Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Frauenbewegung

Sozialistische Frauenkonferenz

· Inprekorr Nr. 224, Februar 1990 · S. 10-12 · 920 Wörter

Frauen Skandinavien Sowjetunion

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Frauen - die ersten Opfer der Wirtschaftskrise

Diese Frauen aus den Ländern des „real existierenden Sozialismus" be- Vom 24. bis 26. November 1989 fand im schwedischen Göteborg schrieben eine patriarchalische Gesellschaft, in der die Frauen die ersten Opfer das fünfte Europäische Forum Sozialistischer Feministinnen statt. der sich verschärfenden ökonomischen Mehr als 100 Frauen aus ganz Europa nahmen daran teil — zum er- Krise. sind. In einer Zeit, in der diese sten Mal auch eine bedeutende Anzahl aus den osteuropäischen Ländern.

Länder eine tiefe Wandlung durchmachen, prangerten sie die „stagnierende" Das Forum, das 1985 zum ersten Mal stattgefunden hatte, wurde in Situation der Frauen an: .,Es gibt so viele diesem Jahr von schwedischen und norwegischen Feministinnen orgader Lösung harrende drängende Fragen, nisiert. Es ist zu einem bedeutenden, jährlich stattfindenden Ereignis daß die Probleme von Frauen vergessen werden!" Die Frauen aus Osteuropa krigeworden, das sozialistischen Feministinnen aus unterschiedlichen tisierten auch den männlich-chauvinistipolitischen Zusammenhängen die Gelegenheit bietet zusammenzukomschen Paternalismus der Reformkräfte men, ihre Erfahrungen auszutauschen und eine gemeinsame Strategie zu diskutieren.

s war eine äußerst angenehme Erfahrung, sich mit mehr als hundert Frauen an diesem Ort zu befinden, der für die skandinavische Frauenbewegung von großer symbolischer Bedeutung Ist.

Die Frauenvolkshochschule (Kvinnofolkhögskolan) ist ein Fraueninstitut und die einzige parallele Schule, die aus der Frauenbewegung hervorgegangen ist. Sie wird von Lehrerinnen und Schülerinnen in demokratischer Weise geleitet und nimmt oft Flüchtlinge auf. Unter schwedischen Feministinnen ist sie als Treffpunkt wie auch als Forschungszentrum beliebt.

An diesem Wochenende hatten wir noch einen weiteren Grund, glücklich zu sein: Zusammen mit uns nahmen auch Maria aus Ungarn, Andjelska aus Jugoslawien, Natalja, Anastasia und Walentina aus der UdSSR sowie Ewa und Jolanta aus Polen am Forum teil. Die Möglichkeit, Berichte aus verschiedenen Län- Anastasia Posadskaja und berichteten von ihren Bemühungen, die ersten Gruppen unabhängiger Feministinnen zu gründen.

In Moskau haben Walentina, Natalja und Anastasia cin informelles Forschungszentrum mit folgendem Programm gegründet: die Veröffentlichung sozialer Statistiken, die unabdingbar sind für feministische Forschung, vor allem wenn sie soziologisch orientiert ist; die generelle Einführung der feministischen Dimension in das politische Leben und, um dieses Ziel zu erreichen, die Herstellung interdisziplinärer Zusammenarbeit; schließlich die Vorbereitung weiblicher Kandidaturen für die Wahlen zu den lokalen Sowjets, wozu die Festlegung einer feministischen Strategie innerhalb der bereits existierenden informellen Gruppen gehört. Sie hoffen, sich mit anderen Frauengruppen in der Sowjetunion verbinden zu können, und planen die Organisierung eines ersten nationalen Treffens von Feministinnen in Leningrad oder Moskau.

Einfluß der Kirche

In Polen haben Feministinnen das Gefühl, als ob sie gegen die Flutwelle der herrschenden Ideologie - insbesondere der katholischen Kirche, die auf Solidarność einen großen Einfluß ausübt — und der Gesamtheit der männlichen Gesellschaft anzuschwimmen haben. Trotz alledem ist die erste öffentliche feministische Vereinigung gegründet worden. Sie istsehr klein, mit nur ungefähr zwanzig Mitgliedern, was mit der Tatsache zu erklären ist, daß das Etikett „feministisch" dort immer noch als unpassend gilt. [Siche auch den Artikel von Jacqueline

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Valentina Konstantinova.

Heinen in der vorliegenden Ausgabe von Inprekorr.J

Frauengruppe aufgetaucht, während die offizielle, verknöcherte Frauenbewegung anscheinend einen autonomen Status anstrebt. Die Entstehung eines für den Feminismus günstigen Kräfteverhältnisses wird während der Übergangsperiode, die Ungarn gegenwärtig durchmacht. entscheidender Bedeutung sein. Von den zur Zeit durchgeführten Reformen sind Männer und Frauen bisher in unterschiedlicher Weise betroffen worden, und es existiert eine Gefahr, daß diese Reformen als Vorboten einer neuen Periode notwendiger Opfer seitens der Frauen, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern, angesehen werden. Bei der Entwicklung neuer Parteien haben die Frauen bis jetzt infolge eines Mangels an Information weitgehend außen vor gestanden — aber auch, weil sie das Gefühl haben, sich vor einer Welt der Politik abschirmen zu müssen, von der sie bis jetzt immer nur eine schreckliche und entmutigende Vorstellung gehabt haben. Jugoslawien: Kampf ums wirtschaftliche Überleben

Andjelska betonte die Passivität der Frauen in Jugoslawien, wo die Situation am ausweglosesten scheint - so groß ist dort offenbar die Resignation der Frauen. Ihre zentrale Sorge ist der schiere Kampf um's wirtschaftliche Überleben ihrer Familien in einem Land, das von einer FRAUENBEWEGUNG gallopierenden Inflation geschüttelt wird (2000% in diesem Jahr).

Auch wenn sie unbestritten die „Stars" auf dem Forum waren, so monopolisierten die Frauen aus Osteuropa doch keineswegs die Konferenz. Sie nahmen teil an den Debatten und Arbeitsgruppen über Frauenarbeit und -kämpfe; die neuen Technologien; die Reduzierung der Wochenarbeitszeit usw. Der größte Teil der Teilnehmerinnen kam aus Skandinavien und Großbritannien, aber fast jedes Land Natalia Zacharova wir lassen jetzt nicht mehr los Dokumente und Diskussionsbelträge zum Hungerstreik 1989 und zur Isolatlonshaft in der BRD.

Broschüre: 64 Seiten, 7.- DM Lieferung gegen Vorkasse: Verrechnungsscheck, Briefmarken oder Überweisung auf das Konto Nr. 91009209 bei der Ki-Spa-Leihkasse.

Zzgl. Versandpauschale: Einzelexemplar: 1,- DM. 10-20 Expl. 2.- DM, darüber versandkosténfrei. Ab 10 Expl. 30% Rabatt. ROTE HILFE E.V.

Postfach 6444, 2300 Kiel 1 Westeuropas war vertreten. Zusätzlich gab es Teilnehmerinnen aus Australien und Indien sowie Feministinnen aus den Immigrantengemeinden Europas, insbesondere türkische Frauen aus der BRD und Schweden.

Diese Vielfalt bereicherte den Austausch und befähigte uns, trotz unserer jeweils unterschiedlichen nationalen Situation, einen Blick auf die gemeinsamen Bestrebungen des Frauenbefreiungskampfes zu werfen.

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POLEN

Kirche, Staat und gen Stimmen. die in dieser Frage ihre Interessen verteidigten. die der Vertreter und Verbündeten der PZPR waren. Aus den Interviews. die wir mit Arbei-