Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Jugoslawien

Antikriegsbewegung in Jugoslawien

· Inprekorr Nr. 242, Dezember 1991 · S. 10-13 · 3.390 Wörter

Jugoslawien und Balkan Frauen

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Ljubljana, Zagreb, Belgrad, Sarajewo: vier Hauptstädte und vier radikal verschiedene Situationen in jeder Republik, während sich der unerklärte Krieg von einem Waffenstillstand zum nächsten zieht. Doch es hat sich mittlerweile eine Koordination der Antikriegsbewegungen zwischen den Republiken gebildet, und es hat dezentralisiert und "nicht-politisch" vorgeerste gemeinsame Aktionen gegeben. Aber auch die Antikriegshen(1).

Der Wunsch, "nicht-politisch" zu sein, gruppen reflektieren die grundlegenden Unterschiede zwischen drückt verschiedene Dinge aus: einerseits die den Republiken, sowohl was ihre eigene Gestalt als auch die Bedin- Ablehnung der Idee, eine politische Partei zu gungen angeht, unter denen sie arbeiten müssen. CATHERINE SAMARY arajewo in Bosnien-Herzegowina be- S findet sich noch in einer Vorkriegsperiode. Es ist einfacher gegen den Krieg zu mobilisieren, bevor er ausbricht und sowohl alte Freundschaften als auch die Bindungen in gemischten Familien auscinanderreißt. Von diesen gibt es in Bosnien-Herzegowina viele, da es ein Staat von Kroatinnen, Serbinnen und Slavischen Muslimen ist. Letzere werden als spezielle ethnische Gruppe anerkannt. Diese drei Nationen haben seit Jahrhunderten (unter osmanischer und habsburger Herrschaft) zusammengelebt, und die Bewohnerinnen der Region ziehen es vor, sich als Bosnier zu bezeichnen. Die Toleranz fällt auf den Straßen von Sarajewo ins Auge, wo Moscheen neben katholischen und orthodoxen Kirchen und Synagogen stehen. Die Leute dort sagen: "Wenn morgen eine neue Union gegründet wird, sollte sie hier ihre Hauptstadt haben." Doch die Herausbildung eines Großserbien, die von Seiten der "befreiten" autonomen serbischen Gebiete in Bosnien unterstützt wird, impliziert den Untergang Bosnien-Herzegowinas, und der Haß, der in Kroatien die Luft vergiftet, wird auch hier hochkommen.

Das Gedenken an die Massaker des letzten Krieges bildet eine Mauer gegen die Logik der Gewalt. Mehr als in anderen Teilen Jugsolawiens verlaufen hier die ethnischen Grenzen quer durch Dörfer, Häuser und Familien. Gleichzeitig haben aber alle Angst, nicht die ersten zu sein, die das Feuer eröff- Daher ist es logisch, daß Sarajewo der Ort der größten Antikriegsdemonstrationen gewesen ist. Der zu Recht so genannte "Aufstand für den Frieden" brachte im Juli 100.000 Menschen auf die Straße. Der entscheidende Anstoß zu der Demonstration waren die Aktionen der Soldatenmütter gewesen. Rund dreißig Friedensgruppen kamen bei dieser Gelegenheit zusammen. Bei einem weiteren Treffen am 22.-24. August wurde in Kumrovec in Kroatien eine Koordination ins Leben gerufen, um ein Netzwerk und Ausgangspunkte für Aktionen zu schaffen. Breite zivile Initiativen

Ende September wurde auf Initiative der Helsinkier Bürgerversammlung eine Friedenskaravane organisiert, woran sich Gruppen aus den verschiedenen Republiken und hunderte von ausländischen SympathisantInnen beteiligten.

Trotz geringer Kräfte drückte diese Aktion cine Realität aus, die den Zusammenbruch der Föderation überdauert hat: Die Schicksale aller Nationen und Nationalitäten auf dem fraglichen Territorium ist eng miteinander verbunden. Daher will die Antikriegsbewegung langfristig aktiv sein. Sie will in ihrer Verschiedenartigkeit weiterexistieren, bilden und andererseits die Entscheidung, in erster Linie breite "zivile" Initiativen anzuregen (Frauenbewegungen, unabhängige Zeitungen, kulturelle und religiöse Aktivitäten mit einer gemeinsamen Orientierung gegen den Krieg). Ibrahim Spahic, der Präsident des Bosnischen Friedenszentrums erklärte dazu: "Die verschiedenen Machthaber waren schnell bei der Hand, wenn es darum ging, Stellungnahmen von Frauen für diese oder jene Seite auszunutzen... Doch die Frauenorganistionen existieren noch immer und spielen eine sehr aktive Rolle (in der Friedensbewegung, A.d.U.). Vor allem gibt es trotz der Unzahl von Parteien eine Art Bürgerrevolte gegen die Unmöglichkeit, die eigenen Ansichten zu den Themen, die sie bewegen, wirklich auszudrücken."

Ibrahim Spahic spricht hier ein Thema an, das sich wie ein roter Faden durch die Aussagen aller Friedensaktivistinnen aus den verschiedenen Republiken zieht: ihre Ablehnung der kriegstreibenden Medien und der Manipulation der Bevölkerung: "Es ist Nekrophilie. Die Leichen der Kriegsopfer werden ausgegraben, was natürlich großen politischen Eindruck macht. Sowohl mit den Lebenden als auch mit den Toten wird gespielt, während "den anderen" vorgeworfen wird, der Kern des Problems zu sein. Unsere Bewegung ist aus der Ablehnung solcher Dinge geboren worden."

Vertrauen wiederherstellen Laut Ibrahim besteht die Funktion der Antikriegsbewegung "nicht darin, die Leute einzuschläfern, sondern zu versuchen, das Vertrauen in uns selbst wiederherzustellen und die verrückte Dynamik zu bremsen, wo

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man entweder "Gewinner" oder "Verlierer" sein muß, und wo die Logik des Krieges verschleiert, daß es keine Antworten auf die sozioökonomischen Fragen gibt." Egal, ob sie aus Sarajewo, Ljubljana, Zagreb oder Belgrad sind - viele FriedensaktivistInnen haben zu dieser Frage dieselbe Meinung: "für die Herrschenden ist der Krieg ein Mittel, um die Reihen einer Bevölkerung hinter sich zu schließen, der sie nichts anderes bieten können."

Doch der "unpolitische" Charakter der Bewegung zeigt auch die Schwierigkeiten auf, eine gemeinsame Plattform zu erstellen, die Ausdruck eines einheitlichen Herangehens an die Konflikte ist. Es gibt Diskussionen und Differenzen in den verschiedensten Fragen. Wer ist für was in diesem Krieg verantwortlich? Was sind der Charakter und die Rolle der Armee? Was sind die Implikationen der einseitigen Unabhängigkeitserklärungen Sloweniens und Kroatiens zu einem Zeitpunkt, wo vier der sechs Republiken für die Souveränität aller in einer demokratischen Union kämpften, die vom Recht auf Selbstbestimmung ausgehen sollte. Einige Friedensaktivisten, wie Marko Hren aus Ljubljana, haben diese Fragen aufgeworfen: "Es ist unmöglich, den Agressor und das Opfer auf dieselbe Stufe zu stellen, oder Gewalt schlechthin zu verdammen." Ist die Selbstverteidigung gegen einen Angriff nicht legitim? "Manchmal sieht es so aus", sagt Marko, "als ob die slovenischen Eliten, die einen slovenischen Staat wollen, den Krieg brauchen, um den Staat aufbauen zu können." Das heißt in seinen Augen aber nicht, daß sie für die Abspaltung verantwortlich sind.

"Es konnte keinen wirklichen Dialog zwischen der slovenischen Regierung und den zentralen Machthabern geben. Dies war umso mehr der Fall, als die internationale Gemeinschaft dabei blieb, sich für den bloßen Erhalt der ehemaligen Föderation einzusetzen. Dadurch blockierte sie alle Möglichkeiten für Verhandlungen und trieb Slovenien in die Ecke." So das Pazifistische Zentrum in Ljubljana in einem Text vom 4. Juli 1991. "Im Folgenden begann die slovenische Regierung, die keine Alternativen mehr hatte, der Logik des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu folgen und die Loslösung einzuleiten." In diesem Kontext "muß die Intervention der Bundesarmee als ein Akt der Agression gesehen werden."

Das Recht auf Selbstverteidigung Das Recht auf Selbstverteidigung wird anerkannt - aber um was für eine Selbstvertei- JUGOSLAWIEN digung geht es? Sonja Lokar, eine der OrganisatorInnen des " Aufstands für den Frieden" (eine Feministin und Abgeordnete der (exkommunistischen) Partei für die demokratische Erneuerung im jetzigen slovenischen Parlament) setzt sich für die Idee der Territorialverteidigung von unten ein - im Gegensatz zu einer professionellen Armee. "Als die Bundesarmee nach der Unabhängigkeitserklärung vom 25. Juni 1991 intervenierte traf sie nicht auf eine gutausgerüstete und starke Armee, sondern auf die Feindschaft der Bevölkerung, die sich in der Territorialverteidigung ausdrückte."(2)

Slovenische Pazifistinnen greifen die offizielle Propaganda an, die die Intervention der Armee zu einen richtigen Krieg machen will, der sowohl einen rigorosen "Kriegshaushalt", als auch ideologischen Druck auf unabhängige Gedanken und Kritiken rechtfertigen soll. Es ist offensichtlich, daß die Armee nicht mit dem harten Widerstand in Slovenien gerechnet hat. Es ist aber auch wahr, daß der Auftrag der Armee (wenigstens am Anfang) darauf beschränkt war, die Kontrolle über die Grenzen wiederzuerlangen: Die auf den Straßen Ljubljanas erhältliche Videokassette "Ljubljana auf den Barrikaden" zeigt deutlich den Ärger der jungen Wehrpflichtigen, denen man erzählt hatte, sie müßten "die Jugoslawischen Grenzen gegen eine drohende österreichische oder italienische Intervention verteidigen." Auf einen Kampf gegen die Zivilbevölkerung waren sie nicht vorbereitet.

In der Tat gab es während der Kämpfe drei Tote auf Seiten der slovenischen Territorialverteidigung und drei tote Zivilistinnen, während die Armee mehrere Dutzend Soldaten verlor. Das slovenische Abenteuer brachte Desertionen und Säuberungen in der Armee mit sich. Diese zwangen zusammen mit der offenen Krise der zivilen Bundesstrukturen den harten Kern der Armeeführung, sich hinter die großserbischen Projekte der serbischen Führung zu stellen.

Verschiedene Interessen

Das große Problem für die Antikriegsbewegung ist die Tatsache, daß sich in diesem Krieg die verschiedensten Interessen mischen. Die Souveränität Kroatiens wurde im Namen der serbischen Selbstbestimmung überrannt. Die Privilegien der Armee werden im Namen des Schutzes der serbischen Minderheiten verteidigt. Das neostalinistische Regime von Milisevic betreibt seine großserbische Politik im Namen Jugoslawiens - das eben keine aufgesetzte Schöpfung war und dessen Zerstückelung auch das Auscinanderreißen vieler Familien bedeuten würde. Egal auf welche Weise die serbischen DorfbewohnerInnen manipuliert werden, ihr Aufstand ist eine Tatsache, die sich - so denken zumindest die Serbinnen - gegen das "Ustascha-Übel"(3) eines unabhängigen kroatischen Staates richtet. Die hysterische Stimmung, die von den serbischen Medien noch aufgeputscht wird, ist vor dem Hintergrund des Nationalismus eines Franjo Tudjman nicht unverständlich. Schließlich hat dieser in einer Erklärung den Ustascha-Staat als "Ausdruck kroatischer Bedürfnisse" bezeichnet, die Verfassung vom Dezember 1980 wurde außer Kraft gesetzt und die Serbinnen explizit als Teil des kroatischen Staates bezeichnet. Die Sabotage von Verhandlungen mit VertreterInnen der serbischen Minderheit, die vielen symbolischen Provokationen und die Existenz von Ustascha- Gruppen (die durch die kroatische Emigration gestützt werden) haben begründete Ängste angeheizt. Die Ergänzungen und Verbesserungen der Verfassung in Bezug auf die Serbinnen wurden von diesen als Sand geschen, der der internationalen Gemeinschaft in die Augen gestreut wird.

Doch die SerbInnen in Kroatien leben dort seit Jahrhunderten - die Hälfte in den gro- Ben Städten - und haben sich mit der kroatischen Bevölkerung vermischt. "Es läßt sich überhaupt kein Unterschied mehr ausmachen. Normalerweise wird das lateinische Alphabet benutzt(4). Jetzt auf einmal werden die Unterschiede hochgekocht - sowohl hier alsauch in Serbien. Gestern war es dumm, die sprachlichen Unterschiede cinfach zu verbieten. Heute ist es genauso dumm, sie als Mauern zu benutzen und das alte Kroatisch in der Tagespresse einzuführen. Dies geschicht obendrein oft in einer dummen und ignoranten Weise." So ein junger Bühnenautor, "gemischter" jüdisch-serbokroatischer Abstammung. "In meinen Stücken benutze ich oft kroatische Ausdrücke und Redewendungen. Ich will aber selber entscheiden können, ob ich sie benutze oder nicht." Der Autor ist in der "Gesellschaft für die Verbesserung der Lebensqualität aktiv, die Teil der Antikriegsbewegung in Zagreb ist.

Vesna, ein kroatischer Student, ist ebenfalls Friedensaktivistin. Ihr Vater lebt in ci- •nem Dorf im Banija, das direkt an serbische Dörfer angrenzt. Er ist ein chemaliger Partisan. "Er hat sich ein Gewehr gekauft und will die Armee verschwinden schen" , sagt Vesna, die ihren Vater seit Wochen nicht geschen hat, "aber die Serben sind seine Freunde und viele sind es geblieben. Einige haben sogar in seinem Haus Zuflucht gesucht, da sie von extremistischen Gruppen als Verräter ver-

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folgt wurden."

Vorwurf des Verrats

Im Banija, in der Region Kordun, leben viele ehemalige Partisaninnen. Dmiter Obradivic ist Bürgermeister der wichtigsten Stadt in Kordun, Vrginmost. Er ist ebenfalls Kommandant der örtlichen Territorialverteidigung und wurde deshalb von Milan Babic (Führer des "Autonomen Gebietes" der Knin Krajina) in seiner Zeitung als "in seinen Ansichten extremistischer Kommunist" und "falscher Serbe in seinem nationalen Bewußtsein" angegriffen. Obradovic wird vorgeworfen "ein Verfechter des Zusammenlebens der beiden Völker gewesen und geblieben zu sein", der durch sein Verhalten "das ganze Leben in Kordun lahmlege." Das gleicht einem Todesurteil. In den Augen serbischer Nationalisten ist das Eintreten für das gemeind Se ne laraion mit den Faschisten".

Die zusammenhangslose Politk Tudjmans hat die Meinungen polarisiert. Auf der einen Seite werden rechtsextreme Strömungen gestärkt und auf der anderen Seite kritisiert die Linke die antidemokratischen Methoden der Regierung. Die letzteren suchen nach Wegen, wie die kroatischen SerbInnen für die Souveränität Kroatiens gewonnen werden können.

Daher ist der beste Weg für die kroatische Friedensbewegung, auch wenn sie im Moment in einer schwierigen Lage ist, den Ansatz von Milorad Pupovats zu unterstützen. Pupovats ist Führer des Serbischen Demokratischen Forums in Kroatien, das sich gegen die Politik von Slobodan Milosevic und seine großserbischen Pläne stellt.

"Wenn man sich dieser Logik entziehen will, muß man die zwiespältige Rolle der Serben in Kroatien verstehen", betont Pupovats, der seine Meinung für repräsentativ unter den serbischen Intellektuellen in den kroatischen Städten hält. "Welche Lösung für das Problem ihrer Rechte gefunden wird, ist sowohl für die Selbstbestimmung und Befreiung der Kroaten als auch der Serben wichtig." Wie aber soll den Kämpfen ein Ende gemacht werden? "Wir können keinen Waffenstillstand durchsetzen, da wir weder die Waffen noch die Kontrolle über die Truppen haben. Wir können nur dazu beitragen, den nationalen Widerstand in politische Aktivität umzuwandeln. Das ist in den serbischen Dörfern nicht einfach, wo die Serben traditionellerweise Krieger sind, die wenig Willen zeigen, ihre Anschauungen politisch zu lußern." Das Serbische Demokratische Forum JUGOSLAWIEN versucht, weite Kreise zusammenzubringen gung für die Serbische Erneuerung, der für ein und zu politisieren. Darunter Sind Serbinnen Großserbien auf dem Verhandlungsweg einaller sozialen Schichten, sowohl aus den tritt. Neben dem Verlangen, sich gegen Milo- Städten als auch den Dörfern in Kroatien. sevic zustellen drücken solche Widersprüche Zusammen mit dem Führer der kroatischen die Bandbreite von Positionen aus, die wenig- Bauernpartei wird versucht, eine Politik in stens gegenüber den Folgen des Krieges den Dörfern zu entwickeln. "Das ist ein lan- sensibel sind. Sie reflektieren auch die Ablehger und steiniger Weg, da wir sowohl von den nung einer Politik, die die Serben in Wider- Anhängern Tudjmans und Milosevics als spruch zu allen anderen bringt, indem sie das Verräter geschen werden." Scheinargument ins Feld führt, daß ja in Die Antikriegsaktivistinnen in Serbien Wirklichkeit alle gegen die Serben seien. sind auch dem Verdacht des Verrats ausge- Es ist nur normal, daß sich die breite setzt. Dort verhindert die Propagandamaschi- Antikriegsbewegung in Serbien - wie auch an ne jede Verständigung: Das Bundespräsi- allen anderen Orten - in verschiedene Kräfte dium (nur noch aus Serbien und Montenegro unterteilt. Sie hat aber auch die Chance, zu bestehend) hat vor kurzem ausdrücklich er- einer wirklichen Widerstandsfront zu werklärt, daß sich die Bundesarmee "nicht aus den. Diese wäre notwendig, um den Trend zur den kroatischen Gebieten, wo Serben leben, Desertation unter Jugendlichen auszuweiten, zurückziehen kann, weil sie sonst von der der sich mehr und mehr auf Serben auszudephysischen Ausrottung bedroht sind."(5) Es hen beginnt, die sich von den Herrschenden hat seinen Aufruf zur Mobilisierung von manipuliert fühlen. Reservisten damit gerechtfertigt, daß "dauernde Kriegsgefahr" bestünde. Demokratische Methoden Vor diesem Hintergrund war es wohl nur der Medienpräsenz anläßlich des Besuches Die Antikriegsbewegung fördert auch eines Mitgliedes der ehemaligen königlichen pluralistische Standpunkte und die Verbrei- Familie zu danken, daß eine Demonstration tung von Informationen über den Krieg, die gegen die Bombardierung Dubrovniks nicht der Bevölkerung eine gewisse Unabhängigverboten wurde. Am 5. Oktober demonstrier- keit gegenüber der Kriegshetze in den offi- ES LEBE ESTE

SERBIENT KROATIEN!

ten ca. 3000 "Verräter" in Belgrad und unter- ziellen Medien ermöglichen. zeichneten einen Aufruf zur Verteidigung Der Slovene Marko Hren gab uns folgenjunger Leute, die in diesem Krieg nicht kämp- den Definition der Antikriegsbewegung: "Es fen wollen. Sicher keine große Zahl, aber geht in erster Linie darum, demokratische unter diesen Umständen eine für die weitere Kriterien und Mechanismen für die Lösung Entwicklung äußerst wichtige Aktion. der Krise zu erarbeiten und nicht so schr, die Verfechterinnen einer großserbischen Lösungen selber vorzuschlagen. " Das bedeu- Lösung gibt es auch in der Opposition gegen tet, daß sich alle in den Konflikt verwickelten Milosevic und sogar in der Antikriegsbewe- Gruppen artikulieren dürfen, ohne daß eine gung. Dies gilt z.B. für die Anhängerinnen bestimmte bevorzugt wird, um auch Mindervon Vuk Drasovic, dem Führer der Bewe- heiten dieses Recht zu garantieren und syste-

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matische und zusammenhängende Antworten auf die Gesamtheit der miteinander verbundenen Probleme zu geben. Obwohl es in einer Situation, wo nationaler Chauvinismus und die Logik des Krieges vorherrschend sind, schwer ist, auch nur an "Lösungen" zu denken, scheint es ein einheitliches Herangehen zu geben.

Dies zeigt sich in den Forderungen des Slovenischen Zentrums für eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit, die am 4. Juli veröffentlicht wurden: "Anerkennung des Selbstbestimmungsrechtes für die Bürger Sloveniens und aller Nationen in Jugoslawien (Kosovo-Albaner, Kroaten, Serben usw.)"..."Das Einbeziehen aller Konflikte und die Suche nach Gesamtlösungen (für den Kosovo, die serbischen Gebiete in Kroatien, Bosnien) und dies nicht nur für Slovenien." Die Übereinstimmung mit den Positionen Milorad Pupovats fällt ins Auge: "Jedes Volk muß seine Wünsche vorbringen können. Der grundlegende Maßstab müssen aber die Prinzipien der Selbstbestimmung und der Souveränität sein." Er ist einer der wenigen Serben, die die Frage der KosovoalbanerInnen in einem Atemzug mit der der kroatischen Serben nennen: "Der Unterschied zwischen den Kosovoalbanern und den kroatischen Serben besteht darin, daß sich erstere nicht freiwillig Serbien angeschlossen haben und daß letztere im Gegensatz dazu auf freiwilliger Basis ein wichtiger Bestandteil Kroatiens und Jugoslawiens geworden sind. In jeder anderen Hinsicht ist die Situation jedoch dieselbe, und daher müssen auch die Rechte dieselben sein. Die Albaner sind zwischen verschiedenen Staaten aufgeteilt worden und sie müssen alle Mittel bekommen, um ihre politische, kulturelle und territoriale Autonomie zu bekommen und um Verbindungen untereinander herzustellen - nicht nur mit Albanien, sondern auch mit den Albanern in Makedonien und Montenegro.

Sie müssen in Jugoslawien und den internationalen Institutionen Mittel in die Hand bekommen, um ihre Rechte zu schützen. Dasselbe gilt für die Serben in Kroatien. Innerhalb der Republiken sollte es nationalethnische Formen der Souveränität geben, die in den Rahmen der Souveränität aller Bürger eingebettet ist. Hierbei handelt es sich um zwei Formen der Souveränität, für die Ausdrucksformen gefunden werden müssen. Im Moment gucken die kroatischen Serben wie Janus in zwei Richtungen, nach Zagreb und nach Belgrad. Jetzt will man sie dazu bringen, sich für eine zu entscheiden. Aber die Kunst der Politik besteht darin, die Dinge in ihrer Gesamtheit auszudrücken." In Sarajewo gibt es regelmäßig Sitzungen JUGOSLAWIEN eines Vor-(oder Parallel-) Parlaments, wo genau dieselben Positionen vorgebracht werden. Diese Treffen werden von den Gründerinnen der UJDI, der Vereinigung für eine Jugoslawische Demokratische Initiative organisiert, der auch Pupovats angehört. Sie begannen vor zwei Jahren, als sich kleine Gruppen aus allen Republiken zusammenfanden, um eine radikal-demokratische Politik zur Lösung der Konflikte in Angriff zu nehmen. Damals ging es hauptsächlich um den Kosovo. Repräsentantinnen aller Strömungen, seien sie für oder gegen die Regierungsseite, wurden zu den Treffen des Vorparlaments eingeladen.

Manche mögen dies als Naivität betrachten oder als einen sinnlosen Versuch, das sterbende Jugoslawien am Leben zu erhalten. Doch laut Pupovats "ist Jugoslawien für die UJDI kein Selbstzweck. Die Hauptsache ist die Suche nach demokratischen Lösungen. Auf dem Gebiet, wo wir leben, mögen unilaterale Herangehensweisen legitim sein, sic sind jedoch dazu verdammt, in einer Sackgasse zu enden."

Rechte und Grenzen "Es ist nur zu leicht, den Nationalismus auszunutzen" sagt Marko Orsocic, ein sehr populärer Franziskanermönch, Kroate aus Bosnien und Verfechter eines souveränen Bosnien-Herzegowina im jugoslawischen Ramen. "Beim Nationalismus braucht man nicht zu denken - nur zu fühlen. Da das Regime die Leute nicht ermutigt hat, selber zu denken...werden Mauern zwischen Religionen und Sprachen aufgebaut, um die Grenzen zu zementieren. In Wirklichkeit ist es aber so, daß - wenn die Rechte respektiert werden - dies auch mit den Grenzen geschehen wird. Diese werden dann immer mehr an Bedeutung verlieren." Anmerkungen 1. Die Information gab mir ein Aktivist des Friedeoszentrums in Sarajewo, der auch die wichtigste Person bei cicer oeveo Zeitung Spektar, wed einer Fernsehsendung. Good Vibrations, ist. 2. Die Territorialverteidigung, die voo Tito nach der sowjetischen Intervestion in der Tachechoslovakei 1968 ins Lebeo gerufeo worden war, umfaße Bürgerloneo (Frauen köenen auf freiwilliger Basis Mitglied werdeo) aus des verschiedeoen Republikeo, die sich regelmäßigem militärischem Training unterziebeo. Als die Wablen 1989 den Aufstieg der nationalistischee vod für die Unabbãogigkeit eintretenden Strömungeo brachten, begane die Bundesarmee, die Waffen der Territorialverteidigung in Slove nien und Kroatien einzusammels. Die slovenische Fübrung widersetzte sich dem jedoch mit Brfolg 3. Bine Aospielung auf das pro-faschistiscbe Unescha-Regime, des wäbreed des Krieges in Kroatieo eiogesetzt wordes war und das für Massaker an Serblosen verastwortlich ist. 4. Römisch-katbolische Kroatlenco becotzeo traditionell das lateinische Alphabet wed ortbodoxe Serbloneo das kyrillisbe. 5. Le Moode, 13/14 Oktober, 1991. 6. Daoas, 8. Oktober, 1991.