In unserem Lande ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört. Belege dafür sind die weitverbreitete Verdrossenheit bis hin zum Rückzug in die private Nische oder zur massenhaften Auswanderung. Fluchtbewegungen diesen Ausmaßes sind anderswo durch Not, Hunger und Gewalt verur- ANGINTORG UdSSR
D ic gestörte Beziehung zwischen 9 Staat und Gesellschatt lahmt die schöpferischen Potenzen unserer Gesellschaft und behindert die Lösung der anstehenden lokalen und globalen Aufgaben. Wir verzetteln uns in übelgelaunter Passivität und hätten doch Wichtigeres zu tun für unser Leben, unser Land und die Menschheit.
In Staat und Wirtschaft funktioniert der Interessensausgleich zwischen den Gruppen und Schichten nur mangelhaft. Auch die Kommunikation über die Situation und die Interessenslage ist gehemmt. Im privaten Kreis sagt jeder leichthin, wie seine Diagnose lautet und nennt die ihm wichtigsten Maßnahmen. Aber die Wünsche und Bestrebungen sind schr verschieden und werden nicht rational ge- Wir wollen vor Gewalt geschützt sein und geneinander gewichtet und auf Durch- dabei nicht einen Staat von Bütteln und führbarkeit untersucht. Auf der cinen Spitzeln ertragen müssen. Faulpelze und Seite wünschen wir uns eine Erweiterung Maulhelden sollen aus ihren Druckposten des Warenangebots und bessere Versor- vertrieben werden, aber wir wollen dabei gung. andererseits sehen wir deren sozi- keine Nachteile für sozial Schwache und ale und ökologische Kosten und plädieren Wehrlose. Wir wollen ein wirksames für die Abkehr von ungehemmtem Gesundheitswesen für jeden; aber nie- Wachstum. Wir wollen Spiclraum für mand soll auf Kosten anderer krank feiwirtschaftliche Initiative, aber keine Ent- ern. Wir wollen an Export und Welthanartung in eine Ellenbogengesellschaft. del teilhaben, aber weder zum Schuldner Wir wollen das Bewährte erhalten und und Diener der führenden Industriestaadoch Platz für Erneuerung schaffen, um ten noch zum Ausbeuter und Gläubiger sparsamer und weniger naturfeindlich zu der wirtschaftlich schwachen Länder leben. Wir wollen geordnete Verhält- werden.
nisse, aber keine Bevormundung. Wir Um all diese Widersprüche zu erkenwollen freie, selbstbewußte Menschen, nen, Meinungen und Argumente dazu die doch gemeinschaftsbewußt handeln. anzuhören und zu bewerten, allgemeine
von Sonderinteressen zu unterscheiden, bedarf es eines demokratischen Dialogs über die Aufgaben des Rechtsstaates, der Wirtschaft und der Kultur. Über diese Fragen müssen wir in aller Öffentlichkeit, gemeinsam und im ganzen Land. nachdenken und miteinander sprechen. Von der Bereitschaft und dem Wollen dazu wird es abhängen, ob wir in abschbarer Zeit Wege aus der gegenwärtigen krisenhaften Situation finden. Es kommt in der jetzigen gesellschaftlichen Entwicklung darauf an, zeß mitwirkt:
• daß die vielfältigen Einzel- und Gruppenaktivitäten zu einem Gesamthandeln DDR
Bibliothekarin, Halle; Dr.Frank Eigenfeld, Geologe, Halle; Hagen Eckrath, Student, Berlin; Olaf Freund, Fotolaborant, Dresden; Katja Havemann, Heimerzieherin, Grünheide; Alfred Hempel, Pfarrer, Großschönau; Rolf Henrich, Jurist. Eisenhüttenstadt; Jan Hermann. Krankenpfleger, Brandenburg: Martin Klähn, Bauingenieur, Schwerin; Kathrin Menge, Hochbauingenieurin, Berlin; Dr.Reinhard Meinel, Physiker, Potsdam; Otmar Nickel, Drechsler, Dresden; Dr.Christine Pflugbeil, Ärztin, Berlin; Neues Forum:
Sebastian Pflugbeil. Physiker, Berlin; Reinhardt Pumb. Krankenpfleger, Berlin; Dr.Eva Reich, Ärztin, Berlin; Prof. Dr. Jens Reich. Arzt und Molekularbiologe, Berlin; Hanno Schmidt, Pfarrer, Coswig; Reinhard Schult, Betonfacharbeiter, Berlin; Jutta Seidel, Zahnärztin, Berlin; Dr. Eberhard Seidel, Arzt, Berlin; Lutz Stropahl, Musikerzieher, Berlin; Dr. Rudolf Tschäpe, Physiker, Potsdam; Hans-Jochen Tschiche, Pfarrer, Samswegen; Catrin Ulbricht, Dresden.