Die sogenannte "revolutionäre peronistische" Strömung, die durch die bewaffneten peronistischen Organisationen gebildet wird, war in den letzten Jahren zusammen mit unseren Genos sen der ERP in der vordersten Front des bewaffneten Kampfes. Ftliche der wichtigsten Aktionen ler ERP wie der Ausbruch aus dem Gefängnis von Rawson oder die Exekution von Sanchez sind mit diesen Organisationen, seien es die FAR oder die "Montoneros' , zusammen ausgeführt wor den. Jetzt aber haben sich diese Organisationen bei der Rückkehr Perons nach Argentinien unter dessen Kommando gestellt... Sie diksutieren nicht mehr über die vergangenen Meinungsverschiedenheiten mit dem Rest der peronistischen Bewegung, sondern unterstützen die Wahlkampagne Camporas und geben den bewaffneten Kampf auf. Hier und dort haben noch einzelne Kommandos dieser Organisationen während der Wahlkampagne ein paar Entführungen oder Banküberfälle, ohne sich zu erkennen geben, durchgeführt. .. um die Kassen der Justicialista- Partei zu füllen.
Die meisten anderen revolutionären Gruppen denunzierten das Manöver der Diktatur und den bürgerlichen Charakter des Peronismus und riefen zum Boykott oder zur Abgabe ungültiger Stimmen auf. Eine wichtige Ausnahme macht die PST (Sozialistische Partei der Arbeiter). Sie geht hervor aus dem Zusammenschluß der Gruppe 'La Verdad' ( = die Wahrheit, Titel ihrer Zeitung), einer mit der IV. Internationale sympathisierenden Organisation, mit der PSA (Coral), einer kleinen, zentristischen, aus der Fraktionierung der "Partido Socialista Argentina' hervorgegangenen und von Juan Carlos Coral geführten Gruppe. Die PST war die einzige Organisation der extremen Linken Argentiniens, die aktiv an der Wahlkampagne teilnahm. Sie machte aus ihrer Kampagne eine Propagandatribüne für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse gegenüber der peronistischen, d. h. bürgerlichen Führung, indem sie die Peronisten denunzierte und entlarvte und den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit einer "Arbeiter und Bauernliste" setzte. Der Gebrauch, den die PST von der Wahlkampagne macht - dieser bildet die Hauptachse ihrer Aktivitäten seit bald einem Jahr - ist etwas zweideutig: die Frage der politischen Gefangenen, eines der brennendsten Probleme heute, wurde nicht in den Vordergrund gestellt. Das ist um so schwerwiegender, als die Kampagne der PST nicht ohne Wirkung auf Teile der breiten argentinischen Avantgarde blieb, insbesondere auf die fortgeschrittenen Sektoren der Gewerkschafts bewegung. Das kommt viel deutlicher zum Ausdruck im Erfolg ihrer Kundgebungen (etwa 100), insbesondere in der Schlußkundgebung ihrer Kampagne in Buenos Aires mit etwa 10 000 Teilnehmers ( nach der bürgerlichen Presse) als in dem Wahlergebnis selbst (0, 78 % der Stimmen). DIE PRT- ERP
Was unsere Genossen von der PRT - ERP angeht, so waren sie in einer besonders schwierigen Situation angesichts der Wahlen. Seit der Sallustro-Affäre im letzten Frühjahr waren sie ganz unabhängig von den anstehenden Wahlen und der "politischen Offnung" das Ziel einer unauf hörlichen Repressionskampagne. Mehrere Dutzend Genossen, meist Kader der Organisation, sind ihr zum Opfer gefallen ünd kamen in den Gefängnissen zu den dort schon sitzenden 200 politischen Gefangenen hinzu. Im Rahmen ihrer Strategie des "revolutionären Krieges" ver folgte die PRT eine klare Linie: die Einheit der bewaffneten Organisationen. Die jüngste Entwicklung der bewaffneten peronistischen Organisationen ließ unsere Genossen auf militärischem Gebiet völlig isoliert. Hinzu kommt, daß das aufgrund ihrer kühnen Aktionen von der PRT-ERP gewonnene Ansehen nicht wirklich politisch ausgenutzt werden konnte: die diffuse Sympathie, die unsere Genossen bei weiten Teilen der argentinischen Massen hatten, war nicht organisatorisch und politisch gewendet worden und konnte deshalb der populistischen und elektoralistischen Demoagogie des Peronismus nicht widerstehen. Zur organisatorischen Isolation auf milifärischer Ebene kam somit eine gewisse politische Isolation hinzu.
Zusätzliche Schwierigkeiten entstanden der PRT-ERP dadurch, daß sie als verbotene Organisation nicht in der Kampagne offen auftreten konnte, unsere Genossen haben indes "Basiskomitees geschaffen, legale Strukturen, die öffentlich auftraten mit dem Ziel, eine Kampagne Für die Freilassung der politischen Gefangenen und für den Boykott der Wahlen zu führen. Sie denun S. 14 INPREKORR 1.4.73
zierten den bürgerlichen Charakter des Peronismus und das von der Bourgeoisie mit diesen Wahlen durchgeführte Manöver, nämlich "die Kämpfer des revolutionären Krieges von den Massen zu isolieren". Gleichzeitigt führten sie weiter bestimmte bewaffnete Aktionen, die spektakulär ste war die Einnahme einer Kaserne in Cordoba, wobei sie sich eine beträchtliche Menge an Waffen verschafften und so konkret zeigten, daß sie weiter an ihrer Strategie des "revolutionären Krieges" festhielten.
Diese Orientierung führte auch zu internen Schwierigkeiten und Krisen... So ist eine von der ERP abgespaltene Gruppe entstanden, die sich ERP - 22 nennt ( am 22. August passierte das Mawsaker von Trelew). Diese Gruppe steht zwar weiterhin auf der Notwendigkeit des "revolutionären Kriegs", sie rief aber auf spektakuläre Weise auf ( ein ERP-22 - Kommando entführte am Vorabend der Wahlen den Direktor einer der wichtigsten bürgerlichen Tageszeitungen und ließ ihn erst nach der Veröffentlichung eines Aufrufs, peronistisch zu wählen, auf der ersten Seite seiner Zeitung wieder frei), peronistisch zu wählen, und zwar im Namen der Verteidigung der unmittelbaren Interessen der Arbeiterklasse. Es ist völlig klar, daß eine solche Position dem revolutionären Marxismus völlig zuwiderläuft und einen totalen Bruch mit wesentlichen Errungenschaften des Trotzkismus bedeutet.