Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Ausbruch des Streiks

Inprekorr Nr. 25, 1. April 1973 · S. 16-17 · 461 Wörter

Gewerkschaften und Streiks

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Die große Mehrheit der Stahlarbeiter bemüht sich seit mehr als einem Jahr um die Anerkennung der neuen Stahlarbeitergewerkschaft STSA ( Sindicato de Trabajadores Siderúrgicos de la Argentina) durch die Regierung. Obwohl die formalen Voraussetzungen erfüllt waren,

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erfolgte keine Reaktion.

Am Dienstag den 17. Januar erwischten Ruccis Schläger drei Führer der neuen Gewerkschaft und schlugen sie zusammen. Am nächsten Tag blieben die Arbeiter bei SOMISA trotz ihrer Empörung ruhig, weil ihnen eine anerkannte Führung fehlte, die konkrete Aktionen angeleitet hätte. Am Donnerstagmorgen kan Genosse Luis Gómez, der Kandidat der Arbeitereinheitsliste der PST ( Frente de los Trabajadores) für das Bürgermeisteramt von San Nicolas, zurück zur Arbeit und führte die Arbeitsniederlegung in seiner Abteilung an. Unter der Führung des Kandidaten unserer Partei breitete sich der Streik rasch aus, und die 8 000 Arbeiter besetzten die Fabrik. Das blutige Hemd eines der zusammengeschlagnen Genossen wurde zur Flagge des Streiks. Die Forderungen waren: Schläger raus aus der Fabrik! Für die Anerkennung der Stahlarbeitergewerkschaft!

Dies war, soviel wir wissen, der erste Streik und die erste Betriebsbesetzung in den letzten Jahren, die sich gegen die Armee richteten. Da SOMISA für die Rüstung produziert und vom Militär geleitet wird, ist die Armee der Boss der Fabrik.

Die Armee reagierte mit Drohungen: sie umzingelte die Fabrik mit Truppen und drohte mit Gewaltanwendung, falls die Arbeiter die Fabrik nicht räumten. Die Arbeiter reagierten einmütig: sie deponierten Sprengstoff rund um die Fabrik und drohten, sie beim Eindringen der Armee in die Luft zu sprengen. Die Armee drang nicht ein; Regierung und Militär mußten vor Gericht gehen: das war die erste Niederlage.

Die Bundesrichter und die Polizei versuchten auf die weiche Art, den Streikenden die Ungesetzlichkeit ihrer Aktion zu erklären und versprachen, daß 'ihnen nichts geschehen würde, wenn sie freiwillig abzögen. Aber die Arbeiter waren mit den Gesetzen nicht vertraut und hielten die Besetzung aufrecht.

Jetzt erschien General Chescotta, der Leiter der "Fabricaciones Militares", und sicherte den Arbeitern zu, daß sie beim Arbeitsministerium empfangen und ihre Forderungen jetzt angehört würden: das war die zweite Niederlage.

Aber noch immer ohne Erfolg. Die Arbeiter hörten nicht auf den Chef ihrer Vorgesetzten. Kein anderer als General Sanchez de Bustamante selbst, neben Lanusse und Lopez Aufranc einer der drei obersten Generale der argentinischen Armee, mußte nach San Nicolas kommen: das war die dritte Niederlage.

Sanchez de Bustamante versprach, alle Probleme zu lösen. Die Arbeiter wurden uneinig: die Führung der Stahlarbeitergewerkschaft wollte nachgeben; Genosse Luis Gómez war dafür, die Fabrik erst zu verlassen, wenn die Bedingungen erfüllt wären. Die Anhänger der Gewerkschaftsführung, erschöpft durch die mehrtägige Besetzung, verließen die Fabrik, ohne die Entscheidung der Versammlung abzuwarten. Die anderen verlangten eine Garantie, daß keine Sanktionen erfolgen würden. Nachdem sie diese Garantie bekommen hatten, räumten auch sie die Fabrik.