DIE CHILENISCHEN ARBEITER ORGANISIEREN DIE VERTEILUNG +++*+*+*++++++ +++++++ ++ ++++ +++• +++++ So wie im Produktionssektor große und unversöhnliche Konflikte zwischen dem privaten und dem staatlichen Sektor, in denen in unterschiedlichem Ausmaß Arbeiterpartizipation und Arbeiterkontrolle durchgesetzt sind, existieren, so sind auch auf dem Sektor der Kommerzialisie rung heftige Konflikte ausgebrochen, und der grundlegende Antagonismus wird täglich deutlicher. Auf der einen Seite sind die Kapitalisten, die verschiedenen Schichten von privaten Händlern, dieser Sektor kämpft um jeglicher Verteilung in Privathände, um vollständige "'Freiheit" des Handels. Auf der anderen Seite ist die Masse der Verbraucher, die jeden Tag bewußter für die Zentralisierung der Verteilung unter Kontrolle des Volks kämpft. Im Zentrum, zwischen diesen beiden antagonistischen Kräften, sind die Regierung und die Reformisten, die versuchen, ein Gleichgewicht zu wahren, das immer unhaltbarer wird. Was die unmittelbaren Ursachen für die gegenwärtige Knappheit angeht, so können wir auf- 1) Der imperialistische Boykott. Dies fing schon an, bevor Allende die Regierung noch übernommen hatte, und als er eingesetzt wurde, nahm der Boykott ernsthafte Ausmaße an. Der Fall "Kennecott Copper" ( eine Firma, die gerichtliche Schritte unternahm, damit der expor fierte Kupfer aus den nationalisierten Bergwerken für sie beschlagnahmt wurde) und die Einstellung der Lieferung von Maschinen und Einzelteilen sind bekannte Beispiele. 2) Niedrige I andwirtschaftliche Erzeugung. Der Hauptgrund dafür ist, daß bei der Durchführung der Agrarreform die Regierung den Landbesitzern erlaubte, Maschinen, Vorräte, Saat gut usw. aus den konfiszierten Ländereien mitzunehmen. Hinzu kommt noch, daß die Großgrundbesitzer, die ihr Land noch haben, keinerlai Interesse darin sehen, die Produktion voranzutreiben. Schließlich bildet die Bürokratie, die mit der Durchführung der Landreform beauftragt ist, nicht gerade einen Stimulus für die Entwicklung des revolutionären Potentials der Bauernschaft.
3) Sabotage durch die Industriellen. Viele solcher Fälle sind von der Arbeitern dargelegt worden: die Bosse wollen die Ausrüstung nicht erneuern. Sie wollen die Maschinen nicht reparieren. Sie wollen keine Rohstoffe, ja nicht einmal lebensnotwendige Maschinenteile kau- 4) Spekulation. Sie ist zum profitabelsten Sektor der chilenischen Wirtschaft geworden. Die großen Kapitalisten, die die Möglichkeit erkannten, ihre Investitionen über Nacht zu ver doppeln, leiten ihre Gelder auf dieses Feld, und das betrifft auch die Summen, die die Landbesitzer dank der "demokratischen"" Landreform bekommen haben.
5) Die angewachsene Kaufkraft der Arbeiterklasse. Früher war die Arbeiterklasse strikter Rafionierung unterworfen, denn die Schaufenster und Auslagen der Läden waren voll von Waren, die sie aufgrund ihrer niedrigen Löhne nicht kaufen konnten. Heute sind die Löhne als Ergebnis ihre Kampfes höher.
Was die Auswirkungen der Knappheit angeht: Die eine ist die, daß sich lange Schlangen bilden, manchmal warten Hunderte von Personen, um einen Liter Öl, ein Kilo Waschmittel, ein Paket Zigaretten, eine Rolle Toilettenpapier, eine Tube Zahrpasta oder sonst etwas zu kaufen. Einige Waren werden sofort, nachdem sie fertiggestellt wurden, gekauft: Blätter, Stiefel, Kühlschränke usw. Eine andere Auswirkung ist der Schwarzmarkt, ein weiter Schwarzmarkt. Viel wird auch gehortet, wovon einiges entdeckt wurde, anderes nicht. Die Rechte nutzt das aus und führt eine große Kampagne über Presse, Rundfunk und Fernsehen zur Diskreditierung der Regierung durch. Während der Wahlkampagne überschwemmte sie die Straßen mit Flugblättern. All das hatte der Erfolg, daß ein Teil der Mittelklasse nach rechts schwenkte.
Die Regierung, die über die 'Distribuidora Nacional' (DINAC = Nationale Verteilungsbehörde) und andere Körperschaften weniger als die Hälfte des Großhandels kontrolliert, hat Anstrengungen unternommen, die Verteilung zu rationalisieren, ohne den Geschäftsleuten in
die Ureiheit zum one Dit Kor Untertische Pader Orienaise dorende Bei richiging ihrer Freiheit zum rung hat auch die JAP ( = Versorgungs- und Preiskontrol/behörden) gegründet, die theoretisch von den ortsansässigen Leuten und von den Kaufleuten der Nachbarschaft gebildet werden sollen. Die JAP haben die Aufgabe, die Waren, die von den nationalen Verteilungsbehör den in jede Gegend geschickt wurden, in Empfang zu nehmen und unter den Händlern der Gegend zu verteilen.
Die Macht dieser Körperschaften Fluktuiert, je nachdem wieviel Druck auf die Regierung ausgeübt wird und je nachdem wieviel Engagement die Bevölkerung zeigt. Früher hatten die JAP eine weitreichende Macht. Aber in der Folge wurde ihre Rolle eingeschränkt, viele ihrer Beamten wurden zur Polizei versetzt, während zugleich Militäroffiziere in die Spitzenstellen des Verteilungssystems kamen. Auf ihrem Höhepunkt überwachten die JAP, abgesehen davon, daß sie die Waren annahmen und an die Händler verteilten, die Preise und das Abwiegen der auf dem Ladentisch verkauften Produkte. Oft kontrollierten sie auch, daß die gleichen Waren nicht an zwei Mitglieder derselben Familie verkauft wurden. Wenn die Dinge einmal diese Ebene erreicht hatten, sahen die Verbraucher ein, daß sie "unbezahlte Angestellte der Ladeninhaber" waren, sie merkten, daß die Händler überflüssig waren. Die Elendsviertel im Slumgürtel um Santiago und andere Städte herum waren in der Avantgarde dieser Bewegung, so wie in anderen Sachen ebenfalls. Es gibt viele Gründe dafür: - Ihre proletarische oder halbproletarische Zusammensetzung.
- Die Kombativität und Organisiertheit waren bei ihnen von Anfang an vorhanden, da ja der Terrain, auf dem sie gebaut sind, mit Gewalt besetzt werden mußte, was frühzeitige Organisierung und das Bestehen in vielen Zusammenstößen mit der Polizei notwendig machte. In vielen dieser Elendsviertel wie z. B. in "Neu Habana" wurden die Blockorganisationen bis heute beibehalten.
- Viele von ihnen werden von Mitgliedern der MIR ( Movimiento de Izquierda Revolucionaria = Bewegung der revolutionären Linken) oder der linken Sozialisten geführt. - Viele unter ihnen haben gar keine Kaufleute mit Lizenz.
Aus diesen Gründen war die direkte Verteilung in diesem Vierteln "legal"' erlaubt. Und diese Praxis breitete sich nach und nach auch auf andere Viertel aus, wo es Händler gab. Die von der Regierung den JAP auferlegten Restriktionen hatten in einigen Gegenden, besonders in den Elendsvierteln, gegenteilige Wirkungen. Anstatt die Tendez zur direkten Verteilung zu stoppen, führten sie dazu, daß sie von anderen Körperschaften übernommen wurde, die verschiedene Namen tragen - Nachbarschaftsräte, Kooperativassoziationen usw. Das wurde dadurch erleichtert, daß viele niedere Beamte zum linken Flügel der Sozialistischen Partei, zum linken Flügel der MAPU ( Movimiento de Accion Popular Unitaria = Bewegung für einheit liche Aktion des Volkes) oder zu anderen Strömungen gehörten und dem Druck der Massen nachgaben. Der bekannteste dieser Fälle ist der der Almacenes Populares de Agencias Graham (einer Ladenkette).
Seit einiger Zeit fordert der linke Flügel - die Linke der SP, der linke Flügel der MAPU, die MIR und die PSR (Sektion der IV. Internationale) - Rationierung unter einer Art von Kontrolle durch das Volk. Dafür benutzte man verschiedene Namen: "Familien - Einkaufskorb" "Rationierungkarten" , "Aufenthaltsbescheinigung" usw.
Die KP hat sich bis vor kurzem der Rationierung hartnäckig widersetzt. Gegenwärtig, wo sie einsieht, daß das Volk wachsende Anstrengungen unternimmt, die direkte Verteilung zu organisieren, und sie Gefahr läuft, Anhänger zu verlieren, gibt sie in dieser Frage etwas nach. Auf dem Gebiet der Verteilung der Waren wie auf anderen wird der Gegensatz zwischen den Massen und dem System inner schärfer. Täglich wird es für die Regierung der UP schwieriger, ein Gleichgewicht zu halten. Jeden Tag werden neue Güter knapp, und das ist ein schlechte: Zeichen Für die Sailtänzer.
( HUGO BLANCO, z. Zt. Santiago de Chile. Aus INTERCONTINENTAL PRESS Nr. 15, 23. 4. 73) 5 73 S