Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Gewerkschaften

Die französischen Gewerkschaften vor dem Umbruch

· Inprekorr Nr. 236/237, Juni/Juli 1991 · S. 11-12 · 681 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Frankreich

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Die französischen chen, um Boden für ihre Seite zu gewinnen, hätten sie mehr Verständnis. Zumindest hoffen das jene. die mit dem "Neuordnungs"- Projekt beschäftigt sind.

Gewerkschaften vor Das Kapitel Klassenkampf abschließen dem Umbruch

Deshalb schen die Führungen von FEN und CFDT die Zeit gekommen, das Kapitel gewerkschaftlichen Klassenkampfes in Frankreich abzuschließen. Die "guten" Elemente müssen zusammengebracht und die "schlechten" (Kommunisten oder andere, die sich nicht beugen wollen), isoliert werden. Sie Pluralistisch' und traditionell durch einen niedrigen Organisascheuen nicht vor der Tatsache zurück, daß dieser Vorgang Spaltungen bedeutet. tionsgrad gekennzeichnet, ist die französische Gewerkschaftsbe- Daher schloß die Führung der CFDT im wegung heute geschwächt und ausgelaugt. Ihre Militanz und die Anschluß an die Kämpfe des Krankenhau- Einheit, die sie besonders zwischen 1966 und 1978 erreichte, spersonals und der Arbeiter im Post- und gaben ihr beträchtliche Kampfkraft. Jedoch seit dem Ende der ge- Femmeldebereich (PTT) 1988, örtliche oder regionale Gewerkschaftsfunktionäre und meinsamen Aktionen der beiden größten Gewerkschaften, der Organisationen aus, die die Forderungen nach Allgemeinen Arbeitergewerkschaft (CGT) und der Demokratidemokratischer Kontrolle durch dic Streikenschen Französischen Arbeitergewerkschaft (CFDT) vor 12 Jahren den unterstützt hatten.?

hat die organisierte Gewerkschaftsbewegung die Hälfte ihres An- Sicherlich wird es auch weiterhin von den Basiskoordinationen angeregte "wilde Streiks" hangs verloren. Nur etwa 5 Prozent der Metallarbeiter sind heute geben, aber, so die Führer von CFDT und gewerkschaftlich organisiert - eine Rückkehr zur Situation vor FEN, die "verhandlungsfähigen" Organisaden großen Kämpfen unter der Volksfrontregierung im Juni 1936. PIERRE REME

D rung seit 1981 - wobei die CGT den Die Komplizenschaft mit der Regie- Interessen der Französischen Kommunistischen Partei (PCF) diente, und die Nationale Erzichungsgewerkschaft (FEN) und die CFDT sich hinter eine Fraktion der Sozialistischen Partei (PS) stellten - war nicht gerade hilfreich. Während 80 Prozent der Arbeiter ihrem Glauben Ausdruck geben, daß gewerkschaftliche Organisation am Arbeitsplatz oder zur Erreichung von Zielen der gesamten Klasse notwendig ist, herrscht andererseits ein gewaltiges Mißtrauen gegen die bestehenden Gewerkschaftsführungen vor.

Eine solche Lage ließe sogar die sturste und engstirnigste Bürokratie über das Problem eines langfristigen Überlebens nachdenken. Und die Führer der FEN und der CFDT sind tatsächlich mit einem sogenannten Projekt der "gewerkschaftlichen Neuordnung" an die Öffentlichkeit getreten. Offensichtlich angeregt von gegenwärtigen sozialdemokratischen Projekten hoffen sie Nutzen aus dem Niedergang der PCF, dem niedrigen Stand der Klassenkämpfe und dem Orientierungsverlust vieler gewerkschaftlicher Aktivisten ziehen zu können, um, ausgehend vom Versuch einer Vereinigung von FEN und CFDT, eine historische Veränderung in der Natur der Gewerkschaften zu erreichen.

Ihrer Ansicht nach könnte Übereinstimmung in weiteren Bereichen mit Arbeitgebern und Regierung erzielt werden, wenn die Gewerkschaftsbewegung sich als "realistisch und ökonomisch verantwortungsbewußt" darstellte. Sie hoffen, als Vermittler zwischen den "modernistischen" Bereichen der Multis und dem einen oder anderen sozialistischen oder zentristischen Minister agieren zu können.

Wüßten die "Partner" (die Arbeitgeber). so argumentieren sie, daß die Gewerkschafter die Dinge in mehr oder weniger gleicher Geisteshaltung wie sie selbst angingen, anstatt als Aktivisten jede Gelegenheit zu sutionen werden besser abschneiden. Zusätzlich hoffen sie, daß eine Veränderung ihrer Finanzstruktur einen Ausgleich für loyale Aktivisten schaffen wird.

Alles, was die Gewerkschaften von freiwilligen Beitragszahlungen wegbringt, scheint ihnen gut, da Gewerkschaften auf freiwilliger Basis auch die Forderung nach Unabhängigkeit und Engagement beinhalten. Andererseits wird eine Gewerkschaft, deren Finanzen mchr oder weniger von den Arbeitgebern und der Regierung abhängen, cinfach als ein Instrument erscheinen, das auf die Durchführung von Verhandlungen spezialisiert ist. Schon jetzt bearbeiten die beiden Führungen eine ganze Reihe von Problemen gemeinsam. 1989, während des fünfmonatigen Streiks der Finanzbeamten, vermieden CFDT und FEN jeden Anschein, die Bewegung auf den übrigen öffentlichen Dienst ausweiten zu wol- Ien.' Im Frühjahr 1990 unterzeichneten sie ein Abkommen über "Neubewertung und Neueinstufung", das weit davon entfernt war, die Forderungen der Beschäftigten zu erfullen, weigerten sich aber, ihre Mitglieder zu befragen. Der Golfkrieg veranlaßte sie, ihre Bereitschaft auszudrücken, ihre Forderungen, "wenn nötig" , zu mäßigen. Dennoch steht die Operation "Neuordnung" einer Vielzahl von Problemen gegenüber.

Die Führungen von FEN und CDFT zähl-

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