Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Venezuela

Großveranstaltung der 'Sozialistischen Front'

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 20 · 456 Wörter

Bolivien, Peru und Anden

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VENEZUELA: GROSSVERANSTALTUNG DER 'SOZIALISTISCHEN FRONT' Das Bolivar-Theater in Caracas war am 2. März von über 1 000 Menschen vollgepfropft, als don eine Wahlveranstaltung für José Vicente Rangel, dem unabhängigen marxistischen Kandidaten des MAS ( Movimiento al Socialismo = Bewegung zum Sozialismus) für die Präsidentschaftswahl im kommenden Dezember, abgehalten wurde. Die Veranstaltung ist vom "Frente Socialista de Unidad Proletaria' (Sozialistische Front proletarischer Einheit) organisiert worden. Das ist ein im letzten Februar gefestigtes Bündnis zwischen den 'Comités de Independientes Por El Socialismo' (CIPES = Komitee Unabhängiger für den Sozialismus), in dem viele junge Leute, die in den 60er Jahren den Guerillakampf geführt hatten, organisiert sind, und dem 'Grupo Trotskista Venezolano (GTV = venezolanische trotzkistische Gruppe).

Die Sozialistische Front gibt der Kandidatur von José Vicente Rangel kritische Unterstützung gemäß der von den Trotzkisten festgelegten Position zu den nationalen Wahlen, wie sie in der Monatszeitung der GTV, 'Voz Marxista' in der Ausgabe vom September 1972 zum Ausdruck kommt.

Die Vorderfront der Halle war geschmückt mit einer breiten roten Fahne der Vierten Internationale und mit Spruchbändern: "Proletarische Einheit um die Kandidatur von Jose Vicente" "Für ein Sozialistisches Amerika" und "Proletarier aller Länder - vereinigt Euch!" Auf weitere Spruchbändern, die innerhalb des Theaters hingen, standen Parolen für die Freiheit aller politischen Gefangenen, gegen die Repression und für Solidarität mit den einzelnen Kämpfen der Arbeiterklasse von Venezuela.

In einem Flugblatt, das zur Veranstaltung aufruf, wurde erklärt, daß die Armut und die Ausbeu. tung der Werktätigen von Venezuela nicht einer bestimmten Regierung in die Schuhe geschoben werden können, sondern dal sie vielme hr endemisch sind in unterentwickelten Ländern mit kapitalistische Produktionsweise. 'Es gibt keinen anderen Weg, mit dieser Situation aufzuräumen, als sich für den Kampf um Sozialismus zu organisieren. Zur Errichtung des Sozialismus ist es notwendig, den kapitalistischen Staat zu stürzen und einen neuen Staat der Arbeiter zu erric ten. Dieses Ziel zu erreichen ist nicht einfach. Wir dürfen die Tatsache nicht aus den Augen ver lieren, daß der Zeitpunkt kommen wird, wo es zu einer offenen Frontstellung gegenüber den Repression skräften der Reichen kommen muß.

In dem Flugblatt wird die Notwendigkeit dargelegt, die Wahlkampagne auszunutzen,; um eine Alternative der Arbeiterklasse zu präsentieren, und dann folgendermaßen abgeschlossen: "Wir appellieren an alle klassenbewußten Arbeiter, in ihren Fabriken um den Aufbau einer revolutionären Arbeiterpartei zu kämpfen. Eine solche Partei wird nur aus den konkreten Konflikten in jeder Fabrik mit den Unternehmern entstehen. Auf diese Art wird die Grundlage für die sozialistische Revolution gelegt.

Die Hauptredner auf der Versammlung waren Astrid Fischer für die CIPES, Alfonso Ramirez für 'Voz Marxista' und Jose Vecente Rangel. Alle drei wurden mehrmals vom Beifall eines enthusiastischen Publikums unterbrochen. Vertretern anderer Organisationen wurde die Gelegenheit gegeben, Grüße zu überbringen.

(Aus INTERCONTINENTAL PRESS nr. 11 vom 26.3.73)