Die Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegenüber Clarence Thomas, Kandidaten für das Amt des obersten Richters der USA von Professorin Anita Hill haben die USA für einige Tage im Oktober 1991 in Atem gehalten. Das Thema wurde in Fabriken, Schulen und zu Hause diskutiert.
CAMILLE COLATOSTI
Bei einigen Gesprächen stand nur die Anhörung von Anita Hill vor dem Senat im Mittelpunkt. "Ist sie schuldig oder nicht?". fragten alle. "Er macht ja einen respektablen Eindruck, aber andererseits - warum sollte sie, eine gestandene Juraprofessorin, sich so etwas ausdenken? Was hätte sie davon?" Wichtiger waren aber jene Gespräche, die über den besonderen Fall hinausgingen und wo die Frage der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz im allgemeinen Diskutiert wurde. "Was ist das eigentlich?" "Wie schlimm sind die Auswirkungen?" "Wer ist dem ausgesetzt, und was kann dagegen getan werden?"
Wenn der US-Senat auch am Ende die Anschuldigungen von Anita Hill zurückwies, so hatte die Anhörung als solche doch positive Auswirkungen für arbeitende Frauen. Die Debatte hat gezeigt, daß der Kampf gegen sexuelle Belästigung ein großes Stück vorangekommen ist. Vor 15 Jahren gab es in den USA nicht einmal das Wort "sexuelle Belästigung". Jetzt, 1991, sah sich jeder Senator während der Anhörung gezwungen zuzugestehen, daß Clarence Thomas im Falle einer
Überführung für den obersten Gerichtshof nicht geeignet wäre. Das ist eine reale Veränderung.
Als Anita Hill von Reportern gefragt wurde: "Wie konnten sie weiter mit ihm zusammenarbeiten; wie konnten sie so lange schweigen?", wußten Frauen die Antwort nur zu gut, da viele von uns dasselbe gemacht haben. Welche Gründe hatten wir dafür? Wir dachten, keine andere Wahl zu haben. Wir brauchten unseren Job. Wir akzeptierten unsere Demütigung als "natürlich" oder unvermeidlich. Wir gaben vor, die Sprüche garnicht zu hören, wir verdrängten die Worte oder sogar Taten über Jahre hinweg und machten einfach weiter.
Manchmal war der betreffende Mann unser Boss. Manchmal ein Kollege. Manchmal beschränkte sich die Belästigung auf verbale Beleidigungen. Bei anderen Gelegenheiten wurden wir körperlich bedroht. Manchmal waren wir das einzige Ziel, dann war wieder jede Frau angegriffen. Manchmal hörte die Anmache plötzlich auf. In anderen Fällen ging sie weiter und wir wechselten unbemerkt den Arbeitsplatz.
Nach den Anhörungen sagte Lucille Dickess, Vorsitzende der Angestelltengewerkschaft der Universität Yale: "Nur wenige Frauen finden sexuelle Belästigung akzeptabel. Die meisten von uns nehmen sie aber hin. Wir verdrängen sic, wir hoffen, daß es vorübergeht, wir machen uns vor, es sei nur ein Teil unserer Arbeit, wie Schreibmaschine schreiben, oder Akten abheften."
Eine 1989 von der Amerikanischen Lehrergewerkschaft durchgeführte Untersuchung ergab, daß drei von vier Frauen unter sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu leiden haben. Trotz ihrer Verbreitung wird sexuelle Belästigung jedoch weithin als persönliches Problem betrachtet und von den Opfern individuell behandelt. Die gängigste Antwort von Frauen ist die Aufgabe ihres Arbeitsplatzes. Jene, die sich zum Kampf entschließen, werden oft gefeuert. Dieselbe Studie gab an, daß "eins von vier Opfern sexueller Belästigung wird aufgrund dieser gefeuert und vier von zehn Opfern geben wegen sexueller Belästigung ihren Job auf oder werden gezwungen, dies zu tun."
Auch wenn einige Männer auf die Thomas-Anhörung mit Fragen danach, was sie nun sagen dürfen und was nicht antworteten, ist doch klar, worum es sich bei sexueller USA
Belästigung handelt. Belästigung ist jede ungewollte verbale oder tätliche Avance, sexuell herabwürdigende Aussage oder sexuell diskriminierende Bemerkung, die von jemandem am Arbeitsplatz gemacht wird. Sie beleidigt die angesprochene Person, bereitet ihr Ärger oder behindert sie in ihrer Tätigkeit. In den USA fällt sexuelle Belästigung unter Geschlechterdiskriminierung und ist gegen das Gesetz.
Dieses Gesetz ist aber relativ neu. Erst 1980 gab die Kommission für Gleichstellungsfragen bei der Arbeitsplatzvergabe eine Definition für zwei Arten der sexucllen Belästigung heraus. Die offensichtliche Belästigung ist leicht zu verstehen: sexuelle Anmache, die Frau widersetzt sich, der Mann übt auf die eine oder andere Weise Rache. In solchen Fallen ist es einfach zu schen, was der Charakter der Belästigung ist. Die Drohung der sexuellen Nötigung wird offen ausgesprochen. So erzählte ein Opfer, daß ihr Boss zu ihr gesagt hat: "Du wirst mit mir bumsen, oder Deinen Job verlieren." Eine andere Frau, die einen Bürojob in einem Gesundheitsbüro gekommen wollte beschreibt ihr "Vorstellungsgespräch" folgendermaßen: "Der Doktor kam rein, tat seinen Hände zwischen meine Beine und fragte mich, wie dringend ich den Job nun bräuchte."
Indirekte Belästigung
Doch Belästigung muß nicht immer so offensichtlich sein. Das Opfer versucht, die Avancen zu ignorieren, merkt dann aber, daß sie keine Überstunden angeboten bekommt, daß andere befördert werden und sie nicht und daß ihre vorher noch hoch gelobte Arbeit jetzt zur Zielscheibe ausgedehnter Kritik wird. Der anfänglich so vielversprechende Job wird untragbar: er wird zum Albtraum. Es gibt keinen Weg ihn zum Aufhören zu bewegen und frau kann den Arbeitsplatz nicht behalten ohne nachzugeben.
Eine Frau berichtet über ihre Erfahrungen: "Letzt Nacht habe ich versucht, mich mit einer Überdosis Schlaftablette umzubringen. Ich lebe in einer kleinen Gemeinde, wo ich auch arbeite.... Sofort nachdem ich angefangen hatte dort zu arbeiten, begann mein Boss, der Besitzer, mich zu fragen, ob ich mit ihm ausgehen würde. So lange ich nein sagte, gingen meine Zuschläge in den Keller. Am Ende traf ich mich dann doch mit ihm. Ich wurde in eine Affaire mit diesem 49-jährigen verheirateten Mann hineingezwungen. Ich schäme mich so. Zu Zeiten, wo ich mich mit meinem Boss traf, gingen meine Zuschläge in die Höhe. Wenn ich mich weigerte, ihn zu sehen, war in meiner Lohntüte ein so großes Loch, daß ich nicht einmal meine Rechnungen bezahlen und für das nötigste aufkommen konnte... Ich kann weder schlafen noch essen. Ich habe 40 Pfund verloren, was ich mir nicht leisten kann. Ich bin nur noch Haut und Knochen. Ich bin ein nervöses Wrack."
Sie gab den Forderungen des Belästigers nach. Wir lesen ihre Worte und können verstehen, daß sie ein Opfer sexueller Belästigung ist.
Einem äußeren Beobachter möchte es vielleicht so scheinen, als hätte sie bekommen, was sie wollte. Doch die Betrachtung von außen sagt einem nicht, daß sie Selbstmord begehen wollte. Sie sagt auch nicht, daß ihr Boss gedroht hatte, sie umzubringen, wenn sie nicht nachgeben würde. Sie sagt uns auch nicht, daß ihr Vater ihr gesagt hatte, den
Boss nicht anzuzeigen, weil die Publicity der Arztpraxis ihres Bruders schaden könnte. Es gibt aber auch noch eine zweite, subtilere Art der sexuellen Belästigung: Umgebungsbedingte Belästigung. Dabei geht es um die Arbeit in einer sexuell feindlichen oder einschüchternden Atmosphäre. Diese Belästigung kann von anzüglichen Witzen über Pin-up-Kalender bis hin zum anzüglichen Begaffen reichen. Gerade diese Art ist vor Gericht nur schwer nachzuweisen. Darüberhinaus verstehen viele Leute nicht einmal, warum es sich dabei um Belästigung handelt. Tery Floren, Feuerwehrfrau und Herausgeberin von "Firework" (Feuerwerk/-arbeit), der Monatszeitung für Frauen bei der Brandbekämpfung, erklärt: "Wenn ich etwas gegen sexistische Literatur in den Ruheräumen sagen, bekomme ich normalerweise die Antwort "Erst sagst du, du wolltest einfach wie jeder von den Jungs behandelt werden - und jetzt willst du 'ne Sonderbehandlung und sagst, wir sollen das nicht aufhängen, weil's dich beleidigt..." Es ist schon komisch, wenn die Akzeptanz einer Frau als Kollegin von männlichen Mitarbeitern auf einmal davon abhängig gemacht wird, daß sie es hinnimmt, daß Frauen als Untermenschen - sexuelle Objekte - hingestellt werden... "Steh nicht zurück und weine!"
Sexuelle Belästigung wird so lange weitergehen, bis Frauen eine Änderung verlangen. Wie ein Opfer sagte: "Steht nicht zurück und weine. Schrei es heraus. Sag den Leute, was abgeht." Nur durch unseren Widerstand wenn wir uns am Arbeitsplatz und in den Stadtteilen organisieren können wir die notwendigen Schritte gegen die sexuelle Belästigung unternehmen.
Professorin Anita Hill hatte den Mut offen gegen Clarence Thomas aufzutreten. Das ist positiv und Frauen sollten sich durch die Abweisung der Anschuldigung nicht entmutigen lassen. Joyce Miller, Präsidentin der Vereinigung der Gewerkschaftsfrauen (CLUW) sagte dazu: "Die sehr ernsten Anschuldigungen, arbeitsplatzbedrohende Belästigung durch einen Juraprofessor, hätten nicht einfach abgewiesen werden sollen." Das ist vollkommen richtig und Frauen haben allen Grund über die Behandlung von Prof. Hill verärgert zu sein.
Miller fährt fort, daß wir nicht denken sollten, daß die Aussagen von Hill eine reine Zeitverschwendung waren. Durch ihr offenes Auftreten gegen sexuelle Belästigung und dadurch, daß sie das damit verbundene Risiko auf sich genommen hat, erinnert sie uns an zwei Dinge. Erstens, daß es wichtig ist, gegen USA die Symptome der Frauenunterdrückung zu kämpfen - wie sexuelle Belästigung. Zweitens, daß dieser Kampf, wie alle Kämpfe gegen sexuelle Unterdrückung, nicht eine Frage der Sexualität, sondern der Macht ist. Der Kampf gegen die sexuelle Belästigung kann nur gewonnen werden, wenn wir das gesamte System der Frauenunterdrükkung, das die Belästigung erst ermöglicht, bekämpfen. D.h., daß wir auch gegen die zweitrangige Position von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, unsere niedrigen Löhne und unsere mangelnde Autorität am Arbeitsplatz und in den Gewerkschaften angehen müssen. Als die Thomas-Anhörung vorüber war und die Stimmen ausgezählt worden waren, verweigerte Anita Hill einen Kommentar zu ihrer Niederlage. Stattdessen sagte sie, wie froh sie darüber sein, daß die Frage der scxuellen Belästigung Hauptthema der landesweiten Debatten geworden war. "Frauen, die dasselbe durchgemacht haben, haben ge-. schrieben und gesagt, daß sie jetzt zum ersten Mal darüber reden konnten. Und darum geht's."
Der Bann ist gebrochen. Ja, es ist richtig. daß Millionen geschen haben, wie die Klage abgewiesen wurde. Es ist aber auch richtig. daß Millionen gelernt haben, was sexistische Politik ist.
Wie wehre ich mich gegen sexuelle Belästigung: eine Checkliste (Diese Vorschläge beim Kampf gegen sexuelle Belästigung sind aus "Stoppt die sexuelle Belästigung: ein Handbuch, herausgegeben von den Labour Notes, basieren auf der Situation und den Gesetzen in den USA, sind aber zu einem guten Teil auch in der BRD anzuwenden)
1. Bereite dich vor.
Bevor du anfängst, dich gegen sexuolle Bolastigung zu wehren, sammle Kopien aller schriftlichen Beurteilungen und Zeugnisse deiner Arbeit. Es kann durchaus sein, daß der Unternehmer bei einer Untersuchung behauptet, du seist wegen schlechter Arbeit entlassen worden.
2. Konfrontiere den Belästiger. Sag dem Belästiger, daß sein Vorhalten unerwünscht ist.
3. Gib Ihm die Ablehnung schriftlich. Wenn der Belästiger weitermacht, gibt ihm eine schriftliche Nachricht, daß er aufhören soll. Datiere sie und behalte eine Kopie. 4. Zeichne alles auf.
Schreibe joden Vorfall auf - einschließlich Datum, Uhrzeit, Ort und Zeuginnen. Schreibe deine Antworten Wort für Wort auf. Wenn du dich verteidigen mußt, sind Beweise absolut entscheidend, dann steht deine Aussage gegen seine. Alles, was deine Aussage bekråftigen kann wird dir helfen.
5. Unterstützung
Opfer sexueller Belästigung fühlen sich isoliert. Du kannst die Isolation durchbrechen, indem du mit Kolleginnen und Freundinnen redest. Indem du mit Kolleginnen redest, kannst du die Gerüchteküche abstellen, emotionale Unterstützung bekommen und Zougen finden, die diene Aussage stützen. 6. Zeuginnen
Wenn du vor Zeuginnen belästigt wirst, laß sie aufschreiben, was sie gesehen haben und ihre Aussage unterschreiben.
7. Sichte deine Möglichkeiten. Nutze die "Internen Kanäle".
Wenn es eine Gewerkschaft gibt, setze dich mit dem Gewerkschaftsverantwortlichen in Verbindung. DieseR kann dann eventuell einfach dem betreffenden Vorgesetzten oder Kollegen sagen, daß sein Verhalten diskriminierend gegenüber Frauen ist, die Arbeitsatmosphäre stört und die Gewerkschaft auf den Plan rufen kann.
Wenn die verantwortliche Gewerkschaftsperson dich nicht ernst nimmt, gibt nicht auf. Versuche stattdessen andere Frauen zu organisieren - gründe eine Frauengruppe, wenn deine Gewerkschaftsgruppe nicht bereits über eine verfügt - und stelle klar, daß du bereit bist gegen jeden Gewerkschaftsverantwortlichen zu kämpfen, der Frauenprobleme für lacherlich halt.(...)
FRANKREICH
Industrien, besonders in der Autoproduk 4000 streiken gegen tion, ausdehnen könnte; wenn der Streik für 1500 Francs Erfolg haben soll, muß er sich auf andere Werke der Unternehmensgruppe die Austeritätspolitik ausdehnen.
Geschichte eines Streiks 17.-27. Oktober: der Streik formiert Der folgende Beitrag stammt aus einer Broschüre der französischen sich, erste Schritte zur Solidarität Sektion der Vierten Internationale, die nach dem großen Streik in der Autofabrik von Renault bei Cleon (bei Paris) herausgegeben Der Streik, der am 17. Oktober nur einen wurde. Für 1.500 Francs - ein offensiver Streik Katzensprung entfernt von jenem beginnt, der das Werk von Mans erschüttert, kommt nicht aus heiterem Himmel. Im Juli hatten die ArbeiterInnen von Clcon die Mitteilung 40.000 ArbeiterInnen werden nun schon und vor allem die Mobilisierung gegen die erhalten, daß sich die Prämie an der Gewinnseit 10 Jahren von der Renault-Leitung unter Entlassungen von Winter 1987-88. beteiligung verringern wird und zwar auf Druck gesetzt - und es ist noch immer kein 75% der Prämie von 1990. Nach den Som- Ende in Sicht! Das Werk Billancourt wird Neue Zuversicht merferien wurden die Werke von Mans, schließen und R. Levy von der Leitung von Sandouville und Cleon durch Arbeitsnieder- Renault hat gerade verkündet, daß die de Es war genau dieser letzte Arbeitskampf, legungen erschüttert, wie man sie lange nicht facto Belegschaft von heute bis zum Jahr der es den ArbeiterInnen von Cleon erlaubte, mehr geschen hatte: es brauchte schon eine 2000 um 40% verringert werden wird. Esgeht selbstbewußt zu sein und den Kopf wieder große Portion Dickfelligkeit von Seiten der indes auch um die Frage der Löhne, die man oben zu tragen. Sicher - die Entlassungen Betriebsleitung, nicht zu sehen, daß das seit Sommer in verschiedenen Werksgruppen konnten damals nicht vollständig verhindert Pulverfaß bald explodieren würde. zurückzuschrauben versucht: Sandouville, werden, aber die Geschäftsleitung wurde über Le Mans und besonders in Cleon. sieben Monate hinweg mit andauernden, Streikposten
Der Streik, der in der Nacht vom 16. auf massiven Arbeitsniederlegungen, Kundgeden 17. Oktober 1991 auf Initiative der örtli- bungen und Blockaden konfrontiert und die Die von der CGT und CFDT gemeinsam chen CGT-Gruppe beginnt und dem sich Arbeiterinnen sind mit erhobenen Haupt und organisierte Bewegung nimmt vom ersten auch die CFDT anschließt, wird von Anfang selbstbewußt aus dem Konflikt hervorgegan- Tag an die Form von machtvollen Streikpoan von der überwältigenden Mehrheit der sten an, die jeden Zugang zum Werk abric- Arbeiterinnen getragen, was sich auch in den In Billancourt ist die Lage vollständig an- geln. Lastwagen versperren die Ein- und drei Wochen seiner Dauer nicht ändern wird. ders. Dort haben die örtlichen Verantwortli- Ausgänge. Die Betriebsleitung reagiert Mit der Aufstellung von Streikposten, die in chen der CGT eine Linie gefahren, die darin prompt und zerrt neun Streikende vor Gediesem Konflikt die wichtigste Waffe der bestand, den notwendigen Kampf gegen alle richt und versucht, die leitenden Angestell- Belegschaft sein werden, knüpfen die Arbei- Entlassungen durch einen Kampf zu ersetzen, ten gegen den Streik zu mobilisieren. Die terinnen von Renault Cleon an die besten der sich ausschließlich für die "zehn" von Bewegung wird aber immer stärker. Vor Traditionen der Arbeiterinnenbewegung an. Billancourt engagierte. So haben sie die fol- jedem Tor werden richtige Straßensperren Die entschiedenen Lohnforderungen genschwere Verantwortung auf sich genom- errichtet. Die Betriebsleitung versucht er- Streikenden sind der Lage angemessen: men, jede Möglichkeit für eine wirklich mas- folglos, die Nichtstreikenden zu bewegen, - Eine monatliche Lohnerhöhung von sive Mobilisierung gegen Entlassungen und folgende Petition zu unterschreiben: "Ich bin 1500 Francs füralle, um den Kaufkraftverlust die Werksschließung zu ruinieren. für das Streikrecht, aber ich fordere, daß die Nach einer gewissen Wartezeit nehmen Eingänge zum Unternehmen freigemacht - Eine einmalige Zahlung die Arbeiterinnen von Cleon ihre Mobilisie- werden."
Francs um den Verlust auf die Prämie bei der rungen zur Zeit des Streiks bei Peugeot im Um den Streik zu verbreitern, begeben Gewinnbeteiligung im letzten Jahr auszuglei- Herbst 1989 wieder auf. Sie sind Opfer - wie sich Gruppen von Streikenden zu einer gechen. ihre Kolleginnen bei Peugeot und alle Lohn- wissen Zahl anderer Unternehmen, besonabhängigen dieses Landes - der Austeritätspo- ders ins Gebiet um Rouen: Rhone, Poulenc, Der Streik kam nicht von ungefähr! litik, die seit 1982 systematisch die Kaufkraft in die Papierfabriken von La Chapelle, beschneidet. Dagegen setzen sie cine Mobili- SNCF, Sopalin... Sie benötigen aber eine Mit einer Dauer, seiner Unterstützung sierung für 1500 Francs mehr im Monat. Sie Woche, bis der Streik zumindest allgemeidurch die überwältigende Mehrheit der Ar- gehen mit einer doppelten Stoßrichtung in den nes Gesprächsthema ist. Anläßlich des überbeiterInnen und seiner Entschlossenheit Streik: damit die Kolleginnen von Peugeot betrieblichen Aktionstages, Donnerstag, 24. nimmt dieser Streik einen besonderen Platz in ihre Forderung durchsetzen können, muß man Oktober, kommen die ersten wichtigen Ab. der lange Reihe von Arbeitskämpfen ein, die Calvet und der Regierung das Schreckge- ordnungen anderer Betriebe ins Werk. das Werk Cleon geschen hat: Mai 68, Juni 78 spenst eines Streikszeigen, der sich auf andere Schon bald darauf sicht man am folgenden
FRANKREICH
Wochenende den ersten "Kampfmarsch", der wanderer, Frauen und Männer, junge und ist unterbrochen, die Lager "auf Null", das ist aus Solidarität mit dem Streik von den Bäue- weniger junge, selbst jene mit befristeten nicht mehr rentabel. Das ist der Riß im Syrinnen und Bauern des Bauernbündnisses Arbeitsverträgen - die gesamte Firma streikt. stem. Damit es wieder läufl, muß der soziale von Eure organisiert wurde. Es gibt Tanz, Selbst wenn sich nicht alle aktiv daran betei- Friede wiederhergestellt werden: und der Theater und Musik. Man kommt mit der ligen. Diese Einheit laßt viele Probleme auf soziale Friede ist, laut D. Goeudevert, Boss ganzen Familie und begibt sich als Freund ins einen Schlag verschwinden. Während des des Volkswagenwerkes, käuflich. Werk, um die Streikenden zu ermutigen. Je Streiks gibt es keinen Rassismus! Doch die regieführende Betriebsleitung linger die Aktion dauert, desto entschlosse- Diese Kraft bringt die Leitung in Rage. ist nicht auf der richtigen Wellenlänge. Sie ner werden die Streikenden und ihre Unter- Sie ist vollkommen isoliert. Sie setzt ihrer- kennt nur die Sprache der Strenge. Jetzt betritt stützerinnen und Unterstützer. seits eine Demonstration für Montag, den die Regierung die Bühne, indem sie ver- Die Betriebsleitung bewegt sich indes 28.10. an. Ziel ist, an der Spitze eines Zuges meintliche Verhandlungen eröffnet. Martine keinen Zentimeter:: "Es gibt keine Diskus- von Streikbrechern auf den Haupteingang zu Aubry, Arbeitsministerin, schickt einen sosion über Löhne. Es gibt keinerlei Verhand- marschieren und die Aufhebung der Streik- genannten "Unterhändler". Der hat aber auch lungen, solange das Werkstor nicht freigege- posten zu verlangen. Doch es kommen nur nichts anderes im Koffer als die Firmenleiben wird." 200, von denen nicht einmal alle bis zum tung: "Keine Verhandlungen ohne vorherige Ende mitgehen. Was für eine Herausforde- Entfernung der Streikposten." Unfähig! Am Die Betriebsleitung tobt, doch Freitag, dem ersten November äußern sich die Streikenden hierzu schr klar:
der Streik wird immer stärker! Renault-Cléon "Die Streikposten werden nicht entfernt, ohne, daß die Aussetzung aller eventuel- Seit Beginn des Streiks hat die Lei- len Repressalien zugesichert wird und tung auf Härte und Einschüchterung ohne, daß klar ist, wieviel Lohngelder die gesetzt. Seit Montag, dem 20.10. hat sich Firmenleitung locker machen wird." vom Gericht in Rouen eine Verfügung erwirkt, die den Streikenden 24 Stunden Gewalt und Isolation einräumt, um die Werkstore freizugeben. Darüberhinaus ermächtigt die Ver- Die Streikenden sind entschlossener fügung die Firmenleitung nach Ablauf en denn je. Trotz völligen Fehlens jeglicher dieser Frist die Sicherheitskräfte "für organisierter Solidarität auf nationaler Ordnung" sorgen zu lassen. Um die öf- Ebene werden Sammlungen organisiert. fentliche Meinung zu verwirren, die dem Den Anfang hierbei machen das Frauen- Streik mit seinen tatkräftigen Lohnforde- komitees und die Initiative der Lebensrungen sympathisch gegenübersteht, gefährtinnen (compagnes bedeutet sostartet die Betriebsleitung eine enorme wohl Lebensgefährtin als auch Ehegatte, Desinformationskampagne durch, die A.d.Ü.). In Elbeuf formiert sich ein Unvon den Medien weidlich nachgebetet terstützungskomitee, in der Presse erwird. Grève! scheint ein erster Aufruf von Persönlichkeiten, die den Streik unterstützen und Alles Extremisten! am ersten Novemberwochenende strömen hunderte von Menschen, die sich Der Streik wird als "illegal" und "nur Ne les laissons pas seuls mit dem Streik solidarisieren zur Fabrik. von einer Minderheit getragen" hinge- Darunter auch viele Bäuerinnen und stellt. Am 26. redete der Direktor von Bauern, die gekommen sind, um ihre Cleon, Guilmin, in einem Interview mit Waren zum Selbstkostenpreis an die dem Sender Paris-Normandie vom "aufstän- rung! Sie wird von den Streikenden mit Streikenden zu verkaufen. G. Moustaki, F. dischen Klima", das in Cleon herrsche, von Hohngelächter und ein paar Dutzend Eiern Solleville, L. Escudero sind und andere cinem außerhalb geschmiedeten Komplott gebührend empfangen. Selbst die leitenden Künstler sind gekommen und singen so lanund organisierter und professioneller Be- Angestellten anderer Werke bleiben taub, als ge, bis auch der Bischof von Evreux,