nicht einmal eine vom Stalinismus geprägte und bürokratisch degenerierte kommunistische Organisation. Sie war nicht nur eine reformistische Organisation, sondern auch ohne Verbindung mit der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung, ihren grundlegenden Debatten. Die einzige Verbindung, die sie mit der Außenwelt hatte waren die etwa 1 000 Mitglieder, in Wirklichkeit der stalinistische Apparat, die die 30er Jahre, aber auf der Moskauer Linie miterlebt hatten. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sie sich auf einer kleinbürgerlichen pazifistischen Basis neu gebildet und stellte einen Anziehungspol dar aufgrund ihres historischen Gewichts ihrer Zugehörigkeit zur III. Internationale und aufgrund des Prestiges des erfolgreischen antifaschistischen Kampfes, den die Sowjetunion und die anderen KPen des Westens geführt hatten. Darin bestand ihr Ansehen, das es ihr ermöglichte, ohne wirkliche Anstrengungen die Masse der radikalisierten Studenten und die Arbeiter zu rekrutieren, gegen die Besetzung Japans durch den US-Imperialismus agitierend, nachdem man ihn zuvor in der aus Moskau telegrafierten Euphorie nach Yalta, Potsdam und Teheran gefeiert hatte.
Die theoretische Armut der KPJ in Sachen Marxismus, die numerische und politische Schwäche des bürokratischen Apparats und die Begegnung der KPJ mit dem radikalen Verlangen der Masse der Jugend, der Studenten und Arbeiter nach Demokratie und Freiheit haben langsam die Bedingungen für politische Zusammenstöße in dem Masse geschaffen, wie die Kämpfe und politischen Erfahrungen eintraten und sich häuften. Der politische Reifungsprozeß, der daraus resultierte, erlaubte es, das Diskussionsniveau, das theoretische Niveau und das Niveau der Kritik zu heben, Es gab keine früheren Modelle, an die man sich hatte halten können. Die KPJ war die einzige Möglichkeit.
Die KPJ war gleichzeitig ein Band mit der Vergangenheit, aber eins, das diese entsprechend ihrem stalinistischen Charakter und entsprechend ihren aktuellen Bedtrfnissen deformiert übertrug. Ihr bürokratischer Apparat hatte eine sehr beschränkte Macht, verglichen mit dem der KPF aus der damaligen Zeit. Die Häufigkeit und die Härte der Debatten in der KPJ legen Zeugnis davon ab. Die KPJ funktionierte glänzend von 1948-58 als ein Schirm zwischen der Jugend und der Revolution. Außerhalb der KPJ fanden die revolutionären Elemente Antworten auf ihre Probleme, und dort konnten sie an der Vergangenheit anknüpfen und sich ein allgemeines Verständnis der nationalen und internationalen Krise der KPJ aneignen, in Verbindung mit der Aktion der japanischen Trotzkisten.
II. DAS ZUSAMMENTREFFEN MIT DEM TROTZKISMUS -- DIE BILDUNG DER VERSCHIEDENEN ORGANISATIO- NEN DER REVOLUTIONÄREN LINKEN
Das Jahr 1956 war eine entscheidende Wende. Der Bericht Chruschtschews, der die Verbrechen Stalins denunzierte oder vielmehr zugab, dann der polnische Frühling und der ungarische Oktober, die insgesamt eine überzeugende Bestätigung der trotzkistischen Positionen waren, Die Militanten der KPJ, die nach den Ursachen für die brüsken Wendungen der Führung vom ultra-rechten Opportunismus zum ultra-linken Abenteurertum suchten, fanden in den revolutionären Krisen von Polen und Ungarn 1956 genügend Anschauungsmaterial für kritische Überlegungen, Nur eine sehr kleine Zahl von ihnen fand die Antwort auf die Fragen, die sie sich stellten, in den Schriften von Trotzkij. Aber diese wenigen spielten in der Folge ein ganz beträchtliche Rolle. Ende des Jahres 1956, im Oktober, wurde die erste Konferenz des Vorbereitungskomitees der zukünftigen japanischen Sektion der IV. Internationale abgehalten. Es wurden offizielle Verbindungen mit dem Internationalen Sekretariat hergestellt und das Organ "Die Vierte Internationale" wurde herausgegeben. Es folgten zwei weitere Konferenzen, die erste im Januar 1957, um die Frage der organisatorischen Struktur zu entscheiden und um die Statuten zu bestimmen, die zweite im April des gleichen Jahres, um ein Aktionsprogramm zu verabschieden, Drei Personen standen am Anfang dieser Entwicklung: ein japanischer Gelehrter, der die Schriften Trotzkijs ins Japanische übersetzte und zwei Mitglieder der KPJ, die in Kyoto und Osaka Leitungsfunktionen ausübten, Yamanishi entdeckte die Werke Trotzkijs als er sich in den dreißiger Jahren in Europa aufhielt. Die Erklärung für den Stalinismus und die Faschismusanalyse, die er in Trotzkijs Werken fand, beeindruckten ihn so stark, daß er sie übersetzte und sich auf die Suche nach einem Herausgeber für diese Dokumente machte, Vollkommen auf sich allein gestellt und mit einer bewundernswerten Hartnäckigkeit führte er seine Arbeit erfolgreich durch. Dieser Mann, der vorher ausschließlich auf literarischem Gebiet gearbeitet hatte (Übersetzer von Romanen von Norman Mailer) und selbst Schriftsteller war, hat eine hervorragende Rolle in der Geschichte der japanischen Arbeiterbewegung gespielt und er nimmt eine hervorragende Stellung in der Geschichte des Marxismus in Japan ein. Aufgrund der politischen Situation, die in Japan vom Ende der dreißiger Jahre bis 1946 herrschte, konnten die übersetzten Werke erst im Laufe der 50er 21 -
Jahre herausgegeben werden.
Kurze Zeit nach dem Bericht Chruschtchews auf dem XX. Kongress der KPdSU (1956) und zur Zeit der Entwicklung der politischen Revolution in Polen stießen ein Chirurg aus Kyoto, Mitglied der lokalen Leitung der KPJ, und ein Universitätslehrer aus Osaka, der eine wichtige Position im Rahmen der Gewerkschaftsarbeit der KPJ in Osaka einnahm auf die Yamanishi- Übersetzungen von Trotzkij und beschlossen, diesen Mann der Vorsehung aufzusuchen, Sie gründeten eine trotzkistische Organisation, die höchstens 50 Militante umfasste und die sich "Japanische trotzkistische Vereinigung" nannte, 18 Jahre nach ihrer Gründung in Europa fasste die IV. Internationale in Japan Fuß.
Diese Organisation war noch sehr schwach, In ihren Reihen gab es keine Genossen, die Erfahrung in der Arbeit innerhalb der japanischen Arbeiterbewegung oder Verbindung zur Arbeiterklasse gehabt hätten. Sie machte es sich zur Aufgabe, die revolutionär-marxistischen Ideen zu verbreiten und wandte sich in ihrer Presse hauptsächlich an eine Intelligenz, die dabei war mit der KPJ zu brechen. Dies war auch der Weg auf dem sich die Organisation festigen sollte. Kurze Zeit darauf begann die Führung der KPJ ihre Angriffe auf die Trotzkisten -- zu einem Zeitpunkt, wo die Krise mit den Studenten in der Partei eine Dynamik annahm, die zu Ausschlissen führte.
Unter dem Eindruck der ungarischen Revolution wechselten kommunistische Studenten endgültig zum Trotzkismus über, Eine sehr kleine Zahl von ihnen trat der "Japanischen Trotzkistischen Vereinigung" bei. Der politische und organisatorische Reifungs- und Umformungsprozess der Studenten aus der KPJ erstreckte sich über 4 Jahre, von 1957 bis 1960. Mehrere Etappen wurden dabei durchlaufen und verschiedene Kampferfahrungen gemacht.
Während die ausgeschlossenen kommunistischen Studenten im Rahmen ihrer Sozialistischen Studentenliga oder im allgemeinen Rahmen des Zengakuren ihre sozialistischen Ideen festigten, fand gleichzeitig, beschleunigt durch intensive politische und theoretische Debatten, eine politische Neuverteilung der militanten studentischen Kräfte statt, politische Tendenzen begannen sich abzuzeichnen, hauptsächlich zwei. Die erste Tendenz, die quantitativ stärkste, war die "Kommunistische Liga" (in Japan unter dem Namen "Bundo" bekannt). Sie organisierte etwa 60% derjenigen Studenten, die die KPJ verlassen hatten oder aus ihr ausgeschlossen worden waren. Die verbleibende Minderheit fusionierte mit der "Japanischen Trotzkistischen Vereinigung", was die "Revolutionăr- Kommunistische Liga Japans" (RKLJ) ergab, die sich auf die IV. Internationale berief.
Die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Tendenzen betrafen mehrere Punkte. Der "Bundo" ging nach dem Bruch mit der KPJ sehr weit. Gleichzeitig mit der Verurteilung der K PJ verwarf er das leninistische Organisationsmodell. Gleichzeitig lehnte er die von Trotzkij vorgenommene Charakterisierung -- eine Einschätzung, die von der IV. Internationale übernommen wurde -der UDSSR, der VR China, Nordkoreas und der Länder Osteuropas als bürokratisch degenerierte Arbeiterstaaten ab.
In Wirklichkeit war die Zurückweisung dieser Analysen nur ein Ausdruck des Primitivismus der Studentenbewegung und ein direktes Erbe aus ihrer Vergangenheit innerhalb der KPJ. Darüberhinaus zeigte die Mehrheit der studentischen Militanten durch die Ablehnung dieser Konzeptionen eine politische Haltung, die mehrere Jahre später von den Studenten Westeuropas und Nordamerikas reproduziert wurde: spontaneistische, maximalistische und ohne Verbindung zur Geschichte der Arbeiterbewegung stehende Konzepte.
So war es ziemlich einfach für den "Bundo", eine beträchtliche Massenbasis innerhalb der Zengakuren zu erobern, indem er sich an das mittlere politische Bewußtsein der Studenten anpasste und gleichzeitig einen sehr militanten Arbeitsrhythmus einschlug. Der "Bundo" war mehr eine lose Gruppierung als eine wirkliche politische Organisation.
Innerhalb des Zengakuren kämpften "Bundo" und RKLJ um die Erringung der Hegemonie innerhalb dieser Studentenorganisation.
In Reaktion auf die Methoden der KPJ entwickelte der Bundo einen ultra-opportunistischen Kurs, mit dem er die Mehrheit der Studenten für sich gewann. Diejenigen, die konkret die Aufgabe des Aufbaus einer leninistischen Organisation auf die Tagesordnung stellten, schwammen gegen den Strom. Der Druck der spontaneistischen antistalinistischen Strömung wurde rasch sehr stark und vorherrschend, Die theoretischen Debatten traten schnell in den Hintergrund. Die Masse der Studentenbewegung (200 000 bis 250 000 Studenten) wurde zu einer reinen Akklamationsmaschine. Die politischen Ereignisse der Jahre 1960/61 lieferten dem Zengakuren ein gigantisches Aktionsfeld.
Der Zengakuren setzte sich an die Spitze des Kampfes , den Millionen von Menschen gegen die Erneuerung des amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrages und gegen jeden Pakt dieser Art als Instrument des Imperialismus gegen den östlichen Teil der Sowjetunion, gegen Nordkorea, China und bald auch gegen Vietnam fuhrten. Vor dem Beginn der bilateralen Verhandlungen im April 1960, die anläßlich der Erneuerung des Vertrages gab, hatten KPJ, Sozialistische Partei und Sohyo wenig getan zur Organisierung einer Volksmobilisierung. A1lein der Zengakuren organisierte mithilfe von Meetings
TH 9.16.H von oben nach unten: --zentrales Meeting der RK LJ (japan. Sektion der IV. Internationale) am 26. September 1970 --September 1971, Flughafen von Sanrizuka, Turm mit Hammer und Sichel und Fahne der FNL, die von der RKLJ installiert worden sind -23eine der typischen kämpferischen Mobilisierungen der 60er Jahre und verschiedenen Aktionen eine systematische Kampagne. Demonstrationen wurden durchgeführt, von denen einige während der Sitzungen des Parlaments in den Plenarsaal eindrangen. Riesige Demonstrationen besetzten den Flughafen von Tokio, um den Ministerpräsidenten daran zu hindern, nach den USA, wo die Verhandlungen stattfinden sollten, zu fliegen. Arbeiter und eine große Zahl voi nicht-studentischen Teilen der Bevölkerung schlossen sich diesen Kämpfen an. Im Juni 1960 demonstrierten bei mehreren Anlaßen jeweils Hunderttausende gegen den Vertrag. Man war gezwungen, eine Regierungsumbildung vorzunehmen, umdie alte Politik fortsetzen zu können. Der Ministerpräsident Kishi wurde von Ikeda abgelöst, worauf sich eine gewisse Demobilisierung bemerkbar machte, obwon die Regierungspolitik dieselbe blieb.
Der schwächerwerdende Rhythmus der Kämpfe und der Rückgang der Bewegung führten im Zengakuren zu noch härteren Debatten und die wachsende Spannung führte zu einer Spaltung des Zengakuren. Der Erfolg der Kämpfe, die Erreichung ihres Ziels, hingen unter anderem von der politischen Einheit der Masse der Studenten ab, die die Speerspitze des Kampfes darstellten. Diese Bedingung war schwieriger zu erfüllen als die Demonstrationen, die man soeben durchgeführt hatte.
Die politischen Meinungsverschiedenheiten machten sich immer stärker bemerkbar, die Fraktionierungen vermehrten sich in dem Maße wie sich die Diskussionen über die Notwndigkeit, eine starke Organisation aufzubauen, die Arbeiter und Studenten im Kampf vereint, vermehrten. Jede Fraktion
vertrat in den Debatten ihre eigene Konzeption, und ein sehr starker Hang zum Sektierertum begann die entstehende revolutionăre Linke Japans heimzusuchen. Am Ende dieser Debatten gab es mehr politische Gruppierungen und Organisationen als zu Beginn. Die Möglichkeiten zur Herstellung einer Einheitsfront in der Aktion wurden illusorisch. Massendemonstrationen wie in früheren Zeiten konnten daher nicht mehr zustande kommen. Die Periode der Bildung revolutionärer Organisationen links von den traditionellen Arbeiterparteien, die gekennzeichnet ist von heftigen Konvulsionen, Krisen, Spaltungen und verschiedenen Aktionen, begann in Japan schon 12 Jahre früher als in Westeuropa. Die Fraktionierung des Zengakuren in mehrere politische Organisationen kennzeichnet den Endpunkt einer Phase der Entwicklung der Studentenbewegung in Japan. Die Studentenbewegung ohne einheitliche zentrale Führung hatte sich selbst überlebt. Die politische Elite, represăntiert durch diejenigen Studenten, die den Kampf und den Protest gegen das aktuelle Regime und gegen den US-Imperialismus initiiert und geführt hatten, verschwand als solche. Der Polyzentrismus blieb das Charakteristische an der Studentenbewegung bis heute.
Die Streiks der Kohlengrubenarbeiter spielten eine wichtige Rolle bei der Herauskristallis i erung der politischen Avantgar degruppen, Hunderttausende von Arbeitern streik ten mehrere Monate lang. Vom Ende der 50er Jahre bis 1965 durchlief der japanische Kapitalismus -- gemäß der offiziellen Terminologie --seine Phase der "Reorganisierung". Das Bedeutete: das Schwergewicht der Investitionen und der wirtschaftlichen Anstrengungen lag auf einer unverhältnismäßig raschen Entwicklung der Stahlindustrie und derjenigen hochentwickelten Industriezweige, die Ausrüstungsgüter produzieren und mit einer hochentwickelten wissenschaftlichen Forschung versehen sind, wie z. B. die elektronische Industrie. Diese Entwicklung fiel zusammen mit der Notwendigkeit, diejenigen Wirtschaftssektoren mit niedriger Produktivität und sinkender Profitrate zu rationalisieren. Wie in Westeuropa und in Nordamerika wurde der Kohlebergbau von Zechenstilllegungen und Entlassungen betroffen. Noch vor den belgischen Minenarbeitern im Dezember 1960/Januar 1961 und den französischen Arbeitern im Jahre 1963 wehrten sich die japanischen Minenarbeiter mit enormer Kampf kraft. Dabei kam es zu den wichtigsten und härtesten Streiks in der Geschichte der japanischen Arbeiterbewegung. Die Tatsache, daß derStreiklange andauerte, gab den Organisationen der extremen Linken, die sich bisher allein auf die Studenten gestützt hatten, die Zeit und die Möglichkeit, sich mit den Bergarbeitern zu verbinden. Dies war umso leichter als es keine stalinistische anti-studentische Propaganda gab.
Aber die politische Schwäche und die Unerfahrenheit auf dem Gebiet der Intervention bei Arbeiterkämpfen, beraubte diese Organisationen jeglicher Möglichkeit, die -24- Streiks wirklich zu führen. Infolge der Passivitat der Gewerkschaftsführungen und der KPJ und SPJ fiel die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Bergarbeiter von 400 000 auf einige -zigtausend; ungefähr 10% verblieben in den Gewerkschaften.
Während dieser beiden fast gleichzeitigen politischen Ereignisse verstärkte sich bei der Masse der Studenten die spontaneistische Ausrichtung. Diese enorme sich in permanenter Aktivitat befindliche Masse stellte fur die Organisationen, die aus der KPJ hervorgegangen sind, "Bundo" und RKLJ (IV. Intern.), einen Ozean für ihre Interventionen dar, Der Bundo verstärkte seine Politik der Anpassung andie Studentenbewegung, wodurch er einen mehrheitlichen ideologischen Einfluß auf die grosse Masse der Studenten ausübte. Diesem Druck ausgesetzt, rekrutierten die Militanten der RKLJ eine große Anzahl politisch ungebildeter Studenten aus der Masse, obwohl sie einen sehr schwierigen und langwierigen Weg zum Aufbau der Organisation gewählt hatten. Angesichts des Rückgangs der Bewegung, spiegelten diese Studenten den äußeren Druck auf die Organisation wieder. Die Frage der Natur der Sowjetunion, der VR China und Nordkoreas kam wieder aufs Tapet. Es kam zu einer Spaltung und die überwältigende Mehrheit übernahm die These vom Staatskapitalismus in diesen Ländern. Ungefähr hundert Militante verblieben auf den Positionen der IV. Internationale. Ebenso die Sympathisantenkreise um diese Genossen herum. Es gab jetzt zwei RKLJ, die eine bekannter unter dem Namen Chukaku ("zentraler Kern"), die andere unter dem Namen Yontoro (IV. Internationale). Kurze Zeit später spaltete sich der Mehrheitsflügel nochmals, was zu einer dritten RKLJ, die unter dem Namen Kakumaru (Revolutionäre Marxisten) bekannt ist. Beide Gruppen behielten jedoch das Prinzip einer stark zentralisierten Organisation bei. Ohne Differenzen in der allgemeinen Analyse, gekennzeichnet durch persönliche Rivalitäten innerhalb der Leitung, bildeten sich die Fraktionen an der Frage der Wahl des prioritären Intervent ionsfeldes der Organisation heraus. Die einen , Kakumaru, legten den Akzent auf ausschließliche Intervention im Arbeitersektor, im Gegensatz zur Intervention bei den "kleinbürgerlichen Studenten". Die andere Organisation, Chukaku, bestand auf der Notwendigkeit, weiterhin bei den Studenten zu intervenieren, allerdings ohne dabei die Arbeit in der Arbeiterklasse zu vernachlässigen, um sich dort zu verankern. Es kam zur Spaltung und zwischen den beiden Gruppen zu einer gehässigen und oft gewalttätigen Feindschaft.
Bis 1967/68 blieb der "Bundo" die quantitativ größte Tendenz, aber Chukaku und Kakumaru waren die bei weitem am besten strukturierten und zentralisierten Organisationen. Sie waren militaristisch und sehr sektiererisch. Bis 1968 stolperte die RKLJ (IV. Internationale) von einer Krise in die andere und war nur eine minoritäre Gruppe unter vielen anderen Organisationen der extremen Linken Ja-
pans.
Nach der "Teilung" des Zengakuren in eine Vielzahl von Fraktionen, aus denen drei Hauptfraktionen hervorgingen, die zusammen mit der japanischen Sektion die große Mehrheit der ehemaligen Studentenführer der KPJ bei sich organisierten, waren die grundlegenden Analysen Trotzkijs, vor allem diejenigen uber den Stalinismus, ein konstituierendes Element der Politisierung für tausende von Studenten geworden und zur gemeinsamen Basis der extremen Linken Japans geworden. Diese Entwicklung ist einmalig in der ganzen Weit.
Bis 1968/69 gelang es den Genossen, die sich zur IV. Internationale zugehörig betrachteten, nicht, eine nationale Organisation aufzubauen. Einige von ihnen hatten nationale Führungsposten in der Studentenbewegung inne. Diejenigen , die die Krise verdaut hatten, bereiteten ihr Wiederauftauchen auf nationaler Ebene Ende der 60er Jahre, 1969/70, vor.
Bis 1967, wo die großen heftigen Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg, oder genauer gegen die Benutzung japanischen Territoriums als Basis für die US-Militärinfrastruktur, begannen, waren die Organisationen der extremen Linken von der Arbeiterbewegung isoliert geblieben und hatten keine besonderen Aktivitäten entfaltet. Ihre Isolierung war doppelter Natur: zum einen die gesellschaftliche Isolierung, die dazu führte, daß die Organisationen sich auf sich selbst zurückzogen, was wiederum übertrieben sektiererische Tendenzen begünstigte. Zum anderen die geographische (und damit auch politische) Isolierung, die aus der politischen insular beschränkten Abgeschiedenheit Japans, mit der die japanische Bourgeoisie die Arbeiterbewegung Japans vom Rest der Welt abgeschnitten hat, herrührt. Die japanische Gesellschaft ist von de r übrigen Welt isoliert geblieben, Das Sprachhindernis und die hohen Reisekosten ins Ausland haben die Isolierung der japanischen Avantgarde noch verstärkt. Gleichzeitig war die IV. Internationale aufgrund ihrer organisatorischen Schwäche nicht dazu in der Lage, in den Jahren 1956 bis 1961 so zu intervenieren, wie es nötig gewesen wäre. Das hat eine sehr junge und politisch nicht genügend gefestigte Sektion in eine tiefe Krise gestürzt. Auf ihre Wiedergeburt mußte man 8 Jahre geduldig warten, Die jahrzehntelange insulare Zurückgezogenheit Japans hatte jedes politische Denken erstarren lassen, hatte zu einem Bruch zwischen der Arbeiterbewegung und den Intellektuellen geführt.
Dies hatte eine tiefergehende Stabilisierung der KPJ verhindert. Die Mehrheit der Militanten der KPJ war kaum jemals mit einer internationalistischen Atmosphäre bekannt gemacht worden. Die Beziehungen zwischen der koreanischen und chinesischen Arbeiterbewegung einerseits und der japanischen andererseits waren praktisch nicht vorhanden und das konnte offensichtlich keine Erziehung im Geiste des Internationalismus begünstigen; keine Spur einer internationalistischen Vergangenheit war der japanischen Arbeiterklasse vererbt worden. Die Geburt und die Entwicklung der extremen Linken in Japan wurde dadurch erschwert. Sie mußte sich diese internationalistische Gesinnung selbst aneignen, Ihre Entwicklung in einem abgeschlossenem Raum und ihre falschen Positionen bezüglich des Charakters der Internationalen Kommunistischen (stalinistischen) Bewegung, in einer Periode, wo die Kolonialrevolution einen großen Aufschwung nimmt haben dazu geführt, daß sie den proletarischen Charakter und in einigen Fallen die sozialistische Dynamik der antiimperialistischen Kämpfe nicht verstanden hat. Dieser Mangel hatte nicht gerade günstige Auswirkungen auf ihre politische Entwicklung und konnte politische Deformationen noch verfestigen, die das Ergebnis eines schon vorhandenen Sektierertums und der insularen Beschränktheit ihrer Entwicklung gewesen sind, Diese Situation hat dazu geführt, daß Analysen über China Nordkorea, über die Natur und die Funktion der vietnamesischen Revolution erst verspätet in Angriff genommen wurden. Ebenso Untersuchungen über die Dialektik der japanischen Revolution im Kontext der ostasiatischen Revolution und dem mächtigen Wiederaufleben des japanischen Imperialismus.
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Die Charakterisierung des Gesellschaftssystems in der VR China, in Nordkorea, Vietnam als Staatskapitalismus verhinderte die theoretische Vertiefung der Kenntnisse der japanischen Avantgarde auf dem Gebiet der Übergangsgesellschaft zum Sozialismus und der daran anknüpfenden Fragen (Bürokratie, Agrarfrage, Rolle der UdSSR, internationale Strategie etc.). Der "Nippo-Zentrismus" ist das Ergebnis einer "überlegenen" industrialisierten japanischen Gesellschaft inmitten eines "unterlegenen" unterentwickelten Asien sowie der insularen Beschränktheit, die durch ihn wiederum verstärkt wird, Dies verunmöglichte viele Jahre lang die Entwicklung einer strategischen Konzeption der japanischen Revolution, in der die gesellschaftlichen, nationalen und ökonomischen Faktoren im Rahmen der Dynamik der schwindelerregenden Entwicklung des japanischen Imperialismus mitberücksichtigt werden. Erst mit dem Aufbau der japanischen Sektion der IV. Internationale wurden die grundlegenden Fragen der japanischen Revolution aufgeworfen und im einzelnen analysiert. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, daß der politische und theoretische Blickwinkel es dieser Organisation, die als Sektion einer internationalen Organisation in eine weltweite internationalistische Praxis integriert ist, ermöglicht, dem Druck der insularen Beschränktheit leichter standzuhalten. Auch hat diese Organisation Verbindungen zur Tradition und zur Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung seit Gründung der III. Internationale, was ihr eine breitere historische Grundlage verleiht, und damit eine größere "Stabilitität auf theoretischem Gebiet".
Die Periode von 1961 bis 1969 hatte einige Besonderheiten, die ihren Niederschlag in der Politik der Organisationen der Extremen Linken fanden. Die Passivität der Arbeiterklasse war auf zwei Faktoren zurückzuführen. Der erste war der Niedergang der traditionellen Industriesektoren mit einem Proletari at, das gewerkschaftlich in der Sohyo organisiert war, und das daher unter dem politischem Einfluß der KPJ stand, deren Wählerbasis es darstellte. Die Stellung, die diese Sektoren der Arbeiterklasse innerhalb der Gesamtklasse einnahmen, verschlechterte sich proportional zum Niedergang dieser Industriezweige. Der zweite Faktor war die Entstehung von vollkommen neuen Arbeitersektoren infolge der Gründung neuer hochent wickelter und mit modernster Technologie ausgerüsteter Industrien. Dem Sohyo gelang es nicht, sich in diesen neuen Fabriken zu verankern, die ein vollkommen "neues" und traditionsloses Personal beschäftigten. Der in diesen Fabriken virulente Firmensyndikalismus wird total von den Unternehmern manipuliert, die dort eine Art absolute Gewalt über ihre Arbeiter und Angestellten ausübten(ein typisches Beispiel dafür ist die Autofirma Toyota in Nagoya, wo die Arbeiter vom Unternehmer untergebracht werden und in einem geschlossenen ökonomischen System, das von der Firmenleitung festgelegt wird, leben müssen).
Es kam zu einem fast totalen Bruch zwischen den Organisationen mit studentischer Basis und der Arbeiterbewegung. Die revolutionären Organisationen funktionierten in substitutionalistischer und voluntaristischer Weise, und blieben im wesentlichen auf die Studentenbewegung beschränkt. Die Gruppen, die in der studentischen Masse intervenierten, verfolgten einen sektiererischen Kurs. Ihre Politik bestand hauptsächlich darin, die quantitative und organisatorische Hegemonie an den Universitäten zu gewinnen, um dadurch eine soziale Basis zu kontrollieren, die ihr Hauptrekrutie rungsfeld war. Dieser Substitutionalismus hat diese Gruppen dazu gebracht, sich dadurch, daß sie wie in einer geschlossenen politischen Gesellschaft lebten, als Selbstzweck zu bestätigen. In der Schlacht um die Hegemonie ging es darum, sich die Vorherrschaft im Zengakuren zu sichern. Daraus entstand eine Fraktionierung des Zengakuren in streng voneinander getrennte Tendenzen, in "private" Einflußbereiche von Gruppen, die diese oder jene Universität "besaßen" und die sich dem Eindringen anderer Gruppen auf das von ihnen eroberte Terrain widersetzten. Es liegt nattir lich in der Logik einer solchen Situation, daß es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen kam (so wurde im August 1970 ein Mitglied der Organisation Kakumaru von Militanten des Chukaku getötet). Für diese Auseinandersetzungen gibt es in der Terminobgie der extremen Linken Japans einen speziellen Ausdruck: "Uchigeba".
Die Strategie dieser Gruppen beschränkte sich jahrelang im wesentlichen auf ein quantitatives Moment: die größtmögliche Anzahl'ihrer" Militanten bei Straßendemonstrationen hinter ihren Fahnen zu versammeln und bei der Auseinandersetzung mit der Polizei möglichst weit zu gehen. Diese relative Militarisierung der Aktivitat und des Funktionierens der Gruppen hat dazu geführt, daß sie der Polizei, in dem Augenblick, in dem diese neu ausgerüstet und reorganisiert worden war, um die Demonstrationen besser zerschlagen zu können, nichts entgegen setzen konnten. Durch eine technische Spezialisierung gelang es der Polizei schließlich mithilfe von Repressionsspezialeinheiten und von "Anti- Aufruhr" - Truppen die Gruppen zu beherrschen, Bis 1967/69 hatten diese Gruppen einen Vorteil, den sie ausnutzten und der darin bestand, daß der Repressionsapparat des kapitalistischen Staates auf dem Gebiet der Technik und der Effektivität einen Rückstand aufzuweisen hatten. Aus dieser Situation und besonders aus der Tatsache, daß die Polizei un vorbereitet war, haben leicht Illusionen entstehen können. Die Regierung brachte die Dinge wieder in Ordnung. Kurz nach dem Mai 1968 machte der japanische Innenminister einen Arbeitsbesuch bei Marcellin!
Das einzige Aktionsfeld der japanischen linken Gruppen wurde bald von den "Kidotai" zurückerobert, einer Spezialpolizei, deren ungewöhnliche Mobilitat und Schnel- 26-
ligkeit die politischen Aktivitäten der Studentenbewegung zu hemmen begannen. Diese Polizeieinheiten beginnen nicht immer gleich mit Brutalitäten und Knüppelorgien. In einigen Fallen, wenn es darum geht, Demonstrationen mit eindeutig kämpferischen Charakter aufzulösen, greifen sie die Demonstranten nicht von vorne an, um sie zusammenzuknüppeln, sondern sie dringen in geschlossener Formation in den Zug der Demonstration ein, spalten den Demonstrationszug und zerstreuen ihn dann. Gleichzeitig pressen sie die Spitze des Zuges, die Führung und den Ordnerdienst in einen Schraubstock von Polizisten und jagen die Demonstranten kilometerlang bis zu deren Erschöpfung vor sich her, Und wie es sich für dieses Land gehört, beherrschen diese Herren selbstverständlich Judo und Karate.
Die Jahre 1967, 1969 und 1970 waren durch außergewöhnlich mächtige und heftige Studentenexplosionen gekennzeichnet.
Von Anfang Oktober 1967 bis Mitte November traten mehrere Millionen Studenten in Aktion. Ministerpräsident Sato wollte einen Besuch in Südvietnam machen, was die Studenten zu verhindern suchten, Am 8. Okt. blockierten 3000 Studenten den Flughafen Haneda sechs Stunden lang. Sie wurden schließlich von 2 500 Polizisten entfernt, aber dabei kam es zu einer sehr heftigen Schlacht. Die Studenten und Studentinnen, unterstützt von etwa 100 Gewerkschaftsmilitanten von der Flughafenverwaltung oder aus der unmittelbaren Umgebung des Flughafens, setzten Polizeifahrzeuge in Brand oder nahmen sie im Sturm, um sie gegen die Polizei selbst einzusetzen, Ein Polizeifahrzeug tötete einen Demonstranten und Hetano, Polizeipräsident von Tokio erklärte am nächsten Tag im Fernsehen: "Von nun an behandeln wir die Studenten wie eine Verbrecherbande aus der Unterwelt..."
Zehntausend, Studenten, Professoren und Arbeiter folgten dem Trauerzug für den am 8. Oktober von der Polizei getöteten Yamasaki. Am Ende dieser Trauerdemonstration wurde der Präsident des Zengakuren von der Polizei verhaftet. Am 12. Oktober strömten erneut 6 000 Demonstranten in das Zentrum von Tokio, um Sato daran zu hindern, in die USA zu fliegen, 700 Polizisten wurden ihnen entgegengestellt. Ergebnis: mehr als 300 verhaftete Studenten, 121 Polizisten und 51 Studenten verletzt, Die Bombardierungen Nordvietnams durch die Regierung Johnson, die damals schon zwei Jahre andauerten, hatten dazu beigetragen, daß die Spannung bei den Studenten wuchs, und diese aufgestaute Energie wurde im Oktober 1967 entfesselt, als Sato nach Saigon fliegen wollte. Diese sehr stark vom Internationalismus geprägten Demonstrationen hatten eine sehr große Wirkung, eine grössere noch als die von 1960. Sie machten vor aller Öffentlichkeit deutlich, daß die traditionellen Organisationen (KPJ, SPJ, Sohyo) sich weigerten, diesem Kampf beizutreten.
Die Idee, den Kampf gegen den wiedererstehenden japanischen Imperialismus zu führen, verankerte sich durch diese Aktionen in der Masse der Studenten und bei zahlreichen jungen Arbeitern. Japan wurde eindeutig als das erkannt, was es ist: der direkte Komplize der Amerikaner in Vietnam und das lieferte die Basis der Kämpfe des Jahres 1967 und der folgenden Jahre.
Den Aktionen von 1967 war eine erneute Festigung des Bundo vorausgegangen, der unmittelbar nach den Demonstrationen von 1960 auseinandergebrochen war. Der zweite Bundo war ein loser Zusammenschluß zahlreicher Fraktionen, die Bestandteil der Konkursmasse des Auseinanderbrechens von 1960/61 waren. Diese Neukonstituierung war einer der hauptsächlichen Gründe für die Breite der Kampfe von 1961. Der andere Grund für diese breite Bewegung war die Tatsache, daß es gelang, ein Bündnis dieses zweiten Bundo mit der Gruppe Chukaken (RKIJ, zentraler Kern) herzustellen, Dies führte zur Bildung des Zenkyoto (Einheitsfront der Studenten) und zu einer Vereinigung von jungen Arbeitern: den Hansen.
Dieses Bündnis bildete das Rückrat der Demonstrationen vom Okt, 1967 und derjenigen von 1968 gegen die US- Militärbasen, Es entstand eine Atmosphäre allgemeinen Aufruhrs und mehrere tausend Unorganisierte verschiedenster Herkunft schlossen sich den Demonstrationen an. Im Verlauf des Jahres 1968/69 tauchten neue politische Themen auf, sie lösten diejenigen Themen ab, die der Motor für die vorangegangenen Mobilisierungen gew esen waren. Eine Universitätsbesetzungsbewegung, vor allem in den zwei größten Universitäten Tokios, der Nihon-Uni und und der Uni von Tokio, breitete sich aus. Von dieser Bewegung wurde das kapitalistische System selbst in Frage gestellt gestellt. Diese Protestbewegung politisierte tausende von Studenten und jungen Arbeitern, aber sie stellte noch keine vollständige strategische Konzeption für den Kampf gegen den Kapitalismus in Japan dar, Trotz ihrer Grenzen drückte diese Bewegung einen wichtigen Fortschritt im politischen Denken der "breiten" Avantgarde Japans aus. Die bestimmenden Kräfte dieser politischen Entwicklung entstanden unter dem Eindruck der revolutionären Krise im Mai 1968 in Frankreich, Dieser revolutionäre Aufschwung der Arbeiterklasse in einem der Hauptländer der imperialistischen Kette übte in Japan wie überall auf der Welt eine beträchtliche Wirkung auf die "breite" Avantgarde aus. Diese Avantgarde bestand fast ausschließlich aus einer neuen Generation von Militanten und sie begriff nur sehr ungenau und abstrakt die revolutionäre Rolle des Proleatriats und die schärfsten Formen des Klassenkampfes. Die japanische Arbeiterklasse hat in der Vergangenheit niemals ein Beispiel oder ein Modell für einen revolutionären Aufschwung geliefert und die marxistische und historische Bildung, die diesen jungen Militanten von der KPJ, aus der sie zehn Jahre 27-
zuvor ausgetreten waren, vermittelt worden war, war quantitativ und qualitativ unbedeutend. Von dem Zeitpunkt an, wo ein Teil des Weltproletariats dieser neuen Generation von revolutionären Militanten zeigte, welches revolutionăre Potential in ihm steckt, wandten sich die fortgeschrittendsten Elemente dieser "breiten" Avantgarde in ihren Gedanken und in ihren wissenschaftlichen Analysen den Problemen der Arbeiterstrategie zu, was dann das Problem aufwarf, wie man sich in der Arbeiterklasse verankern kann.
Für den Somme: 1968 schickte die JCR (=Jeunesse Communiste Révolutionnaire, die nach einem Erlaß der frz. Regierung im Juni 1968 aufgelöst worden war) auf Einladung der japanischen Studentenbewegung eine Vertreterin zu einer Tournee durch Japan. Dadurch wurden die Ereignisse des Mai 1968 bekannt und die durch die revolutionăre Bewegung in Frankreich aufgeworfenen Fragen diskutiert. Dank der Tatsache, daß sich die weltweite Studentenbewegung (und besonders diejenige der industrialisierten Länder) gegenseitig beeinflußt was den Rhythmus und die politische Entwicklung angeht, trug der französische Mai zur Transformation auch der japanischen Avantgarde bei. Diese Transformation spiegelte sich angesichts der neu auftauchenden Probleme, auf die man in keinster Weise vorbereitet war, in den Schwankungen dieser "breiten" Avantgarde wieder. Organisationen verschwanden, neue Organisationen entstanden, vor allem wurde die japanische Sektion der IV. Internationale neu aufgebaut, Diese Phase der Transformation erstreckte sich über fast zwei Jahre, In dieser Zeit kam es in regelmäßigen Abständen immer wieder zu heftigen Massenaktionen. 1969 begannen die gewalttätigen Straßenaktionen von ihrer Wirksamkeit zu verlieren, hauptsächlich aufgrund der Verstärkung des Polizeiapparates. Das Frühjahr 1969 war gekennzeichnet durch eine Massenmobilisierung in der Frage von Okinawa, Okinawa ist eine Insel der Ryukyu-Inseln, auf halbem Wege zwischen dem japanischem Archipel und der Insel Taiwan, Nach dem zweiten Weltkrieg fiel die Insel an die USA, die aus ihr eine gigantische Militärbasis machten, Okinawa wurde zum Militärmateriallager der USA, zum Truppenübungsplatz für die Antiguerillaeinheiten, zur Instandhaltungs- und Reparaturstation des US-Militärs und zum Erholungszentrum für die amerikanische Luftwaffe in Asien. Die Bevölkerung der Insel wurde der amerikanischen Kolonialverwaltung unterstellt. Mehrmals erhob sie sich gegen diese koloniale Beherrschung in Solidarität mit den vietnamesischen Befreiungskämpfern und erwarb sich dadurch die aktive Solidarität der japanischen Militanten, die aus Okinawa einen der zentralen Punkte des antiiinperialistischen Kampfes und des Kampfes gegen die amerikanische Präsenz in Japan machten.
Am 28. April 1969 ergriff der Bundo die initiative für einen "Aktionstag Okinawa" und mobilisierte daftir. Das vorher festgelegte Ziel war die Besetzung eines Gebäudes der medizinischen Fakultät in Tokio, das zum Kristallisationspunkt für die Bewegung werden sollte. Anschließend wollte man gegen die Regierungsgebäude in Tokio marschieren und sie besetzen.
Auf diese Art wollte man die Komplizenschaft der japanischen Regierung mit dem US-Imperialismus massiv und spektakulär der ganzen Bevölkerung vor Augen führen und die Regierungsmaschinerie stoppen, um dadurch Okinawa zu helfen. Nur einige hundert Studenten nahmen an dieser Aktion teil, was den Niedergang der Bewegung wiederspiegelte, sowie die Isolierung einer studentischen Avantgarde, die gewissen Aktionsformen huldigte. Die maoistische Fraktion, die sich vom Bundo abgespalten hatte, nahm an dieser Aktion teil, was ein Anzeichen für eine Wiederauferstehung der maoistischen Strömung in der Studentenbewegung war, Das Eingreifen einer beträchtlichen Zahl von Polizeikräften, die das besetzte Universitätsgebäude umzingelten, lähmte das Unternehmen vollkommen und verurteilte es von Anfang an zum Mißerfolg. Diese mißlungene Aktion hatte eine gewisse Bedeutung für die Entwicklung der japanischen Avantgarde. Sie stand am Anfang der "Rote Armee-Fraktion, die damals unter dem Namen "Sturmbrigade" bekannt wurde und anfänglich etwa 50 Mitglieder hatte. Das Ziel dieser Brigade war es, im Verlauf ihrer Aktionen durch Zusammenstöße mit der Polizei eine Detonatorfunktion auszuüben, um dadurch tausende von Demonstranten zu mobilisieren und eine Situation zu schaffen, in der sich die kampfentschlossenen Massen direkt gegen die Regierung wenden, nämlich dadurch daß sie deren Schaltzentralen besetzen. Diesen Plänen lag die Absicht zugrunde, den revolutionăren Prozess vom Mai 1968 in Frankreich zu imitieren, was von der diesen Aktionen zugrundeliegenden Naivität zeugt. Sie glaubten an die Möglichkeit, Arbeitermassen durch den Gebrauch von Gewalt zu mobilisieren und abstrahierten dabei vollkommen von der aktuellen Periode, der Geschichte und den Traditionen der japanischen Arbeiterklasse. Die Magie der Gewalt, die man zum Prinzip der politischen Aktion erhoben hatte, begann sich zu verselbständigen und führte zur Entartung eines Teils der japanischen Avantgarde. Dies war der Anfang vom Ende des Bundo. Hinter der Konzeption der sich von Mal zu Mal in ihrer Heftigkeit steigernden gewaltsamen Aktionen und der Betonung des Exemplarischen Charakters des Kampfes stand die Ablehnung einer zentralisierten revolutionären Organisation, die Ablehnung einer Gesamtstrategie des politischen Kampfes, der eng zusammenhängt und verknüpft ist mit den Veränderungen des Niveaus des politischen Bewußtseins der Arbeiterklasse oder deren kampfentschlossener Teile. Dieser Substitutionalismus eines Teils der Avantgarde muß aufmerksam analysiert werden, bevor man ihn als Ausdruck einer verrückten und falschen Konzeption des politischen Kampfes zurückweist.
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Die besonderen Züge der insularen kapitalistischen Gesellschaft Japans haben dieses einzigartige politische Phănomen mitgeprägt, das diese mächtige und langlebige politische Studentenbewegung, die zu solchen Gewaltaktionen fahig ist, darstellt. In Japan kommen die sozialen Kennzeichen eines sehr hoch industrialisierten kapitalistischen Landes westlichen Typs und die den Ländern des Fernen Ostens gemeinsamen Kennzeichen in kombinierter Form vor. Diese sehr widersprüchliche Situation ist es hauptsächlich, die die explosive Natur der Demonstrationen bestimmt, die die japanische Gesellschaft über einen sehr langen Zeitraum hinweg erschüttert haben. In diesen Kämpfen suchen die schreiendsten gesellschaftlichen Widersprüche nach einer Lösung. Diese Widersrpüche sind den inneren Widersprüchen des zaristischen Rußland zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht unähnlich, im Falle Japans allerdings auf einem höheren Niveau, Widersprüche, die mit dem Grad und der Schnelligkeit der kapitalistischen Entwicklung des Landes zusammenhängen.
Diese spezifische Natur der kapitalistischen Gesellschaft in Japan hat ihre Wurzeln in der besonderen Geschichte der Entwicklung des Kapitalismus in Japan. Die Entstehung des Kapitalismus war nicht das Resultat einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen "Eigenentwicklung" des Landes, Die feudale Gesellschaft war statisch, die Produktivkräfte stagnierten, es gab fast keine Marktwirtschaft bis zu dem Augenblick, wo das Auftauchen des westlichen Kapitalismus im Fernen Osten sehr brutal, in einem sehr kurzem Zeitraum von weniger als einem halben Jahrhundert, die kapitalistische Transformation des Landes ausgelöst hat. Die feudale Gesellschaft wurde aus ihrem insular beschränkten Schlummer gerissen und hat sich angesichts der Bedrohung durch den westlichen Imperialismus zu seiner eigenen Verteidigung transformieren müssen. Die Industrialisierung des Landes und die Herausbildung einer Marktwirtschaft sind hervorgegangen aus einem sozio-politischen Rahmen, der vollständig vom Feudalismus, dessen Gesetze und menschliche Beziehungen auf die neue kapitalistische Gesellschaft übertragen wurden, geprägt ist. Nicht eine bürgerliche Revolution wie in Europa oder in Nordamerika hatte diesen Prozess ausgelöst; die Geschichte Japans kennt keine Freiheitsphilosophie, keine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, wie sie typisch waren für das Zeitalter der aufsteigenden Bourgeoisie, Die japanische kapitalistische Gesellschaft wurde von Militarismus und Paternalismus geprägt seitdem die ersten tausend Industriearbeiter in die Fabriken einkaserniert worden sind. Die Selbsttransformation der feudalen Gesellschaft in eine moderne Industriegesellschaft ist grundlegend für die japnaische Gesellschaft. Daraus ergibt sich die Marsch japanischer Studenten gegen ein atomgetriebenes US-Kriegsschiff
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Rückständigkeit der Arbeiterbewegung, die nicht durch das Zeitalter einer demokratischen Bourgeoisie oder durch die sich über jahrzehnte erstreckenden Aktionen von revolutionären Gruppen "erzogen" wurde. So ist der Kampf für den Sozialismus in Japan gekennzeichnet durch die Verknüpfung des Kampfes für die fundamentalen demokratischen Freiheiten (wie sie im Westen existieren oder existierten) mit dem Kampf für die Zerstörung der kapitalistischen Marktwirtschaft. Das heutige Japan, das dabei ist, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt zu werden, verdankt diese Position seiner sozio-historischen Struktur.
Die "demokratischen Geschenke", die der amerikanische Imperialismus Japan nach dessen Niederlage gemaoht hat, waren nur Fassade. Die Reifung der Nachkriegsgeneration in einer immer mehr integrierten internationalen kapitalistischen Welt war die entscheidende subjektive Bedingung dafür, daß es zu Explosionen in den jungen Schichten der japanischen Gesellschaft gekommen ist. Die 60er Jahre waren die Jahre eines unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwungs der japanischen Industrie, die schneller und radikaler als in anderen Ländern der Welt üblich, die Errungenschaften der technologischen Revolution in der Industrie angewandt hat. Die Auswirkungen der Industrialisierung im Japan des 19. Jahrhunderts auf die damalige Gesellschaft wiederholen sich teilweise bei der Einführung der dritten industriellen Revolution durch die Bourgeoisie. Die Jugend muß die Kosten dafür zahlen und sie wehrt sich dagegen. Da keine andere politische Organisation, weder die Sozialistische Partei noch die Kommunistische Partei, sich dieser brutalen Reorganisierung der Gesellschaft wiedersetzen konnte, stemmte sich die studentische Jugend, die traditionslos und ohne Gedächtnis ist, mit ihrer eigenen Gewalt gegen die Staatsmaschinerie. Diese Entwicklung wurde noch begünstigt durch die Integration der japanischen Gesellschaft in das System des Weltimperialismus, was das Eindringen historischer Analysen und theoretischer Schriften der Arbeiterbewegung des Westens begünstigte. Sie befruchteten das Denken neuer Generationen und bestimmten den Sinn der Kämpfe.
Der Bundo hat sich zum Fürsprecher der Theorie der Gewalt gemacht. Er hatte den Mut, seinen Auffassungen gemäß zu handeln und hat so die anderen Tendenzen -30der radikalen Linken in Japan geprägt, die sich genötigt sahen, ihm entweder auf seinem Terrain Paroli zu bieten oder ihm zu folgen. Der Bundo verstand sich als Katalysator der Kämpfe. Er war auf einer Massenebene der Vorläufer von Phänomenen, die sich weltweit herausgebildet haben (z, B. Weathermen in den USA, die RAF in Westdeutschland, in einem geringen Maße die "Proletarische Linke"* Gauche Proletarienne in Frankreich, verschiedene Bewegungen in Lateinamerika), Phănomene, die man unkorrekterweise als ultralinke Bewegungen charakterisiert hat.
Die Grundidee des Bundo, die sich von ihm unabhängig bei anderen Gruppierungen auf der Welt wiederfindet, besteht im Verwerfen der Auffassung, daß ökonomische Krisen revolutionäre Krisen hervorbringen können: folglich muß jede Arbeit ökonomistischer Art aufgegeben werden. Das Aufkommen dieser "Theoretisierung" geschah in erster Linie in Reaktion auf den Reformismus der japanischen KP und der Sozialdemokratie. Sie bildet die Grundlage für die Ideologie eines Teils der Neuen Linken in Japan (so nannte sie sich selbst), die in Opposition zur reformistischen Alten Linken steht. Diese Opposition aber war weitreichend, sowohl in ihrer theoretischen Formulierung als auch in ihrer praktischen Anwendung. Der ideologische Grundgedanke des Bundo bestand in der Forderung, das Konzept der Dynamik des gewaltsamen Volksaufstandes anzuwenden, wie dies in den Aktionen gegen die Regierungen Sato und Kishi geschah. Die Massen sollten unabhängig von den ökonomischen Vermittlungsprozessen, die bei der Herausbildung eines antikapitalistischen Klassenbewußtseins bestimmend wirken, den direkten Kampf mit dem Regime aufnehmen, Die theoretische Formulierung dieser Auffassung vom politischen Kampf lautete folgendermaßen: die Entwicklung des politischen Kampfes breiter Gesellschaftsschichten muß sich mit den ökonomistischen Kämpfen der Gewerkschaften verbinden, um so die gewaltsame Auseinandersetzung auf Massenebene hervorzubringen, wobei die Funktion des Bundo darin besteht, mittels aktiver und defensiver Taktiken als Katalysator zu wirken. Alsbald würden den Massen die Augen geöffnet, und von daher würde sich ihr politisches Verständnis ableiten, da die praktische Anprangerung der antidemokratischen Natur sowohl des Parlaments als auch der Funktion der Polizei vollzogen wäre. Der politische Primitivismus, der hinter diesen Träumen von der Entstehung des revolutionären Kampfes stand, starb mit der "Roten Armee", der organisatoríschen Verkörperung derartiger Auffassungen. Eine Grundidee wurde von der "Roten Armee" wiederaufgegriffen und losgelöst von jeglichem sozioökonomischen Kontext zum Grundprinzip des politischen Kampfes erhoben: das Konzept der offensiven Politik als Katalysator, das im absoluten Widerspruch zur reformistischen Auffassung vom geduldigen Warten auf die kommende Krise steht.
Diese Auffassungen des Bundo waren mehr der Ausdruck einer Theoretisierung im Nachhinein der von der studentischen Avantgarde geleiteten Kämpfe in ihrer Aufstiegsphase als eine Darlegung neuer Thesen fur die kommenden Kämpfe. Dies bedeutete eine Fehleinschätzung der internen Veränderungen imjapanischen Staatsapparat, der inzwischen dazu fahig geworden ist, den politischen Prozess zu blockieren, zu dem der Bundo seit mehreren Jahren den Anstoß gegeben hatte, und zwar zum gleichen Zeitpunkt, da die Führung des Bundo behauptete, daß die verflossenen Jalıre solche der "offensiven studentischen Bewegung" gewesen sei en, die deren allmähliche Loslösung von der Alten Linken gestattet hätte, und daß die kommende Periode, diejenige von "neuen Wogen der Bewegung'sein würde. Diese Zukunftsvision wurde mit den Folgerungen gerechtfertigt, die man aus der Umwandlung des japanischen Kapitalismus in einen modernen Imperialismus zog, einer Entwicklung, die vom Wiederaufbau der japanischen Armee begleitet wurde.
Das Gründungsdokument der "Roten Armee" trug die Überschrift: "Schaffen wir die Rote Weltarmee, schaffen wir die weltweite revolutionäre Front". Der Herbst 1969 bildet den Abschlußpunkt einer Phase in der Geschichte der japanischen Studentenbewegung. Die Insel Okinawa sollte von den Amerikanern an Japan zurückgegeben werden, und die japanische Regierung hatte vor, die Gelegenheit zu benutzen, um eine demagogische Demonstration unter dem Motto der endgültigen Rückeroberung der japanischen Unabhängigkeit zu organisieren. Der Premierminister Sato sollte Japan verlassen, um seine Unterschrift unter den Vertrag zur Wiedererlangung der Insel zu setzen.
Die "Rote Armee" nahm sich vor, diese Gelegenheit beim Schopfe zu packen, um einen Volksaufstand auszulösen und um die Bildung einer "Provisorischen Revolutionären Regierung" zu proklamieren; obwohl sie wussten, daß sie die Repression erwartete und obwohl sie sogar in Betracht zogen, dabei getötet zu werden, dachten die Mitglieder der "Roten Armee", daß ein solches Unternehmen die Eröffnung einer Bürgerkriegsfront in Japan gestatten würde. Die Mobilisierung für Okinawa wurde zu einer Massenbewegung, aber die "Rote Armee" verlor sich darin und ihre Zukunftsvisionen fanden nicht das gesuchte Anwendungsfeld. Die "Rote Armee" entwickelte ihre autonomen Strukturen weiter, ging dann in den Untergrund, um in der Kabine einer Boeing der Nippon Airways, die am 31. März 1970 in Richtung Nordkorea entführt wurde, wiederaufzutauchen und noch später am 30. Mai 1972 bei dem Feuergefecht auf dem Flughafen Lod in Israel, das gemeinsam mit der FPLP des Georges Habbasch organisiert worden war. Es gab in der Geschichte der "Roten Armee" mehrere Phasen: es kam zu Spaltungen in der Organisation, wobei es sogar zur physischen Liquidierung von Mitgliedern (Soldaten genannt) kam, sowie zu Neubildungen, bis die Organisation in diesem Jahr endgültig zerbröckelte. Die Einzelheiten dieser Geschichte würden den Rahmen einer Analyse der japanischen Avantgarde sprengen und bilden für sich allein genommen ein eigenes Gebiet. Diese Entwicklungen brachten ein Grundproblem zum Vor schein, das allen neuen Organisationen in der Welt gemeinsam ist: das der permanenten politischen und organisatorischen Verbindung mit den Massen.
Die reale Debatte, die im Bundo und im Rest der japanischen Avantgarde stattfand, fand eine organisatorische Antwort in der Schaffung der "Roten Armee". Eine andere Antwort, diesmal eine marxistische, begann durch den Aufbau der japanischen Sektion der IV. Internationale, der Revolutionär-Kommunistischen Liga Japans, Gestalt anzunehmen.
Auf ihrem IV. Kongress im August 1970 ging sie die Grundprobleme der japanischen Revolution an, indem sie die japanische Revolution als integrierenden Bestandteil der antiimperialistischen und antibürokratischen Revolution im Fernen Osten bestimmte, Dies ist nur der Beginn für eine dialektische und nicht insular beschränkte Auffassung vom revolutionären Kampf, der den Weg für eine kritische Analyse über die Entwicklung des Marxismus im Fernen Osten freimacht. Bibliographie:
1.) AMPO: seit 1970 wurden 14 Nummern veröffentlicht. Inhaltlich getragen von unabhängigen japanischen Revolutionären, die vor allem in der Bewegung Beheiren (pazifistische Bewegung gegen den Vietnamkrieg) zusammengeschlossen sind, Diese Nummern sind ausgezeichnet und enthalten oft bemerkenswerte Analysen.
2.) "La Gauche Révolutionnaire au Japon", von Bernard Béraud (Editions du Seuil 1970). Einzige Dokumentation über diese Frage in frz. Sprache, von einem Journalisten geschrieben, der in Japan lebt. Bleibt ungenau, oft unvollständig, aber interessant, was informative Tatsachen und Anhaltspunkte fur Daten angeht. Der Stammbaum der politischen Gruppen in diesem Buch ist falsch. 3.) "Thought and Behavior in modern japanese politics" von Masao Maruyama (1969 Oxford University Press), eine Reihe bemerkenswerter Studien zum Nationalismus und Militarismus im politischen Leben Japans. Eine wirkliche Analyse der herrschenden Ideologie. Sehr wichtig. 4.) "Zengakuren", Universität und Widerstand in Japan, von Johannes Ernst Seiffert, Trikont, Schriften zum Klassenkampf 13, 1969. Die einzige größere Arbeit in dt. Sprache über die revol. Linke Japans.
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Sanrizuka (Wataru Yakushiji, aus Quatrième Internationale, Nr. 49, Mai 1971)
"Die Kampfentschlossenheit der Bauern ist um keinen als die Regierung, mit Zustimmung des Ministerpräsiden- Deut geringer geworden. Si e haben sich jetzt volständig ten Sato, einen ersten ernsthaften Angriff unternahm, auf einen langandauernden Kampf vorbereitet, sie haben verhinderten 3 000 "Zuschauer", die mit der Opposition sich in landwirtschaftlichen Genossenschaften zusammen- sympathisierten, daß die Polizei freie Hand hatte, um die geschlossen. Tag für Tag erhalten sie Geldspenden aus Bauern gewaltsam anzugreifen. Sie stellten sich der Poliallen Teilen des Landes und der Hantai-domei hat zei in den Weg und warfen, unterstützt von Arbeiter - und überhaupt keine finanziellen Schwierigkeiten. Die Bauern- Studentenmilitanten, die herbeigeeilt waren, um sich verbände haben einer nach dem anderen ihre aktive Soli- den kämpfenden Bauern anzuschließen, sogar Steine gedarität angeboten und in der Präfektur Ibaragi (nördlich gen die Polizisten.
der Präfektur Chiba, wo Sanrizuka liegt) hat es sogar eine Jeden Tag vom 3. bis 6. März jedoch mobilisierte die Re- Solidaritätsmobilisierung von mehreren tausend Bauern gegierung mehr als 3 000 Polizisten, außer während des geben.
Waffenstillstandes am 4. März und hinderte dadurch die Die jugendliche Führung des Hantai-domei hat mit Begei- sympathisierenden Massen daran, sich in die Nähe des sterung vorgeschlagen, ein nationales Bauernkomitee zu. Ortes der Enteignung zu begeben. gründen, Sie sind vollkommen entschlossen und haben sich darauf vorbereitet, einen langandauernden Kampf Die Polizei, die durch von der Kodap als Söldner angezu führen. " worbene "Garden" verstärkt wurde, zerstörte nach heftigen Kämpfen die solide gebauten Barrikaden und evaku- Das ist ein Zitat aus der national bekannten Wochenzei- ierte die Bauern, die sich an Bäume und Pfähle angekettet tung Asahi Janaru in ihrer Ausgabe vom 19. Mărz hatten, Die revolutionären Bauern und die Arbeiter - und 1971, wo sie über die Aktivitäten der kämpfenden Bauern Studentenmilitanten verbrannten tonnenweise gebrauchte von Hantai-domei (=Liga der Bauern von Sanrizuka-Shiba- Autoreifen, verschmierten Honig, warfen Molotov-Cockyama gegen den internationalen Flughafen von Tokio) tails und kämpften heldenhaft mit Bambuslanzen. Viele berichtet, Am 22. Februar hatte die Bezirksverwaltung wurden verletzt und die Polizei versperrte selbst denen von Chiba auf Befehl der Regierung Sato die erste"Zwangs- gewaltsam den Weg, die den Verletzten medizinische enteignung" von Land gegen den Widerstand der Bauern Hilfe bringen wollten (2).
vorgenommen , um das Projekt einer Flugzeuglandebahn von 4 km Länge, für den Flughafen ungefähr 65 km im Bis zum 6. März, als die Bezirksverwaltung von Chiba und Osten der Hauptstadt, abzuschließen. In der Tat war es der Kodap behaupteten, daß die Enteignung abgeschlossen dem Kodan (=öffentliche Gesellschaft für den neuen sei, sind 461 Personen verhaftet worden; 821 Demonstranten internationalen Flughafen von Tokio) schon gelungen, sich sind verletzt worden, obwohl der Hantai-domei täglich un- 99% des für den Flughafen notwendigen Landes anzueignen. gefähr 3 000 Hilfstruppen für die kämpfenden Bauern mobi- Nur 3,5 ha von einer Gesamtfläche von 5 500 ha mußten Obwohl man behauptet, die "Zwangsenteignung" sei abnoch enteignet werden. Diesmal betraf das zu enteignende geschlossen, hat die Opposition keinesweg schon verloren, Land nur 0,15 ha am Ende einer im Bau befindlichen Lan- denn der Kodap kann mit den Bauarbeiten auf dem Gebiet, das er angeblich enteignet hat, nicht beginnen. Der Handepiste.
tai - domei hat sich auf die jetzige Situation vorbereitet Anfänglich nahm die Bezirksverwaltung davon Abstand, und mehr als 50 unterirdische Gräben angelegt, um Widereine gewaltsame Repression gegen die opponierenden stand zu leisten und bis zum Schluß zu kämpfen. Selbst Bauern vorzunehmen und verhielt sich gegenüber der die bewaffneten imperialistischen Kräfte mußten darauf starken Kampfkraft der kämpfenden Bevölkerung sehr zu- verzichten, diese Anlagen einzunehmen, aus Angst davor, rückhaltend (zur gleichen Zeit fanden Kommunal - und dabei die Bauern zu töten, die dort unter Lebensgefahr Stadtratswahlen statt). Sie schloß für Ende Februar einen verblieben waren. Vom 7. März an verstärkten die Bauern zweitägigen Waffenstillstand ab, nachdem sie am 26. Fe- und die Militanten diese Festungswerke, Sie genossen dabei bruar durch den Einsatz von 3 000 Mann ihrer "Anti-Auf- eine Landesweite Sypathie. ruhr" - Polizei den Willen des Regimes, die Opposition zum Schweigen zu bringen, demonstriert hatte. Am 2. März, Der Kampf von Sanrizuka hat drei Aspekte: lisiert hatte. Die japanische Sektion der IV. Internationale 1.) er ist ein Kampf der Bauern zum Schutz schickte ungefähr 1 500 Revolutionäre, von denen zahlreiche ihres Lebensrechts gegen die kapitalisverhaftet wurden. tische Ausbeutung -32-
2.) er ist ein revolutionärer Kampf gegen eine Militärbasis 3.) er ist ein Kampf der Bevölkerung, um ihr tägliches Leben vor den Umweltzer störungen zu schützen, die durch den Bau des Flughafens hervorgerufen werden Seit 1966, als die Regierung beschloß, Sanrizuka zum Ort eines neuen internationalen Flughafens auszuersehen, der von Düsenflugzeugen benutzt werden sollte, hatte sich der Kampf der Bauern als ein Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung des bäuerlichen Lebens entwickelt. Natürlich war dies anfänglich eine Bewegung zur Verteidigung des privaten bäuerlichen Eigentums. Aber bald ging die Bewegung über den kleinbürgerlichen Rahmen hinaus, der im Schutz des Privateigentums bestand, -- vor allem als das kapitalistisch und imperialistische System versuchten, die Interessen des imperialistischen Kapitals den Bauern gewaltsam aufzuzwingen. Schon 1965 begannen sich junge Bauern, sehr oft Söhne und Töchter von ziemlich wohlhabenden Bauern, an die Spitze von Kämpfen zu setzen und sie erklärten dabei, daß sie Bauern seien, und daß sie nichts anderes sein könnten. Dies muß im Lichte der Tatsache gesehen werden, daß die ganze junge Generation des bäuerlichen Japan nach dem Schulabschluß danach strebt, die Dörfer zu verlassen, um sich in den Städten niederzulassen (3).
Die junge Generation von Sanrizuka lernte im Verlauf des Kampfes, daß Stadter sein, nichts anderes bedeutet, als noch enger mit dem spätkapitalistischen Unterdrückungsregime verbunden zu sein, dem sie dadurch entfliehen wollte, indem sie die Dörfer verließ. Diese jungen Leute drückten folglich vollkommen eindeutig ihre Ablehnung gegenüber dem kapitalistischem Regime aus, wenn sie erklären, daß sie Bauern seien. Sie sprechen oft von der der Liebe zum "Land", was der kapitalistischen Ideologie widerspricht. Ihre Ablehnung der traditionellen bürgerlichen Ideologie zeigt sich in ihrem Kampf gegen den Bau eines Flughafens. Der Kampf der Bauern zur Verteidigung ihrer Lebensrechte ist eng mit dem Weltweitem Phänomen der Jugendradikalisierung verbunden, vor allem was die Bauern der jungen Generation von Sanrizuka angeht. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum die Bauern von Sanrizuka die Solidarität der jungen radikalisierten • Studenten gesucht haben, Die Bauern von Sanrizuka haben durch die Zusammenarbeit und durch den gemeinsamen Kampf Seite an Seite - mit den studentischen Militanten ein politisches Verständnis von ihrer Aktion erlangt. sie Haben erfahren, daß der derzeitige internationale Flughafen von Tokio in Haneda, der nach den Behauptungen der Regierung zu klein ist, zu militärischen Zwecken von den amerikanischen und -33 japanischen Luftstreitkräften benutzt wird, um den Krieg in Vietnam zu unterstützen. Sie erkannten, daß sie sich weigern mußten, ihr eigenes Land dem Imperialismus abzutreten, und sie erklärten sich vollkommen solidarisch mit der vietnamesischen FNL. So können die kămpfenden Bauern vor Sanrizuka zu den Avantgarde-Massenbewegungen gegen den amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag und für die Rückkehr Okinawas gezählt werden.
In diesem Lernprozess haben die Bauern auch den reformistischen Charakter der Sohyo, der Sozialistischen Partei und der KPJ erkannt. Sie wissen nun, daß diese Parteien nicht revolutionär sind und daß sie sich an die Seite der jungen radikalen, vor allem durch die Trotzkisten repräsentierten, Antjimperialisten stellen müssen. Erst kürzlich ist der Aspekt des Kampfes der Städter zum Schutz ihres täglichen Lebens vor den Umweltzerstörungen wieder deutlich geworden. Die Einwohner der Dörfer und Städte in der Nähe des Flughafens haben Angst vor den Starts und den Landungen der Flugzeuge, vor allem vor dem unerträglichen Lärm der Überschallflugzeuge.. Es ist sicher richtig, daß sie am Anfangnicht klar sahen, in welchem Ausmaß die Lebensbedingungen durch den neuen Flughafen und die Flugzeuge, sowie durch die verschiedenen Verkehrswege zum Flughafen hin und vom Flughafen zurück zerstört werden würden (4). Aber Massenkämpfe gegen die Verpestung der Luft und des Wassers und die Zerstörung der Natur haben sich auf nationaler Ebene vor allem seit Mitte 1969 entwickelt. Und die Bauern von Sanrizuka haben bald erkannt, wiesehr die Einwohner der umliegenden Städte des internationalen Flughafens von Osaka, in Itamie, unter dem Lärm, dem Gas und dem Benzin der Flugzeuge zu leiden haben (5). Sie haben erkannt, wie schrecklich es ist, unter der "Minimata-Krankheit" zu leiden (6), die durch die organischen Quecksilberverbindungen hervorgerufen wird, die von einer wichtigen chemischen Fabrik der Shin Nihon Chisso (Neue Nitrochemische Industfie Japans) ausgeschieden werden. Sie haben von denzahlreichen Fällen der Luft- und Wasserverschmutzung gehört, die sehr oft Krankheiten, wenn nicht gar den Tod hervorrufen. Sie lehnen es eindeutig ab, sich den Interessen des Großkapitals zu opfern, vor allem, wenn die Regierung von* einem "Industrialisierungs" - Plan für die Region Zund um den Flughafen herum zu sprechen beginnt. Ganz sicher wird Sanrizuka und seine Umgebung, das ehemals von der Natur bevorzugt war, in zwei oder drei Jahren keinerlei heilsame natürliche Umgebung mehr haben. Stattdessen wird man hier eine vergiftete, farbige und staubige Luft haben, genau wie in Kashima, 80 km östlich von Sanrizuka, oder in Yokksichi, wo viele unter Asthma leiden, und an vielen anderen Orten in Japan, Sogar die Schüler haben sich organisiert, um den neuen Flughafen zu bekämpfen. Sie enthüllen dabei den komp-
letten Bankrott des kapitalistischen Erziehungssystems, ndem sie ihren eigenen Lehrern, die sie dazu überreden wollten lieber am Unterricht als am Kampf teilzunehmen, eine Frage stellten, die diese nicht beantworten konnten: *Warum wagt ihr Lehrer nicht, gegen den Flughafen zu kämpfen, um dadurch unsere Studienbedingungen zu verteidigen?" Der Shonen- Kodotai (Schülleraktionsgruppe) war einer der stärksten und militantesten Teile der Opposition, ebenso wie der Seinen - Kodati (Jugendaktionsgruppe), in dem die älteren Schüler organistert waren (1) Kurz nachdem die butscheidung über den Bau des Flughafens von Sanrizuka gefallen war, entstenden zwei Gruppen von Dorfbewohnern, die ihr "bedingtes Einverständnis" erklärten und dem Kodan war es dadurch gelungen, sich mehr als 99% des notwendigen Landes bis zum 20. Oktober 1969, dem Baubeginn, anzueignen. (2) Seit Beginn des Kampfes gab es zahlreiche gewaltsame Zwischenfälle zwischen der Opposition und den Polizeikräften. Mehr als 3 000 Personen wurden verhaftet, mehr als 1 000 sogar vor den Zusammenstößen vom Februar und März 1971. Dutzende von Personen mußten mehr als 6 Monate im Krankenhaus behandelt werden. (3) Die japanische Landwirtschaft steht in dem Ruf, "Sanchan Nogyo" zu sein, das heißt eine Landwirtschaft, die von Greisen und von Frauen betrieben wird. Während die Jugend und die Bauern selbst in die Stadt gehen, um sich dort als Arbeiter zu verdingen (oft genug kehren sie niemals nach Hause zurück und werden bei Arbeitsunfällen auf den Baustellen getötet). (4) Daher hat der Kampf von Sanrizuka in gewisser Hinsicht etwas gemeinsam mit anderen Kämpfen gegen den Bau neuer Flughäfen.
(5) Der internationale Flughafen von Osaka liegt mitten in einem Wohngebiet in einem Vorort von Osaka und steht representativ dafür, welche Schäden der Öffentlichkeit durch einen Flughafen zugefügt werden können. (6) Obwohl es zahlreiche Fälle dieser Art in Japan gibt. ist die "Minimata-Krankheit" eine der vier großen Krank• heiten, die durch die Umweltverschmutzung hervorgerufen werden. Die anderen Krankheiten sind die Quecksilbervergiftung in der Umgebung des Agano-Flusses in deni: Bezirk von Niigata (medizinisch gesehen ist dies dieselbe Krankheit wie die"Minimata-Krankheit"), die Itai-Itai- Krankheit (Kalziumvergiftung)im Bezirk Toyama und der Yokkaichi-Asthma, der hervorgerufen wird durch eine starke Luftverschmutzung durch den petrochemischen Komplex in Yokkaichi in der Nähe von Nagoya.