Der Hintergrund des japanischen Wunders 1. DER WIEDERAUFBAU DES JAPANISCHEN KAPITALIS- des japanischen Kapitalismus; sie bestehen aus einer Mut- • MUS DURCH DEN WELTIM PERIALISMUS tergesellschaft, die von zahlreichen Filialen umgeben 1945 befindet sich Japan in einer katastropialen Sication. ist. Das Kapital gehört einer Familie oder einem Clan, Es hat seine Kolonien verloren, sowie die Lände:, die die die Gruppe führen. Die Zaibatsu, die sich ab 1931 im es während des Krieges besetzt hatte und es hat ictrich: wesentlichen auf die Kriegsindustrie hinorientierten, verliche Zerstörungen erlitten, Der Wiederaufbau w. durch fügten über eine beträchtliche Macht: 1939 waren 63% des japanischen Kapitals in ihren Händen.
den amerikanischen Imperialismus, der in Gestal: de Die zweite Maßnahme, die von den SCAF durchgeführt SCAF (1) vertreten ist, gesichert. In einem ersten Zeit- wurden: das gewerkschaftliche Recht und das Streikrecht raum handelt es sich darum, die Wirtschaft zu liberalisic- wurden den Arbeitern wiedergegeben, Schon 1946 gibt ren und den Binnenmarkt zu entwickeln. Aber der Sieg es 3, 7 Mio Gewerkschaftsmitglieder und die Kampfkraft chinesischen Revolution und der Koreakrieg drängen schr der Arbeiter alarmiert die amerikanischen Behörden so. bald in Richtung einer Wiederherstellung der großen Finar.: daß sie einen Rückzieher machen müssen: der für den 1. gruppen der Vorkriegszeit. Januar 1947 vorgesehene Generalstreik wird verboten und den Beamten wird das Streikrecht entzogen.
a. Die Reformen nach dem Kriege und de Koreakrieg 1946 hat etoe Avrarreform stattgefunden (selbstverständlich wurden die Grundbesitzer entschädigt). Der Anteil
Am 10. Dezember 1947 wurde ein Anti-Trust-Gesetz ver- des Pachtlandes an der landwirtschaftlichen Gesamtnutzfike kündet, dessen Aufgabe es sein sollte, den Wiederautbati che sinkt innerhalb eines Jahres von 10% auf 8% Der * der Zaibatsu zu verhindern, die die Schlüsselindustriet: ve- triumphale Einmarsch Mao Tse Tungs in Peking führte daherrscht hatten. Die Zaibatsu gibt es seit den Anfänge: zu die Revision der ersten Reformen der SCAF beschleu-
nigt in Angriff zu nehmen. 1•19 wird der Aktionsradius der Gewerkschaften eingeschränkt und dem Antitrustgesetz wird durch einen Zusatzartikei die Spitze genommen. Die Gruppen Mitsur und Mitsubishi fassen sofort hunderte von kleinen, zwei Jahre zuvor geborene Gesellschaften wieder zusammen. Als der Koreakrieg ausbricht, hat der Rekonstruktionsprozess also schon begonnen, Japan wird von den amerikanischen Aufträgen profitieren und sich eine mächtige Schwerindustrie schaffen. Die Industrieproduktion erreicht schon 1951 wieder den Stand von 1936. Die US-Basen auf japanischem Territorium sind mächtige Einnahmequellen. Eine Summe die zwischen 1952 und 1956 etwa einem Viertel der Warenimporte entspricht.
b. Die technologische und finanzielle Unterstützung durch die USA
Während des zweiten Weltkrieges, als alle Ressourcen von der Waffenproduktion verschlungen wurden, wurde die wissenschaftliche und technische Forschung größtenteils aufgegeben. 1945 verfügt der japanische Kapitalismus daher nur über ein beschränktes technisches Potential. Die Unternehmer und die Regierung übernahmen damals Patente und Material aus dem Ausland, Dadurch sparte Japan bedeutende Forschungsausgaben ein und profitierte von den technischen Neuerungen, die Abfallprodukte der amerikanischen Atom- und Raumfahrtindustrie sind.
Die Hilfe des internationalen Kapitalismus bleibt aber hier nicht stehen. Vom 10. Mai 1950, dem Datum der Einführung des Gesetzes über die ausländischen Investitionen, bis zum Jahre 1970 sind fast zwölf Milliarden Dollar in Form von Privatkapital nach Japan geflossen. Dank der von der Regierung durchgeführten Kontrolle und dank des dynamischen Akkumulationsprozesses des einheimischen apanischen Kapitals, hat die japanische Industrie das ausländische Kapital immer unter Kontrolle halten können,, Die derzeitige Tendenz ist die enge Zusammenarbeit zwischen ausländischen und japanischen Firmen: im März 1970 zählte man etwa tausend gemeinsame Geschäftstellen von Japanern und Ausländern. Dies betrifft besonders die Firmen in den Sektoren der Petrochemie, der Chemie und der Mechanik. 1969 z. B. haben Mitsubishi und Chrysler ein Abkommen auf dem Gebiet der technischen Zusammenarbeit für die Produktion von Autos getroffen. Generai Motors und Psuzu haben im August 971 ein ähnliches Abkommen getroffen.
c. Der risinamkrier Die revolutionäre Flamme, die Südostasien in Brand gesteckt hat, ist für den japanischen Kapıtalisımıs eine historische Bedrohung. Seine Interessen sind eng mit denen des US-Imperialismus verknüpft. Er bemüht sich besonders darum, die Wirtschaft Thailands, Südvietnams, Laos•, Indonesiens und Südkoreas zu stabilisieren. Japan liefert den Truppen Nixons auch Material und stellt ihnen Militärbasen zur Verfügung: Aufträge im Wert von 300 Mio Dollar im Jahre 1965, von 830 Mio Dollar im Jahre 1966, von 1 Millarde im Jahr 1968... II. DIE BESONDERHEITEN DES JAPANISCHEN
KAPITALISMUS
Die Entwicklung des japanischen Kapitalismus kann nicht allein mithilfe der Wirkung des Aufschwungs des Weltimperialismus erklärt werden. Er hat sein Fundament gleichermaßen in Mechanismen, die nur ihm eigen sind und die es ihm erlauben ein schnelleres wirtschaftliches Wachstum durchzumachen als die anderen kapitalistischen Staaten. Zwei Faktoren, die eng miteinander verknüpft sind, spielen dabei eine wesentliche Rolle: die Akkumulation des Kapitals und die Ausbeutung der Arbeitskraft.
a. Die Akkumulation des Kapitals
Der 1950 wieder in Gang gekommene Konzentrationsprozess des Bankenwesens beschleunigt sich 1960 und erlaubt eine außergewöhnlich große Akkumulation. Drei Faktoren begünstigen diesen Konzentrationsprozess: die Aktivitäten der Zaibatsu, die Staatshilfe und die Existenz von sehr vielen kleinen und mittleren Betrie ben. Die Zaibatsu von nach 1950 sind in keinster Weise identisch mit denen der Vorkriegszeit. Es handelt sich nicht mehr um streng hierarchisch geordnete und von einer Muttergesellschaft total kontrollierte Organisationen, sondern um eine Gruppe von unabhängigen Firmen, die untereinander durch eine Bank verbunden sind, die das Kapital unter die verschiedenen Firmen des Zaibatsu aufteilt. Diese Firmen beteiligen sich an anderen Unternehmen, die damit unter die Kontrolle der Gruppe gebracht werden.
Die Unternehmen eines Zaibatsu unterhalten untereinander enge Geschäftsbeziehungen. Untereinander sind sie Kunden und Zulieferer, ohne dadurch in einem abgeschlossenen wirtschaftlichem System eingeschlossen zu sein. So tätigen die Firmen der Gruppe Mitsui z. B. 22% der Käufe und 25% der Verkäufe innerhalb der Gruppe.
Die Bank der Gruppe spielt eine wesentliche Rolle, sie gewährt den Firmen wichtige Darlehen. Durch sie kann
die durch die Gesamtheit der Firmen des Zaibatsu realisierte Profit gemäß der Konjunktur neu verteilt werden und in die rentabelsten Sektoren fließen. Das Banksystem liefert der Industrie 50% des benötigten Kapitals. Durch Selbstfinanzierung werden nur 30% aufgebracht. Es handelt sich also um eine fast vollständige Verschmelzung von Bank - und Industriekapital. Die Banken, deren Aktivitäten in jedem Fall durch die Bank von Japan gedeckt sind, verfügen dank eines auf dem Rücken der Arbeiterklasse realisierten Zwangssparens über erhebliche Geldmittel, Dadurch, daß es in der Tat keine Sozialversicherung gibt, keine Rentenversicherung und dadurch, daß das aktive leben mit 55 Jahren endet, sind die Arbeiter gezwungen, einen großen Teil ihres Einkommens auf die Seite zu legen. Die Sparrate, die in Frankreich 26% beträgt, beläuft sich in Japan auf 40%. Die verschiedenen Zaibatsu stehen in erbitterter Konkurrenz untereinander. Sie sind tatsächlich in den meisten Sektoren der Wirtschaft verankert, besonders in der Schwerindustrie, wo die Konzentrationsrate am größten ist. 1963 1965 1970 Roheisen 60, 6% 55, 8% 100% Rohstahl 47,1% 69,9% 82,3% Schiffsbau 53,9% 71,3% 94, 2% Dieser erbitterte Konkurrenzkampf ist der Grund für das schnelle Anwachsen der Investitionen. Jede Gruppe muß beständig ihre Produktionskosten senken, um wettbewerbs fähig zu bleiben, und ihre Produktivität erhöhen, indem sie die modernsten technischen Neuerungen einführt. Da die Löhne nicht im gleichen Rhythmus mitwachsen, streichen die großen Firmen durch diese Investitionen riesige Profite ein, was es ihnen ermöglicht, den nächsten Zyklus auf einer noch größeren Stufenleiter fortzusetzen. Sie können der Unterstützung durch den Staat sicher sein, umso mehr als die Partei, die sich quasi seit 1945 an der Macht befindet, die Liberal-Demokratische Partei, eng mit dem allmächtigen Keidanren (Unternehmerverband) verbunden ist, der 1946 gegründet wurde. Der Keidanren schlüsse faßt. ist es dann auch, der de facto die meisten Regierungsbe- Ein großer Teil der öffentlichen Ausgaben richtet sich nach den Investitionen im privaten Sektor aus (die Kollektivleistungen werden äußerst vernachlässigt, was unter anderem zur sagenhaften Umweltverschmutzung in Japan führt: es ist allgemein bekannt, daß die japanischen Flüsse wahre Kloaken sind, da nur ein Drittel der Stadtflächen mit Kanalisation versehen ist). Diese "produktiven" öffentlichen Investitionen werden zum größten Teil durch die Löhne der Arbeiter finanziert: die Einkommensr steuer ist sehr hoch und wird schon bei sehr neidrigen Einkommen erhoben. Im Übrigen erlaubt die Regierung den -7 Unternehmen -- um deren Produktionskosten zu senken --, daß sie soviel externe gesamtgeselischaftliche Unkosten verursachen, wie es ihnen beliebt. Diese Unkosten werden nicht von diesen Firmen, sondern von der gesamten Gesellschaft getragen: in Gestalt einer außerordentlich grossen Umweltverschmutzung.
Die Vorherrschaft der riesigen Finanzgruppen darf uns nicht die Existenz der PME vergessen lassen, die eine wesentliche Rolle im japanischen Kapitalismus spielen. 99,4% der Industrie - und Handelsunternehmen sind PME (2). In ihnen sind 65% der Angestellten des privaten Sektors beschäftigt.
Die PME sind besonders zahireich im Handels- und Dienstleistungssektor, einem Sektor, in dem 47% der aktiven Gesamtbevölkerung beschäftigt sind, und wo 70% der Arbeitskräfte in Unternhemen mit weniger als zwei Personen arbeiten, Eine große Anzahl der Arbeitsstellen im tertiaren Sektor haben einen eindeutig parasitären Charakter: das Empfangs- und Bedienungspersonal ist im Überfluß vorhanden. Dies erklärt sich aus der Notwendigkeit, die aus der Landwirtschaft durch die zu niedrigen Löhne vertriebenen Arbeitskräfte zu beschäftigen, während gleichzeitig in der Industrie neue Stellen durch den Produktivitätsfortschritt nur in begrenztem Umfang frei werden. Die Entwicklung der Dienstleistungsberufe muß auch mit der Unzulänglichkeit der kollektiven Dienstleistungen erklärt werden. Um gewisse notwendige Bedürfnisse befriedigen zu können, übernahm der Privatunternehmer die Aufgaben des Staates; eine Rolle, die den PME überlassen wurde, da die Zaibatsu mit Vorzug in den viel profitträchtigeren Sekundärsektor investierten. Die PME installieren sich auch auf dem Terrain der traditionellen Industrie (Konsumartikel, Handwerk), und zwar bevorzugt dort, wo es schwierig ist, auf großer Stufenleiter zu produzieren. In Branchen, in denen die Pro-. duktivität gering ist (Holz, Leder, Textilien, Druckerei). treten sie in Konkurrenz zu den großen Firmen. Sie überleben nur mit Ach und Krach, und manchmal sind sie gezwungen, alte und schlecht bezahlte Arbeitskräfte zu engagieren.
Auf dem Gebiet der Schwerindustrie schließlich (3), spielen die PME die Rolle von Unterlieferanten der grossen Fabriken, die ihnen die Aufträge sowie das zu bearbeitende Rohmaterial liefern. Wenn einer dieser kleinen Betriebe nicht mehr rentabel arbeitet, so hat er die Wahl: entweder er fusioniert mit einem anderen Betrieb oder er verschwindet.
Die PME spielen eine bedeutende Rolle L bei der Entwicklung des japanischen Kapitalismus. Indem sie die am wenigsten rentablen Produkte herstellen, erlauben sie den Zaibatsu, ihre In- 1
vestitionen in die Schlüsselindustrien zu konzentrieren, wo die Profite am größten sind. Sie haben zur Vergrößer= 2 2 ung des Binnenmarktes beigetragen, indem sie Lönne, wenn auch niedrige, an eine zahireiche Bevölkerung zahlen. Sie verringern die Produktionskosten der großen Be- 3 triebe, die ihnen einen Teil ihrer Produktion abkaufen und dadurch Investitionskapital einsparen können. In denjenigen Sektoren, wo es eine wirkliche Konkurrenz zwischen Groß- und Kleinbetrieben gibt, profitieren die ersteren in beträchtlichem Maße von dieser Konkurrenz. Denn die kleinen Firmen haben trotz der niedrigen Löhne im allgemeinen höhere Produktionskosten (teurere Bankanleihen, geringere Produktivität). Unter diesen Bedingungen werden die Marktpreise von den PME bestimmt und die Zaibatsu eignen sich einen Teil des von den PME-Arbeitern produzierten Mehrwerts an, indemsie die Preise der PME-Betriebe übernehmen. Die Zaibatsu benutzen die PME auch, um die Konjunkturschwankungen besser zu meistern. Bis vor kurzem noch hatten die kleinen Betriebe keinerlei Schwierigkeiten, Arbeitskräfte für wenige Monate zu finden, um die Produktion zu erhöhen und sie dann wieder zu entlassen, wenn die Nachfrage nachließ. Während der Rezession schränken die großen Firmen ganz einfach ihre Aufträge an die PME ein, wodurch jedesmal mehrere PME Bankrott gehen. Die Koexistenz zwischen großen und kleinen Betrieben, der "Dualismus" der japanischen Industrie, sind mit den Besonderheiten des japanischen Arbeitsmarktes eng verknüpft; die Akkumulation des Kapitals wurde durch eine äußerst starke Ausbeutung der Arbeiterklasse ermöglicht.
b. Die Ausbeutung der Arbeitskraft
Der japanische Kapitalismus hat sich nur deswegen so schnell entwickeln können, weil es ihm gelungen ist, Zwietracht innerhalb des Proletariats zu sähen und weil er das Auftauchen von mehreren Arbeiterschichten -mit verschiedenen Löhnen und Statuten - - begünstigen konnte. Das führte zu einer Gewerkschaftsbewegung, die im wesentlichen ein Einzelbetriebssyndikalismus ist. Nach dem ersten Weltkrieg tauchen die Lohnunterschiede zwischen großen und kleinen Betrieben auf. Bis 1920 bediente sich die Industrie vor allem weiblicher, doppelt ausgebeuteter Arbeitskraft: Bauerntöchter, die das Elend auf dem Lande in die Stadt getrieben hatte, wo sie bis zu ihrer Heirat arbeiteten. Unorganisierte Arbeitskraft, die auf Gedeih und Verderb gezwungen ist, Frondienst zu leisten. Der Lohn der ihr zugestanden wird bestimmt auf der Grundlage des Einkommens der Bauern auf dem Lande, d. i auf der Grundlage der sozio-ideologischen Umgebung diese. Arbeiterinnen. Mit der Entwicklung der Schwerindustrie wird es jedoch notwendig, den Arbeitern einen tohn zu zeben, der nicht mehr auf dem Lebensni- -8veau der Bauern fußt, sondern der es erlaubt, unabhängig in den städtischen Zentren zu leben und sich dort zu reproduzieren, Die qualifizierte Arbeitskraft ist knapp, und die Konkurrenz zwischen den Zaibatsu bei der Anheuerung dieser Arbeitskraft führt zum System der Daueranstellung und zum Studentengehalt. Noch heute bedeutet es eine Anstellung auf Lebenszeit, wenn es einem gelingt, eine Anstellung bei einer großen Firma zu bekommen --mit der Garantie, daß der Lohn regelmäßig erhöht wird. Manchmal vervierfacht er sich im Laufe einer Karriere. In diesen großen Firmen kann der Lohn dreimal höher sein als der, den die kleinen Firmen für die gleiche Arbeit zahlen, was in den oberen Schichten des japanischen Proletariats das Gefühl erzeugt, zu einer Art "Elite" zu gehören, was wiederum schädlich für die Herausbildung von Klassenbewußtsein ist.
Innerhalb der großen Betriebe besteht eine andere Spaltung, und zwar die zwischen den auf Dauer eingestellten Arbeitern und den Arbeitern auf Zeit. Die ersteren sind die am meisten begünstigten, sie werden selten entlassen, und sie bekommen zahireiche Sonderzulagen (für die Fami lie, für den Weg zum Arbeitsplatz, für die Wohnung, Produktivitätsprämien etc.). Dafür müssen sie sich "diszipliniert" verhalten: sie müssen jederzeit bereit sein, Überstunden zu machen; sie müssen Versetzungen und Erhöhungen des Arbeitstempos widerspruchslos akzeptieren. Hinzu kommen zahlreiche Verpflichtungen: die Automobilfirma Toyota schreibt ihren Angestellten vor, nur Modelle ihrer Firma zu fahren. Die Werbefirma Deutsu verbietet ihren Angestellten, öffentlich ein ungünstiges Urteil über irgendeinen Artikel abzugeben (potentieller Kunde!), die einzige Ausnahme ist "Coca Cola", denn Deutsu bemüht sich um die Gunst von "Pepsi-Cola"... Die Zeitarbeiter werden auf dem Lande rekrutiert, fur einige Monate engagiert und sind jederzeit kündbar, ohne daß eine Entschädigung gezahlt werden müßte. In den PME sind die Bedingungen noch schlimmer: niedrige Löhne, keine sozialen Vorteile, anstrengende Arbeit, kaum verankerte Gewerkschaften. Der Beschaftigte einer PME hat nur die schwache Hoffnung, daß er eines Tages durch eine große Firma akzeptiert wird, Sein Status ist jedoch noch besser als z. B. der der Minenarbeiter von Kyushu, die gezwungen sind zusammenzuleben -- unter dem direk• tem Befehl und unter permanenter Aufsicht durch den Kapitalisten. Schließlich gibt es in Japan noch drei Mio Parias, die die sogenannte Gemeinschaft von "Baraku" biiden und die als Kaste eine ähnliche Diskriminierung erteiden wie die unter der sozialen Unterdrückung leidenden Schwarzen in den USA.
c. Ein vertikaler Syndikalismus
Die japanische Gewerkschaftsbewegung (9 360 000 Mitglieder im Jahre 1968) fußt auf Betriebsgewerkschaften. Sie spielen die wesentliche Rolle bei den Verhandlungen mit den Unternehmern, selbst wenn sie mit einem nationalem Gewerkschaftsbund oder Verband verbunden sind. Sie sind vor allem in den großen Betrieben verankert. Der Grad der gewerkschaftlichen Organisierung beträgt in den Betrieben mit über 500 Beschäftigten durchschnittlich 60%, in den PME mit 30 bis 100 Personen 10%. Die Unternehmer setzen voll auf die Karte der Integration. Sie zögern nicht, gewerkschaftliche Aktionen zu unterstützen, wenn dadurch nur die jährlich stattfindenden Lohnverhandlungen erleichtert werden.
Es gibt drei nationale Gewerkschaftsbünde: die nationale Industriegewerkschaft, der Industrieverband der Firmengewerkschaften, die Organisation der Arbeiter des öffentlichen Dienstes. Diese Verbände haben wenig Macht. Sie sind abhängig von den Firmengewerkschaften, von denen sie finanziert werden und die ihre Permanenten bestimmen. Sie können nicht in die Firmenverhandlungen intervenieren und im öffentlichen Dienst sind Lohnverhandlungen ebenso wie Streiks verboten. Die zwei größten Gewerkschaftsverbände sind Sohyo (4 Mio Mitglieder) und Domei, Sohyo -- 60% seiner Mitglieder sind im öffentlichen Dienst beschäftigt -- beruft sich in seinen Prinzipien auf den Klassenkampf und ist mit der Sozialistischen Partei verbunden (4). Da die Löhne der Beamten durch den Staatshaushalt bestimmt werden, besteht die Hauptaktivität der Sohyo darin, im Herbst (Vorbereitung des Budgets) und vor allem im Frühjahr (Annahme des Budgets) Kampagnen zu lancieren, um Druck auf die Regierung auszuüben und Lohnerhöhungen zu erhalten, Die "Frühjahrsoffensiven", die 1951 begonnen haben, erweisen sich als von Jahr zu Jahr wirksamer und eine wachsende Anzahl von Arbeitern beteiligt sich an ihnen. Die Verhandlungen, die allmonatlich zwischen Unternehmern und Betriebsgewerkschaften geführt werden, können von nun an die Forderungen der Soyho nicht mehr übergehen. Auf diesem Umweg kommt eine wachsende Tendenz zur Vereinheitlichung der japanischen Arbeiterklasse zum Ausdruck (5). Die Sohyo führt übrigens eine aktive Propa- > ganda für den Frieden und gegen die amerikanische frăsenz in Okinawa und in Vietnam.
Was die Domei angeht, die das Ergebnis einer Fusion zwischen abtrünnig gewordenen Sektionen der Sohyo und einer Organisation, die Klassenzusammenarheit predigte, ist, so versucht sie die Forderungen so mäßig wie möglich zu halten und sie empfiehlt ihren Mitgliedern, sich im Rahmen der Möglichkeiten des Betriebes zu halten. Sie legt Wert darauf alsden amerikanischen Gewerkschaften nahestehend zu gelten.
Aufgrund ihrer Spaltung, ihrer historisch erklärbaren Schwäche und aufgrund der herrschenden Ideologie der Disziplin muß die japanische Arbeiterklasse die härtesten Arbeitsbedingungen aller fortgeschritteneren kapitalistischen Länder ertragen. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 46,5 Stunden. Der jährliche Urlaub beträgt nicht mehr als zwei Wochen, die aufgrund des "moralischen" Drucks, den die Unternehmer ausüben und aufgrund der dringenden Notwendigkeit für jeden, sich ein Rentenfonds fürs Alter zurückzulegen, übrigens nur selten in Anspruch genommen werden. Das maximale Herunterdrücken der Produktionskosten durch die Kapitalisten führt zur systematischen Zerstörung der natürlichen Umwelt und der historischen Stadtzentren. So rufen z, B. die Quecksilberverbindungen, ein Abfallprodukt der Firma Shin Nihon Chisso (6) die "Minimatakrankheit" hervor, die schon 83 Todesfälle verursacht hat; der Yokkaichi-Firmenkomplex in der Nähe von Nagoya ist Verursacher des "Yokkaichi-Asthma" ; für die Einwohner des Departements Toyama (im Zentrum von Hondschu) hat man die "Itai-Itai-Krankheit" reserviert (Kalzium- Vergiftung). Ein Psychiater aus Tokio erklärte: " Ein Drittel der japanischen Lohnabhängigen leidet augenblicklich unter Neurosen. "
III. JAPAN INNERHALB DES IMPERIALIS TISCHEN WELTSYSTEMS
Die ökonomische Wiedergeburt Japans nach 1945 konnte nur stattfinden, weil der amerikanische Imperialismus, der ein höheres politisches Interesse darin sah, es so wollte. Dadurch haben die USA dem japanischen Imperialismus zugestanden, sich ebenfalls in den "unterentwickelten"Ländern zu verankern und dadurch haben sie sich auch einen gefährlichen Konkurrenten auf dem Weltmarkt geschaffen.
Seit den Anfängen des japanischen Kapitalismus hat der Aussenhandel eine wesentliche Rolle gespielt. Gleich nach dem Machtantritt von Meiji (oder Meiji Mutsu- Hito, Kaiser von Japan von 1867 bis 1912; er schaffte 1868 das Shogunat und das Feudalregime ab) , im Jahre 1868, mußten die großen Produktionseinheiten -- die von der herrschenden Klasse rasch aufgebaut wurden, um der westlichen Wirtschaft Paroli bieten zu können -aufgrund der natürlichen Armut des Landes ihre Rohstoffe außerhalb Japans suchen. Da die Löhne niedrig waren und die Bevölkerung noch der traditionellen > Lebensweise verbunden war, blieb der Binnenmarkt unterentwickelt und die Warenexporte wurden zu einer Notwendigkeit.
1945 , nach der Niederlage, haben sich die Bedingungen verändert: der Binnenmarkt öffnet sich weit, da die gesamte Wirtschaft wieder aufgebaut werden muß. Bis -9-
: 96t st es die wesentliche Aufgabe der Exporte (Warer ind Kapital) den Import von Rohstoffen, Nahrungsmittelt: und technologischen Neuerungen in Form von Patenten zu finanzieren. Seit 1960 zieht Japan Profit aus der Stiztegie des US-Imperialismus, die darin hesteht in alle. Eile gewisse Länder der dritten Welt, die jazu auserko ren werden eine Rolle als Unteroffiziere der Freien Welt zu spielen, zu industrialisieren(siehe v.a. Brasilien). Auf diesem Gebiet verdanken die japanischen Erzeugnisse ihren Erfolg teilweise ihrer Wettbewerbsfähigkeit, die wiederum ihren Ursprung in der schamlosen Ausbeutung der Arbeiterklasse hat. Hinzu kommt die Rolle, die die großen Handelsgesellschaften. unter deren Kontrolle 80% der Exporte und 70% der Importe stehen, als antresbende Kraft spielen. Diese Gesellschaften sind von den großen Zaibatsu abhängig: ihre Aufgabe besteht darin, im Ausland die Produkte der Gruppe, zu der sie gehöre:. zu verkaufen. Die vier größten Gesellschaften sind: Mitsubishi Shoji (von Mitsubishi), Mitsin und Co (Mitsus), Itoh und Co (Sumitomo) und Marubeni lida (Fuii - Bank - Gruppe; Der Errichtung einer Export-Import-Gesellschaft in ex nem Land der "Dritten Welt" foigt normalerweise die Errichtung eines Industrieunternehmens derselben Grup pe. Das Verfahren ist einfach: wenn die Handelsgesel! schaft den Produkten (Textilien, Konserven etc.) eine große Verbreitung in der lokalen Industrie gesichert hat. schlägt der Zaibatsu den einheimischen Geschäftsleuter vor, mit ihnen zusammen eine Fabrik zu errichten, die an Ort und Stelle diejenigen Produkte produziert, die bisher eingeführt worden sind. Selbstverständlich ist es dann der Zaibatsu, der das Kapital und die zur Errichtung der Produktionsstätte notwendigen schweren Ausrüstungsgüter zur Verfügung stellt. In der Folge wird die Gruppe Extra-Profite einstreichen, indem sie die billigen lokalen Arbeitskräfte ausbeutet.
Die Handelsgesellschaften erfüllen auch eine Schutzfunktion für den japanischen Markt: die ausländischen Firmen, die sich in Japan festsetzen wollen, müssenihre Vermittlung in Anspruch nehmen, Die Industriegruppen können ihre ausländischen Konkurrenten auf dem nationalen Markt auswählen. Schließlich werden die Handelsgesellschaften durch das Ministerium für Internationalen Handel und Industrie, das berühmte MITI, unterstützt und bei ihren Aktivitäten angeleitet. Das MITI sammelt Meinungen der Wirtschaftsführer und gibt ihnen ihrerseits seine Ratschlaze. um die Firmen bei ihrer Exportpolitik anzuleiten. 1969 gingen 31% der Exporte in die USA und 27% der Importe kamen aus den USA. Die billigeren japanischen Produkte finden spielend leicht Abnehmer am anderen Ufer des Pazifiks, eine Invasion, der man nur mithilfe ou Besciränkungsmaßnahmen Her werden kann (Siehe Teil IV). 34% des Stanlverkduts, 75% des Fernsehen: pfängerverkaufs. 48% des Auto-Verkaufs strömen ir die USA. Man kann anhand dieser Zahlen den Grad der ein wirtschaftlichen Abhängigkeit Japans von den US* ermessen, zu der noch die politisch-militärische Abnangigkeit hinzukommt, 40% des japanischen Handels jedoch werden mit der "Dritten Welt" abgewickelt, was ein sehr hoher Prozentsatz für ein kapitalistisches Land ist. Japan beteiligt sich damit an der imperialistischen Globalstrategie, die darin besteht, nationale Bourgeoisien zu schaffen, die in der Lage sind, sich den Keulenschlägen der Revolution entgegenzustellen, Die Region, an der die Erben des Mikado am direktesten interessier' sınd, ist selbstverständlich Ostasien und Südostasien, von Pakistan bis Korea, über Ceylon und Indonesien, Ein Gebiet, das für den Imperialismus von strategisch wichtiger Bedeutung ist wegen seiner Reichtümer an Bodenschätzen, an Erdöl und wegen seines politischen und menschlichen Faustpfandes, den es darstellt. Die Handelsbilanz zwischen den Ländern dieser Region und Japan ist für letzteres äußerst vorteilhaft. Japan exportierte 1970 nach Korea 3, 6 mal mehr als es von dort imporderte, 2,8 mal mehr nach Formosa und 2,4 mal mehr naci Thailand, Das Defizit wird durch öffentliche japanische Hilfe finanziert (siehe weiter unten). Eane andere Interessenzone: der Nahe Osten, der 90% des japanischen Erdöls liefert. Die barbarische Diktatur des Schahs von Persien, der lokale Pfeiier der Konterevolution, wird von den japanischen Kapitalisten besonders bevorzugt. Die Hauptkunden Lateinamerikas sind Brasilien und Mexiko._Außerordentlich gute Geschäfte werden außerdem mit Südafrika gemacht. Mitsubishi wird in diesem Land eine Stahlfabrik im Wert von 33 Mio Dollar errichten.
Die Warenexporte werden ergänzt durch massive öffentliche und private Kapitalexporte. Japan beschränkt sich nicht mehr nur darauf, aus der "Dritten Welt" billige Rohstoffe zu beziehen, sondern es bemüht sich auch , die billigen Arbeitskräfte auszubeuten. Es versucht sich auch auf den Märkten der westlichen Länder zu etablieren (ungefähr ein Viertel der Privatinvestitionen fliessen nach Nordamerika, wo vor allem Finanz- und Handelsoperationen getätigt werden). 1970 nahm Japan Platz zwei auf der Weltrangliste für den Kapitalexport in die "unterentwickelten" Länder ein. Schon von jeher im Bergbausektor aktiv, investieren die Zaibatsu heute auch in der Großindustrie. Diese neue Orientierung hat mehrere Motive: Suche nach billigerer Arbeitskraft (7); um die Konkurrenz, die die Länder der "Dritten Welt" den japanischen Produkten zu machen beginnen, zu unterminieren: schließlich ist das Ziel gewisser Investitionen in der Schwerindustrie, das Defizit der jeweiligen Länder zu 0-
verringern und ihnen dadurch zu erlauben, weiterhin japanische Produkte zu importieren. Dank der konzertierten Aktion der Handels- und Industriefirmen, die einen den Weg für die anderen bahnend, ist die japanische Strategie der wirtschaftlichen Durchdringung ungeheuer wirksam und läßt manchmal die amerikanischen Manager vor Neíd erblassen, 33% des ausländischen Kapitals waren 1971 in Thailand japanisch, nur 18% US-amerikanisch. Die Extraprofite werden durch die Banken der Zaibatsu konzentriert, die sie dann wieder auf die profitträchtigsten Sektoren verteilen, was eine mächtige, maximal durchrationalisierte Kapitalakkumulation erlaubt. Die Zaibatsu nehmen sich bei ihrem wirtschaftlichen Festsetzungsprozess oft lokale Geschäftsleute als Teilhaber ihrer Unternehmungen. Einmal um sie für die japanische Sache zu gewinnen und um für sich dabei Vorteile herauszuschlagen (8), schließlich um die Bildung von nationalen Bourgeoisien zu begünstigen, die Hilfe bei der Aufrechterhaltung der konterrevolutionären Ordnung leisten sollen. Diese wirtschaftliche Durchdringung durch die Privatindustrie ist unlösbar verknüpft mit der offiziell durch den japanischen Staat gelieferten Hilfe. Eine "Hilfe", die in Wirklichkeit eine Art verschlci erte Unterstützung für die Zaibatsu darstellt, denn sie ist so angelegt, daß sie die Empfängerländer zum Import japanischer Waren zwingt. Die öffentliche Hilfe ist in Wirklichkeit im wesentlichen eine Kapitalhilfe. Dazu gehören z. B. die Exportanleihen, die durch die Import-Export- Bank ausgegeben werden. Diese Anleihen erlauben es den thailändischen, koreanischen und brasilianischen Regierungen, auf Kredit japanische Produkte zu kaufen. Die technische Hilfe hat dieselbe Funktion: wenn ausländische Studen-. ten nach Tokio kommen, um Technikerlehrgänge zu machen, dann lernen sie selbstverständlich auf japanischem Material... Die Experten oder Freiwilligen, die in die "Dritte Welt" geschickt werden, um sich mit Landwirtschaft, Fischfang oder dem Kommunikationswesen zu beschäftigen, landen selbstverständlich mit ihrem eigenen (japanischem) Material und mit japanischen Ausrüstungsgütern, Die Techniker, die damit beauftragt sind, Studien für die Errichtung von Brücken, von Straßen, Häfen usw, anzufertigen... enrechnen wie selbstverständlich Konstruktionsnormen, die dem japanischem Material entsprechen.
Seit Anfang der 60er Jahre führte das Wachstum der einzelnen kapitalistischen Wirtschaften zu einer verschärften internationalen Konkurrenz und zu einer immer stärkeren gegenseitigen Abhängigkeit der entwickelten kapitalistischen Länder untereinander. Indem sie über billige Arbeitskräfte, eine Bank mit beträchtlichen Geldmitteln, eine vielfältige Industrieproduktion und dynamische Handelsgesellschaften verfügen, befinden sich die Zaibatsu auf dem Weltmarkt in einer Position der Stärke, Die Tendenz zum "Verlassen" Japans hat sich verstärkt: einerseits mit der Verschärfung der Krise des US-Imperialis- -11• mus, den der japanische Imperialismus in Südostasier. auf wirtschaftlichem Gebiet tendenziell ablösen wird; andererseits mit den Schwierigkeiten, den en sich seil Mitte 1970 die Kapitalakkumulation im Innern des Lan des konfrontiert sieht. Diese Schwierigkeiten sind das Ergebnis der Akkumulation selbst und des raschen Wach: tums der japanischen Wirtschaft im Vergleich mit den westlichen Industrienationen.
IV. WOHIN TREIBT JAPAN a. Die Folgen des" Wunders"
Das Anwachsen der Produktion und die Entwicklung des tertiären Sektors haben gegen Ende der 60er Jahre zur Erschöpfung der Arbeitskraftreserven und zu einem Erwachen der Kampfkraft der Arbeiter geführt. Hier zeigt sich einer der dem Kapitalismus inhärenten Widersprüche: indem die Kapitalisten ihre Investitionen und ihre Macht vergrößern, stärken sie als Klasse ihren eigenen Gegenpol, die Arbeiterklasse.
Die Schrumpfung der Arbeitskraftreserven für die Industrie (teilweise dadurch bedingt, daß die Handwerker, Bauern und kleinen bankrotten Unternehmer vom Tertiär sektor absorbiert werden, wo die geforderte Qualifikation geringer und die Arbeitsbedingungen besser sind) ruft einen heftigen Konkurrenzkampf zwischen denjenigen Unternehmen hervor, die die qualifizierten Arbeiter an sich binden wollen (9). Die Gewerkschaftsbewegung hat daraus Profit gezogen und in diesen letzten jahren wichtige Lohnerhöhungen erhalten, dank der "Frühjahrsoffensiven" der Sohyo.
1967 1968 1969 1970 Produktivität 16,5% 14,3% 15% 13,9% Löhne 12,9% 15,6% 17,3% 17,5% Preis der Arbeits- -3,3% 1,1% 2,0% 3,5% kraft Die gewerkschaftlichen Aktionen werden zwischen kleinen und großen Betrieben immer besser koordiniert, Diese Aktionen, sowie die Konkurrenz zwischen großen Betrieben und den PME auf dem Arbeitsmarkt hat eine tendenzielle Homogenisierung der Lohne zur Folge, was zahlreiche PME nicht überstehen können. Die Konkurse haben sich daher in den letzten drei Jahren gehäuft (9 500 im Jahre 1970). Man wohnt daher heute dem fortschreitenden Verschwinden des "Dualismus" der japanischen Wirtschaft bei.
Wir haben untersucht, welche Rolle die PME beim Akkumulationsprozess des Kapitals spielen: Senkung der Produktionskosten, Extraprofite für die Zaibatsu, Abfließen der Investitionen in diejenigen Sektoren, in denen die Produktivität am größten ist. Das Verschwinden des Dualismus unterminiert alse cinen der
Grundpfeiler des japanischen Wirtschafts wunders nach dem zweiten Weltkrieg.
Um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Ausland trotz der Lohnerhöhungen aufrechtzuerhalten, haben die Kapitalisten die Produktivität nochmals erhöht.; sie haben 1968 und 1969 sehr bedeutende Investitionen vorgenommen. Das Resultat wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1970 sichtbar: Überproduktion auf dem Gebiet von Ausrüstungsgütern und von langlebigen Konsumgütern, Verstopfung des Binnenmarktes. Japan macht daher augenblicklich eine Rezession durch, Die Keidanren schätzt, daß sie innerhalb eines Jahres überwunden sein wird. b. Ist ein neuer Aufschwung von innen her möglich ≥ Von Oktober 1970 bis März 1971 sind die Nettoprofite von 362 an der Börse notierten Gesellschaften gegenüber dem vorhergehenden Semester um 5, 8% gesunken. Diese Senkungen betreffen vor allem die Stahlindustrie, die elektronische Industrie und die Autoindustrie. Unfähig auf den Konsumgütersektor auszuweichen, wo die Produktivität geringer ist, haben die großen Firmen geduldig ein Wiederanwachsen der inneren Nachfrage abgewartet und haben ihre Produktionskapazitäten zur Erhöhung des Exports ausgenutzt. 1970 steigen die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 21%, 1971 nochmals um 25%. In dieser Konjunktursituation hat die Regierung Nixon im vergangenen August (1971) eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die 1. die amerikanische Wirtschaft wieder ankurbeln sollten (Lohnstop), 2. die Folgen der durch Importe verschärften Konkurrenzlage mildern sollten (10%ige Einfuhrsteuer), 3. die Vorherrschaft des US-Imperialismus aufrechterhalten helfen sollten (nichteinlösbarkeit des Dollars). Diese Maßnahmen trafen die japanische Wirtschaft, die gerade dabei war sich von einer Rezession zu erholen, mit voller Wucht, Am 15. Oktober mußte die Regierung Sato ein Abkommen unterzeichnen, das vorsah, daß die Exporte von japanischen Textilien in die USA eingeschränkt werden. Trotz dieser Konzessionen von Seiten Tokios wurde der Yen im Dezember 1971 um 17% aufgewertet und der Dollar um 8% abgewertet(10). Das ändert jedoch nichts daran, daß die japanische Zahlungsbilanz auch weiterhin große Überschüsse hat und daß der Druck auf den Yen weiterbesteht, und somit ein permanenter. Unsicherheitsherd im internationalen Währungssystem geschaffen wurde. Die japanische Regierung versucht nun, den wirtschaftlichen Wiederaufschwung dadurch zu sichern, daß sie die Großbourgeoisie drängt, sich auf den Binnenmarkt zurückzuziehen. (11) Sie hat schon diesbezügliche Entscheidungen getroffen: Erhöhung der Haushaltausgaben und Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums. Der Erfolg dieses Versuchs bleibt problematisch, -12- Wenn es auch richtig ist, daß die Exporte nur 10% ausmachen, so spielen doch im Akkumulationsprozess des Kapitals gerade sie eine bedeutende Rolle, sind doch die Exporte für die Schwerindustrie eine Art Sauerstoffflasche. Man wird sich zurecht fragen, wie man es anstellen will, daß sich die Zaibatsu eines besseren bekehren lassen, daß sie ihre Aktivitäten auf Wirtschaftszweige hinorientieren, wo die Profitaussichten geringer als in der Metallindustrie und in der Petrochemie sind. Nach Aussagen der Experten werden die öffentlichen Ausgaben für das Wohnungswesen, flir das Transportwesen und die Forschung, sowie für den Kampf gegen die Umweltverschmutzung nur beschränkten Einfluß auf die Höhe der Investitionen haben. Umso mehr als ein Widerspruch auftaucht: die Parole "sich auf den Binnenmarkt zurückziehen" hat nur dann einen Sinn, wenn man die Löhne erhöht. Aber die Erhöhung der Investitionen in den Branchen, wo die Produktivität schwach ist, impliziert die Begrenztheit solcher Lohnerhöhungen. Um die Forderungen der Gewerkschaften in gemäßigte Bahnen zu lenken, bemühen sich Regierung und Keidanren eine Atmosphäre der Krise in der Arbieterklasse zu schaffen: "Die japanischen Geschäftsmänner sind gezwungen, auf dem Arbeitssektor eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen zu ergreifen, Die Unternehmerverbände haben schon angefangen, den Köpfen der Arbeiter ein Krisengefuhl einzuhämmern, Sie ermahnen die Arbeiter mit der Direktion zusammenzuarbeiten, um dadurch zu vermeiden, daß ihre Firma in der jetzigen scharfen Rezession zusammenbricht, " (Oriental Economist, Nov. 1971) In dem Maße wie die Möglichkeiten eines Rückzugs auf den den inneren Markt begrenzt zu seinscheinen, werden die Exporte also weiterhin zunehmen, Um ihren Handelsüberschuß gegenüber der kapitalistischen Welt abzuschwächen, bleibt den japanischen Kapitalisten nur noch übrig, sich •den Arbeiterstaaten, vor allemder VR China und der Sowjetunion, zuzuwenden, Die Wirtschaftsgesetze stoßen hier mit denen der Politik zusammen: diese Umorientierung des japanischen Außenhandels kann sich infolge der japanischen Abhängigkeit von den USA und aufgrund der Rolle Japans in deren weltweiter Strategie nur sehr langsam vollziehen.
c. Die Verteidigung de "vitalen Interessen" "Japan importiert aus Übersee Rohstoffe, die es auf seinem eigenen Territorium in Exportprodukte verarbeitet. Seine Industrie ist vollkommen vom Außenhandel abhängig und diese Abhängigkeit wird in Zukunft noch zunehmen, Schon heute kommen 90% des Erdöls, das wir verbrauchen, über den Indischen Ozean und durch die Meerenge von Malakka aus dem Nahen Osten, Andererseits nehmen die Investitionen, die wir im Ausland machen, um an die Rohstoffe heranzukommen, schnell zu und wir werden uns gezwungen sehen, unsere Rechte und unsere Konzessionen in angemes-
Fließband in einer Motorradfabrik sener Weise zu schützen. Wir können unsere Augen nicht weiterhin vor der unstabilen Situation verschließen, die bei einigen unserer Nachbarn herrscht und das Problem unserer Sicherheit läßt sich nicht auf die Hauptinseln, die unser Mutterland formen, beschränken. " (Erklärung von Kikawada, Präsident der Tokio Elektric Power). Das ist eine offene Sprache. Das Militärbudget nimmt ständig zu, trotz des Artikels 9 der Verfassung, in dem es heißt, daß "Niemals wieder Boden- und Seestreitkräfte oder anderes Kriegspotential aufgebaut werden soll. " Heute zählen die "Selbstverteidigungsstreitkräfte", die mit ultramodernem Material ausgerüstet sind, 260 000 Mann und die Mannschaftsstärke der Polizei beträgt (12) 210 000 Mann. Die japanischen Unternehmer schätzen die Fähigkeit der US-Truppen, ihre Interessen zu verteidigen, immer skeptischer ein. Der "Nixon-Schock". der durch Nixons Reise nach Peking ausgelöst wurde, hat die Lage nicht verbessert.
Die Zaibatsu sind für eine Erhöhung der Militärausgaben. Die Rüstungsindustrie hat in der Tat alle Vorteile auf ihrer Seite: sie ermöglicht es, die Profite aufrecht zu erhalten, während man sich gleichzeitig auf den Binnenmarkt zurückziehen kann, ohne dabei eine Überproduktion von Konsumgütern zu verursachen; sie erlaubt es, technologische Neuerungen zu entwickein, um neue Produktivitätssteigerungen zu erhalten und um dadurch die Lohnerhöhungen zu kompensieren.
Allein der Pazifismus der japanischen Massen kann die militaristische Orientierung der Wirtschaftspolitik bremsen. Diese pazifistische und antiimperialistische Stimmung hat sich letztes Jahr in mächtigen Bewegungen gegen die US-Politik in Indochina Ausdruck verschafft. Am 19. November haben zwei Millionen Streikende gegen die Beibehaltung der Militärbasen in Okinawa protestiert; dabei kam es in Tokio und Osaka zu heftigen Auseinandersetzungen.
Das Problem der japanischen Wiederaufrüstung und damit die zukünftige Orientierung der zweitgrößten kapitalistischen Macht muß in letzter Instanz bestimmt werden im doppelten Rahmen der Entwicklung des internationalen und des innerjapanischen Kräfteverhältnisses zwischen den antagonistischen gesellschaftlichen Klassen. Geneviève Adam 25. 6.1972 (1) Supreme Command of the Allied Forces (2) Weniger als 300 Arbeiter und weniger ais 50 Mio Yen Kapital (3) besonders Schiffbau, Maschinenindustrie, elektrische Industrie, Radio und Fernsehen (4) die sozialistische Partei ist die wichtigste wartei der japanischen Linken und hinter der konservativen Regierungspartei die zweitgrößte Partei des Landes. Mit 25% hat sie fünfmal mehr Wähler als die Kommunistische Partei.
(5) Spätestens seit den letzten Wahien im Dezember 1972, bei denen ein erheblicher Linksruck stattgefunden hat, ist klar, daß sich die Klassenantagonismen zuspitzen. So ist es nicht verwunderlich, daß die diesjährige"Shunto" oder Frühjahrsoffensive der Gewerkschaften außer den normalen Lohnforderungen auch Forderungen zur Verbesserung der Sozialleistungen (Krankenkassen usw.) und Arbeitsbedingungen stellte; gleichzeitig wurde die sehr wichtige Forderung nach Streikrech für Arbeiter und Beamte des öffentlichen Dienstes vou Millionen von Arbeitern übernommen. Die Bereitschaft der verschiedenen Berufsgruppen, den Kampf gemein sam zu führen, ist gewachsen (Eisenbahner, U-Bahn- Personal, Straßenbahn, Piloten, Krankenhauspersonal, Postbeamte, Docker). Ein weiterer Gradmesser für die wachsende Unruhe innerhalb der japanischen Arbeiterklasse waren die riesigen 1. Mai Kundgebungen überall im Lande. Allein in Tokio strömten 300 000 zu einer Kundgebung. Im ganzen sollen an diesem 1. Mai etwa 7 Mio Arbeiter demonstriert haben • Der Generalstreik vom 26./27.
April dieses Jahres zwang die Regierung Tanaka, nachzugeben und außer ziemlich hohen Lohnerhöhungen auch Versprechungen hinsichtlich der anderen Forderungen zu machen (INPREKORR-Redaktion). (6) Neue Nitrochemische Industrie (7) die von den japanischen Industriellen in Thailand realisierte durchschnittliche Profitrate beträgt 25%. Ph. Pors schreibt in der Nummer vom Februar 1969 von "Temps modernes", die japan gewidmet ist, fotgendes: "Die Investitionspolitik im Ausland kann man erklären als "Verlagerung" des nationalen Proletariats". (8) indem sie auf die phantastischen Möglichkeiten der Korruption setzen 3-
(9) Das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen in der Industrie ist von 1965 bis 1969 von 1,6 auf 0,8 gesunken.
(10) das bedeutet, daß die japanischen Waren in den USA 25% teurer verkauft werden müssen als zuvor. (11) siehe dazu das Interview von Shigeo Nogan, Führer von Nippon Steel, in Nouvel Observateur vom 29. April 19T2 (12) Unmittelbar nach dem Kriege gab es nur 75 000 Polizisten und nur 8.000 Mann im Marineverteidigungsbitol Anti-Kriegsmarsch in Okinawa 14-